THE LIBRARY OF THE UNIVERSITY OF NORTH CAROLINA THE CHESTER N. GOULD COLLECTION OF SCANDINAVIAN PHILOLOGY AND LITERATURE THE LIBRARY OF THE UNIVERSITY OF NORTH CAROLINA ENDOWED BY THE DIALECTIC AND PHILANTHROPIC SOCIETIES PT921 .g6 Bö B.3 c.2 UNIVERSITY OF NC. AT CHAPEL HILL 10002742588 This book is due at the LOUIS R. WILSON LIBRARY on the last date stamped under "Date Due." If not on hold it may be renewed by bringing it to the library. DATE R£T DATE DIE JUL 0.: •.„'.-' ^-' flftrt? f T ^STM T - LI A n An OftfVt MAR 09 2001 H— - | FEB 2 2 2005 läMäu .;„•. - r- FR 2 3 20 15 | lAJ^aX oe / Y 1 *\ V er ANMERKUNGEN ZU DEN KINDER- U. HAUSMÄRCHEN DER BRÜDER GRIMM — — — ( s L .. NEU BEARBEITET VON JOHANNES BOLTE und GEORG POL1VKA V\ DRITTER BAND (NR. 121—225) LEIPZIG DIETERICH'SCHE VERLAGSBUCHHANDLUNG M. B. H. 1918. Digitized by the Internet Archive in 2012 with funding from University of North Carolina at Chapel Hil http://archive.org/details/anmerkungenzuden03grim Vorwort. Als im November 1914 der zweite Band dieses Werkes in die Welt ging, da hofften wir auf ein baldiges Ende des blutigen Völkerringens. Noch hat sich trotz der im Osten ein- getretenen Waffenruhe diese Hoffnung nicht erfüllt; noch immer regiert Mars die Stunde; indessen der Krieg nimmt nicht mehr alle unsere Gedanken und Kräfte für sich in An- spruch, wir arbeiten nicht mehr für ihn allein, sondern auch für die Bedürfnisse der Friedenszeit, die endlich kommen muß. Dazu sollen auch diese Anmerkungen an ihrem be- scheidenen Teile dienen ; denn sie bringen keinen Abschluß der Forschung, sondern fordern durch Sammlung und Sichtung des Märchenstoffes zu weiterer Untersuchung der Zusammen- setzung, Wanderung und Umwandlung der Märchen auf, an welcher alle Völker der bewohnten Erde beteiligt sind. Mit Bedacht ist von einer Formulierung hier und da hervor- leuchtender Ergebnisse abgesehen. Das angehängte Verzeichnis der Literatur wird die Nachprüfung des Dargebotenen er- leichtern; das Motivregister dagegen mußte aus räumlichen Gründen dem vierten und letzten Bande vorbehalten bleiben, der auch die verheißene kurze Geschichte der Grimmschen Sammlung und eine Übersicht über den Märchenvorrat der andern Völker enthalten soll. Mit herzlichem Dank habe ich wiederum der freund- lichen Hilfe zu gedenken, die Herr Professor J. Horäk in Prag in den letzten Monaten während einer neuen Augen- erkrankung meines Mitarbeiters Prof. Georg P o 1 i v k a durch die Nachprüfung der angeführten slavischen Fassungen und durch die Korrektur der Druckbogen geleistet hat. Berlin, im März 1918. Johannes Bolte. Inhalt. Seite Vorwort V 121. Der Königssohn, der sich vor nichts fürchtet (1819) .... 1 122. Der Krautesel (1819) 3 123. Die Alte im Wald (1815) 9 124. Die drei Brüder (1815) 10 125. Der Teufel und seine Großmutter (1815) 12 126. Ferenand getrü un Ferenand ungetrü (1815) 13 127. Der Eisenofen (1815). — Prinz Schwan (1812). — Hurleburle- butz (1812) 37 128. Die faule Spinnerin (1815) 44 129. Die vier kunstreichen Brüder (1819) 45 129a. Der Löwe und der Frosch (1815) 58 130. Einäuglein, Zweiäuglein und Dreiäuglein (1819) 60 130a. Der Soldat und der Schreiner (1815) 67 131. Die schöne Katrinelje und Pif Paf Poltrie (1815) 71 132. Der Fuchs und das Pferd (1815) 74 133. Die zertanzten Schuhe (1815) 78 134. Die sechs Diener (1815) 84 135. Die schwarze und die weiße Braut (1815) 85 136. Der Eisenhang (1844). — De wilde Mann (1815) 94 137. De dre schwatten Prinzessinnen (1815) 114 138. Knoist un sine dre Sühne (1815) 115 139. Dat Mäken von Brakel (1815) 120 140. Das Hausgesinde (1815) 129 141. Das Lämmchen und das Fischchen (1815) . 137 142. Simeliberg (1815) 137 143. Up Reisen gohn (1819) 145 143a. Die Kinder in Hungersnot (1815) 151 144. Das Eselein (1815) 152 145. Der undankbare Sohn (1815) 167 146. Die Rübe (1815) 169 147. Das junggeglühte Männlein (1815) 193 148. Des Herrn und des Teufels Getier (1815) 199 149. Der Hahnenbalken (1815) 201 150. Die alte Bettelfrau (1815) 206 151. Die drei Faulen (1815) 207 152. Das Hirtenbüblein (1819) 214 Inhalt. VII Seite 153. Die Sterntaler (1812) 233 154. Der gestohlene Heller (1812) 235 155. Die Brautschan (1819) 236 156. Die Schlickerlinge (1819) 239 157. Der Sperling und seine Kinder (1812) 239 157a. Die heilige Frau Kümmernis (1815) 241 158. Das Märchen vom Schlauraffenland (1815) 244 159. Das Ditmarsische Lügenmärchen (1815) 258 160. Rätsel märchen (1815) 259 161. Schneeweißchen und Rosenrot (1837) 259 162. Der kluge Knecht (1837) 260 163. Der gläserne Sarg (1837) 261 164. Der faule Heinz (1837) 261 165. Der Vogel Greif (1837) 267 166. Der starke Hans (1837) 274 167. Das Bürle im Himmel (1837) 274 168. Die hagere Liese (1840) 275 169. Das Waldhaus (1840) 276 170. Lieb und Leid teilen (1840) 277 171. Der Zaunkönig (1840) 278 172. Die Scholle (1840) 284 173. Rohrdommel und Wiedehopf (1840) 285 174. Die Eule (1840) 286 175. Der Mond (1857) 288 175a. Das Unglück (1840) 289 176. Die Lebenszeit (1840) 290 177. Die Boten des Todes (1840) 293 178. Meister Pfriem (1843) . . . . , 297 179. Die Gänsehirtin am Brunnen (1843) 305 180. Die ungleichen Kinder Evas (1843) 308 181. Die Nixe im Teich (1843) 322 182. Die Geschenke des kleinen Volkes (1850) 324 182a. Die Erbsen probe (1843) 330 183. Der Riese und der Schneider (1843) 333 184. Der Nagel (1843) 335 185. Der arme Junge im Grab (1843) 337 186. Die wahre Braut (1843) 338 187. Der Hase und der Igel (1843) 339 188. Spindel, Weberschiffchen und Nadel (1843) 355 189. Der Bauer and der Teufel (1843) 355 190. Die Brosamen auf dem Tisch (1843) 365 191. Das Meerhäschen (1857) 365 VIII Inhalt. Soite 191a. Der Räuber und seine Söhne (1843) 369 192. Der Meisterdieb (1843) 379 193. Der Trommler (1843) 406 194. Die Kornähre (1850) 417 195. Der Grabhügel (1850) 420 196. Oll Rinkrank (1850) 423 197. Die Kristallkugel (1850) 424 198. Jungfrau Maleen (1850) 443 199. Der Stiefel von Büffelleder (1850) 450 200. Der goldene Schlüssel (1819) 455 Kinderlegrenden. 201. Der heilige Joseph im Walde (1819) 457 202. Die zwölf Apostel (1819) 460 203. Die Rose (1819) 460 204. Armut und Demut führen zum Himmel (1819) 461 205. Gottes Speise (1819) 461 206. Die drei grünen Zweige (1819) 463 207. Mutter-Gottes-Gläschen (1819) 471 208. Das alte Mütterchen (1819) 472 209. Die himmlische Hochzeit (1815) 474 210. Die Haselrute (1850) 477 Bruchstücke. 211. Der Mann vom Galgen (1812) 478 212. Die Laus (1812) 483 213. Der starke Hans (1822) 487 214. Der gestiefelte Kater (1822) . 487 215. Die böse Schwiegermutter (1812) 488 216. Märchenhafte Bruchstücke in Volksliedern (1856) 489 Märchen aus dem Nachlasse der Brüder Grimm. 217. Der dankbare Tote und die aus der Sklaverei erlöste Königstochter 490 218. Die getreue Trau 517 219. Die Prinzessin im Sarge und die Schildwache 531 220. Fürchten lernen 537 221. Sankt Peters Mutter 538 222. Warum die Hunde den Katzen und die Katzen den Mäusen feind sind 542 223. Warum die Hunde einander beriechen 543 224. Der Horcber, der Läufer, der Bläser und der Starke (1813) . 556 225. Vom Mäuschen und vom Bratwürstchen (1857) 558 Verzeichnis der benutzten Märchensammlungen . . . 561 121, Der Königssohn, der sich vor nichts lese s. 200. fürchtet. 1819 nr. 121: aus dem Päd erbörnis chen, also von der Familie v. Haxthausen. Eingesetzt für 1815 nr. 35 'Die himmlische Hochzeit' (unten nr. 209). — Die Überlieferung ist verwirrt oder getrübt, auch schließt sich der letzte Teil den früheren nicht recht an. — A. Ein mutiger Prinz erbietet sich, einen Apfel vom Baume des Lebens1) für einen Riesen zu holen ; dieser aber beansprucht auch den erbeuteten Armring und blendet ihn hinterlistig. B. Der Löwe, der dem Helden freiwillig aus dem Wundergarten gefolgt ist2), tötet den Riesen und (C) leitet seinen Herren zu einem Wasser, das ihm sein Augenlicht wiedergibt (vgl. oben 2, 468) D. Durch drei Qualnächte erlöst der Prinz eine schwarze Jungfrau3). Vermutlich stammen die Teile A — C aus dem oben 1, 551 besprochenen Märchen von den Hunden des Drachentöters und seiner treulosen (Schwester oder) Mutter, die den Riesen bewegt, ihren Sohn zu ermorden, nachdem sie ihn vergeblich auf gefährliche Abenteuer, 1) Vgl. ohen 1, 513. 2, 400. W. Menzel, Die deutsche Dichtung 1, 162 vergleicht die Erbeutung der Apfel der Hesperiden und den Überfall des schlafenden Herakles durch die Kerkopen (Preller, Griech. Mythologie2 2, 230). 2) Der Löwe gehört zu den oben 1, 134. 2, 21 genannten hilf- reichen Tieren; doch wird seine Dankbarkeit nicht wie in den mittel- alterlichen Sagen von Heinrich dem Löwen (Grimm, DS. nr. 526. Bartsch, Herzog Ernst 1869 S. CXIX. Zimmermann, Paul - Braunes Beiträge 13, 278. Grnndtvig, DgF. 2, 608 nr. 114), Iwein und andern Rittern (Etienne de BourboD, Anecdotes historiques 1877 p. 188. Frommanns Dt. Mundarten 2, 11. Volkskunde 17, 53) durch seine Errettung von einem Lindwurm begründet. 3) Vgl. oben 2, 330. Dazu noch Panzer, Beitrag 1, 191 Die drei verwunschenen Frauen' und Berze Nagy nr. 56 'Der tapfere Soldat'. Grimm, Härchen- Anmerkungen III. 1 2 121. Der Königssohn, der sich, vor nichts fürchtet. nach Löwenmilch oder den Lebensäpfeln, ausgesandt hat1). Statt der hilfreichen Hunde des Helden erscheint wie hier ein Löwe bei Wolf, Hausmärchen S. 145 'Das weiße Hemd, das schwere Schwert und der goldene Bing'; Ey S. 154 'Der junge Riese'; Jahn 1, 194 nr. 36 'Die zwölf Riesen' und 1, 202 nr. 37 'Die beiden Försters- kinder'; Müllenhoff S. 416 nr. 11 'Das blaue Band'. Vlämisch: De Mont en de Cook, Wondersprookjes S. 119 nr. 15. Norwegisch: Asbjörnsen-Moe nr. 58 (60) 'Det blaae baand' = Stroebe 2, 264. — In unserm Märchen wird der Riese gleichfalls durch seine Braut dazu getrieben, den Helden nach dem Lebensapfel auszusenden und mit ihm um den Ring zu kämpfen; aber daß diese Braut die eigne Mutter oder Schwester des Jünglings war, schien dem Erzähler wohl zu ungeheuerlich. J) Vgl. noch Macculloch p. 58 'The traitress cycle'. Spiegel nr. 5 'Der Zauberring' (Mutter). Kristensen, Aev. fra Jylland 3, 1 nr. 1 'Prinsen og Prinsessen i den vilde Skov' (Mutter). Allardt nr. 141 'Om den unga drängen, som slog ihjäl röfvaren' (Braut; Wolf, Bär, Löwe). Aberg nr. 178 'Pojken och hans följeslagar' (abweichend). Hackmans Register nr. 315. Athaide Oliveira 1, 15 nr. 7. Kretschmer nr. 46 'Der Pilger' mit Anm. Folk-lore 11, 340 nr. 12 'The Gorgon' (Mutter). Sainenu p. 643. Leskien nr. 63 'Der Wolf mit dem eisernen Kopfe' (Wolfsmutter). Strauß S. 169 (Mutter). Strekelj 1, 213 nr. 139—141 (Balladen. Mutter). Letopis mat. srpske 114, 147. Zbornik jslav. 21, 129 nr. 1 (Mutter). Strohal 1, 37 nr. 6 (Mutter). Bos. Vila 10, 188 (Mutter). Hrvatske nar. pjesme 5, 394. 617 nr. 218—219 (Mutter). Krasic 1, 27 nr. 4 (Schwester). Kubin, Podkrkonosi zäp. nr. 229 (Mutter); 151 (Schwester). Kulda 1, 151 nr. 34 'Der Gürtel des h. Jakob' (Mutter). Polivka, Pov. lidu opavskeho S. 17 nr. 4 (Schwester). Czambel S. 237 nr. 127. Sbornik mus. slov. spol. 17, 90 nr. 39 (Schwester). Prochäzka S. 31. Mater, antropol. 4, 248 nr. 18. Balinski-Wojcicki S. 119 (Schwester). Lud 10, 390 (bearbeitet von Ant. Czajkowski). Lorentz, Teksty S. 573 nr. 705. S. 428 nr. 546 (Schwester). Rudcenko 1, 121. 131. 139. 2, 67 (Schwester). Cubinskij 2, 143 (Schwester). 154. 157. Malinka S. 277 nr. 16. Etnogr. Zbirnyk 13, 61 nr. 278. Dobrovoljskij 1, 495 nr. 15 (Schwester). Pederowski 2, 65 nr. 343. Etnogr. Obozr. 46, 41. Chudjakov 1, 42 nr. 10. Erlenwein S. 94 nr. 25. Afanasjev nr. 118a — v. Löwis nr. 21 (Schwester). Weryho lett. S. 178 nr. 13. Anikin S. 12 nr. 2 (Schwester). Radioff 10, 138 nr. 76 (Schwester). Sbornik mater. Kavkaz. 21, 2, 8 nr. 8 (Mutter). 42, 2, 127 nr. 5. Aarnes Register nr. 315. Folklore 23, 94 = Chalatianz nr. 5. Schmidt- Kahle, Palästina nr. 42 (Mutter). Basset, C. herberes 1, 222 nr. 11 'Conte du chasseur'. Destaing 2, 159 nr. 74. Moulieras 1, 87. Laoust p. 188 nr. 20. Hanoteau, Grammaire kabyle 1858 p. 272. 122. Der Krautesel. 3 122. Der Krautescl. i«es.2oi. 1819 nr. 122 aus Deuts chböhmen, eingesetzt für das oben 1, 470 abgedruckte Stück 'Die lange Nase' (1815 nr. 36). Am 10. Dezember 1814 meldete Jacob Grimm aus Wien seinem Bruder Wilhelm (Briefwechsel zwischen J. und W. Grimm aus der Jugend- zeit 1881 S. 393): 'Ich habe ein schönes Märchen vom Krautesel bekommen, das uns gänzlich fehlt'. Die Erzählung handelt A) von dem Herzen des Glücks- vogels, nach dessen Genuß der Held alle Morgen ein Goldstück unter seinem Kopfkissen findet (oder Gold speit), und B) von dessen Verlust und Wiedergewinnung : ein habgieriges Mädchen läßt ihn sich erbrechen und nimmt das Herz an sich, wird aber zur Strafe in eine Eselin verwandelt. Der erste Teil erinnert also an das Brüder märchen (1, 542), wo zwei Knaben Kopf und Herz des von einem anderen für sich zubereiteten Glücksvogels verzehren, der zweite an den oben 1," 470 behandelten Fortunat- cyklus, und häufig finden sich Übergänge und Vermischungen mit diesen Themen. Wir führen hier nur die Märchen auf. in denen das Erbrechen des Vogelherzens und die Tierverwandlung vorkommt1). Siebenbürgisch bei Haltrich nr. 6 'Der seltsame Vogel': der Vater jagt die beiden Knaben, die Herz und Leber des an den Juden verkauften Vogels gegessen, aus dem Hause. Der jüngere Bruder wird König, der ältere heiratet; seine Frau erfährt sein Geheimnis, gibt ihm einen Schlaftrunk und ein Brechmittel ein, daß er das Herz von sich gibt, und stößt ihn von sich. Er erhält von einer Hexe einen Zaum, verwandelt damit sein Weib in ein Pferd und mißhandelt sie, bis er als Tierquäler verklagt wird. Der König, in dem er seinen Bruder erkennt, läßt die zurückverwandelte Frau hinrichten. Bei Pröhle, M. für die Jugend S. 67 nr. 18 'Von den ungetreuen Wirtstöchtern und von der Prinzessin mit goldnen Haaren' werden die Hexe, die Wirtin und ihre Tochter durch Salat in Eselinnen verzaubert. Mit andern Motiven, z. B. dem Drachen- töter (oben 1, 547), verbunden aus Pommern in Bl. f. pomm. Volkskunde 4, 65. 89 'Schloß Golden-Perlstein' (Esel durch Apfel). *) Vgl. R. Köhler 1, 409. Polivka, Närodopisny Sbornik cesko- slovansky 6, 94—143 (1900). Aarne, Mernoires de la soc. finno-ougrienne 25, 143—200 (1908): Das Märchen vom Zaubervogel. 1* 4 122. Der Krautesel. Vlämiscb bei Verraast S. 34 'Het goudvogeltje' (Brüder- märchen; Herz ausgebrochen, Esel durch Apfel). — Dänisch bei Kristensen 3, 103 nr. 21 'De to Brodre' (Pferd durch Apfel. Ver- mischt mit dem Brüder- und dem Fortunatmärchen). — Schwedisch bei Aberg nr. 76 'Önskikappon'. Allardt nr. 66 'De granatiska bärje' und nr. 67 'Om jsegarn, som bläi jifter mä en slotsfroken'. Hackmans Register nr. 567. — Französisch bei Luzel 3, 50 'Le petit oiseau ä l'oeuf d'or' (Herz ausgebrochen, Pferd durch Kirschen). Sebillot, C. de la Haute-Bretagne 1, 97 nr. 14 'L'oiseau bleu' (Vogelherz an einem Silberfaden aus dem Munde des Schlafenden gezogen; Esel durch Sellerie). Sebillot, Contes des Landes p. 49 nr. 4 'Le petit oiseau' (Vogelherz, Geld- beutel, Mantel; Esel durch Rüben). Orain, Gallo p. 52 'Coeur de pigeon' (Vogelherz, Wünschhut, Eselin). — Italienisch bei Imbriani, C. pomigl. p. 62 nr. 3 'e corna' = Monnier p. 107 'Les cornes' (Vogelleber ausgebrochen, Hörner durch Feigen, Esel durch Salat). De Nino 3, 120 nr. 21 'II cacciatore' (Vogelherz aus- gebrochen, Esel durch Kraut). Busk p. 146 'The transformation- donkey' (Vogelherz ausgebrochen, Esel durch Salat). — Spanisch in Bibl. de las trad. pop. esp. 10, 288 'El päjaro de los diamantes' = Sebillot, C. esp. p. 65 (Vogelherz ausgebrochen, Esel durch Feigen). — Rumänisch bei §äinenu p. 663 (Eselin durch Mohr- rübe). SchuJlerus nr. 88 'Die goldene Henne' (Archiv 33, 574. Vogelherz ausgebrochen, Eselin durch Apfel). — Griechisch bei Hahn nr. 36 'Das goldene Huhn' (Herz ausgebrochen, keine Tier- verwandlung). — Slowenisch: Kres 5, 249 nr. 48 = Krauß 1, 187 nr. 39 'Verwandlung einer Mutter und Tochter in Eselinnen' (Vogelherz ausgebrochen). — Serbokroatisch: Vuk nr. 26 'Der wunderbare Vogel' (entstellt). Zbornik jslav. 17, 161. Kica 9, nr. 9 S. 1 (Äpfel, Ochs). — ■ Bulgarisch: Sapkarev 9, 444 nr. 259 (Esel durch Nelke) und 9, 538 nr. 290 (Esel durch Feigen). — Ce chi seh: Nemcova 3, 120 nr. 44 = Waldau S. 90 'Vogelkopf und Vogelherz'. Milenowsky S. 187 = Zs. f. dtsch. Mythol. 2, 446 'Vom Glücksvogel' (Vogelherz ausgebrochen, Esel durch Apfel). Vaclavek 2, 19 (Erbrechen, Hörner, Esel). Öesky Lid 8, 147 (Vogel- magen, Ziegel durch Ampfer). Kulda 3, 35 nr. 3 (Korporal erhält von der entzauberten Königin und deren zwei Töchtern Wunsch- beutel, Hut und Mantel; kartenspielende Königin, zottige Birnen). — ■ Polnisch: Mater antropol. 4, 244 nr. 161 (drei erlöste Prin- 122. Der Krautesel. 5 zessinnen schenken Wunschbeutel, Gerte, Äpfel und Birnen, die in einen Bock und wieder in einen Menschen verwandeln). Kolberg, Lud 14, 82 nr. 18 (der dem Teufel verschriebene Bursch befreit eine Prinzessin, die ihm seine Wunschdinge entwendet; Esel durch Kohl). — Kaschubisch: Bronisch, Kaschub. Dialekt- studien 2, 35 nr. 2 (Esel durch Kraut). Lorentz, Teksty S. 79 nr. 120 (Vogelherz; Esel durch Kohl). — Großrussisch: Afanasjev 1, 336 nr. 115 (Erbrechen; Stute durch Peitsche). Sadovnikov S. 108 nr. 22 (Tier durch schwarze Erdbeeren). Chudjakov 1, 105 nr. 26. Ivanickij S. 166 nr. 2 (Stute durch Schlag mit Zügel), vgl. Aarne S. 108. Zapiski Krasnojarsk. 1, 93 nr. 48 (Äpfel, Hirsch). — Kleinrussisch: Moszyiiska, Zbiör 9, 89 nr. 5 (Eselin). Jastrebov S. 206 nr. 16. Hrincenko 2, 247 nr. 183 (Haarig und gehörnt durch Äpfel). Etnograf. Zbirnyk 14, 207 nr. 29 (Stute durch Kirschen); 25, 42 nr. 10 (Stute durch Schlag mit Halfterband). Dragomanov S. 336 nr. 38 (entstellt). — Weißrussisch: Dobrovoljskij 1, 561 nr. 27 (Erbrechen; Hörner durch Äpfel, Stute durch Peitsche;. Romanov 3, 192 nr. 25 (Zauberring vom Fisch ; Stiefel, Divan, Tarnkappe drei Teufeln abgelistet; Ziegenbock durch Äpfel). — - Litauisch: Dowojna Sylwestrowicz 1, 85 (Ziege durch Apfel). — Finnisch: Aarne, Märchenforschungen S. 87 (Ab 4—5. Ac 1 — 2). 147. 150 f. Aarnes Register nr. 566. 567. — Zigeunerisch: Miklosich 1874 S. 25 nr. 6 'Die Diamanten legende Henne' = Groome p. 95 nr. 25. — Von den türkischen Gagausen in Bessarabien : Radioff 10, 103 nr. 59 (Hörner durch schwarze Weinbeeren). — Tatarisch: Sbornik kavkaz. 35, 2, 101 nr. 7 (es fehlt die Liebe des zweiten Sohnes zu dem treulosen Mädchen). 23, 3, 37 (der Bursch nimmt drei 'Emegen' Tarnkappe, Wagen und Dukaten erzeugendes Kauharz ab ; Ochs durch Birnen). — Armenisch: Macler p. 127 nr. 7 'La belle de Tiflis' (Esel durch Äpfel). — Aramäisch bei Lidzbarski S. 253 'Der Glücksvogel' (Vogelherz ausgebrochen). — Arabisch bei Müller, Mehri 3, 52 nr. 13 'Die Stiefmutter und der Vogel' (Ring ausgespieen, fliegender Teppich, Esel und Hörner durch Beeren). Spitta-Bey p. 112 nr. 9 'Le musicien ambulant et son fils' (Vogel- magen ausgeschnitten, Hörner durch Datteln). Stumme, Schluh S. 119 nr. 15 'Von den beiden Knaben, die das Herz und den Kopf des Vogels gegessen hatten'. — Indisch bei Knowles p. 75 'Sayid and Said' (Vogelkopf ausgebrochen, Eselin durch Baumrinde). Clouston 6 122. Der Krautesel. 1,445. Im kalmükischen Siddhi-Kür nr. 2 (Jülg 1866 S. 10) speien der Fürstensohn und sein Diener Gold, weil sie zwei Kröten (!) ver- schlungen haben; zwei Branntweinverkäuferinnen, Mutter und Tochter, lassen sie in der Trunkenheit viel Geld speien und werden dafür vom Diener durch ein Zauberpapier in Eselinnen verwandelt. Über andre indische, sartische und armenische Märchen vgl. oben 1, 481. Die Verwandlung des Helden in einen Esel und. seine Entzauberung durch Rosen kommt schon in dem ver- lorenen griechischen Romane des Lukios von Paträ vor, von dem uns der unter Lukians Schriften stehende Auszug Aovmog ?) övog und die Bearbeitung im 11. Buche von Apuleius Metamorphosen eine Vorstellung geben. Lukios belauscht eine Zauberin, die sich durch Bestreichen mit einer Salbe in einen Vogel verwandelt, und bittet die Magd um eine gleiche Salbe; die aber vergreift sich in der Büchse, und Lukios wird zum Esel und erlebt viele Abenteuer1). Ganz ähnlich wird diese Geschichte bei Remigius, Daemonolatria 1693 2, 411. 242 nach Wilhelm von Tyrus, Wilhelm von Malmesbury B. 2, § 171 und Vincentius Bellovacensis, Speculum naturale lib. 2, c. 109 erzählt ; ebd. 1693 2, 97 nach Zeiller, Epistolische Schatz-Kammer 1683 S. 682 nr. 575. Ins Jahr 1645 verlegt Sebald, Breviarium historicum 1655 S. 433, den Prätorius, Neue Weltbeschreibung 2, 452 (1677) und Remigius 2, 95 ausschreiben2), folgenden Vorfall: Ein Bürgerssohn aus Brück in Sachsen geht unter die Schweden und liegt eine Zeitlang in einer schlesischen Stadt, wo er eine Liebschaft mit der schönen Tochter einer armen Witwe anfängt und sich mit ihr verlobt. Als er fortzieht und Mutter und Tochter mit Nachholung ver- tröstet, merkt jene, daß er es nicht aufrichtig meint, und spricht : 'Dein Bräutigam wird dich wohl sitzen lassen, ich will ihn dafür zum. Esel machen'. Die Tochter antwortet: 'Will er so untreu handeln, so ist er nichts Besseres wert'. Der Reiter zieht fort ; als er aber ein wenig nach- reitet und an einen Strauch kommt, meint er, es sei Not einmal abzu- steigen; wie er aber abgestiegen ist, wird er alsbald zum Esel, bleibt ') Vgl. E. Rohde, Kl. Schriften 2, 69 (1901) = Rhein. Museum 40, 91. 2) Auch bei Grässe, Sagenbuch des preußischen Staates 2, 388 nr. 831 = Kühnau, Schlesische Sagen 3, 1 nr. 1350 'Der in einen Esel ver- wandelte Bräutigam'. Vgl. Chr. Winthers Gedicht 'Hjortens Flugt' 1855, deutsch von Honore 1883 S. 127. 122. Der Krautesel. 7 auch bei seinem Pferde stehen. Nun kommen andere, behalten das Pferd und verkaufen den Esel einem Müller zum Sackträger. Aber er ist mutwillig und wirft alle Säcke herab, so daß ihn der Müller einem andern Müller verkauft, wo aber der Menschesel sich nicht frömmer verhält; ja er schreit einmal laut und schlägt aus, als der Müller mit der Magd scherzen will, und wird nun weiter und gerade in die Stadt verkauft, wo er zum Esel geworden war. Als er einst mit einem Sacke an dem Hexenhause vorübergeht und eben Mutter und Tochter vor der Türe stehen, spricht diese: 'Ei, Mutter, seht da unser Eselchen! Könnte der nicht wieder zu einem Menschen werden?' — 'Ja', antwortet die Mutter, 'wenn die Lilien blühen und er davon ißt, so kann es geschehen.' Das hört der Esel, und als die Lilien blühen und in der Apotheke ein Topf damit angefüllt etwas hoch steht, wirft er im Vorbeigehen seinen Sack zur Erde, springt hinauf, erschnappt die Lilien und wird alsbald wieder zum Menschen, steht aber nackend da. In neueren Sagen, die Weinhold (Das Märchen vom Esel- menschen. Sitzungsberichte der Berliner Akademie 1893, 475) zu- sammenstellt, erlöst ein Blumenkranz am Fronleichnamstage oder geweihtes Wasser den Eselmenschen: Zingerle, Sagen 2 nr. 756; Heyl, Volkssagen aus Tirol 1897 S. 111; Hauser, Sagen aus dem Paznaun 1894 S. 26 ; Schönwerth 1, 373 ; Stöber-Mündel 2, 84 nr. 117 ; Pröhle, Unterharzische Sagen nr. 314 = Harzsagen2 nr. 69; Bech- stein 1845 S. 258 'Goldhähnchen' (cit. H. Döring in Thuringia 1); Kühnau, Schlesische Sagen 3, 32 nr. 1385. So erhalten auch nach einem chinesischen Werke v. J. 1679 die von einem Zauberer in Esel oder Schafe verwandelten Menschen ihre Gestalt wieder, wenn sie Wasser trinken (Giles, Strange stories 2 1909 p. 417 nr. 129). In der 1001 Nacht wird Sidi Numan (Henning 13, 44. Chauvin 6, 198 nr. 371) von seiner Gattin, in der er eine Leichenfresserin entdeckt hat, in einen Hund verwandelt; er findet durch eine mit- leidige Zauberin Erlösung und rächt sich an seiner Erau, indem er sie in eine Stute verwandelt; ähnlich Schmidt-Kahle, Palästina nr. 50 'Ali-eddin'; vgl. Tawney 1, 342 (Ochse) und 2, 134 = Hertel, Bunte Geschichten vom Himalaja 1903 S. 18 (Ochse, Stute); Dracott 1906 p. 179 (Hund, Eselin); Stumme, Tunisische Märchen 2, 93 nr. 6 'Der rechte König' (Pfau, Mauleselin. Entstellt). Deutsch bei Pröhle, KVM. nr. 35, 1 'Von guten und von bösen Feen' (Hund, Stute) ; Strackerjan 2 1, 482 (Hund, Stute). Am Urquell 1, 16 (1890). Mitteilungen Schönhengst 1906, 18. Mitt. der Schles. Ges. 8 122. Der Krautesel. f. Vk. 15, 216. Irisch: Larminie p. 18 (Rabe, Schimmel, Fuchs, Wolf). Französisch: Revue des langues rom. 31, 554 (Hund, Stute); Revue des trad. pop. 13, 350. 589. 14, 527. Italienisch Archivio 3, 222. Serbokroatisch: Nikolic 2, 102; Bosan. nar. pripov. S. 105 nr. 28; Krauß 2, 404 nr. 152 'Der wunderbare Zaum' (großer Hund, kleiner Hund, Zaunkönig; Stute); Valjavec S 257 nr. 54; Bos. Vila 16, 276. 11,277 (neugieriger Mann in einen Bock verwandelt). Bulgarisch : Arnaudov S. 57 nr. 59 (verräterischer Jüng- ling in Schlange). Slowakisch : Dobsinsky 6, 78 nr. 68 (Hündin ) ; Sbornik mus. slov. spol. 10, 155 — 160 (Leichenfresserin in Stute verwandelt). Polnisch: Cheichowski 1, 28 nr. 3. Großrussisch x): Sadovnikov S. 100 nr. 19; S. 112 nr. 24; Afanasjev 3 2, 136 nr. 141a— b (Ziege oder Stute, Liebhaber Hengst) ; vgl. 1, 236 nr. 115 (Stute durch Peitsche); Zap. Krasnojarsk. 1, 36 nr. 14 (Gouv. Jenisejsk); Oncukov S. 525 nr. 247 (Leichenfresserin); Etno- graf. Obozr. 10, 234. Kleinrussisch: Etnograf. Zbirnyk 4, 101 nr. 19. Manzura S. 84—87. Hrincenko 2, 115 nr. 89. Cubinskij 2, 410 nr. 118. Sbornik Charkov. 3, 207-213. 5, 28 f. Zytje i Slovo 4, 185 nr. 26 (Hexe verwandelt ihren Schwiegersohn in Werwolf). Weißrussisch: Sejn 2, 49 nr. 22. 2, 161 nr. 77; Sejn 2, 163 nr. 78 = v. Löwis nr. 16 ; Dobrovoljskij 1, 348 nr. 6 ; Romanov 4, 105 nr. 61 a — c; Federowski 2, 178 nr. 154 — 155. Litauisch: Dowojna Sylwestrowicz 1, 317. Wotjakisch: Veresöagin, Votjaki Sosnovsk. kraja S. 91 (Etnograf. Obozr. 13 — 14, 154). Kaukasisch: Sbornik kavkaz. 12, 1,78. 32, 2, 4. 34, 4, 4. 35, 2, 120. Vs. Miller, Osset. etjudy 1, 57—59 (Etnogr. Obozr. 13—14, 156). Ossetisch: Sbornik Daskov. 1, 119 nr. 2 (Ente, Hund). Ungarisch: Berze Nagy nr. 48 'Die traurige Turteltaube und die beiden Prinzen'. Horger nr. 1 (Vogelmagen und Kopf, Peitsche, Mantel, Hut); nr. 30 und 50. Vgl. Mitt. der Ges. f. jüd. Volksk. 1898 2, 23. Anderson, Roman Apuleja i narodnaja skazka S. 321. 327. 333. Mit der Werwolfsage scheint die in einem jüdischen Märchen (Helvicus 1617 1, 1 aus dem Maase-Buche Bl. 175 = Prätorius, Wünschelruthe 1667 S. 383; Tendlau, Felhneiers Abende *) Auch das epische Lied von Dobrj'nja und Marina, das N. Th. Sumcov in Etnograf. Obozrenije 13 — 14, 144 untersucht hat, erzählt die Verwandlung des Mannes in einen Hund und seine Rache an der Frau. In den meisten Märchen ist das einleitende Motiv der Leichenfresserin durch das der ungetreuen Frau ersetzt. 123. Die Alte im Wald. 9 S.31nr.4; Marie de France, Lais ed. Warnke 1885 S.LXXIX) erzählte Verwandlung des Mannes in einen Wolf zusammenzuhängen, die auch in Ruppin, Irland und Rußland bekannt ist: Am Urquell 1, 16 (1890); Larminiep. 17 ; Dobrovoljskij 1, 139 nr. 71. In einen Kr an ich im isländi- schen Märchen bei Gering 1, 296 nr. 89; in eine Gans bei Niclas von Wyle, Translationen ed. Keller 1861 S. 250. Schwankhaft wirkt die pommersche Sage bei U. Jahn nr. 551 = Zs. f. Volksk. 26, 274 nr. 61 von der Verwandlung eines brummigen Ehemanns in einen Bären. — Eine Tierverwandlung (Hund, Schwein, Pferd) wird auch durch göttliche Kraft zur Strafe für Hartherzigkeit und Ungerechtigkeit verhängt über Gutsherren oder Richter in deutschen Flugblättern : Zs. f. Volkskunde 16, 429; Mitt. der schles. Ges. f. Volkskunde 15, 214; Diederichs, Deutsches Leben der Vergangenheit in Bildern 1, 124 nr. 413; Bunker nr. 34; Görres, Volksbücher 1807 S. 231 (Der durch List eines Weibes in einen Hund verwandelte Amtsschösser) ; Knoop. Posener Märchen S. 11 (Progr. 1909. Esel); mallorkinisch bei Ludwig Salvator S. 109 (Esel). Hochzeitsgäste, die den als Bettler anklopfenden Christus nicht einlassen, werden zu Bären und Wölfen (Ziv. Star. 5, 444), zwei Gottesverächter zu Eseln (Archiv f. slav. Phil. 12, 83, mazedonisch). — Die Verbreitung dieses Glaubens, den auch Augustin, De civitate Dei 18, 18 gelten läßt, bezeugt der Schwank von dem listigen Diebe, der dem Bauer einen Esel stiehlt und dann vorredet, er sei zur Strafe seiner Sünden auf eine Zeit in jenen Esel verwandelt worden (R. Köhler 1, 507. Chauvin 7, 136 nr. 406. Sebillot, Folklore de France 3, 142. 4, 247). Vgl. noch Clouston 1, 444. 123. Die Alte im Wald. 18Ö6S.205. 1815 nr. 37 = 1819 nr. 123. Aus dem Pa derb örnischen, Bökendorf den 23. — 26. Juli 1813. — Das Ganze hat Ähnlichkeit mit Joringel und Jorinde (nr. 69). Die Alte ist die Hexe im Märchen von Hansel und Gretel (nr. 15), eine Circe, welche die Menschen einfängt und in Tiere verwandelt, wie der Hexenmeister in nr. 68. Die Idee von einem sich belebenden Baum auch in einem Liede des Dürners (MSH. 2, 337a): 10 124. Die drei Brüder. Mir getroumd ein troum, des ist niht lank; künden gesten disiu msere diu sag ich, Wie ein roseboum hoch unde krank mit zwein blüenden esten umbevienge mich. Dar under vant ich viöl unt der rösen smak: daz erschein ich mir, so si nü mak, daz ir umbevank mich bindet halben tak, gestat icbz ir. Schwedisch bei Steffen 1, 35 'Fru Längnäsa' (der zum Vogel verzauberte Jüngling verwandelt sich auf der Flucht in ein Knäuel und das Mädchen in eine Nadel; dann fällt er als Katze über die Hexe her). In dem von Keuleaux (Westermanns Monatshefte 84, 55. 1898) mitgeteilten hessischen Märchen 'Der weisse Hirsch' wird dieser vom Mädchen dadurch entzaubert, daß es den Kessel der Hexe umstößt. 1856 S. 206. 124. Die drei Brüder. 1815 nr. 38 = 1819 nr. 124. Aus der Schwalmgegend; doch auch sonst vielfältig gehört, hier am vollständigsten. Diese drei fabelhaften Behendigkeitsproben des Barbiers, Huf- schmieds und Fechtmeisters werden schon im 16. Jahrb.. erzählt in dem französischen Schwankbuche 'La nouvelle fabrique des excel- lens traits de verite, par Philippe d' Alcripe [le Picard] Sieur de JSTeri [Rien] on Verbos [? Vert-bois]' 1579, rep. 1853 p. 17: 'De trois freres, excellens ouvriers de leurs mestiers'. Daraus übersetzt von Peter Lauremberg in der 'Verneuwerten und vermehrten Acerra philologica' 1650 S. 519 (3, 81). J. Prätorius, Spin-Rocken 1678 S. 24. J. Frisch, Erbauliche Ruhstunden 2, 470 (1676). Fliegenwadel von Hans Muckenfeind 1707 S. 109. Lyrum Larum Löffelstihl von Allzeit Immer Frölich 1730 nr. 84. Vade Mecum für lustige Leute 2, nr. 255 (1768). Witzfunken und Lichtleiter 2. Bd., 1. Cyklus S. 93 (1817), Müller -Fraureuth, Lügendichtungen 1881 S. 133. Ähnliche 124. Die drei Brüder. 11 Aufschneidereien werden in der 'Neu eröffneten Schaubühne mensch- licher Gewohn- und Thorheiten' (o. J. ; um 1670) S. 88 — 92 zusammen- gestellt. Darin heißt es: 'Damit ich allhier jenes vierjährigen Kindes, welches mit einem schweren breiten Säbel so meisterlich fechten können, daß ihm in vollem Regen kein einziger Tropfen aufs Haupt gefallen, keine Meldung thue . . . Item jener Goldschmied, welcher einer Mucken unter jeden Fuß ein güldenes Hufeisen mit 24 Nägeln angeheftet'. Philander, Zeitverkürzer 1702 nr. 11. — Dem Kunst- stücke des Hufschmiedes läßt sich vergleichen Petronius c. 45: 'milvo volanti ungues resecare'. Fischart, Geschichtklitterung 1891 S. 279: 'Er (Gargantua) kont wie ein Egyptischer Mameluckischer Gwardyknecht eim Gaul in vollem Lauf ein Sattel gürten'. Heinrich Julius von Braunschweig, Schauspiele S. 550 ed. Holland: 'Wir haben einen Schmid gehabt, der war seiner Kunst so fertig, das er im Ringrennen in voller Currir einem Pferde ein Eisen auffschlagen kondte und am Rennen nichts hinderte'. Im Volksbuch von Urban Fettsack (Scheibles Schaltjahr 4, 122) beschlägt der Schmied gar ein ganzes Regiment in vollem Rennen. Andere Fassungen aus dem Volksmunde sind : Schmeller, Die Mundarten Bayerns 1821 S. 434 'Die Meisterstücke'. — Vlämisch: Joos 1, 160 nr. 90 'Van drij Broeders'. De Mont-de Cock, Ver- telsels p. 412 'De vier behendige Broeders'. Cornelissen-Vervliet nr. 20 'Van eenen Vader en zijne drij Zonen'. Witterijck-Delplace nr. 3 'Drie slimme Gasten'. — Schwedisch: Bondeson, Sv. folkssagor nr. 73 'Hvilken var likast?' — Französisch: Revue des trad. pop. 9, 344 'Les trois garcons habiles'. — Böhmisch: Kulda 2, 233 nr. 123 = Wenzig S. 140 = Benfey, Kl. Schriften, 3, 124 'Die vier Brüder'. — Jüdisch aus Galizien: Zs. f. österr. Vk. 9, 243. Mit einer andern Einkleidung und Abweichungen in dem ersten und dritten Kunststücke wird unsere Geschichte um 1300 von dem französischen Dominikaner Johannes Gobii Junior in der Scala celi als Predigtmärlein vorgetragen (Ulm 1480 Bl. 99a = Germania 30, 204; deutsch nach der Breslauer Hs. Bl. 1236 von Klapper, Mitt. der schles. Ges. f. Volkskunde Heft 20, 12): Man liest, daß einst ein "Weib lebte, das drei Söhne hatte, zwei uneheliche und einen von ibrem Gatten. Da ihre Mitgift nur in einem Birnbäume bestand und sie nicht wollte, daß ihr Gatte die unehelichen Söbne von dem ihrer Ehe entsprossenen unterscheiden könne, teilte sie den Birnbaum in ihrem Testamente so, daß sie dem ältesten Sobne das 12 125. Der Teufel und seine Großmutter. Grade und Krumme an dem Baume, dem mittleren das Grüne und Trockne daran, dem jüngsten aber alles das hinterließ, was in. und über der Erde von dem Baume war. Als die Mutter gestorben war, wollte jeder den ganzen Baum haben, und so gingen sie vor den Richter. Der aber sprach, der Baum solle dem gehören, der sich der größten Behendigkeit rühmen könne. Da behauptete der Älteste von sich: 'Wenn ein Hase vorübergelaufen kommt und ich jage ihm nach, dann zieh ihm das Fell ab, ohne daß sein Lauf oder der meine irgendwie dabei gehemmt wird'. Der zweite sprach: 'Ein Pferd mag noch so schnell daherrennen, ich nehme ihm die Hufeisen ab und bringe den Reiter herunter, ohne daß sein Lauf verzögert wird'. Der dritte aber sagte: 'Ich steige auf die höchsten Berge, in deren Mitte alle Winde wehen, und öffne ein Feder- kissen. Mag dann der Wind noch so stark wehen und mögen die Federn noch so fein und das Kissen ganz offen sein, ich bin doch so behende, daß ich alle Federn darin zurückhalte und auch nicht eine einzige heraus- kommt.' Und diesem ward der Birnbaum gegeben. Vgl. das Märchen von den vier kunstreichen Brüdern (nr. 129). lese s. 206. 125. Der Teufel und seine Großmutter. 1815 nr. 39 = 1819 nr. 125. Aus Zwehrn den 4. September 1814. — Zur Großmutter des Teufels vgl. oben 1, 289 und Edv. Lehmann im Archiv f. Religionswissenschaft 8. 411—430. Abweichend ist eine vor 1822 gehörte Erzählung aus Deutsch- böhmen: Die drei Soldaten waren auf ihrer Flucht unter einen Birnbaum gekommen, wo der eine in der Not ausrief: 'Ich wollte, daß uns der Teufel holte!' Worauf der Teufel sogleich erschien, den Vertrag mit ihnen abschloß und sie aus ihrer Lage befreite. Sie mußten nun ein Jahr in der Hölle bleiben, bis die Zeit kam, wo ihnen der Teufel die Rätsel vor- legen sollte; doch durften sie zuweilen in der Gegend spazieren gehen. Dem Lucifer (der stets zurückbleibt und nur die Teufel, seine Boten, aus- sendet) war aber gleichfalls nicht wohl dabei zu Mute, er dachte: der Teufel legt den Kerlen keine rechte Rätsel vor und wird von ihnen ge- prellt. Eines Tages fingen die dreie spazieren, waren betrübt; sonder- lich die beiden, die nichts gesprochen hatten, warfen dem einen vor, daß er sie mit dem leichtsinnigen Wort, das ihm entfahren, ins Unirlück ge- bracht habe. 'Du mußt uns nun auch helfen1, sprachen sie, 'sonst soll 125. Der Teufel und seine Großmutter. 13 dir's schlimm ergehen'. — 'Ei was', antwortete er, 'von den drei Rätseln wird sich eins wenigstens raten lassen'. Ging darauf ein wenig allein, die Sache mit sich selbst zu überlegen, und als er einen hohen Birnbaum bemerkte, stieg er hinauf und besah sich die Gegend. Indem erblickt er den Lucifer und den Teufel, die auch spazieren gingen und sich gerade unter den Birnbaum setzten, da auszuruhen.1) 'Hör einmal', sprach Lucifer. 'was für Bätsei hast du wohl, die du ihnen aufgeben willst? Mir ist bang, sie ratens; so abgedankte Soldaten sind teufelsklug'. 'Da kannst du ruhig sein', antwortete der Teufel, 'das raten sie nimmermehr. Erstens will ich ihnen eine Bockshaut geben, aber in niederländisch Tuch verwandeln; zweitens will ich auf einem Ziegenbock geritten kommen, der wird ihnen als das schönste Bferd erscheinen ; drittens will ich ihnen einen Becher aus Pech zeigen, den sie für den schönsten Gold- becher halten werden'. Da denkt der oben auf den Baum 'Jetzt ists schon gut', sagt aber den zwei andern nichts davon. Am bestimmten Tag kommt der Teufel, die zwei andern werden richtig von ihm genarrt, aber der dritte sagt ihm ins Angesicht: 'Dein niederländisch Tuch ist eine stinkende Bockshaut; dein Pferd ein alter Ziegenbock, für dich gut, für uns zu schlecht; dein Goldbecher ein alter Pechkübel, weiter nichts. Nun verlang ich Geld von dir Zeit meines Lebens'. Da muß der Teufel im höchsten Ärger Polge leisten und Geld, so viel sie begehren, an den Ort hintragen, wo sie den ersten Vertrag geschlossen hatten. Aus der Schweiz bei Jegerlehner, Was die Sennen erzählen S. 7 = Jegerlehner, Sagen aus dem Oberwallis S. 82 nr. 110 'Drei lustige Tage und dann des Teufels' = Bächtold S. 260 (statt der Großmutter des Teufels rät die Jungfrau Maria dem dritten Burschen, seinen Kopf mit einem Basenstück zu bedecken und das Gespräch der Raben auf dem Baume zu belauschen; Katze, Besen, Kuhhaut). Aus Nieder- österreich bei Vernaleken, KHm. nr. 37 'Hans löset Rätsel' (vier Soldaten ; Rätsel vom Kater, Katzenkopf, Pferdefuß ; kranke Prinzessin durch Ausgraben einer Kröte geheilt). Aus Steiermark ebd. nr. 38 'Die drei Müller' (Zwerge im Schloß werden erlöst durch die Antworten: Mein Fleisch, Mein Blut, Auf meinen Beinen). Aus dem Odenwalde bei Wolf, Hausmärchen S. 162 (Episode des Märchens 'Das weiße Hemd, das schwere Schwert und der goldene Ring' : der Prinz, der die Tiersprache versteht, erfährt von drei Atzein, daß das Haus aus Armsünderknochen erbaut, das Essen von der Königstafel geholt ist und das Licht vom gestohlenen Karfunkelstein herrührt; den elf Genossen schlägt der Zauberer die Köpfe ab). Aus *) Gespräch der Geister belauscht: oben 1, 46. 2,469. 473. 481. 14 125. Der Teufel und seine Großmutter. Schlesien bei Peter 2, 192 = Kühnau 2, 712 'Der Teufel als Dienstgeber' (der jüngste Bruder belauscht infolge eines Traumes hinterm Dornstrauche die Teufel : Kuhklaue, Kuhstall, Katzenschwanz). Aus Westfalen bei Kuhn 2, 256 nr. 19 'Die drei Fragen' = Harten- Henniger S. 105 (ein graues Männlein offenbart dem Schneider, daß die Walfischrippe des Teufels Gabel, der Stein seine Schüssel und die Peitsche seine Geldtasche sei). Vom Harze bei Pröhle, KVm. nr. 19 'Der goldene Becher, die goldene Tischdecke und die goldene Trompete' (Katze, Pferdehaut, Pferdekopf; der Unteroffizier belauscht in der hohlen Eiche die Teufel). *Am Urdsbrunnen 5, 131. Aus Posen bei Knoop, Ostmark. Sagen 1, 120 nr. 62 'Die Kuhhaut' (der Bettler offenbart, daß die Kirche des Teufels eine Kuhhaut ist).1) Aus Holstein bei Wisser, Plattdeutsche Vm. S. 42 'De dre Gesell'n un de Düwel'. Dänisch bei Grundtvig, Folkesev. 2, 213 nr. 19 'Den sorte Skole' = Leo-Strodtmann 2, 280 : der klügste unter den Schülern des Teufels belauscht unter einer Grassode die Krähen auf dem Galgenberge und errät die Pferdehaut, Topfscherben und den Pferde- schädel; als der Teufel den zuletzt das Zimmer Verlassenden be- halten will,2) verwandelt er sein Strumpfband in einen Mann; er überlistet jenen, der für den gehäuften Scheffel Geld nur einen ge- strichenen zurückverlangt3) ; dann folgen die Abenteuer der drei Hand- werksburschen (oben nr. 120) und des Bärenhäuters (nr. 101). Dazu Grundtvigs hsl. Register nr. 57 'Den sorte Skole' und 148 'Fandens sporsmäl'. Berntsen 1, 22 nr. 2 'Den lille sorte Mand' (Schneider, Schuster und Dragoner im Walde verirrt; Gespräch dreier Trolle belauscht : Leder, Kattun, Hirsch ; dann folgt unsre nr. 120) ; 2, 135 nr. 19 'Fortunatuspungen' (drei Brüder im Wirtshaus ; Hans belauscht auf den Rat einer alten Frau nachts auf dem Kirchhof die Eulen: x) In einer schlesischen Sage (Kühnau 2, 715 nr. 1336; auch nr. 1323) antwortet ein Kind in der Wiege auf das Rätsel, das der Teufel einer Abendgesellschaft vorlegt. 2) Der letzte verfällt dem Teufel: Bolte, Der Teufel in Sala- manca (Archiv f. Litgesch. 14, 445). J. Grimm, Myth.3 S. 976. 3, 302. Gredt, Luxemburger Sagenschatz 1883 nr. 148. Jecklin 2, 119. 151. 3) Dergestrichene Scheffel: Müllenhof f nr. 414 'Der gestrichene Scheffel'. Kopisch, Werke 1, 231 (1856). Kuhn, Westf. Sagen 1, 375 nr. 420 'Die Studenten und der Teufel'. Knoop, Sagen der Provinz Posen 1913 nr. 171. Kristensen, Molbohistorier nr. 458. Grundtvigs hsl. Register nr. 96 'Fanden narret'. Wigström, Folkdiktning 2, 199. Aarnes Register nr. 1182. 125. Der Teufel und seine Großmutter. 15 Maulwurfsfell, Walfischzahn, Katze; erhält den Wunschbeutel). Kristensen, Aev. fra Jylland 1, 230 nr. 30 'I Pagt med Fanden' (Schneider lauscht unter der Brücke: Pferdehaut, Scherbe, Pferde- schädel; Bärenhäuter). Kristensen, Danske folkeaev. nr. 42 'De tre ejenforblsendelser' (Raben auf dem Kirchhofe: Pferdehaut, Pferde- schädel, Katzenschädel) und nr. 49 'De syv spergsmäl' (ein Soldat erlöst einen Bauern, den der Teufel holen will, indem er diesem die Zahlen 1 — 7 auslegt)1). Kristensen, Fra Bindestue 1, 118 nr. 21 'De x) Der Teufel fragt nach der Bedeutung der Zahlen 1 bis 7 (oder 10 oder 12): Müllenhoff S. 303 nr. 415. Diermissen, Muskist 1862 S. 67. Haltrich nr. 33. Zs. f. Volksk. 6, 323 (7 Wahrheiten). Dänisch: Kristensen, Danske Sagn 6, 1, 254. Zs. f. Volkskunde 4, 255. 11, 4043. Schwedisch: Wigström, Folkdiktning 2,232. Steffen, Sv. sagböcker 2, 88. Norwegisch: Bugge-Berge 1, 21. Katalanisch: Folk-lore catalä 3, 89. Spanisch: Archivio 2, 104. Revista de foJklore chileno 1, 168.174. Portu- giesisch: Vasconcellos, Ensaios ethnogr. 3, 209. Archivio 2, 100. 10, 512. Baskisch : Cerquand 2, 26. Vinson p. 13. Italienisch : Archivio 11, 266. 12, 86 (15. Jahrh.) 1, 416. 2,97. 7,493. 10,499-508. 11,265. 305. 12, 378. 532. 571. 14, 488. Eivista delle tradiz. pop. ital. 1, 93. 198. 2, 103. Busk p. 255. Finamore 1, 2, 126. Andrews nr. 45. Revue des trad. pop. 17, 496. Rumänisch: Hasdeu, Cartile poporane 1880 p. 574 = Kremnitz S. 196 = Archivio 2, 229. Griechisch: Hahn 2, 210. Kretschmer nr. 45. NtoikX. 'Avdhxru 2, 28 — Garnett 2, 94. Cechisch: Kubin, Pov. kladske 1, 30 nr. 11 mit Anm. Ed. Peck nr. 35. Polnisch: Tradition 6, 284. Kleinrussisch: Archivio 2, 228 (hier hilft ein Heiliger die Fragen beantworten; vgl. R. Köhler, Kl. Sehr. 3, 370 und Zs. f. Volksk. 13, 86). Suchevyc S. 135 nr. 78. Dragomanov S. 36 nr. 27. Rudcenko 2, 25 nr. 11. Manzura S. 128. Weiß- russisch: Romanov 4, 212 nr. 57. 4, 83 nr. 46. 4, 52 nr. 40. Kauka- sisch: Archivio 2, 230. Weselofsky, Razyskanija 6—10, S. 432. — In der Legenda aurea c. 2 antwortet der h. Andreas statt des Bedrängten auf des Teufels Rätselfragen; vgl. R. Köhler 2, 14 und Klapper, Erzählungen des Mittelalters 1914 nr. 200; ferner Kosegarten, Legenden 1804 2, 51 'Der Bischof und die Jungfrau'; Langbein, Die Versuchung (Stl. Schriften 4, 62 = Minerva 1815, 166); Rouanet, Autos del siglo 16. 1901 1, 468 nr. 28; R. H. Barham, Ingoldsby legends: 'The lay of saint Nicholas'; Schevill in University of California Publications in modern philology 2, 235 (1911); A. Grün, Volkslieder aus Krain 1850 S. 106 'St. Ulrich'. In der Legende vom h. Bar- tholomäus (Legenda aurea c. 123. Thomas Cantipratanus, De apibus 2, c. 53, 5) dagegen stellt nicht der Teufel, sondern der als Bettler verkappte Heilige die drei Fragen. — Eine Prinzessin fragt nach der Zahlenbedeutung: Wlislocki, Volksdichtungen der Zigeuner 1890 S. 308 = Zs. f. vgl. Litgesch. 2, 355. Vgl. die Untersuchung bei Weselofsky, Razyskanija 6—10, S. 79—82. 16 125. Der Teufel und seine Großmutter. fire JRavnes Meddelelser' (Pferdehaut, Schädel, Knochen). 2, 160 nr. 28 'De otte Sporgsmaal' (Zahlendeutung). Skattegraveren 12, 44 'I pagt med Fanden' (alte Äpfelfrau teilt die Lösung mit: Pferderippe, Borke, Pferdehaut; Bärenhäuter). Bei Kristensen, Aev. fra Jylland 2, 282 nr. 43 'Baadsmand Ole' erhalten drei arme Gesellen eine Wunsch- börse vom Teufel und sollen ihm nach zehn Jahren gehören, wenn sie ihm nicht eine unlösbare Aufabe stellen1). — Schwedisch: Aberg nr. 109 'Om huäla som sku far uä mä pojkin' (Was ist süßer als Honig, weicher als Schwandaunen, härter als Stein)2). Allardt nr. 82 'Bon, som sku ti häng opp se' (Zahlendeutung); nr. 83 (desgleichen); nr. 88 'Studenten och fanden' (Reime). Hackmans Register nr. 812. Bondeson, Sv. folksagor nr. 54 'Bonden som försvor sig tili päcker' (Zahlendeutung) = Bondeson, Halländska sagor nr. 19 'Bonnen som försvor seg te päkker'. — Serbokroatisch: Ristic-Loncarski S. 66 nr. 10 (Pferdefleisch und Harn. Flöten aus Pferderipj^en ; der jüngste Bruder erhält einen Zauberhut und Säbel). — Slovakisch: Nemcovä 2, 111 nr. 42 = Dobsinsky 5, 31 nr. 54 (der Tisch aus Pferdehaut und Knochen, der Becher ein Pferdehuf). Sbornik mus. slov. spol. J) Den Teufel schafft man sich durch unmögliche Aufgaben vom Halse. Er muß ein krauses Haar strecken (Montanus, Schwank- bücher 1899 S. 602. Jegerlehner, Oberwallis S. 86. Asmus-Knoop S. 96. Firmenich 3, 645. Schiller, S^hles. Vm. S. 58. Volkskunde 10, 143. Steffen, Sv. sagböcker 2, 92. Aberg nr. 113. Nicolai'des p. 106. Anthro- pophyteia 1, 168 nr. 143 serbisch. Nemcovä nr. 18 = Waldau S. 574. Kubin, Pov- kladske 1, 112 nr. 59. 2, 109 nr. 27. Czambel S. 472 nr. 235. Wisla 5, 454. Mater, antropol. 8, 193. Suchevyc S. 127 nr. 73. Dobro- voljskij 1, 142 nr. 78. Oncukov S. 476 nr. 205. Etnogr. Obozr. 51, 10 gagausisch. Kingscote S. 285 nr. 26), einen Bauchwind fangen (Zs. f. vgl. Litgesch. 7, 458. 11, 72. Oncukov S. 476 nr. 205. Haas, Schnurren S. 68 nr. 61. Nieri p. 201 nr. 83), einen Strick aus Sand drehen (oben 2, 513. Haas, Schnurren S. 67 nr. 60 = Z. f. d. Myth. 2, 147), ein leckes Schiff auspumpen (Quickborn 4, 46. Allardt nr. 84. 85. Hackman nr. 1175), Frösche auf die Bäume setzen (Schell, Bergische Sagen nr. 201. Bl. f. pomm. Vk. 10, 118), die Wagenachse tragen, als ein Rad gebrochen ist (Müllenhoff S. 193. Strackerjan2 1, 343. Bl. f. pomm. Volksk. 4, 125), der Weiber Schleifstein bringen (Haas, Schnurren S. 66 nr. 59 = Jahn, Volkssagen nr. 330), drei alte Weiber verkaufen (H. Sachs, Fabeln 5, 9 nr. 600. 6, 79 nr. 881. Dähnhardt, Natursagen 1, 196. Stroebe 1, 301. Aarnes Register nr. 1170), in jede Schlinge einen Hasen jagen (Aarne nr. 1171), Wasser im Sieb holen (Aarne nr. 1180) u. a. 2) Zu diesem Rätsel vgl. oben 2, 357 f. und Kristensen, Folke- gaader S. 61. 197. Skattegraveren 5, 119. Aberg nr. 339. Hackmans Register nr. 921**. Unten zu nr. 127. 125. Der Teufel und seine Großmutter. 17 17, 93 nr. 42 (Tischtuch aus Pferdehaut, Teller aus Muscheln, Braten von der Katze, Becher ein .Pferdehuf). — Polnisch: Swietek S. 365 nr. 31 (Geige eine Totenhand, Kleid des Teufels eine Pferdehaut, Tabaksdose ein Totenkopf). — Finnisch: Aarnes Begister nr. 812. Auch in den Sagen von Hexentänzen ist die Geige oder der Dudelsack des Spielmanns ein Pferdeschädel, seine Pfeife ein Katzen- schwanz ■ (J. Grimm, Mythol.3 S. 809. 1002. 1025. 3, 307); was der Teufel dort als glänzendes Gold gab, ist bei Licht besehen Mist und Kot (J. Grimm S. 1023. 3, 310), nichts Besseres die dort gereichten Speisen (Zingerle, Sagen2 nr. 742. Henne am Rhyn, Volkssage 1879 S. 460). So berichtet auch eine münsterländische Sage, welche die Brüder Grimm vor 1816 aus der Familie v. Haxthausen erhielten1), von den Musikanten unterm Galgen: Et wären es drey Musikanten, de spierlden up ne graute Hochtied, dat duhrde drey Dage, da gongen se late (spät) in de Wacht na Huse. Do kam eer en Kutskwagen in de Möte, darin säten vierl Heerens un Damens; de segden: 'Guden Avend, ji Musekanten ! Will ji wull met us gohn, wi hebt dor en graut Tractement, un spierlen? "Wi willt ju auk so vierl Geld gierwen, asse ji men hebben willt'. — 'Ne', sed de Mester dervon, 'dat doh ick nich; dann wi hebt all drey Dag ■an drey Nachte spierlt, wi sind möde'. Over de Burssen de lotet sick verschünen (überreden) un goht in den Wagen Sitten un fleigt asse en Donnerwerder dör de Lucht un kummt da up en grant Schiott. Da sind by de hunnert Mann un lerwet ganz lustig und drinket den Wien ut goldenen Bierkers (Bechern) un danset bes et Nachts een Uhr. De Musekanten hadden over olle Figgelinen ; da gafden de Heerens eer annere, de sollen se proberen, un de gefallt eer so gut, un möken dermet en Tusk. Do gift se eer de ganzen Tasken füll Geld un wiset se no en graut Zimmer met Bettstedden met Behang, un eere Böcke hanget se an en Klederstock un schlopt rüig in. — Asse se ower en annern Morgen upwaket, da ligget se up de Galge midden tüsken en armen Sünder, un eere Bocke hanget an de Pinne an de Galge, un eer Geld iss lutter Kohdreck, un eere Figgeline dat is en ollen Knubben (Klotz) Holt, un eere golden Bierkers dat sind Kohklohnen (Kuhklauen). Da wören se so riek, asse se west wören vor de Hochtied, un hadden kine Figgelinen mehr. x) Wilhelm Grimm hat, wie sein mit Rotstift gemachter Vermerk (1. 75) beweist, dies Stück an die Stelle des 'Vogel Phönix' in der ersten Auflage der KHM. (1812) setzen wollen; 1819 wurde freilich 'Der Fuchs und die Katze' nr. 75. ________ Grimm, Märchen-Anmerkungen III. 2 18 126. Ferenand getrü un Ferenand ungetrü. 1856 S. 208. 126. Ferenand getrü un Ferenand ungetrü. 1815 nr. 40 — 1819 nr. 126. Aus dem Paderbörnischen durch die Familie von Haxthausen1). Die Verse, wie gewöhnlich die Reden der Vornehmen, sind hochdeutsch; das pflegen die Erzähler fast immer so zu halten, wo sie beide Sprachen verstehen, wie dies im Paderbörnischen häufig ist, und die höhere Mundart bezeichnet dann die Sprache der Vornehmen und der Poesie. Das wertvolle Märchen gehört zu dem von R. Köhler, Cosquin und Golther untersuchten Kreise der goldhaarigen Jungfrau, die der Held einem Könige gewinnen und als Braut zuführen muß und die er dann selber heimführt, enthält aber verschiedene Unklar- heiten. Was für Bedeutung die gefundene Schreibfeder und die Schriften der Königin haben, in denen die Brüder Grimm gestickte Kleider oder Runenstäbe vermuteten, bleibt zunächst ungewiß ; das in der weißen Schlange (nr. 17) und der Bienenkönigin (nr. 62) vorkommende Motiv der mit Hilfe der dankbaren Tiere gelösten Aufgaben ist unvollständig ausgenützt. Wir scheiden folgende Teile : A) Der Held, dem bei der Taufe2) ein Bettler einen Schlüssel geschenkt, erhält dadurch ein redendes und ratgebendes Roß3); B) findet eine Schreibfeder und C) erhält von einem dankbaren Fisch eine Flöte; D) trifft einen Gesellen, Ferenand ungetrü4), mit dem zusammen er in den Dienst des Königs tritt, und E) holt auf Betreiben seines ungetreuen Gesellen für den König eine schöne Prinzeß, nachdem er nach seines Schimmels Anweisung die Riesen und Vögel durch Spenden von Brot und Fleisch sich geneigt x) Die Originalhandschrift schließt: 'Warscheinlich ist dies Mährchen nicht vollständig. Ich habe es fast wörtlich von dem Mädchen, das uns die Geschichte' . . . 2) Über das Gevatterbitten vgl. den Gevatter Tod (1, 377). 3) Das getreue Pferd gleicht dem Bayard, Falada, Schemik (Schimmel) der böhmischen Sage und dem Grani der nordischen. 4) Dieser ungetreue Gefährte zwingt in einigen Fassungen den Helden geradezu, mit ihm die Rolle zu tauschen (oben 2, 2841. — R. Köhler 1, 394. Macculloch p. 56. 240. Child, Ballads 5, 1. 42 nr. 271. Lengert, Engl. Studien 17, 350. Hahn, Geisteswelt der Kols S. 15 nr. 8), wie die Dienerin die rechte Braut in nr. 28 und 89. Als neidischer Rat- geber des Königs erscheint auch Ritter Rot oder ein älterer Bruder des Helden (Cosquin 2, 301). 126. Ferenand getrü un Ferenand ungetrü. 19 gemacht hat, dann auch ihre Schriften und die ins Wasser gefallene Schreibfeder. F) Die zauberkundige Prinzeß enthauptet1) und belebt ihn, entledigt sich aber des Königs, der das Gleiche begehrt. G) Der hilfreiche Schimmel verwandelt sich in einen Prinzen. Aus Steiermark bei Schiossar 1885 S. 206 'Der alte Schimmel'. Aus Kärnten bei Franzisci, Culturstudien 1879 S. 92 'Das goldene Schwalbennest' (Bartloser; Ameisen, Fisch, Adler) = Märchen 2, 32 und S. 87 = Märchen 1, 26 = Carinthia 1867, 79 'Schönhannchen mit dem goldenen Haar' (wie Gräfin Aulnoy). Heanzisch bei Bunker nr. 72 'Getreu und Ungetreu '(A B D E F G). Aus Siebenbürgen bei Haltrich nr. 10 'Das Zauberroß' (Drachen- töter, B E). Aus dem Biesengebirge bei Arnim S. 76 nr. 12 'Von der Schönsten unter der Sonne' (Eingang wie bei Grimm ; Petrus findet einen Goldstein mit dem Namen der Schönen, füttert Riesen und Fische und erhält durch den Vogel Greif Wasser des Lebens und des Todes; der Neider fehlt). Aus Hannover bei Busch S. 87 'Der Herrgott als Pate' (A B ; als der König außer dem Vogel auch die schöne Jungfrau und den klugen Schimmel fort- nimmt, kehrt der Held verkleidet wieder und entführt sie in das Schloß der Jungfrau). Aus Holstein bei Wisser 3, 82 'De dree Balsamn' (ABEF; das Patenkind des Teufels nimmt das goldene Hufeisen und die Feder auf; Fisch liefert die von der Jungfrau verlangten Balsame). Aus Mecklenburg bei Bartsch 1, 483 nr. 7 'Clarawunde' (Held findet Feder, rettet Raben, Fisch, Riesen). Aus Pommern: Bl. f. pomm. Vk. 2, 73 'Prinz Getreu' (B D E F). Aus Westpreußen: B ehrend nr. 15 'Das Wunderpferd'. Aus Ost- preußen: Lemke 2, 114 nr. 18 'Der Junge mit dem Schimmel' (B E F). Auch Pröhle, M. f. d. Jugend nr. 18 'Von den ungetreuen Wirtstöchtern und der Prinzessin mit goldenen Haaren', das oben S. 3 zu nr. 122 angeführt wurde, gehört teilweise her. Im Dänischen gibt es ein Volksbach vom Jahre 1710 'Aerens Fornevej for en Skytte navnlig Bryde' (Nyerup, Morskabs- lcesning 1816 S. 231), dessen Held Bryde mit Hilfe eines redenden Esels für einen Fürsten die schöne Florabella holt, die von der Hexe in einen Seidenfaden, Strohhalm und in ein Brot verwandelt war; *) Der rote Faden am Halse des Wiederlebendiggemachten er- scheint bei Konrad von Würzburg, Engelhart v. 6386; vgl. G-oethes Faust v. 4203. Bottermann, Arnims altdeutsche Studien, Diss. Göttingen 1895 S. 68. 2* 20 126. Ferenand getrü un Ferenand ungetrü. als der Fürst ihn auf einen falschen Verdacht hin hängen lassen will, wird er von einem Troll fortgeschleppt, dem Bryde früher Gutes erwiesen hatte. Ähnlich in S. Grundtvigs hsl. Register nr. 10 'Den kloge hest'. Grundtvig, Minder 2, 1 ' Vulle Bondedreng' (Vulle dient einem Zwerge, von dem er eine Büchse, ein Pferd und andre Wundergaben erhält, und darauf einem Könige. Auf der Fahrt zur sonnengleichen Prinzessin, die der König auf den Bat des Ritters Rot veranlaßt, helfen dankbare Tauben, Elfen, Zwerge und Fische einen Acker bestellen, ein Schiff bauen, einen Hengst zähmen und ihr Schloß fortschaffen. Als Vulle gehängt werden soll, spielt er auf seiner Fiedel; die Zwerge kommen und hängen den Ritter Rot; das enthauptete Pferd wird zu einer Prinzeß, die der König heiratet, während Vulle die Schöne erhält). Grundtvig, Folkeaeventyr 2, 1 'Mons Tro' = Leo-StrodtmaDn 2, 1 (Einleitung wie bei Grimm. Auf den goldenen Federn, die er gegen des Pferdes Rat aufgehoben, steht das Bild der Prinzessin, und dies gewahrt der König. Fische, Wölfe und Riesen gefüttert, helfen. Tro wird mit Todes- und Lebenswasser besprengt, der König nur mit dem Todeswasser). Kristensen 1, 149 nr. 21 'Den gyldne Fjer' (Einleitung wie bei Grimm. Tro hebt wider des Esels Warnung die Feder auf ; der König gebietet ihm auf Utros Rat, den Goldvogel zu holen, der sich in eine Jungfrau verwandelt. Wasser des Lebens und Todes) und 1, 161 nr. 22 'Hans og det graa Äsen' (ähnlich; doch fehlt der N eider, der Fürst kommt zwischen brennenden Teertonnen um). Kristensen, Fra Mindebo S. 112 nr. 19 'Hesten Blank' (Königin in ein Brot, ihr Sohn in einen Maulesel verwandelt). — Schwedisch: Hylten- Cavallius 1, 458 Var. zu nr. 3c (der Held muß für den König auf Anstiften seines neidischen Bruders zwei Goldböcke und die ent- führte Königin holen). Ströbe 1, 216 'Treu und Untreu'. Wig- ström, Sv. landsm. 5, 1, 55 'Skytten Bryte' (erhält vom Troll Esel, Pfeife und Büchse; Prinzessin verwandelt in Seidenknäul, Brot und Bremse). Nordländer S. 103 'Prins Trogen' (Pferd hilft die Prinzeß für den König holen; dankbare Wölfe, Riesen, Hecht; Wasser des Lebens). Aberg nr. 201 'Om tjäisarns sonn, som för ti fri' (ein unehelicher Sohn des Zaren sucht seinen Vater auf, an der Quelle vom Gefährten gezwungen zu tauschen; dankbare Biene, Ameise, Hecht). Hackman nr. 531. — Norwegisch: Ein Soge- Bundel 1869 S. 65 'Halvpenning' : ein Knabe, den der König für einen halben Pfennig gekauft und aufgezogen hat, wird vom Ritter 126. Ferenand getrü un Ferenand ungetrü. 21 Eaud verleumdet und soll die Schöne von Babylon holen; ein Alter berät ihn, eine Hexe schenkt ihm einen Hund; dankbare Enten und Fliegen und fünf Brüder, denen er das Erbe geteilt hat, helfen ihm ein Schloß bauen, den Ring aus dem Meere holen und die Jungfrau von zwei gleichen unterscheiden. Skar 6, 38 'Den brune folen'. Im Märchen von der Grimsschecke (Asbjörnsen-Moe nr. 37 = Brese- mann 2,68 = Thorpe S. 253 = Dasent S. 313) hat der von seinem Roß beratene Bursch nicht eine Braut für den König, sondern dessen vom Troll entführte Tochter zu holen; bevor er sie zur Frau erhält, muß er einen Berg wegschaffen, ein Höllenpferd gewinnen, die versteckte Prinzessin zweimal finden und sich selber vor ihr verstecken. — Noch weiter entfernt sich das isländische Märchen von Rosald und Geirald (Rittershaus S. 219 nr. 52) und das von Snati-Snati (Arnason 2, 360 = Rittershaus S. 31 nr. 7) sowie das fseröische von Snati (Jakobsen S. 408 nr. 42); statt des Pferdes hilft ein Hund dem vom neidischen RauÖur beim König verleumdeten Jüngling drei goldene Kleinode1) der Riesen zu erringen, worauf ihm der König seine Tochter vermählt. Der Hund ist ein ver- zauberter Prinz, die dankbaren Tiere fehlen. — Schottisch: Mac Innes p. 161 nr. 6 'The ship that went to America' (John wird von einem grauen Mann, der ihn von seinem Vater erkauft hat und der sich in ein Pferd oder Schiff verwandelt, beraten ; als der König die Schreibfeder aus dem ehernen Schlosse bei ihm sieht, muß er die Herrin, das Schloß, die Schlüssel und drei Wasser holen. — Irisch bei Larminie S. 211 'The red pony' (rät dem Helden, die Schachtel mit der Goldlocke auf dem Wege liegen zu lassen). — Zigeunerisch aus Wales bei Groome S. 107 nr. 28 'The beautiful mountain'. — - Französisch bei der Gräfin Aulnoy (Contes des fees 1702 S. 55 lLa belle aux cheveux d'or' = Cab. des fees 2, 44 — Kletke 1, 344. E. G. Loehr, Die Prinzessin mit dem goldenen Haar, Augsb. 1855), wo ein Hündchen statt des beratenden Pferdes auftritt; dem Helden helfen ein dankbarer Karpfen, Rabe und Eule den Ring finden, einen Riesen töten und Schönheitswasser herbei- schaffen; er heiratet die Schöne, nachdem sich der eifersüchtige König aus Versehen mit einem Gifttrunke statt des Schönheits- wassers gewaschen hat. In der Normandie bekannt nach Du Meril, J) Über den vom König befohlenen Raub solcher Kostbarkeiten vgl. Cosquin 1, 46 und R. Köhler 1, 546. 22 126. Ferenand getrü un Ferenand ungetrü. Etudes S. 4741. Aus Lothringen bei Cosquin 1, 32 nr. 3 'Le roi d'Angleterre et son filleul'^ (der Held wird auf dem Wege zum Könige, seinem Paten, von einem Buckligen gezwungen, mit ihm zu tauschen, und muß drei Kleinode des Kiesen und die entführte Tochter des Königs holen, wobei ihn eine alte Frau und der Riese berät. Fische, Ameisen, Ratten, Raben, Riesen gefüttert, hilfreich. Wasser des Lebens und des Todes). Ebd. 2, 290 nr. 73 'La belle aux cheveux d'or' (der Held wird von seinem Maultier, das eigentlich sein Pate, der Herrgott selber, ist, gewarnt, die Feder aufzuheben ; er muß für den König den Vogel, dem die Feder gehört, und die goldhaarige Schöne holen ; vor dem Galgen wirft er Schnupftabak auf den König, sodaß dieser tot niederfällt). Aus der Bretagne bei Sebillot, Contes 3, 130 nr. 13 'La belle aux cles d'or' (der redende Schimmel, auf dem der Held aus dem Dienste des Teufels entflieht, unterweist ihn, wie er die Schöne, ihre Schlüssel und ihre Burg für den König holen und dem Feuertode entgehen kann, und verwandelt sich in eine Jungfrau, die ihm Unglück in der Ehe mit der Schönen voraussagt). Ebd. 3, 143 nr. 13 bis 'Petit- Jean' (erhält von seiner Patin, der h. Jungfrau, einen Esel, entführt auf seinem Schiffe die Prinzeß, holt deren Schlüssel und Palast und heiratet jene, nachdem der König verbrannt ist). Revue des trad. pop. 14, 549 'Le pecheur de Saint-Cast' (Pferd warnt vor der Gold- kette, hilft die Prinzeß Dore, ihre Schlüssel, ein wildes Roß und das Wasser des Lebens, Todes und der Schönheit holen). Luzel, Veillees bretonnes S. 148 'Petit Louis fils d'un charbonnier et filleul du roi de France' (s. Cosquin 2, 294). Luzel, Contes 1, 66 'La princesse de Tronkolaine' (= Archives des missions scientifiques 3. serie 1, 2. Cosquin 1, 45); 1, 98 'Tregont-ä-Baris' (= Archives 2, 7, 181); 1, 143 'N'oun-doare' (Krone aufgehoben; die Stute wird zu einer Königstochter, nachdem der Held die Prinzessin für den König geholt; Fisch, Vogel, Dämon); 1, 158 'Les quatorze juments et le cheval du monde' (die Tochter des Königs ist dem Helden feindlich); 1, 259 'La princesse du palais enchante' (statt des rat- gebenden Pferdes ein Greis im Brunnen; Reise zur Sonne, Fragen aufgetragen wie oben 1, 292; Löwe, Menschenfresser, Ameise helfen die Prinzessin gewinnen). Luzel, Archives 2, 7, 290 'La princesse de Tremenezaour' (Cosquin 2, 296). Troude et Milin S. 65 'La perruque du roi Fortunatus' (die Perücke, die der Held gegen den Rat seines Pferdes aufhebt, ist Anlaß, daß der König 126. Ferenand getrü un Ferenand ungetrü. 23 ihm befiehlt, die Tochter des Besitzers zu holen; Waldtiere, Ameisen, Gänse dankbar). — Rätoromanisch bei Decurtins 2, 38 nr. 29 'II tschess' = Jecklin 1, 132 'Die Adlerbraut' (der Patensohn des Königs muß unterwegs mit einem Zwerge tauschen und die von einem Drachen entführte Tochter des Königs befreien. Ein Greis ist sein Ratgeber, Bär, Leopard und Adler seine Helfer im Kampfe). — Italienisch bei Straparola 3, nr. 2 (= Keller, Ital. Novellenschatz 5, 22) : Livoretto entführt im Auftrage des Sultans von Kairo die schöne Bellisandra aus Damaskus, als diese sein Zauberpferd bewundert und besteigt; ein dankbarer Fisch und Falke schaffen für ihn ihren King und Lebenswasser herbei; sie tötet den Jüngling und belebt ihn wieder; wie der Sultan Gleiches begehrt, ersticht sie ihn, wirft den Leichnam in den Schloßgraben und heiratet Livoretto. Ähnlich bei Gonzenbach nr. 30 'Ciccu' (hilft auf Geheiß seines Rosses einer Biene, einem Fisch und Adler; muß in den Feuerofen springen) und nr. 83 'Caruseddu' (Ameisen, Fisch, Vogel). Pitre 1, 298 nr. 34 'Lu cavaddu infatatu'. Finamore 1, 51 nr. 11 'La bella Filinde.' Grisanti S. 220 nr. 14 Tl cavalluccio'. De Nino 3, 209 nr. 39 'II cavalluccio fatato'. Tuscan fairy tales nr. 8 'The siren'. Comparetti nr. 5 'Granadoro', nr. 14 'La signora delle sette. vele', nr. 16 'La bella dei capelli d'oro'. Gigli S. 239 nr. 6 'I fratelli invidiosi'. Andrews nr. 2 'Le roi dAngleterre' (das Patkind des Königs muß unterwegs mit einem Grindkopf tauschen und des Königs Tochter befreien, wobei ihn sein Pferd berät). Visentini nr. 5 'I tre giganti' (ein rothaariger Wirt raubt dem Jüngling den Brief des Königs; eine Alte hilft ihm beim Schäferdienst die Kiesen überwinden; Turnier wie in nr. 136). Archivio 2, 481 'Crimintinu' (sardisch). — Maltesisch: Hg 1, 60 nr. 18 'Der böse Ratgeber des Königs, die Elefantenzähne, der singende Vogel, das tanzende Wasser und die Tochter der Schönheit' und 1, 120 nr. 35 'Der jüngste der dreizehn Brüder'. — Katalanisch: Maspons, Rondal- layre 3, 21 'En Pere revolt'. — Spanisch: Caballero, Cuentos 1877 S. 55 = 1878 S. 23 'Bella flor' (Jose muß für den König die Jung- frau Bella-flor holen ; Ameisen, Adler, Fisch helfen ; Bad in siedendem Öl ; der ratspendende Schimmel ist ein dankbarer Toter). — Baskisch: Cercpaan d nr. 102. Vinson p. 80 'Malbrouc' (dankbare Tiere, Riese getötet, Prinzeß befreit). — Griechisch: Hahn 1, 233 nr. 37 'Der Königssohn und der Bartlose' (der Prinz muß unterwegs mit dem Diener tauschen und die Goldgelockte holen; 2-i 126. Ferenand getrü un Ferenand ungetrü. Pferd hilfreicli; Ameisen, Bienen, Raben dankbar) und 2, 3 nr. 63 'Der junge Jäger und die Schöne der Welt' (vermischt mit den Dienern mit wunderbaren Eigenschaften. Den Helden berät nicht ein Pferd, sondern seine Mutter). Pio p. 212 = Misotakis S. 20 'Der Sohn des Jägers und der Minister'. Kampuroglu nr. 7 (Deltion 1, 304) 'Die Königin der Gorgonen' — Garnett 2, 229. NeosAA^viy.ä lAvdZeicta 1, 1, 46 nr. 10 = Legrand p. 57 'L'homme sans barbe' = Garnett 2, 28. — Albanesisch: Jarnik 1881 S. 6 = Meyer nr. 13 'Der Jüngling und der Bartlose' (Archiv f. Litgesch. 12, 137. ß. Köhler 1, 394). Pedersen S. 53 nr. 8 'Briefe nach der Toten- welt'. Dozon p. 83 nr. 12 'La loubie et la belle de la terre' = Garnett 2, 305 = Leskien nr. 49. — Rumänisch bei Schott S. 184 nr. 17 'Juliana Kosseschana' (Petru gewinnt mit Hilfe seines Pferdes die Schöne, vor deren Vater er sich dreimal versteckt, muß sie dann einem Könige ausliefern, der die unterwegs gefundene Goldkrone bei ihm sieht, und bleibt in der siedenden Stutenmilch unversehrt, während der König in diesem Bade umkommt). Picot, Revue de linguist. 5, 248. Säinenu p. 504. P. Schullerus nr. 86 'Die tapfere Königstochter' (Archiv f. siebenb. Landesk. 33, 566. Die dritte Schwester zieht in Männerkleidern in den Krieg wie bei der Aulnoy, Belle-belle (oben 2, 85) und wird schließlich in einen Mann verwandelt. Ihr Pferd rät vergeblich, die goldene Rippe und den goldenen Zopf nicht aufzuheben. Sie muß das Goldferkel, die Schöne und das Schwert Gottes für den König holen. Bad in siedender Milch. Dankbare Tiere fehlen). — Serbokroatisch aus Bosnien: Vojinovic nr. 1 = Jagic nr. 1 (Archiv f. slav. Phil. 1, 270. R. Köhler 1, 407) 'Ein Prinz und ein Araber' (der uneheliche Sohn eines Kaisers sucht seinen Vater, wird vom Xeger gezwungen mit ihm zu tauschen und muß für ihn eine Braut werben, wobei ihm dankbare Ameisen, Fische und Adler helfen ; enthauptet und von der Schönen belebt). Ähnlich Dvorovic S. 110 (Zigeuner statt Neger) ; Stefanovie S. 39 nr. 7 = Archiv 1, 271 (der verwaiste Jüngling sucht seinen Vetter, vom Bartlosen gezwungen); Bos. Vila 11, 196. 253 (1896). Aus Kroatien: Kres 5, 87 nr. 39 (der vermeintliche Diener löst die Aufgaben der Prinzeß mit Hilfe der dankbaren Tiere, der Zigeuner nicht und wird getötet); Strohal 1, 236 nr. 77 (der Teufel hilft dem Helden; Krähen, Bienen, Fisch). Aus Bosnien: Bos. prijatelj 1, 114 nr. 2 (Krähe hilft die Xachti- gall und die Jungfrau holen) = AVratislaw p. 239 nr. 42 'The 126. Ferenand getrü un Ferenand ungetrü. 25 bird catcher'. Bos. pripovijedke S. 11 = Mijatovics S. 189 nr. 18 'One good turn deserves another' (Eisenhans ; Diener am Brunnen ; Bären, Wölfe, Tauben weiden, drei goldene Äpfel der Prinzeß gewinnen). Stefanovic S. 164 nr. 20 = Jagic nr. 53 (Archiv 5, 64). R. Köhler 1, 464) 'Veljko Lovic und Kusljo' (Pferd warnt, die A7ogelfedern zu nehmen; der Held holt den Vogel, den Käfig, die Kaiserstochter, ihr Schloß und ihre Schlüssel). Wuk nr. 12 'Der goldwollige Widder' (der Kaiser legt dem Jäger Aufgaben auf). Stefanovic S. 221 nr. 25 = Jagic nr. 58 (Archiv 5, 75. R. Köhler 1, 467) 'Vierundzwanzig Brüder' (Lagerstätten mit den Hexentöchtern ver- tauscht; Schwert, Federn gefunden; Schöne geholt; Bad in siedender Milch). Aus Kroatien : Valjavec S. 5 nr. 2 = Archiv f. slav. Phil. 5, 76 = Krauß 1, 341 nr. 80 'Der Jüngling und das Vilapferd' = Leskien nr. 42 (ähnlich. Sieben Brüder). Aus Slawonien : Zbornik jsl. 16, 131 nr. 12 (zwölf Brüder wollen zwölf Schwestern heiraten; goldenes Haar, Feder, Hufeisen; Jungfrau, Vogel, Füllen geholt; Bad in Stutenmilch). Slav. Blätter 1, 245 'Die zwölf Brüder'. — Bulgarisch aus Panagjuriste : Colakov S. 247 = Archiv f. slav. Phil. 5, 79 = Leskien S. 41; aus Süd- mazedonien: Sbornik nar. umotv. 3, 222 (Bartloser am Brunnen; Löwenzähne, Steuer von wilden Menschen und Jungfrau holen; Raben, Ameisen, Bienen helfen Lebenswasser bringen, Kornarten sondern, die Jungfrau herausfinden); aus Westbulgarien: Sapkare v S. 401 nr. 244 (Teufel ; Ameisen, Adler, Fische) ; aus Südmazedonien ebd. S. 146 nr. 97 (Drache hütet Quelle; Adler, Hasen, Bären, Ameisen, Wespen helfen) und S. 360 nr. 213 (Pferd stehlen, Gold- äpfel, Jungfrau; Lebenswasser); aus Dibra bei Sapkarev S. 5 nr. 5 (Feder gefunden, Vogel, Jungfrau, Ring, wilde Stute holen). — Cechisch aus Böhmen: Nemcovä 2, 3 nr. 13 (27 Brüder aus Vogeleiern hüten des Königs Wiese; der jüngste erbietet sich die verschwundene Braut des Königs zu holen, dann ihren Schrein, den Schlüssel, ein Schwert; enthauptet und belebt; Pferd und dank- barer Hund, Adler, Fisch). Radostov2 2, 321 = Waldau S. 368 'Die falschen Brüder' (Lagerstätte mit den Hexen töchtern ver- tauscht; Schimmel hilft dem jüngsten, ebenso Fisch, Riesen, Adler). Kar. poh. a pov. 1878 S. 51 nr. 14 (goldenes Hufeisen, Feder und Haar gefunden; Pferd hilft). Popelka 1883 1,34 = Popelka, Poh. a pov. S. 115 (zwölf Brüder suchen zwölf Schwestern ; Hufeisen, GJoldhaar). Popelkova S. 68 (zwölf Brüder; Goldhaar, Feder, Huf- 26 126. Ferenand getrü un Ferenand ungetrü. eisen; Pferd, Vogel, Jungfrau; Milchbad). Aus Mähren: Miksicek, Pohadky S. 10 nr. 1 (zwölf Brüder bei einer Hexe mit zwölf Töchtern; Feder, goldenes Haar; Vogel, Pferd, Jungfrau, Bad). Kulda 2, 132 nr. 101 (Hufeisen und Totenkopf gefunden, die vom Drachen gestohlene Königstochter aufgesucht, Fragen aufgetragen, Bad in Stutenmilch). Tille nr. 26 (Narodop. Sbornik 7, 103: spukende Prinzessin in der Kirche ; goldene Feder gefunden, Vogel, Jungfrau, Schloß, Schlüssel geholt). Väclavek, Val. poh. 2, 33 nr. 5 (Lagerstätte mit den Hexentöchtern vertauscht ; der Held holt einen Käfig voll Wild, ein Fäßchen mit Getränken, Jungfrau, King, Wasser der Schönheit, des Todes und des Lebens). Kulda 3, 7 nr. 1 (Patenkind Gottes erhält ein Pferd, findet Krone, befreit die ent- führte Königin mit Hilfe von Riesen, Fischen und Vögeln ; Wasser des Lebens). Ed. Peck nr. 66 und 13 (Feder, Tintenglas, goldenes Messer).— Slovakisch: Skultety-Dobsinsky S. 116 nr. 12 = 2. Aufl. S. 259 nr. 21 (goldenes Hufeisen, Feder, Haar; Vogel, Jungfrau). Kemcova, Slov. poh. 2, 233 nr. 59 (Feder; Vogel, Jungfrau, Lebens- wasser). Dobsinsky 1, 73 nr. 7 (Schwarzhaariger Prinz im Lande der Rothaarigen, muß mit dem Diener am Brunnen tauschen, tötet Drachen, holt Prinzeß, nachdem er drei Aufgaben mit Hilfe von Ameisen, Vögeln und Fischen gelöst; Lebenswasser). Sbornik mus. slov. spol. 18, 4 (Pferd vom Taufpaten; Blume statt Feder; Prinzessin, Schlüssel, Schloß im Apfel, Kopfputz). — Wendisch: Veckenstedt S. 233 'Der Prinz und sein Zauberpferd'. — Polnisch aus dem Gouv. Plock : Chelchowski 1, 95 nr. 15 (Eisenhans, unten nr. 136 ; treuloser Kutscher ; der goldene Luchs hilft Hengste und Stiere in goldene verwandeln und erhält ihn im Kerker, wo ihn die Prinzeß aufsucht) und 1, 282 nr. 46 (ähnlich ; statt des Luchses ein goldener Mensch). Aus den Beskiden: Kosinski nr. 55 (Zbiör 5, 252. Feder; Vogel, Käfig, verjüngendes Wasser, Spiegel, Jungfrau ; dann der treue Johannes, oben 1, 51). Aus dem Gouv. Kowno: Lud 9, 172 (Held Radziwilla, eigentlich ein holzgeschnitztes Kind, weiß Rätselfragen zu lösen, holt Vogel, Apfel- baum, Sonnentochter und deren Schätze). Aus Nordungarn: Mater, antropol. 1, 419 nr. 2 (30 Brüder aus Vogeleiern hüten des Kaisers Kornfeld; der jüngste gewinnt ein Pferd, muß eine goldene Katze, Hahn, Pferd holen ; beim Zauberer gefangen, schiebt er dessen Frau in den Bratofen und entrinnt; holt die geraubte Jungfrau, badet im Pechkessel). Aus Galizien : Wisla 8, 524 (der jüngste Bruder 126. Ferenand getrü un Ferenand ungetrü. 27 belauscht die nachts tanzenden Hexen ; vertauscht die Lagerstätten der Brüder mit den Hexentöchtern nach dem Rat seines Pferdes, rindet goldenes Hufeisen und Haarlocke). 12, 723 nr. 6 (der Held fängt eine Stute, findet Hufeisen und Feder, holt drei Antworten von der Sonne, Pferd und Vogel, badet in siedendem Wasser und wird des Königs Schwiegersohn). Gouv. Kielce : Kolberg, Lud 19, 234. — Großrussisch aus dem Gouv. Samara: Sadovnikov S. 73 nr. 12 (der von drei Greisen gefundene Knabe 'Trechsyn' = Dreisohn hebt auf seinem Ritte Tuch, Pfauenfeder und Papier auf, soll die Sonne und die Meeresmutter aufsuchen ; Pech- und Milchbad) und S. 187 nr. 60 (der jüngste Bruder fängt eins der nachts das Feld zer- tretenden Pferde; Feuervogel, Jungfrau, Hochzeitskleid; Bad in Pech, Milch und Wasser). Aus dem Gouv. Tula: Erlenwein S. 98 nr. 27 (Vogel, Jungfrau, Wagen, Pferde holen). Afanasjev 3 1, 263 nr. 103a (Jäger findet Feder); 1, 264 nr. 103b (etwas mehr vom Wunderpferd). Ralston p. 287. Aus dem Gouv. Nizegorod : Chudjakov 3, 126 nr. 111 (entstellt; eine Hexe schiebt der Kaiserin einen Hund statt ihres Kindes unter, diese wird auf dem Meere ausgesetzt). Aus dem Gouv. Orel ebd. 3, 103 nr. 105 (Dienerin zwingt die Frau unterwegs zum Rollentausch). Gouv. Jelisavetpol : Sbornik Kavkaz. 42, 2, 12 nr. 3 (Trjomsyn von drei Räubern auf- gezogen; Goldfeder; holt Vogel, Jungfrau, Meerstuten; Bad in siedender Milch). Bei Afanasjev3 1, 109 nr. 67a; 1, 111 nr. 67b; Chudjakov 2, 33 nr. 44; 3, 143 nr. 15 hilft ein Ungetüm, das der Held wie bei Grimm nr. 136 'Eisechans' befreit hat, diesem drei Drachen, die eine Prinzessin gefangen halten, erlegen; ebenso erzählt schon ein Volksbuch des 18. Jahrh. von Bulat dem Helden (Rovinskij 1, 170; vgl. 5, 99. 130. Dietrich S. 131 nr. 10) diese Einleitung vom Eisenhans, der dem Prinzen Iwan zum Zauberpferd und zum Siege über drei Heere verhilft; die Falschheit des Dieners wird erst bei der Hochzeit durch die Prinzessin enthüllt. — Kleinrussisch: Sadok-Baracz S. 180 (treuloser Diener; Vogel, Pferd, Jungfrau holen; der getötete Held belebt). Aus Kordungarn : Hnatjuk 2, nr. 25 (Etnograf. Zbirnyk 4, 129. Patenkind des Kaisers vom Räubersohn überwältigt, muß Löwenmilch, Lebenswasser, Jungfrau holen; Ameisen, Vögel, Fische lösen die Aufgaben der Hexe und holen Lebenswasser). Aus der Bukowina: Dragomanov S. 317 nr. 19 (ähnlich; die Muttergottes und St. Nikolaus helfen ; Grindkopfmärchen). Aus Ostgalizien : Ihnatij z Niklovyc S. 64 28 126. Ferenand getrü un Ferenand ungetrü. nr. 15 = Dragomanov S. 332 nr. 24 (zwölf Brüder suchen zwölf Schwestern; Zar begehrt die Frau des jüngsten; Goldfeder, Hufeisen, Milchbad). Rozdolskyj nr. 41 (Etnogr. Zb. 7, 61. Feder und Hufeisen gefunden); nr. 45 (7, 84. Pferd von der nachts das Heu verzehrenden Herde, Vogel geholt); nr. 62 (7, 123: zur Sonne, Meereskönigin und den Stuten geschickt); nr. 71 (7, 149. Dreisohn soll das Pferd und die darauf sitzende Jungfrau holen und hundert Meeresstuten melken) ; nr. 20 (ebd. 1, 76: Hengst, Vogel, Meerjungfrau, Stuten holen; wie das tapfere Schneiderlein, oben 1, 149 reißt der Held in der Schlacht das Wegkreuz aus). Suchevj^c S. 88 nr. 58 (Dreisohn; Vogel, Meeresjungfrau, Mond, Lebenswasser). Südungarn, Arad: Etnogr. Zbirnyk 25, 76 nr. 17 (Lebenswasser für den erblindeten Vater; Hufeisen; Pferd und Jungfrau mit Hilfe eines dankbaren Toten geholt; treulose Brüder). Kolberg, Pokucie 4, 130 nr. 24 (zwölf Brüder suchen zwölf Schwestern ; Hufeisen, Jungfrau, Enterich, Pferdehaar ; Milchbad). Aus dem Gouv. Wolhj^nien : Rokossowska nr. 9 (Mater, antropol. 2, 26: vermischt mit dem Grindkopfmärchen). Nowosielski 1, 327 (Prinz und Pferd zugleich nach Genuß eines Krautes geboren ; Feder gefunden ; Feuervogel, Prinzeß, Geige holen, Berg fortschaffen; Milchbad). Aus dem Gouv. Podol: Cubinskij 2, 301 nr. 78 (Pferd, Bing, Milchbad; der Herr gibt ihm seine Tochter). Aus dem Gouv. Jekaterinoslaw: Manzura S. 45 nr. 27 (Trjomsyn bei drei Räubern erzogen, Kutscher; Meer- jungfrau; Milchbad) und Dragomanov S. 286 Kr. 10. Drago- manov S. 336 nr. 25 = v. Löwis nr. 13. Aus dem Gouv. Charkow: Cubinskij 2, 290 nr. 76 (Dreisohn Boris; Feuervogel, Jungfrau, Perlenkette; zur Sonne). Aus dem Gouv. Lublin : Kolberg, Chelmskie 2, 95 nr. 9 (Patrosyn ist vom Vater geboren, der von der Arznei seiner Frau kostete, von Krähen fort- getragen und von Räubern erzogen; holt Vogel, Jungfrau, deren Schätze mit Hilfe dankbarer Tiere ; als er in einer Nacht ein Kind zeugen soll, bringt ihm ein Kranich ein solches). Aus dem Gouv. Poltawa: Etnogr. Zbirnyk 14, 128 nr. 15 (Vogel, Jungfrau, zum Monde, Schätze; Milchbad; Drachin hilft). Aus dem Gouv. Kiew: Uubinskij 2, 337 nr. 86 (Tromsyn ist aufgezogen von Gott, Petrus und Paulus, tritt in den Dienst eines Rothaarigen, dringt verwandelt in Taube, Bär, Fisch, Mücke zur Schönen, um deren Ring und Schwert dem Kaiser zu bringen, vom Sohne des Rothaarigen getötet, von Gott belebt). — Weiß russisch: Glinski 1, 151 126. Ferenand getrü un Ferenand ungetrü. 29 nr. 8 (Prinz und Diener, Schwan und Adler). Aus dem Gouv. Wilno : Karlowicz S. 36 nr. 25 (Goldvogel, dessen drei Schwestern, Stute; Ölbad). Karlowicz S. 119 nr. 82 (Patenkind des Königs, treuloser Diener; Ameisen, Bienen, Fliegen helfen die Prinzeß gewinnen). Aus dem Gouv. Mogilew : Romanov 3, 232 nr. 38 (Findling und Fohlen wachsen zusammen auf; Vogel, Frage an Gott, Meer- jungfrau, Schrein, Lebenswasser); 3, 239 nr. 39 (12 Brüder aus Enteneiern ; Pferd aus der nachts erscheinenden Herde ; Kleider tausch mit den Hexentöchtern; Wunderkrug der Hexe, Dudelsack, Jungfrau, Schrein, Schlüssel holen; Milchbad); 3, 238 (Bez. Homel); 3, 247 nr. 41 (Trjomsyn von drei Brüdern gefunden); 6, 297 nr. 33 (Trjomsyn bei drei Einsiedlern, reißt dem Feuervogel drei Federn aus, gewinnt Zaubergegenstände). Aus dem Gouv. Mogilew ebd. 6, 360 nr. 41 (zwölf Brüder aus Eiern; der jüngste fängt die Stute mit zwölf Fohlen ; Hexentochter; holt Jungfrau, Hochzeitskleid, King, Kerzen, Geige, Pferde; ermordet und vom Pferde belebt). Aus dem Gouv. Minsk: Sejn S. 276 nr. 133 (100 Söhne aus Eiern, 100 Hexen- töchter. Entführung der Meerjungfrau) ; S. 279 nr. 134 (Feuer- vogel, Jungfrau, zum Mond, Kästchen aus dem Meere, Milchbad); S. 50 nr. 23 (unvollständig). Aus dem Gouv. Grodno : Federowski 2, 328 nr. 387 (Pferd rät dem Helden, die Feder aufzuheben, belebt den Zerstückelten); 2, 299 nr. 330 (ganz kurz). Aus dem Gouv. Minsk: Sejn 2, 52 nr. 24 (Eisenhans; Diener am Brunnen ; der Held und die Prinzeß in einem Faß auf dem Meer ausgesetzt). Aus dem Gouv. Mogilew: Komanov 6, 395 nr. 45 (ähnlich). Aus dem Gouv. Smolensk: Dobrovoljskij S. 471 nr. 12 (ähnlich). — Litauisch: Dowojna-Sylwestrowicz 1, 152 (Blume und Haarlocke aufgenommen); 1, 438 (Feder, King, Huf- eisen; Vogel, Jungfrau, Pferde; Milchbad); 2, 330 (drei Blumen); 2, 159 (nachts Pferde gefangen; Feder, Hufeisen); 1, 450 (der kluge Knabe, wie Archiv f. slav. Phil. 27, 618; Blume aufgehoben; Jungfrau und Kleidertruhe); 1, 407 (der Held von den Brüdern geblendet, löst Aufgaben mit dankbaren Ameisen, Bienen, Raben). — Lettisch: Weryho 1892 S. 206 nr. 28 (Feder; Vogel, Stute, Jungfrau; Bad). — Estnisch: Kallas S. 115 nr. 1 (Eisenhans; keine übernatürlichen Aufgaben). — Finnisch bei Salmelainen 1, 181 nr. 15 = Ermans Archiv f. Rußland 13, 478 = Grässe, Märchenwelt S. 188 = Schreck S. 151 nr. 17 'Die Gaben des Unholds' = Beauvois, Revue Orientale et americaine 4, 386 (Cosquin 30 126. Ferenand getrü un Ferenand ungetrü. 2, 299). Aarnes Register nr. 531. — Wo t jakisch: Izvestija archeol. Kazan. 3, 227 nr. 1 (Feder des Goldvogels, Pferdeherde, Ring der Prinzessin, Pechbad). — Ungarisch: Kümo p. 197 'Le crapaud' (der Knecht, der für hundert Gulden ein Silbergefäß gekauft und die darin befindliche Kröte großgezogen hat, holt mit Hilfe dieser und eines dankbaren Hundes, Fisches und Taube die schöne Helene für den König, deren Ring und Lebens- und Todes- wasser). Sklarek 1, nr. 11 'Feenprinzessin Goldhaar' = Ungarische Revue 1887, 563. Horger nr. 36 = Rona-Sklarek 2, nr. 10 'Der zwölfte Sohn'. Vikar nr. 14 'Janko' (12 Brüder; Tausch der Kopf- bedeckungen mit Hexentöchtern; goldenes Haar, Feder, Huf- eisen usw. ; die nach dem Milchbade gewonnene Frau vom Drachen geraubt). Berze-Nagy nr. 23 'Morgenröten- Janos' (dazu Mädchen ohne Hände und Prophezeiung vom Neugeborenen). Jones-Kropf nr. 48, besonders p. 269 (Goldhaar, Hufeisen). — Zigeunerisch aus der Bukowina bei Miklosich nr. 9 'Die über- wundene Amazone' — Groome p. 104 nr. 27 'Tropsyn' (wohl entstellt aus russischem Tromsyn, Dreisohn). Groome p. 107 nr. 28. — Armenisch aus dem Gouv. Jelisawetpol : Sbornik mat. kavkaz. 24, 2, 175 nr. 21 (der Held fängt den Fasan mit dem leuchtenden Stein im Kopf, muß einen Leuchtturm bauen, listet drei Dews eine Tarnkappe, Teppich und Tischtuch ab, löst mit dankbaren Tieren fünf Aufgaben und holt die Jungfrau für den Kaiser) ; 13, 2, 323 (das kluge Meerfohlen hilft dem Hirten die schöne Jungfrau gewinnen). — Ajsorisch ebd. 18, 3, 72 (der jüngste Prinz holt für seinen Vater die Erde, die unter dem Vogelkäfig eines zwölfköpfigen Dews und einer Jungfrau liegt ; ein dankbarer Fisch gesellt sich in Gestalt eines Jünglings zu ihm ; Feder aufgehoben; Vogel und Jungfrau; Milchbad). — A warisch ebd. 14, 2, 94 (die Zauberin hilft dem Prinzen, der an ihrer Brust saugt, zu dem Meerpferde ; goldene Feder ; Feuervogel, Meerjungfrau in Taubengestalt; Milchbad). Schiefner nr. 1 'Das Meerroß'; vgl. R. Köhler 1, 537. — Türkisch: Künos, Stambul S. 189 nr. 25 'Der verzauberte Rosenzweig und die Weltschöne' = Ungarische Revue 1889, 39. Künos S. 150. 313. — Gag ausisch: Radioff 10, 68 nr. 43. - Tatarisch: Radioff 4, 373 'Die Waise'. Zap. Krasnojarsk. 2, 226 nr. 53 (Stute im Getreide gefangen, gibt ihr jüngstes Fohlen ; Flügel des Vogels, Sonnenjungfrau ; Fragen auf- getragen, Kamm aus dem Meere, Bad in Pech, Milch und Spiritus). — Indisch aus Ceylon: Parker 2, 299 nr. 145 'The gern Yaksani' 126. Ferenand getrü im Ferenand ungetrü. 31 (der Besuch bei den verstorbenen Eltern des Königs ähnelt nr. 8 des Siddhi-kür). — Aus Kambodja: Leclere 1895 p. 99 'JSTeang Chouk' (entstellt). — Von den Philippinen: Journal of american folklore 21, 50 'Benito the faithful servant'. — Arabisch aus Ägypten: Spitta-Bey nr. 4 'Le pecheur et son fils' (s. Cosquin 2, 365). Jahn, Mehri-Sprache 1, 81 'Der Sohn des Jägers'. D. H. Müller, Die Mehri- und Soqotri-Sprache 2, 50 nr. 2 'Der Vogelsteller'. Oestrup S. 73 nr. 5 'Le fils cadet du marchand'. Destaing 2, 24 nr. 50 'La jument noire'. — Aus Nigeria: Tremearne, The tailed head-hunters 1912 p. 330 'Salifu and the wonderful mare' (AEF; der 10. 'Königs- sohn löst mit Hilfe der redenden Stute, die ihm als einziges Erbteil zugefallen ist, drei Aufgaben seiner neidischen Brüder; die von ihm entführte Königstochter bringt durch Trugheilung den ältesten Bruder um und heiratet den Helden). Entfernter steht Tremearne, Hausa superstitions p. 441 nr. 96 'The boy who cheated Death' (ma- gische Flucht vor Frau Tod, Wettreiten mit dem tückischen Prinzen). — Bei den südafrikanischen Ba-Ronga: Junod p. 276 nr. 25 'Les aventures de Djiwaö'. — Bei den Menoruinee- -Indianern : Skinner, Journal of am. folklore 26, 76 'The one who always gets the keys'. Das Alter des Märchens ergibt sich daraus, daß es bereits im 12. Jahrhundert in die Trist an sage aufgenommen war: auch hier zieht der Held aus, um die blonde Isolde, von der Schwalben ein Haar zum alten König Marke gebracht haben, aufzusuchen und ihm als Gattin zuzuführen; der Ausgang ist freilich tragisch1). Im 14. Jahrhundert erscheint es in der Gaungu-Hrölf s Saga (Fornaldar Sögur NorÖrlanda 3, 235. 1830. Golther in den M. Bernays gewid- meten Studien zur Literaturgeschichte 1893 S. 169) verbunden mit dem Rollentausche zwischen dem Königssohn und dem treulosen Diener (R. Köhler 2, 341. Rittershaus S. 219): der Jarl Thorgnyr sitzt am Grabe seiner Frau, da fliegt eine Schwalbe über ihn hin und läßt ein langes goldenes Haar zu seinen Füßen niedersinken. Er gelobt, die Maid, von der das Haar stammt, zum Weibe zu gewinnen, und verheißt dem norwegischen Recken Hrölfr seine Tochter, wenn er ihm jene herbeischaffe. Hrölfr überwindet auch den Berserker König Eireks und entführt die schöne IngigerÖr; aber der verräterische x) Vgl. R. Köhler 2, 328 'Tristan und Isolde und das Märchen von der goldhaarigen Jungfrau und von den Wassern des Todes und des Lebens'. Golther, Die Sage von Tristan und Isolde 1887 S. 16. 32 126. Ferenand getrü un. Ferenand ungetrü. Vilhjalmr schlägt ihm im Schlafe beide Füße ab, läßt die Königs- tochter Schweigen über die Untat geloben und bringt dem Thorgnyr die Braut. Ehe er jedoch den Lohn dafür empfängt, erscheint Hrölfr, den ein Zwerg geheilt hat, entlarvt den Betrüger und wird nach Thorgnyrs Tode IngigerÖrs Gatte. — In einer hebräischen Hand- schrift der Bodleianischen Bibliothek, die vor 1200 in Frankreich oder England entstanden ist, steht neben andern Beispielen zu den zehn Geboten die Geschichte des Rabbi Jochanan (Levi, Revue des etudes juives 33, 239. Gaster, Folk-lore 7, 232). Dieser kauft für tausend Goldstücke ein schönes Kästchen, in dem sich ein kleiner Skorpion befindet, und füttert diesen groß, bis er selber ganz ver- armt. Da beginnt der Skorpion, der ein Sohn Adams ist. zu reden und stellt seinen Pflegern einen Wunsch frei; der Rabbi begehrt alle Sprachen, auch die der Tiere, zu verstehen, seine Frau verlangt Reichtum. Wie der König von der Weisheit Jochanans vernimmt, befiehlt er ihm, die Schöne mit den goldenen Haaren herbeizuholen, von der ein Rabe ihm ein Haar hat auf die Schulter fallen lassen. Auf seinem Wege teilt der Rabbi sein Brot mit einem Hunde und einem Raben und kauft einen eben gefangenen Fisch frei. Die Königin begehrt, ehe sie ihm folgt, Wasser aus dem Paradies und der Hölle ; von jedem holt der dankbare Rabe ein Krüglein. Sodann einen ins Meer gefallenen Ring; der Fisch bringt es bei dem Le- viathan dahin, daß der, welcher ihn verschlungen, ihn wieder ans Land speien muß ; indem aber kommt ein Wildschwein daher und schlingt ihn abermals hinunter; nun setzt der Hund dem Schwein nach und zerreißt es in -zwei Stücke, so daß Jochanan den Ring wiederfindet. Daheim ist inzwischen des Rabbi Frau gestorben. Weil er dem König die Braut gebracht hat, steht er in Gnaden bei ihm und wird darum von Neidern ermordet. Aber die junge Königin, die ihm sehr gewogen ist, begießt ihn mit dem Paradies- wasser, wovon er alsbald das Leben wieder erhält. Im Vertrauen auf solche Belebung zieht der König in den Kampf und wird samt seinen Hofleuten erschlagen. Die Königin aber schüttet das Höllen- wasser auf ihn, wovon er alsbald zu Asche verbrennt. Dann spricht sie zum Volk: 'Seht, es war ein gottloser Mensch, sonst wäre er wieder lebendig geworden', und heiratet den Jochanan. Im jüdisch- deutschen Maasebuch 1602 cap. 143 (danach Helvicus, Jüdische Historien 1617 1, 57 nr. 14; Philipp Wahrmund, Compendiöses Historien-Buch 1722 cap. 16; Grünbaum, Jüdisch-deutsche Chresto- 126. Ferenand getrü un Ferenand ungetrü. 33 mathie 1882 S. 448; Tendlau, Fellmeiers Abende 1856 S. 5; Mit- teilungen f. jüd. Volkskunde 2, 9) heißt der Rabbi Chanina, und das von ihm gepflegte Tier ist ein Frosch. Das von einem Vogel herbeigetragene oder auf dem Flusse heranschwimmende goldige Haar, dessen Anblick den König im jüdischen Märchen wie in der Tristansage mit Verlangen nach dessen Eigentümerin erfüllt, ist ein uralter Zug, der schon im ägyptischen Brüdermärchen vorkommt (Cosquin 1, LXV. 2, 302. R. Köhler 1, 571. 2, 345. Chauvin 6, 5. Reinisch, Somali-Sprache 1, 328. Jahn, Mehri- Sprache 1, 44. D. H. Müller, Mehri-Sprache 1, 84. 2, 57. F. Hahn, Kols nr. 18). In ähnlicher Weise bewirkt die goldene Feder1), die der Held trotz der Abmahnung seines Pferdes vom Boden auf- hebt, den Auftrag, den Goldvogel, von dem die Feder stammt, oder die Schöne, deren Bild darauf zu sehen ist, für den König herzuholen. Vgl. R. Köhler 1, 392. 411. 468. 542. Cosquin 2, 296. Chauvin 6, 5. Bei Bechstein S. 102 'Die drei Federn' (wohl nach Kretzschmer- Zuccalmaglio, Deutsche Volkslieder 2, 48 nr. 20) sieht der Held nach- einander drei Federn auf dem Wege, hebt wider den Bat seines Pferdes die dritte auf und wird König ; hätte er bis zur vierten ge- wartet, so wäre er Kaiser geworden. — Von dem erzwungenen Bollentausch des Helden mit dem untreuen Diener oder Gesellen war schon S. 18. 31 die Bede. — Die List, durch die sich die Schöne des alten Gemahls entledigt, ist eine Trugheilung ähnlich der von Medea gegen den alten Pelias angewandten Vorspiegelung. Dazu dient teils das Wasser des Lebens, mit dem sie den getöteten Jüng- ling besprengt, das sie aber nicht beim .Leichnam des Königs an- wendet, teils ein Bad in siedender Stutenmilch, die das Zauberroß des Helden kühl bläst, oder ein gewaltiges Feuer, in dem der Held unverletzt bleibt, weil er sich mit dem Schaume seines Pferdes be- strichen hat. Vgl. R. Köhler 1, 468. Toldo, Studi di filologia romanza 9, 230. Dandin, Dacakumäracaritam, übers, von Haberlandt 1903 S. 85. Sinhäsana-dvätrincika (Indische Studien 15, 364). Ehrenreich 1906 S. 75. Das Motiv D tritt auch in Basiles 'C o r v e 1 1 o' und den mit diesem verwandten Märchen auf, die hinsichtlich der vom Helden zu erfüllenden Aufgaben dem 'Meisterdiebe' (unten nr. 192) nahe stehn. Gleich x) Mehrfach ist diese Feder missverstanden ; unsere westfälische Fassung macht eine Schreibfeder daraus. Grimm, Märchen- Anmerkungen III. 3 34 126. Ferenand getrü an Ferenand ungetrü. dem treuen Ferdinand wird bei Basile 3, nr. 7 der wackere Diener Corvetto von seinen Neidern beim König verleumdet und von diesem beauftragt, einem riesigen Unholde dessen Pferd, Zimmertapeten (Bettdecke) und Palast zu rauben; die letzte Aufgabe lautete ur- sprünglich wohl wie in den jüngeren Fassungen: den wilden Mann selber herbeischaffen. Pitre, Fiabe sie. 1, 290 nr. 33 'Tridicinu' x) = Crane p. 90 nr. 18 (Bettdecke, Pferd, Kissen). Pitre 1, 305 nr. 35 'na riggina'. De Nino 3, 167 nr. 30 'Tredecinu' (Bettdecke, Becher, Pferd, Orco). Finamore, Archivio 3, 372 nr. 11 'La favoletta del drago'. Nerucci nr. 41 'Orlandino' (Decke, Ring, Papagei, Pferd, endlich Orco und Orchessa). Imbriani 1877 p. 340 'El Tredesin'. Visentini nr. 4 'Tredicino' (Decken, Papagei, Wolf selber). Widter- Wolf nr. 9 'Tredesin' (Jahrbuch f. roman. Lit. 7, 134; vgl. R. Köhler 1, 305). Coronedi- Berti 1883 nr. 38 'La fola del gob Tabagnein' (Decke, Puten, Schuhe, Geldbörse, Pferd). Bagli 1887 p. 57 'L'uomo selvaggio' (Decke, Stäbchen, Papagei, Waldmensch). Zanazzo p. 192 'La fata Morgana' (Stäbchen, sprechender Vogel, Decke, Fee). Im sicilischen Märchen von Caruseddu (Gonzenbach nr. 83; vgl. Zs. f. Volksk. 6, 171 und R. Köhler 1, 467. 546) ist noch die aus Perraults Petit poucet (oben 1, 124) bekannte Vertauschung der Kopfbedeckungen der Brüder mit denen der Hexenkinder und die oben behandelte Gewinnung der goldhaarigen Jungfrau verknüpft. Rätoromanisch: Bundi 2, 18 'Tredeschin' (Pferd, Bettdecke, Papagei des Türken). Maltesisch: Ilg 1, 94 nr. 27 'Der Segen des Vaters' (Decke, Pferd, Wald- mensch); 1, 120 nr. 35 'Der jüngste der dreizehn Brüder' (Decke, Riesentochter, Teppich, Riese). — Französisch : Luzel, Contes bretons p. 1 'Le geant Goulaffre' (Halbmond, Käfig, Riese). Luzel, C. de la Basse-Bretagne 2, 231 'Le perroquet sorcier' (Riesentöchter getötet; Kamel, Karfunkel, Papagei, Riese selber). Sebillot, C. de la Haute- Bretagne 1, 131 nr. 19 'La Perle' (Riesentöchter ; Flucht mit Stiefeln, Mond und Gerte). Carnoy, Picardie p. 241 'Les trois freres et le geant' (Riesentöchter; Goldbart, Säbel, Riese von je einem Bruder geraubt) = Sebillot, C. des provinces p. 66 nr. 9. — Portugiesisch: Coelho, Contos pop. nr. 21 'Joäo Pequenito'. Coelho, Contos nac. *) Über den Namen des Helden 'Dreizehn', der entweder der Jüngste von dreizehn Brüdern ist oder soviel Kraft wie dreizehn Männer hat, vgl. R. Köhler 1, 307. 383. 547 und Kretschmer, Neugriech. Märchen S. 336. In serbokroatischen Märchen (unten S. 36) sind es 31 Brüder. 126. Ferenand getrii im Ferenand ungetrü. 35 nr. 16 '0 Joäsinho pequeno'. — Baskisch: Webster p. 16 'The Tartaro and Petit Perroquet' und p. 77 'Malbrouk' = Vinson p. 80. — Griechisch: Hahn nr. 3 'Von dem Schönen und vom Drakos' (Pferd, Decke, Drache) und 2, 178 Var. 1—4. Pio p. 196 = Geld- art p. 174 '(konstantes an the dragon'. Deltion 1, 699 '0 (DiOQEVxIvog = Garnett 2, 83. Kretschmer nr. 48 'Hauptmann Dreizehn'. Revue de l'hist. des relig. 10, 85 'Le capitaine Treize'. Paton, Folklore 12, 93 'Thirteen' (Bettdecke, Pferd, Unhold). — Rumänisch: Schullerus nr. 52 'Chelteu' (Pferd, Hemd, Teufelin. Archiv f. sieben- bürg. Landesk. 33, 502). — Deutsch: Kuhn-Schwartz S. 324 nr. 3 'Die drei Burschen und der Riese' = Harten-Henniger 1, 10 nr. 1 (auf des Hauptmanns Befehl holt der 1. Soldat des Riesen Spiegel, der 2. das Laken, der 3. den Riesen selber). — Dänisch: Grundtvigs hsl. Register nr. 52 'Troldeskattene'. Kamp, Folkeminder p. 93 'Esben og Troldheksen' (Taube, Schwein, Lampe, Teppich). Berntsen 2, 90 nr. 14 'Bitte-Bsek' (Widder, Schwein, Glocke, Spiegel). Kristensen, Aev. fra Jylland 1, 130 nr. 18 'Herlig- hederne i Hedekuset' (Pferd, Klingelstock, Lampe, Schwein); 1, 138 nr. 19 'Guldsvin, Guldsender og Mundharpe'. Kristensen, Danske Folkeseventyr nr. 18 'Bjsergmandens herligheder' (Schwein, Pferd, Lampe). Kristensen, Fra Bindestue 2, 149 nr. 26 'Guldbuk, Solviser og Harpe'. Kristensen, Fra Mindebo S. 53 nr. 9 'Kikkert, Taske og Hest'. Skattegraveren 6, 107 'Lille-Bsek' (Widder, Lampe, Klingel- stock). — Schwedisch : Hylten-Cavallius nr. 3 a — c 'Der Knabe, der die kostbaren Schätze des Riesen stahl' (Schwert, Hühner, Lampe, Harfe. Lampe, Bock, Pelz. Pferd, Lampe, Jungfrau). Bondeson, Sv. Fs. nr. 36 'Pack' (elf Töchter des Bergriesen, Schwein, Stock, Kanne, Decke, Glocke). * Bondeson, Historiegubbar p. 288. * Nord- länder, Sagor p. 40 nr. 16. Äberg nr. 70. 71. 284 'Pinni'. Allardt nr. 20 'Helli' ; 23 'Jäpus' ; 53 'Lüla Hurti'. Hackmans Register nr. 328. — Norwegisch: Asbjörnsen-Moe nr. 1 'Von Aschenbrödel, welcher die silbernen Enten, die Bettdecke und die goldene Harfe des Trollen stahl' = Dasent 1859 p. 247. Olsen p. 197 'Tosten i trollbotnen'. Skar 6, 8 'Harpa som let yver sjau kongerikje'. — Isländisch: Arnason 2, 360 = Poestion S. 171 = Ritters- haus S. 31 nr. 7 'Snati-Snati' (Goldgewand, Brettspiel, Lampe). Rittershaus S. 88 nr. 23 a — d 'Die drei Kostbarkeiten des Königs' (den geraubten Lichtstein, Ring, Gewand dem Könige wiederbringen). — Färöisch: Jakobsen p. 408 nr. 42 'Snati' und 3* 36 126. Ferenand getrü un Ferenand ungetrii. p. 288 nr. 14e '0skudölgur\ — Englisch : 'Jack and the beanstalk' (oben 2, 511); doch stiehlt der Held aus eignem Antriebe des Riesen Gold, Henne und Harfe, nicht im Auftrage des Königs. — Schottisch : Folk- lore Journal 3, 270. — Irisch: Folk-lore 4, 184 'Whittlegaire' (Bett- decke, Stiefel, Schwert, Hengst). — Bulgarisch: Sbornik min. 9, 144 = Strauß S. 160 (Silberäpfel der Juda, Juda). — Serbokroatisch: Vojinovic nr. 9 = Jagic, Archiv 1, 282 nr. 9 'Die neidischen Brüder'; vgl. E. Köhler 1, 414. Bos. Vila 14, 218. Strohal 2, 258 nr. 13 'Einunddreißig' (Pferde, dann Räuberhauptmann). — Großrussisch : Afanasjev3 1, 302 nr. 107. — Kleinrussisch: Cubinskij 1, 36 nr. 8 (Backtrog Schwert, Laute). Aus Südungarn : Etnograf. Zbirnyk 29, 209 nr. 30 (31 Söhne suchen 31 Schwestern; Laib Brod und Flasche Wein, die ein Regiment sättigen ; Goldvogel, Jungfrau, Pferde, Milchbad). Kolberg, Pokucie 4, 141 nr. 25 (zwölf Brüder; goldene Henne, Pferd, Riese). — Weißrussisch : Glihski 2, 5 nr. 1 = Chodzko p. 249 (Laute, Schwert, Hexentochter). — Polnisch : Lud 8, 53 nr. 14 (Geige, Schwert). — Cechisch: Radostov 8, 3 = 2. Ausg. 2, 321 nr. 62 = Waldau S. 368 'Die falschen Brüder' (Vogel, Hund, Faß). Ed. Peck nr. 13 'Trojsyn' (Feder, Messer, Tintenfaß; Seejungfrau, Stute, Milchbad). — Slovakisch : Sbornik muz. slov. spol. 18, 3 nr. 43 (Jungfrau, Schloß in Apfel verwandelt, Kopf band). — Litauisch: Leskien-Brugman S. 359 nr. 5 'Vom Nachschrapselcken' (Laute, Kätzchen, Stiefel). — Estnisch : Kreutzwald 1, 102 nr. 8 'Schlau- kopf (Ring, Schwert, Gerte; goldene Gänse, Gefässe) = Kirby 1, 187. — Finnisch: Salmelainen 4, 126 nr. 20. 21. Chudjakov, Mater. S. 121 nr. 1. 2. Aarnes Register nr. 328. — Awarisch: Scbiefner S. 25 nr. 3 'Die Kart und Tschilbik'; vgl. R. Köhler 1, 546 (Bettdecke, Kessel, Ziege, Hexe). — Mongolisch: Bennigsen S. 72 (Meisterdieb holt Pferd, Goldvogel mit Hilfe des grauen Wolfes, von den neidischen Brüdern ermordet, vom Wolfe belebt). — Arabisch ausBlida: Revue des trad. pop. 29, 129 'Bousetta' (Henne, Teppich, Fee). — Kabylisch : Riviere p. 225 'Amor Ennefc' (Teppich, Mühle, Schlüssel, Sieb, Hexe) ; vgl. Cosquin, Revue des trad. pop. 25, 66. 78. Berberisch: Destaing 2, 103 nr. 65 'Mqidech et l'ogresse'. Das Märchen erscheint auch auf einen weiblichen Meister- dieb übertragen im Dänischen bei Grundtvig, Minder 1, 194 'Ederland Honsepige' = Stroebe 1, 30 (Leuchter, Pferd, Schwein), Skattegraveren 9, 103 'Bjaergmandens herligheder' und Kristensen, Aeventyr 4, 246 nr. 44 'Bitte- Virp'. Englisch: Folk-lore Journal 2, 127. Der Eisenofen. 37 68 = Jacobs 1, 125 nr. 22 'Molly Whuppie' (des Eiesen Schwert, Börse und Ring); vgl. Clouston 2, 489, Macculloch p. 354. Schottisch: Campbell 2 1, 259 nr. 17 'Maol a Chliobain'; vgl. E. Köhler 1, 195 (Kamm, Schwert, Bock; Bettdecke, Hahn usw.). Irisch: Kennedy, Fireside stories p. 3 'Hairy Rouchy' (Bettdecke, Schwert, Kobold). Curtin, Hero tales of Ire! and 1894 (?) = Jacobs, Celtic fairy tales 2, 135 nr. 39 'Smallhead and the king's son'. Katalanisch: Maspons 2, 37 'Espigneta de mill'. Südslawisch: Krauß, Tausend Sagen 1, 54 nr. 15 'Zofika' (goldene Wiege, Lamm, Tisch). Slowakisch: Sbornik mus. slov. spol. 17, 20 nr. 34 (Apfel, Birne, Goldbörse der Hexe; Hexentochter in den Ofen). Magyarisch: Berze Nagy nr. 11 = Eöna-Sklarek 2, 93 nr. 9 'Königs- tochter Enzella' (goldener Kohl, Musikwerk, Tauben; Aschen- puttel). Bei den Ojibwa-Indianern in Wisconsin im Journal of american folk-lore 15, 33 'The bear maiden' (die jüngste Schwester holt die von der Hexe geraubte Sonne, den Mond und das Pferd). — Im italienischen Märchen 'Lu serpende' bei Pinamore 1, 1, 25 muß die als Mann verkleidete Jungfrau (oben 2, 85. Coelho nr. 19) dem König eine Schlange fangen und dann zum Sprechen bringen; darauf enthüllt diese die Buhlerei der Königin. Wieder anders bei Coronedi-Berti 1883 nr. 11 kLa fola dla Filugrana', wo Vittoria das Pferd, den Vogel und die Schmucknadel der Pilugrana holt. Vgl. dazu das oben 2, 85 angeführte Märchen 'Belle-belle' der Aulnoy. 127. Der Eisenofen. lisses,»« 1815 nr. 41 = 1819 nr. 127. Aus Zwehrn am 7. Juli 1813. — Das Märchen gehört zu dem oben 2, 245 nr. 88 behandelten Kreise des erlösten Tierbräutigams, und zwar zu der dritten Gruppe ; es enthält die Motive A3- 4 B C D E. Eine andere abweichende Erzählung aus Kassel, von Gretchen Wild 1807 mitgeteilt, stand 1812 in der ersten Ausgabe als nr. 59 'Prinz Schwan' : Es war ein Mädchen mitten in einem großen Wald (mutterselig allein), da kam ein Schwan auf es zugegangen, der hatte einen Knäuel Garn und sprach zu ihm: 'Ich bin kein Schwan, sondern ein verzauberter 38 127. Der Eisenofen. Prinz; aber du kannst mich erlösen, wenn du den Knäuel Garn ab- wickelst, an dem ick fortfliege. Dock küte dick, daß du den Faden nicht entzwei brichst, sonst komm ick nickt bis in mein Königreick und werde nickt erlöst. "Wickelst du aber den Knäuel ganz ab, dann bist du meine Braut.' Das Mädcken nakm den Knäuel, und der Sckwan stieg auf in die Luft, und das Garn wickelte sick leicktlick ab. Es wickelte und wickelte den ganzen Tag, und am Abend war sckon das Ende des Fadens zu seken, da blieb er unglücklick erweise an einem Dornstrauck kängen und brack ab. Das Mädcken war sekr betrübt und weinte; es ■wollt' auck Nackt werden, und der Wind ging so laut in dem Wald, daß ikm angst ward und es anfing zu laufen, was es nur konnte. Und als es lang gelaufen war, sak es ein kleines Lickt, und als es dabei kam, war es ein Haus, und es klopfte an die Türe 1). Ein altes Müttercken kam keraus, das verwunderte sick, wie es sak, daß ein Mädcken vor der Tür ■war: 'Ei mein Kind, wo kommst du so spät ker?' — 'Gebt mir dock keut nacht eine Herberg', sprack es, 'ick kabe mick in dem Wald verirrt ; auck ein wenig Brot zu essen.' — 'Das ist ein sckweres Ding,' sagte die Alte, 'ick gäbe dirs gern, aber mein Mann ist ein Mensckenf resser , wenn der dick findet, so frißt er dick auf, da ist keine Gnade; dock wenn du draußen bleibst, fressen dick die wilden Tiere. Ick will seken, ob ick dir durchkeifen kann'. Da ließ sie es kerein und gab ikm ein wenig Brot zu essen und versteckte es dann unter das Bett. Der Menscken- fresser aber kam allemal vor Mitternackt, wenn die Sonne ganz unter- gegangen ist, nack Haus und ging morgens, eke sie aufsteigt, wieder fort. Es dauerte nickt lang, so kam er kerein: 'Ich wittre, ick wittre Mensckenfleisck' 2), sprack er und suckte in der Stube, endlick griff er auck unter das Bett und zog das Mädcken kervor : 'Das ist nock ein guter Bissen.' Die Frau aber bat und bat, bis er versprack, die Nacht über es noch leben zu lassen und morgen erst zum Frühstück zu essen. Vor Sonnenaufgang aber weckte die Alte das Mädcken: 'Eil dick, daß du fortkommst, ek mein Mann auf wackt ! Da schenk ick dir ein goldnes Spinnrädchen, das halt in Ehren! 'Ich heiße Sonne.'8) Das Mädchen ging fort und kam abends an ein Haus, da war alles wie am vorigen Abend, und die zweite Alte gab ihm beim Abschied eine goldene Spindel und sprach: 'Ich heiße Mond.' Und am dritten Abend kam es an ein drittes Haus, da sckenkte ikm die Alte einen goldenen Haspel und sagte : 'Ick keiße Stern; und der Prinz Sckwan, ob gleick der Faden nock x) Soksl.für: darauf eilte es zu und fand ein Haus und klopfte an. 2) Vgl. oben 1, 289. Ebenso ruft der Sonnensokn bei Luzel, Contes 1, 275. 3) Über Peisen zu Sonne, Mond und Sternen vgl. oben 1, 233. 2, 272. 127. Der Eisenofen. 39 nicht ganz abgewickelt war, war doch schon so weit, daß er in sein Beieh gelangen konnte ; dort ist er König und hat sich verheiratet und wohnt in großer Herrlichkeit auf dem Glasberg. Du wirst heut abend hin- kommen, aber ein Drache und ein Löwe liegen davor und bewahren ihn. Darum nimm das Brot und den Speck und besänftige sie damit!' — So geschähe es auch. Das Mädchen warf den Ungeheuern das Brot und den Speck in den Bachen, da ließen sie es durch, und es kam bis an das Schloßtor, aber in das Schloß selber ließen es die "Wächter nicht hinein. Da setzte es sich vor das Tor und fing an auf seinem goldenen Bädchen zu spinnen; die Königin sah von oben zu, ihr gefiel das schöne Bädchen, und sie kam herunter und wollte es haben. Das Mädchen sagte, sie solle es haben, wenn sie erlauben wollte, dass es eine Nacht neben dem Schlaf- zimmer des Königs zubrächte. Die Königin sagte es zu, und das Mädchen ward hinaufgeführt; was aber in der Stube gesprochen wurde, das konnte man alles in dem Schlafzimmer hören. Wie es nun Nacht war und der König im Bett lag, sang es : 'Denkt der König Schwan Noch an seine versprochene Braut Julian'? Die ist gegangen durch Sonne, Mond und Stern, Durch Löwen und durch Drachen. Will der König Schwan denn gar nicht erwachen?' Aber der König hörte es nicht; denn die listige Königin hatte sich vor dem Mädchen gefürchtet und ihm einen Schlaftrunk gegeben, da schlief er so fest und hätte das Mädchen nicht gehört, und wenn es vor ihm gestanden wäre. Am Morgen war alles verloren, und es mußte wieder vor das Tor; da setzte es sich hin und spann mit seiner Spindel, die gefiel der Königin auch, und es gab sie unter derselben Bedingung weg, daß es eine Nacht neben des Königs Schlafzimmer zubringen dürfe. Da sang es wieder: 'Denkt der König Schwan Nicht an seine versprochene Braut Julian'? Die ist gegangen durch Sonne, Mond und Stern, Durch Löwen und durch Drachen. Will der König Schwan denn gar nicht erwachen?' Der König aber schlief wieder fest von einem Schlaftrunk, und das Mädchen hatte auch seine Spindel verloren. Da setzte es sich am dritten Morgen mit seinem goldenen Haspel vor das Tor und haspelte. Die Königin wollte auch die Kostbarkeit haben und versprach dem Mädchen, es sollte dafür noch eine Nacht neben dem Schlafzimmer bleiben. Es hatte aber den Betrug gemerkt und bat den Diener des Königs, er 40 127. Der Eisenofen. möchte diesem heut abend was anderes zu trinken geben. Da sang es noch einmal: 'Denkt der König Schwan Nicht an seine versprocbene Braut Julian'? Die ist gegangen durch Sonne, Mond und Stern, Durch Löwen und durch Drachen. Will der König Schwan denn gar nicht erwachen?' Da erwachte der König, wie er ihre Stimme hörte, erkannte sie und fragte die Königin: 'Wenn man einen Schlüssel verloren hat und ihn wieder findet, behält man dann den alten oder den neugemachten?' Die Königin sagte: 'Ganz gewiß den alten.'1) — 'Nun, dann kannst du meine Gemahlin nicht länger sein; ich habe meine erste Braut wieder gefunden'. Da mußte am andern Morgen die Königin zu ihrem Vater wieder heimgehen, und der König vermählte sich mit seiner rechten Braut, und die lebten so lang vergnügt, bis sie gestorben sind. Diese Erzählung enthält die Motive A3C D E des Tierbräutigams ; sie hat also mit der Zwehrner Fassung und dem Löweneckerchen (nr. 88) die Wanderung zu Sonne, Mond und Stern und die Erkaufung der drei Nächte von der zweiten Frau gemeinsam. Dagegen fehlen diese Teile in einer Fassung aus den Maingegenden, die Jeanette Hassenpflug am 29. Sept. 1812 zu Kassel erzählte, und die 1812 als nr. 66 'Hurleburlebutz' gedruckt wurde (A2,4B); sie gehört der ersten Gruppe des Tierbräutigams (oben 2, 234) an : Ein König verirrte sich auf der Jagd, da trat ein kleines weißes Männchen vor ihn: 'Herr König, wenn Ihr mir Eure jüngste Tochter geben wollt, so will ich Euch wieder aus dem Wald führen.' Der König sagte es in seiner Angst zu; das Männchen brachte ihn auf den Weg, nahm dann Abschied und rief noch nach : 'In acht Tagen komm ich und hol meine Braut'. Daheim aber war der König traurig über sein Ver- sprechen, denn die jüngste Tochter hatte er am liebsten; das sahen ihm die Prinzessinnen an und wollten wissen, was ihm Kummer mache. Da mußt ers endlich gestehen, er habe die jüngste von ihnen einem kleinen weißen Waldmännchen versprochen, und das komme in acht Tagen und hole sie ab. Sie sprachen aber, er solle gutes Muts sein, das Männchen wollten sie schon anführen. Darnach als der Tag kam, kleideten sie eine Kuhhirtstochter mit ihren Kleidern, setzten sie in ihre Stube und be- fahlen ihr: 'Wenn jemand kommt und will dich abholen, so gehst du mit.' Sie selber aber gingen alle aus dem Hause fort. Kaum waren sie a) Über das Wiederfinden des alten Schlüssels vgl. oben 2, 59. 246. 127. Der Eisenofen. 41 weg, so kam ein Fuchs in das Schloß und sagte zu dem Mädchen : 'Setz dich auf meinen rauhen Schwanz, Hurleburlebutz, hinaus in den Wald!'1) Das Mädchen setzte sich dem Fuchs auf den Schwanz, und so trug er es hinaus in den Wald ; wie sie aber auf einen schönen grünen Platz kamen, wo die Sonne recht hell und warm schien, sagte der Fuchs: 'Steig ab und laus2) mich!' Das Mädchen gehorchte, der Fuchs legte seinen Kopf auf ihren Schoß und ward gelaust; bei der Arbeit sprach das Mädchen: 'Gestern um die Zeit wars doch schöner in dem Wald.' — 'Wie bist du in den Wald gekommen ?' fragte der Fuchs. — 'Ei, da hab ich mit meinem Vater die Kühe gehütet.' — 'Also bist du nicht die Prinzessin. Setz dich auf meinen rauhen Schwanz, Hurleburlebutz, zurück in das Schloß!' Da trug sie der Fuchs zurück und sagte zum König: 'Du hast mich betrogen, das ist eine Kuhhirtstochter. In acht Tagen komm ich wieder und hol mir deine.' — Am achten Tage aber kleideten die Prinzessinnen eine Gänsehirtstochter prächtig an, setzten sie hin und gingen fort. Da kam der Fuchs wieder und sprach : 'Setz dich auf meinen rauhen Schwanz, Hurleburlebutz, hinaus in den Wald!' Wie sie in dem Wald auf den sonnigen Platz kamen, sagte der Fuchs wieder: 'Steig ab und laus mich!' Und als das Mädchen den Fuchs lauste, seufzte es und sprach; 'Wo mögen jetzt meine Gänse sein!' — 'Was weißt du von Gänsen?' — 'Ei, die hab ich alle Tage mit meinem Vater auf die Wiesen getrieben.' — 'Also bist du nicht des Königs Tochter. Setz dich auf meinen rauhen Schwanz, Hurleburlebutz, zurück in das Schloß !' Der Fuchs trug sie zurück und sagte zum König: 'Du hast mich wieder be- trogen, das ist eine Gänsehirtstochter. In acht Tagen komm ich noch einmal, und wenn du mir dann deine Tochter nicht gibst, so soll dirs übel gehen.' — Dem König ward angst, und wie der Fuchs wiederkam, gab er ihm die Prinzessin. 'Setz dich auf meinen rauhen Schwanz, Hurleburlebutz, hinaus in den Wald!' Da mußte sie auf dem Schwanz des Fuchses hinausreiten, und als sie auf den Platz im Sonnenschein kamen, spracherauch zu ihr: 'Steig ab und laus mich!' Als er ihr aber seinen Kopf auf den Schoß legte, fing die Prinzessin an zu weinen und sagte: 'Ich bin eines Königs Tochter und soll einen Fuchs lausen. Saß ich jetzt daheim in meiner Kammer, so könnt ich meine Blumen im Garten sehen!' Da hörte der Fuchs, daß er die rechte Braut hatte, ver- wandelte sich in das kleine weiße Männchen, und das war nun ihr Mann; bei dem mußt sie in einer kleinen Hütte wohnen, ihm kochen und nähen, und es dauerte eine gute Zeit. Das Männchen aber tat ihr alles x) Vgl. Schambach-Müller S. 265 nr. 5 (Sett deck up miuen rüen Swanz, hurlehurlehen). Bisweilen fällt die Jungfrau vom Bücken des Wolfes herab: Bunker nr. 84; Arnim S. 99 nr. 15; Müllenhof f S. 385 nr. 3. 2) Zum Lausen des Kopfes vgl. oben 1, 207. 42 127. Der Eisenofen. zu Liebe. — Einmal sagte das Männchen zu ihr: 'Ich muss fortgehen; aber es werden bald drei weiße Tauben geflogen kommen, die werden ganz niedrig über die Erde hinstreifen. Davon fang die mittelste, und wenn du sie hast, schneid ihr gleich den Kopf ab ; hüt dich aber, daß du keine andere ergreifst, sonst entsteht ein groß Unglück daraus.' Das Männchen ging fort; es dauerte auch nicht lang, so kamen drei weiße Tauben daher geflogen. Die Prinzessin gab acht, ergriff die mittelste, nahm ein Messer und schnitt ihr den Kopf ab.1) Kaum aber lag der auf dem Boden, so stand ein schöner junger Prinz vor ihr und sprach: 'Mich hat eine Fee verzaubert, sieben Jahr sollt ich meine Gestalt ver- lieren und sodann als eine Taube an meiner Gemahlin vorbeifliegen zwischen zwei andern, da müsse sie mich fangen und mir den Kopf ab- hauen, und fange sie mich nicht oder eine unrechte und ich sei einmal vorbeigeflogen, so sei alles vorbei und keine Erlösung mehr möglich. Darum hab ich dich gebeten, ja recht acht zu haben; denn ich bin das graue Männlein und du meine Gemahlin.' Da war die Prinzessin ver- gnügt, und sie gingen zusammen zu ihrem Vater, und als der starb, erbten sie das Peich. Der Versuch der Königstöchter, dem unwillkommenen Freier eine Magd als Braut unterzuschieben, die sich dann zu leicht an ihres Vaters unkönigliches Handwerk erinnert, begegnet auch in den Braunschweiger Feenmärchen 1801 S. 322 'Das singende klingende Bäumchen'; bei Zingerle l2, 150 'Die singende Rose'; Bechstein 1874 S. 69 'Das Nußzweiglein'; Pröhle, M. f. die Jugend nr. 4 'Das goldene Salzfaß' ; Zs. für Volkskunde 3, 189 'Der Wolf mit dem Wockenbriefe' ; Colshorn nr. 20 'Vom klinkesklanken Lowesblatt' ; Schambach-Müller S. 265 'Das klingende und singende Blatt'; Müllenhoff S. 384 'Vom goldenen Klingelklangel' ; Lemke 2, 117 nr. 19 'Der weiße Wolf und die Prinzessin'; Dänisch: Grundtvig, Minder 2, 35 'Hvidebjorn'; Berntsen 1, 170 'Kong Hvid- ulv'; Kristensen, D. Folkesev. nr. 53 'Hvibekongens son'. Norwegisch: Skar 6, 116 'Kvitebjörn kong Valemon'. Braset, Hollraöventyra S. 165. Isländisch : Rittershaus S. 30 'Der braune Hund'. Weißrussisch: Federowski 1, 178 nr. 599. Litauisch: Leskien- Brugman S. 438 nr. 23 'Vom weißen Wolf. Magyarisch: Erdelyi 3, nr. 3 = Jones-Kropf p. 188 'The king and the devil'. — In zwei dänischen Märchen (Kamp, Folkeminder S. 294 'Prins Hvide- björn'; ähnlich Kristensen, Danske Folkecev. nr. 51 'Lindormen') legt der Bär oder Drache der Braut unterwegs die uns aus der Sage vom *) Entzauberung durch Enthauptung: oben 1, 19. 515. 2, 37. 234. 127. Der Eisenofen. 43 eingemauerten Kinde bekannte Rätselfrage1) vor: Was ist das Weichste, das Süßeste, das Härteste? Und nur die Königstochter weiß die rechten Antworten : Der Mutterschoß, die Mutterbrust, des Vaters Herz. Daraus scheinen die Fragen einer norwegischen Fas- sung (Bergh, Nye folke-eventyr S. 1 'Kong Hvidevallbjörn') ab- geschwächt: Hast du schon weicher gesessen, hellere Steine gesehen, süßeren Trank getrunken? Ähnlich bei Asbjörnsen nr. 90 'Hvide- björn Kong Valemon' = Dasent 1874 p. 353 und Allardt nr. 16 'Om tomten och prinsässan'. Schon in der Völsungasaga c. 12 (deutsch von Edzardi 1897 S. 62) unterscheidet Alf die Königstochter Hiordis von der verkleideten Magd, indem er beide fragt, wie sie den Tages- anbruch merken, wenn sie die Gestirne nicht sehen.2) Auch in einem schottischen Märchen 'The battle of the birds' (Campbell l2, 28 und 54 nr. 2. R. Köhler 1, 162) und einer irischen Variante 'The giant and his royal servants' (Kennedy, Fireside stories p. 56) entdeckt ein Riese, daß ihm statt des verheißenen Königssohnes die Söhne eines Kochs und eines Mundschenken übergeben sind, indem er jeden fragt, was sein Vater mit dieser Rute tun würde. Den dunklen und feurigen Ofen, worein der Königssohn ver- wünscht ist, wollte W. Grimm auf die Hölle beziehen, die Unterwelt, wo der finstre Tod haust, aber auch die Schmiedeesse steht. Auch das Wort Eisenofen schien ihm altertümlich und nicht sowohl auf einen eisernen zu deuten als auf das ahd. eitofan, mhd. eitoven (Feuerofen, von eit = Esse, Feuer). Zum Glasberg vgl. oben 2, 273; zu dem Schreiten über schneidende Schwerter die 'Mesterbitt' in der holsteinischen Fassung bei Wisser 3, 31 und die Brücke von Rasiermessern im ungarischen Märchen bei Mailäth 2 2, 189. x) R. Köhler, Aufsätze 1894 S. 37. Wossidlo, Mecklenburgische Volksüberlieferungen 1, 222 nr. 974 'Was ist süßer denn süß?' Ferner: Walliser Sagen 1907 1, 238 nr. 221. Jegerlehner, Was die Sennen erzählen S. 144. Schönwerth 3, 67. Busch, Ut 61er Welt S. 16. Voges, Sagen aus Braunschweig 1895 nr. 14. Zs. d. histor. V. f. Niedersachsen 1878, 93. Mitt. f. schles. Volkskunde 11, 96. Finnisch: Salmelainen 1, 166 = Schiefner, Bulletin de l'academie de St. Petersbourg 12, 376 (1855) = Melanges russes 2, 608. — Anders oben 2, 357 und 3, 16. 2) Andere Fragen richtet in 'Jungfrau Maleen' (nr. 198) der Königs- sohn an die falsche Braut, und anders weist Elphin im Mabinogi von Taliesin (Lady Guest, Mabinogion 1877 p. 478) den abgehackten Finger, der für die Untreue seines Weibes zeugen soll, als den einer Magd zuiück. 1856 S. 212. 44 128. Die faule Spinnerin. 128. Die faule Spinnerin. 1815 nr. 42 = 1819 nr. 128. Aus Zwehrn am 29. Mai 1813. — Der Baum im Wald ist ein Spindelbaum oder Spillbaum, lat. fusarius (Steinmeyer, Ahd. Glossen 3, 37. Grimm, DWb. 10, 1, 2500), frz. fusain, euonymus europaeus L., also ein Glück oder Unglück bedeutender Wünschelbaum, isländisch hespu-tre und hespulägt-tre. Von redenden und wahrsagenden Bäumen handelt J. Grimm, Myth. 3 S. 618; Waldis, Esopus 1, nr. 39, 1; Liebrecht zu Dunlop S. 504 und Gervasius von Tilbury S. 63. 163; Zachariae, Zs. f. Volkskunde 16, 129. Zu der Täuschung durch die aus dem Baume redende Frau vgl. unten nr. 139. Aus Holstein: Wisser, Niedersachsen 16, 21 'De Haspelholt halt' (schall ophängt wardn) = Wisser, Plattdeutsche Vm. S. 77. — Schwedisch: Aberg nr. 328 'Gummans väffstol' (Hugger tu riva riva, so ska tu int länger fä liva liva) und nr. 329. Hackmans Register nr. 1405. — Albanesisch: Mitkos nr. 7 = G. Meyer nr. 6 'Die listige Faule' (Archiv f. Litgesch. 12, 110; R. Köhler 1, 388. Garnwinde, Garnwinde, wer abschneidet die Garnwinde, der stirbt samt Weib und Kinde). — Rumänisch: Schullerus nr. 120 'Der sind die Krähen nicht übers Dach geflogen' (Archiv f. siebenbg. Ldesk. 33, 642. Siebenbürgisch-sächsisches Tageblatt 1896 nr. 685. Wer einen Haspel macht, dem stirbt seine Frau). — Serbo- kroatisch: Srpski dialek. Zbornik 4, 32 nr. 2. Hadzi-Vasiljevic 1, 342 nr. 5. — Bulgarisch: Sbornik min. 18, 1, 520 nr. 3. — Polnisch: Lud 13, 339 nr. 2. — Slowakisch: Sbornik mus. slov. spol. 16, 17 nr. 13. — Lettisch: Treuland S. 290 nr. 147. M.Böhm S. 16 nr. 16. — ■ Finnisch: Aarnes Register nr. 1405. Auf andre Weise wird in den drei Spinnerinnen (nr. 14) der Ehemann zu der Einsicht gebracht, daß das Spinnen seiner Frau Schaden zufüge. In dem mhd. Gedicht von der Minne eines Albernen (Altdeutsche Wälder 3, 160 = v. d. Hagen, Gesamt- abenteuer 2, 141 nr. 29) belehrt die junge Frau aus dem hohlen Baum den Mann über seine Pflichten; vgl. Contes licencieux de l'Alsace 1906 nr. 55; Hnatjuk, Geschlechtleben 1, 243. 2. 187. 189. 195. 432. — Ebenso rät in einem Predigtmärlein (Etienne de Bourbon, Anecdotes 1877 nr. 237 ; Johannes Junior, Scala celi 1480 Bl. 110a; Vincentius, Speculum morale 3, 3, 1; Gritsch, Quadragesi- 129. Die vier kunstreichen Brüder. 45 male nr. 48 L; Herolt, Promptuarium exemplorum 1481 lit. M, 18; Mensa philosophica 1508 Bl. 39a; J. Grimm, Myth. 3 S. 1153; Schumann, Nachtbüchlein 1893 S. 378. 414) eine Wahrsagerin einer über ihren harten Ehemann klagenden Frau, frühmorgens in ihren Krautgarten zu gehen und dort die Alrune (aurone, verona) anzurufen: Alrun, ich ruf dich an, Das du minen herten man Bringest darzu, Das er mir kein leid mer thu. In der dritten Nacht hat sich die Alte im Hanf verborgen und antwortet : Brau, wiltu ein guten man han, So soltu schnei heim gan; Schwig, lid und myd: Also vertribstu dem man den kyb. Danach Pauli, Schimpf und Ernst 1522 c. 135. H. Sachs, Die Frau mit dem Speck (1537. Fabeln ed. Goetze 3, 177 nr. 77) und Fastnachtspiele 6, 1 nr. 63 = Folio 4, 3, 31. Val. Schumann, Nachtbüchlein 1559 2, nr. 28. J. Rhodius, Speculum mulierum 1604 S. 58. Mahrold 1608 nr. 9 (Frey 1896 S. 268). Sommer, Emplastrum Cornelianum 1609 nr. 82 (Euphorion 15, 17). Casalicchio, L'utile col dolce 1, nr. 70. Conlin, Der christliche Weltweise 2, 311 (1711). Langbein, Die Wahrsagerin (Sämtl. Schriften 6, 225). Aurbacher, Laienbürger 1898 S. 66. Vgl. Hrincenko, Iz ust naroda S. 211 nr. 236. 237. 129. Die vier kunstreichen Brüder. issö s. 212. 1819 nr. 129: aus dem Päd erb örni sehen. Eingesetzt für 1815 nr. 43 'Der Löwe und der Frosch' (unten nr. 129 a). Das Märchen berührt sich mit nr. 71 'Sechse kommen durch die ganze Welt', wo in einigen Fassungen gleichfalls Menschen mit wunderbaren Eigenschaften eine Jungfrau aus Gefangenschaft befreien, und in seinem ersten Teile mit den drei kunstfertigen Brüdern (nr. 124), die freilich keine solche gemeinsame Tat unter- nehmen. Es läßt sich in Deutschland bis ins 17., in Italien bis ins 46 129. Die vier kunstreichen Brüder. 14. Jahrhundert zurückverfolgen; seine Herkunft aus Indien ist durch Benfey (Kl. Schriften 3, 108) und F. v. d. Leyen (Archiv f. neuere Sprachen 116, 13) dargelegt worden. In der Panciatichischen Handschrift des alten italienischen Novellino (Papanti, Catalogo dei novellieri italiani in prosa 1871 1, XLIV nr. 23 = Le Novelle antiche ed. Biagi 1880 p. 201 nr. 156; vgl. A. d'Ancona, Studi di critica letteraria 1880 p. 356. 509 = ßomania 3, 193) wandern vier Königssöhne in die Ferne; der erste studiert zu Paris die Wissenschaften, der andre wird in Sicilien ein Bogenschütz, der dritte in Katalonien ein geschickter Dieb, der vierte in Genua Schiffsbauer. Dann kehren sie heim und vereinigen sich, um von einer Insel eine von einem Drachen geraubte Jungfrau und reiche Schätze zu holen. Den in der Hs. ver- stümmelten Schluß kann man aus den späteren Fassungen ergänzen, welche nur die Zahl und die Künste der Brüder abändern.1) — Bei Morlini (Novellae 1520, rep. 1855 nr. 80 'De fratribus, qui per orbem pererrando ditati sunt'), dem Straparola 7, nr. 5 (Benfey 3, 112. Bua, Giornale stör, della lett. ital. 16, 256) genau folgt, sind es drei Söhne eines armen Mannes ; der jüngste, der die Vogel- sprache gelernt hat, vernimmt von einer Elster, wo ein Schatz ver- graben liegt, und von einem andern Vogel, wie die auf der Insel Chios gefangene Prinzeß Aglaea befreit werden kann; der zweite baut ein Schiff, das sie dahin bringt; der erste, ein gewandter Kriegsmann, stößt seine beiden Dolche in die Mauer des Turms, l) Auf die Verbreitung des Märchens weist auch seine Ausnutzung zu einer fabelhaften Vorgeschichte der Stadt Prato, die Giovanni da Prato in seinen um 1400 verfaßten Roman 'II Paradiso degli Alberti' (ed. Wesselofsky 1867 2, 102—171; vgl. die Bemerkungen ebd. 1, 2, 238—263; russisch in Wesselofskys Gesammelten Werken 3, 443—460) einflicht. Vier etruskische Jünglinge treffen auf einem gemeinschaft- lichen Bitte einen schönen Sperber in einem Dornstrauch am Wasser verstrickt und dem Ertrinken nahe, Laerte sieht die Gefahr des Vogels, Celio rettet ihn und wärmt ihn am Busen, Settimio erinnert zu Hause an den vergessenen Sperber, und Besio gibt ihm durch einen Melissen- zweig, von dem der Sperber frißt, unwillkürlich seine frühere Gestalt wieder. Es war nämlich Melissa, eine Tochter des Odysseus, die von der eifersüchtigen Circe in einen Sperber verwandelt worden war. Nun begehren alle vier Melissa zur Frau und erbitten im Tempel Jupiters Entscheidung. Da die Götter Saturn, Mars, Apollo und Merkur geteilter Meinung sind, wird auf den Bat der Venus und Minerva die Entscheidung der Jung- frau selber überlassen. 129. Die vier kunstreichen. Brüder. 47 klettert hinauf und läßt an einem Seil die Jungfrau und die Schätze hinab. Dann aber geraten die drei in einen Streit, wem die Schöne zufallen soll, und dieser Streit ist noch unentschieden. — Basile 5, nr. 7 (Benfey 3, 115), der in Einzelheiten sich den orientalischen Fassungen nähert, berichtet von fünf Brüdern, einem Diebe, Schiff- bauer, Bogenschützen, einem, der ein Tote erweckendes Kraut, und einem, der die Vogelsprache kennt. Der Schütze erlegt den Drachen, der in einer Wolke die zu Schiffe Entrinnenden verfolgt, der Kräuterkundige ruft die vor Schrecken tot niedergesunkene Jungfrau ins Leben zurück. An dem Streite der Brüder beteiligt sich ihr Vater, dem der König auffälligerweise die Prinzeß zuspricht. Die älteste deutsche Überlieferung findet sich bei E. G. Happelius, Der ungarische Kriegs-Roman (Ulm 1685 S. 537 — 541. 547 — 555) als portugiesische Fabel. Wie in der paderbörnischen Fassung Grimms legen die drei von der Wanderschaft ins väterliche Dorf heimkehrenden Bauernsöhne vor dem Vater und dem Edel- manne eine Probe ab ; der Sternseher errät, daß der Rabe auf fünf Eiern sitzt, der Dieb holt sie unbemerkt heraus, der Jäger durch- schießt und der Tischler flickt sie. Auf Bitten des Edelmannes, der seine Tochter aus Geiz einem reichen Unbekannten zur Frau gegeben hatte und nun Sehnsucht nach ihr fühlt, ermittelt dann der Sternseher, daß ein böser Geist sie auf einer 200 Meilen entfernten Insel in einer tiefen Kluft gefangen halte, und führt ihn und seine Brüder nach langer Seefahrt zu jenem Abgrunde hin. Der Dieb zieht die Tochter an einem Seile herauf, ohne daß der in ihrem Schöße schlafende Dämon erwacht. Wie sie aber auf dem Meere sind, kommt jener nachgeflogen und stürzt mit solcher Gewalt auf das Schiff, daß die Planken brechen. Da erschießt ihn der Jäger und bessert das Leck aus. Als alle drei Brüder auf das Mädchen Anspruch erheben, weist es den Dieb zurück; die beiden andern würfeln, und der Sternseher gewinnt. Einen zum Vorhergehenden nicht. passenden tragischen Schluß hat wohl erst der moralisierende Autor hinzugefügt. — Bei Lothar 1820 S. 13 'Mantel, Spiegel und Fläschchen' besitzen die drei Brüder nicht Kunstfertigkeiten, sondern Zaubergegenstände, die sie der schönen Königstochter vergeblich als Brautgaben anbieten; als sie aber plötzlich stirbt, siehts der eine im Spiegel, der andre fährt auf dem Wunschmantel zu ihr, und der dritte erweckt sie mit seinem Lebensbalsam und wird ihr Gatte. Offenbar hat auf dies wie auf das schlesische Märchen bei 48 129. Die vier kunstreichen Brüder. Peter 2, 151 'Der König und seine drei Söhne' (Teppich, Fernrohr, Apfel) die Geschichte 'Pari Banou' der 1001 Nacht (Chauvin 6, 133) eingewirkt. Westfälisch: Von den vier Brüdern (Zs. f. dt. Mythol. 1, 338. Allwirzer, Küfer). — VI ä misch: Joos 1, 164 nr. 93 'Van drij Broeders' (Teppich, Brille, Apfel retten die Jungfrau vom Tode) und 1, 174 nr. 96 'Van vier Broeders' (wie Grimm). De Mont en de Cock, Rond den Heerd S. 26 = Vertelsels S. 55 'Van drie Gebroeders' (Brille, Tischtuch, Apfel; dazu die drei Handwerks- burschen, oben nr. 120, und ein Polyphemabenteuer). — Dänisch: Skattegraveren 2, 131 'Mestertyven' (Zimmermann, Jäger, Dieb holen die vom Troll entführte Königstochter; dazu Meisterdiebs- streiche, vgl. unten nr. 192). Grundtvig, G. d. Minder 2, 27 nr. 6 'Mester Flik' (ebenso vier Brüder, ein Denker, Meisterdieb, Schütz und Flicker). Kristensen, Aev. fra Jylland 3, 129 nr. 27 'De fire Slags Haandvasrk' (Arzt, Denker, Dieb, Jäger retten drei geraubte Königstöchter ; vorher der gelernte Jäger, oben 2, 504 und die Probe des Eierdiebstahls). Grundtvig, Folkeseventyr 1876 nr. 17 (Register nr. 9) = Leo 1, 110 'Das Siebengestirn' (Schiffsbaumeister, Steuermann, Horcher, Jäger, Kletterer, Meisterdieb streiten um die gerettete Prinzeß und werden mit ihr zu Sternen, wie im serbischen Märchen). — Schwedisch: ein Volksbuch 'Wännerna: Räkenmästaren, Snickaren, Mälaren, Läkaren, Smeden och Ingenting; eller genom döden fingo de älskande hwarandra' (Stockholm 1824 u. ö. Bäckström, Folk- böcker 3, 144. Wohl nach dem Siddhi-Kür). — Isländisch: Arnason 2, 471 = Poestion S. 285 'Wachtgut und seine Brüder' (Hältgut, Hautgut, Spürtgut, Klettertgut befreien fünf Königstöchter); Rittershaus S. 177 nr. 42 'Die kunstreichen Brüder' (der Guthauende, -wachende, -singende, -kletternde, -spürende, -schlafende). Arnason 2, 367 = Poestion S. 104 'Die drei Königssöhne' — Rittershaus S. 182 nr. 43 'Die drei Freier um eine Braut' (Streit um die durch Fernrohr, Flugmantel und Lebensapfel Gerettete; der zweite Teil ist mit unsrer nr. 63 'Die drei Federn' verwandt). — Bretonisch: Luzel 3, 312 'Les six freres paresseux' (Kletterer, Schiff sbauer, Flicker, Jäger, Geiger, Rätselrater retten die vom Drachen entführte Prinzeß und beleben die Ertrunkene; ihr Streit bleibt unentschieden). Sebillot, Contes 1, 53 nr. 8 'Les quatre fils du meunier1 (Schneider, Jäger, Dieb, Sternkundiger retten die vom Drachen Geraubte. Eierdiebstahlsprobe). — Italienisch: Schneller nr. 14 'Die drei Liebhaber' (Spiegel, Sessel, Apfel) und nr. 31 'Die Frau des Teufels' 129. Die vier kunstreichen Brüder. 49 (Scharfsehender, Horcher, Starker, Schleicher). Widter-Wolf nr. 6 'Die vier kunstreichen Brüder' (Jahrb. f. roman. Lit. 7, 30; B. Köhler 1, 298. Tischler, Jäger, Dieb, Zauberer. Eierdiebstahl als Probe). Coronedi- Berti 1883 nr. 12 'La fola dla tor d'Fedelcina' (Fernglas, Wagen, Lebensapfel). Comparetti nr. 19 'Itre ragazzi' (vermischt mit dem Erdmänneken, oben nr. 91). Nerucci nr. 40 'I tre regali o la novella Je' tappeti' (Teppich, Fernglas, Traube). Pitre, Nov. toscane nr. 10 'II negromante' (Horcher, Wasserspeier, Dieb, Kletterer, Flicker, Jäger, Baumeister; die Verfolgung ist wie im Maasebuch ausgemalt). Gonzenbach nr. 45 'Von den sieben Brüdern, die Zaubergaben hatten' (Läufer, Horcher, Starker, Dieb, Baumeister, Schütz, Gitarren- spieler. Der jüngste Bruder heiratet die Prinzeß). Pitre, Fiabe sicil. 1, 196 'II mago Tartagna' und 1, 197 'I sette fratelli'. — Katalanisch: Maspons 1,39 'Los tres germans'. — Griechisch: Hahn 1, 263 nr. 47 'Von den drei um die Braut streitenden Brüdern' (Fernrohr, Teppich, Apfelsine. Der König heiratet selber das Mädchen). AsXxiov 1, 296 '0 %qiGY,a%äqa%oc, = Garnett 2, 99. — Albanesisch: Dozonp. 27nr.4'Lepou' (die vom Teufel entführte Prin- zessin wird durch sieben Brüder befreit ; der 1. horcht, der 2. öffnet die Erde, der 3. Dieb, der 4. wirft einen Schuh bis ans Ende der Welt, der 5. errichtet einen Turm, der 6. schießt, der 7. fängt alles auf), vgl. Clouston 1,279. — Serbokroatisch: Stefanovicnr.13 = OstojicS. 103 = Jagic nr. 46 'Abermals die Plejaden' (Archiv für slav. Phil. 5, 36 ; vgl. B. Köhler 1, 438). M. Stojanovic S. 230 nr. 59 = Krauß 1, 120 nr. 32 'Das Siebengestirn' und 1, 124 nr. 33 'Die Glucke'. Krauß, Tausend Sagen 1, 196 nr. 63 'Drei Liebhaber beleben ihre verstorbene Liebste wieder'. Bos. nar. prip. 1, 36 = Leskien S. 308 nr. 66 'Der Kaiser, seine Tochter und ihre drei Freier' (Teppich, Fernrohr, Salbe ; keiner der drei Grafen erhält die Tochter). — Bulgarisch: Sbornik min. 11, 3, 138 (acht Brüder befreien die vom Teufel entführte Prinzessin; der 1. entdeckt die Spur, der 2. horcht, der 3. öffnet den Stein, der 4. wirft, der 5. stiehlt, der 6. errichtet ein Haus, der 7. schießt, der 8. fängt alles auf). 5, 3, 149 (sechs Brüder; der 1. baut einen durch die Luft fahrenden Wagen, der 2. Horcher, der 3. Dieb, der 4. drückt Wasser aus dem Mühlstein, der 5. baut einen Turm, der 6. Schütz). 16—17, 3, 280 nr. 3 = Leskien S. 84 nr. 20 (sechs Brüder; der 1. trinkt das Meer aus, der 2. trägt Lasten, der 3. baut einen Turm, der 4. Schütz, der 5. belebt mit dem Hauch, der 6. horcht). Period. Spisanie 35, 762 (sechs Brüder; der 6., der Grimm. Märchen -Anmerkungen III. 4 50 129. Die vier kunstreichen Brüder. ein vom Himmel fallendes Glas Wein auffängt, wird Gatte der Prinzessin). — Cechisch: Radostov 2, 3 = 3. Aufl. S. 497 nr. 54 = Waldau S. 77 'Das weise Urteil' (Wagen, Spiegel, Äpfel) = Naake p. 194. Kulda 2, 233 nr. 123 = Erben, Öitanka S. 39 = Wenzig S. 140 'Die vier Brüder' (Flicker, Hadernsammler, Sterngucker, Jäger; ihren Streit entscheidet die Prinzessin). Slavie 1878 S. 33 nr. 9 'Die vier Brüder' (Zimmermann, Jäger, Leimsieder, Dieb). — Slovakisch: Cod. div. auct. A. S. 91 nr. 31 = Dobsinsky 3, 6 (Wahrsager, Drechsler, Schütz, Dieb). Dobsinsky 4, 26 (der erste sieht alles, der 2. baut eine Mauer, der 3. schießt den Drachen). Czambel S. 344 § 178 (Einschläferer, Finder, Träger; dazu Ver- räterei der älteren Brüder wie oben 2, 301 DE). — Polnisch: Malinowski 2, 43 (Dieb, Jäger, Micker des zerschossenen Eis, Viel- wisser ; die Prinzessin wählt den Dieb). Zbiör wiadom. 5, 238 nr. 42 (Dieb, Jäger, Zauberer; dann Erzählung vom Meisterdieb). — Kaschu bisch: Lorentz, Teksty S. 230 nr. 308 (Dieb, Sternseher, Förster, Schneider). S. 353 nr. 459. S. 498 nr. 637. S. 542 nr. 674. S. 558 nr. 688. S. 496 nr. 634 (Sterngucker, Schütz, Dieb). —Weiß- russisch: Romanov 6, 91 nr. 10 (Schütz, Schiffbauer, Winzer, Horcher, der fünfte vermag alles herbeizuschaffen, Dieb, Seher). 6, 101 nr. 11 (Schiffbauer, Steuermann, Schmied, Schütz, der fünfte holt die erlegten Vögel, der 6. späht von der geschmiedeten Säule, Dieb; sie holen die ferne Schöne für den König). — Großrussisch: 1786 und 1819 in der 'Arznei gegen Schwermut und Schlaflosigkeit' gedruckt, dann auch als Volksbuch erschienen. Abgedruckt bei Sacharov S. 174; überarbeitet von N. Polevoj, vgl. Rovinskij 4, 178. Den ältesten Text wiederholt Afanasjev3 1, 192 = Dietrich S. 30 'Von den sieben Simeonen, den leiblichen Brüdern' (Schmied, Kletterer, Schiffbauer, Taucher, Schütz, Springer, Dieb holen die schöne Helena für den Zaren). Goldschmidt S. 169 'Von den sieben Brüdern'. Aus dem Gouv. Perm bei Afanasjev 1, 188 nr. 84a (Dieb, Schmied, Schütz, Vogelholer, Seher, Schiffbauer, Arzt wollen die Jungfrau für den Zaren gewinnen, diese erwählt aber den Dieb). Aus dem Gouv. Twer ebd. 1, 189 nr. 84b (der 1. schmiedet eine 20 Klafter hohe Säule, der zweite stellt sie auf, der 3. steigt hinauf und hält Umschau, Schiffbauer, Kaufmann, Dieb ; sie holen die Schöne für den Zaren). Aus dem Gouv. Kursk ebd. 1, 191 nr. 84c (Schmied, Späher, Schiffbauer, Steuermann, Taucher, Heraufholer, Dieb). Das von Afanasjev als Variante angeführte Märchen bei 129. Die vier kunstreichen Brüder. 51 Chudjakov 1, 100 nr. 24 behandelt einen andern Stoff. — Finnisch: Aarne nr. 653. — Ungarisch: Erdelyi 2, 362 = Stier 1850 S. 61 nr. 9 'Drei kostbare Dinge' (Fernrohr, Mantel, Pomeranze). Nyelvör 4, 422. Berze Nagy nr. 75 'Die vier Brüder' (nach Grimm ; vgl. Rona in der Festschrift für G. Heinrich 1912 S. 374). — Zigeunerisch: Wlislocki, Volksdichtungen S. 310 'Die vier bösen Brüder' (Spiegel, Salbe, Tuch). Zs. f. dt. Philologie 22, 113 'Die drei klugen Brüder' (Läufer, Scharfsichtiger, Schütz erringen drei Prinzessinnen). Groome, nr. 13 'The watchmaker' (Spiegel, Mantel, Apfel). — Hebräisch: Maase-Buch (Rödelheim 1753) Bl. 81a; vgl. R. Köhler 1, 299, Grün- baum, Jüdischdeutsche Chrestomathie 1882 S. 446 und Tendlau, Fellmeiers Abende 1856 S. 16 'Die sieben Künste' (die sieben Brüder befreien durch ihre Brille, Geige, Gewandtheit der Hand, Sack, Rute, Flinte und Geschicklichkeit im Werfen die entführte Königstochter, obwohl sie der verfolgende Zauberer in Vogelgestalt nochmals, wie in Pitres toskanischer Fassung und bei Misotakis fortträgt). Unter den außereuropäischen Fassungen stellen wir die in- dische als die ursprünglichste voran. In der Vetälapancavincati er- zählt das Totengespenst, um den König zum Bruche des Schweigens zu bringen, als 5. Geschichte die von den drei Freiern1). Die schöne Mahädevi will nur einen Mann heiraten, der eine unübertreffliche Gabe besitzt. Ein Brahmane, der einen durch die Luft fahrenden Zauberwagen hat, wirbt bei dem Vater um sie ; ein andrer, der die Kunst zu erkennen versteht, bei dem Bruder; ein ausgezeichneter Bogenschütze bei der Mutter. Die drei Freier erhalten jedesmal eine Zusage und geraten, als sie zusammentreffen, in Streit. Da entführt nachts ein böser Geist das Mädchen. Nun können die Freier ihre Künste erweisen ; der Wissende gibt den Berg an, wo der Drache die Geraubte verbirgt, der Besitzer des Wagens stellt diesen zur Verfügung, der Schütz tötet den Räuber und bringt die Jungfrau zurück. Nun beginnt der Streit um sie von neuem: wer von den dreien soll sie erhalten? — In der vielfach abweichenden l) Deutsch von Benfey, Kl. Schriften 3, 96; in Somadevas Kathäsaritsägara transl. by Tawney 2, 258 eh. 79 = F. v. d. Leyen, Indische Märchen S. 49 (vgl. Archiv f. n. Sprachen 115, 13). Jüngere Fassungen bei Oesterley, Baitäl Pachisi 1873 nr. 5 'Die geschickten Be- werber' mit Anm. und v. d. Leyen S. 142. — Über die Erweckung der scheintoten Frau vgl. Bolte, Z. f. Vk. 20, 378. 4* 52 129. Die vier kunstreichen Brüder. mongolischen Bearbeitung, dem Siddhi-Kür (Jülg, Kalmükische Märchen 1866 S. 5 nr. 1 ; vorher Bergmann, Nomadische Streifereien 1, 257. 1804 = Benfey 3, 99), pflanzen sechs Wandergenossen, ein begüterter Jüngling, ein Arzt, Maler, Rechenmeister, Holzkünstler und Schmied, bei ihrer Trennung Lebensbäume, um daraus später das Schicksal der einzelnen zu erfahren. Der erste heiratet eine schöne Jungfrau, wird aber vom Chan, der sie besitzen möchte, um- gebracht. Als die Genossen seinen Baum verdorrt finden, erwecken der Rechner, Schmied und Arzt den Jüngling wieder; und der Schreiner und Maler verfertigen einen Wundervogel, in dem jener zum Palaste fliegen und seine Gattin holen kann. Sie geraten aber in Streit und zerstückeln die Frau. — Weniger verändert sind die neueren indischen Fassungen bei Dracott p. 101 'Three wise men and the king's daughter' und Parker 2, 378 nr. 74 'The three suitors', die hinterindischen bei Aymonier 1878 p. 44 (Sternseher, Schütz, Taucher, Totenerwecker) und p. 45 (drei Freier der toten Mandarati, vgl. Vetala 2, Tawney 2, 242 und v. d. Leyen, Ind. Märchen S. 27. 130), Ledere, Cambodge 1895 p. 161 'L'etudiant Tissab-Moc' (Sternseher, Schütz, Taucher, Totenerwecker) und p. 170 'Neang Montea-Vatdey' (drei Freier erwecken die Tote) und die malaiische bei Bezemer 1904 S. 257 'Die drei Prinzen' (Zimmer- mann, Schmied, Blasrohrmacher); doch ist die Frage am Schlüsse und die einrahmende Erzählung fortgefallen. Hindustanis ch nach Kadiris Papageimärchen: G. Small, The Tota-Kahäni 1875 p. 137 nr. 22 (Wissender, Schreiner, Schütz). Eine Anspielung in einem japanischen Romane bei Clouston, Populär tales 2, 284. Aus Beludschistan in Folk-lore 4, 205 nr. 12 'The three wonder- ful gifts' (Lebenswasser, fliegendes Bett, Zauberspiegel). — Persisch in Nachschabis Tuti-nameh nr. 35 (Pertsch, Zs. der dt. morgenld. Ges. 21, 538. Clouston 1, 282), bei Qadiri nr. 22 (Iken, Touti Nameh 1822 S. 93 'Der Kaufmann, dessen Tochter ver- schwunden war'. Wissender, Schreiner, Schütz). Lescallier, Le tröne enchante 1817 1, 177. Sindibad Näma bei Clouston 1, 283. Gaudefroy-Demombynes, 101 nuits p. 144 nr. 11. — Türkisch: Tuti JSTameh übers, von Rosen 2, 165 'Geschichte der schönen Zohra'. Sendabad bei Decourdemanche, Revue des trad. pop. 14, 411 'La fille du roi de Cachemire, Tafrite et les quatre freres' (Aufspürer, Krieger, Weiser, Arzt); vgl. Clouston, The book of Sindibad 1884 p. 106. 271 und Chauvin 8, 76. — Syrisch: Revue des trad. pop. 129. Die vier kunstreichen Brüder. 53 23, 329 'Les trois freres' (Sternseher, Arzt, Techniker). — Mada- gassisch: Revue des cours litteraires de la France 1865, 210 = Giovanni da Prato ed. Wesselofsky 1, 2, 287 = Heidelberger Jahr- bücher 1870, 668 (Scharfsichtiger, Starker, Arzt). — Afrikanisch: Beinisch, Saho-sprache 1, 50 (1889). Veiten, Märchen der Suaheli S. 71 'Die Geliebte der drei Brüder' (Fläschchen, Spiegel, Matte). Junod, Ba-Bonga p. 304 'Les trois vaisseaux' (Korb, Spiegel, Lebenspulver). Schönhärl, Togo S. 122 'Über Eltern und ihre vier Kinder' (Dieb, Jäger, Flicker holen die vom Begenbogen entführte Schwester zu Schiff ab und erschießen den Verfolger); vgl. die S. 111 erzählte Bettung eines vom Baubvogel fortgetragenen Knaben. Die von W. Grimm angezogene Erzählung bei Kölle p. 145 nr. 4 betrifft nur die verschiedenen Berufe, die sechs Brüder erwählen, aber nicht die Werbung um eine Frau1). Dagegen ist in Indien noch eine verwandte Erzählung ent- standen, die statt der Befreiung einer geraubten Prinzessin oder der Wiederbelebung einer im Sterben liegenden die Erschaffung eines Mädchens durch drei oder vier kunstreiche Gesellen2) schildert und gleichfalls von einer sinnvollen Bahmengeschichte eingeschlossen ist: eine stumme Königstochter wird durch die Geschichte und die am Schlüsse ausgesprochene Frage zum Beden gebracht3). Im Vikramacaritam, das bisher nur aus der mongolischen Nach- bildung im Ardschi Bordschi (Jülg, Mongolische Märchen 1868 S. 101 'Die hölzerne Frau'; vgl. v. d. Leyen, Ind. Märchen S. 145 und Benfey, Pantschatantra 1, 489) bekannt ist, weiden vier Hirten ihre Herden zusammen auf derselben Wiese. Als einst der eine früher *) Ein Gegenstück liefert ein Haussa-Märchen bei Landeroin-Tilho p. 241 'Les deux jeunes hommes et les quatre jeunes filles'. Hier fragt eine Fee drei Mädchen, welche um den verstorbenen Jüngling trauern: 'Wenn ich ihn wieder erwecke, wird er uns vieren gehören ?' und belebt ihn, nachdem jene die Frage bejaht haben. Welche aber, schließt der Erzähler, wurde dann seine Hauptfrau? 2) Die Tätigkeit des griechischen Bildhauers Pygmalion (Ovid, Met. 10, 243. Wickram, Werke 8, 295) ist hier also gespalten und auf mehrere Meister verteilt, wie bei Kuhn-Schwartz S. 324 (oben S. 35) Corvettos dreifache Überlistung des Riesen auf drei Soldaten übertragen wird. 3) Dieser Rahmen hat in einem neuaramäischen Märchen aus Syrien bei Bergsträsser 2, 18 nr. 6 einen andern Inhalt empfangen. Die Prin- zessin wird dadurch zum Reden gereizt, daß der Papagei des Jünglings sie kahlköpfig und übelriechend nennt. Small, Tota-Kahänl p. 50 nr. 5. 54 129. Die vier kunstreichen Brüder. als seine Gefährten kommt, schnitzt er zum Zeichen seiner Anwesen- heit aus Holz eine weibliche Figur, und geht wieder fort. Der zweite bemalt die Figur mit gelber Farbe und geht auch fort; der dritte verbessert sie, macht sie einem Weibe ähnlich; der vierte be- seelt sie und begibt sich fort wie die andern. Als dann alle zum gewohnten Orte zurückkehren und das schöne Weib sehen, geraten sie in heftigen Streit um ihren Besitz. Wem sie gebühre, fragt König Vikramäditja die Göttertochter Naran-Däkini, um sie zum Sprechen zu bringen, was vorher keiner vermochte. Auch jetzt schweigt sie ; als aber die in Rosenkranz, Altar, Opferkrug und Lampe ver- wandelten Gefährten des Königs antworten, sie komme dem ersten zu, ergreift sie aufgebracht das Wort : 'Der die Figur zuerst machte, ist ihr Vater, der sie bemalte, ihre Mutter, der sie verbesserte, ihr geist- licher Lehrer, der ihr das Leben einhauchte, ihr Mann' x). — Weit- aus kunstvoller ist eine siamesische Märchensammlung gestaltet, die eine Prinzessin Kankras, um ihren Vater vom Tode zu retten, dem Könige von Pataliput erzählt (Bastian, Geographische und ethno- logische Bilder 1873 S. 254—270 = Globus 10, 151. 1866). Vier- mal trägt der kluge Held der stummen Königstochter Erzählungen vor, die mit einer Frage enden, auf welche sein in einen Vorhang, eine Lampe, einen Spucknapf oder das Kopfkissen gebannter Milch- bruder möglichst verkehrte Antworten gibt, und reizt dadurch vier- mal die Prinzeß zu Erwiderungen. Die erste Erzählung handelt von vier Mädchen, die einen gepfählten Käuber abnehmen und heilen ; die zweite von der hölzernen Jungfrau und dem Zimmermann, Zeichner, Schnitzer und Beieber; die dritte von der durch den l) Mit Recht erinnert F. v. d. Leyen (Archiv f. neuere Sprachen 116, 4) an den Bericht der Edda von der Schöpfung des Menschen durch verschiedene Götter; Mann und Frau liegen als leblose Baumstümpfe da, Odin, Loki und Hoenir finden sie, Odin gibt Atem, Hoenir Seele, Loki Ge- sicht und Farben und Glieder (J. Grimm, Mythologie3 S. 537. 3, 161. V. d. Leyen, Märchen in der Edda S. 11). Der Entscheidung der indi- schen Prinzessin vergleichbar istHygins 220. Fabel: Die Sorge bildet aus Flußschlamm einen Menschen, Jupiter verleiht ihm Leben (spiritum), und nun streiten Jupiter, Sorge und Erde, wer von ihnen dem Menschen den Namen geben solle. Da entscheidet Saturn, der Mensch solle sein ganzes Leben hindurch der Sorge gehören, die ihn geschaffen habe, der Körper gebühre dem Jupiter, der ihm den Geist eingehaucht habe, sein Name aber solle nach der Erde (ex humo) Homo lauten, da er aus ihr ge- schaffen sei. 129. Die vier kunstreichen Brüder. 55 Sternseher, Bogenschützen, Taucher und Beieber befreiten Prinzessin; die vierte vom Streite der vier empfindlichen Damen. — Persisch bei Lescallier, Le tröne enchante p. 177; vgl. Archiv f. n. Spr. 116, 5. Hier erzählt der König der Lampe, dem Gürtel, der Gieß- kanne und dem Bettfuß der Prinzessin 1. von den Freiern mit wunderbaren Eigenschaften, 2. von den vertauschten Köpfen, 3. von der belebten Braut, 4. von der hölzernen Jungfrau und dem Holz- schnitzer, Juwelier, Weber und Mönch. — In einem ceylo- nesischen Märchen (Steele, Kusa Jatakaya 1871 p. 247 'How to restore speech to a dumb' ; vgl. Benfey, Kl. Sehr. 3, 232) wird die Jungfrau von vier Reisegesellen, einem Zimmermann, Maler, Kauf- mann und Juwelier, geschaffen ; als die Lampe, in die der Erzähler einen seiner Begleiter verwandelt hat, töricht antwortet, erklärt die Prinzessin, das Mädchen gehöre dem Wirte, aus dessen Holzblock es geschnitzt wurde. — Afghanisch bei Thorburn, Bannü 1876 p. 175 'The silent princess'; vgl. Melusine 1, 178. — Tatarisch am Kaukasus: Sbornik Kavkaz. 21, 2, 51 nr. 6 'Der heilige Fisch' (der freigelassene Fisch begleitet in menschlicher Gestalt den Fischer zur schweigenden Prinzessin und erzählt dem Papagei von der Heilung einer Jungfrau durch einen Späher, Flieger und Arzt, so- dann von der geschnitzten, bekleideten und belebten Figur). Ebd. 21, 2, 57 nr. 7 'Der goldene Fisch' (nur die zweite Erzählung). In den Anmerkungen S. 16 wird noch eine tatarische Version (Sbornik von Berichten über die kaukasischen Bergvölker 4, 31), eine mingrelische (Sbornik Kavkaz. 9, 2, 75) und eine turkmenische (ebd. 10, 2, 326) angeführt. — Grusinisch ebd. 19, 2, 119 nr. 6 (ein von der unkeuschen Königin verleumdeter Diener läßt vor der Prinzessin durch einen Ball und zwei Leuchter, die aus seiner Tabaksdose springen, drei Geschichten erzählen: 1. eine Frau setzt die Köpfe ihres von Räubern enthaupteten Mannes und seines Gastes verkehrt auf; 2. die belebte Holzfigur; 3. die zu teilende Belohnung für die Heilung eines Prinzen). — Aus dem Kaukasus bei Hse Frapan, Die Liebesbrücke (Deutsche Rundschau 25, 4, 448. 1899. Der Erzähler der Geschichte von der hölzernen Frau und dem Zimmermann, Schneider und Priester will durch die Frage an die Feuerzange die stumme Fatima zum Reden bringen). — Syrisch: Revue des trad. pop. 23, 331 'Les trois amis' (Schreiner, Schneider, Priester). — Arabisch: Schleicher, Somali-Texte 1900 S. 38 nr. 18 'Der schlimme Brautvater' (Holzschnitzer, Schneider, Beter). Aus 56 129. Die vier kunstreichen Brüder. Marokko: Revue des trad. pop. 27, 97 'La princesse siiencieuse' (Holzschnitzer, Schmied, Schneider, Spezereikrämer, Priester). — Türkisch: Künos, Stambul S. 54 'Die schweigende Sultanstochter' (drei Geschichten erzählt der Prinz der von ihm mitgebrachten Nachtigall: 1. Rettung der sterbenden Jungfrau durch Sterndeuter, Arzt und Schnelläufer; 2. die drei geäfften Liebhaber wie bei Boccaccio, Dec. 9, 1 und H. Sachs, Schwanke 3, 252; 3. Streit des Zimmermanns, Schneiders und Softas um die hölzerne Jungfrau). — Auch in dem griechischen Märchen 'Das goldene Kästchen' (Pio p. 93 = Misotakis S. 42 = Geldart p. 106) bringt der Jüngling durch drei von seinem Zauberkästchen erzählte Geschichten die Prinzeß zum Reden: 1. die Rettung der Sterbenden, 2. die Er- schaffung der hölzernen Jungfrau, 3. Befreiung der vom Zauberer entführten Königstochter durch sieben Brüder, einen Horcher, Starkhändigen, Dieb, Träger, Turmbauer, Schützen und Fänger. Bei Pio p. 230 = Garnett 2, 338 antwortet die Prinzessin, als der Zauberstab dreimal geredet hat, worauf der Jüngling über- flüssigerweise die Erschaffung der hölzernen Jungfrau erzählt. — Bulgarisch aus Mazedonien: Sbornik min. 6, 3, 168 nr. 2 (auf die drei an verschiedenen Abenden erzählten Geschichten antwortet die jedesmal anderswo versteckte Puppe). — Großrussisch aus Sibirien : Zapiski Krasnojarsk. 2, 136 nr. 32 (der Jüngling erzählt dreimal von dem durch Zimmermann, Drechsler, Schneider und Schuster geschaffenen Mädchen, und sein Vogel antwortet aus dem Kasten, dem Lampenfuß und dem Kleide der Prinzessin). — Böh- misch: Nemcova 3, 49 nr. 35 = Benfey, Pantschatantra 1,491 'Der kluge Goldschmied' = Naake p. 243 (dreimal dieselbe Geschichte). — Deutsch ganz knapp bei Wisser, Plattdt. Vm. S. 99 'De Fisch- prinzessin un de Snider'. Eine andre Umrahmung hat die Geschichte von der hölzernen Jungfrau in einem siebenbürgischen Märchen bei Haltrich4 nr. 42 empfangen; hier wetten Verstand und Glück miteinander, wer von beiden größeren Einfluß auf das Schicksal der Menschen habe ; der Verstand ermöglicht dem Helden, die stumme Prinzessin zum Reden zu bringen, aber ohne das Glück wäre dieser doch an den Galgen gehängt worden. Ebenso pommerisch bei Jahn 1, 83 nr. 15 'Glück und Verstand' — Dähnhardt, Märchenbuch 2, 1; dänisch bei Grundtvig 1884 p. 136 'Lykken og Forstanden' ; cechisch bei Krolmus 1, 593 = Erben, Slov. cit. S. 19 = Erben, Ceske pohadky 129. Die vier kunstreichen Brüder. 57 S. 75 (der Arzt trägt die mit dem Holzschnitzer und Schneider er- lebte Geschichte dem Hunde der Prinzessin vor). Die Rahmenerzählung fehlt in dem persischen Tutinameh Nachschabis nr. 6 (Clouston, Flowers from a persian garden 1894 p. 130), bei Qadiri nr. 5 (Iken 1822 S. 37), in der malaiischen Be- arbeitung nr. 6 (Brandes, Tijdschrift voor indische Taalkunde 41, 458. Bezemer 1903 p. 223 'Het levende beeld') sowie in der türki- sch en bei Bösen 1, 151 'Geschichte der hölzernen Jungfrau und ihrer Liebhaber'. Als schließlich Zimmermann, Goldschmied, Schneider und Mönch ihren Handel vor Gericht bringen und ein Gottesurteil an- rufen, klafft der Baum, an dem das Mädchen lehnt, auseinander und nimmt es in sich auf. — Indisch bei F. Hahn, Kols 1906 nr. 13 'Wessen Frau ist sie?' Hinterindisch bei Aymonier p. 45 (Zimmermann, Schnitzer, Maler, Zauberer) und Leclere 1895 p. 166 'La statue vivifiee' (Zimmermann, Bildhauer, Zauberer, Totenerwecker). — Beludschisch: Folklore 3, 524 nr. 6 'The four men who made the figure of a woman' (Zimmermann, Schneider, Goldschmied, Beter). — Tatarisch bei Radioff 4,357 'Die drei Gefährten' (Zimmermann, Maler, Derwisch. Jungfrau wieder zu Holz) und 6, 252 'Die Künstler' (Zimmermann, Schneider, Goldschmied, Beter. Schluß ebenso). — Syrisch: Revue des trad. pop. 23, 331 'Les trois amis' (Tischler, Schneider, Priester). — Arabisch: ebd. 15, 114 'Le menuisier, le commercant et le t'aleb'. Socin, Divan aus Central- arabien 1901 2, 126 nr. 107 (Abh. der sächs. Ges. d. W. 44. Tischler, Schneider, Goldschmied, Priester). — Afrikanisch: Veiten, Suaheli S. 234 'Der Zimmermann und das Amulett' (zweimal wird die Holz- frau entführt ; ihr Mann bringt die Verstummte durch Erzählen ihrer Geschichte zum Reden und verlangt das zweitemal durch einen Vogel ihr Amulett zurück; wie sie es ablegt, wird sie wieder zum Baum). Noch ist die Probe zu beachten, die bei Grimm, Happelius und in andern Fassungen unseres Märchens der Vater den vier Söhnen mit dem Auskundschaften, Stehlen, Durchschießen und Flicken der Vogeleier auferlegt. So stiehlt im Fablei von Barat und Haimet (Montaiglon-Raynaud, Recueil des fabliaux 4, 93 nr. 97 ; vgl. Ulrich, Romanische Schelmennovellen 1905 S. 56 und R. Köhler 2, 593 über Voss und Hebel ; dazu unten zu nr. 192) ein Schelm einer brütenden Elster unvermerkt die Eier aus dem Nest und legt sie ihr wieder unter. Von dem Meisterdiebe Elbegast erzählt der jüngere Titurel (Str. 4105 ed. Hahn 1842). daß er 'stelende was den vögeln eyer üz 58 129 a. Der Löwe und der Frosch. der brüete'. 0. Melander, Joci atque seria 1603 nr. 2 'De Germano quodam et Hispano'. Ebenso Sebillot, Contes 1, 57 'Les quatre fils du meunier'. Russisch: Afanasjev1 5, nr. 6 'Klimka'. Zigeunerisch: Groome p. 41 nr. 11 'The two thieves'. Kalmükisch: Eamstedt 1,3 nr. 3 = Revue des trad. pop. 27, 323. Syrisch: Prym-Socin S. 170 nr. 42. Lidzbarski S. 242. Indisch : Knowles p. 110 mit Anm. Madagassisch: Renel 2, 118. Arabisch: Socin-Stumme, Houwära nr. 9 (Abh. der sächs. Ges. 36, 107). Kabylisch: Riviere p. 13 'Les deux freres'. 129 a. Der Löwe und der Frosch. (1815 nr. 43.) Es war ein König und eine Königin, die hatten einen Sohn und eine Tochter, die hatten sich herzlich lieb. Der Prinz ging oft auf die Jagd und blieb manchmal lange Zeit draußen im Wald ; einmal aber kam er gar nicht wieder. Darüber weinte sich seine Schwester fast blind; endlich, wie sies nicht länger aushalten konnte, ging sie fort in den "Wald und wollte ihren Bruder suchen. Als sie nun lange Wege gegangen war, konnte sie vor Müdigkeit nicht weiter; und wie sie sich umsah, da stand ein Löwe neben ihr, der tat ganz freundlich und sah so gut aus. Da setzte sie sich auf seinen Rücken, und der Löwe trug sie fort und streichelte sie mit seinem Schwänze und kühlte ihr die Backen. Als er nun ein gut Stück fort- gelaufen war, kamen sie vor eine Höhle; da trug sie der Löwe hinein, und sie fürchtete sich nicht und wollte auch nicht herabspringen, weil der Löwe so freundlich war. Also gings durch die Höhle, die immer dunkler ward and endlich ganz stockfinster ; und als das ein Weilchen gedauert hatte, kamen sie wieder an das Tageslicht in einen wunder- schönen Garten. Da war alles so frisch und glänzte in der Sonne, und mittendrin stand ein prächtiger Palast. Wie sie ans Tor kamen, hielt der Löwe, und die Prinzessin stieg von seinem Rücken herunter. Da fing der Löwe an zu sprechen und sagte: 'In dem schönen Haus sollst du wohnen und mir dienen; und wenn du alles erfüllst, was ich fordere, so wirst du deinen Bruder wiedersehen.' Da diente die Prinzessin dem Löwen und gehorchte ihm in allen Stücken. Einmal ging sie in dem Garten spazieren, darin war es so schön, und doch war sie traurig, weil sie so allein und von aller Welt verlassen war. Wie sie so auf und ab ging, ward sie einen Teich ge- 129 a. Der Löwe und der Frosch. 59 wahr, und auf der Mitte des Teichs war eine kleine Insel mit einem Zelt. Da sah sie, daß unter dem Zelt ein grasgrüner Laubfrosch saß und hatte ein Rosenblatt auf dem Kopf statt einer Haube. Der Frosch guckte sie an und sprach: 'Warum bist du so traurig?' — 'Ach,' sagte sie, 'warum sollte ich nicht traurig sein!' und klagte ihm da recht ihre Not. Da sprach der Frosch ganz freundlich: 'Wenn du was brauchst, so komm nur zu mir, so will ich dir mit Rat und Tat zur Hand gehen.' — 'Wie soll ich dir das aber vergelten?' — 'Du brauchst mir nichts zu vergelten,' sprach der Quakfrosch, 'bring mir nur alle Tage ein frisches Rosenblatt zur Haube!' Da ging nun die Prinzessin wieder zurück und war ein bißchen getröstet; und so oft der Löwe etwas verlangte, lief sie zum Teich, da sprang der Frosch herüber und hinüber und hatte ihr bald herbeigeschafft, was sie brauchte. Auf eine Zeit sagte der Löwe: 'Heut abend äß ich gern eine Mückenpastete; sie muß aber gut zubereitet sein.' Da dachte die Prin- zessin: 'Wie soll ich die herbeischaffen! Das ist mir ganz unmöglich', lief hinaus und klagte es ihrem Frosch. Der Frosch aber sprach: 'Mach dir keine Sorgen ! Eine Mückenpastete will ich schon herbeischaffen.' Darauf setzte er sich hin, sperrte rechts und links das Maul auf, schnappte zu und fing Mücken, soviel er brauchte. Darauf hüpfte er hin und her, trug Holzspäne zusammen und blies ein Feuer an. Wies brannte, knetete er die Pastete und setzte sie über Kohlen, und es währte keine zwei Stunden, so war sie fertig und so gut, als einer nur wünschen konnte. Da sprach er zu dem Mädchen: 'Die Pastete kriegst du aber nicht eher, als bis du mir versprichst, dem Löwen, sobald er eingeschlafen ist, den Kopf abzuschlagen mit einem Schwert, das hinter seinem Lager verborgen ist.' — 'Nein,' sagte sie, 'das tue ich nicht; der Löwe ist doch immer gut gegen mich gewesen.' Da sprach der Frosch : 'Wenn du das nicht tust, wirst du nimmermehr deinen Bruder wiedersehen, und dem Löwen selber tust du auch kein Leid damit an.' Da faßte sie Mut, nahm die Pastete und brachte sie dem Löwen. 'Die sieht ja recht gut aus,' sagte der Löwe, schnupperte daran und fing gleich an einzubeißen, aß sie auch ganz auf. Wie er nun fertig war, fühlte er eine Müdigkeit und wollte ein wenig schlafen; also sprach er zurPrinzess: 'Komm und setz dich neben mich und krau mir ein bischen hinter den Ohren, bis ich eingeschlafen bin !' Da setzt sie sich neben ihn, kraut ihn mit der Linken und sucht mit der Rechten nach dem Schwert, welches hinter seinem Bette liegt. Wie er nun eingeschlafen ist, so zieht sie es hervor, drückt die Augen zu und haut mit einem Streich dem Löwen den Kopf ab. Wie sie aber wieder hinblickt, da war der Löwe verschwunden, und ihr lieber Bruder stand neben ihr, der küßte sie herz- lich und sprach: 'Du hast mich erlöst; denn ich war der Löwe und war 60 130. Einäuglein, Zweiäuglein und Dreiäuglein. verwünscht es so lang zu bleiben, bis eine Mädcbenhand aus Liebe zu mir dem Löwen den Kopf abhauen würde.' Darauf gingen sie miteinander in den Garten und wollten dem Frosch danken. Wie sie aber ankamen, sahen sie, wie er nach allen Seiten herumhüpfte und kleine Späne suchte und ein Feuer anmachte. Als es nun recbt hell brannte, hüpfte er selber hinein, und da brennts noch ein Bißchen, und dann geht das Feuer aus, und steht ein schönes Mädchen da, das war auch verwünscht worden und die Liebste des Prinzen. Da ziehen sie miteinander heim zu dem alten König und der Frau Königin, und wird eine große Hocbzeit gehalten, und wer dabei gewesen, der ist nicht hungrig nach Haus gegangen. Aus der Maingegend. Am 31. Mai 1814 durch Lulu Jordis geb. Brentano aufgezeichnet, die das Märchen von ihrer Mutter Maximiliane geb. Laroche gehört hatte ; vgl. Steig, Brentano und die Brüder Grimm 1914 S. 276 = Histor.-politische Blätter 151, 81. — Über Erlösung durch Kopfabhauen vgl. oben 1, 9. 515. 2, 37, auch nr. 66 (Häsichenbraut) und 135 (Die weiße und die schwarze Braut). Kittredge, Journal of american folk-lore 18, 1 — 14. — Tonne- lat, Les contes des freres Grimm 1912 p. 42 erinnert sich, das Märchen auch in französischer Sprache gelesen zu haben. 1856 s. 2i3. 130. Einäuglein, Zweiäuglein und Dreiäuglein. 1819 nr. 130: aus der Oberlausitz (eingesetzt für 1815 S. 227 nr. 44 'Der Soldat und der Schreiner', unten nr. 130a). Zuerst mitgeteilt von Th. Pescheck in Büschings Wöchentlichen Nachrichten für Freunde des Mittelalters 2, 17—26 (1816) = L. Haupt, Sagen- buch der Lausitz 2, 199, dann von Wilhelm Grimm 'in seine Weise umgeschrieben'. Das dabei beobachtete Verfahren erläutert Hamann, Die literarischen Vorlagen der KHM 1906 S. 77 und gibt S. 130 einen Parallel-abdruck beider Texte. Die Geschichte Zweiäugleins ähnelt der Aschenbrödels (nr. 21) und ist oben 1, 168 auch bereits mit ihr verglichen worden. Es wird von Mutter und Schwestern mißhandelt (A1), doch von einer weisen Frau (B1) und einer Ziege getröstet und gespeist (B3); aus dem Eingeweide des getöteten Tieres erwächst ein Gold und Silber abschüttelnder Baum (B4), und als der Freier sich einstellt, vermag sie allein dessen Verlangen nach den Goldäpfeln zu erfüllen (D3) und wird seine Gattin (E). 130. Einauglein, Zweiäuglein und Dreiäuglein. 61 In der zu Straßburg zwischen 1559 und 1566 gedruckten Gartengesellschaft des Martin Montanus (cap. 5 = Montanus, Schwankbücher hsg. von Bolte 1899 S. 250, vgl. S. 591) steht die älteste Aufzeichnung des Märchens, betitelt 'Ein schöne History von einer Frawen mit zweyen Kindlin'. Hier ist der Haß der Stiefmutter wider Margretlin so groß, daß sie mit der andern Tochter Annelin das Kind in den Wald führt und dort allein läßt. Auf den Rat seiner Patin hat es aber Sägmehl unter- wegs ausgestreut und findet dadurch den Weg nach Hause. Das zweitemal, wo es Spreu mitnimmt, gehts ebenso; als es den dritten Tag Hanfsamen fallen läßt, fressen die Vögel den weg, und Margretlin irrt bis zum Abend im Walde umher, bis es an ein Häuslein kommt, wo ein Erdkühlein wohnt. Dies nimmt das Mädchen bei sich auf, läßt sich morgens und abends von ihr melken und bringt ihr Samt und Seide zur Kleidung. Nach einem Jahre kommt ihre Schwester in den Wald, erblickt das Häuslein, pocht an und bittet solange, bis sie ihr wider das Gebot des Erdkühleins auftut und alles, was ihr begegnet ist, erzählt. So hört die Stief- mutter von dem Erdkühlein, holt es zu sich und läßt es vom Metzger schlachten. Aus dem Schwanz, Hörn und Hufen, die Margretlin in die Erde pflanzt, wächst ein schöner Apfelbaum auf. Ein vorüberreitender Herr begehrt für seinen fieberkranken Sohn ein paar Äpfel; als aber Annelin und die Mutter sie pflücken wollen, heben sich die Äste empor und neigen sich erst, als Margretlin hinzutritt. Da fragt der Herr, wie das zugehe, und ladet, als er alles vernommen, sie ein, mit ihm zu kommen; gern folgt sie und nimmt ihren Wunderbaum, der sich bald ausgraben läßt, mit. — Hier gleicht also der Eingang der Erzählung von Hansel und Gretel (nr. 15), während die neidische Schwester weder einäugig noch dreiäugig *) ist und der einschläfernde Zauberspruch, der an den windbannenden Spruch in nr. 89 mahnt, fehlt. J) In Vonbuns Beiträgen zur deutschen Mythologie aus Churrätien 1862 S. 53 singt das Fänkenmannli, während es die süßen Gemskäslein bereitet, dem in seiner Höhle befindlichen einäugigen Hirtenknaben jedes- mal zu : 'Einäugelein, schlaf ein !' Einst aber findet sich dessen zwei- äugiger Bruder aus Neugier ein und schließt bei dem Spruche nur ein Auge. — In der magyarischen Fassung des Mädchens ohne Hände (Jones- Kropf p. 183) schläfert die Heldin den Prinzen durch einen ähnlichen Spruch ein, gleitet aber aus und weckt ihn durch ihre Berührung. 62 130. Einäuglein, Zweiäuglem und Dreiäuglein. In einer am Rheine (vor 1856) erzählten Fassung sind es acht Schwestern, deren jede ein Auge mehr hat. In der siebenbürgischen bei Haltrich 4 nr. 36 'Das Zauberhorn' sieht die dreiäugige Schwester, wie ein Stier für Gretchen spinnt; darauf wird er getötet, ersteht aus dem von Gretchen aufbewahrten Hörn wieder, bekämpft den Bären, in den sich die Stiefmutter verwandelt hat, und wird endlich zu einem schönen Prinzen. Auch in der ostpreußischen Fassung bei Lemke 3, 157 'Die gute Kuh' spinnt die Kuh für die Heldin, die Stiefschwester tritt aber erst beim Pflücken der Goldäpfel hervor. Dänisch in Grundtvigs hsl. Reg. 47 (Coxp. 235) 'Mette Trsehsette' (A1 B1 • 3 C3 ■ 2 D1 E. Die dreiäugige Schwester, durch den Spruch nicht eingeschläfert, belauscht die Heldin am Grabe der Mutter, wie zwei Tauben ihr Speise bringen). Ebenso bei F. Carlsen, Efterretninger om Gammelkjoge gaard 2, 144 (1878) = Folk-lore 18, 195 'Mette Trsehaette'. Bei Kristensen, Danske Folkaseventyr 1, 57 nr. 8 'Den lille Guldsko' (vgl. Cox p. 282. A^C^D1 E) bietet der hilfreiche Stier dem hungernden Mädchen nicht nur Speisen aus seinem rechten Ohre, sondern fordert sie auch auf, mit ihm zu fliehen. Als sie trotz seiner Warnung im Kupfer-, Silber- und Gold- walde x) einen Zweig abbricht, muß der Stier mit dem kupfernen, silbernen und goldenen Stier kämpfen und erliegt dem letzten. Sie schneidet ihm das rechte Ohr ab, das ihr im Königsschlosse kostbare Kleider liefert. Dem Diener, den ihr der Prinz beim Verlassen der Kirche nachsendet, antwortet sie, sie komme aus Wasserland, Kammland, Handtuchland. Ähnlich 'Den lille rode Kalv' aus Grundtvigs hsl. Sammlung bei Cox p. 236 (A1 B3 C3 • 2 D1 E). — Dieselben Züge finden wir wieder in einer unvollständigen schwedischen Aufzeichnung von Claus Laurentii aus Calmar v. J. 1612 (Schuck im Samlaren 8, 178. 1887. Ahlström 1895 S. 63): um der Heirat mit einem verhaßten Knechte zu entgehen, flieht die Bauerntochter auf ihrem Stier. Im Eichen-, Hasel- und Linden- walde bricht sie wider das Verbot ein Blatt ab und hat nun drei Kleider von Messing, Silber und Gold, der Stier aber wird von Wölfen zerrissen. Ebenso bei Bondeson, Historiegubbar S. 192 'Flickan och Kon', wo aus dem vergrabenen Herzen der Kuh ein *) Zu der Reihe Kupfer, Silber, Gold vgl. R. Köhler 1, 412. 437; auch unten S. 78. 130. Einäuglein, Zweiäuglein und Dreiäuglein. 63 Apfelbaum entsprießt, dessen Früchte nur die Heldin pflücken kann. Steffen 1, 18 'Guldoxen ä silfveroxen ä diamantoxen'. Aberg nr. 19 'Karin Trsetjola'. Bei Nordlander 1892 S. 44 'Fröken Skinnpäls rör i askan' ist ein Bär an die Stelle des Ochsen getreten, in dessen Haut sich das Mädchen nachher hüllt. — Ein Stier ist es im norwegischen Märchen bei Asbjörnsen-Moe nr. 19 'Kari Trästak' = Stroebe 2, 146 = Dasent 1859 p. 411 'Katie Woodencloak' (A1BC3-2D1E) und bei Söegaard, I Fjeldbygdene p. 17 'Kraake Lange' bei Cox p. 397 (A1 B3 C3 D1. Die Stiefschwester, der ihre Mutter noch zwei Augen in den Nacken gesetzt hat, belauscht die Speisung durch den Ochsen. Auf des Ochsen Grab darf die Heldin drei Wünsche tun. Angeschlossen wird die Erzählung von der untergeschobenen Braut; der Jüngling, der die Magd aus ihrer Niedrigkeit zieht, ist ihr Bruder; er rühmt dem Könige ihre Schönheit, aber die Stiefmutter stürzt sie auf der Brautfahrt ins Meer usw.). — Englisch aus Aberdeenshire im Eolk-lore Journal 2, 72 'The red calf (A1 B C» D* E). — Gälisch bei Campbell nr. 43 'The sharp grey sheep' ; vgl. E. Köhler 1, 258. 272 (A1 B C3 D1 E :) Dreiäuglein verrät das speisebringende Schaf, das geschlachtet und wieder belebt wird, aber lahm bleibt, weil das Mädchen die Hufe zu sammeln vergessen hat. In der von Kenneth MacLeod bei Cox p. 534 mitgeteilten Fassung aus Inverness-shire wird das Schaf als die Mutter der Heldin bezeichnet. Diese schläfert ihre lauschende Stiefschwester zweimal mit dem Spruche ein : 'Shut one eye, Shut your eyes Shut two eyes, In deep sleep!' vergißt aber beim dritten Male zu sagen: 'two eyes'. Das Schaf wird geschlachtet, ersteht aber aus den gesammelten Knochen wieder als eine schöne Frau. Es folgt die Begegnung beim Tanz, die Schuhprobe, die falsche Braut und Hochzeit. Französisch bei Sebillot, Contes 1, 15 nr. 3 'Le taureau bleu' (A1 B C3 D1 E. Die Heldin flieht auf dem Ochsen durch den Kupfer-, Silber- und Goldwald wie in den skandinavischen Fassungen, wird Jaquette de bois genannt). Über Luzel, Contes 3, 134 'Le chat noir' vgl. oben 1, 173. Aus der Bourgogne bei Beauvois p. 239 'La petite Annette' (A1 B1 • 3 ■ 4 D3 E. Jungfrau Maria gibt ein Stäbchen, mit dem des Widders Ohr berührt wird; dreiäugige Stiefschwester lauscht. 'Endors-toi d'un oeil, endors-toi de deux yeux!' Aus der Leber des Widders ein Apfelbaum). Ähnlich 64 130. Einäuglein, Zweiäuglein und Dreiäuglein. Sebillot, Contes 1, 331 nr. 58 'La petite brebiette blanche' (aus den Füßen des Schafes entsteht ein Schloß) und 2, 167 nr. 29 'Le petit mouton Martinet' (A1 B1' 3 E): Die Stiefschwester sieht das drittemal, wie der Widder auf die Worte Fanchettes: 'Par la vertu de mon mouton Martin, Qu' il vienne une table oü j'aie tout ä souhait' Speisen spendet ; aus dem Kopfe des Widders wird ein Schloß ; die Stiefmutter wird getötet. Orain p. 3 'La fee du puits' (ähnlich). Luzel, Legendes 2, 264 'Le petit agneau blanc' (entstellt. A1 B1" 4 D3 E. Aus Kopf und Füßen des Lammes eine Weinquelle und vier Fruchtbäume). Cosquin 1, 246 nr. 23 'Le poirier d'or' (entsprießt aus den Knochen des geschlachteten Widders) und 1, 248 'Les clochettes d'or' (angehängt die untergeschobene Frau). — Aus Korsika bei Ortoli p. 81 'Les trois pommes de Mariucella' (A1 B3 • 4 E. Von den drei Äpfeln in der geschlachteten spinnenden Kuh ißt die Heldin einen, aus dem zweiten wird ein Hahn, der die Unterschiebung der Stief- schwester als Königsbraut verrät, aus dem dritten ein Apfelbaum. Die Stiefmutter versteckt die rechte Braut im Faß wie bei Basile 3, nr. 10). Auch von den oben 1, 173 angeführten italienischen Märchen gehören einige zugleich hierher: Busk p. 31 'Vaccarella'. Imbriani p. 195 nr. 14 'La bella e la brutta' (spinnende Kuh; Katze verrät die Unterschiebung der Braut wie bei Imbriani nr. 13 'II luccio'; Glastreppe der Feen wie oben 1, 215) und nr. 15 'La bella Caterina'. De Gubernatis, Novelline nr. 1 'La bella e la brutta' (spinnende Kuh; Glastreppe). Nerucci nr. 32 La ragazza serpe' (vermischt mit der untergeschobenen Braut). — Serbokroatisch: M. Stojanovie, Pucke pripovijetke S. 183 nr. 38 (A1 B3B4 C3 Di E; die Kuh spinnt auf Zureden einer weißen Frau ; im Magen der Kuh ist ein Koffer mit Kleidern). Kesetar, Serbokroat. Kolonien Süditaliens S. 237 (A1 B3-4 O2 D1). — Wendisch: Sewcik S. 37. — Groß- russisch: Afanasjev3 1, 76 nr. 56. 57; vgl. Ealston p. 183. 295 — 297. De Gubernatis, Die Tiere S. 138. Gouv. Olonetz : Oneukov S. 313 nr. 129 'Einäuglein, Zweiäuglein, Dreiäuglein' (B3,4. Schuhprobe). Sbornik Kavkaz. 16, 1, 181 nr. 1 (die Sterbende vermacht der Tochter die Kuh ; AXB3,4D3; die der Waise auferlegten Aufgaben erfüllt ein Häschen; Besuch beim Prinzen, Schuhprobe ; die Stiefmutter verwandelt die Braut in ein Tier und schiebt ihre Tochter unter ; die Amme vernimmt den Tausch vom Häschen und meldet ihn dem Prinzen). — Litauisch bei Leskien-Brugman S. 447 nr. 25 'Von dem Mädchen, das eine 130. Einäuglein, Zweiäuglein und Dreiäaglein. 65 Hexe zur Stiefmutter hatte' (A1 B1 ■ 3 ■ 4 D1 E. Mutter im Grabe rät; spinnende Kuh; ein-, zwei- und dreiäugige Stiefschwester lauschen; aus dem Eingeweide der Kuh ein Weinbrunnen und ein Apfelbaum). — Estnisch bei Kallas nr.40 'Der Bösen Tochter und das Waiaenmädchen' (A1B14C3D1E. Mutter im Grabe antwortet. Angehängt die untergeschobene Braut) und nr. 42 (Mutter im Grabe, Wunderkuh, Apfelbaum). — Ungarisch: Horger nr. 2 (Anfang). Eine arabische Erzählung bei Dulac, Journal asiatique 1885, 11 = Basset, Contes d'Afrique p. 102 'La vache des orphelins' hat die Besonderheit, daß zwei Geschwister von der Kuh gespeist und von ihren Stiefgeschwistern belauscht werden ; als die Stiefmutter die Kuh schlachten läßt, entsteht aus ihren Knochen ein Aloebaum. Ähn- lich kabylisch bei Biviere p. 67 'Les deux orphelins'. —Indisch bei Knowles p. 127 'The wicked stepmother' (Ziege = rechte Mutter, einäugige Stiefschwester, Knochen vergraben ; der König findet in einem Fisch den Nasenring des Mädchens, forscht nach ihr und heiratet sie). Frere nr. 1 'Bunchkin' = Bassow S. 31 (sieben Schwestern stillen ihren Hunger an einem Bomelobaum und einem Milchbrunnen am Grabe ihrer Mutter, bis die Stiefmutter beides zer- stört). — Malaiisch aus Celebes bei Adriani, Tijdschrift voor indische taalkunde 40, 367 (1898. Mit Nachweisen). Matthes, Bijdragen tot de taalkunde van Nederl. Indie 4. r. 10, 471 = Bezemer 1904 S. 373 (Fisch, Baum). Schwarz, Tontemboansche texten 2, 81 nr. 24 'Het Stiefkind en de koe'. — Madagaskar: Benel 1, 35. 154. 2, 258. — Im brasilischen Märchen bei Bomero p. 59 '0 papagaio do limo verde' kommen die lauschenden Schwestern Dreiäuglein, Zweiäuglein, Einäuglein vor (vgl. oben 2, 265) ; ebd. p. 52 'Maria Borralheira' die hilfreiche Kuh und die Schuhprobe. In einer andern Märchengruppe wird ein Knabe auf gleiche Weise von einer Kuh (oder einem Stier oder Bferd) genährt, mit der er entrinnt, als sie geschlachtet werden soll. Sieben- bürgisch bei Haltrich nr. 18 'Der starke Hans' (die Kuh ist seine verwandelte Mutter, die dritte Stiefschwester hat zwei Augen im Nacken, wie der Alraun bei Arnim, Werke 1, 34). Dänisch: Kristensen, Folkesev. fra Jylland 4, 138 nr. 26 'Den blaa stud' und Danske Folkeseventyr S. 174 nr. 26 'Tyren og Brinsessen pä Glas- bjserget'. Norwegisch: Asbjörnsen-Moe 1854 S. 415. 418. Moe hsl. bei Cox p. 455 'Gutten og Stuten'. Söegaard. I Fjeldb}rgderne 1868 p. 13 'Vesle brune Okse'. Isländisch: Bittershaus S. 36 Grimm, Märchen-Anmerkungen III. 5 66 130. Einäuglein, Zweiäuglein und Dreiäuglein. nr. 8 'RauÖiboli'. Rumänisch: Staufe hsl. nr. 25 'Kuhsohn' (Zs. f. Volksk. 9, 86); P. Schullerus nr. 44 'Der Knabe und der Ochs' (Archiv 33, 490. Die dritte Tochter hat ein Auge im Nacken). Serbokroatisch: Krauß 2, 346 nr. 139 'Held Hirte und das scheckige Kühlein'. Valjavec S. 49 nr. 15= Leskien nr. 44 'Eine Vila kämmt die Frau'. Zs. Vila 1866 2, 815 (als der Stier im Kampfe mit Drachen unterliegt, nimmt der Knabe aus seinem linken Hörne Speise, aus dem rechten Viehherden). Tordinac S. 10 nr. 6. Kica 7, nr. 48 S. 1. Wendisch: Erben, Cit. S. 86 (oben 1, 107). Cechisch aus Mähren: Elpl S. 71 nr. 17 (Knabe entflieht mit dem Pferde der Stiefmutter; dann Grindkopf- thema). Polnisch: Kozlowski S. 312 nr. 5 (Knabe und Mädchen fliehen auf der Kuh vor dem Stiefvater). Kleinrussisch: Rozdolskyj nr. 37 (Etnogr. Zbirn. 7, 48. Kuh). Zdziarski, Garsc basni S. 13 nr. 7 (Kuh). Großrussisch: Afanasjev3 2, 209 nr. 165 a (Pferd). Aus dem Gouv. Jenissejsk: Zapiski Krasnojarsk. 2, 236 nr. 56 (Pferd. Drachenkampf). 1, 17 nr. 4 (treulose Mutter, Grindkopf 'Neznajko'). Sadovnikov nr. 65 = v. Löwis nr. 34 'Van- juschka und Annuschka (Stier). Lettisch: Ulanowska nr. 25 (Zbiör 18, 302. Sterbend empfiehlt die Mutter das Mädchen der Kuh. B^DSE). Ungarisch: Gaal-Stier S. 61 nr. 8 'Weiß- nitle' (Pferd; Grindkopf). Arany S. 111 'Die rote Kuh' (Ein- äuglein, Zweiäuglein, Dreiäuglein; kupferne, silberne und goldene Brücke). Zigeunerisch aus England: Groome p. 205 'De little bull-calf (Cox p. 450). Tatarisch: Sbornik mater. Kavkaz. 35, 2, 88 nr. 3 (Pferd). Indisch: Campbell, Santal folk tales p. 15. Dracott p. 83 nr. 22 A1 B3). Hahn, Geisteswelt der Kols S. 28 nr. 16 'Der Knabe und der Ochse'. Arabisch: Spitta- Bey p. 152 'Histoire du prince et de son cheval'. Artin Pacha p. 115 nr. 7. Müller, Mehri- und Soqotri-Sprache 3, 114 'Begehrt' (Stute). Reinisch. Die Somali-Sprache 1, 259 'Geschichte zweier Brüder' (Stute; Brüdermärchen wie nr. 60). Kafferisch: Theal p. 169 'The wonderful horns'. 130 a. Der Soldat und der Schreiner. 67 150 a. Der Soldat und der Schreiner. (1815 nr. 44.) Es wohnten in einer Stadt zwei Tischler, deren Häuser stießen an- einander, und jeder hatte einen Sohn. Die Kinder waren immer bei- sammen, spielten miteinander nnd hießen darum das Messerchen und Gäbelchen, die auch immer nebeneinander auf den Tisch gelegt werden. Als sie nun beide groß waren, wollten sie auch voneinander nicht weichen. Der eine war aber mutig und der andere furchtsam ; da ward der eine Soldat, der andere lernte das Handwerk. Wie die Zeit kam, daß dieser wandern mußte, wollt ihn der Soldat nicht verlassen, und gingen sie zusammen aus. Sie kamen nun in eine Stadt, wo der Tischler bei einem Meister in die Arbeit ging; der Soldat wollte da auch bleiben und verdingte sich bei demselben Meister als Hausknecht. Das war gut gewesen ; aber der Soldat hatte keine Lust am Arbeiten, lag auf der Bärenhaut, und es dauerte nicht lang, so wurde er von dem Meister weggeschickt. Der Fleißige wollt' ihn aus Treue nun nicht allein lassen, sagte dem Meister auf und zog mit ihm weiter. So gings aber immer fort; hatten sie Arbeit, so dauerte es nicht lang, weil der Soldat faul war und fortgeschickt wurde, der andere aber nicht ohne ihn bleiben wollte. Einmal kamen sie in eine große Stadt; weil aber der Soldat keine Hand regen wollte, ward er am Abend schon verabschiedet, und sie mußten dieselbe Nacht wieder hinaus. Da führte sie der Weg vor einen unbekannten großen Wald; der Furchtsame sprach: 'Ich geb nicht hinein; dai'in springen Hexen und Gespenster herum.' Der Soldat aber ant- wortete : 'Ei was, davor furcht ich mich noch nicht,' ging voran, und der Furchtsame, weil er doch nicht von ihm lassen wollte, ging mit. In kurzer Zeit hatten sie den Weg verloren und irrten in der Dunkelheit durch die Bäume, endlich sahen sie ein Licht. Das suchten sie auf und kamen zu einem schönen Schloß, das hell erleuchtet war, und haußen lag ein schwarzer Hund, und auf einem Teich neben saß ein roter Schwan. Als sie aber hineintraten, sahen sie nirgends einen Menschen, bis sie in die Küche kamen; da saß noch eine graue Katze bei einem Topf am Feuer und kochte. Sie gingen weiter und fanden viele prächtige Zimmer, die waren alle leer, in einem aber stand ein Tisch, mit Essen und Trinken reichlich besetzt. Weil sie nun großen Hunger hatten, machten sie sich daran und ließen sichs gut schmecken. Darnach sprach der Soldat: 'Wenn du gegessen hast und satt worden bist, sollst du schlafen gehen,' machte eine Kammer auf, darin standen zwei schöne Betten. Sie legten sich, aber als sie eben einschlafen wollten, fiel dem Furchtsamen ein, daß 5* 68 130 a. Der Soldat und der Schreiner. sie noch nicht gebetet hätten. Da stand er auf und sah in der Wand einen Schrank, den schloß er auf, und war da ein Kruzifix mit zwei Gebetbüchern dabei. Gleich weckte er den Soldaten, daß er aufstehen mußte, und sie knieten beide nieder und taten ihr Gebet ; darnach schliefen sie ruhig ein. Am andern Morgen kriegte der Soldat einen heftigen Stoß, daß er in die Höhe fuhr. 'Du, was schlägst du mich,' rief er dem andern zu, der aber hatte auch einen Stoß gekriegt und sprach: 'Was stößt du mich! Ich stoß dich nicht.' Da sagte der Soldat : 'Es wird wohl ein Zeichen sein, daß wir hervor sollen.' Wie sie nun herauskamen, stand schon ein Frühstück auf dem Tisch. Der Furchtsame sprach aber : 'Eh wir es an- rühren, wollen wir erst nach einem Menschen suchen.' — 'Ja,' sagte der Soldat, 'ich mein auch immer, die Katze hätts gekocht und eingebrockt, da vergeht mir alle Lust.' Sie gingen also wieder von unten bis oben durchs Schloß, fanden aber keine Seele; endlich sagte der Soldat: 'Wir wollen auch in den Keller steigen.' Wie sie die Treppe herunter waren, sahen sie vor dem ersten Keller eine alte Frau sitzen ; sie redeten sie an und sprachen : 'Guten Tag ; hat sie uns das gute Essen gekocht ?' — 'Ja, Kinder, hats euch geschmeckt?' Da gingen sie weiter und kamen zum zweiten Keller, davor saß ein Jüngling von vierzehn Jahren ; den grüßten sie auch, er gab ihnen aber keine Antwort. Endlich kamen sie in den dritten Keller, davor saß ein Mädchen von zwölf Jahren, das antwortete ihnen auch nicht auf ihren Gruß. Sie gingen noch weiter durch alle Keller, fanden aber weiter niemand. Wie sie nun wieder zurükkamen, war das Mädchen von seinem Sitz aufgestanden; da sagten sie zu ihm: 'Willst du mit uns hinaufgehen ?' Es sprach aber : 'Ist der rote Schwan noch oben auf dem Teich ?' — 'Ja, wir haben ihn beim Eingang gesehen.' — 'Das ist traurig, so kann ich nicht mitgehen.' Der Jüngling war auch aufgestanden, und als sie zu ihm kamen, fragten sie ihn : 'Willst du mit uns hinauf gehen?' Er abe^ sprach: 'Ist der schwarze Hund noch auf dem Hof?' — 'Ja, wir haben ihn beim Eingang gesehen.' — 'Das ist traurig, so kann ich nicht mit euch gehen.' Als sie zu der alten Frau kamen, hatte sie sich auch aufgerichtet. 'Mütterchen,' sprachen sie, 'wollt Ihr mit uns hinauf- gehen?' — 'Ist die graue Katze noch oben in der Küche?' — 'Ja, sie sitzt auf dem Herd bei einem Topf und kocht.' — 'Das ist traurig; eh ihr nicht den roten Schwan, den schwarzen Hund und die graue Katze tötet, können wir nicht aus dem Keller heraus.' Als die zwei Gesellen wieder oben in die Küche kamen, wollten sie die Katze streicheln; sie machte aber feurige Augen und sah ganz wild aus. Nun war noch eine kleine Kammer übrig, in der sie nicht gewesen waren, wie sie die aufmachten, war sie ganz leer, nur an der Wand ein, 130 a. Der Soldat und der Schreiner. 69 Bogen und Pfeil, ein Schwert und eine Eisenzange. Über Bogen und Pfeil standen die Worte: 'Das tötet den roten Schwan', über dem Schwert : 'Das haut dem schwarzen Hund den Kopf herunter' und über der Zange : 'Das kneift der grauen Katze den Kopf ab.' — 'Ach,' sagte der Furchtsame, 'wir wollen fort von hier' ; der Soldat aber : 'Nein, wir wollen die Tiere aufsuchen.' Sie nahmen die Waffen von der Wand und gingen in die Küche, da standen die drei Tiere, der Schwan, der Hund und die Katze, beisammen, als hätten sie was Böses vor. Wie der Furchtsame das sah, lief er wieder fort; der Soldat sprach ihm ein Herz ein, er hingegen wollte erst etwas essen. Wie er gegessen hatte, sagte er : 'In einem Zimmer hab ich Harnische gesehen, da will ich einen zu- vor anlegen.' Als er in dem Zimmer war, wollt' er sich forthelfen und sprach: 'Es ist besser, wir steigen zum Fenster hinaus. Was kümmern uns die Tiere!' Wie er aber zum Fenster trat, war ein stark Eisengitter davor. Nun könnt' ers nicht länger verreden, ging zu den Harnischen und wollte einen anziehen, aber sie waren alle zu schwer. Da sagte der Soldat: 'Ei was, laß uns so gehen, wie wir sind!' — 'Ja,' sprach der andere, 'wenn unser noch drei wären!' Wie er die Worte sprach, da flatterte eine weiße Taube außen ans Fenster und stieß daran. Der Soldat machte ihr auf, und wie sie herein war, stand ein schöner Jüng- ling vor ihnen, der sprach : 'Ich will bei euch sein und euch helfen' und nahm Bogen und Pfeil. Der Furchtsame sprach, er hätts am besten mit dem Bogen und Pfeil, nach dem Schuß wärs gut und er könnte hin- gehen, wohin er Lust hätte, sie aber müßten mit ihren Waffen den Zaubertieren näher auf den Leib. Da gab der Jüngling ihm den Bogen und Pfeil und nahm das Schwert. Da gingen alle drei zur Küche, wo die Tiere noch beisammen standen, und der Jüngling hieb dem schwarzen Hund den Kopf ab, und der Soldat packte die graue Katze mit der Zange, und der Furchtsame stand hinten und schoß den roten Schwan tot. Und wie die drei Tiere niederfielen, in dem Augenblick kam die Alte und ihre zwei Kinder mit großem Geschrei aus dem Keller gelaufen: 'Ihr habt meine liebsten Freunde getötet, ihr seid Verräter,' drangen auf sie ein und wollten sie ermorden. Aber die drei überwältigten sie und töteten sie mit ihren Waffen; und wie sie tot waren, fing auf einmal ein •wunderliches Ge- murmel ringsherum an und kam aus allen Ecken. Der Furchtsame sprach : 'Wir wollen die drei Leichen begraben ; es waren doch Christen, das haben wir am Kruzifix gesehen.' Sie trugen sie also hinaus auf den Hof, machten drei Gräber und legten sie hinein. Während der Arbeit nahm aber das Gemurmel im Schloß immer zu, ward immer lauter, und wie sie fertig waren, hörten sie ordentlich Stimmen darin, und einer rief; 'Wo sind sie, wo sind sie?' Und weil 70 130 a. Der Soldat und der Schreiner. der schöne Jüngling nicht mehr da war, ward ihnen Angst, und sie Hefen fort. Als sie ein wenig weg waren, sagte der Soldat: 'Ei, das ist Unrecht, daß wir so fortgelaufen sind; wir wollen umkehren und sehen, was dort ist.' — 'Nein,' sagte der andere, 'ich will mit dem Zauberwesen nichts zu tun haben und mein ehrliches Auskommen in der Stadt suchen.' Aber der Soldat ließ ihm keine Ruhe, bis er mit ihm zurückging. Wie sie vors Schloß kamen, war alles voll Leben ; Pferde sprangen durch den Hof, und Bediente liefen hin und her. Da gaben sie sich für zwei arme Handwerker aas und baten um ein wenig Essen. Einer aus dem Haufen sprach : 'Ja, kommt nur herein ! Heut wird allen Gutes getan.' Sie wurden in ein schönes Zimmer geführt, und ward ihnen Speise und Wein gegeben. Darnach wurden sie gefragt, ob sie nicht zwei junge Leute von der Burg hätten kommen sehen. 'Nein,' sagten sie. Als aber einer sah, daß sie Blut an den Händen hatten, fragte er, woher das Blut käme. Da sprach der Soldat: 'Ich habe mich in den Finger geschnitten.' Der Diener aber sagte es dem Herrn; der kam selber und wollt es sehen, es war aber der schöne Jüngling, der ihnen beigestanden hatte, und wie er sie mit Augen sah, rief er : 'Das sind sie, die das Schloß errettet haben.' Da empfing er sie mit Ereuden und erzählte, wie es zugegangen wäre : 'Im Schloß war eine Haushälterin mit ihren zwei Kindern, die war eine heimliche Hexe; und als sie einmal von der Herrschaft gescholten wurde, geriet sie in Bosheit und verwandelte alles, was Leben hatte im Schloß, zu Steinen. Nur über drei andre böse Hof- bediente, die auch Zauberei verstanden, hatte sie keine rechte Gewalt und konnte sie nur in Tiere verwandeln, die nun oben im Schloß ihr Wesen trieben ; dabei fürchtete sie sich vor ihnen und flüchtete mit ihren Kindern in den Keller. Auch über mich hatte sie nur soviel Gewalt gehabt, daß sie mich in eine weiße Taube außerhalb des Schlosses ver- wandeln konnte. Wie ihr zwei ins Schloß kamt, da solltet ihr die Tiere töten, damit sie frei würde, und zum Lohn wollte sie euch wieder um- bringen. Aber Gott hat es besser gemacht, das Schloß ist erlöst, und die Steine sind wieder lebendig geworden in dem Augenblick, wo die gott- lose Hexe mit ihren Kindern getötet wurde; und das Gemurmel, das ihr gehört, das waren die ersten Worte, welche die Freigewordenen sprachen.' Darauf führte er die zwei Gesellen zu dem Hausherrn, der hatte zwei schöne Töchter, die wurden ihnen gegeben, und sie lebten vergnügt ihr Lebenlang als große Bitter. Aus dem Münster land. — Manches darin ist gut und recht märchenhaft, doch scheint das Ganze gelitten zu haben, teils durch 131. Die schöne Katrinelje und Pif Paf Poltrie. 71 Lücken, teils durch Verwirrung. Insbesondre fällt auf, daß die Helden nicht von einer verzauberten Person zur Erlösung des Schlosses angeleitet werden, sondern zufällig in den Streit der bos- haften Zauberer hineingeraten. In der zweiten Auflage blieb das Märchen fort. Abgedruckt bei Bahlmann, Münsterländische Märchen 1898 S. 10. 131. Die schöne Katrinelje und Pif Paf Poltrie. ^s. 213. 1815 nr. 45 = 1819 nr. 131. Aus dem Paderbörnischen durch die Familie v. Haxthausen am 27. Mai 1812. Danach Rochholz, Alemannisches Kinderlied 1857 S. 164 und Böhme, Deutsches Kinder- lied 1897 S. 247 nr. 1227 'Der Brautschatz'. Sehr ähnlich aus Oldenburg in der anonymen Sammlung 'Aus dem Kinderleben' 1851 S. 71 'Die Freite'. Etwas verschieden in Bremen (1822). Der Vater Bürstenbinder heißt Ohnethee, der Bräutigam Pichelpachelpaltrie, die Mutter Dorothee, der Bruder Ohne- stolz, die Schwester Kieseltraut und die Braut Katherliese. Die Be- grüßungen, Fragen und Antworten wie in unserm Märchen, nur die Reime etwas verschieden : "Wo ist denn die Mutter Dorothee? 'Sie ist in der Küche und kocht den Tee.' Wo ist der Bruder Ohnestolz ? 'Er ist im Stall und hackt das Holz.' Wo ist die Schwester Kieseltraut? 'Sie ist im Garten und hackt das Kraut.' Wo ist die Katherliese? 'Sie ist im Hanf und pflückt Radiese.' Hernach geht die Mutter zu der Gevatterin und spricht : Guten Tag, Frau Gevatterin. 'Schönen Dank, Frau Gevatterin, wo will sie hin?' Nach Witzenhausen (in Hessen), Frau Gevatterin. 'Was will sie da machen, Frau Gevatterin?' Rosmarin holen, Frau Gevatterin. 'Was will sie damit machen, Frau Gevatterin?' Weiß sie nicht, daß meine Tochter eine Braut ist, Frau Gevatterin ? 72 131. Die schöne Katrinelje und Pif Paf Poltrie. 'Wen hats denn, Frau Gevatterin?' Rat sie einmal, Frau Gevatterin! 'Einen Doktor?' — Viel besser. 'Einen Professor?' — Noch besser. 'Wohl gar einen Besenbinder?' — Sie hats geraten. 'Was kriegts alle mit, Frau Gevatterin?' Eine Metze Hotzeln, eine Metze Schnitzeln, einen Bieter- wamsrock, Schürzenfleckeln, einen Heller an barem Geld. Ists nicht genug, Frau Gevatterin ? Kostet eine Tochter nicht viel, wenn sie heiraten tut? Der erste Teil dieses gereimten Gespräches, die Braut- werbung, ist ein altes Gesellschaftsspiel. Einen nieder- deutschen Text davon hat 1587 der Braunschweiger Kantor 0. S. Harnisch (Newe lustige teutsche Liedlein, Helmstedt 1587 nr. 12 = 1588 nr. 28) dreistimmig gesetzt; Abdruck bei Uhland, Volks- lieder 1844 nr. 273, Böhme, Altdeutsches Liederbuch nr. 233 und Erk- Böhme, Liederhort 2, 657 nr. 863. Hier fragt der Freier ebenso nach dem Vater des begehrten Mädchens : Wor is juwe Vader Hoenthei? 'Hei is im Hof und drift dat Vei.' Guden Dach, Her Hoenthei, Hir bin ick, Her, und kom to deck, Und dat du wollest geven meck Dine Dochter1) to der E. Er wird aber weiter gewiesen an die Mutter, den Bruder und die Schwester: 'Dat müsten deck gar und ganz wol bescheiden Wolle Vader Hoenthei, Wolle Moder Godegei, Wolle Broder Volenstolt, Wolle Süster Giseldrut, Wolle sei dann noch sülven De schnucker schnacker wacker Köckernölcken van Truthei.' So fragt er die Genannten der Reihe nach: Wor is juwe Moder Godegei? 'Sei is im Hof und melkt dat Vei.' — Wor is juwe Broder Volenstolt? 'Hei is im Hof und haut dat Holt.' — a) Irrig hat der Druck: Süster. 131. Die schöne Katrinelje und Pif Paf Poltrie. 73 Wor is juwe Süster G-iseldrut? 'Sei is im Hof und weit (!) dat Krut.' — Wor is juwe wacker Köckernölckn? 'Sei1) is im Hof und sckelt Zipölckn.' In dem ähnlichen Liede aus dem Kuhländchen 'Wem gilt der Besuch?' (Meinert, Volkslieder in der Mundart des Kuhländchens 1817 S. 241) begrüßt der Fremde den Hausvater, Viehtreiber, die Wirtin, Köchin und Kuhmagd, ohne eine Werbung vorzubringen : 'Wie ies denn ounsa Voter, dar lange Mon? — Diett ai jeäner Schaier meißt har dos Koen\ Eine Schweizer Aufzeichnung bei Kochholz, Kinderlied S. 167 nr. 279 läßt auch die Begrüßung der Hausgenossen fallen : Wo ist denn der Vatter, der alte Mann? 'Er ist i der Chuchi und schärt die Pfann.' Wo ist denn die Muetter, die alti Frau? 'Sie ist i der Chammer und rutscht im Strau.' Wo ist denn der Sohn, der Grugelhuet? 'Er ist üfm Acher und zieht de Pflueg.' Wo ist denn die Tochter, die Lützelhübsck? 'Sie ist i der Stube-n und mutzt sech hübsch.' Wo ist denn die Chöchi, de Hasefratz? 'Sie ist i der Chuchi und spickt die Chatz.' Vgl. noch die unten zu nr. 140 angeführte paderbörnische Fassung. Der zweite Teil unsres Scherzdialogs von der Bes enbinders- hochzeit ist aus Anhalt-Dessau übereinstimmend mit der Bremer Fassung überliefert bei Fiedler, Volkslieder und Volksreime 1847 S. 84 = Wegener, Volkstümliche Lieder aus Norddeutschland 1879S.48nr. 163. Man hat auch in Bremen noch den Reim (1822): Bürstenbinders Tochter und Besenbinders Sohn Die haben sich versprochen, sie wollen einander hon. Die Mutter kam gelaufen und schrie im Laufen laut: 'Victoria, Victoria! meine Tochter ist ne Braut. Und wenns erst zusammen sind und haben dann kein Haus, So setzens sich ins Körbel ein und gucken oben heraus.' Ebenso Simrock, Das deutsche Kinderbuch3 nr. 324. Böhme, Kinderlied S. 129. Erk-Böhme, Liederhort 2, 677 nr. 884 'Bettelhoch- J) Im Druck steht: Hei. 74 132. Der Fuchs und das Pferd. zeit'. Schweiz : Brenner, Baslerische Kinderreime 1902 nr. 164. Schwaben: E. Meier, Volkslieder 1855 S. 65 nr. 362. Baden : Bender, Oberschefflenzer Volkslieder 1902 S. 251. Hessen: Hess. Blätter f. Volkskunde 1902, 48. Hessler, Hessische Landeskunde 2, 290. Halle: Kretzschmer, Volkslieder 1840 1, 259 nr. 147. Schlesien: Weinhold, Zs. f. Volkskunde 3, 229. Böhmen: Hruschka-Toischer, Volkslieder aus Böhmen 1891 S. 203 nr. 183. Rheinprovinz : Köhler- Meier, Volkslieder von der Mosel 1, 345 nr. 334. In Prosa aus Brandenburg : Kuhn, Märkische Sagen S. 267 'Die glückliche Besen- bindersfrau'. — Auch in dem einst beliebten Singspiele 'Harlequins Hochzeit' (1693 v. 425 bei Bolte, Die Singspiele der englischen Komödianten 1893 S. 161) wird die Heirat einer Besenbindertochter satirisch vorgeführt1). Zu der Aufzählung der ärmlichen Mitgift vgl. Zs. f. Volkskunde 13, 224 nr. 14. 1856 s.2u. ^32. Der Fuchs und das Pferd. 1815 nr. 46 = 1819 nr. 132. Aus dem Münsterlande durch die Familie v. Haxthausen (die Originalhandscbrift ist erhalten). An das Märchen vom alten Sultan (oben 1, 424) erinnert die Einleitung von dem seines altgewordenen Haustieres über- drüssigen Bauern 2). Die Haupthandlung, nach der das Pferd mit Hilfe des Fuchses den Löwen überlistet und ihn gebunden an seinem Schweife fortschleppt, finden wir mehrfach erzählt, nur daß meist an die Stelle des Löwen ein Wolf getreten ist. Im pommerschen Märchen 'Wie der Fuchs den Wolf an den Bauern !) Puckert dagegen läßt in dem nach dem Finnischen bearbeiteten Liede 'Annikas Freier' (Poetische Werke 1868 3, 217) das bescheidene Mädchen statt des goldstrahlenden und des silbernen Jünglings den Reis- mann wählen, vgl. Schröter, Finnische Runen 1834 S. 143. Neus, Ehstnische Volkslieder 1850 S. 116. Kalewipoeg, deutsch von Reinthal 1861 S. 105. Hurt, Setukeste laulud 1, 52 (1904). 2) Merkwürdig stimmt dazu der Eingang eines weißrussischen Märchens bei Federowski 2, 31 nr. 34 (Dähnhardt, Natursagen 4, 84), wo der von seinem Herrn verstoßene alte Graul dem Löwen begegnet und ihn durch Kraftproben wie das tapfere Schneiderlein (oben 1, 149) in Schrecken setzt. 132. Der Fuchs und das Pferd. 75 verriet' (Jahn, Volkssagen nr. 559) verspricht der vom Bauern gefangene Fuchs diesem einen Wolfspelz als Lösegeld und verschafft es ihm, indem er den Schwanz des Wolfes an den des Hengstes bindet. Im ostpreußischen Zs. f. Volkskunde 15, 345 rät der Fuchs dem hungrigen Wolfe, sich an den weidenden Schimmel her- anzuschleichen und sich seinen Schweif um den Hals zu binden. Ähnlich bei B. L. Fischer, Mundart des Samlandes 1896 S. 254 nr. 3 'Wi de Foaß dem Wulf möt da öle Kobbel anföad'. Weißrussisch bei Sejn 2, 265 und Kolmacevskij S. 236. Eine etwas abweichende Gestalt hat das Märchen in Nord- europa gewonnen. Seine Urform gibt Aarne, Leitfaden der vgl. Märchenforschung 1914 S. 80 nr. 47 folgendermaßen an: Der Fuchs frißt ein totes Pferd; da kommt der Bär und fragt ihn, wie er es gefangen habe. Der Fuchs sagt, er habe sich am Schwänze des in der Sonne Kegenden Pferdes festgebissen und so gerissen, daß das Pferd zu laufen anfing und lief, bis es tot umfiel. Der Bär geht, um dasselbe Mittel zu versuchen, und das Pferd galoppiert, als der Bär mit seinen Zähnen am Schwanz hängt, davon. In der norwegischen Fassung Asbjörnsens (nr. 74, 4 'Mikkel vilde smage hestekjod' == Dasent 1874 p. 127) haben auf- fälligerweise der sonst stets tölpelhafte Bär und der sonst so arglistige Fuchs ihre Rollen vertauscht, und ein ätiologischer Schluß ist an- gehängt. Wie der Fuchs vom Pferd fortgerissen wird, ruft ihm der Hase zu: 'Wo fährst du hin, Michel?' 'In der Eilpost, lieber Jens', antwortet der Fuchs. Da lacht der Hase sich die Lippen entzwei und hat seitdem eine Hasenscharte1). Schwedisch: Hylten- Cavallius, Wärend och Wirdarne 2, XXVI (Fuchs vom Hasen ver- lacht). Allardt, Nyländska folkseder 1889 S. 100 (desgleichen). Rancken-Vefvar, Djursagor frän Österbotten (Sv. lanclsmälen 1905, 44) nr. 8 Vargen ock räven' (Wolf vom Pferde geschleift), nr. 9 (Fuchs geschleift), nr. 36 'Räven ock hären' (Hase lacht).2) — Finnisch: Krohn 1, 373. Aarnes Register nr. 47; vgl. Krohn, Bär und Fuchs (Journal de la soc. finno-ougrienne 6, 70) und Dähnhardt, Natursagen *) Zu dieser Erklärung der gespaltenen Lippe des Hasen vgl. Dähnhardt, Natursagen 3, 22 f. 492. 4, 98 f. 237. 2) Auch im serbokroatischen Märchen bei Valjavec S. 278 nr. 66 = Krauss 1, 5 nr. 2 'Der Esel als König der Tiere' wird der Wolf, der seinen Schweif an den des Löwen gebunden hat, von diesem zu Tode geschleift. Aber die Fabel gehört einem ganz andern Kreise an; der durch den prahlenden Esel eingeschüchterte Löwe entspricht dem Tiger 76 132. Der Fuchs und das Pferd. 4, 237 F. — Estnisch: Kunder, Eesti muinasjutud 1885 S. 22. — Lappisch: Qvigstad-Sandberg nr. 54 'Ulven og rseven', vgl. 5. XIII1 (Wolf und Fuchs). — In einem afghanischen Märchen bei Thorburn p. 222 verheißt der Esel dem Wolf, der ihn fressen will, ihn reiten zu lehren, nimmt ihn auf den Rücken und trägt ihn ins Dorf, wo der Wolf übel empfangen wird. Im Negermärchen bei Harris, Nights with Uncle Remus p. 6 nr. 2 'Brother Fox catches Mr. Horse' läßt sich der Fuchs auf den Rat des Kaninchens an den Schwanz des scheinbar schlafenden Pferdes anbinden; Foulet (Le roman de Renard 1914 p. 558) 'erblickt darin eine direkte Über- tragung gedruckter europäischer Literatur. Bei den Chickasaw- Indianern (Journal of amer. folklore 26, 292), wo der Fuchs den Wolf an den Schwanz des Pferdes bindet, und den Berbern (Destaing, Beni-Snoüs 1, 254 nr. 4), wo der Schakal sich an den Schweif des sich tot stellenden Esels anknüpft, ist die Entlehnung noch deutlicher; ganz unzweifelhaft aber im neugriechischen Märchen 'Die Träume der Füchse' (Kretschmer nr. 21), wo der Esel des Popen die vom Fuchse gestohlenen Riemen seinem Herren wiederzuschaffen verheißt. In der 9. Branche des altfranzösischen Roman de Renart (v. 1640 ed. Martin; vgl. J. Grimm, Reinhart Fuchs 1834 S. CXXXI. Sudre, Les sources du roman de Renart 1892 p. 200. Foulet 1914 p. 444) nämlich streckt sich der Esel Tymer, der seinem Herren, dem Bauern Lietart, den vom Fuchse gestohlenen Riemen und das Fuchsenpaar herbeischaffen soll, scheintot vor Renarts Burg Mal- pertuis zu Boden. Hermeline, die Gattin Renarts, öffnet die Tür, erblickt die willkommene Speise und ruft Renart, der anfangs miß- traut und den Toten durch Bisse prüft. Tymer rührt sich nicht. Nun binden sich beide mit den Riemen an den Esel fest und ziehen ihn fast bis zur Schwelle, da gewahrt Renart seitwärts, wie der Tote ein Auge aufschlägt; schnell läßt er sich losbinden. Die in der Sukasaptati (Textus simpl. nr. 42—44. Benfey, Pantsch. 1, 505), den der Affe verlacht, weil er sich vor der bösen Frau fürchte ; aber als diese den Affen schilt, weil er ihr nur einen Tiger statt der versprochenen drei zum Verzehren bringe, ergreift der Tiger entsetzt die Flucht. Vgl. Möghavijaya 4, c. 13 (Z. f. Vk. 16, 268; dazu ZdmG. 61, 69 nr. 2); O'Connor nr. 13 (Tiger, Affe, Schakal); Steel-Temple p. 132; Folk-lore 19, 118; Grierson 7, 60. 9, 2,277; Rosen, Tuti-nanieh 2, 136; Sbornik Kavkaz. 17, 2, 164; Wlislocki, Volksdichtungen S. 404 = ZdmG. 42, 139; Krauss 1, 283 nr. 67 (Drache, Fuchs, Zigeuner). 132. Der Tuchs und das Pferd. 77 Füchsin spottet des Furchtsamen und knüpft sich noch fester. Jetzt erhebt sich plötzlich Tymer und schleift die jammernde Hermeline mit sich fort in das Bauernhaus. Auf diese mittelalterliche Dichtung hätte sich Krohn (Journal 6, 70) berufen können, wenn er die Fassungen, in denen der Fuchs und nicht der Bär oder Wolf geschleift wird, für die älteren erklärt. Doch wendet A. v. Löwis (Dähnhardt, Natursagen 4, 236) mit Recht ein, daß die 9. Branche als eine junge literarische Bearbeitung mit der Überlieferung sehr frei schaltet und verschiedene Zutaten und Abänderungen anbringt. Die ursprüngliche Form finden wir in der 7. Extravagante von Steinhöwels lateinisch-deutschem Äsop ed. Oesterley 1873 S. 203 'De lupo et asino' (= Grimm, Keinhart Fuchs S. 424 ; vgl. Hervieux, Fabulistes latins 22, 279. 308 und Camerarius, Fabulae Aesopicae 1570 p. 203), wo wie im französischen Epos der Esel allein ohne Ratgeber seine tapfere Tat ausführt, sein Gegner aber nicht der Fuchs, sondern der Wolf ist. Als der Wolf den Esel überfällt, bittet dieser, ihn doch nicht auf der Landstraße zu fressen, sondern aus Gerten einen starken Strick zu drehen und ihn daran in den Wald zu führen; dort möge er nach seinem Gefallen mit ihm verfahren. Dem Wolfe gefällt der Vorschlag, er bindet das Seil dem Esel um die Brust, und der Esel schnürt es dem Wolf um den Hals. Als der Wolf aber in den Wald gehn will, zieht ihn der Esel vor seines Herren Haus; dieser läuft mit seinen Knechten heraus, und sie schlagen auf den Wolf, der mit knapper Not dem Tode entrinnt. Steinhöwels Werk ist ins Französische (1484), Englische (1484. Neu- druck von J. Jacobs 1889), Niederländische (1485), Spanische (1489) und Cechische (um 1487, hsg. v. Ant. Truhlaf 1901 S. 138) übertragen; auf ihm beruht ein 1547 verfaßtes Meisterlied des Hans Sachs 'Der Esel fing ein Wolf (Fabeln ed. Goetze-Drescher 4, 261 nr. 405). — Diese Erzählung bietet ein Seitenstück zu der äsopischen Fabel 'Der Esel und der Wolf (nr. 334 ed. Halm), wo der gleich- falls Überfallene Esel den Wolf bittet, ihm einen Dorn aus dem Fuße zu ziehen, und ihm darauf einen furchtbaren Hufschlag auf den Kopf versetzt ; vgl. Oesterley zu Kirchhof, Wendunmut 7, nr. 43. Haltrich- Wolff, Zur Volkskunde der Siebenbürger Sachsen S. 502. Thiele, Der lat. Aesop, Einl. S. 58. Hervieux 22, 173 'De leone et equo' und 272 'De vulpe et mulo'. Sudre, Sources du roman de Kenart p. 332. 338. Etnogr. Zbirnyk 37—38, 56 nr. 41 (Wolf und Stute). 65 nr. 17. 78 133. Die zertanzten Schuhe. 1856 s. 215. 153. Die zertanzten Schuhe. 1815 nr. 47 = 1819 nr. 133. Aus dem Münsterland durch die Familie v. Haxthausen ; die Originalhandschrift ist betitelt 'Die zwölf Prinzessinnen'. Der Zug, daß der Soldat einen Schwamm unter das Kinn bindet, in welchen er den Schlaftrunk laufen läßt, ist aus einer andern päd er bö mischen Erzählung aufgenommen, die noch folgendes Abweichende hat. Es sind nur drei Königstöchter, deren Schuhe jeden Morgen entzwei gefunden werden. Wer die Ursache herausbringt, soll die jüngste zur Gemahlin haben, wer es aber nicht vermag, das Leben verlieren. Zwölf sind schon aufgehängt, da meldet sich der Soldat als der dreizehnte. Er schleicht ihnen nachts durch den heimlichen Gang nach (den un- sichtbarmachenden Mantel hat er noch nicht). Die drei Fräulein gehen bis zu einem See; da stehen drei große Riesen, jeder nimmt eine von ihnen auf den Nacken und trägt sie durch das Wasser zu einem kupfernen Schloß *). Der Soldat kann nicht nach, da erblickt er einen Löwen und einen Fuchs, die haben einen Mantel und ein Paar Stiefeln, wenn man die antut, so kommt man hin, wo man sich hinwTünscht. Die beiden streiten sich, wer die Wunschdinge haben soll; da spricht er: 'Geht dreißig Schritte weit, dann fangt an zu laufen ! Wer am ersten wieder hier ist, soll sie haben'. Kaum sind sie fort, so zieht er die Stiefel an, hängt den Mantel um und wünscht sich zu den drei Königstöchtern2). Er setzt sich unsichtbar zu der ältesten und ißt ihr alles vor dem Mund weg. Nach dem Essen fängt der Tanz an, und sie tanzen so lang, bis ihre Schuhe Löcher haben; dann tragen die Kiesen sie wieder über den See zurück. Er wünscht sich in sein Bett, so daß sie ihn wie in tiefem Schlafe finden. In der zweiten Nacht geht es ebenso, das Schloß ist silbern, und der Soldat setzt sich zu der zweiten. In der dritten Nacht ist es golden, und er sitzt bei der dritten, der zugesagten Braut. Am dritten Tag entdeckt der Soldat dem König alles und erhält die jüngste Schwester und nach des Alten Tod das Reich. Eine dritte Erzählung aus Hessen hat viel Eigentümliches. Eine Königstochter vertanzt alle Nacht zwölf Paar Schuhe, jeden Morgen muß ein Schuster kommen und zwölf Paar neue anmessen, die abends ab- *) Über die Reihe kupfern, silbern, golden vgl. S. 621 — . 2) Über die den Streitenden abgenommenen Wunsch dinge vgl. oben 2, 331; auch Prato, Ena novella monferrina 1882 p. 17 — 41 und Zachariae, Zs. f. Volksk. 16, 132 und Gott. gel. Anz. 1916, 572. 133. Die zertanzten Schuhe. 79 geliefert werden; dazu hält er zwölf Gesellen. Niemand weiss, wie die Schuhe nachts zerrissen werden. Als eines Abends der jüngste von den Gesellen die Schuhe herbeiträgt und die Jungfrau gerade nicht in ihrer Kammer ist, denkt er: 'Du mußt herausbringen, wie die Schuhe zerrissen werden', nnd legt sich unter ihr Bett. Nachts elf Uhr öffnet sich die Falltüre, es kommen elf Königstöchter herauf, die küssen sich einander, tun die neuen Schuhe an und steigen dann zusammen hinab. Der Gesell der sich uusichtbar machen kann, gebt nach ; sie kommen an ein Wasser, wo sie ein Schiffer in seinen Kahn nimmt. Dieser klagt, daß das Schiff schwerer sei. 'Ach,' sagen die zwölf Jungfrauen, 'wir haben doch nichts mitgenommen, kein Tuch, kein Päckchen.' Sie landen und gehen in zwölf verscbiedene Gärten, jeder gehört einer davon ; sie brechen die schönsten Blumen und schmücken sich damit. Nun gehen sie zu einem Schloß, wo zwölf Königssöhne sie empfangen und mit ihnen tanzen; alle sind lustig, nur eine nicht, die ist ieidmütig (es ist, als habe sie den schönen Schusterbuben gesehen und sich in ihn verliebt).1) Sie kehren wieder zurück, weil die Schuhe durchgetanzt sind. Oben werfen sie die zwölf Paar zum Fenster hinaus, wo schon ein ganzer Haufen Schuhe liegt. Der Gesell schleicht sich fort; am andern Morgen kommt der Meister und will der Königstochter die neuen Schuhe anmessen, sie liegt aber noch im Bett und heißt ihn wiederkommen. Als er wiederkommt, sagt sie, sie wolle keine Schuhe mehr, sie brauche nur ein Paar, das solle er ihr durch seinen jüngsten Gesellen schicken. Der aber sagt: 'Ich gehe nicht; erst ist die Reihe am ältesten.' Dieser putzt sich und geht hin; sie will ihn aber nicht, sondern den jüngsten. Der spricht wieder: 'Ich gehe nicht eher, als bis es an mich kommt.' So geht der zweite, dritte und alle einer nach dem andern hin, bis sie den elften auch zurückgeschickt hat. Da sagt der jüngste: 'Soll ich hin, so geh ich, wie ich da bin, und ziehe keine bessere Kleider an.' Wie er hinkommt, fällt sie ihm um den Hals und sagt: 'Du hast mich von den elfen erlöst, in deren Gewalt ich ge- wesen und von denen ich gepeinigt worden bin; ich liebe dich von Herzen, du sollst mein Gemahl werden.' Aus Niedersachsen bei Schambach-Müller S. 283 'Die zer- tanzten Schuhe' (auf den Rat eines Zwerges stellt sich der Bauer schlafend und folgt unsichtbar den sechs Königstöchtern). Aus Ost- preußen bei Lemke 2, 62 nr. 7 'Der dwatsche Hans' (folgt der l) Die Liebe der Prinzessin zum Schusterburschen stellt Thomas Deloneys Erzählung 'The gentle craft' (1598. ed. byA. F. Lange 1903) dar, die in England zum Volksbuch ward und als Schauspiel auch in Deutschland Verbreitung fand (Bolte, Das Danziger Theater 1895 S. 114). 80 133. Die zertanzten. Schuhe. Prinzessin, da er sich durch ein wunderbares Handtuch unsichtbar machen kann, in ihr unterirdisches Schloß, wo sie nicht tanzt, sondern liest und schläft). Aus dem Temescher Banat bei Zeynek, N.-Lausitzisches Magazin 42, 341 'Der Mantel' (den Tarnmantel erhält Hans für den Dienst bei der Hexe; zum Wahrzeichen bricht er einen kupfernen, silbernen und goldenen Zweig ab). Dänisch in Grundtvigs hsl. Register nr. 23 'Troldebruden'. Grundtvig, Minder 3, 11 'Prindsessen med de tolv Par Guldsko' = Stroebe 1, 97; hier folgt der Bursch mit seinem unsichtbar machen- den Stocke der Prinzessin, die allnächtlich zwölf Tänze mit dem Trold hält, und tötet diesen, bevor er sie heiratet, durch einen Nadel- stich und belebt die in Bäume verwandelten Menschen. — Schwedisch: Aberg nr. 223 (Om prinsessan i det underjordiska slottet'. — Norwegisch: Braset 2,186 'Kaangsdöttrin som va bort om dansa om netha'. — Isländisch in eigentümlicher Umformung bei Ärnason 1, 105. 107. 110. 115; Maurer S. 10; Lehmann-Filhes 1, 49; Rittershaus S. 316 nr. 85, 1 — 5 'Die verwünschte Eiben- königin'. Der Wintergast muß am ersten Sommertage das Geheimnis des Königs Oddur erraten haben oder das Leben verlieren; ersieht in der Weihnachtsnacht den König in einen Sumpf springen, folgt ihm und gewahrt, wie Oddur dort sich in Frauengewänder hüllt und von einem unterirdischen Könige als Gattin begrüßt wird. Als er dies am ersten Sommertage erzählt, dankt ihm Oddur, überträgt ihm die Regierurig und verschwindet. So bei Rittershaus nr. 85, 1 ; in andern Fassungen ist es ein Knecht, der die angebliche Wirt- schafterin, eine zum Magddienst bei den Menschen verwünschte Eibin, in der Weihnachtsnacht beobachtet und sie dadurch erlöst. — Französisch: Deulin, Contes du roi Cambrinus 1874 p. 61 'Les douze princesses dansantes' (sehr ähnlich der rumänischen Fassung). — Portugiesisch: Consiglieri Pedroso p. 85 nr. 21 'The seven iron slippers' (nur eine Prinzessin ; der Soldat folgt ihr in Nebelkappe und Siebenmeilenstiefeln). — Griechisch: Deltion 1, 693 nr. 20 Tb ä(pav%0 OKOVcpdroi = Garnett 2, 199. — Rumänisch: Wlis- locki, Zs. f. vgl. Litgesch. 11, 470 (eine dankbare Tote berät den Burschen ; vermischt mit der Merlinsage). Ispirescu nr. 22 = E. B. M., Roumanian fairy tales p. 1 'The slippers of the twelve princesses' = Brun 1894 nr. 3 'Les douze filles de l'empereur'; vgl. Säinenu p. 777 f. Archivio 1, 479. Melusine 8, 215. — Slowenisch: Gabrscek S. 226 nr. 29 (dazu Leichenfresserin). — Serbokroatisch 133. Die zertanzten Schuhe. 81 aus Kroatien: Stojanovic, Pueke pripov. S. 154 nr. 34 (verbunden mit der Hexenfahrt auf einen Berg, wie auch in einer isländischen, zwei mährischen und einer magyarischen Fassung). Kres 5, 143 nr. 42 (Einleitung ähnlich oben 2, 190, Schluß von der Prinzessin im Sarge). Aus Slawonien- Zbornik jslav. 18, 144 nr. 53 (die Prinzessin, die mit den Vilen getanzt, wird von ihrem Gatten geschlagen, bis Feuer von ihr fliegt). 18, 145 nr. 54 (vorher Tierschwäger, nachher Leichenfresserin wie Wolf, DHM. S. 258). Aus Serbien: Nikolic S. 221 nr. 23 = Chudjakov, Mater. S. 36 (der Held nimmt drei streitenden Teufeln Teppich, Tarnkappe und Knüppel im Sack ab; Schluß Hochzeit). Aus Syrmien: Bos. Vila 5, 74 (Hochzeit). Aus Bosnien ebd. 10, 108 (dazu Prinzeß im Sarge). = Ostojic S. 66 = Leskien S. 296 nr. 64 'Die Nachtschwärmerin'. — Bulgarisch: Sbornik za nar. umotvor. 1, 137 nr. 2 = Leskien S. 78 (der Held gewinnt die Zaubergaben wie im Serbischen und löst übernatürliche Aufgaben). 2, 187. 6, 173. 7, 159. 11, 132. Strauß S. 255. — Öechisch aus Mähren: Miksicek 1, 221 = Kulda 2, 153 nr. 5 'Das verschlafene Haus' (der Held im Faß fängt einen Wolf, erhält drei Wunschdinge; Prinzessin versinkt in die Hölle). Ed. Peck nr. 52 (ebenso). Kulda 2, 96 nr. 86 (Gräfin mit ihren beiden Töchtern versinkt). Stränecka S. 3 nr. 1 (der Bursch folgt mit Tarnkappe, Gerte und Ranzen der Königstochter, die jede Nacht zwölf Paar Schuhe zerreißt. Sie sinkt zum Schluß in die Hölle). Vaclavek, Val. poh. S. 9 (Held heiratet die Prinzessin). Pfikryl S. 273 (Prinzessin versinkt fluchend). Böhmen: Popelkovä, Na besede S. 149 nr. 16 (Zauberranzen; Prinzessin gehängt, durch Verbrennung des Leichnams erlöst). — Slowakisch: Sbornik mus. slov. spol. 17, 19 nr. 34 (die dritte Schwester, die nicht mittanzt, soll den Goldapfel, Birne und Beutel der Hexe holen ; s. oben S. 37). 17, 92 nr. 41 (zwölf Prinzessinnen tanzen in der Hölle, auf Befehl des Königs von Pferden zerrissen). — In einem polnischen Märchen, das Dobrowsky vor 1822 den Brüdern Grimm mitteilte, zertanzen drei Königstöchter, darunter zwei Zauberinnen, alle Tage zwei Paar Schuhe; sie waren nachts über Land geflogen. Aus Österr. Schlesien bei Malinowski 1, 28 (dazu Prinzessin im Sarge). Aus dem Krakauer Lande: Kol- berg 8, 141 nr. 55 und 56. Swietek S. 352 nr. 25 (Heirat). Wisla 8, 435 (ebenso). Lud 9, 179 — 183 (dazu Prinzessin im Sarge). Mater, i prace komis. je,zyk 1, 42 nr. 3 (die Prinzessin fällt schließlich tot nieder). — Kleinrussisch: Sadok Barg,cz2 S. 34 (der Teufel Grimm, Märchen- Anmerkungen III. Q 82 133. Die zertanzten Schuhe. muß dem Helden die Verschreibung der Prinzessin herausgeben). Bozdol'skyj nr. 63 (Etnogr. Zbirnyk 7, 129). Etnograf. Zbirnyk 15, 194 nr. 316 (dazu Prinzessin im Sarge). 29, 60 nr. 7 (aus Südungarn ; der Held verschmäht die Prinzessinnen). — Großrussisch aus dem Gouv. Orenburg: Afanasjev3 2, 223 nr. 167 (ähnlich Müller-Scham- bach). Aus Gouv. Perm ebd. 2, 225. Aus Gouv. Samara: Sadovnikov S. 52 nr. 7 = v. Löwis nr. 36 (Wunschdinge drei streitenden Brüdern abgenommen; Hochzeit). Aus Gouv. Wologda: Ivanickij S. 176 nr. 7 (wie im Portunatusmärchen entlockt die Frau dem Helden die Kleinode). Gouv. Tomsk: Zap. Krasnojarsk. 2, 173 nr. 40. — Litauisch: Veckenstedt 1, 196 nr. 46 'Beslea' (der Jüngling schneidet dem Sohne, den die Königstochter dem Drachen geboren, den Schwanz ab und wirft ihn ihr am andern Morgen ins Gesicht. Ob echt?) — Lettisch aus Livland: Treuland S. 190 nr. 113. — Finnisch: Aarnes Begister nr. 306. — Magyarisch: Erdelyi 2, 352 — Stier 1850 S. 51 'Der unsichtbare Schäferjunge' = Jones-Kropf p. 141 nr. 28. — Zigeunerisch aus Nordungarn: Groome p. 141 nr. 41 'The three girls' (nach B. v. Sowa). — Türkisch: Künos, Ossman-Török nepköltesi gyüjtemeny 1, nr. 20 = Stambul S. 107 nr. 15. Sbomik Millera S. 192 nr. 20. Die heimlich zur Nachtzeit tanzenden Prinzessinnen, in denen Sartori, Zs. f. Volkskunde 4, 205 tanzende Nebel- und Wolkenwesen erblickt, gehen wohl auf die Vorstellungen vom nächtlichen Tanze der Elfen und von den Hexenversammlungen zurück (J. Grimm, Mythologie3 S. 438. 1008). Um die Schuld der dem Helden zu- gedachten Jungfrau abzuschwächen, heißt es bisweilen, sie sei als die jüngste von den Schwestern mitgenommen, oder es sollten durch das Tanzen verzauberte Prinzen erlöst werden.1) Meist befreit der Held die Königstochter von dem auf ihr lastenden Banne und führt sie als Braut heim; doch schließen auch mehrere slawische Fassungen mit der Verdammnis derselben. In den isländischen Varianten dagegen kehrt die in Menschengestalt dienende Elbin, nachdem ihr Wesen erkannt ist, froh zu den Ihrigen zurück. Vgl. Polivka, Pohadkoslovne 1) In dem entstellten englischen Märchen 'Kate Crackernuts' bei Jacobs 1, 198 nr. 37 muß ein kranker Königssohn allnächtlich im grünen Hügel mit den Feen tanzen, bis eine Jungfrau ihm dreimal nachschleicht und die Mittel erhält, ihre verzauberte Schwester und den Prinzen zu heilen. 133. Die zertanzten Schuhe. 83 Studie S. 107—141 (Zs. f. Volkskunde 16, 207), der auch an die erotische Bedeutung des Schuhes erinnert (Sartori, Zs. f. Volksk. 4, 157). Eine verwandte Gruppe bilden die Märchen von der Braut des Hexenmeisters, deren bekanntester Vertreter Andersens 'Beisekamerad' ist. Hier gibt eine Prinzessin, die in einen häßlichen Zauberer verliebt ist1), ihren Freiern auf, ihre Gedanken zu erraten oder einen verborgenen Gegenstand herbeizuschaffen ; dies gelingt dem Helden mit Hilfe eines Dieners, der sich zuletzt als ein dank- barer Toter2) offenbart. Deutsch aus Südwestungarn: Bunker 5. 237 nr. 86 'Der Hansl und der Tote'. Aus der Bheinprovinz : Siinrock, Der gute Gerhard 1856 S. 89 = Simrock, Märchen S. 56 'Gedanken erraten'. Vom Harz: Ey S. 64 'Die verwünschte Prinzessin' = Zaunert S. 237. Aus Holstein bei Wisser, Eutiner Kalender 1917, 49 'Der dankbare Tote'. — Dänisch: Andersen, Der Beisekamerad 1836 = Gesammelte Märchen 1847 3, 85 (Christensen, Danske Studier 1906, 164. Brix, Andersen 1907 S. 223). Berntsen 1, 80 nr. 9 'Den hvide Mand og Kongesonnnen'. 2, 43 nr. 5 'Folgesvenden'. Kristensen, Aev. fra Jylland 1, 309 nr. 40 'Den gronne Dreng og de tre Hexe'. 4, 64 nr. 10 'Ligets HJEelp'. Grundtvigs hsl. Begister nr. 67c 'Den dodes hjselp'. — Schwedisch: Aberg nr. 96 'Om den frikostiga härm'. Allardt nr. 81 lFöljis-vänn'. Hackmans Begister nr. 507. — Norwegisch: Asbjörnsen nr. 100 'Folgesvenden' (zuerst 1855 gedruckt) = Stroebe 2, 25 = Dasent 1874 p. 71. Haukenses S. 62 'Kongesonnens drom'. — Englisch: Halliwell, Populär rhymes p. 67 'Jack the giant killer' = Hartland, English fairy tales p. 3 = Jacobs 1, 99 nr. 19. Groome, Folk-lore 9, 237. Vgl. E. Köhler 1, 226 und Gerould, The grateful dead 1907 p. 70. — Irisch: Kennedy, Legendär fictions p. 32 'Jack the master and Jack the servant' = Knortz 1886 S. 75 nr. 41. Hyde p. 18 'The King of Ireland's son\ Dottin, Contes et legendes d'Irlande p. 55 'Le mort reconnaissant et la magicienne' = Gaelic Journal 10, 593. Larminie p. 155 'Beauty of the world'. Curtin, Myths of Ireland p. 186 'Shaking-head'. Curtin, *) Vgl. Kittredge, Studies and notes in philology of the Harvard university 8, 250 (1903). 2) Vgl. über diesen Stoff Bolte, Zs. f. Volksk. 25, 33 'Der dank- bare Tote'. 6* 84 134. Die sechs Diener. Hero tales p. 122. 312. — Rumänisch: Schott, Die beiden Kreuzbrüder (Hausblätter hsg. von Hackländer und Hoefer 1857, 4, 470. Der Tote bricht einen Zweig im eisernen und kupfernen Walde ab und raubt in Katzengestalt beim Drachen Taschentuch, Löffel und King der Prinzessin). — Serbokroatisch: Vuk Kara- dzic 1870 S. 217 nr. 3 = 1897 S. 221 nr. 56 — Jagic nr. 21 (Archiv f. slav. Phil. 2, 621) — Krauss 1, 385 nr. 85 'Der Vilaberg' (statt der Prinzessin eine Wila, deren Blick den Jüng- ling stumm und blind macht; der vom Galgen Losgekaufte nötigt die Wilen, ihn zu heilen und ihm eine Gattin zu geben). Bos. Vila 23, 239. 253. 269. — Finnisch: Salmelainen 4, nr. 11, 2. Aarnes Register nr. 507 'Der Kopf des Unholdes'. — Durch die Portugiesen ist das Märchen auch zu den Kaf fern an der Delagoa- bai gelangt: Junod, Les Ba-Ronga p. 317 nr. 30 'La falle du roi'. Die in dieser Märchengruppe auftretende Jungfrau, die allnächt- lich einen Dämon besucht und ihre Freier in den Tod schickt, steht in der Mitte zwischen der gleichfalls Rätsel aufgebenden buhlerischen persischen Königstochter (oben 1, 198) und der mit bösen Geistern oder Drachen behafteten Braut in den orientalischen Fassungen des dankbaren Toten (Zs. f. Volksk. 25, 49). Denn wie in diesen der Genosse des Jünglings in der Hochzeitsnacht die aus dem Munde der Braut hervorkriechende Schlange tötet, ja die Braut in zwei Hälften spaltet und wieder zusammensetzt, so wird bei Bunker, Ey, Andersen und Asbjörnsen die Prinzessin erst in der Hochzeitsnacht durch ein Bad völlig entzaubert. 1856 s 217 134. Die sechs Diener. 1819 nr. 48 aus dem Pader börnischen. — Siehe oben 2, 79 zu nr. 71 'Sechse kommen durch die ganze Welt'. Vgl. Benfey, Kl. Schriften 3, 151 und Kittredge, Studies and notes in philology and lit. of the Harvard university 8, 226 (1903). — Die 2, 80 ab- gedruckte Fassung von 1783 ist in E. M. Arndts Märchen 1902 2, 223 'Der starke Hans' verbunden mit der Christophoruslegende und dem Märchen von den drei Hunden. Die Erzählung der Gräfin Aulnoy (2, 85) ist vielleicht aus einer Version hervorgegangen, in der 135. Die schwarze und die weiße Braut. 85 ein Geschlechts Wechsel des Helden stattfand wie im griechischen Märchen bei Hahn nr. 58 = Kretschmer nr. 56, im rumänischen oben S. 24 und in der altirischen Erzählung bei Gaidoz, Revue de bhist. des religions 57, 317 ; vgl. Benfey, Pantschatantra 1, 42 und Hertel, ZdmG. 61, 18. — Zu den Varianten unserer nr. 71 sei nachgetragen: Jegerlehner, Oberwallis S. 129 — Bächtold S. 19. Westpreußisch : Preuß S. 56 'Prinzessin Bernstein'. Schwedisch : Lindskoug nr. 4 'De tre proven'. Italienisch : Zanazzo p. 123 nr. 21 'La barca'. Coronedi-Berti nr. 4 = 1883 nr. 17. Griechisch : Hahn nr. 63 = Kretschmer nr. 57. Serbokroatisch : Zbornik jslav. 17, 347. 19, 40. 61 nr. 12. Bos. Vila 27, 227. Krauß, Tausend Sagen 1, 345 nr. 97. Bulgarisch: Sapkarev8 — 9,19 nr. 13 = Leskien S. 34 nr. 5. Cechisch: Kubin, Podkrkonosi 1, nr. 134. Ed. Peck nr. 32. Pfikryl S. 233. Polnisch: Wisla 13, 558. Kaschu- bisch : Lorentz, Teksty S. 302 nr. 400. S. 429 nr. 547. Kleinrussisch : Rudcenko 2, 78 nr. 25 — v. Löwis nr. 4. Zigeunerisch aus Böhmen : Jesina S. 199. Armenisch: Chalatianz S. 51 = Folklore 22, 476. Ingusch: Sbornik Daskov. 3, 151. Mongolisch: Bennigsen S. 55 nr. 29. 135. Die schwarze und die weisse Braut. 1856 s. 217. 1815 nr. 49: aus dem Mecklenburgischen und Pader- börnischen. Von Jacob Grimm erzählt (Die Ente am Gossenstein). Nach der einen Erzählung wird der Bruder nicht bloß unter die Schlangen gesetzt, sondern wirklich umgebracht und unter die Pferde im Stall begraben. Die Ente kommt abends ans Gatterloch geschwommen und singt: Macht auf die Tür, daß ich mich wärme! Mein Bruder liegt unter den Pferden begraben. Hauet den Kopf der Ente ab! wodurch die Handlung des Königs, daß er ihr den Kopf abhaut, woran ihre Lösung gebunden war, besser begründet wird. Am Ende wird der Bruder im Stall ausgegraben und stattlich unter die Erde gebracht ; vgl. den singenden Knochen (nr. 28). Über die Bestandteile des dem Kreise der unter- geschobenen Braut zugehörenden Märchens vgl. oben 1, 85 zu 86 135. Die schwarze und die weiße Braut. nr. 11: Die gute Schwester erhält vom lieben Gott Schönheit und Reichtum, die böse Häßlichkeit (B). Der einfache Gegensatz von Schwärze und Weiße für Häßlichkeit und Schönheit, Sündlichkeit und Reinheit läßt an die Mythe von Tag und Nacht (und der Nacht Tochter) denken und an die Bertasage, die mit unserm Märchen ebenso wie mit dem von der Gänsemagd (2, 273) verwandt ist; Berta (die weiße, biort) drückt, wie W. Grimm bemerkt, schon im "Wort den Tag und das Tagesbrechen, des Tages Anbruch aus1). Beim Bruder sieht der König ein Bild der Schönen2) und sendet ihn aus, um in seinem Namen um sie zu werben (C2). Der Name Regirier ist in dieser Geschichte vielleicht schon alt ; aus den alten Marschällen, Stallmeistern und Wagenführern sind in der späteren Yolksansicht Kutscher geworden, wie aus den Helden Soldaten. Darum, daß der Bruder bei den Pferden ist und unter ihnen begraben wird, erinnert er an das Roß Falada in nr. 89, dessen Stelle er hier vertritt. Eigentümlich ist das undeutliche Sprechen des Bruders, das unterwegs die Stiefmutter ausnutzt, um der Braut das Plochzeitskleid auszuziehen und sie ins Wasser zu stoßen (D1* 3). Die Ertrunkene kommt als Ente nachts zurück, sich am Küchenfeuer zu wärmen 3) und redet mit dem Küchenjungen wie in nr. 11 und 13 mit dem Hündchen oder der Magd, bis das drittemal der König kommt und durch Enthauptung der Ente4) den Zauber löst (E2). Nun wird der gefangen gesetzte Bruder (E) befreit und die An- J) Indem die ins Wasser Gestoßene, sagt W. G-rimm, als schnee- weiße Ente aufsteigt und fortlebt, erscheint sie als Schwanenjungfrau; ebenso ist die nordische Schwanhild weiß und rein wie der Tag im Gegen- satz zu ihren rabenschwarzen Stiefbrüdern. Auch gibt es eine altdeutsche Erzählung von einem weißen und schwarzen Dieterich, Zwillingsbrüdern, und eine schwarze und eine weiße Tochter kommen in einem schwedi- schen Volksliede (Geijer und Afzelius nr. 16 'Den underbara harpan') vor. 2) So begehrt Pipin in der Weihen stephaner Chronik (Aretin 1803) ein Bild der fernen Berta und sendet seinen Hofmeister, damit er prüfe, ob sie dem Bildnis gleiche : 'Ist die Jungfrau als schön, als man sie hat gemalt, so will ich sie gern haben zu einem Weibe'. Liebe durch Bild: Chauvin, Bibl. arabe 5, 132. 3) So kehren Ertrunkene der altnordischen Sage mit ihren nassen Kleidern nachts heim, setzen sich ans Feuer und winden die Rocke aus (Eyrbyggja Saga S. 274. 276). 4) Entzauberung durch Enthauptung: oben 1, 9, ferner z. B. Giuudtvig, Polkviser 2, 199 nr. 62. Landstad, Norske folkeviser nr. 1, v. 62. Asbjörasen nr. 29. 31. 135. Die schwarze und die weiße Braut. 87 stifterin des Unheils wie oben 1, 108 in einem Nagelfasse zu Tode gemartert (G). In einem heanzischen Märchen bei Bunker nr. 64 = Zs. £. Volksk. 8, 84 'Die Waisen' ruft nicht der Kutscher, sondern die im Wagen neben der Königsbraut sitzende häßliche Begleiterin : 'Madl, tunk ti, taß ti ta Beign nit aunspritzt und taß ti t Sun nit aunplitzt ! Sunst pist tu tes Tätas'. Aus Meiningen bei Bechstein 1845 S. 225 = 1874 S. 203 'Zitterinchen' ; hier hört der Diener nachts eine weiße Gestalt mit Ketten rasseln und ihr Hündchen nach ihrem Bruder, ihrem Bilde und nach der alten Kammerfrau fragen. Aus Holstein bei Wisser, Plattdeutsche Vm. S. 72 'De lütt Ent' (B C2 D4 E F2). Drei vi am i sehe Fassungen bei Wolf, DMS nr. 19 'Die beiden Bräute', bei Firmenich 3, 664 'Van de swerte Mergriet' und bei De Cock und de Mont, Wondersprookjes S. 164 nr. 20 'Van de schoone schildersdochter, de booze zwarte Griete en Kokodeike', haben den gleichen Verlauf (C2D1-3EF2) und lassen neben der falschen Braut, der 'schwarzen Grete', ein treues Hündchen Gillegillegouwken oder Kokodeike die Seereise mitmachen. In der ersten Version holt nicht der Bruder die Königsbraut, sondern ein Gesandter, den die schwarze Margarete mit ihrer Mutter unterwegs tötet ; in der zweiten sagt die Magd dem Bruder, die Braut sei aus Versehen ins Wasser gestürzt, und er willigt ein, sie für seine Schwester auszugeben ; in der dritten, fehlt der Begleiter; der König sieht das Bild der Schönen auf d«r Tabaksdose ihres Vaters. — Dänisch, wie schon 1,101 angeführt, bei Grundtvig, Minder 3, 112 'Den lille And', Berntsen 1, lö^r/Den lille hvide And', Kristensen 1, 111 'Jomfru Klaroje' und 1, llQiADea lille Vildand' = Stroebe 1, 21 nr. 4 und Fra Bindestue 1, 41 'Deft hvide And', ferner bei Grönborg S. 101 'Soster i Fjederham OgBrodei' i Blätärn'. — Schwedisch: Hylten-Cavallius nr. 7c- ^ungfjrau; Swanhwita und Jungfrau Bäfrumpa'. Volksbuch 'Sewe. eller-den. talande Hunden' 1828 (Bäckström 3, 38). Aberg nr. 23 'Qm s.tyd^rpnj som fikk gullhär o gullkläning' ; nr. 57 'Om stalldrängen,$,rsyster;;.§Qm blef gift med en kung' (Meerweib tauscht Kleider mit deA.HeJdjin); nr. 66 'Prinsen, som fria til stalldrändjis systron' (die;. Hex Bedeutet des Bruders Mahnung, sich vor der Sonne zu schützen, der Heldin falsch wie im Deutschen). Hackmans Register rnrr.L40^3a. Ij— Nor; wegisch: Asbjörnsen nr. 55 'Bruskebruden' = J_)as.ent ^I8$9^pT.37i, Bergh, Sogur S. 1 'Stygbödne'. Skar 6, 124 'Den umskapte -Piim* 88 135. Die schwarze und die weiße Braut. sessa' (B C2 D3- 4 E F2). — Seltsam verzerrt und mit dem Motiv der geduldigen Frau verquickt erscheint die Bertasage in dem isländi- schen Märchen von Finna der Voraussichtigen (Arnason 2, 383 = Poestion S. 186. Maurer S. 282. Rittershaus S. 85): infolge eines Fluches der Stiefmutter muß Geir, der die kluge Finna gefreit hat, mit seiner Schwester Ingibjörg drei Kinder zeugen1), und erst als seine Gattin geduldig dazu schweigt und auch ihrem Bruder Schweigen gebietet, ist der Fluch gelöst. — Mit vielen hübschen Zügen erzählt die Gräfin d' Au In oy(Contes des fees 1702 S. 274 = Cabinet des fees 2, 230. 1785. Kletke 1, 167) das Märchen 'Rosette' (C^'^EF5). Statt des einen Bruders der Heldin führt sie zwei ein, die dem Pfauenkönig das Bildnis der Rosette zeigen, und läßt Rosette auf der Seefahrt von niemandem begleiten als ihrer Amme, deren Tochter und dem Hündchen Fretillon. Sie wird in ihrem Bette schlafend ins Meer geworfen und landet gleich dem Könige Scyld Scefing in der angelsächsischen Sage (Grundtvig bei J. Grimm, Kl. Schriften 4, 185), der auf einem Strohbund schlafend angeschwommen kommt. Ihr Hündchen holt ihr Speisen aus der königlichen Küche und veranlaßt die Erkennung der wahren Braut. Nur einen schwachen Nachhall bietet Blanchebelle in der Sammlung 'Les illustres fees' (Cabinet des fees 5, 5). In der gasconischen Fassung bei Blade 1, 227 'Le drac' (C2D1-3EF2. R. Köhler 1, 125) sind es ebenfalls zwei Brüder, die dem Königssohn ihre Schwester holen sollen; der Kleidertausch in der Kutsche wie im Deutschen, die Stiefmutter und deren Tochter werden gleich nach der Ankunft ertränkt, die rechte Braut nach ihrer Rettung aus dem Sumpfe nochmals vom Meerdrachen geraubt. Bei Sebillot 3, 197 nr. 20 'La sirene' (C2D1-3EF2) kommt die von der Nixe an einer Kette gehaltene Schwester aus dem Flusse auf das Boot, auf dem ihr Bruder nackt mit Honig bestrichen gebunden liegt, und wehrt ihm die Fliegen ab. Luzel, Contes 2, 371 nr. 9 'Les enfants de la Croix-Ruduno'. Du Meril, Etudes S. 473. — Ita- lienisch bei Basile 4, nr. 7 'Die zwei Kuchen' (B C2D1- 3E F2): Marziella, die von ihrer Tante ins Meer gestürzt und von der Meer- frau an eine Kette gelegt ist, füttert die am Ufer weidenden Gänse des Königs, die daheim von ihrer Schönheit erzählen. Ebenso bei *) In der rumänischen Fassung bei Schullerus nr. 36 befiehlt ein König seinen drei Söhnen, ihre drei Schwestern zu heiraten ; der jüngste Sohn und die jüngste Tochter erklären dies für Sünde und werden ver- stoßen. 135. Die schwarze und die weiße Braut. 89 Gonzenback nr. 33 'Von der Schwester des Muntifiuri' (C2Dl- 3 EP2), wo der Bruder enthauptet wird und die Schwester nachts an seinem Grabe klagt, und nr. 34 'Von Quaddaruni und seiner Schwester' (B C2 D1' 3 E F2), wo uie rechte Braut mit ihrer JBase allein im Boote fährt und wie im Deutschen die liebevollen Worte des am Strande entlang gehenden Bruders nicht recht versteht. Pitre 2, 55 nr. 59 'La figghia di Biancuciuri', nr. 60 'Ciciruni', nr. 61 'Burdilluni'. Imbriani2 S. 314 nr. 25 'Oraggio e Bianchettina' = Paul Heyse S. 101 = Crane S. 58 nr. 12 (C2 D1, 3 E F2. Der Bruder ruft vom Ufer der Schwester zu ; die Gänse erzählen von dem schönen Mädchen aus dem Meere.) *) De Nino 3, 104 nr. 19 'La giovane ingraziata' (der Bruder fehlt. Augen ausgestochen. Schluß abweichend). De Gubernatis, Die Tiere S. 579 (C2D1-3EF2. Die Ente beweint ihre sieben Brüder; der König tötet die Sirene und durchhaut die Kette). Finamore 1, 65 nr. 15 'Fiore e Cambedefiore' (BC2D1-3EF). Zanazzo p. 204 'Bei Miele e Bei Sole'. Archivio 2, 36 'Lu re Ingria' (C D1- 3 E F2) aus Sardinien ; ebd. 10, 245 'El pesse-can' (C2 D1- 3 F) aus Dalmatien mit der gleichen Reihe von Verwandlungen wie in dem oben 1, 89 zu nr. 11 zitierten griechischen Märchen: aus dem Herzen des Haifisches, der die rechte Braut verschluckt hat, entsprießt ein goldener Baum, den die Kaiserin fällen läßt, und aus einem Scheit in der Hütte eines armen Mannes wieder das Mädchen. Bei Schneller nr. 22 'Das Mädchen mit den goldenen Zöpfen' (C2 D1, 3 F) darf ähnlich wie bei Gonzenbach nr. 33, Finamore, B. Schmidt, Kres, Gerle kein Sonnenstrahl auf die Braut fallen2), und der Bruder muß auf Betreiben der falschen 1) Dieser Schluß, daß die Gänse verkünden: 'Cocö, la bella padrona ch' io ho', begegnet auch bei De Gubernatis, Novelline di Santo Stefano nr. 9 'Le oche'. 2) Ein Sonnenstrahl verwandelt das Mädchen in eine Schlange: Nerucci nr. 32 'La ragazza serpe', Pitre, Fiabe 2, 74 nr. 61 'Burdilluni', Archivio 23, 417; er macht sie schwanger: Athaide Oliveira 1, 9 nr. 3 'A filha do sol'; abgeschwächt bei Strauß, Bulgarische Volksdichtungen 1895 S. 146 'Jana und die Sonne'; Etlar 1891 S. 197 'Klaus Soldat'. Prinz Anilioos (Ohnesonne), der nachts die Zauberin Irene besucht, stirbt, als ihn ein Sonnenstrahl trifft: Heuzey, Le mont Olympe 1860 p. 453; ebenso König Trojan bei Woycicki-Lewestam S. 3, Schles. Pro- vinzialblätter 4, 92 (1865) und in einem Gedicht von E. Ferrand (Kletke, Album deutscher Dichter 1862 S. 372). Nach nordischer Sage werden Riesen und Zwerge durch die aufgehende Sonne zu Stein verwandelt (Gering, Edda S. 86 und 156: Alvissrnöl 36 und Helgakvipa Hjorvarbs- sonar 29. J. Grimm, Myth. 3, 158). 90 135. Die schwarze und die weiße Braut. Königin eine Reihe schwieriger Aufgaben lösen. — Katalanisch bei Maspons, Cuentos p. 18 = Sebillot, C. espagnols p. 77 'Sang et neige'. — Portugiesisch bei Consiglieri-Pedroso S. 90 nr. 22 "Themaiden, from whose head pearls feil on combing herseif' (CD1-3 E F) ; die vom Walfisch verschluckte Jungfrau wird von einem Diener gerettet und fragt den Hund Cylindra nach ihrem Bruder. Aus Brasilien bei Romero nr. 29 'A rainha que sahiu do mar' (Augen aus- gestochen). — Rumänisch: Schullerus nr. 36 'Die Tochter und der Sohn des Königs' (Archiv 33, 469. C2 D3 E F1 G; Augen ausgestochen und gekauft). Obert nr. 31 (Ausland 1858, 90); vgl. oben 279. — Albanesisch: Pitre, Cartelli p. 371 nr. 2 'La bella fata' (die in der Hochzeitsnacht untergeschobene Schöne zeigt dem Könige nach dreizehn Jahren ihre damals empfangenen beiden Söhne). — Griechisch bei B. Schmidt S. 98 nr. 13 'Der Riese vom Berge'. Hier rühmt der Vater des Mädchens auf dessen Begehren dem Riesen seine Tochter; durch einen Sonnenstrahl wird sie unterwegs in eine Eidechse verwandelt. — Serbokroatisch im Kres 5, 199 nr. 45 : Die Heldin soll nach der Verwünschung ihrer Mutter zur Schlange werden, sobald die Sonne sie beleuchte. Der Bruder, bei dem sein Herr die Photographie der Schönen gesehen hat, fährt sie in einem geschlossenen Wagen, aber von der Köchin überredet, blickt sie hinaus, verwandelt sich in eine Schlange und wird von der Köchin enthauptet ; doch aus der Asche des Schlangenkopfes entstehen drei Rosen, die hinter das Bild der Jungfrau gesteckt, wieder menschliche Gestalt annehmen. Stojanovic, Nar. pripov. S. 150 'Die weiße und die schwarze Braut' (wohl aus Grimm übersetzt; Reginer heißt Vladko). — Slowakisch bei Rimanski 102 nr. 8 = Xemcovä 1, 155 nr. 16 = Ausg. 1908 1, 281 = Dobsinsky 4, 43 nr. 43. Anicka, welche die goldenen Enten (Wasserjungfrauen) liebt, ist deshalb 'von Rosen umwachsen', ihre unfreundliche Stiefschwester Kata aber von Dornen. Die Stief- mutter stürzt Anicka auf der Fahrt zu dem Herrn, der sich nach ihrem Bilde in sie verliebt hat, ins Wasser ; erzürnt jagt der Herr die falsche Braut fort und läßt Anickas Bruder im Schornstein er- sticken; als dort nachts eine Ente erscheint und klagt, hält er sie fest, bis sie zur Jungfrau wird. Bei Skultety-Dobsinsky S. 156 nr. 16 = 2. Ausg. S. 376 nr. 28 besitzt der Bruder der goldhaarigen Otolienka ein Haar von ihr, das (ebenso wie die Feder des Gold- vogels bei R. Köhler 1, 467. 542) das Verlangen des Herrn erregt; 135. Die schwarze und die weiße Braut. 91 aber die Hexe hackt der Braut im Wagen Hände und Füße ab und wirft sie ins Meer; der Bruder wird bis zum Gürtel eingegraben; die zur Ente gewordene Jungfrau erhält für die geweinten Perlen und die gelächeiten Rosen ihre Glieder zurück und sucht den Bruder auf; die Hexe wird in ein Nagelf aß gesteckt. — Cechisch: Die Sagen der böhmischen Vorzeit, Prag 1808 S. 141 — 185 enthalten eine moderne schlechte Überarbeitung, deren Eingang von Blumen und Perlenkämmen handelt; die Schöne muß vor freier Luft und Sonnenstrahl gehütet werden, doch unterwegs zerbricht die böse Hjexe das Kutschenfenster, daß Luft und Sonne eindringt, da wird sie in eine goldene Ente verwandelt. Ebenso bei Gerle 2, 325 'Die goldene Ente' ; vgl. Tille, Ö. poh. do r. 1848 S. 14. Vgl. oben 2, 277. —Wendisch: Nawuka S.35 nr.23 (B C2 D1- 3 F2; Stiefmutter durch Pferd zu Tode ge- schleift). — Polnisch aus dem Krakauer Land bei Kolberg 8, 54 nr. 22 : nicht der Bruder, sondern ein Gärtnerssohn zeigt dem Könige das Bild der goldhaarigen, Perlen weinenden und Posen lachenden Jungfrau ; die untergeschobene Stiefschwester wird zurückgeschickt, die ausgestochenen Augen für Perlen eingetauscht ; der König findet die Schöne im Walde auf der Jagd. — Kaschubisch: Lorentz, Teksty S.49nr.88(BC2D1-3EF1G). S. 568 nr. 699 (BC2D1-3E1F1G). — Klein- russisch aus Ostgalizien bei Kolberg, Pokucie 4, 7 : die Hexentochter, die der Jungfrau Maria ein Leinen für ihr Kind verweigert, wird von Petrus und Paulus damit gestraft, daß Frösche aus ihrem Munde, Schlangen aus der Nase und Eidechsen aus den Augen fallen, der gutherzigen Stiefschwester aber goldene Ringe, Armspangen und Perlen. Der Bruder der Schönen kommt aus dem Dienste des Kaisers in die Kapelle, wo sie sich aufhält; aber die Hexe versetzt sie hinter den Glasberg zur vierundzwanzigköpfigen Unholdin und stellt ihre Tochter in die Kapelle, wo sie des Prinzen Soldaten abholen. Als der Prinz den Betrug entdeckt, zieht er mit einem eisernen Stabe aus, die rechte Braut zu suchen ; dann ähnlich wie im Trommler (nr. 193). Aus dem Gouv. Poltawa bei Cubinskij 2, 454 nr. 139 (kein Bild; Verwandlung in Ente beim Baden; eine alte Frau entzaubert sie) und 140 (die Gaben stammen von zwei befreiten Hechten her; der Koch des Prinzen kriecht im Walde in das neue Nest des ver- zauberten Vogels und findet ein Kind); ebd. 2, 24 nr. 6: die Braut des Prinzen, der beim Lachen Gold, beim Weinen Perlen entfallen und unter deren Tritt Blumen aufsprießen, wird durch ihr Kammer- mädchen geblendet und erhält die Augen für gestickte Handtücher 92 135. Die schwarze und die weiße Braut. wieder (wie bei Weryho lett. nr. 22); aber die falsche Braut holt die in einem Ei verborgene Seele der rechten aus der Schwarz- pappel und schließt das Ei in einen Koffer; ein Knabe, den der Prinz in der Kapelle beim Sarge gefunden, nimmt es und zerbricht es; da lebt die Tote wieder auf. Ebd. 2, 27 nr. 7 ist der Eingang dem Märchen vom dankbaren Toten entlehnt; die geblendete Schöne erbaut ein Wirtshaus, wo der König sie sieht und liebgewinnt; die eifersüchtige Königin läßt sie erstechen, aber sie gebiert ein Knäblein, das die Mutter zum Leben erweckt. — Weißrussisch bei Glihski 3, 94 nr. 5 = Chodzko S. 315 = Godin S. 90 'Von der Jungfrau mit den Perlentränen, den unverwelklichen Rosen und den goldenen Fischlem* (B C2 D1, 3 E F); als die in eine Ente verwandelte rechte Braut nachts den Sarg des Bruders aufsucht, verbrennt der König das von ihr abgelegte Gefieder. Aus dem Gouv. Grodno bei Pederowski 2, 280 nr. 319 : zwei Greise begaben die Stiefschwestern, der Bruder als Pferdehirt des Königs malt das Bild der Schönen, Entengefieder verbrannt. — Großrussisch bei Afanasjev nr. 147: die Braut fährt mit ihrem Bruder Prinz Dmitrij übers Meer zu Prinz Iwan, der ihr Bildnis bei jenem gesehen hat; von der Amme in eine Ente verwandelt, besucht sie nachts den eingekerkerten Bruder; Iwan verbrennt ihr Federkleid1). Aus dem Gouv. Rjazan bei Chudjakov 3, 139 nr. 113 (der Bruder nicht verurteilt ; das goldene Fischlein erscheint in dem Schlafzimmer des Königspaares) und 2, 71 nr. 56: (zuerst Motive aus Einäuglein oben nr. 130 und Aschenputtel nr. 21; ein Jahr nach der Hochzeit lockt die Stief- mutter die Heldin ins Dampfbad und verwandelt sie in einen Luchs ; der Herr sieht, wie die Kinderfrau das Kind aufs Feld zum Luchs trägt, und verbrennt die abgelegte Luchshaut2). Ähnlich, nur kürzer bei Afanasjev3 2, 153 nr. 149. — Litauisch bei Dowojna Sylwestrowicz 1, 292 (der Schustersohn bringt dem Prinz, mit dem er zusammen erzogen ist, die Bilder von drei Prinzessinnen und *) Dagegen gehören die nr. 194a— b Afanasjevs (= A. Meyer 2, 136), die gleichfalls mit der Liebe zum Bildnis der Schönen beginnen, zum Cymbelin -Kreise; vgl. Boccaccio, Dec. 2, nr. 9. R. Köhler 1, 212. 375. 581. 2, 463. Child, Ballads nr. 268. G. Paris, Bomania 32, 481. Modern lang, notes 24, 218. Pypin, Ocerk liter. istorii star. pov. i skazok rus. S. 277. 2) Das Motiv von der in ein Tier verwandelten jungen Mutter, die nachts zu ihrem weinenden Säuglinge zurückkehrt, begegnete schon oben 1, 96 in nr. 11 und 13. 135. Die schwarze und die weiße Braut. 93 entführt die jüngste zu Schiff; dann wie der treue Johannes nr. 6) und 1, 394 (Prinz kommt als Kaufmann zur Prinzeß). — Lettisch bei Weryho S. 170 nr. 22 (die Braut im Walde von ihrer Freundin geblendet, die dem Prinzen meldet, jene sei krank und sende sie als Stellvertreterin; Bruder eingekerkert; Augen für Teppiche ein- getauscht ; Wiedersehen im Wirtshause). — Estnisch bei Kallas nr. 48 'Das in eine Ente verwandelte Mädchen' (Bild vom Bruder gemalt; Ente von der Wirtin entzaubert). Dähnhardt 3, 435 (Braut vertauscht wie Aschenputtel; Kindbetterin von der Stiefmutter in eine Wölfin verwandelt; der Mann verbrennt die Wolfshaut). — Finnisch bei Salmelainen 1, 77 nr. 8 = Bertram, Jenseits der Scheeren S. 18 = Schreck S. 74 'Das dem Meere entstiegene Mädchen' — Hertzberg S. 67 = Chudjakov, Materialy S. 51 nr. 8 (C2D1-3EF2): das im Meere gefangene Mädchen stickt eine Mütze, Hemd und Hosen und sendet sie nachts durch ihr Hündchen Pilkka dem Königs- sohne, um ihren Bruder aus der Schlangengrube zu befreien; als der Prinz auf den Rat einer weisen Frau ihre Kette durchschneidet, verwandelt sie sich in einen Wurm, eine Mücke, eine Eidechse, einen Raben, aber er hält sie fest ; die Hexe wird in der Badestube verbrannt (wie bei Dähnhardt). Suomi 2, 14, 46. Aarnes Register nr. 403a. — Lappländisch bei Friis nr. 4 = Poestion S. 39 nr. 6 'Altjis-ene' = Revue 4, 535; vgl. Jones in Notes and queries 7. ser. 2, 104 und Liebrecht, Germania 15, 168 (Ente; ähnlich der finnischen Fassung). — Ungarisch: Berze Nagy nr. 27 'Die aus einem Zweige gekommene Prinzessin'. — Bei den Zigeunern in Südungarn (Wlislocki, Volksdichtungen 1890 S. 313 nr. 53 'Der falsche Bruder') ist das Märchen entstellt vor- handen ; statt der bösen Amme oder Stiefmutter bringt der neidische Bruder dem Könige als Braut ein häßliches Mädchen, und die Heldin muß die Schafe des Königs hüten. — Türkisch im Sbornik V. Miller S. 202 nr. 69 : der Pferdeknecht des Kaisers verfertigt ein Bildnis seiner Schwester und verbirgt diese, als die Hexe sie auf der Fahrt geblendet, bei sich; aber die Hexe gibt ihr drei Gift- körner ein, und erst als der Kaiser auf der Jagd zur Gruft kommt und die Körner aus ihrem Munde nimmt, erwacht sie; die aus- gestochenen Augen werden ihr eingesetzt, und nach dreitägigem Gebet kann sie wieder sehen. — Indisch bei Frere nr. 19 'Muchie Lal' (D2, 3 F) : die Frau des Prinzen besucht ihre Stiefmutter und Stiefschwester, wird von ihnen in den Fluß gestoßen und von der 94 136. Der Eisenhans. siebenköpfigen Schlange aufgenommen ; der Gatte verstößt die in ihrem Schmucke zu ihm kommende Schwester und sucht die rechte Frau, die inzwischen einen Sohn geboren hat. Ähnlich in der Zeitschrift Folk-lore 13, 79 'Puli Räja or the tiger prince'. Parker 2, 143 nr. 106 'The Machiyalle-gama princess' (D3). Stokes nr. 1 'Phul- matti Rani' (D3 F) und 21 'The Bel-princess' (D3 F). — Arabisch: Müller, Mehri-Sprache 3, 63 nr. 16 'Die Tochter des Armen' (D3; gehört mehr zu Gr. 89). Tradition 20, 46. — Entstellungen zeigt das Kabylenmärchen bei Riviere S. 51 nr. 5 'H'ab Sliman' (B C2 D1 E) : statt des Königs freit ein Schulmeister um das Mädchen, das von der Stiefmutter geblendet und von Raben geheilt sich in eine Taube und in einen Rosenstrauch verwandelt ; als ihr Bruder diesem mit der Sichel naht, gibt sie sich zu erkennen und stirbt. — Negermärchen aus Deutsch- Westafrika bei Karsten, Wer ist mein Nächster 1903 S. 32: die Braut wird durch die Sklavin vom Schiff ins Meer gestoßen, von einem Walfisch verschlungen und ans Land ausgespien; der Prinz läßt die Sklavin, die er inzwischen geheiratet, hängen. Aus Westindien Revue des trad. pop. 4, 535: ein häß- liches Weib überredet die unter einem Baume zurückgelassene Schöne, zu baden und die Kleider mit ihr zu tauschen, ertränkt sie; dann die Verwandlungen. Vgl. Arfert, Das Motiv von der unterschobenen Braut 1897 S. 11—17. 1856 s 218 136. Der Eisenhans. Nach einer Erzählung aus den Maingegenden und in F. v. Arnims Märchen aus dem (Böhmer) Gebirge 1844 nr. 17 'Der eiserne Hans'. — In den früheren Ausgaben (1815 nr. 50 = 1819 nr. 136) stand die nachfolgende von der Familie v. Hasthausen mit- geteilte Überlieferung aus dem Münsterlande, mit der Über- schrift: 'De wilde Mann'.1) *) = Bahlmann, Münsterländische Märchen 1898 S. 19 und Harten- Henniger, Niedersächsische Volksmärchen 1908 1, 112. 136. Der Eisenhans. 95 Et was emoel en wilden Mann, de was verwünsket un genk bie de Bueren in den Goren (Garten) un int Korn un moek alles to Schande. Do klagden se an eeren Gutsheeren, se können eere Pacht nig mehr be- talen ; un do leit de Gutsheer alle Jägers bie ene kämmen : we dat Dier fangen könne, de soll ne graute Belohnung hebben. Do kümmt do en ollen Jäger an, de segt, he wüll dat Dier wull fangen. Do mött se em ne Pulle met Fusel (Branntwein) un ne Pulle met Wien un ne Pulle met Beer gierwen (geben), de settet he an dat Water, wo sick dat Dier alle Dage wäskt. Un do geit he achter en Baum stöhn, do kümmt dat Dier un drinket ut de Pullen, do leckt et alle de Mund un kickt herum, ov dat auck well süht. Do werd et drunken, un do geit et liegen un schlöpd. Do geit de Jäger to un bind et an Händen un Böten; do weckt he et wier up un segd : 'Du wilde Mann, goh met ! Sök säst du alle Dage drinken !' Do nermt he et mit noh dat adlicke Schloß ; do settet se et do in den Thornt, un de Heer geit to andre Nobers, de sollt seihn (sehen), wat he för'n Dier fangen hed. Do spült ene von de jungen Heerens met'n Ball un let de in den Thornt fallen, un dat Kind segd: 'Wilde Mann, schmiet mie den BaU wier to!' Do segd de wüde Mann: 'Den Ball most du sölvst wier hahlen'. — 'Je,' segd dat Kind, 'ick heve kinen Schlüttel.' — 'Dann mack du, dat du bie dien Moder eere Tasken kümmst, un stehl eer den Schlüttel!' — Do schlüt dat Kind den Thornt oppen, un de wilde Mann löpd derut. Do fänk dat Kind an to schreien: '0 wilde Mann, bliev doch hier! Ich kriege süs Schläge.' Do nüemt de wilde Mann dat Kind up de Nacken un lopd darmet de Wildniß herin. De wilde Mann was weg, dat Kind was verloren. De wilde Mann de tut dat Kind en schlechten Kiel (Kittel) an un schickt et noh den Görner an den Kaisers Hof ; do mot et f rogen, ov de kinen Görners-Jungen van dohn (nötig) hed. Do segd de, he wöre so schmeerig antrocken, de annern wullen nig bie em schlopen. Do seg he, he wull int Strauh liegen, un geit alltied des Morgens froh in den Goren, do kümmt em de wilde Mann entgiergen, do seg he: 'Nu waske die, un kämme die! Un de wilde Mann mäckt de Goren so schön, dat de Görner et sölvst nig so gut kann. Un de Prinzessin süt alle Morgen den schönen Jungen; do seg se to den Görner, de kleine Lehrjunge soll eer en Busk Blomen brengen. Un se f rög dat Kind, van wat för Standt dat et wöre. Do seg et, ja, dat wüs et nig; do giv se em en broden Hohn vull Du- coeten. Es he in kümmt, giv he dat Geld sinen Heeren un seg: 'Wat sali ick do met dohn! Dat brückt ji men !' Un he moste eer noh enen Busk Blomen brengen; do giv se em ne Aant (Ente) vull Ducoeten, de giv he wier an sinen Heeren. Un do noh en moel do giv se em ne Gans vull Ducoeten, de giv de Junge wier an sinen Heeren. Do ment de Prinzessin 96 136. Der Eisenlians. he hev Geld, un he liev nix, nn do hierothet se em int geheem. Un do weeren eere Oeldern so beise un setten se in dat Brauhuse, do mot se sick met Spinnen ernähren, un he geit in de Kücke un helpt den Kock de Broden dreien und steld manxden (zuweilen) en Stück Fleesk un brengd et an sine Frau. Do kümmt so'n gewoltigen Krieg in Engelland, wo de Kaiser hin mott un alle de grauten Heerens. Do seg de junge Mann, he wull do auck hen, ov se nig noh enPerd in Stall hedden; un se saden, se hedden noh ent, dat gönk up drei Beenen, dat wör em gut genog. He settet sick up dat Perd, dat Perd dat geit alle: husepus, husepus. Do kümmt em de wilde Mann in de Möte (entgegen) ; do döt sick so'n grauten Berg up, do sind wull dusend Regimenter Soldaten un Offzeers in; do dät he schöne Kleeder an un krigd so'n schön Perd. Do tut (zieht) he met alle sin Volk in den Krieg noh Engelland. De Kaiser enfänk en so fröndlick und begerd en, he mög em doh biestoen. He gewinnt de Schlacht un verschleit alles. Do dät sick de Kaiser so bedanken vor em un frägd, wat he för'n Heer wöre. He segd: 'Dat fragedmie men nig! Dat kann ick jug nig seggen.' — He ritt met sin Volk wier ut Engelland; do kümmt em de wilde Mann wier entgiergen un döt alle dat Volk wier in den Berg, un he geit wier up sien dreibeenige Perd Sitten. Do seget de Luide: 'Do kümmt usse Hunkepus wier an met dat dreibeenige Perd,' un se froget: 'Wo hest du achter de Hierge (Hecke) lägen un best schlopen?' 'Je,' segd he, 'wenn ick der nig wör west, dann hädde et in Engelland nig gut gohn.' Se segget; 'Junge, schwieg stille, süs giv die de Heer wat upd' Jack.' Un so genk et noh tweenmoel, un ton derdenmoel gewient he alles ; do kreeg he en Stick in den Arm, do niermt de Kaiser sinen Dock (Tuch) un verbind em de Wunden. Do neidigt (nötigen) se em, he mög do bliewen. 'Ni, ick bliewe nig bie ju; un wat ick sin, geit ju nig an.' — Do kümmet em de wilde Mann wier entgiergen un deih alle dat Volk wier in den Berg, un he genk wier up sin Perd Sitten un genk wier noh Hues. Do lachten de Luide und segden: 'Do kümmt usse Hunkepus wier an. Wo hest du doh lägen un schlopen?' He seg: 'Ick heve fürwohr nig slopen; nu is ganz Engelland gewunnen, un et is en wohren Frerden (Frieden).' Do segde de Kaiser von den schönen Pitter, de em hev biestohen. Do seg de junge Mann to en Kaiser: 'Wöre ick nig bie jug west, et wöre nig guet gahen.' Do will de Kaiser em wat upn Buckel gieiwen. 'Ji,' seg he, 'wenn ji dat nig gieiwen willt, will ick ju minen Arm wiesen.' Uu asse he den Arm wiest un asse de Kaiser de Wunde süt, do wert he ganz verwundert un segd: 'Villicht büst du Gott sölvst ader en Engel, den mie Gott toschickt hev,' un bat em um Verzeihnüß, dat he so grov 136. Der Eisenlians. 97 met em handelt hädde, nn schenket em sin ganse Kaisers-Gut. Un de wilde Mann was erlöset un stund ase en grauten Künig för em un ver- telde em de ganse Sacke, un de Berg was en gans Künigs-Schloß, un lie trock met sine Frau derup, un lerweten vergnögt bis an eren Daud. Das Märchen, dem diese beiden Fassungen angehören, ist von R. Köhler 1, 330, Breul (Sir Gowther 1886 S. 118) und Moe (bei Heiland, Finmarkens amt 2, 600 = Norges land og folk 20, 2. 1906) der Grindkopf, von Grundtvig (Register nr. 8) das Goldhaar, von Panzer, Hilde-Gudrun 1901 S. 251 Goldener betitelt worden. Seine Hauptmotive sind: A.1 Ein Königssohn läßt den von seinem Vater gefangenen wilden Mann, den Eisenhans frei; A.2 Der Prinz flieht vor den Nachstellungen seiner feindseligen oder buhlerischen Stiefmutter; A.3 Der wilde Mann verhilft einem kinderlosen Ehe- paare zu einem Sohne, doch muß dieser ihm nach einer bestimmten Frist übergeben werden. — B. Der Knabe erwirbt beim Eisenhans, dessen Verbot er übertritt, goldene Haare und wird entweder (B1) in Güte entlassen oder (B2) entflieht auf einem sprechenden Posse. — C. Er dient, nachdem er sein Goldhaar mit einem Hut oder Tuch verdeckt hat, als Gärtner an einem Königshofe, wo sich die Prinzessin in ihn verliebt. — D. Bei einem Turnier erscheint er dreimal auf einem prächtigen Roß, das ihm der Eisenhans geliefert, und erringt die Hand der Königstochter. — E. Er erweist seinen Adel als Sieger in einer Schlacht, als Drachentöter, als Bringer eines Heilmittels für den kranken König (vgl. nr. 97) oder auf einer Jagd, wo er seine spottenden Schwäger beschämt. — F. Der Eisenhans oder das hilfreiche Pferd wird erlöst. In Vulpius' Ammenmärchen 1791 1, 173 'Der eiserne Mann oder der Lohn des Gehorsams' (A1 C D F) fehlt zwar das Goldhaar des Knaben, aber dieser erringt durch drei kostbare Äpfel, die ihm der eiserne Mann geschenkt, die Gunst der Königstochter.1) Aus dem Oberelsaß in Stöbers Alsatia 1873 — 74, 149 'Vom bösen Büblein, das zuletzt König wird' (B2 F C E). Aus dem Schwarz- wald in der Alemannia 26, 91 nr. 14 'Der Grindlappen' (B2 C E). !) J. Kerners Märchen 'Goldener' (Dichterwald 1813 = "Werke ed. Gaismaier 3, 276. Gottschalk, Volksmärchen 1, 286. 1814. Bechstein, Märchenbuch 1845 S. 159) beruht, wie der Dichter ausdrücklich bemerkt, auf keiner Volksüberlieferung. Vgl. auch Wilhelm Grimms Äußerung 1814 im Briefwechsel aus der Jugendzeit 1881 S. 392. Grimm , Märchen-Anmerkungen III. 7 98 136. Der Eisenhans. Aus Tirol bei Ziagerle KHM. I2, 138 nr. 28 Werweiß' (A^'CE D F). I2, 157 nr. 32 'Goldener' (Kesselheizer bei einer alten Frau, BJCE). 2, 198 'Der Grindkopf' (A3 B2 C D E F). Aus Nieder- österreich bei Vernaleken, KHM. nr. 8 'Der Wunderschimmel' (A1 B2 C E F), nr. 23 'Der Waldkater' (A3 B C E), nr. 60 'Da Seppl mit di goldenen Hoar' (B2F). Heanzisch bei Bunker nr. 76 'Der König mit dem Brandmal' = Zs. f. Volksk. 8, 192 (D C ; die Pferde gibt dem Michel sein verstorbener Vater). Siebenbürgisch bei Haltrich nr. 11 'Goldhaar' (A3B1CE). Aus Österreich isch- Schlesien bei Peter 2, 180 'Der treue Hansel' (B2 C D E F) und 2, 185 'Hasenjackel' (A1 D ; Held heiratet die Königstochter, weil er mit Hilfe des wilden Mannes drei Jahre lang die Hasen gehütet). Aus Oberschlesien bei Przibilla S. 89 'Der Hundewärter' (Gaudeif, oben 2, 60; dann B2 C D E). Aus der Nähe von Halle bei Sommer S. 86 'Der eiserne Mann' (A1 B C E ; drei Bälle wie bei Vulpius). Aus Unterfranken bei Spiegel 1914 nr. 4 'Der Grind- hansel' (A3B2FC; dann Pervonto, oben 1, 487). Vom Odenwald bei Wolf, Hausmärchen S. 269 'Das treue Fiillchen' (Einleitung wie oben nr. 90; B2DE; C D E F) und S. 369 'Der Hinkelhirt' (A2 G ED; Zauberpfeifchen, Drachen getötet). Aus dem Rheinlande bei Simrock nr. 24 'Des Teufels Schürenbrand' (oben 2, 423 ; B2 CDF). Aus Hannover bei Busch S. 96 'Friedrich Goldhaar' (A3 B2CEF) und Schambach-Müller S. 278 'Häuschen Glasköpfchen' (B C E ; eine alte Zauberin statt des wilden Mannes). Aus dem Saterlande bei Bröring 2, 288 'Des Königs Kuhhirte' (CE). Aus Holstein bei Müllenhoff S. 420 nr. 12 'Der starke Franz' (B3 F C E). Aus Pommern bei Jahn, Schwanke S. 87 'Der Wollensack' (A1 B ; dann der Hasenhüter, unten nr. 165) ; Bl. f. pomm. Volkskunde 4, 183 'Der Fischersohn' (A2B2CD). Aus Ostpreußen bei Lemke 2, 255 'Der Schäferknecht mit den goldenen Haaren' (B1 E ; Drachen- zungen).— -Vlämisch: De Mont en de Cock, Wondersprookjes p. 40 'Van Siegfried den Koningszoon van Duitschland' (tötet als Schäfer Räuber und Riesen, D E) und p. 294 (Glasberg). Vermast p. 85 'Van het paard met de gouden manen (A1 B2 C D E) und p. 125 'Mijnheer von den Glazenberg' (legt seinem Diener fünf Auf- gaben auf, eine alte Frau hilft; B2FCD). Volkskunde 3, 110 'Jan de Rotter' (A3B2CEF; Drache getötet). Revue des trad. pop. 16, 217 'Le garcon au bonnet rouge' (B2 C E D). — Dänisch: Grundtvigs hsl. Register nr. 8 'Guldhäret'. Winther 1, 136. Der Eisenhans. 99 31 'Prindsen og havmanden'. Grundtvig, Minder 2, nr. 311 'Hans med guldhäret'. = Stroebe 1, 55 nr. 12. Grundtvig, Folkeaev. 1, 175 nr. 15 'Vildmanden' = Leo 1, 228 (A'B'CDE). Madsen S. 76 'Gartnerdrengen' (A3BCDE). Berntsen 1, 34 nr. 4 'Hans Have- dreng' (B2 C D E F). Kristensen, Aev. fra Jylland 3, 144 nr. 30 'Den fangne Jiernmand' (A1BC; Goldäpfel wie bei Vulpius). 3, 193 nr. 36 'Drengen med det gyldne Haar' (Alte Frau statt des Eisenhans ; B'CDE). 4, 138 nr. 26 'Den blaa Stud' (vorher das 'Erdkühlein', oben S. 61). 4,. 159 nr. 30 'Esben hos Katten' (vgl. oben 2, 33). 4, 29 nr. 50 'Vildmanden' (A'B'CED). Skattegraveren 3, 200 'Drengen med solvhäret' (B2 C D F). 7, 135 'Skurrekop' (A1 B ODE; Goldäpfel). 8, 163 'De tre guldaäbler' B2 C D E). — Schwedisch: Hylten-Cavallius nr. 20 'Prinsessan uppä glasberget' = Turley, Schwed. Volksmärchen 'Die Prinzessin auf dem gläsernen Berge' (A1 C D) = Stroebe 1, 263 nr. 16 — Fuchs, Volksmärchen aus aller Welt 1906 S. 176. Moe bei Heiland 2, 602. Wigström, Sv. lands- mälen 5, 1, 42 'Trollet Boriax ock kungasonen' (A1 B C D). Aberg nr. 129 'Askfis' (B2 C D ; vgl. oben 1, 155), nr. 130 'Pojken som tjänade hin onde' (B2 C E), nr. 131 (A2 B2 C E), nr. 135 (B2 E), nr. 199 'Fägelkungen' (A1 B1 C E ; Vogel statt des wilden Mannes). Stroebe 1, 275 'Königin Kranich'. Hackmans Register nr. 314 und 502. — Norwegisch: Asbjörnsen-Moe nr. 14 'Enkesonnen' (B2 CEF) = Bresemann 1, 86 = Thorpe p. 293 = Dasent 1859 p. 358. — Färöisch: Jakobsen S. 624 nr. 72 'Hans vid guld- härinun' (B C D F), vgl. S. 296 nr. 16 'Bossadrongurin'. — Isländisch: Pittershaus S. 95 nr. 24 'borsteinn mit dem Gold- haar' (B2CEF). — Französisch: Luzel, Contes 2, 295 'Le Murlu ou l'homme sauvage' (A1BCE; kein Goldhaar, Drachenzungen). Sebillot, Contes 3, 74 nr. 9 'Jean le Teignous' (A3B2CDE). Revue des trad. pop. 9, 341 'Le petit oiseau' (Vogel statt des Eisenhans. A1 B C). Cosquin 1, 133 nr. 12 lLe prince et son cheval' (B2 C D E) Carnoy, C. francais p. 42 'L'homme de fer' (lothringisch. A^CD). Deulin, Cambrinus 1874 p. 151 'Caillou qui biques !' Meyrac p. 493 'Jean le Tigneux' (B2 F C D E). Jeger- lehner, Sagen aus dem Unterwallis 1909 S. 138 'Les trois pomraes d'or = Jegerlehner, Am Herdfeuer der Sennen S. 156 'Die drei goldenen Äpfel' (B2CDE). — Italienisch: Straparola 5, nr. 1 = F. W. V. Schmidt, Märchen des Straparola 1817 S. 92 = Kletke, Märchensaal 1, 71 nr. 16 = Keller, Ital. Novellenschatz 5, 100 (1851) 7* 100 136. Der Eisenhans. 'Der Waldmann' (A1B1E. Der von einer "Fee entzauberte Wald- raensch begleitet den Prinzen Guerrino und hilft ihm, die ihm vom König Zifroi gestellten Aufgaben lösen : zwei wilde Pferde bändigen und die goldgelockte Prinzessin unter den beiden verschleierten Schwestern herausfinden). Schneller nr. 20 'Der Prinz mit den goldenen Haaren' (B2 C D E F). Eolk-lore Eecord 3, 44 'The little mare' (A2B2CDE. Bisme brandmarkt seine Schwäger). R.Köhler, Jahrbuch f. roman. Lit. 8, 253 'Der Grindkopf'; vgl. Köhler, Kl. Sehr. 1,330 (A3B'CE; drei Marmorstatuen schenken Wunschbeutel, Zauberrute und Samenkörner). Imbriani, Novellaja fior. 2 nr. 2 'II contadino che aveva tre figlioli' (B2F; der Eingang mit der Menschenfleischprobe wie bei Meyrac; die hilfreiche Stute ist die entführte Tochter des Königs, die der Held heiratet). De Nino 3, 234 nr. 45 'La capigliera d'oro' (von drei Feen wird der schlafende Köhlerjunge mit Goldhaar, Gitarre und Schwert begabt ; C E). Finamore 1, 1, 75 nr. 17 'Lu tignusjelle' (A3 B2 C D E). Ortoli p. 108 'Le petit teigneux' (B2 C D ; Pferd Bayard wie bei Jegerlehner). Gonzenbach nr. 26 'Vom tapferen Königssohn' (angehängt an das Märchen von der treulosen Mutter ; von einem Einsiedler unter- wiesen, gewinnt der Grindkopf die Königstochter, die aber seine Schwester ist, und besiegt seines Vaters Feinde; DE); vgl. nr. 61 'Von einem mutigen Königssohn' (oben 2, 305; dann DE) und 67 'Paperarello' (treulose Mutter; C E). Pitre, Fiabe sie. 2, 136 nr. 79, Variante 'Biamunti' (wie Gonzenbach nr. 26) und 2, 111 nr. P 8 'Lu tignusu (CD). — Katalanisch: Maspons 3, 21 nr. 1 'En Pere revolt'. — Portugiesisch aus Brasilien: Bomero nr. 8 'O passaro preto' (A1B1CD. Vogel statt des wilden Mannes) und nr. 38 '0 Carece' (A3B2CDE. Drachenzungen ausgeschnitten). — B askisch: Webster p. 22 'The grateful Tartaro and the herensage' (A1 B1 C E ; Drachenzungen ausgeschnitten) und p. 111 'Ezkabi-Fidel' (B2 C D E). — Griechisch: Pio p. 179 '0 äyQiäd-Qonoc,'1 = Misotakis S. 1 'Der wilde Mann' = Garnett 2, 261 (A1 B D). Hahn 2, 197 Var. 2 zu nr. 6 'Vom Prinzen und seinem Fohlen' (A3 B2 C D E) und nr. 45 'Der Traum des Prinzen' (B2 D ; vorher Traum des Knaben wie oben 1, 324). Kretschmer nr. 41 'Der unglückliche König'. — Alba- nesisch aus Sicilien: Pitre, Cartelli del popolo sie. 1913 p. 411 nr. 9 'Nini' (C E). — Rumänisch: Staufe nr. 10 'Der glückliche Aben- teurer' (Zs. f. Volksk. 9, 85 : D) und nr. 36 'Der junge Gärtner und die Fürstentochter' (C E ; drei Nachtwachen am Grabe des Vaters). 136. Der Eisenhans. 101 *Roumanian fairy tales p. 27. Säinenu p. 285 f. — Serbokroatisch: Vuk Stefanovic Karadzic S. 208 nr. 52 'Cefa der Glatzkopf = Jagic er. 17 (Archiv f. slav. Phil. 2, 618; vgl. R. Köhler 1, 419: C E, Schlacht), ßos. nar. pripov. redovn. omlad. S. 11 nr. 4 = Mijatovies p. 189 nr. 18 'One good tiirn deserves another' (A1, untreuer Diener, CD). Aus Kroatien: Valjavec p. 136 nr. 9 = Leskien S. 199 nr. 45 (A1 C, Hasenhüter, D F). Kres 4, 247 nr. 16 = Krauss 1, 220 nr. 46 'Das wunderbare Pferd' (A2 B2 C D E). Krasic 2, 16 nr. 11 (der 12. Sohn entflieht nach Tausch der Bettplätze auf dem sprechenden Pferde einer Hexe, D, setzt beim Turnier über den Graben). Aus Slavonien: Zbornikjslav.il, 290 nr. 20 (Schafhirt erhält vom Drachen Goldkrone, Gärtner; Jagd, Schlacht). Aus Bosnien: Krauss, Tausend Sagen 1, 183 nr. 61 (Augen des Bockes von den Vilen geholt, Pferd, Goldgewand, Kappe aus Schafsgekröse, C E, Schwäger beschämt). Aus Serbien: Atan. Nikolic 1, nr. 15 = 2. Aufl. S. 227 nr. 24 (B2 C E). — Bulgarisch aus Mazedonien: Sapkare v 8 — 9, 124 nr. 92 = Leskien S. 21 nr. 7 (Zauberpferd gefangen, D E). Sprostranov S. 107 nr. 20 (drei Nächte am Grabe des Vaters, C, Schwäger be- schämt). Sbornik min. 8. 167 'Drei Samovilen, der alte Blinde und der Grindkopf' (Augen des Herrn geholt, Zauberpferd, B2 C E, Ele- fantenmilch). — Slovakisch: Skultety-Dobsinsky S. 270 = 2. Ausg. S. 536 nr. 39 (A\ Speicherdieb gefangen, B^E). Czambel S. 313 nr. 159 (Wunschbeutel, Plöte und Gürtel Räubern abgenommen, C E, Fortunatmotiv wie oben 1, 499). Dobsinsky 6, 16 (drei Jungfrauen durch drei Qualnächte befreit, Haare goldig, Küchenjunge, C). — Cechisch aus Böhmen: Rubes S. 253 = Waldau S. 50 'Der wilde Mann' (A1 B1 C E D F), danach Milenowsky S. 147 'Vom wilden Manne', vgl. Zs. f. dt. Mythologie 2, 444 nr. 6. Radostov 10, 3 = 2. Aufl. 2, 41 = 3. Aufl. S. 617 (einen der Zwillinge hat der schwarze Ritter sich ausbedungen, B2, magische Flucht, C, Gärtner als Bär verkleidet, F). Nemcovä 3, 133 nr. 45 'Prinz Bajaja' (A2 0, Prinz stellt sich stumm, E, Drachentöter, Schlacht, D). Pohadky a pov. nas. lidu S. 16 nr. 9 (B2 C). Popelkovä, Na besede S. 176 nr. 191 (A2 C E). Hsl. Sammlung Pfihoda nr. 8 (Orakel wie oben 1, 322; Alexander verschlagen wird Gärtnerbursch und goldhaarig, C). Kubin, Podkrkonosi 1, nr. 86. Aus Mähren: Kulda 1, 69 nr. 24 (Sohn und Fohlen nach Genuß von Äpfeln geboren, A2 C E). Miksicek 1, 190 (B2CD) = Mensik, Jemnic. S. 146 nr. 47. Tille S. 39 nr. 21 (E, Drachentöter, Schlacht, F). Kulda 1, 46 nr. 17 = Wenzig S. 1 102 136. Der Eisenhans. 'Hänslein mit dem Strauße' (C D E, Zaubergaben der beschenkten Bettler). Mensik, Jemnic. S. 206 nr. 64 (Goldener Mann, A1, verbotenes Zimmer, Goldhirsch, Zaubergerte, Schafhirt, Trompete und Trommel von den schwarzen Männern, E). Elpl S. 71 nr. 17 (ähnlich). Pfikryl S. 413 (B2, magische Flucht, C E F). Hsl. Samm- lung Ed. Peck nr. 1 (Einleitung wie Hans mein Igel oben 2, 482; Hexe verleiht goldenes Haar, C E). Aus Glatz : Kubin 1, 75 nr. 39 (Pferd im Erbsenfeld gefangen, Haare in der Quelle, CEF). — Wendisch: Schulenburg, Volkssagen S. 69 'Der goldene Apfel'. — ■ Polnisch aus dem Krakauer Land: Kolberg, Lud 8, 9 nr. 6 (A1, Schwanjungfrau, Aufgaben des Vaters). 8, 52 nr. 21 (Knabe und Fohlen nach Genuß eines Apfels geboren, A2 C). S\vie,tek S. 346 nr. 24 (Stiefsohn soll getötet werden, B2 C E). Wisla 17, 445 nr. 4 (B2 F C, Muttermal der Prinzeß erraten, E). 8, 253 nr. 6 (A2 C, in Bärenhaut, E, Schwäger beschämt). — Kleinrussisch aus Poltawa: Rudcenko 1, 109 nr. 48 'Neznajko' (d. h. Ich weiß nicht, wie bei Zingerle Wer weiß. Sohn dem Drachen versprochen; A3B2CE> Aus dem Gouv. Kiew ebd. 1, 100 nr. 47 (verirrter Kaufmann verspricht dem Drachen, wovon er zu Hause 'nicht weiß'. B2 C E). Aus Galizien : Etnogr. Zbirnyk 7, 57 nr. 40 (Höllenheizer, B2 C D). Aus Nordungarn: ebd. 4, 106 nr. 20 'Nemtuda' (B2 C D E). Aus Südungarn ebd 25, 70 nr. 16 [der Prinz läßt einen Vogel, nicht einen Mann aus dem Käfig, C E F). Aus dem Gouv. Wolhynien : Cubinskij 2, 214 nr. 58 (Ne- znajko. A2 C E). Aus dem Gouv. Jekaterinoslaw : Manzura S. 40 'Neznajko' (Fischersohn dem Meerdrachen verschrieben, B2 C E, Drachen- töter). Aus Gouv. Wolhynien: Kokossowska S. 26 nr. 9 (Meer- UDgeheuer, A1, untreuer Diener Neznajko, C E). Aus Nordungarn : Etnogr. Zbirnyk 9, 54 nr. 27 (A1, Mutter des Knaben im Käfig; treulose Mutter). Aus Gouv. Jekaterinoslaw : Cubinskij, Trudy 2, 219 nr. 59 (A3 B2 C D E). Ostgalizien : Öuchevyc S. 93 nr. 60 (der jüngste Prinz kommt in den ehernen, silbernen, goldenen Wald; Pferd, Ich weiß nicht, C E, Jagd). Rozdolskyj S. 11 nr. 4 (Pferde im Weizen- feld, DE, Drachentöter). Aus Gouv. Poltawa: Etnogr. Zbirnyk 14,15 nr. 2 'Neznajko' (B2, magische Flucht, CE). Sadok Baracz S. 98 (B2CE). — Weiß russisch aus Gouv. Minsk: Sejn 2, 52 nr. 24 (die Cuda-Juda im Weizenfelde gefangen, vom Prinzen freigelassen, A1, treuloser Diener, Cuda-Juda rettet Prinz und Prinzessin aus dem Meere). Aus Gouv. Smolensk: Dobrovoljskij 1,471 nr. 12 (ähnlicher Eingang, A*E; Spannenlang-Ellenbart hilft die Pferde hüten). Afa- 136. Der Eisenhans. 103 nasjev 5, nr. 38 = 3. Aufl. 1, 116 nr. 69 (messingner Vogel im Weizenfeld, A1 C E). Aus Gouv. Mogilev: Eomanov 3, 148 nr. 186 (A2CE, Drachentöter). Eederowski 1, 113 nr. 340 'Nieznajko' (A2 C E, Drachentöter). Romanov 6, 395 nr. 45 (ehernes Ungeheuer im Weizenfeld, A1 C E, untreuer Diener, Pferde gehütet). 6, 26 nr. 4 (Zauberpferd hinter zwölf Türen verborgen, C E, Schwäger beschämt). — Großrussisch : Eovinskij 1, 762 nr. 169 = Afanasjev 2, 217 = Dietrich S. 40 nr. 4 'Ritter Iwan der Bauernsohn' (B2 C D E ; Der Held trägt eine Blase über dem Haar und nennt sich 'Ich weiß nicht'). Goldschmidt S. 22 'Der Stern der Zarewna' = Ralston p. 256. Aus dem Gouv. Bjäsan: Chudjakov 2, 33 nr. 44 (A1, treuloser Diener; Pferde mit Hilfe des wunderbaren Männleins geheilt, Prinzessin von drei Drachen befreit). Aus Moskau ebd. 1, 21 nr. 4 'Prinz Dimitrij' (Blase überm Goldhaar, C E). Aus Gouv. Wologda: Ivanickij S. 175 nr. 6 (wilder Mann, A1 E, Drachentöter). Afanasjev 5, nr. 37 = 3. Aufl. 1, 109 nr. 67 (Waldmann, A1, untreuer Diener, Pferde ge- hütet, E). 1, 110 nr. 67 b aus Gouv. Woronesch (Nikanor im Erbsen- feld, A1, untreuer Diener, E). 1, 114 nr. 68 (= 1. Aufl. 2, nr. 91 aus Gouv. Perm: A1 E, Drachentöter). Aus Gouv. Orel: Chudjakov 3, 143 nr. 115 (Männlein im Weizenfeld, untreuer Diener, C). Aus Gouv. Olonetz: Oncukov S. 274 nr. 112 (A1, Prinz vom goldenen Hirsch verlockt, Hirt beim alten Erzstirn). S. 358 nr. 150 (Mann mit Erzstirn und Bleibauch, A1 C, dann Fortunatmotiv wie oben 1, 480). Aus Gouv. Jenisejsk: Zap. Krasnojarsk. 1, 17 nr. 4 'Neznajka' (Held und Fohlen nach Genuß eines Fisches geboren, A2 C E, Drachentöter). Aus Gouv. Moskau: Cudinskij S. 16 (C E, Drachentöter). Aus dem Kaukasus: Sbornik Kavkaz. 15, 2, 3 nr. 1 (Prinzeß in Vogelgestalt raubt die Goldäpfel, ihr Bruder zieht davon auf einem Zauberpferd, Pferdehirt, C E, Schwäger beschämt). Afanasjev3 2, 209 nr. 165 a 'Xeznajko' (A2CE; Held in Stierhaut und Blase). 2, 212 nr. 165b (aus Gouv. Archangelsk. C E). Bronicyn S. 61 = Naake p. 117 'Ivan Kruchina' (A2B2CD). Aus Gouv. Perm: Afanasjev3 2, 220 (der Jüngling erhält durch Baden in zwei Quellen Stärke und Goldhaar und kommt in den Palast des Cuda-Juda ; B2 C E). Aus Nordost- sibirien, Kolym: Etnogr. Obozr. 72—73, 175—181 (A2 C E F). Über hsl. Fassungen vgl. Zivaja Starina 20, 98. 102. ■ — Litauisch: Leskien-Brugman S. 379 nr. 9 'Von dem Prinzen, der bei dem Satan in Diensten stand und den König aus der Hölle befreite' (B2 C D E F). Jurkschat 1, 129 nr. 63 'Die drei Rößlein (B2 C D E F). Do- 104 136. Der Eisenhans. wojna S3rUvestrowicz 2, 22 (Zwillinge, der Held zieht löjährig zum Gevatter, erhält drei Wunschhaare, C E). 1, 61 (B2 C E F). Karlo- wicz S. 61 nr. 44 (Prinz dem Teufel vom Vater versprochen, Höllen- heizer, B2, magische Flucht, CE). — Lettisch: Weryho S. 202 nr. 27 (Wunschdose ererbt, Schweinehirt, C E). — Estnisch: Kallas nr. 7 'Der entflohene Königssohn' (Verhdl. 20, 119. B2 C E F). — Finnisch: Salmelainen 1, nr. 12, III = Schreck S. 128 nr. 15 'Der in einen Hengst verwandelte Jüngling' (B2 CEF) — Chudjakov, Materialy S. 90. Aarnes Kegister nr. 314. 502. Suomi 2, 14, 35. — Lappländisch: Friis nr. 18 = Germania 15, 176 nr. 6 'Der Rie3e und der kleine Junge' = Poestion S. 84 nr. 21 (B2 C D E F). — — Magyarisch: Gaal-Stier S. 61 nr. 8 'Weißnitle' (A2CDE; Schwäger gebrandmarkt). Berze Nagy nr. 65 'Nemtudomka'. Sklarek 1, 114 nr. 12 'Der goldbärtige Mann (Ä'CDE; dankbare Tiere helfen gleichfalls dem Helden). Sklarek 1, 130 nr. 13 'Der behaarte Mann' (A^CE) = Kyelvör 4, 279. Sklarek 1, 135 nr. 14 'Der goldhaarige Gärtnersbursch' (B2 C D E) = Merenyi 2, 65 Arany- Gyulai 3, 332 'Der Milchbrunnen'. — Zigeunerisch aus Serbien: Tih. Gjorgevic S. 116 'Eines Zigeuners listiger Trug' (ein goldener Mann aus dem Sumpfe, A1 C, untreuer Diener, Stallknecht, Gaben der Schwestern des goldenen Mannes). — Armenisch: Zs. f. ATolksk. 20, 76 nr. 3 'Der Knabe mit dem goldenen Haar' (A3 B2 C DE). Sbornik Kavkaz. 24, 2,152 nr. 20 (Zwillinge, A3B2CE; Held holt Hirschmilch, goldene Nachtigall, goldhörnige Antilope, Lebens- wasser, von den Schwägern im Schlaf ermordet, vom dankbaren Löwen und Adler belebt). — Kabardinisch: ebd. 21, 2, 196 nr. 4 (A2CE; 'Narun' d. h. Ich weiß nicht). — Grusinisch aus Gouv. Kutais: ebd. 18, 3, 383 (goldhaarige Zwillinge; Gärtner, C E, dann Brüdermärchen oben 1, 542). 24, 2, 85 nr. 4 (CE; heilender Apfel geholt, Schwäger beschämt). — Tatarisch aus Südsibirien: Radioff 2, 607 'Südäi Märgän und Joltai Märgän' (treulose Frau, hilfreiches Pferd; die jüngste Schwester wählt den Bärenmenschen, Schwäger beschämt). 3, 261 'Kosy Korpösch' (geht auf den Rat einer Alten als Grindkopf zu seiner Braut Bajan ; nachts erleuchtet seih goldenes Haar das Zelt). 3, 297 'Kan Schentäi (zieht auf den Rat seines Pferdes als Grindkopf zur Hochzeit einer Fürstentochter und besiegt deren Freier). — Aramäisch aus dem Tür 'Abdin bei Prym-Socin 2, 90 nr. 26 (Grindkopf von der Prinzessin erwählt, holt Löwenmilch, brandmarkt die Schwäger; also nur DE) und 2, 152 nr. 39 (gehört 136. Der Eisenhans. 105 zum Erdmänneken, oben 2, 314. Der von den treulosen Brüdern im Stich gelassene Held erscheint als Kahlkopf, eine Blase auf dem Haar, dreimal im Turnier). Bergsträsser nr. 20 (A2 C D E. Der Grind- kopf hat einen Zauberring bei der Flucht aus dem Vaterhause mit- genommen). — Kirgisisch aus Bajan-Sul: Otec. Zapiski 1830 43, 252 (Afanasjev3 2, 221). — Kalmükisch: Siddhi-Kür nr. 5 bei Jülg 1866 S. 30 = Bergmann, Nomadische Streifereien 1, 298 (A^D; der Pflegesohn des Einsiedlers soll mit der Eürstentochter zusammen den Drachen vorgeworfen werden). — Indisch: Stokes nr. 10 'The monkey prince' (vermischt mit dem Tierbräutigam, oben nr. 88) und nr. 20 'The boy who had a moon on his forehead and a star on his chin' (B2CDE; Schwäger gebrandmarkt); vgl. Cosquin 1, 150. Minajev nr. 46 (A3B2; statt des Pferdes die Leichen der vom Unhold Getöteten). Parker 1, 137 nr. 15 'The prince and the yakä' (A E, un- treuer Diener, Drachentöter). — Siamesisch: Bastian, Die Völker des östl. Asiens 4, 350 'Chaoh Gnoh' (1868. B1 C D E. Schwäger ver- stümmelt); vgl. Cosquin 1, 146. — Malaiisch: Folk-lore 14, 385 'The story of Indra Bangsäcoan' (wird nach der Weisung eines Zauberers Ziegenhirt, holt Tigermilch für die kranke Prinzeß, tötet auf einem grünen Pferde den Greifen und besiegt das Heer der neuen Nebenbuhler; als Einleitung die Sendung nach der wunder- baren Schalmei, die sein Vater im Traum gesehen; vgl. oben 1, 511). — Arabisch: Schmidt-Kahle, Palästina nr. 53 'Kahlköpfchen und das Wunderpferd' (A2 B2 C D E). Spitta-Bey nr. 12 'Histoire du prince et de son cheval' (A2 B2 C D E ; Schwäger gebrandmarkt). Artin-Pacha 1895 nr. 7 'Le cheval enchante' (A2 B2 C E). Abel, Eine Erzählung im Dialekt von Ermenne (Abh. der sächs. Ges. d. Wiss., phil.- hist. Kl. 19, 8). Stumme, Schluh von Tazerwalt S. 146 nr. 17 'Von einem Sultan, seinem Sohne, einem Garten und von zwei Mädchen nebst ihren Westen' (A1 C D. Muhammed läßt den nachts seines Vaters Garten verwüstenden Unhold gegen einen Zauberring frei; ähnlich unsrer nr. 91 'Erdmänneken'). Revue des trad. pop. 27, 433 'Le roi bücheron' (C D E). Frobenius, Dekameron S. 76 'Der Rassenreine' (C D E). — Suaheli: Steere p. 379 'The spirit who was cheated by the sultan's son' (A3 B2 ; keine Zeit niedrigen Dienstes, der Held baut sich ein Haus und wird des Königs Schwiegersohn). — Pawnee -Indianer: Dorsey 1904 nr. 4L 'The boy and the horse' (der mitleidige Knabe erhält vom Adler ein redendes Pferd, auf dem er sich im Kriege aus- 106 136. Der Eisenbaus. zeichnet, und beiratet die Häuptlingstochter); vgl. Wake, Journal of amer. folklore 20, 216. Die einzelnen Züge des Märchens lassen sich bis ins Mittel- alter zurückverfolgen. Im 13. Jahrhundert berichtet Snorre Stur- luson (Heimskringla, Hälfdanar saga svarta, Kap. 8 ; vgl. Bugge, Arkiv for nordisk filologi 16, 1. Heiland, Finmarkens amt 2, 581 \ daß der norwegische König Halfdan, als beim Julfest plötzlich alle Speise und Trank verschwand, einen finnischen Zauberer gefangen setzte, um von ihm den Täter zu erfahren. Der Finne aber schwieg trotz den Martern und bewegte Halfdans jungen Sohn Harald den Haarschönen, ihn aus dem Kerker zu befreien und mit ihm zu einem Häuptling zu fliehen, wo er bis zum Tode seines Vaters lebte. Zu dieser Erzählung fügt das um 1380 geschriebene Flatöbuch (Fornmanna Sögur 10, 170) hinzu, daß Halfdan den Joten Dovre, der seine Schatzkammer bestahl, in einer Falle fing; Harald als fünfjähriger Knabe ließ ihn frei, dafür nahm ihn der Riese mit sich und erzog ihn, bis er an seines Vaters Statt den Thron bestieg. Über die hiervon abhängige Bord Snsefellsäss und die Kjalnesinga saga vgl. Heiland 2, 589. Auch bei Saxo Grammaticus p. 19. 30 ed. Holder wird Hading als landflüchtiger Königssohn von dem Riesen Vagnhoved aufgezogen und in wunderbarer Weise beim Kampfe unterstützt; bei der von Ragnild vorgenommenen Gattenwahl tritt er vermummt auf, erst an einem Ringe, den sie früher in seine Wunde am Beine gelegt, erkennt sie ihn (Olrik, Kilderne til Sakses Oldhistorie 1, 40). Der Grund, aus dem der König das dämonische Wesen fesseln läßt, scheint ursprünglich das Verlangen nach seinem pro- phetischen Wissen gewesen zu sein. So ließ Midas (Herodot 8, c. 138. Röscher, Mytholog. Lexikon 2,2954) den Seilenos fangen, indem er (nach Xenophon und Theopomp) Wein in die Quelle goß, aus der jener trank1), König Numa die Walddämonen Faunus und Picus (Ovid, Fasti 3, 291. Röscher 2, 657), Salomo den Geister- x) Das Berauschen des wilden Mannes durch Wein oder Brannt- wein begegnete uns schon oben S. 95 in der mÜDsterländischen Fassung, ferner bei Straparola 5, nr. 1 und magyarisch bei Sklarek 1, 115 nr. 12. Vgl. dazu oben 2, 851; Sklarek 1, 292; Mannhardt, Wald- und Feldkulte 1, 96. 112. 2, 117 (1875—77). — Zu der Gestalt des Eisenhans vgl. die oben 2, 541 erwähnten dämonischen Eisenkerle; auch Laistner, Zs. f. dt. Altertum 38, 121. 136. Der Eisenbans. 107 fürsten Aschmedai (Babylonischer Talmud, Traktat Gittin bei Vogt, Salomon und Marko lf 1, 213. Eisenmenger, Entdecktes Judentum 1, 351. ZdinG. 31, 220) oder König Kodarchus den Waldmann Merlin (Vita Merlini bei San-Marte, Die Sagen von Merlin 1853 S. 280), womit Moe bei Heiland 2, 627 die Haffs saga (c. 7. Eornaldar Sögur 2, 31) und andere skandinavische Überlieferungen von einem gefangenen Meermännchen (Lehmann-Filhes 1, 65) ver- gleicht. In den Grimnismöl (Gering, Edda S. 69. F. v. d. Leyen, Das Märchen in den Göttersagen der Edda 1899 S. 53) läßt König Geirrod Odin, der als Fremdling unter Grimnirs Namen zu ihm kommt, festnehmen und acht Tage lang zwischen zwei Feuer setzen, bis ihm der zehnjährige Königssohn Agnar einen Labetrunk reicht und die Folterung eines Unschuldigen tadelt. Ähnlich wird im cechischen Märchen bei Waldau S. 193 der gefangene Wassermann an den heißen Ofen gesetzt. Seltener wird die Flucht des Helden aus dem Vaterhause durch die Bosheit einer Stiefmutter veranlaßt, so in Wolfs Haus- märchen S. 369, in sicilischen, russischen, magyarischen, arabischen und kalmükischen Fassungen. Ein drittes Motiv der Entfernung (A3) ist ein Versprechen, das die lange kinderlos gebliebenen Eltern vor der Geburt des Helden einem dämonischen Wesen gegeben haben, ihm nach einer bestimmten Frist den Sohn zu über- liefern.1) Es begegnet in fünf deutschen Fassungen, ferner in niederländischen, dänischen, französischen, italienischen, griechischen, russischen, cechischen, armenischen, indischen. Aus dieser Form unseres Märchens ist im 12. Jahrhundert eine geistliche Umarbeitung, die Legende von Robert dem Teufel, erwachsen.2) Die kinder- lose Herzogin gelobt, wie Etienne de Bourbon (Anecdotes historiques ed. Lecoy de la Marche 1877 p. 145) berichtet, dem Teufel ihren Sohn zu weihen, falls er ihr einen solchen verschaffe. Robert wird ein Räuber und häuft Frevel auf Frevel, bis ihn Reue ergreift und 1) Vgl. oben 2, 319. 329. 2) Vgl. Liebrecht, Zur Volkskunde 1879 S. 106 und die ausführ- liche Untersuchung von Breul, Sir Gowther 1886 S. 45 — 134; endlich Studien zur vgl. Litgeschichte 4, 308. 334 (1904). Den altfranzösischen Roman hat A. Keller, Altfranzösische Sagen 1840 2, 58 = 1876 S. 234 verdeutscht. Auch ein armenisches Märchen 'Der büßende Graf bei Wlislocki 1891 nr. 56 gehört hierher; der verarmte Jüngling schließt aber selber einen Vertrag mit dem Teufel, nicht seine Eltern. 108 136. Der Eisenhans. ein Einsiedler ihm als Buße auferlegt, am Kaiserhofe den Stummen und Narren zu spielen und mit den Hunden zu essen. Als aber ein Heer der Ungläubigen heranzieht, eilt er als weißer Ritter drei- mal dem Kaiser zu Hilfe und verschwindet. Das drittemal trifft ihn ein Gefolgsmann mit der Lanze in den Schenkel. Der Sene- schall gibt sich für den unbekannten Retter aus und soll mit der stummen Tochter des Kaisers getraut werden ; da löst Gott ihre Zunge, sie offenbart Roberts Geheimnis, der Einsiedler verkündet diesem Vergebung seiner Sünden, und Robert wird zum Eidam des Kaisers erhoben. Der flüchtige Königssohn lebt dann bei dem wilden Mann, übertritt aber sein Gebot1), indem er sich über den Gold- brunnen neigt und sein Haar goldig färbt. Er wird darauf entweder in Güte entlassen und empfängt später von seinem Pfleger Beistand in Gefahren (B *), oder er entflieht auf einem redenden Roß und wirft auf dessen Geheiß dem verfolgenden Riesen zauberische Hindernisse in den Weg (B2). Diese magische Flucht ist offenbar ein fremder Zug, der durch die Erinnerung an andere Märchen (oben 2, 140) und zugleich mit dem aus 'Ferenand getrü' (oben S. 18) stammenden sprechenden Pferde in unsere Er- zählung eingedrungen ist; vgl. Panzer, Hilde-Gudrun S. 258. Aus demselben Märchen 'Ferenand getrü' haben einige bisher noch nicht erwähnte Fassungen ein weiteres Motiv (B 3j entlehnt, den Rollentausch, zu dem der Held unterwegs von dem ver- räterischen Diener gezwungen wird, und der in der 'Gänsemagd' (oben 2, 284 *) ein weibliches Seitenstück findet. In dem schottischen Vers-Roman des 15. Jahrh. 'Roswall and Lillian' (Lengert, Engl. Studien 16, 321. 17, 341) muß der Sohn des Königs von Neapel, der drei von seinem Vater gefangene Ritter aus Mitleid befreit hat und darum auf Reisen geschickt wird, seinem treulosen Hofmeister Kleider und Namen überlassen und dazu Schweigen geloben ; doch liefern ihm jene Ritter, als er unter dem Namen Dissawar am Hofe des Königs von Bealm dient, drei Turnierrüstungen, eine weiße, eine rote und eine grüne, und Rosse und decken am Hochzeitstage der schönen Lillian den an Roswall verübten Verrat auf2). 1) Über das Motiv der verbotenen Tür und des vergoldeten Fingers vgl. oben 1, 21. 2) Auf der schottischen Dichtung beruhen ein Gedieht 'Haquin und Dobra' von L. H. v. Nicolay (Vermischte Gedichte 8, 101. 1810) und eine 186. Der Eisenhans. 109 Im gälischen Märchen 'Bodach na craoibhe moire' (Campbell 1, XCII = 2. Aufl. 1, LXXXVI. A^CE) muß der Held mit einem rothaarigen Koch tauschen. Isländisch: Ritters- haus S. 219 nr. 52 'Eösald und Geirald' (sehr abgeschwächt). Serbokroatisch: Mijatovics p. 189 'One good turn deserves another' (A1 B3 C E). Bulgarisch aus Mazedonien : Sbornik min. 3, 222 'Kiösut' der Kahlkopf (nur teilweise hergehörig). Russisch : Dietrich S. 131 nr. 10 'Von Bulat dem braven Burschen' (A^CE) = Vogl 1841 S. 55 = Eovinskij 1, 170 nr. 45. Afanasjev3 1, 233 nr. 67a. 1, 239 nr. 67b = v. Löwis nr. 24 'Der Zarensohn und sein Diener' (A^DE). Chudjakov 2, 33 nr. 44. 3, 143 nr. 115. Weißrussisch: Glihski 1, 183 = 3. Aufl. 1, 151 nr. 8 = Chodzko p. 193 'Histoire du prince Slugobyl et du chevalier invisible' (Nievidek dankt für die Rettung seiner von einem Adler befreiten Tochter; B3 E). Estnisch: Kallas, Verh. 20, 115 nr. 1 'Der Schützling des Steinkönigs'. Indisch aus Ceylon: Parker 1, 137 nr. 15 'The prince and the yakä' (A1B3CE; Zungen aus- geschnitten). Tatarisch: Radioff 4, 385 'Der Peri' (A1 B3 C E). Ferner Engl. Studien 17, 352—356. Die Zeit des Knechtesdienstes, die der Held in ent- stellender Verkleidung als Grind köpf am Fürstenhofe verlebt, nur von der Prinzessin geliebt, nachdem ihr ein Zufall sein Goldhaar entdeckt hat, bietet ein männliches Seitenstück zu Allerleirauh (oben 2, 45), die in Tierfelle gehüllt als Küchen- magd im Königshause dient und nur bei besonderer Gelegenheit dreimal in Prachtkleidern auf dem Fest erscheint, um unerkannt wieder zu entschlüpfen, und zu Aschenputtel, von dessen männlichen Verwandten oben 1, 183 die Rede war. Gleich diesen kehrt der Grindkopf heimlich nach dem königlichen Leben in seinen alten Zustand zurück, sodaß er nur an einem äußeren Zeichen erkannt wird. In Wien hörte J. Grimm 1814 (Briefwechsel aus der Jugend- englische Ballade 'The lord of Lorn and the false Steward' (ChiJd, Eng- lish pop. ballads 5, 1, 42 nr. 271); doch fehlt in letzterer die Befreiung der gefangenen Ritter; die Entdeckung wird ähnlich wie in der 'Gänse- magd' (oben 2, 275) durch eine von der Herzogstochter belauschte Klage des als Stallknecht dienenden Jünglings herbeigeführt: 'Weh dir, Wallach! Du hast den Herren von Lorn geschlagen. Als Edelmann ward ich ge- boren und sollte ein Graf werden; mein Vater sandte mich übers Meer, aber der falsche Hofmeister betrog mich.' 110 136. Der Eisenhans. zeit 1881 S. 389) von dem Magdeburger Eckstein ein Märchen von einem Königssohn namens Stiefelstoß, der in einen Bären verwandelt unter der Treppe liegt; wer ins Haus geht, stößt und tritt ihn und putzt sich die Stiefel an seinem Fell ab. In zwei Eskimo-Märchen bei Rink 1866 nr. 1 'Kagsagsak' und 7 'Atlunguak' wird ein armer Knabe in den Hundestall verstoßen und von allen mißhandelt, bis er, von einem hilfreichen Tiere gestärkt, Heldentaten gegen Bären ausführt. W. Grimm vermutet, das Märchen habe eine alte Grund- lage und handle ursprünglich von einem göttlichen Wesen, das in die Gewalt eines Unterirdischen geriet und niedrige Arbeiten ver- richten mußte, bis es wieder zu seiner höheren Stellung gelangte ; die goldenen leuchtenden Haare weisen darauf hin. Andre, wie Laistner (Zs. f. dt. Altertum 38, 116), Beneze (Orendel, Wilhelm von Orense und Robert der Teufel. 1897), Panzer (Hilde-Gudrun 1901 S. 264) haben aus dem Grindkopfmärchen eine Reihe mittel- alterlicher Romane ganz oder teilweise abgeleitet: den Apollonius von Tyrus, Jourdain de Blaie, den Cliges des Chrestien von Troyes, Aioul, Philipps Abenteuer vor Montluisant in Charles le Chauve, Moniage Guillaume, Elie de Saint Gilles, Karl und Galiene im Mainet und in den daratis abgeleiteten Dichtungen, das Abenteuer Huons von Bordeaux bei Yvonin, Gautier d'Aupais, Bovon de Hampton, Hörn und Rimenild, Loher und Maller, Orendel, König Rother, die Hildesage in der Gudrun, eine Episode aus dem Wolf- dietrich D (Heldenbuch 4, 124 v. 135), die Orvar-Odd-saga, die Er- zählung von Iron und Apollonius in der Thi'Örekssaga, auch die jüdische Sage von dem durch Aschmedai verdrängten Salomo, der als Koch beim Ammoniterkönig dient und die Liebe von dessen Tochter Naama gewinnt.1) Allein die zeitweilige Erniedrigung eines vertriebenen Helden, der am fremden Königshofe als Küchenjunge, Stallknecht oder Gärtner unerkannt lebt, um dann desto glanzvoller hervorzutreten, und das daraus nahezu von selbst entspringende Motiv der unscheinbaren, entstellenden Tracht, sowie eines dämoni- schen Helfers sind so verbreitete dichterische Vorstellungen, daß man schwerlich in all diesen Fällen eine Bearbeitung oder Aus- strahlung unseres Märchens annehmen darf. Eine einigermaßen sichere Entlehnung aus diesem ist dagegen die Verkappung mittels J) So im Emek hammelech (Eisenmenger, Entdecktes Judentum 1, 357. 1711) und im Ma'asehbuch (Wünsche, Midrasch Ruth Rabba 1883 S. 79). 136. Der Eisenlians. 111 einer über den Kopf gezogenen Tierblase, durch die der Prinz im arabischen Märchen vom sorgenfreien König Hormoz (1001 Tag übersetzt von F. v. d. Hagen 3, 101. 1827 = Cabinet des fees 15, 98. Chauvin 6, 50 nr. 217) als grindköpfiger Gärtner der geliebten Rezia naht. Dasselbe Motiv ist in die griechische Bearbeitung des Apollonius-Romans bei Hahn nr. 50 'Von dem weiberscheuen Prinzen' (Klebs, Apollonius aus Tyrus 1899 S. 457), in rumänische Märchen bei Säinenu S. 317. 327. 331 und in manche Fassungen des Zauber- lehrlings (oben 2, 63 bretonisch 'Koadalan' und polnisch : Mitt. der schles. Ges. f. Vk. 2, 3, 15) und des Erdmännekens (oben 2, 305: Hahn nr. 26. 70 u. a.) eingedrungen.1) Die Vermählung der Königstochter mit dem seinen Stand sorgfältig verbergenden Helden ist entweder die Folge einer öffent- lichen Gatten wähl2), die der König seinen Töchtern überläßt und bei der die jüngste dem Gärtnersjungen ihren Goldapfel zuwirft, oder eines ritterlichen Turniers, auf dem der Jüngling als fremder Pitter dreimal in verschiedener Rüstung erscheint und den Sieg davonträgt. Das letztere Motiv ist aus mehreren mittelalterlichen Ritterromanen wohlbekannt: aus Chrestiens Cliges, Richard Coeur de Lion, Ipomedon, Lanzelet, Straparola 3, nr. 4 u. a. ; vgl. Engl. Studien 17, 360, Child, Populär ballads 5, 1, 47 und Weston, The three days' tournament 1902 p. 21 — 34. Verwandt damit ist das Märchen von dem Glas berge, zu dem der Freier der Prinzessin emporsprengen muß wie Siegfried im dänischen Liede zu Brunhild (oben 1, 233. 2, 340); das gelingt dem Dummling, der für drei Nachtwachen am Grabe seines Vaters drei prächtige Pferde erhalten hat.3) Anstatt des Glasberges wird auch das dritte oder vierte *) Insbesondre ist die Herleitung der Hildesage, die Panzer in seinem anregenden, kenntnisreichen Buche S. 267 versucht, auf be- gründeten Widerspruch gestoßen; vgl. R. Much, Archiv f. neuere Sprachen 108, 395—416. Symons, Litbl. f. german. Phil. 1902, 325. Ehrismann, Zs. f. dt. Philologie 37, 515. Droege, Zs. f. dt. Altert. 54, 163. 2) Zuwerfen des Apfels als Liebeszeichen: oben 2, 381. Chauvin 6, 3. 201. 8, 151. 3) Deutsch: Zingerle 2, 395 'Der Aschetagger' (Fels). Sommer 1, 96 'Der dumme Wirrschopf'. Strackerjan 2, 304 = 2. Aufl. 2, 449 'Der Glasberg'. Müllenhoff S. 437 Anm. Wisser, Plattdeutsche Vm. S. 230 und Zs. f. Volkskunde 25, 305. Bartsch 1, 492 'Der dumme Krischan' = Zaunert S. 268. Knoop, Hinter pommern S. 192 'Der dumme Hans'. Haas, Rügen 1903 S. 262 = 1912 S. 193. — Dänisch: Grundtvig, Minder 1, 200 112 136. Der Eisenhans. Stockwerk,1) ein Graben2) oder ein Mast mit einem Tuch daran3) genannt. Auch das Märchen vom Hirten, der drei Riesen (oder Drachen) erschlägt und in ihren Schlössern drei kostbare Rosse 'Den sorte best' und hsl. Register nr. 3 'Prinsessen paa glarbjterget'. Madsen p. 41 'Knaesben Askefis'. Kamp 1, 99 nr. 9 'Prinsessen paa Glasbjeerget' (vom Drachen geraubt). Kristensen, Aev. fra Jylland 2,126 nr. 17 (drei Hnnde). Kristensen, Danske folkeaev. nr. 26 (hilfreicher Stier). Skattegraveren 6, 139 (hilfreiche Alte). 8, 193 (Königin vom Troll geraubt). Schwedisch: Äberg nr. 209. 211. 240. Allardt nr. 128. Hackmans Register nr. 530. Norwegisch: Asbjörnsen-Moe nr. 51 'Jomfruen paa Glasberget' = Bresemann 2, 189 = Dasent 1, 105. Berge 1914 p. 57. Paröisch: Jakobsen S. 280 nr. 14 '0skadölgur'. Ita- lienisch: Rivista delle tradiz. pop. ital. 1, 590 'Le montagne di vetro' (Variante zu unsrer nr. 93). Bulgarisch: Sprostranov S. 107 nr. 20 (Grindkopf). Wendisch: Veckenstedt S. 72 (Prinzessin vom Greifen ge- raubt). Kaschubisch: Lorentz, Teksty S. 162 nr. 218. S. 585 nr. 721. Polnisch: Ciszewski S. 194 nr. 142. Zbiör wiad. 16, 79 nr. 23. Mater, antropol. 13, 139 nr. 9. 10, 259 nr. 33. Kleinrussisch: Cu- binskij 2, 269 nr. 70 (Glasbrücke zum Palast). 2, 274 nr. 71. 2, 276 nr. 72 (Berg). Zdziarski, Gaisc basni S. 19 nr. 12. Mater, antropol. 13, 179 nr. 167. Rozdoljskyj S. 36 nr. 10. Etnogr. Zbirnyk 7, 136 nr. 65. 7, 139 nr. 67. Kolberg, Pokucie 4, 108 nr. 20. Großrussisch: Afa- nasjev3 1, 293 nr. 106 b (die Prinzessin durch zwölf 'Gläser' küssen). Sbornik Kavkaz. 42, 2, 1 (Fels). Lettisch: Treuland S. 223 nr. 119. S. 230 nr. 120. Ulanowska S. 298 nr. 24. Estnisch: Kreutzwald 1, 160 nr. 13 = v. Löwis 1916 S. 149 = Kirby 2, 40. Magyarisch: Gaal-Stier 1857 nr. 6 (vgl. oben 2, 339). Zigeunerisch: Wlislocki, Volksdichtungen 1890 S. 323 'Das Zauberpferd' (Prinzessin vom Drachen geraubt). Türkisch: Künos, Stambul S. 125 nr. 17 (zu unsrer nr. 111), dazu Ungar. Revue 8, 330. Vgl. Macculloch p. 363. 442 über den Glasberg. !) Lemke 2, 54. 58 = Zs. f. Ethnologie 15, Verh. S. 340. Bunker S.202nr.76=Zs. f. Volksk. 8, 192.- Cechisch:Slavia 1878, 95 nr.35 (Burg- mauer). PfikrylS.499. Slovakisch: Ökultety-Dobsinsky S. 310nr.32 = 2. Aufl. S. 585 nr. 43 (Turm). Polnisch: Toeppen S. 148. Chelchowski 2, 132 nr. 82 (3. Stockwerk). Kleinrussisch: Dragornanov S. 262 nr 4 (2. Stockwerk). Hrincenko 1, 170 nr. 161. Af anasjev 4, nr. 47 =3. Auil 1, 298 nr. 106 c. Etnogr. Zbirnyk 14, 169 nr. 21 (3. Stockwerk). Malinka S. 300 nr. 26 (5. Stockwerk). Weißrussisch: Dobrovoljskij 1, 590 nr. 30 (3. Stockwerk). S. 594 nr. 31 (Balkon). Dmitriev S. 176 = Afanasjev 3, nr. 5 = 3. Aufl. 1, 289 nr. 105c (3. Stockwerk). Romanov 6, 470 nr. 53 (desgl.). Werjdio S. 75 nr. 23 (desgl.). Großrussisch: Afa- nasjev3 1, 287 nr. 105a. 105b. 1, 292 nr. 106. 1, 300 (hohes Stockwerk). Ralston p. 256. Chudjakov 2, 55 nr. 50 (Balkon). Kolosov S. 59 (3. Stockwerk). Oncukov S. 178 nr. 68 (desgl.). Chavannes, Die 136. Der Eisenhans. 118 erbeutet,4) schließt mit dem dreimaligen Siege des unbekannten Ritters im Turnier. Auf diese erste 'Adelsprobe' folgt in den meisten Auf- zeichnungen die Vermählung mit der Königstochter; volle An- erkennung erhält der Held aber erst, nachdem er in drei Schlachten wiederum als unbekannter Helfer das feindliche Heer besiegt oder ein Heilmittel für den erkrankten König (wie oben 1, 510 und 2, 399) herbeigeschafft und seine hochmütigen Schwäger beschämt hat. Wissensch. im 19. Jahrh. 9, 100. Goldschmidt S. 22. Leskien-Brugmau S. 525. Litauisch: Karlowicz S. 55 nr. 38. Leskien-Brugman S. 357 Dr. 4. Lettisch: Weryho S. 195 nr. 25 (Turm). Estnisch: Kallas nr. 15 — 17 (Verhdl. 20, 125). Einnisch: Salmelainen 1, nr. 6 = Grässe, Märchenwelt S. 226 = Schreck S. 50. Aarnes Register nr. 530. Lappisch : Qviostad-Sandberg nr. 25. Zigeunerisch: Groome nr. 45 = Journal of the Gypsy-lore soc. 1, 84. Awarisch: Schiefner nr. 4; vgl. R. Köhler 1, 551. Mingrelisch: Sbornik Kavkaz. 24, 2, 47 nr. 15 (20. Stockwerk). Tschetschenisch: Zs. f. Ethnologie 14, Verh. S. 268 'Die drei Brüder'. Georgisch: Wardrop p. 140. Aramäisch: Revue des trad. pop. 25, 20 'Le testament du roi'. Birmanisch: ZdmG. 57, 9 = Revue 18, 388 'Le prince et les chevaux volants1. 2) Serbokroatisch: Valjavec S. 38 = Leskien S. 193 nr. 43. Mijatovics p. 248 'The dream of the king's son' ; vgl. R. Köhler 1, 432. Bulgarisch: Sapkarev 8, 112 = Leskien S. 21. Polnisch: Kolberg, Lud 8, 1 nr. 1 ('Festung' überspringen). Kleinrussisch: Etnogr. Zbirnyk 7, 138 nr. 66 (Mauer). Großrussisch: Zapiski Krasnojarsk. 1, 105 nr. 54 (Schranke überspringen und das Taschentuch der Prinzessin entreißen). 3) Cechisch: Pfikryl S. 498 (Ring an einer Schnur). Polnisch: Ciszewski S. 142 nr. 141 (desgl.) Schiller nr. 4 (Mast). Mater, antropol. 8, 159. Weißrussisch: Glihski3 1, 32 nr. 2 (Turnier). Eederowski 2, 91 nr. 66 (Säule). Über das Drama von Z. Sarnecki vgl. Zdziarski, Pierwiastek ludowy S. 509. Großrussisch: Zapiski Krasnojarsk. 2, 79 nr. 23 (Tuch auf einer Säule). Magyarisch: Erdelyi-Stier 1850 S. 91 nr. 14. 4) Deutsch: E. Meier nr. 1 'Der Schäfer und die drei Riesen'; nr. 29 'Hans und die Königstochter', dazu S. 306. Zingerle 2, 91. 96. 326. 372. Preuß, Westpreußen S. 18. — Vlämisch: Wodana 1, 158 = Wolf, DMS. nr. 2 'Vom dummen Peter'. Irisch: Curtin, Myths p. 157 'The 13. son of the king of Erin'. Westermanns Monatshefte 84,50. Larminie p. 196 (Eingang). Folklore 6, 309. Französisch: Cosquin 2, 89 nr. 43 'Le petit berger'. Italienisch: Comparetti nr. 22 'II pastorello fortunato' und 62 'Lo specchio incantato'. Visentini nr. 5 'I tre giganti'. Zigeune- risch: Groome nr. 61 'The dragon' = Journal of the Gypsy-lore soc. 3, 84. Grimm, Märchen-Anmerkungen III. 8 114 137. De dre schwatten Prinzessinnen. Im ersten Falle erfolgt die Entdeckung durch eine Wunde, die der König (oder einer seiner Leute) seinem Retter beim Versuche ihn festzuhalten beigebracht hat; im zweiten entlarvt er die Schwäger, die ihm für das Heilmittel (oder die Jagdbeute) die Goldäpfel ihrer Gattinnen übergeben oder sich durch Brandmarkung1) als Sklaven hatten zeichnen lassen. 1856 s. 2i9. e ^re schwatten Prinzessinnen. 1815 nr. 51 = 1819 nr. 137. Aus dem Münsterland durch die Familie v. Haxthausen ; die Originalhandschrift ist erhalten. Aus teilweiser Entstellung strahlt der alte Kern des Märchens hervor: auf den Rat der besorgten Mutter beleuchtet der Fischer- sohn nachts die drei verwünschten Königstöchter, die er ein Jahr lang nicht ansehen soll; als ein Tropfen von der geweihten Kerze auf sie fällt, erwachen sie und klagen über die mißlungene Erlösung.2) Ebenso erzählen die mittelalterlichen Gedichte von Parthenopeus und von Friedrich von Schwaben (oben 2, 269. 347); doch während hier die Helden, ähnlich der neugierigen Psyche bei Apuleius (oben 2, 268), nach weiteren Mühen und Prüfungen mit der Geliebten vereinigt werden, versinkt in unserm Märchen das Schloß samt den Jungfrauen auf Nimmerwiedersehen in die Erde. J) Solche Brandmarkung neidischer Brüder oder Schwäger er- scheint auch in mehreren Fassungen unsrer nr. 57, 91, 97; vgl. R. Köhler, Zs. f. Volkskunde 6, 164 zu Gonzenbach nr. 61; Wetzel, Söhne Giaffers .1895 S. 215; Chauvin 7, 152; Müller, Mehri S. 149; Hein-Müller, Mehii S. 15. 139; North indian notes 5, 172 nr. 475. Kretschmer, Neu^riech. Märchen 'S. 331. 2) Dazu bemerkt Wilhelm Grimm 1815 : Der Zauber in seiner Entwicklung oder im Gang zu seiner bestimmten Auflösung durch über- mächtige Eingriffe gestört, zieht Verderben oder gänzliche Vernichtung nach sich. Er will heimlich bleiben, scheut Licht; darum sind die drei Prinzessinnen schwarz und werden allmählich weiß. Er scheut auch die Rede, und es ist ganz dasselbe, wenn beim Heben des Schatzes das erste gesprochene Wort ihn siebenmal tiefer zu versinken zwingt (Grimm, DS. nr. 213. Wuttke, Volksaberglaube § 641. Jegetlehner. Sagen aus dem Oberwallis 1913 S. 298 zu nr. 3). 138. Knoist un sine dre Sühne. 115 Vermutlich war dem Barschen verboten, von (nicht mit) den verwünschten Jungfrauen zu reden (vgl. oben 2, 321). Das stufen- weise Weißwerden dor schwarzen Prinzessinnen findet sich z. B. auch in einer zum 'König vom goldenen Berge' (oben 2, 320. 330) gehörenden Erzählung bei Panzer 1, 191 'Die drei verwunschenen Frauen', wo der Jüngling drei Qualnächte ertragen soll, sowie in Varianten der 'Rabe' (oben 2, 335 Motiv A2) und dänisch bei Kristensen, Aev. fra Jylland 1, 321 nr. 41 'De freiste Prinsesser und nr. 42 'Staalmanden' (vgl. oben 2, 542). 158. Knoist un sine dre Sühne. 1815 nr. 52 = 1819 nr. 138. Aus dem Sauerland und in der dortigen Mundart durch ein Fräulein von Haxthausen. Es wird singend und mit sehr lang gezogenen Silben erzählt. Werrel (Werl) ist ein Wallfahrtsort in Westfalen, Soist ist Soest im Bergischen. Es wird auch als Rätsel aufgegeben und, wenn man lang geraten hat und nach der Auflösung fragt, geantwortet: 'eine Lüge'1). Nach einer andern Erzählung gehn sie, nachdem der Nackende den gefangenen Hasen in die Tasche gesteckt hat, in die Kirche, wo der 'bocken Pastor' und der 'hageböcken Köster' das Weihwasser austeilen. 'Dar keimen se bie een graut graut Waater, dat was so breed, dat en Haan daröver schret; do wören drei Schippe up, dat eene was leck, dat andere was leck, dat derde was kien Boaden in. In dat, wo kien Boaden was, setten se sick alle drei in; de eene versop, de annere verdrank, de derde kam der gar nig wier ut.' — Ähnlich in den Münsterischen Geschichten 1825 S. 232 'Knost un sine drei Söne', wo die einzelnen Sätze wie das Evangelium in der Kirche gesungen werden. Danach Firmenich 1, 296 und Simrock, Kinder- buch, 3. Aufl. nr. 1027. — Aus Heede im Kbl. für nd. Sprach- forschung 7, 73 (1882) 'Olle-Bloum sine Vesper' — Medersachsen 17, 436. — Aus dem Saterlande bei Strackerjan 2, 297 = 2. Aufl. 155G S. ->20. !) So bei Simrock, Rätselbuch3 S. 99 (= Volksbücher 7, 305 nr. 170). Es ist sozusagen eine Parodie auf das Rätsel vom Vogel Federlos (Müllenhoff-Scherer, Denkmäler nr. 7, 4. Wossidlo 1. 52 nr. 99). Tirolisch : Zs. f. Volkskunde 5, 159 nr. 206. Wossidlo 1, 136 nr. 467. 8* 116 138. Knoist an sine dre Sühne. 2, 441 'Hageböken Evangelium'. Bröring, Saterland 2, 158 (1901). Siebs, Zs. f. Volkskunde 3, 409. — Ähnlich Niedersachsen 17, 167 (1912) 'Dat hageboekene Evangillium'. — Aus dem Tecklenburger Kreise (Westfalen) ebd. 17, 279 'De Schaulske Vesper'. In der beliebten Form einer Predigtparodie1) werden hier alte Züge von Lügenmärchen (wie unten in nr. 158 und 159) zu einem Ganzen verbunden. Die Hasenjagd der drei schadhaften Gesellen begegnet schon in einer gereimten Lügenpredigt des 15. Jahrh. (Zs. f. dt. Alt. 36, 152 v. 75), wo im Lande Kuckormürre die Fußlosen nach den Hasen laufen und die Nackten sie in ihren Busen stoßen. Ein Meisterlied in des speten Frawenlobs Thon (Frankfurter Liederbüchlein 1582 nr. 141, Str. 3. Mittler nr. 1319) erzählt : Ich stund ein kleine Weil darbey, Eiu Lahmer erlieff drey Hasen frey, Ein Nackender nam jms alle drey Und sties sie in den Busen so behende; Das sah ein blinder Stum, der sprach . . . Ähnlich um 1560 der Finckenritter (Bl. A 4a. Facsimiledruck von Bolte 1913) in der 3. Tagreise : 'Ich zohe fürt, da begegneten mir erstlich drey Gesellen, der ein was nackend, der ander blind, der dritt gieng auff einer Steltzen. Der Blind der sähe ein Hasen, der auff der Steltzen erlieff jhn, vnnd der Nacket schöbe jhn inn Busen.' Ferner das alte ditmarsische Lügenlied bei Erk-Böhme, Liederhort 3, 46 nr. 1104, Str. 3 (vgl. unten nr. 159): It wolden dre Kerls einen Hasen fangen, Se quemen up Kröcken und Stölten gangen; De eine konde nicht hören, De ander was blind, de drüdde stumm, De verde konde nich en Vot rören. Ebenso in den hochdeutschen Lügenliedern bei Erk-Böhme nr. 1104, Str. 3 (Kopp, Ältere Liedersammlungen 1906 S. 82. Mittler nr. 1309) und nr. 1106, Str. 7, Uhland nr. 241, Str. 15 und 3—5 (Mittler nr. 1318. Böhme, Ad. Liederbuch nr. 278b), Kretzschmer- *) Vgl. F. Lehr, Studien über den komischen Einzelvortrag in der älteren deutschen Literatur 1: Die parodistische Predigt (Diss. Marburg 1907). Zs. f. Volkskunde 12, 224. 14, 364. 471. 19,175. Alemannia 14, hl. Volkskunde (Gent) 20, 73. 117. 178. 232. 21, 37. 80. 101.150. 239. 22,80. 138. Knoist un sine dre Sühne. 117 Zuccalmaglio 1, 207 nr. 118, Str. 5 (Mittler nr. 1310. Walter nr. 139), sowie bei A. Peter, Volkstümliches aus Österreichisch-Schlesien 1, 74 nr. 198, 23 und Rochholz, Alemannisches Kinderlied S. 264. Le- walter, Kinderlied nr. 785 (Rätsel). Eine steirische Scherzpredigt bei Rosegger, Alpensommer 1908 S. 222 == Zs. f. Volkskunde 19, 183; eine deutsch-böhmische in Veckenstedts Zs. f. Volkskunde 2, 395 ; Mitt. f. sächs. Volkskunde 5, 126; Schweiz. Archiv für Volkskunde 18, 136. Im siebenbürgischen Märchen bei Haltrich nr. 59 streiten 'die drei lustigen Brüder', der Blinde, der Lahme und der Nackte, um den gefangenen Hasen und -müssen von dem Richter jeder eine Lügengeschichte vortragen. — -Niederländisch in einem Lügen- liede bei Kalff, Het Lied 1884 p. 488. — Dänisch bei Kristensen, Danske Folkegaader 1914 S. 216 und 280 'Det er Logn'. — Eng- lisch aus Yorkshire bei Henderson 1866 p. 337 nr. 12 'Lying tale', wo die Hörer zum Schluß rufen: 'Das ist eine Lüge'. — Französisch aus der Bretagne bei Sebillot, Litt, orale p. 389 'Menteries' (die drei Jäger bringen den Hasen in ein Haus mit drei löcherigen Töpfen). — Italienisch bei De Nino 3, 307 (Schluß von nr. 61 'Occhio in fronte') : C'erano tre frati, Due nudi e uno spogliato ; Due nudi e uno spogliato. Siamo iti a caccia Irono a caccia senza pistola, Senza schioppetta, senza pistola; Irono a caccia senza schioppetta, Abbiamo fatto tre lepri, Bassarono a una casa. Due presi e uno scappato.' Rispose quello che non ci stava : — 'Griusto giusto, ci stanno tre pignatte, 'Siamo tre frati, Due rotte e una sfasciata.' Bernoni, Tradizioni pop. veneziane p. 18 = Crane p. 263 'The three brothers'. Ive, Fiabe rovignesi 1878 nr. 4 'I tri fardai'. Mailly nr. 203. Ortoli, Corse p. 278 'Les six freres' (sechs Hasen ; fünf löcherige Töpfe, einer ohne Boden; ein Knochen springt dem einen Bruder ins Auge; sechs ungeschickte Ärzte). — Türkisch: Künos, Stambul 1905 S. 399 'Kunterbunt'. — Estnisch bei Wiedemann, Aus dem Leben der Ehsten 1876 S. 290 als Rätsel: uEine feurige Kutsche kommt am Berge herab, darauf sitzt ein Blinder, ein Fußloser, ein Nackter; ein Hase begegnet ihnen; der Blinde sieht ihn, der Fußlose fängt ihn, und der Nackte steckt ihn in den Busen.' (Auflösung: die untergehende Sonne, die Nacht, die Morgenröte, der Mond). — Künstlicher ist ein gereimtes Rätsel bei Harsdörffer, Schauplatz lust- und lehrreicher Geschichte 1660 2, 207 nr. 155 angelegt: ein Stummer 118 138. Knoist un sine dre Sühne. ruft durch den Blinden und Lahmen einen handlosen Geiger, damit er seinem tauben Sohne vorspiele. Danach Abraham a S. Clara, Huy und Pfuy der Welt 1707 S. 200 (Werke 10, 605). Vgl. Müller- Fraureuth, Lügendichtungen 1881 S. 101 f. und Uhland, Schriften 3, 228. 232. 330.1) Von den drei wunderlichen Schiffen berichtet der Fhickenritter in der 4. Tagreise (Bl. A 6b): 'Also zohe ich für vnnd käme an ein großen, mechtigen, erschröckenlichen, tieffen vnnd schiff- reichen Bach, da was kein Wasser; darinn giengen drejr geladener Schiff, das ein hat kein Boden, das ander hat keine Wend, das dritte was nicht da. Ich gedacht, wie ich jhm thete, das ich vber das Wasser kerne, vnd saß in das Schiff, das nicht da was, vnnd für hinüber.' Das neu Schlauraffenland Str. 6 — 7 (Uhland, Volkslieder nr. 241 = Mittler nr. 1318 = Böhme nr. 278b). Ich-erzählungen und Scherzpredigten: Zs. f. Volkskunde 19, 177 f. 182 f. Kbl. f. nd. Sprachf. 7, 73. Blätter f. pomm. Volksk. 10, 159. Lewalter, Kinder- lied in Kassel nr. 493. 590. 602. 603. 730; vgl. S. 375. Frömmel, Kinderreime 2, 53. 55 (1900). Den hölzern en Pf arr er kennt schon das Lügenmärchen von den Wachteln aus dem 14. Jahrh. (Wackernagel, Dt. Lesebuch l5. 1149. 1873) v. 67: Die hunde sint mit muose behuot, da sint die kircktüre guot gemürt üz butern, got weiz! und schinet diu sunne also heiz, daz schadet in niht umbe ein här. ein eichin pfaffe, daz ist war, ein büechin messe singet. swer da ze opfer dringet, der antlaz im geben wirt, daz im der rücke geswirt, *) Im dänischen Lügenliede (Rasrnussen-Nyerup, Udvalg af danske viser 1821 2, 92 Str. 8) tanzt der Lahme, der Stnmme singt, der Blinde ■webt Goldgewirk. Im schottischen (Buchan, Ancient ballads of Scot- land 1828 1, 259 'The man to the Green Joe,' Str. 6) werfen 24 Hand- lose (handless men, nicht headless) den Ball, da springt Fußlos herbei und Hingt ihn weg; Mundlos lacht mit Lust, und Zunglos spricht seinen Spruch. 138. Knoist un sine dre Sühne. 119 den segen man mit kolven gap.1) ze hant huop ich mich herap : Ton dem antlaz ich erschrac. siben wachtel2) in den sac! Auch im Ysengrimus ed. A^oigt 1884 1. 6, v. 381 : 'Teutonicus miser et rudis est ut papa salignus.'. Der Meißner (MSH. 3, 108a Str. 13): 'Mir ist ein hülzin bischof vil lieber, dan ein stummer herre, der niht git durch ere.' Geiler sagt : 'Vor zeyten waren gülden priester und hultzen kelch, nue sein die priester hültzen und die kelch gülden' (De generibus ebriosorum 1515 bei Zarncke, Die dt. Universitäten 1, 151. Zimmerische Chronik 2, 589. Müller-Fraureuth, Lügendichtungen S. 90). Man hat natürlich an die geschnitzten und bemalten Heiligenbilder in Kirchen und Häusern zu denken, ohne daß man mit Rochholz, Schweizersagen 1, 362 und Deutscher Glaube und Brauch 2, 134 gleich in die germanische Keidenzeit zurückzugehen braucht. In Schwaben sagt man von einem ungelenken, unbehilflichen Menschen : 'Er steht da wie ein hölzerner Herrgott, wie ein pappeter Jesus' (Fischer, Schwab. Wtb. 3, 1498). In den schon angeführten Scherzreden Zs. f. Volkskunde 19, 177 f. 182 f. Lewalter nr. 493. 730 erscheint ein lederner, hölzerner, papierener Pfaff , der eine buchnhagnfeichtne Messe liest ; im steiri- schen Gasseispruch ebd. 6, 133 hat 'a rupferner Pforra a haberne Mess gelesen' ; vgl. Veckenstedts Zs. f. Vk. 2, 395. Schweizer Archiv f. Volkskunde 18, 143. Wolf, Hausmärchen S. 423. Böhme, Kinderlied S. 307 nr. 1515. Brenner, Baseler Kinderreime nr. 185. *) Vgl. Lassberg, Liedersaal 3, 553 v. 80: 'Min houpt wart mir gczwagen j mit hagenbuochner kragen.' v. d. Hagen, Gesamtabenteuer 3, 81 v. 1434 : 'Dri guote knütele eichen j ze guoter mäze wol gewegen | diewaBren da der beste segen.' — Chaucer, Canterbury tales, the Harleian ms. 7739 ed. by Furnivall (1S85) p. 143 in der unechten Tale of Gamelyn v. 503 : 'Gamelyn sprengeth holywater with an oken spire.' Rochholz, Kinderlied 1857 S. 528 verweist noch auf den Rosengarten D 434 (S. 137 ed. Holz), wo der Mönch Ilsan mit dem Schwerte Beichte hören will, und auf Halbsuters Lied auf die Schlacht bei Sempach (Liliencron, Die histor. Volkslieder 1, 126 Str. 8): 'Und wo sitzt denn der pfaffe, dem einer bichten muß ? . . . Mit haleparten wirt er üch gen den segen.' 2) Die Wachteln bedeuten Lügen, wie man noch heute hört: 'Er lügt in seinen Sack'; s. Haupt, Zs. f. dt. Alt. 4, 578. Unland, Schriften 8, 367 = Germ. 1, 328 f. Müller-Fraureuth, Lügendichtungen S. 89. 120 139. Dat Mäken von Brakel. 1856 s. 221. 139. Dat Mäkcn von Brakel. 1815 nr. 53 = 1819 nr. 139. Aus dem Paderbörnischen durch die Familie v. Haxthausen. St. Anna nämlich ist die Schutz- patronin von Brakel, und ihre Kapelle liegt nicht weit von der Stadt. Mudder ist aus dem Hochdeutschen herübergekommen, Möhme aber der gemeine Ausdruck. Man hat dort noch einen andern Spottvers 1): 0 hilge sünte Anne, Help mie doch bald tom Manns ! 0 hilgo sünte Viet, Et is ietz die liogeste Tied ! St. Vitus ist der Schutzpatron des nahliegenden Korvey (bei Höxter). — In einer neueren Fassung (Niedersachsen 19, 202. 1914) betet das Mädchen von Brakel : Hillge Mutter Anne, Help du mi to'm Manne, De mi nit sleit Un nit to Beire geit ! Auch von der Kapelle zu Bellinghausen bei Essen (Nieder- sachsen 19, 239) wird der Schwank berichtet, und die Verse lauten hier: Hilge Moder Anna, ich bä di an, Gif mi bald enen goden Mann ! Ebenso Hannoverland 1912, 201. Im Hannoverschen wird er- zählt, daß, als das Mädchen Gott um ein Zeichen bittet, ein Hirt, x) Bei Erasmus Widmann, Musicalische Kurzweil 1611 nr. 30 wird Sankt Florian von den ledigen Jungfern angerufen, in E. Meiers Schwäbischen Volksliedern 185B S. 157 St. Johann und St. Anton, in Boseggers Gedicht 'A betendi Jungfrau' (Schriften in steirisclier Mund- art 1895 1, 314) St. Kilian, sonst aber vorwiegend St. Andreas (B. Köhler 3, 271. Sartori, Sitte und Brauch 3, 10). In des Knaben Wunder- horn 1, 341 (1806) steht ein Echolied mit Antworten an die Betende 'Andreas, lieber Schutzpatron', 1772 von J. W. v. Beust verfaßt (Böhme, Volkstümliche Lieder 1895 nr. 683. J. Meier, Kunstlieder im Volksmunde 1906 S. 4 nr. 23). Über andre Andreaslieder von Chr. Weise 1668, J. F. Bothmann 1711, Picander 1732, Sperontes 1736 vgl. Spitta, Vjschr. f. Musikwissenschaft 1, 65; Alemannia 3,168; Jb. f. Gesch. Elsaß- Lothr. 12, 105. 139. Dat Mäken von Brakel. 121 der das ganze Gebet hinter einer Hecke mit angehört, einen alten Schuh1) herüberwirft, wofür es Gott freudiglich dankt. Ähnlich wirft in einem mecklenburgischen Schwanke bei Wossidlo, Aus dem Lande Reuters 1910 S. 197 der auf dem Apfelbaume sitzende Junge einen Stein in den Teich, als er die Magd beten hört: 'Peter heet he, bi 'n Preester deent he, blag' Strümp hett he ; leew' Gott, giff 'n Teeken von 'n Himmel!' — Auch eine Sage aus Westfalen ge- hört hierher (1822) : Et was mohl en Meken in Sauste (Soest), dat kneide sick alle Morgen, wenn de Luhe olle uidt de Kerke würen, für dat graute Herrgottsbild und behede. Da was dei Küster nigelig (neugierig) un gink mohl hinner dat Bild stohen. Da seh dat Meken: '0 du graute leiwe Gott von Sauste, Bescher mie doch usen Knecht den Jausten (Jost) !' Da seh dei Küster: 'Meken, du krigst en nu nig.' Da seh dat Meken: '0 du graute leiwe Gott, so boit (beiß) mie doch nig!' — Im bayrischen Walde soll eine Jungfrau vor dem Bilde des h. Hermann inbrünstig um einen Mann, aber nur keinen Roten, ge- betet haben; da sagte der hinterm Altar hantierende Mesner: 'Es ist kein andrer mehr da', und die wählerische Dirne lenkte schnell ein : 'Na, in Gotts Nam, nachher tuts der auch.' (Bronner, Bayerisches Schelmenbüchlein 1911 S. 23). — Bei Aurbacher, Ein Volksbüchlein 2, 137 'Soll ich oder soll ich nicht?' kniet eine siebzigjährige Witwe vor dem Marienbilde und fragt, ob sie noch einmal heiraten solle; der Mesner macht am Haupt des Christkindes eine Vorrichtung und bewegt dieses, als das Mütterlein andern Tags wiederum fragt, zum Zeichen der Verneinung. Da ruft das Weib zornig: 'Was gehts denn dich an, du Gschnapperl? Wenns nur der Mutter recht ist.' — Ähnlich vlämisch De Mont en de Cock, Vertelsels S. 161 'Van het meisje, dat o. 1. vrouw om een man bad'. Volkskunde 23, 132 nr. 3. Vincx p. 154 nr. 26. — Englisch: Addy nr. 30 'The maid who wanted to marry1. — Eranzösisch: Leroux, Dictionnaire comique 1786 s. v. Babouin = Revue des trad. pop. 7, 444 (Taisez-vous, petit babouin, laisser parier votre mere; eile est plus sage que vous). Revue 12, 335 (Tais-toi donc, petit gars. Ces choses ne te regar- x) An eine besondre erotische Bedeutung des Schuhes denkt Liebrecht, Germania 1, 210 und Orient u. Occ. 3, 372; vgl. Aigremont, Fuß- und Schuhsymbolik und -erotik 1909 S. 55. 122 139. Dat Mäken von Brake!. dent pas encore). Wallonia b, 184 'Une parole de mame Jesus.' Sebillot, Joyeuses bist. p. 269 'L'enfant de ehoeur et la fille amoureuse.' Perron, Proverbes de la Franche-Comte 1876 p. 30 (Sainte vierge Marie, Aussi blanche que du papier, Aussi douce que du miel, Faut-il le prendre ou le laisser?). Niedersachsen 19, 239 und 286. — Italienisch: Balladoro p. 195 'Mandeme un Piero o un Togno.' Maüly nr. 196. — Spanisch: Fulano, Cuentos andaluces p. 189 'Lavirgeny el nifio Jesu.' — Serbokroatisch aus Dalmatien: Krauß, TSM. 1, 406 nr. 120 'Die Wittib vor dem Standbild des h. Laurentius'. — Cr roß russisch: Oncukov S. 544 nr. 263 — Finnisch : Aarnes Register nr. 1476 (Setz dir deinen Fuß auf den Nacken). Eine Weiterbildung dieses Schwankes ist Immermanns Gedicht 'St. Antonius' (Werke ed. Boxberger 11,94), wo der Liebhaber hinter dem Heiligenbild verborgen antwortet, und ein Negermärchen aus Louisiana bei Fortier p. 82 nr. 21 'The statue of St. Anthony', wo der Knecht dem Jüngling hinterbringt, daß die hübsche Nachbars- tochter dem Holzbild ein Loch ins Ohr gebohrt und ihre Liebe be- kannt hat. Dagegen hetzt bei Abraham a S. Clara, Lauberhütt 1723 1, 56 ein Rauchfangkehrer seinen Hund auf den verliebten Schuhknecht. Anderwärts foppt der versteckte Schalk die Beterin, indem er ihr ihren Geiz oder ihre Schleckerei vorwirft; so schon in Val. Schumanns Nachtbüchlein 1559 nr. 42 'Von einem calfacter zu Wien und einem alten reychen weyb, wie sie ihn kleydet.' — Den an- dächtigen Männern ergehts nicht besser. Von einem Küster in dem nordholländischen Dorfe Wormer teilt Hendrik Soeteboom, Oudheden van Zaanland, Stavoren, Vronen en Waterland 1, 376 (Amsterdam 1702) eine ähnliche Geschichte mit. Ein Bäcker in dem Dorf war dafür bekannt, daß er sein Brot zu leicht machte, und verlor deshalb seine Nahrung. Er ging nun oft in die Kirche und verrichtete vor der Jungfrau Maria, die mit dem Jesuskind im Arm an einem Pfeiler stand, seine Andacht und bat sie um ihre Hilfe, damit seine Nahrung wieder besser würde. Der Küster Klint, der das bemerkte, stellte sich einmal hinter den Pfeiler, und als der Bäcker wieder sehr eifrig seine Bitte vortrug, rief jener mit einer feinen Kindersprache: 'Bäcker, ihr müßt euer Brot was schwerer machen.' Darauf ant- wortete der Bäcker schnell: 'Schweig, Junge, und laß deine Mutter sprechen !' und ging damit fort. Gleiches wird in dem aus dem Holländischen übersetzten Schwankbuche 'Der Geist von Jan Tarn- 139. Dat Mäken von Brakel. 123 baur' (um 1690. Berlin Yt 9901, 3) S. 176 von dem Bäcker Andreas Quat- pfenning zu Steinwyck und in der Oberpfalz (Bauernfeind, Aus dem Volksleben 1910 S. 188) von einem zum Wassertrinken ermahnten Säufer erzählt. — ■ In einer Kölner (Leipziger Illustrierte Zeitung 1909, 25. Februar) und einer Ulmer Geschichte (Merkens, Was sich das Volk erzählt 2, 105 nr. 128) heißt die um Wein betende Frau das antwortende Jesuskind entrüstet schweigen. Simrock, Märchen nr. 7 'Das fromme Gebet' (der trinklustigen Alten) und nr. 50 'Die Besserung'. Hier lautet die Zwiesprache zwischen dem Studenten und seiner kargen Wirtin : Ach wer doch nur im Himmel war ! 'In den Himmel kommst du nimmermehr.' Warum denn nicht, du lieber Gott? 'Weii du kein Fleisch tust in den Pott.' So will ichs besser machen gleich. 'Dann kommst du auch ins Himmelreich.' Österreichisch im Urquell n. F. 2, 249 'Das beantwortete Gebet' (karger Bauer). Blätter f. pomm. Volkskunde 10, 22 'Der liebe Gott im Schornstein'. Jahn, Schwanke S. 74 'Die fromme Edelfrau' (und der Küster). Wossidlo, Aus dem Lande Eeuters S. 97 'Peter Ott'. H. Kruse, Seegeschichten 2, 171 (1889) 'Die Stimme von oben'. 'Eine Holzdiebin und der Eigentümer' bei Schild, Der Großätti us 'ein Leberberg2 3, 40 nr. 52. — Vlämisch: De Mont en de Cock, Vertelsels p. 162 'Trieneken Sckandeveyle'. — Dänisch: Skatte- graveren 2, 213. 214. Kristensen, Fra Bindestuen 1, 128 'Praesten og hans dreng'. Kristensen, Vore fpedres kirketjeneste 1899 S. 210 nr. 73 'Praestens kone'. — Englisch: Addy nr. 3 'The Tailor and his apprentices' (dem Schneider, der die Lehrlinge bis in die Nacht arbeiten läßt, ruft einer von diesen zu: If thou keepest thy lads at work tili eleven, thou shalt not enter the kingdom of heaven). — Französisch: Fleury, Basse-JSTormandie p. 202 'Buveuses'. Sebillot, Joyeuses hist. p. 271 'Perrotte et l'enfant de ehoeur' — Pevue des trad. pop. 22, 114. Thuriet, Traditions pop. du Doubs p. 110 'Le bon dieu de bois' (Gedicht. Die Alte ruft: Morveux, laisse parier ton pere! Ton pere en sait plus long que toi). Perron, Proverbes de la Franche-Comte 1876 p. 30 (Sainte Marie, baille-moi quelque fois du lard, des pois; du vin tous les jours !). Im portugiesischen Märchen bei Coelho 1879 nr. 68 'A senhora da graca' stellt die Trinkerin ihren ergrimmten Mann an eine 124 139. Dat Mäken von Brakel. Stelle, wo es ein Echo gibt, und heißt ihn laut rufen: 'Sag mir, Maria voller Gnaden, wer hat den Wein getrunken, die Frau oder die Katze?' Als es zurückschallt 'Die Katze', schlägt der Mann die Katze tot. Das erinnert an die faule Spinnerin, oben S. 44. Gröber klingt ein italienischer Schwank des 15. Jahrh. vom geäfften Beter. In den Facezie del piovano Arlotto (ed. Baccini 1884 nr. 22; deutsch von Wesselski 1910 1, 54 mit der Anm. 1, 193) naht ein einfältiger Schuster dem Bilde Johannes des Täufers mit der Frage, ob sich seine Frau ehrbar halte und sein Sohn gut ein- schlagen werde ; als ihm der boshafte Mesner zuruft, sein Weib habe ihn oft hintergangen und sein Sohn werde am Galgen sterben, bricht der ergrimmte Schuster in Schmähungen wider den Heiligen aus. Danach Domenichi, Facetie 1548 Bl. F4a = 1581 S. 317 ; B. de la Monnoye, Oeuvres choisies 1770 2, 190 'De pio quodam cerdone, quem aedituus delusit'; H. Estienne, Apologie pour Herodote 1, 194 chap. 14, 14. 2, 310 chap. 39, 12 ; Zincgreff-Weidner, Apophthegmata 4, 257 (nach Estienne). Ähnlich Pitre, Fiabe siciliane 3, 328 nr. 182 'Lu viddanu santöcchiu' (Bauer und Crucifixus). — Anders die Farce de George le Veau (Viollet Le Duc, Ancien theatre francais 1, 380; vgl. Bolte-Seelmann, Nd. Schauspiele 1895 S. *29). Bonaventure des Periers, Nouvelles recreations 1858 p. 381 nr. 124 'Coinme un Escossois fut guary du mal de ventre au moyen que luy donna son hostesse' (der Gefoppte schießt auf das Bild des h. Eutropius). Kirchhof, Wendunmut 5, nr. 71 (Pfui dich, lieber Liendel). Bei E. Meier, Volksmärchen aus Schwaben nr. 51 erhält der faule Frieder vom Marienbilde die Antwort: 'Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen.' Bei Wolf, DMS. nr. 37 wird der trunkene Peter vom Crucifixus zu- rechtgewiesen. In einer weißrussischen Erzählung (Serzputovskij S. 138 nr. 68; vgl. Zs. f. Vk. 13, 420. Revue des trad. pop. 6, 143) hört Petrovskij von dem hinter dem Jesusbilde versteckten Priester, er sei ein Lump, und schreit ergrimmt : 'Ich bin ein geborner Edelmann, du bist ein Jude.' In einem berberischen Schwanke bei Wesselski, Nasreddin 2, 63 nr. 403 = Basset, Fourberies de Si Djeha nr. 24 gebietet Si Dscheha dem Juden, der Gott bittet, sich ihm zu zeigen, der Frau Si Dschehas hundert Dinare zu zahlen und läßt ihn dann an einem Strick emporklimmen, den er losläßt. Bemerkenswert ist der Schwank von dem Gebet der untreuen Frau, die ihren Mann durch leckere Speisen blind zu machen denkt, weil er aus Indien herstammt und seit dem 15. Jahrhundert 139. Dat Mäken von Brakel. 125 in Europa große Verbreitung gefunden hat. Der 1199 schreibende Jainamönch Pürnabhadra1) erzählt im Paiicäkhyänaka B. 3, c. 17 von einer Ehebrecherin, die im Tempel der Göttin Devi ein Opfer darbringt und sich vor der Statue verneigend fragt: 'Ehrwürdige, auf welche Weise kann mein Mann blind werden?' Allein ihr Gatte Tajiiadatta hat Verdacht geschöpft, ist ihr nachgegangen und ant- wortet ungesehen: 'Wenn du dem Manne beständig Butterkuchen und andre gute Speisen reichst, wird er schnell blind werden.' In der späteren Pancäkhyänavärttika2) c. 28 heißt der Brahmane Harl- datta, in dem vermutlich daraus schöpfenden Textus ornatior der Cukasaptati3) c. 12 Ksemamkara; in einer Erzählung der Holhan bei Bompas p. 482 nr. 22 'The cunning potter' und in einer andern der North indian notes 5, 51 nr. 79 fThe Thakur and the goldsmith' ist es ein Handwerker. In einem Märchen der Baschkiren (Revue des trad. pop. 23, 59 'Le vieillard ruse') erscheint eine Nachbarin als Helferin des betrogenen Gatten. Gagausisch: Radioff 10, 150 nr. 84. 84a. Suaheli: Lademann nr. 35 (Archiv 12, 78. Statt des Mannes straft der Sohn die Buhlerin). Die erste europäische Be- arbeitung des Stoffes ist eine gereimte italienische Novelle, die der zu Anfang des 15. Jahrh. lebende Simone Prudenzani zu Orvieto als nr. 10 seines Liber solatii abfaßte. Hier befragt Donna Fiore den Geist der hohlen Eiche ; ihr dort versteckter Gatte, der ein- äugige Magagnato, erteilt ihr den bekannten Rat, erschießt aber später die schamlose Ehebrecherin mit der Armbrust, während ihr Buhle Carglicosta ein gewaltiges Lösegeld zahlen muß.4) In einem 1541 entstandenen deutschen Meisterliede des Nürnbergers Hans Vogel5) wendet sich die Frau an den h. Leonhard und wird von dem beleidigten Gatten, der den Pfaffen erschießt, in den Bach ge- *) R, Schmidt, Pancatantram 1901 S. 246; vgl. Benfey, Pantsch a- tantra 1, 385. 2, 276 und Hertel, Das Pancatantra 1914 S. 15 'Butter- blinder Brahmane'. 2) Hertel 1914 S. 133 f. 146 f. 3) R. Schmidt, Der Textus ornatior der Cukasaptati 1896 S. 28. Vgl. A. Fries, Madunka (Lyrik-Almanach 1910 S. 32). 4) S. Debenedetti im 15. Supplemento des Giornale storico della lett. italiana 1913 p. 45 und vorher in Miscellanea di studi critici in onore di V. Crescini 1912 p. 523. Über die Komödie 'Milesia' des Florentiners Donato Giannotti (f 1573) vgl. Creizenach, Gesch. des Dramas 2, 228. 5) Montan us, Schwankbücher 1899 S. 517; vgl. Bolte, Archiv f. neuere Sprachen 127, 282. 126 139. Dat Mäken von Brakel. stoßen. Ihm folgte H. Sachs 1549 mit einem Meisterliede 'Der plint meßner mit dem pfaffen' (Fabeln 5, 12 nr. 602) und 1554 mit einem ebenso betitelten Fastnachtspiele (Folio 4. 345 b = 17, 183 ed. Keller-Goetze = Fastnachtspiele 6, 81 nr. 69. Stiefel, Zs. f. Voiksk. 8, 73. 10, 71). Verblaßt ist Montanus, Gartengesellschaft c. 72 (1899 S. 330, vgl. S. 611). Schreger, Zeitvertreib 1753 S. 602. Bunker nr. 19. ZdmG. 42, 130 'Der versoffene Hans' (aus Siebenbürgen). Zs. f. Voiksk. 7, 324 nr. 12 (vom Marchfelde). Simrock nr. CO. Waldbrühl, Rhingscher Klaaf 1869 S. 280. Pröhle, KVM. nr. 51. Jahrbücher f. Landeskunde von Schleswig-Holstein 4, 164 nr. 70 = Grässe, Preuß. Sagenbuch 2, 1009 (Anfang verstümmelt). Blätter f. pomm. Voiksk. 7, 163. Zs. f. Voiksk. 8, 225 (aus Pommern). Knoop, Sagen aus Posen S. 2 ! 2. — Niederländisch: Dykstra 2, 121. Joos 2, 109 nr. 23. Cornelissen-Vervliet nr. 33. De Mont en de Cock, Vertelsels p. 285. — Italienisch: Eillosi, Novelle 1797 p. 42 'L'orbo che ci vede' (gereimt). Coronedi-Berti 1883 nr. 41. Nie. Tommaseo 1. 85 (1904). Grisanti, Isnello 2, 202. Ilg 2, 73. — Rumänisch: Schullerus, Siebenbg. Archiv 33, 517. Wlislocki, ZdmG. 42, 131 (Ballade aus Siebenbürgen). — Serbokroatisch: Bos. Vila 2 (1887), 156. Hadzi-Vasiljevic S. 341 nr. 4. Anthropophyteia 1. 191 nr. 159. 1, 448 nr. 338- 339. Bos. pripov. redovn. omlad. S. 87 nr. 24 (Mann als Beichtvater verkleidet). — Bulgarisch : Sapkarev S. 54 nr. 48. — Slovakisch: ZdmG. 42, 129. — Cechisch: Popelkova, Nabesede S.240nr. 29 (Kapuziner im Walde). Kubin 2, 13 nr. 9. — Polnisch: Swietek S. 420 nr. 48 (Petrus). Ciszewski, Krakowiacy S. 214 nr. 160 (Nikolaus). S. 215 nr. 161. Gonet S. 237 nr. 1 (Pfarrer). — Kleinrussisch: Sadok Baracz S. 30 (Nikolaus). Kolberg, Pokucie 4, 185 nr. 36 (Knecht als Bettler). Hnatjuk, Geschlechtleben 2, 186 nr. 260. 2, 194 nr. 263. 2, 188 nr. 261. Etnogr. Zbirnyk 8, 98 nr. 47. Cubinskij 2, 654 nr. 116. Rokossowska S. 37 nr. 12 (Johannes). Zt'Vk. 8, 218. — Weißrussisch: Federowski 2, 344 nr. 403 (Knecht als Teufel). Dobrovoljskij 1, 699. Sejn 2, 219 nr. 102. — Groß- russisch: Afanasjev3 2, 402 nr. 241 (Eiche). Oncukov S. 139 nr. 50 und S. 338 nr. 139 (Nikolaus). ZfVk. 8, 221. Kryptadia 1, 240. 4. 249. — Lettisch: Böhm 1910 nr. 40. In dem indischen Märchen bei Frere nr. 7 "The wanderings oc Vicram Maharajah' = Passow 1874 S. 16L rächt sich der in einen Papagei verwandelte Held an seiner Feindin Champa Rani, welche das Götzenbild um ihre Vez'setzuns: in den Himmel anfleht, indem er 139. Dat Mäken von Brakel. 127 statt der Göttin antwortet, sie solle ihre Habe den Armen geben und ihr Haus dem Erdboden gleichmachen. Ähnlich Parker 2, 435 nr. 173 'How the parrot explained tbe law-suit' und Schiefner-Ealston, Tibetan tales p. 173. — Im mongolischen Siddhi-kür (Jülg 1866 nr. 11. Kletke, Märchensaal 3, 10 nr. 6) dagegen versteckt sich ein armer Mann in der hohlen Buddhastatue und gebietet dem reichen Beter, seine Tochter an den zu vermählen, der am nächsten Morgen zuerst vor seiner Tür erscheinen werde; er stellt sich dann selber ein und erhält die Jungfrau zum Weibe, verliert sie aber und dazu sein Leben. Ähnlich annamitisch bei A. des Michels 1888 nr. 1 'La fille epii veut epouser un roi', nur daß hier das Mädchen selber das Gebet verrichtet. Wie die Neckerei des Beters bisweilen zum Nachteil des Foppers ausschlägt, zeigt der oben 1, 65 erwähnte Schwank von Nasr- eddin und den 999 Goldstücken des Juden ; vgl. Wesselski, Nasreddin 1911 1, 220 nr. 54; Kubin 2, 176 nr. 51; Serzputovskij S. 138 nr. 68. Verschiedene Märchen vom Meister diebe (unten nr. 192) leiten damit ein, daß die Mutter oder der Vater des Helden das Heiligenbild fragt, was der Sohn werden soll, und den Bescheid des dahinter stehenden Schalks empfängt: 'Ein Dieb'. So in unsrer nr. 68 'De Gaudeif un sien Meester', im vlämischen 'Jan de Dief (Wolf, Wodana 1, 173 = Wolf, DMS. nr. 5) und De Mont en de Cock, Vertelsels p. 442 'Leer kern stelen.' Gälisch: Campbell2 1, 330 nr. 17 d 'The shifty lad, the widow's son'. Französisch: Sebillot, Folk- lore de France 4, 164. Sebillot, Contes 1, 209 'Le fin voleur'. Sebillot, Litt, orale de la Haute - Bretagne p. 112 'Le fin voleur'. Fleury, Basse-Normandie p. 167 'Jacques le voleur'. Jegerlehner, Sagen aus dem Unterwallis S. 8 'Demande d'une vocation'. Cechisch : Kubin, Podkrkonosi 1, nr. 56. Die in all diesen Schwänken vorausgesetzte Überzeugung, daß die Macht des Heiligen auch in seinem hölzernen oder steinernen Abbilde lebe und daß dieses unter besondern Umständen sich be- wegen oder reden könne,1) offenbart sich in mittelalterlichen Legenden x) Vgl. Trede, Das Heidentum in der römischen Kirche 1889 — 1891 1, 149. 2, 94. 3, 264. 4, 394—398. Silvagni, La corte e la societä romana 2, 292 (1883). — Im französischen Fablei 'L'oie au chapelain' (Montaiglon- Paynaud 6, nr. 143) macht der gefräßige Kaplan dem Pfarrer weis, das Jesulein in der Kirche habe seine Grans verzehrt. Ähnlich Pineau, C. du Poitou p. 227 nr.5; Meyrac p. 416 f. (Schinken) ; Haltrich4 nr. 46 (Speck) ; 128 139. Dat Mäken von Brakel. häufig. Sankt Kümmernis läßt ihren Goldschuh für den armen Spiel- mann fallen (unten nr. 157 a), das Bild des Christkindes ladet den Knaben zu seinem Mahle (nr. 209), eine Marienstatue hält den King, den der Jüngling an ihren ausgestreckten Finger gesteckt hat, fest (Poncelets Verzeichnis der Marienwunder in den Analecta Bollandiana 21, 264 nr. 290. Landau, Zs. f. vgl. Litgesch. 1, 13. Mussafia, Denk- schriften der Wiener Akademie, phil. hist. Kl. 44, 1, 35) ; eine andere schützt durch eine Bewegung des Knies den zu ihr Geflüchteten vor einem Pfeilschuß (Poncelet 21, 277 nr. 501) oder rettet den durch den Teufel vom Gerüste herabgestürzten Maler (Poncelet 21, 267 nr. 345. v. d. Hagen, Gesamtabenteuer nr. 77. Klapper, Erzählungen des MA. 1914 nr. 52), wieder eine andere bezeugt durch ihre Rede, daß der vom Juden verklagte Christ die Schuldsumme zur gesetzten Frist vor ihr niedergelegt habe (Poncelet 21, 247 nr. 41), oder erwidert den Gruß des frommen Klerikers mit den Worten: 'Dominus tecum' (Poncelet 21, 285 nr. 622). Ein unfreundliches Gegenstück zu der letztgenannten Legende bietet eine Sage, die Justi in seinem Taschenbuche 'Die Vorzeit' 1820, 259 von dem hl. Bernhard von Clairvaux berichtet1). Als dieser einmal (1147) zu Speier war, ging er in den Dom, um dem Marien- bilde seine Verehrung zu bezeigen. Er fiel dreimal vor ihm auf die Knie und brach voll Andacht in die Worte aus: '0 du huldreiche, du milde, du holdselige Mutter Gottes!' Das Bild fing hierauf an zu reden: 'Sei mir willkommen, mein Bernhard!' Der Heilige aber, den das verdroß, verwies der Himmelskönigin das Reden mit den Worten : 'Schweig, ein Weib soll nicht reden in der Gemeinde !' Das Bild ist noch im Dom zu sehen, wie die drei metallenen Platten, welche die drei Steilen bezeichnen, wo der h. Bernhard kniete. Ciszewski S. 268 nr. 216. 217. Kubin 2, 256 nr. 85. Lud 6, 360 nr. 8. Sbornik min. 1, 121 nr. 4. Oncukov S. 105 nr. 41. Ulanowska S. 490 nr. 22 (drei Heiligenstatuen). Revue des trad. pop. 7, 488 nr. 77 (magyarisch). Globus 69, 46 (japanisch). J) Nach Eysengrein, Chronologicarum rerum urbis Spirae libri XVI 1564 Bl. d 4a; vgl. Chr. Lehmann, Chronica von Speier 1711 S. 438 a (B. 5, cap. 52). Eine ähnliche Sage vom hl. Bernhard in Afflighem steht in Miernes Patrolooia latina 185, 880. 140. Das Hausgesinde. 129 140. Das Hausgesinde. 1856 s »■ 1815 nr. 54 =• 1819 nr. 140. Aus dem Paderbörnisclien durch die Familie v. Haxthausen am 27. Mai 1812 (wie nr. 131). Eine fast genau übereinstimmende Passung enthält die um 1750 gedruckte Sammlung 'Alle Arten von Scherz- und Pfänder- spielen in lustigen Compagnien von Bruder Lustigen' (Frankfurt und Leipzig o. J. Zs. f. Volkskunde 19, 408) S.3 nr. 1 'Ein Frage- Spiel': Willst du mit nach Walpe1)? — Ja. Ich nach Walpe, du nach Walpe; wilst du mit, so komm! Hast du denn auch einen Mann? — Ja. Wie heißt dein Mann? — Gramm. Mein Mann Gamm, dein Mann Gamm, ich nach Walpe, du nach Walpe, wilst du mit, so komm ! Hast du denn auch ein Kind? — Ja. Wie heißt dein Kind? — Bley. Mein Kind Bley, dein Kind Bley, mein Mann Gamm etc. Hast du denn auch eine Wiege? — Ja. Wie heißt deine Wiege? — Hippedeugen. Meine Wiege Hippedeugen, deine Wiege etc. Hast du denn auch einen Knecht? — Ja. Wie heißt dein Knecht? — Machmirsrecht. Mein Knecht Machmirsrecht, dein Knecht etc. Hast du denn auch eine Magd? — Ja. Wie heißt deine Magd? — Kehrmirnheerd. Meine Magd Kehrmirnheerd, deine Magd Kehrmirnheerd, mein Knecht Machmirsrecht, dein Knecht Machmirsrecht, meine Wiege Hippedeugen, deine Wiege Hippedeugen, mein Kind Bley, dein Kind Bley, mein Mann Gamm, dein Mann Gamm, ich nach Walpe, du nach Walpe. Wilst du mit, so komm! Ähnlich aus Bremen: Am Urquell 5,107; aus Halle bei Erk- Irmer, Volkslieder 1, 4, 44 nr. 40 (Willst du mit nach Walbe); aus dem Magdeburgischen bei Wegener, Vtl. Lieder 1879 S. 60 nr. 182 (nach Weewerlingen). J) Steckt in Walpe ein verkürzter Ortsname wie Walporzheim, oder darf man an den Walperzug (Grimm, DWb. 13, 1322) am Wal- purgistage, dem 1. Mai, denken? Grimm, Märchen- Anmerkungen III. 9 130 140. Das Hausgesinde. Aus einem 'Volkspilgerliede' hat Mus aus, Volksmärchen 5, 130 (1787. Melechsala) folgende, wohl etwas ausgeschmückte Stelle aufbewahrt: Aus welcher Gegend kommt ihr? 'Von Sonnenaufgang.' Wohin gedenkt ihr? 'Nach Sonnenniedergang.' In welches Reich? 'In die Heimat.' Wo ist die? 'Hundert Meilen ins Land hinein.' Wie heißt du? 'Springinsfeld grüßt mich die Welt, Ehrenwert heißt mein Schwert, Zeitvertreib nennt sich mein Weib, Spätestagt ruft sie die Magd, Schlechtundrecht nennt sich der Knecht, Sausewind tauft ich mein Kind, Knochenfaul schelt ich den Gaul, Sporenklang heißt sein Gang, Höllenschlund lock ich den Hund, Wettermann kräht (heißt) mein Hahn, Hupfinsstroh heißt mein Floh. Nun kennst du mich mit Weib und Kind und allem meinem Hausgesind.' r) — Mit einigen Abweichungen in den von F. Pocci und K. v. Räumer her- ausgegebenen Kinderliedern 1852 nr. 9 = Böhme, Kinderlied S. 270 nr. 1266 b : 'Widewidewenne heißt meine Putthenne, Kannichtruhn heißt mein Huhn, Wackelschwanz heißt meine Gans, Schwarzundweiß heißt meine Geiß, Dreibein heißt mein Schwein, Wettermann heißt mein Hahn, Kunterbunt heißt mein Huhn, Ehrenwert heißt mein Pferd, Gutemuh heißt meine Kuh, Kuckheraus heißt mein Haus, Schlupfheraus heißt meine Maus, Wohlgetan heißt mein Mann, Sause- wind heißt mein Kind, Sammettatz heißt meine Katz, Hupfinsstroh heißt mein Floh, Leberecht heißt mein Knecht, Spätbetagt heißt meine Magd; nun kennt ihr mich mit Mann und Kind und meinem ganzen Hausgesind.' — Ähnlich aus Österreichisch-Schlesien bei Peter, Volkstümliches 1, nr. 129 (1865). In den meisten Fassungen des verbreiteten Kinderspruches wird die bloße Aufzählung des Hausgesindes umgewandelt in eine Erzählung, wie der Redende allmählich zu diesem Besitze gelangt ist : 'Ds erst Jahr, wo-n-i agf ange ha huse, da ha-n-i es Huen übercho' (Züricher, Kinderlied im Kanton Bern 1902 nr. 450) oder: 'Ick was so lang en armen Mann, bes mi Guod en Hähnken gaf ' (Münsterische Geschichten 1825 S. 272), 'Als ich ein armes Weib war, zog ich über den Rhein, beschert mir Gott ein Hühnelein' (Arnim - Brentano, Wunderhorn 3, Anh. S. 41), 'Ich diente dem Bauern wohl ein Jahr, da gab er mir ein Huhn' (Pröhle, Märchen f. d. Jugend S. 199, nr. 57), J) So zählt Vidrich vor dem Kampfe mit dem Riesen Langbein (Grundtvig, DgF. 1, 100 nr. 7 b, Str. 15. Grimm, Altdänische Helden- lieder 1811 S. 19) die Namen von Vater, Mutter, Schild, Helm, Schwert und Pferd auf. 140. Das Hausgesinde. 13 L 'Wenn ich will heiratn, muß ich ein Weib haben' (Köhler-Meier, Volkslieder von der Mosel 1, 156 nr. 151), oder es wird auch von einer andern Person berichtet: 'Et was enmäl en Edelmann, de schafft sich sämtlich Veih woll an' (Bl. f. pomm. Volkskunde 2, 163). — Aus der Schweiz: L. Tobler, Schweiz. Volkslieder 1, 152 nr. 57. A. Tobler, Volkslied im Appenzellerlande 1903 S. 15. Schweizerisches Archiv f. Volkskunde 7, 292. Züricher, Kinderlied in Bern 1902 5. 60. 161. Kochholz, Alemannisches Kinderlied 1857 S. 167. Schwäbisch: Birlinger, Schwäbisch- Augsburgisches Wtb. S. 453. Kretzschmer-Zuccalmaglio, Volkslieder 2, 678. Bayrisch: Feldigl, Fromm und fröhlich Jahr 4, 79 'Wenn i amal reich werd'. Öster- reichisch: Tschischka-Schottk}r, Österr. Volkslieder 1844 S. 30 = Kretzschmer-Zuccalmaglio, VI. 2, 665. Gottschee: Hauff en, Gott- schee 1895 S. 366 nr. 127. Siebenbürgisch: Schuster, Siebenbg. Volkslieder 1865 S. 364 nr. 165 und 250. Firmenich 2, 814. Kbl. f. siebbg. Landesk. 9, 67. Fränkisch: Ditfurth, Frank. Volkslieder 1855 2, 301 nr. 398 a — b. Schleicher, Volkstümliches aus Sonneberg 1858 S. 105 'Ging ich amoul nach Meerenland'. Sächsisch: Dähn- hardt, Volkstümliches 2, 47 nr. 220. Mitt. f. sächs. Volksk. 3, 313 (1905). A. Müller, VI. aus dem Erzgebirge 1883 S. 218 'IwrschLand fuhr ich'. John, VI. aus dem sächs. Erzgebirge 1909 nr. 123. 124. Fiedler, Volksreime in Anhalt-Dessau 1847 S. 36 'Als ich drei Jahr alt war'. Kheinländisch: Köhler-Meier, VI. von der Mosel nr. 151. Jahrb. f. nd. Sprachforschung 32, 77. Kbl. f. nd. Spr. 8, 21. Zs. des Aachener Geschichtsv. 10, 194. Westfälisch: Münsterische Ge- schichten 1825 S. 272. Bahlmann, Münsterische Lieder 1896 S. 39. Niedersachsen 10,478(1905). Oldenburgisch: Strackerjan2 2, 135 'Ick was so lang n armen Mann'. Kbl. f. nd. Sprachf. 3, 58. 8, 21. Aus dem Kinderleben 1851 S. 62 'As ik n lütje Dären was'. Schleswig-holsteinisch: Diermissen, Ut de Muskist 1862 nr. 23. 88. 201. Jahrbücher f. Landeskunde Schleswig-Holst. 3, 452 'Ik wull enmal en Hohn hebbn'. 6, 393 'As ick noch lütt Deern weer'. 7, 377 'Ik deen bi een Jahr'. Heimath (Kiel) 1876, 119. Meyer, Platt- deutsche Kinderreime 1908 S. 71. 78. 82. Schumann, Volksreime aus Lübeck 1899 S. 144 nr. 573a— e. Magdeburg: Wegener, Vtl. Lieder aus Norddeutschland 1879 S. 58 nr. 180—181. Braun- schweig: Zs. f. Volkskunde 10, 337 'Et war emal en Mann. Brandenburg: Firmenich 1, 125. 130. Erk-Irmer, Volkslieder 1, 6, 10 nr. 7 'As ick noch so kleene woar' und 2, 3, 56 nr. 50 'As ick 9* 132 140. Das Hausgesinde. moal en riker Mann was'. Mecklenburg: Kbl. f. nd. Sprachf. 4, 22. Germania 21, 66. Firmenich 3, 65. Pommern: BL f. pomm. Volkskunde 2, 163. 3, 15. 9, 90. Preußen: Frischbier, Preuß. Volkslieder 1877 nr. 31 'Als öck emal e Hennke hadd' = Frommann, Dt. Mundarten 7, 208. Jüdischdeutsch: Ginzburg u. Marek, Evrejskija narodnyja pesni v Rossii 1901 nr. 127. Friesisch: Dykstra en van der Meulen, Aide snypsnaren 1882 S. 13. — Nieder- ländisch: Hoffmann v. F., Ndl. Volkslieder 1856 nr. 184 'Daar was er eens een mannetje'. J. van Vloten, Ndl. baker- en kinder- rijmen4 1894 S. 138 'Daar was ereis een mannetje'. 139 'Aleer ik was een edelman'. Driemaandelijksche Bladen 5, 21 (1906) 'Der was er n man, die was niet wis'. Willems, Oude vlaamsche liederen nr. 255 'Des avonds in den reine'. Lootens-Feys, Chants pop. namands nr. 119 'Tsooren was een rijk man'. Bols, 100 oude vlaamsche liederen nr. 98 'En als ik wil gaan huishoun'. F. van Duyse, Het oude ndl. lied 2, 1369 nr. 376 a— f. Ghesquiere, 300 speien met zang 1905 nr. 235 'Stierf mij' meerken'. De Cock en Teirlinck, Kinderspel en kinderlust in Zuid-Nederland 4, 279 nr. 42—43(1904).— Dänisch: Thiele, Folkesagn 3, 163 (1820). Grundtvig, Minder 2, 147 nr. 287 'Ä ved mä sä gammel en mand'. 3, 187 'Jeg har tjent saa rig en mand'. Feilberg, Fra Heden 1863 S. 140 'Ä tehn hos den rige mand'. Madsen, Folkeminder fra Hanved Sogn 1870 S. 144. Skattegraveren 5, 145 — 156 'De morsomme navne'. Kristensen, Dyref abier 1896 S. 168 nr. 392 — 432 'Havde jeg mig bare en god ven', 'Der boer en mand ved Gammelstrand' und lJeg tjente sä henge hos den Telebond- mand'. — Norwegisch: Stoylen, Barnerim og leikar 1899 S. 9 nr. 56 — 62 'Eg tente meg so lenge hjaa ein telebondemann'. — Englisch: Chambers, Pop. rhymes of Scotland 1870 p. 31 'I had a wee cock, and I loved it well'. — Französisch: Terry et Chau- mont, Eecueil d'airs de cramignons liegeois 1889 p. 192 nr. 90 'Madame Bertrand va-t-au marche'. Bujeaud, Chants pop. des pro- vinces de l'ouest 1866 1, 43 'Ma mer' m'envoie-t-au marche'. Durieux et Bruyelle, Chants du Cambresis 1864 1, 122 'Mon pere m'envoie au marche'. — Serbokroatisch: Valjavec S. 308 nr. 24. Zbornik jslav. 18. 360. — Slowenisch: Strekelj, Slovenske narodne pesmi4,339 nr. 7518— 7532.— Wendisch: Nawuka S. 70 nr. 6. — Cechisch: Erben, Pisne S. 427 nr. 126. Susi], Moravske nar. pisne S. 621. — Slowakisch: Dobsinsky, Obycaje, povery p. 169 (Spiel). Kollar, Zpiewanky 2, 49. — Russisch: ein Druck: Rossijskaja Erota 140. Das Hausgesinde. 133 3, 173. Sejn, Velikoruss. 1, 28 L nr. 979—981 (der Knecht be- kommt im ersten Jahr ein Huhn, im 2. eine Ente, im 3. einen Enterich, im 7. eine Ziege). Dobrovoljskij, Smolensk. 4, 489 nr. 62. Eudcenko 1, 49 nr. 28 (der Mann kauft Huhn, Ente, Gans, Lamm, Ziege. Kuh, Hund, Kater, Ochsen, Wagen; die Tierlaute werden jedes- mal wiederholt). Die vielerlei Abweichungen dieses Märchens, das W. Grimm ein Gespräch mit dem Widerhall nennt, und die zahlreichen, oft in die alte Sprache und Sage reichenden, poetischen Namen durchzugehen, möchte zu weit führen.1) Als Beispiele mögen dienen eine pader- börnische Fassung (1822), welche an die oben S.71zu nr. 131 an- geführten Stücke erinnert : Wie heißt der Wirt? 'Schmuckelbart, er steht vorm Spiegel, putzt seinen Bart.' — Die Frau? 'Juckelpelz, sie steht hinterm Ofen und laust ihren Pelz.' — Der Koch? 'Smorlilus, er steht in der Küche und rührt sein Mus.' — Der Soldat? 'Reicherheld, er sitzt im Wirtshaus und hat viel Geld.' — Der Schreiber? 'Federkiel, der sitzt am Tisch und schreibt nicht viel.' — Der Knecht? 'Kinkelwurst, er steht im Keller und löscht seinen Durst.' — Die Tochter? 'Agnes, sie sitzt in der Kammer und macht die Käs.' — Die Magd? 'Flederwisch, sie steht in der Stube und scheuert den Tisch.' — Der Junge? 'Galgenstrick, er steht im Stall und streicht sein Vieh.' Eine aus dem Aargau bei Rochholz, Alemannisches Kinderlied S. 167 : 'Nienegnue heißt mi Chue, Heimlifeiß heißt mi Geis, Dürlistock heißt mi Bock, Rübelhoor heißt mis Schoof, Haberstrau heißt mi Frau, Rüfegrind heißt mis Chind.' — Ferner das schon genannte Kinderlied aus des Knaben Wunderhorn 3, Anh. S. 41 : 'Bibberlein heißt mein armes Hühnelein, 2) Entecpuentlein die Ente, Wackelschwänzlein die Gans, Schmortopf das Schwein, Klipperbein die Ziege, Gutemuh die Kuh, Guckheraus das Haus, Kegelbahn der Mann, Goldenring das Kind, Hatergsagt die Magd, Haberecht der Knecht, Wettermann der Hahn, Hüpfinsstroh der Floh.' — Im Wunderhorn 4, 214 (= Arnim, Werke 21. 1854) = Alemannia 11, 68 (oberschwäbische Hs. des *) Zu boshaftem Spotte benutzt, in dem Schwanke 'Die Scheune brennt' (Wossidlo 1, 253 nr. 999. Zs. f. Volksk. 26, 8. 370. 27, . . .) ein Knecht oder Gast die sonderbaren Namen, die der verschrobene Bauer seinem Hausgesinde und Besitztümern beigelegt hat. 2) Jung Stilling, Jugend 1779 S. 78 führt nur die Zeile 'Gerberli hieß mein Hüneli' an. 134 140. Das Hausgesinde. 18. Jahrh.): 'Bibele heißt mein kleins Hühnele, Dribledreble das Entle, Langerhals die Gans, Weißesfleisch die Geiß, Blasebalg das Kalb, Aufundzu die Kuh, Ehrenwert das Pferd, Guckheraus das Haus, Aufderbschau die Frau, Goldigringle das Kindle.' — Die gleich- falls oben erwähnte Fassung bei Pröhle, M. f. d. Jugend nr. 57 : 'Unverzagt heißt meine Magd, Leberecht heißt mein Knecht, Schütte- ling heißt mein Kind, Zeitvertreib heißt mein Weib, Hinundher heißt mein Pferd, Ruhruh heißt meine Kuh, Jägerlein heißt mein Schwein, Trippeltrappel heißt mein Schaf, Langhals heißt meine Gans, Kückel- hahn heißt mein Hahn.' — Das holsteinische, bereits von Schütze, Holsteinisches Idiotikon 2, 117. 4, 156 angeführte Lied lautet nach Gr. F. Meyer, Plattdeutsche Kinderreime 1908 S. 82: Br kam vun de Reis ut Engelland, Un min Famili is wull bekannt; Klappermitdekann heet min Mann, Tiedverdrief heet min Wief, Spelvordedör heet min Gör, Tünunsteg heet min Knech, Spinnichgern heet min Deern. Lusbung heet min Jung, Flessensteert heet min Peerd, Peddb^tto heet min Koh, Trappeltrin heet min Swin, Trippeltr^g heet min Zqg, Kiekünnertschapp heet min Katt, Lopdenhoffrund heet min Hund, Weest du mehr, segg dat rut, Sünst is dat Rimels ut. Niederländisch bei Hoffmann v. F. nr. 184: Tjiptjip mijn hennetje, Kokkelekaan zoo heet mijn haan, Ble zoo heet mijn schaapje, Ducdalf zoo heet mijn kalf, Nametoe zoo heet mijn koe, Viasstaart zo heet mijn paard, Welbehagen zoo heet mijn wagen, AI berecht zoo heet mijn knecht, "Weibereid zoo heet mijn meid, Zeergetrouw zoo heet mijn vrouw, Welbemind zoo heet mijn kind. 140. Das Hausgesinde. 135 Ein anderes Lied (1822) beginnt: 'Kockeloery heet mijn haan, Prijs heet mijn hennetjen'. — Dänisch bei Madsen, Eolkeminder 1870 S. 144: Skrukkelidön hedder min hön, Plask-i-vand hedder min and, Skraffelhals hedder min gaas, Stamp-i-jord hedder mit faar, Grynt-i-sti hedder mit svin, Klän-vän hedder min ko, Klämmer-i-bäs hedder min hest, Staa-i-lo hedder min karl, Staa-i-k^kken hedder min pig, Lig-i-seng hedder min kon, Lig-i-vug hedder min barn. Englisch bei Chambers, Populär rhymes p. 31: My cock, lily cock, lily cock, coo, My hen, chuckie, chuckie, My duck, wheetie, wheetie, My sheep, maie, maie, My dog, bouffie, bouffie, My cat, cheetie, cheetie, My pig, squeakie, squeakie. Französisch bei Terry et Chaumont, Cramignons p. 192: La poul' qui fait ri qui qui qui, Le coq qui fait ro co co co, L'canard qui fait qwinc qwinc qwinc qwinc, Le chien qui fait haw' haw' haw' haw', Le chat qui fait miaw' miaw' miaw' miaw'. Einzelne dieser sinnvollen Namen lassen sich in ältere Zeit zurückverfolgen; nicht Zeitvertreib, aber Leidvertreib heißt das Weib im andern Morolf v. 159. 1145 ; Lassberg, Liedersaal 2, 704 v. 352; v. d. Hagen, Gesamtabenteuer 2, 238 v. 728; MSH. 1, 92 b; Liederbuch der Hätzlerin S. LXXTI, 31 u. ö. Eür den Knecht ist statt Haberecht und Leberecht schon im 13. Jahrhundert der Name Kuprecht üblich: Wartburgkrieg (MSH. 2, 4b); 1524 bei Schade, Satiren und Pasquille 3, 196; in einem an unsre Haustierreihe an- klingenden Spottliede auf den Pfaffen, der die Bauern an ihre Ab- gaben mahnt, in Aufseß-Mones Anzeiger 1832, 299 und Des Knaben Wunderhorn 4, 56 (1854); vgl. Wackernagel, Kl. Schriften 3, 173 136 140. Das Hausgesinde. und Vogt, Schlesische Weihnachtspiele 1901 S. 115. Im Gedicht vom Hausrat (Pfeiffer, Altdeutsches Übungsbuch 1866 S. 138) heißt der Hund Grin, die Katze Zise, der Knecht Wise, das Pferd Kerne, die Magd Hetze.1) Wenn der Tannhäuser (MSH. 2, 94a) sein Ge- sinde Zadel, Zweifel, Schade und Unbereit nennt, so ist das schon der Übergang der epischen Namen in die bewußte Allegorie, wie z. B. in dem Spruch: 'Vielborgen hat eine Stiefmutter, heißt Ver- kaufdeingut, die gebiert eine Tochter, heißt Gibswohlfeil, dieselbe Tochter hat einen Bruder, der heißt Zumtorhinaus' (Lehmann, Florilegiuin politicum 1641 2, 797). In der Mitte steht noch das bekannte: 'Sparebrot (Vater) ist tot, Schmalhans heißt der Küchen- meister' (Wander, Sprichwörterlexikon 4, 653); vgl. Wackernagel, Kleinere Schriften 3, 97 (1874). — In der Gylfaginning c. 34 (Gering, Die Edda S. 323) heißt der Saal der Hei Eljudnir, ihre Schüssel Hungr, ihr Messer Sult, ihr Knecht Ganglati, ihre Magd Ganglot, ihr Tor fallendes Unheil, ihr Bett Kor, ihr Vorhang bleiches Unglück. In der Gautrekssaga sind andre bedeutsame Familiennamen: der Vater Skapnartungur, die drei Söhne Fiolmodi, Ymsigull, Gillingr, die Mutter samt den vier Töchtern Totra, Snotra, Hiotra, Fiotra; in einer andern Sage der Mann Stedie, die Frau Brynia, die Tochter Smidia, der Sohn Thöllur.2) In der Eigsbula (Gering, Edda S. HO), aus der Bochholz (Alem. Kinderlied S. 156) allzu kühn unsern Kinder- spruch ableiten will, wird eine sinnvolle Genealogie der drei Stände der Unfreien, Freien und Edlen vorgeführt (vgl. unten zu nr. 180). Einfacher ist die Benennung der Tiere nach ihrem Laute, der ohne weitere Deutung nachgeahmt wird,3) in einigen der angeführten Lieder. Die französischen Aufzeichnungen gehen in das Lied von den verschiedenen Musikinstrumenten (Geige, Trompete, Trommel) über, von dem Tardel in seinen Zwei Liedstudien (Progr. Bremen 1914 S. 30) ausführlich gehandelt hat. x) Nichts derartiges enthalten die von Hampe gesammelten Ge- dichte vom Hausrat aus dem 15. und 16. Jh. (1899) und das Basler Ge- dicht vom Hausrat von 1569 (ed. Major 1912). 2J Über die Namengebung der altnordischen Theologen vgl. B. M. Meyer, Altgermanische Beligionsgesckichte 1910 S. 538—556, der S. 391 auch den indischen Versucher Mära und seine Töchter Durst, Verlangen und Unruhe heranzieht (Windisch, Mära und Buddha 1895 S. 197). 3) Wackernagel, Voces variae animantium 1869. 141. Das Lämmchen und Fischchen. — 142. Simeliberg. 137 141. Das Lämmchen und Fischchen. 1856 s 225 1815 nr. 55 = 1819 nr. 141. Aus dem Fürstentum Lippe, wo es Frau von Haxthausen in frühester Jugend gehört hatte. — Das Ende ist wohl unvollständig; der Erzählerin schwebte nur vor, daß die Stiefmutter glaubt das Lämmchen gegessen zu haben und vom Koch auch noch das Fischlein zubereitet verlangt. Der Koch aber, als es anfängt zusprechen und zu klagen, tötet es nicht, bringts zum Lämmchen und täuscht die Stiefmutter wieder, deren Bosheit dem Vater zu Ohren kommt und bestraft wird. Auch nr. 11 (Brüderchen und Schwesterchen) und 135 (die weiße und die schwarze Braut) handeln von zwei durch eine arge Stiefmutter verfolgten und in Tiergestalt gebannten Geschwistern ; nur wird dort die Schwester erst, nachdem sie des Königs Gattin geworden, von jener ins Wasser gestürzt und durch einen Fisch ver- schlungen oder in eine Ente verwandelt. Die Reimverse des vom Schlachtmesser bedrohten Lammes (oder Rehes) und der im Wasser befindlichen Schwester kehren in der oben 1, 84 mitgeteilten han- noverschen Fassung und in italienischen, slavischen und türkischen Varianten wieder. — Über den Abzählreim im Eingänge des Märchens vgl. oben 2, 484. 142. Simeliberg. isse s. 225. 1815 nr. 56 = 1819 nr. 142. Im Mai 1814 durch Ludowine von Haxthausen vom Köterberge (s. 2, 380) im Münsterlande er- halten, zusammen, mit dem 'Erdmänneken' (oben 2, 297), wie aus dem Dankschreiben bei Reifferscheid, Freundesbriefe von W. und J. Grimm 1878 S. 23 hervorgeht.1) — Inhalt: A. Ein armer Mann sieht, *) Wilhelm Grimm schreibt am 29. Mai: 'Unter diesen [Er- zählungen] gebe ich wieder den beiden von den drei Königstöchtern, die erlöst werden, und dem Märchen von dem Köterberg den Vorzug; sie sind auch so gut erzählt, daß ich nicht gern etwas daran ändern möchte. Das letztere hat eine merkwürdige Ähnlichkeit mit einer orientalischen Erzählung der 1001 Nacht.' Vgl. Bolte, Zs. f. Volkskunde 25, 322. 138 142. Simeliberg. wie Räuber ihre Schätze in einem Berge verstecken, der sich auf das Losungswort 'Berg Semsi, tu dich auf und 'tu dich zu' öffnet und schließt, und eignet sich von ihrem Golde an. B. Sein reicher Bruder, von dem er sich einen Scheffel zum Geldmessen leiht, entlockt ihm das Geheimnis; (C) geht gleichfalls in die Höhle, ruft aber 'Berg Semeli' statt 'Semsi' und wird von den heimkehrenden Räubern um- gebracht. — Die Brüder Grimm erblickten im Semeliberg eine Ent- stellung von Simeliberg, das sie aus dem schweizerischen Liede vom Vreneli ab em Guggisberg (Spazier, Wanderungen durch die Schweiz 1790 S. 340. Kuhn, Kühreihen 1810 S. 20. Erk - Böhme, Liederhort 2, 237 nr. 420. Greyerz, Im Röseligarte 1, 34 und Schweizer. Archiv f. Volkskunde 6, 190. 16, 193) kannten und in einer Fuldaer Urkunde um 867 bei Pistorius, Berum Germanicarum veteres scrip- tores ed. Struvius 1726 3, 632 wiederzufinden glaubten. Hier aber ist die Rede von 'montes, qui a quibusdam Similes (d. h. die Gleichen), a quibusdam vero Steinberg et Bernberg vocantur.' Ob der schweizerische Bergname von simel (mhd. sinwel, rund) oder von einem Simon (Schweiz. Archiv 16, 196) herstammt, ist streitig ; für den deutschen Ursprung des Märchens, in welchem ja Semeli nur als eine Entstellung von Semsi auftritt, bietet er jedenfalls eine schwache Stütze. Dieses ist vielmehr gleich den weiterhin zu musternden Varianten aus dem arabischen Märchen von 'Ali Baba und den vierzig Räubern' geflossen, an das W. Grimm sich schon 1814 er- innert hatte ; nur der Schluß, die durch eine kluge Frau vereitelte Rache der Räuber am Helden (D), fehlt.1) Am Harz wird das Märchen nach Otmar (Volks-Sagen 1800 S. 225) von der Dummburg oder Hochburg erzählt, wo Geister statt der Räuber Schätze hüten ; doch rührt die Lokalisierung in der Dummburg wohl nur von Otmar her; denn Adalbert Kuhn hörte, wie er im Literar. Cbl. 1856, 839 berichtet, einen Knaben aus Heteborn, eine halbe Stunde von der Dummburg, das Märchen nicht von dieser, sondern wie in vielen andern Gegenden vom Sesamberg erzählen. Bei Otmar vergißt der habsüchtige Nachbar im Berg die Formel 'Türlein öffne dich' und besinnt sich nur auf die andre 'Türlein schließe dich'. — Entstellt ist die schwäbische Fassung bei Meier nr. 53 'Simson tu dich auf (in der Höhle sind Prinz und Prinzessin gefangen); die rheinländische bei Simrock, Märchen S. 279 nr. 62 J) Vgl. G. Polivka, Zbornik jslav. 12, 1—48 (Zs. f. Volksk. 18, 218). 142. Simeliberg. 139 'Kleesam' (9 B C D) schließt sich dagegen dem arabischen Vorbilde eng an ; die kluge Sklavin Morgiane ist zur listigen Tochter des Holz- hackers Marianne geworden. Bei Prökle, M. f. d. Jugend S. 122 nr. 30 'Sim-Sim-seliger Berg' (A B C D) leitet ein sprechender Rabe den Bauer zur Räuberhöhle. Aus Posen bei Knoop, Ostmärkische Sagen 1, 157 nr. 78 'Die Räuber im Walde' (A B C D. 'Eiche, Eiche, goldens Knäuel, öffne dich'). Am Urdsbrunnen 5, 151. Aus Pommern : Bl. f. pomm. Vk. 8, 89 nr.8 'Sesam, tue dich auf (AB CD). Aus Ho Ist ein bei Wisser, Plattdeutsche M. S. 230 'Simson tu dich auf ; doch wird das Motiv A mit den nachts Hafer stehlenden Unholden und dem Ritt auf den Glasberg verknüpft. Vlämisch: Witteryck-Delplace nr. 2 'De twee boomsnaiers' (A C D. 'Azarm ga open'). Cornelissen-Vervliet nr. 27 'Kavie, kavoe, ga op en toe' (A B C). De Mont en de Cock, Vertelsels p. 331 'Van den berg Semzi en de kabouters' (A; Berg Semzi und Semini ver- wechselt). — Holländisch: Volkskunde 17, 95 'Van het roovershol' (AB CD. 'Halleluja vlaig oop'n') nebst zwei Varianten (statt 'See- zaad open u' ruft der Bruder des Holzhackers : 'Koolzaad, Raapzaad, Mosterdzaad open u'). — Dänisch: Grundtvigs hsl. Register nr. 129 'Skattebjserget' (Se sä, luk dig op). Kristensen, Fra Mindebo p. 138 nr. 24 'Det glemte losen' (A C. 'Bjsergehimmel luk op'). — Schwedisch: 'Vedhuggaren Ali och Massurs röfwareband, eller den stora skatten' (Stockholm 1824 u. ö. Bäckström 3, 26). Chauvin 5, 82. — Norwegisch: Berge 1914 S. 44 Dei fyrretjuge rovarane' (ABC. Berg blaa, lat deg upp). — Isländisch: Arnason 2, 9. Rittershaus S. 228 nr. 55 'Die zwölf Käuber' (A B C D. 'Tu dich auf, mein Stein'). — Englisch: Entertainment for the nursery 1832 p. 166 (aus 1001 Nacht). ■ — Französisch: Carnoy, Picardie p. 273 'La caverne des sept voleurs' (A B C D, verbunden mit Elementen des 'Bürle' nr. 61; 'Jean-Marie porte, ouvre-toi'). Orain, Gallo p. 257 'Les quarante voleurs' (AB CD 'Je suis le lievre blanc, ouvre-lui sans crainte'). Revue des trad. pop. 9, 107 'Secundum, ouvre-toi' (A B). — Italienisch: Visentini nr. 7 'La fante avveduta' (A B C D 'Apriti porta'). Nerucci nr. 54 'Cicerchia o i ventidua ladri' (A C D 'Cicerchia, apriti'). Ortoli p. 137 'Le tresor des sept voleurs' (A B C D. 'Serchia, ouvre-toi'). Gonzenbach 2, 122 nr. 79 'Die Geschichte von den zwölf Räubern' (A C 'Grapiti, cicca'j und 2, 197 'Lu cuntu di li du' cumpari' (ABC. 'Apriti, cicca'); dazu 2, 251 und Zs. f. Volks- kunde 6, 169. Pitre, Fiabe sie. 2, 391 nr. 108 'Mastru Juseppi' 140 142. Simeliberg. (A C D. 'Gräpiti pipi'). Grisanti 2, 181 'Apriti succerchio, e chiuditi succerchio' (AB CD); vgl. 2, 18 L 'Apriti succercliio, e chiuditi succerchio' (AB CD); vgl. 2, 191 'Le due comari' ('Apriti, pipi'; sonst abweichend). Prato, Romania 13, 173 nennt noch zwei Fassungen aus Livorno 'Apriti cicerchia' und eine aus Messina 'I due fratelli'. — Maltesisch: Hg 1, 104 nr. 30 'Die sieben Räuber' (A B C, verbunden mit Motiven der beiden Wandrer, oben 2, 476. 'Falltüre, schließe dich') und 1, 109 nr. 31 'Der Karren Seegras' (A B C D, ebenso. 'Berg, schließe dich'). — Mallorkinisch: Ludwig Salvator S.117 'Die zwölf Diebe' (A B C D. 'Öffne bitsoch'). — Katalanisch: Maspons y Labrös, Rondallayre 2, 64 m\ 14 'Los lladres' (A B C D 'Abrete pefia'). — Portugiesisch: Athaide Oliveira 1, 292 nr. 129 '0 thesouro escondido' (A C D. 'Abre-te Semsam'). — Griechisch aus Lesbos: Folk-lore 7, 155 'The forty thieves' (ADBC 'Ach Ka- rakiz', 'Kapla Karakiz', dazu Menschenfleischprobe wie oben 2, 254 und vergessene Braut). Kretschmer, Lesb. Dialekt S. 514 nr. 17 = Kretschmer, Neugriech. Märchen nr. 7 'Die vierzig Schläuche' (A C D). Geldart p. 9 'The two brothers and the forty-nine dragons' (A B C D). Das kyprische Märchen vom Trimmatos bei Sakellarios nr. 1 (oben 1, 402) enthält nur das Motiv D. — Aromunisch: Weigand 2, 257 nr. 124 'Ali Baba und die vierzig Räuber' (A C D ; ein Knabe sticht, um zu naschen, in die Honigschläuche). — Serbokroatisch aus Kroatien: Valjavec S. 204 nr. 29 (A B C D ; Gott weist den Armen zu der Hütte der zwölf Räuber). Strohal 3, 141 nr. 3 (A B C D. 'Tor öffne dich, Tor schließe dich'). M. Stojanovic, Pucke pripov. S. 59 nr. 2 (ABC; ein Greis lehrt den Armen den Zauberspruch). Aus Bosnien: Tordinac S. 22 nr. 8 (drei Brüder. A B D). Aus Montenegro : Krauß, Tausend Sagen 1, 105 nr. 33 'Der Schatz in dem Häuschen'. — Bulgarisch aus Mazedonien : Sapkarev S. 7 nr. 6 (zwei Diener einer menschenfressenden Prinzessin ; A B C D). S. 327 nr. 185 (Eiche öffne dich! ABCD). — Slowenisch aus Görz : Gabrscek S. 280 nr. 36 (Trink nicht den Branntwein auf dem Tische! ABCD). — Cechisch aus Mähren: Miksicek 1, 99 nr. 10 'Die Ölfässer (ABCD). Mensik, Jemnic. S. 88 nr. 29 (ABCD) = Yäclavek, Poh. a pov. z. morav. Val. 2, 1 1 nr. 3. Kulda 3, 61 nr. 6 (Zwei Gevattern ; Zentrum öffne dich ! A B C). Pfikryl S. 411 (A D). Aus Böhmen : Radostov 1, 14 = 2. Aufl. 1, 113('Sesäno öffne dich', A B C D). Hsl. Sammlung des Y. Pfihoda nr. 12 (AD, dann Mageionensage). Kubin, Podkrkonosi nr.41. 156. Aus Glatz : Kubin 2, 1 LI nr. 28 (Mana öffne dich ! A B C). Ebd. 1, 78 nr. 40 (A. Siselo 142. Simeliberg. 141 heraus! oder: Sezamo heraus!). 1, 91 nr. 48 (Livacor d. i. Rübezahl schlägt mit einem Stock an den Felsen : Sezamo öffne dich ! und heißt den Bauer sich Edelsteine nehmen). 2, 88 nr. 23 (Beräno öffne dich ! Ein Wagen voll Dukaten fährt heraus). 2, 52 nr. 19 (Rebeno öffne dich!). — Slowakisch: Dobsinsky 3, 67 (Hopsa horsa, Erde öffne dich! AB CD). Sbornik mus. slov. spol. 1, 168 (Sonne, Mond, Sterne öffne dich! AB CD). 16, 20 nr. 15 (Esion öffne dich! A B C D). — Kaschubisch: Bronisch S. 40 nr. 3 (Cuyzama öffne dich! AB CD). Lorentz, Teksty S. 601 nr. 740. — Polnisch: In einem von Dobrowsky von 1822 den Brüdern Grimm mitgeteilten Märchen haben Räuber ihr Raubnest in einer Höhle. Die Höhle öffnet sich, sobald sie sagen: 'Öffne dich, Felsen, angelweit !' Ein Dummer bemerkt es und sagt es ihnen nach. Aus Posen : Kolberg, Lud 14, 137 nr. 27 (Figa Berg öffne dich ! A B C D). Oberschlesien : Mitt. der schles. Ges. f. Vk. 6, 45 nr. 3. Österr.-Schlesien : Malinowski 1, 46 (Efata. ABC D). Aus dem Krakauer Land : Kol- berg, Lud 8, 84 nr. 32 (Susanna öffne dich ! ABC D). Ciszewski, Krakowiacy S. 99 nr. 78 (Öffne dich Salsemo ! ABC). S. 100 nr. 79 (ABC). S. 101 nr. 80 (A B C D). S. 102 nr. 81 (Cezanna öffne dich. ABC, die kartenspielenden Räuber mit heißem Öl begossen). S. 104 nr. 82 (Cezanna öffne dich. ABC). S. 105 nr.83 (Öffne dich Siezama! AB CD). S. 105 nr. 84 (Cezama öffne dich! AB CD). AusGalizieu: Zbiör 5, 263 nr. 64 (Sezami ! A B C D). 5, 52 nr. 37 (Diamant ! A B C D). Mater, antropol. 6, 388 nr. 56 (ein armes Mädchen, ABC, Räuber- bräutigam, Flucht der Braut). 6, 400 nr. 61 (Babilon ! A B C D). Wisla 12, 732 nr. 13 (Öffne dich ! ABC). Aus dem Gouv. Plock : Chetchowski 1, 183 nr. 29 (Alibaba. Sadzamin öffne dich! B C D. Die Tochter heißt Maryjanna). — Kleinrussisch aus Nord un gar n : Etnogr. Zbirnyk 3, 108 nr. 39 (ABC; 12 Räuber, durch die Wache festgenommen). Aus Galizien : Siemienski, Podania i legendy polskie S. 104 nr. 101 'Die Höhlen im Schwarzen Berge' = Woycicki, Klechdy 1837 1, 114 = 3. Aufl. S. 161 = Woycicki-Lewestam S. 52 'Die Grotten im schwarzen Berge' (A B C. 'Türlein, tu dich auf). Baliiiski- Woycicki, Powiesci ludowe 1842 S. 99 (der Fels öffnet sich dem, der auf die Frage Wie lebst du, wie ißt und trinkst du?' ant- wortet: 'Ich lebe kein Leben, esse mich nicht satt und trinke un- schuldiges Blut' ; so wird eine geraubte Prinzessin befreit). Aus Gouv. Kijev: Rudcenko 2, 139 nr. 33 (Tür öffne dich! AB CD) — Weißrussisch aus dem Gouv. Mogilev: Romanov 3, 312 nr. 66 (zwölf Räuber, A B C D ; dankbare Toten retten). 3, 317 (Sofijin öffne 142 142. Simeliberg. dich! Tochter entdeckt die Räuber in den Fässern). — Groß- russisch aus dem Gouv. Perm: Afanasjev 2, 305 nr. 201 (Türen öffnet euch ! A B C D). Chudjakov 3, 93 nr. 100 (Tür öffne dich ! A B C D). Aus Moskau: Cudinskij S. 41 nr. 4 (Alibaba und sein Bruder Mustafa, Hauptmann beim Tanz erstochen. ABC D). — Litauisch: Jurkschat 1, 76 nr. 38 'Berg, tu dich auf (A. Ein Mädchen anstelle des Helden). Eine ausführlichere Fassung teilte Hugo Weber in Eisenach 1891 an Reinhold Köhler mit: Es waren eine reiche und eine arme Schwester. Als der Mann der armen Schwester eines Abends auf die Jagd ging, sah er zwölf Männer kommen und verkroch sich ins Gebüsch. Da hörte er sie sagen : 'Berg Minsel, tu dich auf !' Da öffnete sich der Berg, sie gingen hinein und kamen nicht lange danach wieder heraus. Der Jäger wartete, bis sie weit weg waren, und sprach, wie jene gesprochen hatten: 'Berg Minsel, tu dich auf!' Der Berg öffnete sich, und er trat ein, fand einen Haufen Geld und füllte damit Taschen und Mütze. Daheim angekommen, sandte er seine älteste Tochter zu der reichen Schwägerin und bat sie, ihm einen halben Scheffel zu leihen; als er ihn zurückschickte, bestrich er den Boden mit Teer und ließ einige Dukaten daran ankleben. Da lief die reiche Frau zum Schwager und setzte ihm mit Fragen solange zu, bis er ihr das Ge- heimnis der Räuberhöhle entdeckte. Am andern Morgen kam der reiche Schwager mit einigen Eseln angeritten und forderte den Jäger auf, mit ihm zu dem Berge zu gehen. Beide holten sich dort Schätze ; als aber am folgenden Tage der Reiche wieder mit seinen Eseln er- schien, sagte der Jäger: 'Ich habe nun genug; ein drittes Mal zu gehn gibt ein Unglück.' Da machte sich der andre allein auf den Weg, ließ die Esel vor dem Berg stehn und füllte drin die Säcke ; aber wie er zur Tür hinauswollte, hatte er das Wort vergessen. Die Räuber kehrten heim, fanden ihn und rissen ihn in Stücke und hieben den Eseln die Köpfe ab. — ■ Lettisch: Treuland S. 280 nr. 138 (Wachse Berg 'Kalns augüt', öffne dich ! ABC). — Finnisch: Aarnes Register nr. 676. — Magy arisch: Horger nr. 48. — Türkisch: Künos, Stambul S. 231 'Der arme und der reiche Bruder' (A C. Vierzig Dews. Tschanga und Tschunga); vgl. Ungarische Revue 1888, 334. Jubilej Sbornik Millera S. 197 nr. 42. Die arabische Gestalt des Märchens 'Ali Baba und die vierzig Räuber' gehört zu den Geschichten in Gallands 'Mille et une nuits' (1712), für die bis vor kurzem keine arabische Vorlage bekannt war 142. Simeliberg. 143 (Chauvin 5, 79. Habichts Übersetzung 1840 9, 3. 13, 306. Henning 21, 59 nach Burton 1894 10, 209; vgl. Zotenberg, Notices et extraits 28, 1, 196. 199 f. 1888); erst D. B. Macdonald hat im Journal of the R. Asiatic Society 1910, 1, 327. 1913, 1, 41 einen arabischen Text aus einer Oxforder Hs. herausgegeben, den Nöldeke Zs. f. Assyriologie 28, 242 bespricht. Ali Baba, ein armer Holz- hacker, hört auf einem Baume sitzend, wie vierzig Räuber einen Felsen durch das Zauberwort 'Sesam tu dich auf öffnen, dringt selber dort ein und belädt seine drei Esel mit dem gefundenen Golde. Seine Frau will dieses messen und leiht dazu von seinem reichen Bruder Kasim ein Maß (Wagschale). Kasims Frau aber streicht aus Neugier etwas Talg auf dessen Boden und findet ein Goldstück festgeklebt.1) Kasim nötigt nun seinen Bruder, ihm das Geheimnis zu entdecken, und zieht mit zehn Eseln zu der Höhle, vergißt aber das Zauberwort und wird von den zurückkehrenden Bäubern überrascht und gevierteilt. _ Ali Baba, der auf Bitten seiner Schwägerin ihm nachgeht, holt Nesims Leichnam und läßt ihn feierlich bestatten, nachdem auf den Bat seiner klugen Sklavin Morgiane (Mardschäne) ein Flickschuster (Schneider), den sie mit verbundenen Augen ins Haus führt, die Stücke des Toten zusammen- genäht und den Verdacht eines gewaltsamen Endes entfernt hat. Aber dem Bäuberhauptmann gelingt es mit Hilfe jenes Schusters Kasims Haus ausfindig zu machen, wobei Morgiane zweimal das Kreidezeichen an der Tür entdeckt und die Nachbarhäuser auf gleiche Weise zeichnet. Er verkleidet sich als Kaufmann und bittet Ali Baba um Herberge für sich und seine neunzehn mit Ölschläuchen beladenen Maultiere. Wiederum entdeckt Morgiane, welche nachts öl für ihre Lampe bedarf, daß in den Schläuchen 37 Bäuber stecken und nur ein Schlauch Ol enthält; sie siedet dies und gießt es in die Schläuche, sodaß die Räuber alle umkommen. Nur der Haupt- mann entrinnt und kehrt in andrer A^erkleidung zurück; da er beim Mahle Speisen ohne Salz verlangt (um nicht durch den Genuß davon zur Schonung seines Wirtes verpflichtet zu werden), schöpft Morgiane Verdacht, erkennt den Bäuber und erdolcht ihn. Zum Lohne ver- mählt Ali Baba sie mit seinem Sohne (Neffen). a) Das zum G-eldmessen entliehene Scheffelmass begegnet oben 1, 520. 2, 6 und in einigen Varianten zu nr. 33a and 61. Vgl. R. Köhler zu Gonzenbach 2, 2442. 2512 und Zs. f. Volksk. 6, 69. Chauvin 5, 83*. 144 142. Simeliberg. Diese arabische Erzählung ist seit dem Ende des 18. Jahr- hunderts in deutschen, niederländischen, schwedischen, englischen, französischen, spanischen, polnischen und russischen Volksbüchern1) verbreitet und wiederholt für die Bühne bearbeitet2) worden. Aus dem Volksmunde noch arabisch: Burton 8, 234 und Caise, 'Le bücheron et le genie' (Feuilleton du Teil 1893, 221 nach Chauvin 4, 86), Desparmet 1, 183 'La caverne des ghouls' (A C D. Ouvre toi Elqcibra). Indisch aus Kaschmir: Knowles p. 267 'The robbers robbed' (A C D). Von den Tagalogs auf den Philippinen : Journal of amer. folklore 20, 113 nr. 12 'The fifty-one thieves' (A C D, 'Open the door'). Afrikanisch: Tremearne, Hausa superstitions p. 204 nr. 14 'Dodo, the robber and the magic door'. Held, M. der afrikan. Neger S. 67 'Die fliehenden Kinder' (Hererosage). — Bei den afrikanischen Negerstämmen ist die Geschichte zur Tierfabel geworden. Bei den Masai (Hollis, The Masai 1905 p. 212) ruft der Hase vor der Höhle der Löwin Tels, tu dich auf und 'Fels schließe dich', die Hyäne aber ahmt ihm zu ihrem Unheil nach. Merker, Die Masai 1904 S. 215 (Schakal). Nassau, Fetichism in West-Africa 1904 p. 358 'The thieves and their enchanted house'. Basset, Afrique p. 217 'Le lezard et la tortue' (Pierre, ouvre-toi) = Bouche, Etüde sur la langue nago 1880 p. 43. Frobenius, Der schwarze Dekameron S. 202 (Reineke und Gierschlung. 'Kurie', 'Kurkib'. Aus dem Sudan) und 278 (Kongo). Aus Jamaika: Jekyll p. 23 'Black-bird and woss-woss'; p. 120 'Open Sesame'. Nach Nöldeke (Zs. f. Ass}rriologie 28, 250) stammt das durch Gallands maronitischen Gewährsmann Hannä und die um 1800 ent- standene Oxforder Hs. überlieferte Märchen aus Syrien und ist schwerlich sehr alt. Eine allgemeine Ähnlichkeit mit der berühmten Geschichte vom Schatzhaus des Rhampsinit (unten zu nr. 192) läßt sich nicht verkennen: hier wie dort ein Einbruch in die wohl- verwahrte Schatzkammer, beim zweiten Raube Tötung des einen *) Chauvin 5, 79. Polnisch: Galland Antoni Tysiae Nocy i jedna 1768, 1772 u. ö. Russisch: 1763, 1771. 2) Pixerecourt, Ali Baba ou les quarante voleurs, melodrame 1822. Opern von Marschner um 1822 (Text von Th. Hell), Crusell (Silla slaf vinnan 1824, nach Pixerecourt), Cherubini (Ali Baba 1833; Text von Scribe und Melesville, nach einer hsl. Oper Koukourgi 1793), Bottesini (1871), J. Strauß (Indigo; Text von M. Steiner. 1871), A Lecocq (1-87. Text von Vanloo und Busnach). 143. Up Reisen gohn. 145 Diebes, darauf Bergung seines Leichnams durch seinen Bruder und endlich Vereitelung der Entdeckung durch verschiedene Listen.1) Nur ist hier die Rolle des Meisterdiebes auf den biederen Ali Baba und seine gewitzte Magd verteilt. Die Entdeckung und Tötung der in Fässern (Schläuchen) versteckten Räuber begegnet auch in verschiedenen Fassungen des 'Räuberbräutigams' (oben 1, 372): Andrews, C. ligures nr. 43 'La femme du voleur', polnisch bei Chetchowski 1, 15 nr. 1 (Sezam öffne dich), kaschubisch bei Lorentz, Teksty S. 601 nr. 740 (zwölf ölfässer) und S. 607 nr. 748, litauisch bei Schleicher S. 22 nr. 11. Dieselbe List wird in einer holsteinischen Sage bei Müllenhoff nr. 7 (Säcke), im weiß- russischen Märchen bei Federowski 3, 43 nr. 91 und in einem klein- russischen Liede auf die Eroberung von Asow berichtet ; vgl. Drago- manov, Rozvidky 1, 129. Russkij filolog. Vestnik 56, 38. 63. 120. Arabisch von der Einnahme von Samarkand und andern Städten (Revue des trad. pop. 13, 243 nr. 99 mit Anm. Mas'oudi, Prairies d'or ed. Barbier de Meynard 3, 189. Revue africaine 1886, 308). Ägyptisch bei Maspero 1889 p. 147 'Comment Thoutii prit la ville de Joppe' (Soldaten in Tongefäßen). Auch die Eroberung Trojas ver- mittels des hölzernen Pferdes in der Iliupersis gehört schließlich hierher. 145. Up Reisen gohn. lese s. 226. 1819 nr. 143, aus dem Münsterland; eingesetzt für 1815 nr. 57 'Die Kinder in Hungersnot' (unten nr. 143a). Eine andere Erzählung aus dem Paderbör nisch en (vor 1822) enthält neue Scherze: x) Wie Morgiane das Kreidezeichen an der Haustür verviel- fältigt, so tut es der Meisterdieb in verschiedenen unten zu nr. 192 angeführten Märchen ; auch der dienstbare Geist Aladdins mit der Wunderlampe (oben 2, 541) handelt so. Archiv f. slav. Phil. 27, 622 (vom klugen Knaben). Bei Grimm, DS. nr. 404 und Boccaccio, Dec. 3, nr. 2 schneidet der durch Abschneiden einer Locke ge- kennzeichnete Stallknecht König Agilulfs allen seinen schlafenden Genossen ebenfalls eine Locke ab; kan aresisch bei Clouston 2, 164. Chauvin 5, 832. 7, 116. Bei Junod, Bas-Ronga p. 161 verteilt Moutipi die Perlen seines Halsbandes an andre Knaben, um der Ermordung zu ent- gehen. Grimm, Märchen-Anmerkungen III. 10 146 143. XJp Reisen gohn. Et was wol en dummer Jungen, de däh jommer, wat em sine Möhrne heiten hadde, men jummers unrecht. As he sick nu vermehet (vermietet) hadde, segde em sin Heer, he mög up't Feld gähn un säen un seggen dabie: 'Alle Jahre hundertfältige Früchte !' He gänk hen, do gaimen da grade Luhe met ener Lieke (Leiche), do segde he: 'Alle Jahre hundert!' As dat de Luhe hören, gaven se em wat drup. He quam to Huus un säe to de Möhme: 'O Möhme, wo hat miegahen! Ick heve dohn, wat mie min Heer heiten hat.' Do sehde de Moder: 'Häddest motten seggen, sie ruhe in Frieden!' He gänk wedder hen, darup quam da en Filier (Schinder) her met en daut Pferd, do segde he wedder: 'Sie ruhe in Frieden !' De Filier verstand dat unrecht und gav em wat drup. He gänk wedder na Hues un klaget sine Möhme, da säe se: 'Du hättest müssen sagen, weg mit dem Aas !' He gänk up en andermal wedder up't Feld, as da grads Hochtitsluhe herkeimen, do fänk he an: 'Weg met dat As!' Se prugelnt en dugent (tüchtig) dur. '0, Möhme,' säg he wedder, 'wo ist mie gahen' un vertelde. Se säg: 'Hättest müssen sagen, hier ist Lust und Freude.' He gänk hen, up sinen Wege sah he, dat en Hues brenne, do fänk he wedder an: 'Hier ist Lust und Freude!' Do kregens her un prügeln en; do he dat sine Moder klaget hadde, säe se: 'Hättest müssen einen Eimer voll Wasser nehmen und ausgießen helfen.' Do dachte he, as he da bie de Immenkörbe kam, an den Emmer mit Water un gütt se daut. De Herr van de Immen nahm en Stoek un fegede em, dat he leip. '0 Möhme, wo schlecht ist miegahen!' Se säe: 'Hättest müssen sagen, gib mir was mit!' Dor quam he mol bie enen Kohstall vorbie, de wurde juste utemistet, do nahm he sinen Petzel (Kappe) af un säe: 'Giv mie wat met!' Der Schwank von dem Einfältigen, der Worte, die ihm für einen bestimmten Fall gelehrt sind, bei dem ersten besten, durchaus nicht passenden Fall anwendet und dann die ihm für diesen empfohlenen wieder bei einem unpassenden, begegnet in verschiedenen Einkleidungen.1) Zuerst um 1560 bei Montanus, Gartengesellschaft cap. 50 'Ein Narr wollt ein Sack mit Mehl in der Mühlen holen' (Schwankbücher 1899 S. 301, vgl. S. 602) und danach lateinisch bei Hulsbusch, Sylva sermonum iucundissimorum 1568 p. 26. Neuerdings aus Tirol bei Zingerle 2, 10 'Der Gang zur Apotheke' ; aus Sieben- bürgen bei Haltrich4 nr. 68 'Wie soll ich denn sagen '?' ; aus Nieder- österreich bei Leeb 1, 130 nr. 194 'Der vergessene Nix' und in Blümmls Beiträgen zur deutschen Volksdichtung 1908 S. 123 'Die Nixschwämme'; aus Hessen bei Hoffmeister S. 96 'Vom Juden- *) Andre Narrenstreiche oben 1, 320 f. 143. Up Reisen gohn. 147 jungen'; aus Hannover bei Busch S. 35 nr. 16 'Der dumme Hans' ; Colshorn nr. 19 'Wurst wider Wurst' = v. Harten-Henniger 1, 99; aus Mecklenburg bei Wossidlo, Reuter S. 207 'Döshans'; aus Rügen bei Haas 1903 nr. 220 = 1912 nr. 225 'Von den Jung, de Nicks halen sull'.— Niederländisch: Lootens nr. 4 = Germ. 14, 88 'Aus einem Körnchen drei'; Joos 2, 155 nr. 48 'Van nen Jongen en zijne aardige Woorden'. 2, 157 nr. 49 'Van Riksken die naar Leuven gong'. 2, 159 nr. 50 'Van nen Jongen die verkeerd handelt'. Cornelissen-Vervliet nr. 39 'Van lompen Toon' ; de Mont en de Cock, Vertelsels p. 264 'Van den Jongen, die altijd verkeerd sprak'. — Dänisch: Grundtvig, Minder 1, 104 'Den tossede Dreng' und hsl. Register nr. 109 'Tossen'; Kristensen, Aev. 2, 177 nr. 23 'Drengens Rejse til Melle' = Stroebe 1, 164; 3, 241 nr. 43 'Den tossede Karls Giftermaal'; Skattegraveren 11, 192 'Den tossede Karl' und 12, 216 'Drengens Mollerejse'. Ein ähnliches Gespräch bei Kristensen, Dyrefabler S. 215 und Bondeson, Sv. folksagor nr. 16. — Schwedisch: Bondeson, Sv. folksagor nr. 17 'Den dumme pojken'. Bondeson, Hall, sagor nr. 30 'Mäldapägen'. Hazelius S. 89 'Aldrig tili lags'. — Norwegisch: Asbjörnsen-Moe nr. 87 'Galematthis'. — Isländisch: eingemischt in die der Er- zählung Saxos von Amleth zu vergleichende Brjämssaga bei Arnason 2, 505 = Poestion nr. 13; vgl. Maurer S. 287 und Rittershaus S. 429 nr. 122; doch auch selbständig bei Rittershaus S. 431. — Englisch: Jacobs 2, 195 nr. 84 'Stupid's cries'. Hartland, Folk tales p. 257 'Stupid's mistaken cries' = Folk-lore Record 3, 2, 153. Journal of am. folk-lore 3,292 'The forgetful boy'. — Irisch: Kennedy, Fire- side stories p. 30 'The unlucky messenger'. — Französisch: Sebillot, C. de la Haute-Bretagne 1, 229 nr. 34 'Comment il arrive malheur ä Jean le diot'. Revue des trad. pop. 9, 347 'Jean le diot'. 11, 321 'De mal en pis comme Tribuet'. 20, 94 'Jean l'innocent'. Wallonia 1, 197. Gittee-Lemoine p. 86 'Le cornacu'. Melusine 1, 110 'Jacques l'idiot'. Tradition 21, 198. Revue des trad. pop. 23, 350 'Le grand nigaud'. Moncaut p. 101 'Ambreise le sot'. Blade 3, 137 = 1867 nr. 7 'Le voyage de Jeannot'. Carnoy, Picardie p. 186 'Pierrot Sans memoire'. — Italienisch: Balladoro p. 71 nr. 64 'Na quarta'. Rivista delle trad. pop. it. 1, 358. Archivio 10, 48 nr. 2. Pitre, Fiabe sie. 3, 362 nr. 190, 7 'Giufä e la ventri lavata' = Monnier p. 13. — Katalanisch: Maspons 1, 79 'Lo beneyt'. — Mallorkinisch: Ludwig Salvator S. 125 'Der Magenpeter'. Alcover 1, 21 'Un festetjador. 1, 145 'En Pere de sa 10* 148 143. Up Reisen gohn. butza'. — Portugiesisch: Coelho 1879 nr. 53 'Os simplorios' (Davon leere ich sieben am Tage, soll die heiratsfähige Tochter sagen, wenn sie einen Rocken voll Flachs sieht; sie sagt es aber vor einem Napf voll Wein). — Rumänisch: S^äinenu p. 942. — Griechisch: Hahn nr. 111 'Der dumme Junge, welcher Geld gewinnt'. — Serbo- kroatisch: Krauß 2, 238 nr. 107 'Pavluha' (dazu Grimm nr. 32). Vuk Vrcevie, Pripovijetke po najvise kratke S. 77 nr. 173. Bos. Vila 6, 219. 11, 324. 12, 108. Zbornik jsl. 16, 139 nr. 16. 19, 98 nr. 53.19, 353 nr. 4. — Bulgarisch: Sapkarev 8 — 9,308 nr. 170. Sbornikmin. 14, 114 nr. 5. — Böhmisch: Popelkova S.56 (Leinwand an eine Heiligen- statue verkauft; dann ähnlich unsrer nr. 32). Vaclavek, Val. poh. a pov. 2, 17 nr. 3. Mensik, Jemnic. S. 337. Pfikryl S. 278. — Slovakisch: Dobsinsky 7, 10 nr. 7. — Polnisch: Kolberg, Lud 8, 199 nr. 80 (dazu Grimm nr. 59). Malinowski 2, 38 (desgl.). Chel- chowski 2, 81 nr. 72. Wisla 19, 390 nr. 4. Mater, kom. jezyk. 1, 32. — Kleinrussisch aus Galizien gereimt: Etnogr. Zbirnyk 5, 224. Zs. Kievskaja Starina 70, 2, 89 (desgl ). Cubinskij 2, 439 nr. 12 (Prosa). Malinka S. 361 nr. 79. Manzura S. 80 nr. 53. Mater, antropol. 2, 51 nr. 23 (Gouv. Wolhynien). Etnograf. Zbirnyk 6, 342 nr. 680 (aus Galizien; dazu Grimm nr. 59). Suchevye S. 150 nr. 87. Weiß russisch: Romanov 3, 424 nr. 24. Sejn 2, 236 nr. 109. 110. Federowski 3, 95 nr. 185. 3, 245 nr. 487. — Großrussisch: eine gereimte Bearbeitung aus dem 18. Jahrh. steht in der Sammlung des Kirsa Danilov hsg. von P. Scheffer 1901 S. 167; ein neueres Lied aus Twer in Sejns Russischen Volksliedern 1, 279; vgl. Sumcov, Anekd. S. 113. Prosaisch Afanasjev3 2, 366 nr. 226 a — b = Leger p. 231 = Clouston, Book of noodles p. 128. Chudjakov 2, 116 nr. 69. Ivanickij S. 202 nr. 35. Oncukov S. 321 nr. 134. — Lettisch: Zbiör wiadom. 18, 264 nr. 14. — Estnisch: Zs. Walgus 1891 nr. 18 (Pola, in Versen); vgl. Etnogr. Obozr. 15, 2, 45. — Ungarisch: Kriza nr. 8 = Jones-Kropf p. 80 'The children of two rieh men'. — Georgisch: Wardrop p. 165 nr. 8 'The fool's good fortune'. — Türkisch: Wesselski, Nasreddin 1, 223 zu nr. 57. 381 (Kuh und Jungfrau angepriesen). — Arabisch: 1001 Tag übersetzt durch v. d. Hagen 5, 108 (1827. Xallun); vgl. Chauvin 7, 155. — Hürkanisch: Schiefner, Mem. de l'acad. de St. Petersbourg 7. serie 17, 8 S. 96 'Der Mulla Nasraddin' = Melusine 1,252. — Japanisch: Globus 69, 47 'Der dumme Tempo' = Seidel, Asiat. Volksliteratur S. 44 = Etzel, Aus Jurte und Kraal 1911 S. 47. — Chinesisch 143. Up Reisen gohn. 149 aus dem Tripitaka: Chavannes 3, 72 nr. 408 (ein Mönch erhält von einem Reichen für einen Glückwunsch ein Geschenk, ein andrer aber von dem inzwischen Verarmten Prügel). Dähnhardt, Schwanke S. 12 nr. 8 'Dummkopf auf Besuch'. Diesen Narrenstreichen ähneln die Volksscherze von dem Schwerhörigen, der alle Fragen verkehrt auslegt und beantwortet (Wickram, Werke 3, 366. 8, 344. Euphorion 15, 9. Aarne, Schwanke über schwerhörige Menschen, FFCommunications 20 — 21. 1915; dazu Revue des trad. pop. 13, 277. 440. Mtsbl. des badischen Schwarz- waldvereins 12, 93. 1909. Niedersachsen 10, 17. 11,208. Kretschmer nr. 17. Zbornik jslav. 19, 94 nr. 42. Grgjic-Bjelokosic, Stotina S. 79. Kica 9, nr. 18 S. 1. Lud 16, 300. Bezemer, Volksdichtg. S. 186. Renel, Madagascar 2, 7 nr. 58), oder von der Schneidersfrau, die ihres Mannes Worte absichtlich mißversteht und statt Faden Fladen, statt Zwirn Birn kauft (Wickram 3, 365 zu Roll- wagenbüchlein o. 16. Bode, Vorlagen zum Wunderhorn 1909 S. 310. Finkenritter 1913 S. 8. 20), oder von Ayrers Jan Posset (Dramen ed. Keller 5, 2873. 2892), der seinem Herrn statt Schreibzeug Feuer- zeug, statt Papier Bier, statt Tinten zu trinken bringt. Ähnlich Kica 8, nr. 38 S. 1. In einem slovakischen Schwank (Dobsinsky 4, 32 nr. 40; vgl. oben 2, 404) kauft der Mann eine Gans (husku) ein, während die Frau einen Rock, sollte er auch eng (uzku) sein, ver- langt hatte. Dasselbe Mißverständnis in klein- und großrussischen Erzählungen (Etnogr. Zbirnyk 6, 70 nr. 203. Rudcenko 1, 176 nr. 65. 66. Ivanickij S. 203 nr. 37). Schon Theophrast, Characteres c. 14 merkt solche Beispiele von Stumpfsinn oder Zerstreutheit (dvaio^rjoia) an. Auch die Streiche, welche die Schüler des indischen Guru Paramartan in dem tamulischen Volksbuche (Oesterley, Zs. f. vgl. Litgesch. 1, 48. 1887) ihrem Meister spielen, lassen sich vergleichen. Es sind ihrer fünf, Dummkopf, Pinsel, Klotz, Tropf und Narr. Als sie einmal mit dem Meister über einen Fluß gegangen sind, zählt einer, und da er sich selbst nicht mitzählt, so bringt er nur fünf heraus, und sie glauben, einer sei ertrunken. Ein Reisender gibt jedem einen Schlag auf den Rücken und heißt sie zählen, da kommen die sechse wieder zum Vorschein.1) Geradeso können die *) Oesterley, Zs. 1,50. R. Köhler 1, 112. Grillenvertreiber 2, cap. 25 (1603. Finger in dicke Milch). Birlinger, Volkstümliches 1, 438 (Nasen 150 143. Up Reisen gohn. im Kreise sitzenden Laienbürger ihre Beine nicht finden, bis ihnen darauf geschlagen wird,1) und in Poggios Facetiae (1798 1, 63. iSemerau 1905 nr. 55) vermißt der Bauer Mancinus einen seiner Esel, weil er sich selber auf diesen gesetzt hat.2) Guru verliert in Kuhfladen). Hauff en, Gottschee S. 119. Polsterer, Fuülitates 2, 14 nr. 2. Müllenhof f S. 94 nr. 111 (Kopisch, Werke 1, 280). Wossidlo, Reuter S. 183. Germania 26, 118. 27,231. Alemannia 13,174. Am Urquell 2, 192. 4, 181. Bl.f. pomm. Volksk. 9, 52. Knoop, Hinterpommern S. 95 nr. 199. 200. 231. Jahn, Volkssagen nr. 644. Cornelissen nr. 82. Teirlinck p. 128. Kristensen, Molbohistorier nr. 105. Äberg nr. 359. Hazlitt, Shakespeares Jest-books 3, 12 (Gotham nr. 10) = Jacobs, EFT. 2, 209. Campbell2 2, 391 nr. 48. Blade 3, 130 = Blümml S. 74. Sebillot, C. de la H. -Bretagne 1, 244. Sebillot, Joy. hist. p. 19. Beauquier, Blasou pop. p. 112. Melusine 2, 466. Revue des trad. pop. 1, 335. 8,383 nr. 44. 11, 650. 12, 491 nr.2. Wallonia 1, 120. 3, 152. 5, 103. Romania 9, 138. Ispirescu S. 105 (Magazin 96, 613). Zs. Karadzic 2, 85. Kica 9, nr. 12, S. 2. Väclavek, Val. poh. 2, 57 nr. 10 (Nasen im Schnee). Böhm, Lettische M. nr. 35. Zbiör wiadom. 18, 258. Lorentz, Teksty S. 19 nr. 47 (Nasen im Kuhfladen) = S. 627 nr. 360. Aarnes Register nr. 1287. Wlislocki 1890 S. 402. Knowles, Kashmir p. 322 nr. 2. Swynnerton p. 436. Clouston, Noodles p. 28. ZdmG. 36, 15. 1) Laiebuch 1597 c. 29 = 1914 S. 110 nach Schumann, Nacht- büchlein 1559 c. 8 = 1893 S. 31; vgl. S. 391. Waldis, Esopus 4, nr. 90, 51. Zimmerische Chronik2 1, 315. Melander, Jocoseria 1604 1, 71 nr. 75. Doctae nugae 1713 p. 66. Birlinger, Volkstümliches 1, 454. Keller, Schwaben S. 144. Merkens 2, nr. 26. Strackerjan 2, 286 = 2. Aufl. 2, 429. Haas, Schnurren S. 55. Germania 14, 390. 18, 179. Nyerup, Morskabsleesning S. 275. Kristensen, Molbohistorier nr. 105. Jacobs, EFT. 2, 209 = Dähnhardt, Schwanke S. 96 nr. 40. Campbell2 2, 401. Jacobs, CFT. 2, 104. Melusine 1, 150. 2, 8. 46. 3, 228. Blade 3, 136. Balladoro nr. 127. Rivista delle trad. pop. ital. 1, 478. 596. Georgeakis-Pineau p. 116. Kica 9, nr. 12 S. 2. Lorentz, Teksty S. 227 nr. 303. S. 500 nr. 639. Veckenstedt, Zamaiten 1, 48. Aarnes Register nr. 1288. 2) H. Sachs, Fabeln 4, 70 nr. 283 (1546). Schumann, Nachtbüchlein nr. 24. Montanus, Gartengesellschaft nr. 70. Lehmann, Exilium melan- choliae 1643 S. 127. Erk- Böhme, Liederhort nr. 148 a. Dt. Musenalmanach 1831, 324. Blümml, Beiträge zur Volksdichtung S. 149 nr. 28. J. Soet, Clement Marot 1655 S. 59. Clucktboeck 1576 S. 133 = Groot Klugtboek 1680 S. 131. Mery tales and quicke answers 1567 nr. 60 (Hazlitt 1, 80). Thresor des recreations 1611 p. 196. Moulinet, Facecieux devis 1612 p. 91. Balladoro p. 216. Pitre, Proverbi sie. 4, 366. Cervantes, Don Quixote2,c.57. Abbott, Macedonian folklore p.292. Vuk Vrcevic, Pripovijetke po najvise kratke S. 76 nr. 171. Krauss, Zigeunerhumor S. 202. Tordinac S. 4. Sapkarev 8—9, 90 nr. 71. Cbrzanowski, Facecye Mik. Reja 1894 p. 339. Bar-Hebraeus, Stories ed. Budge 1897 p. 145 nr. 569. Hanauer, Holy land p. 84. Wesselski, Nasreddin 1, 267 nr. 261. Decourdemanche, 143 a. Die Kinder in Hungersnot. 151 seinen Turban und ist unwillig, daß ihn die Schüler nicht auf- gehoben haben ; man müsse alles aufheben, sagt er. Einer läuft zurück, holt den Turban, findet aber auch einen Pferdeapfel, hebt ihn auf und tut ihn in den Turban. Guru gibt den Schülern nun ein Verzeichnis von dem, was sie aufheben sollen. Bald darauf fällt er in eine Grube, und nun ziehen sie ihn nicht heraus, weil er nicht im Verzeichnis steht, und er muß sich erst unten noch darauf schreiben, gerade wie in Ayrers Jan Posset (Oesterley, Zs. 1, 54. Bei Pauli nr. 139 und H. Sachs, Schwanke 6, nr. 893 ist die Frau an Stelle des Dieners getreten. Harten, Historien 1603 S. 70. Manderssen in Guarnas Bellum grammaticale ed. Bolte 1908 S. * 24. Vade-mecum f. lustige Leute 2, nr. 167. 1768. Langbein, Gedichte 2, 161. Schmeller, Mundarten S. 442. Dykstra 1, 114. Tallemant des Reaux, Historiettes 7, 507. Romania 11, 413. 14, 136. Archiv f. slav. Phil. 13, 399). 145 a. Die Kinder in Hungersnot. (1815 nr. 57.) Es war einmal eine Frau mit ihren zwei Töchtern in solche Armut geraten, daß sie auch nicht ein Bißchen Brot mehr in den Mund zu stecken hatten. Wie nun der Hunger bei ihnen so groß ward, daß die Mutter ganz außer sich und in Verzweiflung geiiet, sprach sie zu der ältesten: 'Ich muß dich töten, damit ich etwas zu essen habe.' Die Tochter sagte: 'Ach liebe Mutter, schont meiner! Ich will ausgehen und sehen, daß ich etwas zu essen kriege ohne Bettelei.' Da ging sie aus, kam wieder und hatte ein Stückchen Brot mitgebracht, das aßen sie miteinander ; es war aber zu wenig, um den Hunger zu stillen. Darum hub die Mutter zur andern Tochter an: 'So mußt du daran.' Sie antwortete aber: 'Ach liebe Mutter, schont meiner! Ich will gehen und unbemerkt etwas zu essen anderswo ausbringen.' Da ging sie hin, kam wieder und hatte zwei Stückchen Brot eingebracht, das aßen sie miteinander; es war aber zu wenig, um den Hunger zu stillen. Fables turques p. 199. Prym-Socin, Tür 'Abdin 2, 183. — In klein- russischen Schwänken bei Hrincenko 1, 229 nr. 185 und Manzura S. 103 handelt sichs um das Zählen von Schafen und Rindern, in einer Er- zählung von G. Kvitka-Osnovjanenko (Wisla 6, 273. Sumcov, Anekdoty S. 43) um Kosaken, in einer galizischen Anekdote (Zbiör wiadom. 17, 305) um die Kleidungsstücke eines schlafen gehenden Dummlings. 152 144. Das Eselein. Darum sprach die Mutter nach etlichen Stunden abermals zu ihnen: 'Ihr müsset doch sterben, denn wir müssen sonst verschmachten.' Darauf antworteten sie; 'Liebe Mutter, wir wollen uns niederlegen und schlafen und nicht eher wieder aufstehen, als bis der jüngste Tag kommt.' Da legten sie sich hin und schliefen einen tiefen Schlaf, aus dem sie niemand erwecken konnte. Die Mutter aber ist weggekommen, und weiß kein Mensch, wo sie geblieben ist. J. Prätori us im Abenteuerlichen Glückstopf 1669 S. 191 gibt die Sage, wie er sie gehört hat. Die Mutter soll zu Grafelitz über Eger in Böhmen gelebt haben. — Dazu stimmt das von Wolf (Nid. Sagen 1843 nr. 163) nacherzählte vlämische Volks- lied von den schlafenden Kindern zu Stockum ; vgl. Prudens van Duyse, Het Klav erblad 1848 p. 13 'De hinderen van Stockhem'. Von einer Mutter, die in einer Hungersnot ihre sieben Kinder umbringt, erzählt das Lied vom unbarmherzigen Junker 'Es war einmal ein große Stadt' (Erk-Böhme, Deutscher Liederhort 1, 625 nr. 210; vgl. nr. 209 g und Das Land 6, 14. 1898). Von der hartherzigen Schwester berichtet die Kinderlegende 'Gottes Speise' (unten nr. 205). — ■ Zu dem langen Schlafe der Kinder vgl. R. Köhler 2, 240. Im griechischen Märchen von Asterinos und Pulja (Hahn nr. 1 = Pio p. -1 = Geldart p. 31), das sonst unserer nr. 11 'Brüderchen und Schwesterchen' entspricht, brät die Frau statt der von der Katze gefressenen Taube ihre eigene Brust, und das Menschenfleisch mundet ihrem Manne so gut, daß er seine eignen Kinder fressen will. Ebenso serbokroatisch bei Nikolic 1, 128 und Naselja srpskih zemaljä 3, 487 ; bulgarisch bei Sapkarev 8 — 9, 203 nr. 119 und Sbornik min. 3, 212. 4, 1 nr. 513; slovakisch bei Skultety Dobsinsky S. 230 nr. 24 = 2. Aufl. S. 506 nr. 37, Czambel S. 329 nr. 165, 0. Broch, Studien slovak.-kleinruss. S. 44 ; türkisch im Jubil. Sbornik Miller S. 198 nr. 52; gagausisch bei Radioff 10, 159 nr. 92. 1856 s. 227. 144. Das Eselein. 1815 nr. 58. — Dem lateinischen Gedichte Asinarius nach- erzählt, das J. Grimm 1814 in einer Straßburger Handschrift aus der 144. Das Eselein. 153 zweiten Hälfte des 15. Jahrh. aufgefunden hatte1). Über die Art der Bearbeitung vgl. Hamann, Die literarischen Vorlagen 1906 S. 45. Ins Schwedische übersetzt als 'Prins Asna' (Stockholm 1823; vgl. Bäckström, Sv. folkböcker 3, 50). Mone, der 1839 das lateinische Gedicht aus einer Heidelberger Handschrift abdruckte, schrieb es voreilig einem Brabanter Gotfridus de Thenis (Tirlemont) zu, der in der zweiten Hälfte des 14. Jahr- hunderts [?] einen lateinischen 'Punctus' in Hexametern (Reineri Phagifacetus ed. Jacob, Lübeck 1838 p. 31) verfaßte2); dieser sonst völlig unbekannte Dichter sollte auch der Autor des Luparius, Brunellus, Militarius, Rapularius, der Probra mulierum und des Alexander magnus gewesen sein, nur aus dem Grunde, weil diese Gedichte3) in derselben Sammelhandschrift wie der Punctus stehen. Heut sind acht Handschriften des Asinarius bekannt: A. München, Cod. lat. 4413, Bl. 60c-70b ohne Titel (früher in Augsburg), 14. Jahrh. Es fehlen die Verse 118-120. 170. 333. 381-382. Vgl. Catalogus codicum ms. bibliothecae reg. Monacensis 3, 2, 162 (1871). — B. Heidelberg, Salmansweiler Hs. VIII. 29b, geschrieben 1462 von Konrat Worheim, rector parvulorum parochialis ecclesiae Franckfordiae, Bl. 18a— 23a. Vgl. Mone, Anzeiger 1834, 161 und seinen Abdruck des Asinarius ebd. 1839, 551—561. — C. Straßburg, Ms. Johann. C 105, bei der Belagerung 1870 verbrannt , J. Grimms Abschrift der Verse 1—60. 135-138. 179-182. 191—194. 309-313. 365-404 ist im Berliner Ms. germ. qu. 923 erhalten. — D. Kopenhagen kgl. Bibliothek, Gamle kgl. samling 4° 1634 (früher in Bordesholm), geschrieben um 1470. Vgl. E. Voigt, Kl. lat. Denkmäler 1878 S. 6. — E. Breslau Universitäts- bibliothek, Hs. IV. Q. 126, Bl. 18a- 28b, geschrieben 1475 in Krakau. Ausgefallen sind die Verse 176, 262, 378. Vgl. E. Voigt 1878 S. 7. — F. Berlin kgl. Bibliothek, Ms. lat. qu. 94, Bl. 238a, geschrieben 1475, vielleicht in Leipzig. Enthält nur die Verse 380—404. Vgl. V. Rose, Die latein. Hss. 2, 1257 nr. 989. — G. Krakau Universitätsbibliothek, Hs. BB. IX. 9, S. 270—287, geschrieben 1491 nach S. 438. Es fehlen 1) Briefwechsel zwischen J. und W. Grimm aus der Jugendzeit 1881 S. 343. 2) Anzeiger für Kunde des deutschen Mittelalters 1834, 159 'Gotf rit von Thienen'. Vgl. Histoire litt, de la France 24, 431. Biographie nat. de Belgique 8, 146. Gröber, Grundriß der roman. Philologie 2, 1, 415. 383. Zwei Hss. des Punctus liegen in Leiden. 8) Abgedruckt sind sie bei E. Voigt, Kleinere lateinische Denkmäler der Tiersage 1878 S. 58. 81. Anzeiger 1834, 266 (Militarius). 1839, 561 (Rapularius; unten nr. 146). 1836, 199 (Probra mulierum). 154 144. Das Eselein. die Verse 189, 200—250. Vgl. Wislocki, Katalog rekopisow bibl. uni- wersytetu Jagiellonskiego 2, 535 nr. 2233 (1881). Klapper, Mitt. der schles. Ges. f. Volkskunde 19, 29. — H. St. Petersburg kais. öff. Bibliothek, aus der 1. Hälfte des 15. Jahrh., einst dem Johannes Johannis de Slupcza clericus Gneznensis dioecesis gehörig, Bl. 214 a — 223a mit polnischen Glossen. Vgl. A. Brückner, Die mittelalterliche lateinische Poesie in Polen (Bozprawy Akad. Umiej Ser. 2, 1, 348). Die Dichtung ist also spätestens im 14. Jahrhundert entstanden ; ob in Frankreich oder den südlichen Niederlanden, bleibt vorläufig ungewiß. Der nachfolgende Text beruht auf der Handschrift A mit Hinzuziehung von B C E F GL Asinarius. Rex erat ignotae quondam regionis et urbis, Et nomen regis pagina nulla tenet. Is sibi consortem regni thalamique sodalem Sortitus fuerat nobilitate parem. 5 Quos licet imperii maiestas alta bearet Amplaque congeries nobilitaret opum, His tarnen adversa partum Lucina negabat, Gratis enim Veneris excoluere iocos. Hinc dolor, hinc gemitus ambos vexabat, eo quod 10 Heredem regni non habuere sui. Denique regina misero compassa marito Talia multiplici voce frequenter ait: 'Quid facimus? nil proficimus, iam vivere taedet Nocturnisque pudet saepe vacasse iocis. 15 Femina sum misera sterilique simillima terrae, Quae sine spe messis semina iacta vorat. Pertruso sacco iuste me comparo, qui, quod Ore patente capit, hoc aliunde vomit. Heu, quid nobilitas, quid opes, quid gloria regni 20 Prosunt, heredem si mihi fata negant!' Continuis igitur precibus pia numina pulsans, Vt mater hat, nocte dieque rogat- Quod petit, assequitur, breviter fit mater aselli, Eius enim partus pulcher asellus erat. Lesarten. 1 quiclam A — urbe A — 2 Sed BCEG — regis nomen C — fabula BEG — docet CEG — 3 Hie BEG — thalami regnique E — 5 Quem A — 7 lucluna A, natura E — negarat C — 9 eoque B — II misera B — 12 Tali sint compari B, Tali sive pari CEG — 13 nil] vel B, vel quid G — 14 Nocturnis A — piget BCEG — seque A — ludis E — 15 sterili A, sceleri G — nee ulli sum placens ipsa E — 16 iaetat agricola E — vorat] ferent A — 17 Pertuso C, Protruso E — quidquid A, qui quid C — 19 gratia B — 20 si] cum A — fesla B — 21 pulsant A, pulsat G — 23 quod fit mater 144. Das Eselein. 155 25 0 qualis partus, ubi femina gignifc asellum, 0 res miranda, plus miseranda tarnen! Hoc fetu viso mater, quae plauserat ante Se concepisse, nunc peperisse dolet. Ergo non esse mater quam mater aselli 30 Mallet et, ut detur piscibus esca, rogat. At rex comperto mandato matris iniquo: 'Absit', ait, 'monstrum non moriatur idem. Non moriatur', ait, 'reginae filius, immo Vt vivat iubeo filius iste meus. 35 Quem dedit heredem quisquis fuit ille deorum, In solio regni rex erit ille mei, Portabitque Caput eius diadema paternum, Et debetur ei gloria tota patris.' — Tunc iussu regis roulto nutritur amore, 40 Vtpote qui regis nobile pignus erat. Proficit et crescit, aures extendit in altum, Iam coepit iuvenis indolis esse bonae. Iam patris in regno vocitatur et est domicellus, Iam reverendo timet aulicus omnis eum, 45 Oppida iam gyrat, iam regni circuit urbes, Iam delectatur lusibus atque iocis Et citharoedorum mage delectatur in arte Et, si sors faveat, discere gestit eam. Ergo frequenter adit, quem noverat arte peritum, 50 Qui famosus erat arte magister in hac. Quem sie aggreditur et verbis talibus usus : 'Esto magister', alt, 'o citharista, meus ! Artem, quam nosti, fac scire tuum domicellum, Vt non inferior te sit in arte tua!' 55 Dixerat hie ista, respondit ad hoc citharista: 'Quid petis a servo, mi domicelle, tuo? O rex, quid quaeris, quod non tibi competit? Eheu Erras, deeiperis, irrita vota geris. Discere nequaquam potes hanc artem, quoniam sunt sed B, et fit mater sed CEG — 25 ut A — 27 fetu visio A, fato viro C, fetu E, facto partu G — quem B — senserat A — 28 iam BEG, vel non C — 29 mater mallet A — 30 Valuit A — 30 iubet CEG — 32 lusserat ut A, Absit ait BCEG — ne A, quod CE — morietur BC — 33 ait] idem B, item Mone — 37 Portabit A — diademata A — primum A, supernum B, paterni C — 39 nimio BEG — nutritus BC — honore BCEG — 41 attollit BCEG — 42 Et C — 43 regnavit et domicellus C — 44 reverende EG — anglicus A, aditus BG, edilus E — 46 laudibus E, cantibus G — 47 Sed BEG — citha- rorum AC — dilatatur C — 48 glisit A, quaerit B, gliscit EG — cani C — 49 ante B, esse CEG — 50 erat] in hac BCEG — in tiac] erat BCEG — 51 aggrediens verbis est Mone — 52 Est A — 54 sim A, sicut C — 55 hec B — ei A, ad hec EG — 57 quid- quid A — arte A, ast heu B, eheu C, heu quid E, heu G — 58 Liras EG — 61 Et BC 156 144. Das Eselein. 60 Enormes digiti, nii domicelle, tui. Ac si pace tua liceat mihi vera fateri, Quod natura negat, tu domicelle petis. Non potes absque manu citharae distinguere chordas, Quae, puto, dissilient, si pede tangis eas. 65 More suo rudit asinus, nunquam bene ludit, Sacciferi vox est ista caneutis ya.' Dixerat hoc mimus, fremit et tabescit asellus Et motum cordis vix domat ipse sui. 'Annon est,' inquit, 'mea linea sanguinis alti? 70 An nescis, quod sum rex dominusque tuus? Vnde tibi verbi, nequam, praesumptio tanti, Vt mihi tarn dure non vereare loqui? Quid tibi, leccator, de me, quid, scurra, videtur? Me forsan pignus imperiale negas?' 75 'Non,' ait ille, 'nego, scd nee, domicelle, negabo, Immo te dominum credo scioque meum'. 'Ergo meis', inquit, 'praeeeptis promptus oboedi, Si patris in regno vis habitare meü' Mimus ad haec: 'Domine, mentis compesce furorem! 80 En ego praeeeptis pareo sponte tuis.' PraeciDit ergo lyrae dulces citharista canores, Ast asinus docilis concinit arte pari; Tempore nempe brevi tantum profecit in arte, Vt doctore suo doctior ipse foret. 85 Nunc mimi more satis arguto canit ore, Nun parat informi pollice dulce melos. Cumque die quadam spatiando cireuit amnes, Deformem voltum prodidit unda sibi. Dum caput et capitis aures considerat, inquit: 90 'Pape, nimis miror, forma quid ista velit.' Luminibusque suis percurrens crura pedesque Respicit, et corpus displicet omne sibi. Infrendens igitur furiis agitatur iniquis, Talia blasphemo sibilat ore sibi: — 62 tu] hoc BCEG — 63 pote A — 64 dissimilet A, dissimilent EG — 66 isla] orta B, seva G — canoris A, caventer B — eya A, valde B, raro EG — 67 fremit mimus A, mimus tremit B, nimium fremit E, nimium furit G — tabescit] lies tumescit ? — 68 inquis A — mihi BEG — 71 nequam verbi BEG — 72 Et B — tibi A — velis arte A — 73 lecartor B — 76 sociumque A — 77 semper A — 79 Servus BEG — adest A — lyra] fehlt A — 81 citherea A — tenores EG — 82 animo docili A — 83 nam parvo multum BEG — 85 mimus A — 86 Nunc et in B — deformi A — dulces B — 88 unda] ipse B — 89 et] fehlt A — 91 In membrre A — 92 suum B — 93 lnfremens B — 94 plasphemans A — 144. Das Eselein. 157 9B 'Vix assem nieruit, quisquis fuit iste deorum, Qai me compegit, qui dedit esse mihi. Numquid asellus ego potiar diademate regis? Num dici potero rex et asellus ego ? Absit, ut hanc asini frontem diadema Coronet, 100 Nee saetas asini purpura munda tegat. Ergo bulla meo non pendeat aurea collo, Non decet hanc, fateor, aurea virga manum. Heu, patre defuneto regni privabor honore, Cogor praeterea multa molesta pati. 105 Est igitur melius, ut vivo patre recedam, Ne post expellat me violenta manus.' — Conveniens igitur de servis omnibus unum, Cuius prodiderant experimenta fidem, Huic exponebat, animo quaecumque gerebat, 110 Huncque suae comitem praeeipit esse viae. Annuit ille suo dans assensum domicello Iureque iurando ferre fatetur opem. Musica tunc asinus imponens vasa ministro Nocteque cum bipede quadrupes intrat iter, 115 Contiguique maris veniunt ad litus, et ecce Navis adest. Metces nautica rite datur, Carbasa tenduntur, sulcantur terga profundi Cymbaque ventorum prosperitate volat. Nauta refert: 'Iuvenem regem tantum quia duxi, 120 Sufficiet, domine, gloria tanta mihi.' Immensoque mari longe lateque vagari Coepit et effugii quaerit in orbe locum. Extremos tandem libet orbis visere fines, Phoebus ubi fessos in mare mergit equos, 125 Rex quidam regni caput exaltarat ibidem, Virtutum clarus stemmate, clarus avis. Huic, ut faraa docet, fuit unica filia tantum, Heres praeter eam non fuit alter ei. Si fortuna iuvet, si fata sinant, pater ipäam 180 Heredem regni sanxerat esse sui. 95 assem] esse G — 97 Quidquid A — ego] ait B — pacior dyademata A — 98 Non B, Ac EG — 99 frontem asini A — 100 und 102 sind in BEG vertauscht — 100 aures A ■ — 101 pendat A, pendet B — aureo A — 102 hec A — 104 propterea B — 106 Quam EG — me] fehlt B — 107 Convenit ergo mihi A — unus A — 109 exponebant A — 110 suum comitem praeeepit A — 115 mari A — ante A — 116 nataque A, navita B — petit A — 117 submergunt A — 118—120 fehlen in A — 120 gracia G — 121 Emen- soque B, Emersoque EG — 124 mersit B — 125 exaHavit EG — 126 Vir tantum A — plenus C, carus EG — avis] erat BCEG — 129 iuvat AB — volunt A — pater] ut G 158 144. Das Eselein. Virgo puellares ea iam compleverat annos, Iam dederant teneros membra pudica pilos, Vbera mammarum dederant iam Signa, quod ipsa Vix queat absque viro sola cubare toro. 135 Cum veniens asinus regalem pergit ad aalam, Clamitat et pulsat sicque locutus ait: 'Ianua pandatur, peregrinus ut ingrediatur! Hospes prae foribus est. Aperite fores!' Ianitor audito strepitu pulsantis aselli: 140 'Quid clamas,' inquit, 'tu quis es, unde venis? Sic importune quid regis ad ostia pulsas? Cur tanta valvas improbitate feris ?' Eespondens asinus: 'Aperi velociter,' inquit, 'Prae foribus certe mimus honestus adest.' 145 Haec ubi dicta dedit, citharam pede tangere coepit Et patulo dulce concinit ore melos. Ianitor ut dulcem concentum percipit aure, Prosilit, ut videat, quis Sit hie et quid agat, Personamque videns rudis et deformis aselli 150 Hunc tarn composite psallere posse stupet. Et miratus liomo penetrat penetralia regis Prodere, quae vidit, prodigiosa volens. Tunc ait: 'Ecce novi quiddam, rex inclite, venit, Et si nosse velis, insinuabo tibi. 155 Stat foris ante fores mimus rarissimus', inquit, 'Rarior, ut credo, non erit alter eo. Hie rarus mimus, o rex, est foedus asellus, Qni psallit citliara, psallit et ore simul. Hie petit introitum; si rex inbet, ingrediatur.' 160 Et rex respondens: 'Ingrediatur', ait. Tunc mimus chordas asinino pollice tangens Ingreditur modulos artieulando novos. Hunc rex intuitus in risum laxat babenas Et tanti risus fit modus absque modo. — illam E — 131 und 133 sind in B vertauscht — 131 dum iam BEG, ut quae Mone — 132 teneros] revera B, vere Mone — pudenda BEG — crines G — 133 viam mortui) B, iamque viam Mone — ipsa] pubis Mone — 135 Hinc BE, Huc G — reginae tendit C — 136 Clamat A — 140 Quid facis E — 141 inopportuno A — quid] fehlt A — curianuasA — ad] fehlt B — 142 Cum A — validos A — importunitate G — fores A — 145 Hunc ubi tunc videt A — 146 dulces A, dulei B — 148 et unde vadat A — 149 et] fehlt A — assellus A — 151 Nil quoque miratus A — miratur E — 152 Pro- videre rara A — quod B — viderat BEG — 153 O rex ecce G — novus A, venit B — quidam A, quoddam EG — rex in civitate A — novi BG, troni E — 154 Quod BEG — 157 gnarus A — 159 iubes ingredietur E — 160 respondet B — 161 asinus G — a summo BE — pulsans BEG — 163 Tunc A, Quem BEG — an risu B — 165 videns 144. Das Eselein. 159 165 Ac regina suo ridens ridente marito Nil risu poterat impediente loqui. Omnis condicio iuvenum senumque cachinnat, Perstrepit et risu curia tota sonat. Dum sie exsultant omnes et ludit asellus, 170 Clauditur interea sole ruente dies. Legitimo cuisu regalis cena paratur, Consedit castris diseubitura cohors. Hex et regina regali sede locantur, Discumbit matris filia pene latus. 175 lüde locantur et hi, quos militiae chlamys ambit, Hinc servi resident inferiore loco. Accedens igitur ex officialibus unus Cum servis asinum iussit babere locum. 'Absit', asellus ait, 'ut sim conviva clientum, 180 Non bene servilis congruit ordo mibi. Non sum vulgaris asinus nee sum stabularis, Vrbana potius nobilitate te^or.' 'Visne,' minister ait, 'cum militibus sociari?' 'Absit', asellus ait, 'nee locus iste placet. 185 Hactenus absque mora me regia mensa sodalem Extulit et largas praebuit illa dapes.' 'Quid tibi vis faciam?' dapifer l'espondet asello. 'Vt socier mensae regis,' asellus ait. Qnod rex comperiens ait: 'Huc accedat asellus!' 190 Qui subito regis voce vocatus adest. Tunc rex subridens ioculariter ore sereno Dixit: 'Aselle, placet filia nostra tibi?' Protinus attollens asinus caput in domicellam Dirigit obtutus sieque locutus ait: 195 'Pape, quid inquiris, o rex, quid nosse laboras? Cur non deberet ista placere mihi? Immo placet, placet illa mihi, multum placet, inquam. Ferreus est certe, cui placet ista nihil. Candida delectat facies permixta rubore, EG — riden A — 166 Nee A — praepedienle B, perpediente E — 167 bannizat A — 168 et] ex E — ridet aulaque tola pari A — paret B, sonat Mone — 169 et] quoque B, quia CG, quos Mone, luditque E — 171 Digno modo A, De solito G — 172 Confluit in castra BEG — 174 penes E — 175 locant alios B — ornat BEG — 179 non sum BEG — 180 convenit BCEG — 181 nee] non CEG — sum] fehlt A — 182 regor BEG — 185 modo E — sedem A — 186 lares A — 188 Sorcior ut A, Potiar ut B, Socier ut E, Sortiar ut G, Vt potiar Mone — mense AEG — 189 Hoc E — 191 Cui C — iocierans A, ioculanter C, iocanter E, ioealiter G — 194 Erigit intuitus A, Et tutus obli- quos C, Dirigit obtuitus EG — 195 quidem inquit A — 197 Primo BC — multum placet mihi et A — inquit EG — 198 Fatuus G — 199 colore A — 201 cervix] fehlt A — 160 144. Das Eselein. 200 Ac si contemplor lilia mixta rosis, Caesariesque placet, delectat eburnea cervix Et corpus fateor omne placere mihi.' 'Vis fore,' rex inquit, 'huius conviva puellae?' Cui mox respondens exsul asellus ait: 205 'Hoc placet, hoc, inquam, cor aselli pauperis äuget, Congruit haec sedes et locus iste mihi; Hie contentus ero, si convescar domicellae, Hoc mihi sufiieiens pondus honoris erit.' 'Vt placet', inquit rex, 'esto conviva puellae, 210 Escaque, praeeipio, vos eibet una dnos.' 'O rex, iure tibi regratior,' inquit asellus, 'Quod cedit per te gloria tanta mihi.' Ascendensque gradum sedem sortitur in alto, Convivamque locat hunc domicella sibi. 215 Inter cenandum bene servit asellus eidem Comminuens panem collyridasque seeans. Ipse scyphos paterasque levans offert bibiturae Et mensale tenet, dum domicella bibit. Singula quid memorem ? Breviter simul omnia tangam : 220 Omnia composite doctus asellus agit. Nonnihil ergo suus placuit conviva puellae, Sed, ni fallor, adhuc plus placiturus erit. Discumbendo placet, plus coneumbendo placebit, Huic dum dilecto nupserit illa viro. 225 Regem praeterea probitas delectat aselli, Is quia plus asino morigeratus erat. Hunc quoque militia laudum rumoribus eifert, Et dignura laude praedicat ampla polis. Cumque moras aliquas exsul fecisset ibidem, 230 Cogitat ad patrios velle redire lares. Irrumpens igitur tristis penetralia regis Demisso capite taliter orsus erat: 'Dulcius exsilio solet esse solum genitale, Quaeque placent aliis, dico placere mihi. 235 Si salva pace mihi detur copia fandi Enseque praecineto, rex, tibi dico vale.' Ad quem rex inquit: 'Divortia nulla supersunt, Nee dirimi patiar nos nisi Sorte necis. 205 nunquam E — angit A, urget BE — 210 habet BC — 213 sede A — alta A — 215 cenantes A — 216 Convivans A, Comminuensque B, Cominuansque E — dapes E — tollit et usque secat A — calidas atque E — 217 ciphum preparans offert bibiture puellae A — 218 cum BEG — 220 sicut AE — egit AE — 222 nisi BEG — 223 ex- cumbendo A — 224 Uli A, Hec cum E — si nupserit A — marito A, iure B — 226 Hie BE — 227 militiae B — offert A — 228 tandem A — polus A — 229 aliquis A — 231 ergo BE — 232 Dimisso A — talibus usus ait BE — 234 Quodque placet eunetis BE — 235 detur mihi BE — 236 Nunc in praesenti B, En In praesenti E — 238 durum A 144. Das Eseleiu. 161 Pono Iovem testem, quod nulla licentia restat 240 Discidiique datur copia nulla tibi. Non es tu, fili, nostro contentus honore? Non es contentus filius esse meus? Die, fili, quid obest, cur tristis et unde doloris Pdvulus iste scatet ? Dicito, quaeso, mihi ! 245 Non eris hie exsul nee iani reputaberis hospes Nee debes cive quolibet esse minor. Congeriemque boni cuiuslibet aeris habebis, Haec sine mensura metior hercle tibi. Num vestes vel equos aut cetera talia quaeris, 250 Quae sitit et quaerit deliciosus homo? Testor ego superos et cetera numina ruris, Si placet, et regnum dimidiabo tibi.' Pollicitis asinus nequaquam flectitur istis, Omnia natalis sprevit amore soli. 255 'Vna tibi,' rex inquit, 'adhuc datur optio, fili; Quam si respueris, semper asellus eris. Vis, ut nostra tuas tibi filia detur in ulnas, Tecum nocturnis ut vacet ipsa iocis ?' Tunc velut evigilans de somno clamat asellus: 260 'Ista placet, fateor, pactio sola mihi, Iste mihi finis maeroris et anxietatis, Ianua laetitiae, porta salutis erit. Si factis tua dieta probes, o maxime regum, Dicere tunc potero, quod Iove maior ero. 265 Iuppiter in caelis Iunone sua potiatur, Sufficit in terris regia virgo mihi. Sint tua, qnae tua sunt, o rex, tibi euneta reserves, Virgo mihi detur, nil peto praeter eam. Hac contentus ero dumtaxat virgine sola 270 Nee querar exsilium, rex reverende, meum. Haec mihi sit patria, Sit honor, sit gloria regni, Iam quoque sufficiens massa mihi sit opum. Respondi tibi, rex, quod in hoc retinebis amicum; Tantum dignare tu socer esse meus !' 275 Advocat ergo suam maiestas regia natam ; Paret, adest illa, rexque paterque rogat: — 241 tu] mi BE. — 243 cur abeis A, quid abest E — et] fehlt A — 244 Stimulus B — cadat B — 245 hie hospes B, hospes E — reputaveris exsul BE — 246 Non a me E — certe A — miser A, poteris E — 247 boni fili A, filii B, sitis fili E — habebis] fehlt AE — 248 Hoc E — heirte A, aera B, ercle E — 249 Dum A — 251 enim A — omnia E — 252 SicupisEG — 254 spernit EG — 255 sibi A — 257 Visne B — sulcias B — 259 quasi A — a sumpno A — 260 Haec mihi haec B, Haec placet et EG — 263 dederis A — notes G — divum B — 264 nunc A — poteris B — 265 societur B — 267 Sunt AE — tibi BEG — 268 decus B — 269 dumtaxat] contentus G — 270 queror A,. curo G — 273 Quam tibi despondi, rex inquit, habebis amicam BEG — 274 gener BEG — 276 Grimm, Märchen- Anmerkungen III. 11 162 144. Das Eselein. 'Tune viro iuveni vis nubere, filia regis? Si vis, huic ergo, filia, nube viro!' Virgo suo more faciem suffusa rubore 280 Patris ad lxanc vocem lumin a flectit humo Nilque locuta brevi secum deliberat hora, Quid respondere debeat ipsa patri, Tandem prorumpens orisque repagula laxans : 'Expedit, ut patris iussio fiat,' ait. 285 'Non mea, sed patris fiat decreta voluntas; Mi pater, ex voto pendeo tota tuo. Cui me vovisti, sum, si vis, ipsius uxor, Sis socer ipsius, Sit gener ipse tuus.' Tunc asino gaudens rex inquit: 'Habeto puellam, 290 Vt sis sponsus ei, sponsa sit ipsa tibi !' Suscipiens asinus patre comitante puellam, Instituit celebrem rexque generque diem. Tunc polis ornatur tantoque nitescit honore, Vt placeat plane plus polis ipsa polo. 295 Confluit instar apum mimorum magna caterva, Desudat quisquis doctus in arte sua. Crura levans sursum suspensa caputque deoisum Ambulat, atque manus dat pedis officium. Post invitatur plebs et pransura locatur, 300 Fit quoque laetitiae baiula tota dies. Cumque soporiferam clarus daret Hesperus horam, Qua Veneri licitae femina virque vacant, Virginis intrepidus tlialamum tunc intrat asellus, Vt tenerae sponsae mulceat ipse sinum. 305 Ergo subit tlialamum dilectae virginis, in quo Lumina sunt posita rege iubente duo; Vt videat, quid agant hie asellus et haec domicella, Sub velo servus nocte locatus erat. Omnibus egressis, cum nullus adesse putatur, 310 Munitur vectis obice valva domus. Parat ad haec A — 279 Ergo suo mala B, Ergo suam virgo C — facie AEG — 282 responderi delectat A — 283 operisque A — 285 liberata AB, liberta E, libera G — 288 illius BEG — ille B — 289 dixit B — 291 Sufficiens A — patrem B — convivante A — 292 celebrem] diem A — paterque BEG — suus A — 293 tanto BG — 294 pape B, pene tunc E, plene G — placet ipse polo A — 295 Concinit B, Constitit E, Constat G — opum BG — 297 Levat caput A, llluviam pedes B, Crura pedes E, Muria suspensa pedes G, llle pedes Mone — suspendit pedes A, suspensus caputque B, erigensque caputque Mone — 299 tota ad pransa A — vocatur G — 300 die AB — 301 Postquam somniferam A — satyrus B, satis EG, satyri Mone — dabat A — 302 licita B — 302 vacat A — 303 intrepidum A — 304 sponsae teneris B, sponte tenerum E, sponsam teneram G — sue A, suum E, suam G — 305 immo A, aulam E — 307 agat B — 308 Post velum BEG — velatus A — adest EG — 309 probatur B — 310 noctis obice 144. Das Eselein. 163 Extemplo sponsus asininum ponit amictum Et posita veteri pelle novus fit homo. Virgo videns hominis formosi nobile corpus, Cuius tunc asini turpis iinago fuit, 315 Mox incredibilem sponsi mirata decorem In laquenm Veneris praecipitata ruit. Tunc simul ambo suis stringunt sua colla lacertis Et sua concedunt oribus ora suis. Protinus in lectum salit hie sequiturque puella; 320 Quod sequitur, norunt, novit et ipse torus. Nee reor omnino custodem posse latere, Qui qaalesque ioci nocte geruntur ea. Ille cupidineum pro tempore temperat aestum, Vxorisque vices exhibet illa viro. 325 Dumque redit pulsis rutilans Aurora fugatis, E gremio sponsae prosilit ille suae, lüde revestitur asinino rursus amictu Et fit a&ellus idem, sicut et ante fuit. Mane pater veniens pulsansque fores ait: 'Eia, 330 Prae foribus pater est. Filia, pande fores!' Illa seras laxans festina patremque salutans: 'O bene venisti, mi pater,' inquit, 'ave ! O pater, innumeras merito refero tibi grates, Quod nupsi caro te mediante viro.' 335 'Estne tibi carus,' inquit pater, 'iste maritus?' Tunc hilari voltu sie ait illa patri: 'In toto mundo non est mihi carior isto, Et toto vere diligo corde virum.' Non tarnen insinuat, quae sit persona mariti 340 Quodque sub informi pelle latei-et homo. Dum mora parva foret, natam generumque relinquens Ipse vale facto surgit abitque foras. Impiger insequitur regis vestigia servus, Qui sub cortina nocte cubabat ea, ianua G — 311 deponit BC — 312 Deposita B, Exuta C — fit novus A — 313 formari E, fore G — 314 tunc] iam ABG, tarn E — pridem BEG — 315 impossibilem A — mutata A, gavisa E — 316 fuit B — 317 iungunt E — 318 contendans A, contendunt EG — moribus A — 319 hie] fehlt A — 320 ipsa choors A — 321 custodem] fehlt BED — posse latere laborem B, fuisse latere labore E, posse carere iabore G — 322 Quin quales A, Qualescunque B — gerantur B — ibi BEG — 323 Illa B — caput iuvenis A, cupide meum B, viri cupide Mone, cupidinem G — cepit honeste A, temperat esca G — 324 vires A — 325 venit G — 327 Atque Mone — vestitur A — 328 item Mone — 329 pulsans ait ejaque fores B — ecce C — 330 est pater A — 331 fores AE — festive B, festinans G — salutat A — 332 ei BEG — 333 referam B — 335 Nunc tibi sit A — quaerit B — 336 ipse A — pater B — 337 illo BEG, ullus Mone — 340 sub- formi A — latere A — 344 quod A — post curtinam BG — cubaret AEG, curabat B, 11* 164 144. Das Eselein. 345 Quem rex nocturnum vigilem decreverat esse, Vt specularetur, hie quid et haec facereut. Ergo quod audierat, quae viderat, expositnrus Instillat regis auribus ista sui: '0 rex invicte, rex inclite, rex venerande, 350 Dignanter servi pereipe verba tui! Praeterita nocte sub cortina reeubanti Res est visa mibi prodigiosa satis. Cum gener iste tuus se solum tempore noctis Coniuge cum sola crederet esse sua, 355 Ilico nudatur asinini velleris usu, Tunc datur effigies imperialis ei. Quid referam, domine, quae gesserit illa vel ille! Quos Veneri tota nocte vacasse scias. Cumque vale faceret sponsus sponsae Venerique, 360 Eursus amicitur pelle priore sua. Nunc age, mi domine, si vis, quod suggero, nosse, En ea Ventura nocte probare potes. Hac igitur nocte thalamum secretius intra, In quo pausabunt nata generque tuus, 365 Et quando reperis asininum vellus ibidem, Ipsum clam genero subtrahe, trade f oco ! Cumque togam turpem fervens assumpserit ignis, Ille manebit liomo mortis ad usque diem.' Rex: 'Ita fiat', ait, 'quod suades, nocte probabo; 370 Forte, quod optavi, nox dabit ista milii.' — Rex igitur thalamum sub opacae tempore noctis Intrat, et ecce torum nata generque premunt. Et quod post Venerem mos est obrepere somnum, Oppressi fuerant ambo sopore gravi. 375 Leniter incedens rex appropriansque cubili Formosum corpus cernit inesse toro; Cui mox exuvias asinini velleris aufert latebat Mone — ibi EG — 346 quid facerent hie et haec BE — 347 Ergo quid A, Ergo quae BEG, Is quaeque Mone — quae] et BG — 349 generöse BG, gloriose E — 351 cubitanti BEG — 352 ista A — 353 solus A — 354 credidit A — 356 Et BEG — 357 quid B — gesserat A — 358 veneris A — 360 priori sue A — 361 mi] fehlt A — quod] tibi A — 362 Ipse hac Mone — probare potes] fehlt B, videre velis Mone — 363 Hac igitur nocte AEG, fehlt B, Tu modo sponsorum C — 364 pulsabunt A, pulsabit E — 365 En A — dum repperies BE, dum reppereris C — vellusque A — eidem C — 366 Ipsam A, Pellem B — 367 Cum pellem A — vehemens consumpserit BCEG — 369 ait ita fiat A — 370 illa B — 371 ergo B, vero E — ocaci A, opaco BE, optato G — 372 petunt A, premit BG — 373 Et quia CE, Quos quia Mone — mox coepit B — abrumpere A, premere B, obrumpere C, surripere E, obrepuere G, prendere Mone — somnus B, soporem G — 375 intendens A, accedens CE — aperiensque cubile A — 376 corpus A, cernens BEG, cernit C — aceubitare BEG, aecumbere C — toro] virum BCEG — 377 144. Das Eselein. 165 Et genero minime comperiente fugit Fornacemque iubet accendi fomite multo, 380 In qua fit peius rege iubente cinis. B.ex quoque nosse volens, quid facturus foret ille, Nocte manet tota pervigil ante fores. Ergo gener mane surgens somno satiatus Pelle volens asini sicut et ante tegi, 385 Quam non inveniens multo stimulante dolore De sola coepit anxius esse fuga Egrediturque foras. Sed rex foris obstat aitque: 'Quo properas, fili? Quid pateris, quid habes? Omnino certe cassabitur ista voluntas 390 Atque tuum penitus impedietur iter. Subtracta pelle tu nolo queraris aselli, Cum sis formosus et bene comptus bomo. Me vivente meum modo regnum divido tecum, Post mea tu totum funera solus babe.' 395 Cui gener: 'Ista liberjs faciam tecumque manebo, Et precor, ut finem dent bona coepta bonum.' Ergo bipartitur res publica, portio semis Offertur genero, pars manet una socro. His ita patratis nondum rota volvitur anui, 400 Cum rex emeritus occidit ense necis. Tumque Neoptolemus regni monarcha creatur, Solus enim regnum vindicat omne sibi. Idem praeterea patris sortitur bonorem Sicque regit regum rex duo regna duum. Qui BEG — In EG folgt: Mox impleturus consilium famuli — 379 accendere fodit in illam B — 380 sit B — vellus A — 383 surgens mane A — surgit C — nocte B, ludo Mone — 384 Vcllere F — 385 Qui A, Quod E — cruciatus multo dolore B, multo dolore repletur EFG, maeret magnoque dolore Mone — pudore A — 387 astat E — 389 En modo EG, Cui modo F — 391 Subtractam pellem B — tu] fehlt ABCEFG — voceris A, conqueraris B, claudaris C, censeris E, casseris FG — asellus AE, aselle FG — 392 Dum A — natus C — 393 Me manente A, Vis manere B, Visne manere Mone — mecum meum A, mecum rex modo B, meum tecum modo C, meum totum modo FG — 395 inquit ita faciam BCE — 396 copia mea A, cepta opera F — In E folgt: Post mortemque meam fiant omnia tua — 397 Sicque C — bipartita BCG — semis A, regni BEG, regis C — 398 sibi A, seni BC, socro EFG — 399 ita praeteritis A, bipartitis B, iam finitis E, finitis FG — 400 immeriti A, decrepitus C am Rande — Die Verse 401 f. folgen in A auf 403 f. — 401 Tunc A, Cumque C — paratur C, vocatur F — 402 ist in A durch drei ungefüge Zeilen ersetzt: Et regit sceptra terre regnique sui, Et illud regnum regit sua magna potestate, Vsque finierat tempore vite sue — omne] ipse E, esse FG — 403 Cuius A, Posthaec C — 404 Hicque A, Qui B, Atque Mone — nempe A, regnum EFG — Unterschrift: Explicit A; Explicit liber dictus Asinarius vel Diadema B; Explicit Asinarius deo gratias C; Item iste Asinarius est finitus nee non scriptus in Cracovia per Georgium Schleyffir de Brega filium carnificis, qui ipsum terminavit in ieiunio feria sexta ante palmarum anno domini MCCCCLXXV. Et cetera rinthfleysch etc. E; Explicit Asinarius poeta foeliciter 1475 F; Explicit Asinarius poeta G. 166 144. Das Eselein. Das breit, doch nicht ungefällig erzählte Märchen *) ist bereits oben 2, 234 in der ersten Gruppe des Tierbräutigam- Kreises angeführt worden. Gleich 'Hans mein Igel' (nr. 108) ist der Held, dessen Eltern sich lange vergeblich ein Kind gewünscht hatten, als Tier geboren2) und zieht allein aus, sich eine Braut zu holen. Daß er gerade durch sein Lautenspiel Beifall und Gunst findet, mahnt an die in mittelalterlichen Holzschnitzereien und Miniaturen häufig auftretende Figur des musizierenden Esels,3) an das Lied von unmöglichen Dingen : 'Der Esel wird die Laute schlagen' (Erk- Böhme, Liederhort nr. 1108; ebenso Eyring, Proverbiorum copia 1, 282. 446) und an Sprichwörter wie: 'Welcher Esel nicht kann Lauten (Pauken) schlagen, muß die Sack zur Mühle tragen'; 'Was tut der Esel mit der Sackpfeifen.'4) Die Erzählung wendet sich bald zur fröhlichen Lösung, da aus der Belauschung des nächtlichen Geheim- nisses keine Störung des ehelichen Glückes erfolgt, wie in den Märchen von Amor und Psyche, Melusine, dem Schwanenritter u. a. Während Hans mein Igel bei der Verbrennung des Felles kohl- schwarz wird und geheilt werden muß, will hier der Jüngling von Schmerzen gequält zwar entfliehen, wird aber durch den Schwieger- vater bald beruhigt. — Über ein indisches Märchen, welches unserm ganz nahe kommt, vgl. oben 2, 240. 1) Die kecke Art, wie der Esel einen Platz am Tische des Königs fordert und neben die Königstochter gesetzt wird, hat vermutlich G. Freyta^ (Das Nest der Zaunkönige 1873 S. 59) bei seiner Schilderung von Immos Aufnahme beim Grafen Gerhard vorgeschwebt. 2) Also nicht wie der Krautesel (nr. 122) durch eine Hexe verwandelt. 3) Vgl. Wickram, Werke 4, IX. 8, 347. Auf einem Hamburger Grabstein ist ein Dudelsack spielender Esel dargestellt (Niedersachsen 16, 468. 1911). Schon im Altertum galt der Esel als ganz unmusikalisch ; Lucian, Dialogi meretricii c. 14 p. 321: ÖVOC, CtVToZvQt^CüV. Paroemio- graphi ed. Leutsch 2, 193 nr. 39: övog XvQl^üiV. 1, 291 nr. 33 övog ÄVQCtg dxov(t)V. Erasmus, Adagia 1599 S. 825. Vgl. auch Zs. f. Volks- kunde 13, 221 und Mones Anzeiger 1839, 560 (zwei Meisterlieder). 4) Wander, Sprichwörterlexikon 1, 858 nr. 97. 382 f. 524 f. 547. 593. — Cechisch aus dem 16. Jahrh. : 'als ob er einen Narren auf Eier setzte oder einen Esel zur Geige' (Flajshans, Pfislovi 2, 57) und noch jetzt: 'er versteht davon soviel wie der Esel von der Harfe und die Henne vom Bier' (Celakovsky, Mudroslovi S. 562). Polnisch bei Pej im Wizerunek 1558: 'der Esel möge Spreu fressen, aber die Laute in Ruhe lassen' und bei Petrycy Sebastjan, Acht Bücher der Politik des Aristoteles 1605: 'Es ist vergeblich, den Esel zur Laute zu zwingen' (Adalberg, Ksi^ga prz3Tslöw S. 363). Litauisch: Scheu-Kurschat S. 261 nr. 17. 145. Der undankbare Sohn. 167 145. Der undankbare Sohn. isse s 223. 1815 nr. 59 = 1819 nr. 145. Nach Job.. Paulis Schimpf und Ernst 1522 cap. 437 (ed. Oesterley 1866). Ganz in der Art wie Großvater und Enkel (oben 2, 135), der zarten Kindheit vor allem naheliegend. Schon im 13. Jahrhundert erzählt der Dominikaner Etienne de Bourbon (Anecdotes historiques ed. Lecoy de la Marche 1877 nr. 163) die Geschichte als nicht lange zuvor zu Chinon geschehen; erst nach einer Pilgerfahrt ins heilige Land sei die Kröte von dem undankbaren Sohne abgefallen. Nach seinem Ordensgenossen Thomas von Cantimpre (Bonum universale de apibus 2, 7, 4 = R. Köhler 1, 473. Büsching in F. Schlegels Deutschem Museum 4, 82.1813. Kaufmann, Thomas von Chantimpre 1899 S. 131. W.vanderVet, Het bienboec van Tho. van Cantimpre 1902 S. 311), der sich gleich- falls auf einen Augenzeugen beruft, lebte der Sohn in der Normandie und in Paris und ward erst nach Jahren durch Fürbitte der Heiligen der Kröte ledig. Der Cisterzienser Cäsar ius von Heisterbach (Dialogus miraculorum 6, c. 22 ed. Strange 1851 = Wolf, DMS. nr. 35 = Annalen des hist. V. f. den Niederrhein 47, 175. Homiliae 1, 141. Schönbacb, Wiener SB. 163, 1, 22) berichtet einen ähnlichen Fall aus dem Mosellande; der undankbare Sohn, welcher Heinrich heißt, läßt, als seine bedürftige Mutter kommt, das Huhn durch den Knecht in der Truhe verbergen ; dieses verwandelt sich in eine Schlange, die sich um seinen Hals ringelt; um sie los zu werden, läßt er sich zu verschiedenen Kirchen fahren, und seine Mutter, der Kränkung vergessend, geleitet ihn. — Vgl. Speculum exemplorum 1487 dist. 5, 34 (nach Thomas). *Herolt, De eruditione Christi fidelium, de quarto praeeepto (Thomas). Klapper, Erzählungen des Mittelalters 1914 nr. 142 (in dyocesi Rothoraagensi). Catalogue of romances in the dep. of ms. in the British museum 3, 545 nr. 58. 3, 600 nr. 23. Vincentius Bellovacensis, Speculum morale 1. 3, 10, 25 (1624 p. 1493). Arnoldus, Gnotosolitos 1476 1. 1,2,4,59. Bromyard, Summa praedicantium F 5, 35 (Cäsarius). Bernardinus de Bustis, Rosarium sermonum 1503 1, 124. Hollen, Preceptorium 1489 Bl. 76a. Pelbartus, Pomerium sermonum 1562, S. de tempore, pars hiemalis Bl. 22b. Johannes Junior, Scala celi 1480 Bl. 97a (s. v. Filii). Manlius, Locorum communium collectanea 1590 p. 226. — Deutsch: 168 145. Der undankbare Sohn. Selentroist 1484 Bl. 60 = Frommanns Deutsche Mundarten 1, 215 nr. 55—56. Pfeiffer, Altdeutsches Übungsbuch 1866 S. 194. Meister- lied von der krotten und von dem Romer, der seinem sun sein hab und gut übergab, in des Nachtigals senfften ton, Nürnberg 1509 (Goedeke, Grundriß2 1, 316 nr. 53). Geüer, Evangelibuch 1517 Bl. 195; Passion 1513 Bl. 50b (J2b,2); Postill 4, 37, g. Luther, Tisch- reden 1, 206 ed. Förstemann. Kirchhof, Wendunmut 5, nr. 110. Nie. Florus, Erinnerung vom Ampt der Kinder gegen jhren Eltern 1579 Bl. 16a = Zs. f. den dt. Unterricht 11, 800. Bütner, Epitome hist. 1596 Bl. 497. Hondorf, Promptuarium exemplorum 2, 62a (1599). Lautenberger 1617 (Alemannia 4, 264). Zanach, Histor. Erquick- stunden 4, 1, 547 (um 1620). Hager, Jugendt-Spiegel 1634 S. 94. Horst, Dämonomagie 1817 2, 479. Seidl, Schriften 2, 70 (1877). Becker-Roose-Thiele, Litauische und preuß. Volkssagen 1847 S. 107 nr. 37; vgl. Berliner Ms. germ. oct. 316 nr. 9. Pröhle, M. f. d. Jugend nr. 45 'Die geizige Schwiegertochter'. *) — Niederländisch: De Vooys, Middelnederlandsche Legenden 1900 S. 346. Van der Vet, Het Bienboec 1902 S. 311. Jan van Vloten, Nederlandsche Proza- stukken 1851 S. 294. Nie. Beets, Gedichten5 3, 168 'Jan Janszen' (Volkskunde 15, 1621). — Englisch: The Roxburghe ballads ed. by Chappell 2, 74 (1874). — Französisch: Tresor de l'äme (Legrand, Fabliaux 1829 4, 126). Histoire litt, de la France 23, 193. Doctrinal de sapience Bl. 21b. Mirouer et exemple des enfants ingrats (Petit de Julleville, Repertoire du theatre comique 1886 p. 61). Hymans, Les images populaires flamandes au 16e siecle, Liege 1869 p. 19 : L'enfant ingrat, Kupferstich von J. Sadeler mit Versen. Melusine 1, 403 nr. 1 'Les enfants ingrats'; 8, 10 'L'enfant ingrat' (gereimt). Sebillot, Folklore de France 3, 295. Luzel, Legendes 2, 179 'Le fils ingrat'. Thuriet, Trad. du Doubs p. 287. Dardy, Albret 2, 87. Du Meril, Etudes 1862 p. 473. — Italienisch: Storia di Stefano, canto 15 (ed. Rajna 1880 p. 145 ; vgl. Romania 10,2 •II figlio iügrato'). — Portugiesisch: Braga 2, 128 nr. 170 "0 capäo tornado sapo' (v. J. 1657). — Serbokroatisch im Koriz- menjak, einem 1507 gedruckten glagolitischen Buche, das aus einem lateinischen Werke des Frater Rubertus übersetzt ist (Archiv f. slav. *) In einer badischen Sage (Baader 1851 nr. 64 = Bad. Sagenbuch 2, 79. 1899) verwandelt sich das den Bettlern versagte und in einen Kasten geworfene Brot in Kröten und Schlangen, welche die geizige Frau auffressen. Ebenso serbokroatisch im Zbornik jslav. 11, 281 nr. 5. 146. Die Rübe. 169 Phil. 6, 427 = Dähnhardt, Natursagen 4, 262). J. Habdelic 1674 nach Thomas Cantimpr. (Maretic, Zbornik jslav. 7, 226). Zs. Karadzic 2, 187. 215. In einem Büchlein des dalmatinischen Frater Jos. Banovac (1674, 2. Aufl. 1747 'Erzählungen auf die Fastenfeste') = Archiv f. slav. Phil. 3, 215 'Der undankbare Sohn und die Kröte' wird das mit der Schüssel zugedeckte Huhn zu einer Schildkröte ; vgl. R. Köhler 1, 473. Vuk Stef. Karadzic, Serbisches Lexikon s. v. Korhaca (Schildkröte entstanden aus versteckten Kuchen, Huhn und Schüssel). Bos. Vila 12, 228 (1897. Frosch aus dem versteckten Huhn). — Wendisch: Schulenburg, Volkssagen S. 292 'Die Kröte' = Friedel-Mielke, Landeskunde der Provinz Brandenburg 3, 234. — ■ Kleinrussisch: Dragomanov S. 10 nr. 31 (Huhn wird zur Schildkröte). Am Urquell 3, 18 (ebenso); vgl. Dähnhardt 2, 264. Die geizige Tochter wird auf den Fluch der Mutter selber zur Schildkröte bei Cubinskij, Trudy 1, 66. Zytje i Slovo 1, 147 (Nordungarn. Christus und Petrus verwandeln den Geizhals in einen Frosch). — Magyarisch: Klimo p. 100 (geizige Frau wird zur Schildkröte). 146. Die Rübe. issest. 1815 nr. 60 = 1819 nr. 146. — Schon der äußeren Form nach ein altes Märchen ; es ist nämlich nacherzählt einem lateinischen Ge- dichte des Mittelalters in elegischem Versmaß, Raparius über- schrieben, das Jacob Grimm 1814 in einer Straßburger Handschrift aufgefunden hatte; s. Briefwechsel zwischen J. und W. Grimm aus der Jugendzeit 1881 S. 343. 361, auch Hamann, Die literarischen Vorlagen 1906 S. 48. Wir teilen den Raparius nach der ältesten der vier seither bekannt gewordenen Handschriften mit und verzeichnen die ziemlich umfänglichen Abweichungen der übrigen: A. Wiener Hs. 1365 aus dem Anfange des 14. Jahrh. 432 Verse. Abgedruckt von A. "Wolf, Germania 7, 43—54; vgl. Mussafia ebd. 7, 237. — B. Heidelberger Hs., in Frankfurt 1452 ge- schrieben, aus Salmansweil stammend, 386 Verse. Abgedruckt von Mone, Anzeiger für Kunde des teutschen Mittelalters 8, 561—580(1839); vgl. 3, 162. — C. Göttinger Cod. theol. 114 aus dem 15. Jahrh. 422 Verse. Abgedruckt von Oesterley, Jahrbuch für roman. Lit. 12, 241—268(1871). 170 146. Die Rübe. — D. Straßbarger Hs. Johann. C. 102 aus dem 15. Jahrb., 1870 ver- brannt, 392 Verse. J. Grimms teilweise Abschrift im Berliner Ms. germ. qu.923 enthält die Verse 1—94. 97—98. 293— 398 nach der Zählung von B. — C stellt eine Umarbeitung von A dar, aus der auch die Fassungen BD geflossen sind, welche besonders im ersten Teile gegen C zusammen- stimmen. Raparius. Fama fuisse duos testatur frivola fratres, Quos uni mater edidit una viro. Militiae titulus hos insignaverat ambos, Ex quibus unus erat dives et alter inops. 5 Militis officium cum nomine dives habebat, Alter egestatis triste ferebat onus. Ne tarnen omnino possit mendicus haberi, Pro dolor, insolitum discere coepit opus; Mollius ergo solum rastro, modo scindit aratro, 10 Nunc radicosa manu rura ligone ferit Et patulis sterilem sulcis commendat avenam, Utpote cui parva copia farris erat; Seminat et semen, cuius fit rapula fructus, De quo fructificat immoderata seges. 15 Rapula crevit ei reliquis enormior una, Quae dici pleno nomine rapa potest, Tarn dilatata foliis, tarn corpore grandis, Ut nemo penitus viderit ante parem. Ipsius umbra viris duodenis sufficiebat, 20 Ne sub ea solis ureret aestus eos. Tarn fuit enormis, ut carrum sola repleret Vixqne boves traherent quatuor illud onus. Lesarten. 1 frivola] prodiga B, provida D — mater] mulier B, viro C — viro] mater C — 3 titulis D — insigniverat BC — 4 Ex] De C — 5 fehlt D — habebat cum nomine dives A, tenuit c. n. d. B — 6 bis 12 in BD: Ast alter quaestu paupere vixit inops. Hie igitur rebus subtractis desiit esse Miles et elegit rusticus esse [ni]mis. Ergo valefaciens Marti non militat ultra, Sed potius Cereri, pro pudor, ipse vacat. Ut sibi procuret miserae dispendia vitae, Villani more rura ligone ferit. 7 mendicus posset C — 9 Mollibus C — rastris C — arastro A, aratri C — 10 ruga sepius longe vertebat C — serit AB — 12 farris copia parva fuit C — 13 Sicque serit BD — fit] sit C — Proventumque capit seminis inde sui BD — 17 bis 20 in BD: Ipsaque tanta fuit, qualem non viderat ante Sed neque vidisse creditur ullus homo. 21 quod currum BD, ut pratum C — 22 bis 24 in BD: Et traherent pondus vix duo tale boves. 146. Die Kübe. 171 Ast pauper viso tarn grandi pondere fracta Obstapet et secam dicere coepit ita: 25 'O deus omnipotens, caeli terraeque creator, A quo conditus est primus et omnis homo, Qui caelnm sole, luna stellisqne venustas Et qui multiplici germine pingis humum Quique facis variis habitabile piscibus aequor, 30 Arbitrio parent cancta creata tuo. Absque tuo nutu folium non proicit arbor, Nee sine te fruetus giguit ager vel homus, Nee sine te crevit haec rapula prodigiosa, Quae normam vincit transgreditarque modum. 35 Deprecor, ut fruetus hie Sit mihi causa salutis, Sit paupertatis finis opumque dator. Si nihil in terra iubet esse deus sine causa, Hunc fruetum frustra non generavit humus. Hactenus, heu domine, sub paupertate fatisco, 40 Quae me confundit degeneremque facit. Magne deus, novi, quoniam de compede tali Me potes eximere, si tarnen ipse voles.' Ergo 6ub tali portento, quid sit agendum, Consulit uxorem. Protinus uxor ad haec: 45 'Vilis erit pretii, si rapula veneat ista, Proderit immo minus ventre vorata tuo. Expedit, ut regi rarissima rapula detur, Nam debent regi munera rara dari. 25 bis 44 in BD: Rusticus hac visa quasi portento stimulatur Insolitaeque rei de novitate stupet; Dumque stupet, dicit: 'Non aeeidit hoc sine causa' Nee tarnen est sortis praescius ipse bonae. Qui dum miratur, quorsum sors ista feratur, Indicium fati conicit ipse boni. Et quia mens hominum non est praesaga futuri, Consurgunt in eo spesque timorque simul. Sed cum sors dubia dederit sperare timenti, Ore quidem cauto se penes ista terit: 'O deus omnipotens, qui solus euneta creasti, Qui, quorsum tendant singula, nosse potes, Quo sine nulla comam deponere creditur arbor, Quo sine nee minimum posset ad ima rui, Te rogo, summe deus, qui euneta creata gubernas, Ne solita prives me pietate tua. Quicquid obesse potest, remove, largire, quod opto, Rarus ut hie fruetus sit mihi praeco boni! Hactenus en miserae patior dispendia vitae. Deprecor ergo, deus, amodo verte vices!' Haec cum dixisset homo, quid videatur agendum, Discutit, ista sibi nemine teste loquens: 27 stellis lunaque C — 30 onusta C — 34 fehlt C — 39 fatiscor C — 41 fehlt C — 42 eripere C — 43 tormento C — 45 venditur BD — 46 meo BD — 47 bis 52 in BD: 172 146. Die Rübe. Forsan es a rege magno ditandus honore, 50 Quem dare pro parvis munera magna decet.' 'Hoc placet, hoc plane faciam,' vir ait mulieri, 'Utile consilium propositamque tuum.' Mox igitur carram componit et ordinat aptum, Applicat et carro quattuor ipse boves. 55 Pondere sub tauto stridens gemit axis et ipse It celer, ut regi munera rara ferat. Solibus ergo tribus sie incedens vir honestus Ecce die quarto regia castra petit. Se praesentari regi petit, impetrat, intrat, 60 Utpote qui munus grande daturus erat. Hoc etenim regum sibi curia sauxit, ut omnis, Qui nihil attulerat, stet foris ante fores. Nee tarnen introitum negat illi sanetio legum, Qui cum muneribus limiua regis adit. 65 Ergo vir iste sui regis vectatur in aulam, Qui coram rege stans reverenter ait: 'Accipe, mi domine, quoddam mirabile munus, Quod soli regi censeo iure dari.' Protinus inspecto fruetu tarn ridiculoso: 70 'Pape, quid hoc monstrum,' rex ait, 'esse potest, Unde tibi, boue vir, haec rapula prodigiosa? Unde tibi talis rapula, quaeso, refer! Mnlta quidem mira scio me vidisse frequenter, Sed nunquam vidit tale quid ullus horno. 75 Non est fortassis haec rapula filia terre, Hanc igitur regi dabo rem tam prodigiosam, Res etenim regem prodigiosa decet.' Se penes haec pauper homo cum deliberat, inquit: 'Nil reor utilius restat, ut illud [hoc placet, hoc et B] agam.' 49 es a] eris C — ditatus C — 52 proposilum consiliumque C — 53 bis 66 in BD: Accelerans igitur currum parat ocius aptum Et super imponi tale iubebat onus Combinansque boves binos fgeminos B] festinat ad aulam, Offerat ut regi munera rara suo. 55 stridet et A — 57 Mensibus A — onustus C — 61 regis sibi cura C — 62 nisi attu- lerit C — 63 Non C — interdum A — 65 Ergo ubi iste suam A — profectus ad aulam C — 67 bis 68 in BD: 'Suscipe mi domine, munuscula pauperis huius, Quae nulli potius quam tibi danda reor! Si pretiosa minus censes, non rara negabis Et regi merito iudico rara dari.' 69 tam grandi pondere fruetus B — 70 monstri C — 71 bis 77 in BD: Multa quidem mira me conspexisse recordor, Sed nunquam tale vidit homo nee ego Die, rogo, die, unde fruetus provenerit ille, Unde tibi species prodigiosa nimis! Credo, quod hie fruetus fiat tibi causa salutis. 72 fehlt A — 73 rara C — 78 Iudiciumque A — 79 bis 98 in BD: 146. Die Rübe. 173 E caelo potins hanc cecidisse reor. Haec erit, ut video, tibi fons et origo salutis, Indiciumque reor ominis esse boni. Die age simpliciter, tibi qui consanguinei sunt, 80 Quaeve tibi patria, quod genitale solum?' Hisque peroratis a rege subintulit ille: 'Natus in imperii sum dicione tai, Estqae parentela mihi nobilis et generosa. Miles erat genitor, miles et ipse fui. 85 Testis adest miles geminae mihi nobilitatis, Qaem mihi germanum fecit uterque parens, Qui quamvis opibus multis fastuque tumescit, Sed tarnen haud fratrem se negat esse meum. Hunc tua maiestas primos habet inter amicos, 90 Vix est in regno ditior ullus eo. Et mea continua sie me confundit egestas, Ut coram notis sit mihi nullus honor, Et mihi cottidie tantis cruciatibus angor, Ut sit non parva vivere poena mihi. 95 Quanta putas, domine, quod sit mihi gloria fratris, Cum me substernat indiga vita meis ! Quem natura parem mihi fecerat, ecce superbat, Ast me pauperies rusticitasque premit. Pro dolor, expeiior, quam sit sententia vera: 100 Dives ubique placet, pauper ubique iacet. Ecce meus frater regi placet et placet orbi, Heu mihi, me miserum despicit esse solum. 'Die age die, quis sis vel progenies tua quodve Officium teneas quodve tibi sit opusl' Regis homo verbis tarn dulcifluis animatus Ilico responsis talibus ista tulit: 'Sum pauper factus, non paupere de patre natus; De patre sum, domine, milite natus ego. Dives adhuc superest frater, quem tu bene nosti, Qui me germanum denegat esse suum.' 85 germen C — 87 magnis opibus flatuque C — 88 denegat C — 91 quottidie C — 93 Heu C — 95 domine mihi sit crux C — 96 Dum C — 98 Et C — 99 Pro pudor D — 100 Pauper ubique iacet] Ovid, Fasti 1, 208 — 101 bis 113 in BD: Frater enim meus ipse tibi placet et placet orbi, Praedicat et pompa non medioeris eum. Heu, paupertatis iaeeo sub sorde [faece B] sepultus Et titulo careo nobilitatis ego. Vulgus enim census pluris quam nobilitatem Aestimat, ideirco pauper ubique iacet. Materno dum me gremio natura beavit, Tunc ego non casso nomine miles eram. Cum mihi fortuna spondebat prosperitatem; Florebam rebus, strenuitate magis; Ast ubi crudelem mihi se fortuna novercam Exhibuit, eunetas praeeipitavit opes; 174 146. Die Rübe. Cum me desererent et opes et copia rernm, Deposui gladinm militiaeque iocum 105 Et modo pro gladio manus utitur ista ligone, Ut fodiam propria rura labore meo. Hostes qui quondam cunctos terrere solebam, Nunc stimulis pungo posteriora boum. Qui quondam studui tractare negotia belli, 110 Nunc pauper propria semino rura manu. Euricolae more miseram sie transigo vitam, Inde mihi victus, vestis et inde mihi. Inde mihi, domine, quam cernis, rapula praesens, Quälern non vidit sive videbit homo. IIB Et quia magna decent magnos, pro munere magno Haec volui, prineeps maxime, ferre tibi.' Ilico privatas aperiri rex iubet arcas, Quas impraegnarat grandis acervus opum. Rex igitur variis hominem tunc rebus onustum 120 Gazarum magno pondere farcit eum. Exhinc militiae quasi factus inutilis esse Contemptus coepi rusticitate mea. Ah, quis pauperior est paupere milite! Nemo Nosse potest, miles quid patiatur inops. Idcirco tibi, rex, non milito rebus ademptis, Sed cogor potius rusticitate frui. Nunc enim aratro rura seco, nunc scindo ligone, Ut quamvis tenuem det labor iste stipem. Inde mihi fruetus praesentis maxima moles. 107 cunctos] gladio C — 109 studui] sevi C — 111 Rusticolo C — transeo C — 114 Quam nunquam C — 115 Ast B — 116 Me decet id regum BD — 117 bis 144 in B (vielleicht auch D): Auribus haec regis pariter dum disserit ille, Demulcet blando rex pius ore virum: 'Hoc tarnen aeeepto munus carum quoque rarum, Ut grates referam restituamque vicem. De reliquo nee pauper eris nee inops nee egebis, Nam dabitur rerum copia multa tibi. Pone metum, spe coneepta constantior esto! Nam bene nunc agitur res tua sorte bona. Crede mihi, tantis a me ditabere rebus, Ut bene germano par habeare tuo.' Protinus advehitur pretiosi massa metalli Praefatoque viro rege iubente datur. Nee contentus eo iubet, ut diversa supellex Detur, et effectum verba iubentis habent. Additur agrorum possessio magna daturque Cum grege balantum sexus uterque boum. Indigus ut guttis pluvialibus amnis inundat, Sic homini subito crescit acervus opum. Ne foret ingratus, homo regem pronus adorat, Inde vale faciens in sua laetus abit Uxorique suae tarn dulcia munera prodit, Ut fieret tanti testis et ipsa boni: 'Hei coniux', inquit, 'mihi congaude, quia nobis Optima pro vili semine messis adestl' 146. Die Eübe. 175 Gazis addit equos, nee equis redimicala desunt, Addit et armentam lanigerumque pecus. Singula quid memorem, bona quanta viro dederit rex? Dicere sufficiat multa dedisse viro. 125 Qui varia rerum variarum merce refertus Disponit proprios dives adire lares, Ergo valefaciens iegi gratesque rependens Omnibus evectis ad sua vertit iter. Ecce revertenti coniunx oecurrit eique 130 Oscula continaans dulcia dixit ave. 'Dissere', dixit, 'item, si quid profecaris ipse Aut quid contulerit haec mora longa tibi, Die age, die, qnid sis mercedis adeptus!' At ille Gloria demonstrat, quae bona nactus erat. 135 Arrisit en', ait, 'mihi iam fortuna seeunda, Contulit et regis baec mihi larga manus. Ecce vide, bona quanta meto de semine vili, Haec bona quanta dedit rapula magna mihi! O mulier, grandis tibi copia suppetit omnis, 140 Amodo nequaquam pauper eris vel inops. Prosperitas aderit ingensque opulentia nobis, Paupertatis enim non patiemur onus. Nunc igitui nostros dissolvent gaudia luctus, Gaudia succedunt, nam labor omnis abest.' 145 Tunc accersiri iubet affines et amicos, Omnibus eventus pandat ut ipse suos. Ecce propinquorum grandis collecta gregatur, Hisque ministratur copia multa dapum. Cumque videret eos ioeundos et temulentos, 150 Successus proprios dicere coepit ita: 'Auscultate, precor, noti, mea verba notate! Fortunam vobis insinuabo meam. Nostis enim euneti, me quanta domarit egestas, Sed salvatus ab hac sum bonitate dei. 118 Ut sibi pro raro munere magna daret C — 120 sarcit C — 131 Dicere C — quod A — 132 quod A — 134 Gloria] lies Omnia? — 135 En, ait, arrisit C — 136 haec regis et C — 137 meo de semine vulsi C — 138 Ouod pietas domini contulit alma mihi C — 139 gaude, cui copia C — 141 ingens opulentia rerum C — 142 Quas mittente deo tollere nemo potest C — 143 nostros solentur C — 144 in C wie v. 142 — 145 Hie B — 146 bis 159 in B (und D?): Historiamque refert omnibus ipse rei. Postque iubet eunetis convivia larga parari, Cum [1. Tarn] dape quam potu pocula festa creat. Affuit et miles convescens inter amicos. 151 verba pacienter, amici C — 153 domaret C — 159 Hoc C — 160 Quem supra B 176 146. Die Rübe. 1B5 Accidit, ut rara mihi rapula cresceret horto, Haec eadem crevit grandis et absque mora. Hanc ego donavi pro magno munere regi, Pro qua divitias has dedit ille mihi.' Haec dicente viro simul affuit inter amicos 160 Miles, quem fratrem diximus esse viri. Hie quoque pestifero coepit tabescere zelo, Cum vidit fratris crescere lucra sui. Germanique sui subitum miratus honorem Eius respectu se putat esse nihil. 165 Hoc equidem proprie sibi vindicat invidus omnis, Ut putet alterius lucra nocere sibi. — 161 bis 164 in B (und D?): Isque videns fratrem tenus hac se pauperiorem Tantum ditari deliciisque frui Vidit et invidit se conieetans spoliari, Dum fratris vidit crescere lucra sui. 161 Is C — 163 miratur C — 165 Hoc etenim B — proprium BC — 166 putat A — 166 bis 172 in B (und D?): Alterius lucrum damna putare sua; Huc accedit et hoc dumtaxat vera locutum, Qui primum dixit: Semper avarus eget. Huc aures adhibe, quisquis censeris avarus, Quisquis avaritiae sub iuga sponte venis, In te sermonis iaciuntur spicula nostri, Forte salutiferum vulnus et ipsa dabunt. Die aie, cui servas thesauros, quos coacervas, In quibus heu fernere spemque [fidemque] locas? Forsitan hos furi servas aut forte tyranno, Ut für surripiat aut violenta manus. Turpis es idolatra, Satan simulacra frequentas Contemptoque colis turpiter aera deo. Quid tibi fossus humi census, quid clausus in arca? Aestimo, nullius utilitatis erit. Sis igitur, dives, habitis contentus eisque Utere, dum poteris utilis esse tibi, lnvidiaeque tuae mordacem comprime dentem Lucraque fraterna non tua damna putes! Si ditatur inops, quid in hoc, miser invide, perdis? Nil, nisi quod gratis invidus esse velis. Si ditatur inops, frustra cruciaris, avare; Lucra metit frater, perdis et inde nihil. Ista relinquentes ad materiam redeuntes [1. redeamus] Et coeptum rursus aggrediamur iter. Auf 167 folgen in C vier Verse: Si ditatur inops, non tua perdis ob hoc. Invide, crede mihi, fortuna tibi nihil aufert, Munere de cuius proficit alter homo. Ergo tui fratris quare torqueris honore? 168 expedit] convenit C — 172 Aptius C — 173 bis 184 in B (D?) Ille videns fratris inopinam prosperitatem, Et quod pro voto res bene cedit ei, Se velut exhaustum dolet et quasi rebus ademptum, Possessas nihili pendere coepit opes. Contexens igitur fratri sua retia tendit, Ut venetur opes calliditate sua. Corde tenus multa volvens iterumque revolvens Talia comploso ruminat ore sibi: 'Hie sibi pro messe vili bona multa reeepit, Plura reeepturus praemia multa dabo,' 146. Die Rübe. 177 Invide, die, quare fratris torqueris bonore? Laetari potius expedit in.de tibi. Huius fortuna non est tibi causa ruinae 170 Lucraque fraterna non tibi damna struent. His super invidiae morbo breviter memoratis Ipsius bistoriae nunc repetamus iter. — Convivis igitur dapibus vinoque refertis Et satur et laetus in sua quisque redit. 175 Tunc bominis frater etiam sua saepta revisit Invidiae secum dira venena ferens. Sic aurum sitiens, multo licet obrutus auro, Tantalus ut mediis qnaerit aquas in aquis. Tunc ut opes opibus venetnr et augeat, ecce 180 Pete novum texens calliditatis ait: 'Si meus bic frater, quem tanta premebat egestas, Tantas pro vili merce reeepit opes, Muneribus regem placabo satis pretiosis, Quae rex restituet centuplicata mibi.' 185 Protinus argento proprio se privat et auro, Scilicet ut regem muneret ipse suum. Gemmarum tollit pretiosa monilia, quorum Pasce Iaborabant scrinia clausa diu. Complicat et vestes operoso sebemate textas, 190 De quibus ornari regia membra decet. Omnibus bis adiungit equos pbaleris coopertos, Quorum eingebaut fulva metalla iubas. Taübus et paribus miles speciebus onustus Pergit et evehitur regis ad usque fores. 195 Cumque salutasset, quo debuit ordine regem, Singula demonstrans munera miles ait: 'Accipe, mi domine, tibi quae miles tuus offert! Quae ne despicias, rex reverende, precor. Parva quidem sunt baec minimeque decentia regem; 200 Cum dives fuero, tunc potiora dabo.' 173 refectis C — 175 saepta] teeta C — 177 ut] his A — 184 Et C — multiplicata C — 185 bis 201 in B (D?): Mox igitur massam pretiosi congerit aeris, Taliter ut regis sumat et urbis opes. Vestes addit equis auro textas phaleratis, Omnis et ornatus congregat omne genus. Retibus utitur his novus aueeps divitiarum, Sed deerit voto praeda cupita suo. Surgit, abit, defert commercia singula secum Et regi dona dat pretiosa suo. Munere rex huius aeeepto divitis inquit: 186 Taübus C — muleeat C — 191 his] fehlt C — 193 et paribus] egregius C — 194 fores] domum C — 195 deeuit A — 198 non despicies C — 202 Hercle C — data] Grimm, Märchen-Anmerkungen III. 12 178 146. Die Rübe. Comminus his visis 'Grates,' rex inquit, 'liabeto. Certe placent, fateor, munera data mihi. Cardine sub caeli non creditur esse superstes, Qui dederit regi tot pretiosa suo.' 205 Rex quoque, quid tanto possit confene datori, Reginam fertnr consuluisse suam. Ast ea regalis pollens ratione sophiae Haec responsa viro reddidit ipsa suo: 'Inclite rex, opibus nimiis est ille refertus 210 Et dono penitus nescit egere tuo. Argentumque tuum pariter fastidit et aurum, Si gemmas dederis, grandinis instar erunt; Si vestes dederis, si bellica dona quiritum, Omnia despiciet, nil reputabit ea. 215 Ne tarnen omnino regia munera despiciat vir, Restat, ut enormis rapula detur ei. Hanc non despiciet, qui cetera despicit, immo Supplebit rari muneris illa vicem.' Dixerat haec mulier, cui rex respondit et infert : 220 'Utile consilium propositumque tuum.' Nee mora, profertur ea rapula rege iubente, Ipsaque fit munus imperiale viro. 'En ego,' rex inquit, 'te munero munere raro, 4anta C — 202 bis 204 in B (D?): 'O vere largum corde manuque virum! Tempora prisca parem multis e milibus unum Non norunt regi tanta dedisse suo.' 204 tot] tarn C — 205 Rex quid restituat ignarus quidve rependat B — 207 bis 211 in B (D?): Quo super illa bene postquam deliberat, infert [1. infit], Extemplo verba reddit et illa viro : 'O rex, hie locuples nimis est opibusque refertus, Et scito, quod dono non ille tuo satiatur.' Aurum si dederis aut vestes, spernit utrumque. 212 dederis] gemmae B — 213 bis 215 in B (D?): Non aeeeptat equos, sibi nam non arma peluntur. Omnibus iste satis plenus abundat homo; Nam pelagus nunquam pluvialibus indiget undis, Cum plene propriis semper abundet aquis. Si quidquam dederis, adeo fastidiet iste, Ut satur escarum respuat omne genus. Sed ne nil largo videare dedisse datori, 215 omnia A — regia] lies tua? — 216 Expedit, ut grandis B — 217 bis 222 in B (D?): Auribus haec regis reginae verba monentis Non placuere nihil; rex 'Ita fiel' ait. Accitoque viro rex: 'O ditissime, magnas', Inquit, 'ago grates; nam tua dona placent. Sum tarnen ambiguus, quid pro mercede rependam, Unde tibi reddam restituamque vicem. 218 Implebit C — ista C — 219 cui] sibi C — infert] lies infit? — 220 propositum consiliumque C — 221 ea] haec C — 223 Si C — Sed vice mercedis B — raro] magno 146. Die Rübe. 179 Quo mihi non quidquam rarius esse potest. 225 Hanc etenim nuper quidam dederat mihi pauper, Cui bona multa dedit dapsilis ista manus.' Accipit ille miser non acceptabile munus; Nempe, quod accepit, rapula vilis erat. Sic decet, o fratres, ut supplantetur avarus, 230 Quem farcire nequit grandis acervus opum. Mundus enim totus homini si detur avaro, Se tarnen infelix credit habere nihil. Sic homo praefatus, inopem quem copia fecit, Privatur propriis, dum peregrina sitit. 235 Dum lucra venatur, stultus sua perdit et ecce, Qui dederat magna, vile recepit o'.us. Sic homo delirus propria deluditur arte, Dum vult ditari, perdit et id, quod habet. An non delirat bomo mittens in mare fontem? 240 Fonti tollit aquas, ut mare ditet aquis. Hand secus hie miles, ut regem munere ditet, Sic meruit propriis se spoüare bonis. Iamque domum remeat et amaram convocat iram Et gratis regi tanta dedisse dolet. 245 Infrendens igitur tantum sie murmurat ore: 'Ecce mei fratris haec fero damna dolo. Hie exaltatur, ego (pro pudor) opprimor, ergo Non impune feret per caput istud,' ait. BC — 224 Quod A — nee cuiquam A, nee quiequam B — 225 Hoc BC — 226 Praemia tunc digna contulit B — 227 bis 247 in B (D?): Confestim rapam praesentat machina carrae [1. carri] Ipsaque fit munus imperiale viro. Ecce vir hie quali fortunae luditur arte! Dum venatur opes, perdit idem, quod habet, Et paupertatis in fossam praeeipitatur, Quam licet ignarus foderat ipse sibi. Ille videns non aequa dari nee digna rependi Confestim regi tanta dedisse dolet Turbatusque nimis sie secum murmurat ista: 'Quid miser aggrediar, quid faciam, quid agam! Quis mihi mendico, quis compatietur egeno, Qui propria Video me spoliasse manu! Non mea für timidus, non praedo tulit violentus, Für et praedo mihi pessimus ipse fui.' Extunc livoris in fratrem spicula torquet, Ac si pestiferae sit reus ipse rei: 'Haec tua sunt', inquit, 'frater, comrr.enta tuoque Talia de famulo fraude doloque fero.' Et velut a fratre compressus vulnere crudo: 227 Accepit A — 228 aeeeperat C — 229 o fratres] offerens A — 229 sarcire C — 233 Sic tunc affatur C — 234 Privatum C — 239 fontes C — 241 regem qui munere ditat C — 242 Non meminit C — 243 quem amaram comeat esse C — 245 Et frendens C — tanto A — 247 exultatur A, exaltatus C — dolor C — deprimor A — inops C — 248 feres B — 249 bis 272 in B (D?): 12* 180 146. Die Rübe. Convocat ergo suos, quos noverat esse fideles, 250 Plusque leone furens dicere coepit ita: 'Nostis enim, quanta fuen't mihi gloria pridem, Tarn mihi quam vobis haec generalis erat. Nunc leccatoiis cuiusdam calliditate In praeceps eadem gloria tota ruit, 255 Qua sublimabar, est omnis adempta facultas. Heu paupertatis nunc grave porto iugum, Heu cecidi miser, tarnen est vestrum meminisse, In casu pariter vos cecidisse meo. Nunc si sunt ulla pietatis viscera vobis 260 Et si quis vobis est pietatis honor, Semper vos vindicta meum iaculetur in bostem Et, quod commeruit, retribuatis ei !' Sicque domum rediens furiis agitatus iniquis In damnum fratris corde manuque furit Accitisque suis, quos noverat esse fideles, Quorum praebuerant experimenta fidem, Alloquiturque viros compellans famine tali: 'Nunc decet, o socii, vos meminisse mei. Nostis enim, quid sim, quibus et natalibus ortus Et quanto fuerim gurgite mersus opum; Nunc impostoris deceptus calliditate Omnibus exhaustum me nihil esse queror. Sit, rogo, communis vobis injuria nostra Compatiendo quidem, non faciendo malum. Est eadem mecum vobis iniuria facta, Qui vobis semper rexque priorque fui. Ergo fides veslra facti ratione probetur, Dat quoque verus amor experimenta sui.' Plura locuturo fletus fuit impedimentum, Nam rigat ipsius lacrima crebra genas. Taliter afflicto praesentes compatiuntur, Uniusque dolor fit generale malum. Aiunt ergo viro, cur fleret, scire volentes: 'Unde tibi, bone vir, hie dolor unde tibi? Die, et erit curae nobis impendere curam. Divide, quod portas, et leve pondus erit.' Obstruit vir [1. his] dictis pauper fontem lacrimarum Respondens: 'Ferre si mihi vultis opem, Quod peto, spondete, vos scilicet esse paratos, Ut, quidquid iubeo, vos faciatis idem!' Hi spondent, tandemque fide mediante suorum Mitius infestant ira furorque virum. Tunc ait: 'Ite, locum vicinae quaerite vallis, Quae fruticum multis vernat amieta comis! Donec ibi veniam, sit ibidem sessio vestra. Assumpto citius vos sequar hoste meo. Hie per vos pereat traiectus viscera ferro Aut laqueo furis more necetur homo.' 'Qui tuus est,' aiunt, 'nobis est par inimicus; Impia facta luet, tu modo trade virum.' Protinus armantur, adeunt penetralia saltus Observantque loca lusibus apta malis. 251 fuerat C — 252 nobis C — 253 cuiusdam] deceptus C — 258 In caveam C — meo] reor C — 260 Aut C — 261 Si per C — iactetur C — 262 Ut que C — 263 et nostris] hie et meus C; lies et nobis? — 267 nemorosa iosapha C — 268 vallis nunquamC 146. Die Rübe. 181 'Qui tuus est,' aiunt, 'et nostris est inimicus, Et quodcumque iubes, hoc faciemus ei.' 265 Haec cum dixissent, animatar voce suorum Et quasi mentis inops talia rursus ait: 'Haud procul est vallis nemorosis consita lignis, Quae nullis unquam frugibus apta fuit. Hanc, precor, assumptis intrate viriliter armis, 270 Sed causam penitus nemo sciat nisi vos. Donec ego veniam, nolite recedere quoqnam! Ocius assumpto vos sequar hoste meo.' — Frater adit fratrem fellitus feile carentem Et verbis false dulcibus usus ait: 275 '0 germane, mihi praeter te nemo superstes, Quem mihi fraterno foedere iungat amor. Nos sumus una caro, nee nos natura bipartit, Nos olim mater edidit una viro. Eorsan inest anima personis una duabus, 280 Quas individuus iungit et unit amor. Est mihi secretum, quod nolo prodere cuiquam, Et tarnen id fratrem nolo latere meum. Est prope condensa vallis nee ab urbe remota, Frondibus arboreis obsita, fruge carens. 285 Haec est tarn multa thesauri mole referta, Ut tibi proficiat sufficiatque mihi. Hunc ego fraterno tecum partibor amore, Immo deum testor, pars tua maior erit. — 270 Sed tarnen penitus C — 271 quoque A — 273 fietaque salute salutat B — 274 fraude C — ista refert C — 274 bis 276 in B: Verbaque depromit dulcia plena dolis, Ac si det mella medicus condita veneno, In quibus ignaro potio mortis erit. Pape, quid insanis, scelerate susurro bilinguis! Cur fratrem ficto fallis amore tuo! Scorpius est hominis, homini qui fingit amorem, Et quasi sica latens est simulata fides. Sic fratris frater turpis venator et aueeps Dulcibus his verbis retia tendit ei: '0 bone frater', ait, 'praeter quem nemo superstes, Quem sie naturae condicione vocem, Tu vitae spes sola meae baculusque seneetae. 273 iungit C — 278 olim] uni C — mulier B — 279 bis 287 in B (D?): Rem tibi secretam, frater carissime, pandam, Quam de te nullus experiatur homo. Quae tibi sum soli dicturus, prodere noli, Fac precor, ut tutis auribus ista loquar! Est ostensa mihi pretiosi massa metalli, Cujus te, si vis, portio magna manet. Impiger ergo veni, nee te dilatio tentetl 281 pandere C — 282 Altamen C — celare C — 286 Ut mihi C — mihi] tibi C — 288 Testor enim superos B — 289 bis 291 in BC: 182 146. Die Rübe. Nunc age, mmpe moras, absit dilatio, surge, 290 Pergamus nostram Demine teste viam!' His bomo blanditiis irretitus simulati?, Fiatris enim verbis nescit inesse dolos; Annuifc ergo suo fratri simul ac monitori, Surgit abitque carens suspicione mali. 295 It frater cum fratre suo, loca nota subintrat, In quibus armati delituere viri. Exsiliunt bi more canum iustumque nefande Tractantes etiam mortificare parant. Ut propra rapuere canes Actaeona quondam, 300 Civibus hand aliter praeda fit ille suis. Iam vincire student bominem conamine toto, Contendunt praedam iam iugulare suam; Sed fortuna suum iuvat et tutatur alumnum, Saepit et horrendum ciiminis huius iter. — 305 Accidit in terram quendam properare scholarem, Qui per eam vallem solus iturus erat. Venit equo residens sua cantica voce resultans, More viatorum sie breviabat iter. Cum levat bic vocem, simul echo reeiproce vocetn 310 Heddit et auditur longius iste sonus. Ast ubi vox eadem lictorum perculit au res, De sola fit eis proditione timor. His iuramentis [irretitus B] homo magnae simplicitatis Ad laqueum tendit eius ad instar avis. 292 fehlt B — 293 bis 295 in BC: Ad loca declinat, loca scilicet insidiosa [insidiarum B] 297 bis 298 in BCD: A^-sunt carnifices, coneurrunt more latronum [latranum B], Iniciunt [Immittunt B] praedae bracchia saeva suae. 299 nocuere B — Actaeona] oceana C — 300 Sic datus es; praedae civibus iste BC 301 bis 321 in BCD: Comminus interea resonat vox dulce canentis, Et terram feriens ungula crebra sonat. Venit enim iuvenis quidam pelulansque scholaris More viatorum dulce canendo melos. Nee mora, captivus in saecum praeeipitatur, Arboris excelsae fronde ligatur homo. Ocius effugiunt hi pendentemque relinquunt, Nam propter fraudes has timuere nimis, Nititur et quisquis socium praecurrere quamvis, In fraudemque rei sie latuere viri. Sic perturbatus hie pendel, et ecce scholaris Transit eques, sed et hunc pendulus audit homo. Et quia pertusa fuerat pars maxima sacci, Nam Saccus ruptus dicitur arte viri, Namque viri membra nequit hie concludere cuncla, Utpote quem tempus triverat a que labor. 307 resultans] lies refundens oder retexens? — 322 bis 324 fehlt BD — 322 rimam C 323 Mox ut C — Auf 324 folgt in BCD: Prospiciens igitur hominem cognovit eundem, 146. Die Rübe. 183 Et quia non licuit opus hoc implere scelestum, In solam pavidi spem posuere fugam. 315 Ne tarnen hie fugiat, in saecum mittitur atque Vivus in arborea fronde Jigatar homo. Hie pendet, fagiunt lictores, insuper ipse Criminis incentor non manet, immo fugit. Ecce scholaris ibi cupiens pausare sub umbra 320 Arboris, in cuius fronde pependit homo. Et qaia rimosum latas idem saccas habebat, Per rimas iuvenem pendulus ille videt. Hox abi rasaram capitis videt, ecce scholarem Compeiit et clamans: 'Quisquis es,' inquit, 'ave!' 325 Ast nbi devenit vox ista scholaris ad aures, Invasit nimius terror et horror eum. Tunc surgens stupidus loca proxima gyrat ocellis, Cuius ab ore sonet vox ea, nosse volens. Cumque diu staret stupidus nullumque videret, 330 Aestimat illudi daernonis arte sibi. Ocius ergo loco discedere cogitat illo, Stare timor prohibet, sed vetat ire pudor. Stat licet invitus Vincente pudore timorem Seque salutanti personat ille loqui: 335 'Quisquis es aut ubi sis, a quo vox ista resultat, Vellem, si possem, scire libenter ego.' Ex saeco loquitur iterato pendulus ille: 'Nil timeas, iuvenis, sit proeul iste timor. Enge triste caput, si vis speetare loquentem! 340 Possideo laetus aera, sperno solum. In saeco sedeo, sedet hie Sapientia mecum, Hie pendens didici tempore multa brevi. Sed latuit nomen offieiique gradus. Tunc quasi Socraticus [securus C] hunc laeta voce salutat Et, quasi nil triste perpetiatur, ait: 'Salve, mi frater, hominum carissime, salve! Huc ades, ut spero, sorte favente bona.' 325 bis 326 fehlt BD — 325 ubi] cito C — ipsa C — 327 bis 328 in BCD: Erigit ille caput slupidosque regirat ocellos, Ambigit, naec cuius vox sit et unde sonet. 329 fehlt BD — multumque C — auf 329 folgt in BCD: Et [Dum BD] super hoc dubitat, utrum fugiat maneatve ; Nam monet ire timor et vetat ire pudor. 330 bis 336 fehlt BD — 331 discedas A — cogitat discedere ille C — 332 fehlt C — 334 ille] ista C — 335 Tu quis es aut non C — Auf 336 folgt in BCD: Sic sibi nutantem solidat constantia mentem, Dixit: 'Item resonet vox tua, quisquis ades.' 337 De saeco rursus audita reeiproea vox est BC, auditur vox quoque seeundo D — 338 fehlt BD — Ne C — 339 Si dubitas, ubi sim, erige triste [suspice, tolle B] caput BCD — 340 fehlt BD — 342 Hie studiis BD, Hicque sedens C — 344 tarnen AC — 184 146. Die Rübe. Pape, scholas quaerunt longe lateque schoiares, Hie tantum veras noveris esse scholas. 345 Utque scias, Saccus quid contulerit mihi praesens, De multis saltem suggero pauca tibi. Hie artes multas doeuit me philosophia, Ut Sit nota mihi machina tota poli. Hie ego stellarum didici cognoscere Signa, 850 Quatenus ex ipsis quaeque futura sciam. Hie me naturas fateor didicisse ferarum, Hie mibi natura panditur omnis avis. Addo, quod herbarum didici discernere vires, Ut bene coniciam, quae bona, quae mala sit. 355 Hie arbustarum didici vires lapidumque Et didici, quid sit utilitatis in bis, Et didici tumidi maris indagare profundum. Hoc totum Saccus contulit ille mihi. Audisti, qualis sacci natura sit huius, 360 Qui possessori dat bona tanta suo. Hie certe Saccus pretioso dignior ostro, Hegali melior utiliorque stola. Experior certe deliros esse schoiares, Qui multas quaerunt circumeuntque scholas. Auf 344 folgen in C die Verse 365 bis 366, dann in BCD: Hie si fas sit adhuc horam subsistere parvam, Omnia plena dabit philosophia mihi. Tunc cum prodiero, puto, me sapientior inter Terrigenas omnes non erit ullus homo. 345 bis 347 fehlt in BD — auf 347 folgt in BCD: Pectore clausa meo latet orbita totius anni. 348 Sic quoque siderei fabrica BD — Auf 349 folgt in BCD: Lumina magna duo vi complector rationis Nee sensus fugiunt astra minora meos. Sed neque me signa possunt duodena latere. 350 bis 356 fehlen BD — scire futura queam C — 353 cognoscam C — 357 Quas vires habeant singula membra mea B, signa scio C, quas et arena maris D — in D folgt: Flatus ventorum bene cognovi variorum, Cuilibet et morbo quae medicina valet. Vires herbarum bene cognovi variarum Et quae sit volucrum vis simul et lapidum. Septem per partes cognovi quaslibet artes; Si foret hie Cato, cederet atque Plato. Quid dicam plura ! Novi bene singula iura, Caesareas Ieges hie studui varias, Qualiter et fraudes vitare queam muliebres. Dann in BCD: Quod mare, quod terras et quod colit aera, novi, Gratulor haec isto me didicisse loco. Hie totum didici, totus quod continet orbis. 358 continet iste meus BD — 359 bis 360 fehlen BD — 361 Nobilis hie BCD — fulvo pretiosior auro C — 362 bis 371 in BCD: De cuius gremio gratia tanta fluit. Si semel intrares, daret experientia nosse, Hie quantum Saccus utilitatis habet. 146. Die Rübe. 185 365 Quidam Parisius aut oppida cetera gyrant, Expendunt multa proficiantque parum. Hie ego momentum transegi sie sine sumptu Et didici, quidquid sehe novisse fuit. Hie tibi si detur saltem brevis hora studendi, 370 Disces, quid locus hie utilitatis habet.' His nugis simplex iuvenis male traditus orat, Quatenus in saeco possit habere locnm. Pendulus 'Absit,' ait, 'nee enim sie deeipies me; In saccam, socie, non ita venit homo.' 375 Et contra iuvenis vocem prorumpit in istam: 'Sacci, ni fallor, istius hospes ero. Iam novi, quanta Saccus virtute redundet, In cuius pausat philosophia sinu. Iam satis es sciolus, adeo iam doctus es, ut te 380 In mundo nnllus doctior esse queat. Quisquis es in saeco, quaero miserere miselli, Quatenus in saeco sit mihi pausa brevis! Si te forte precum non flectunt verba mearum^ Muneris, ut spero, te bene flectit amor. 385 Et ni sponte velis flecti mercedis amore, Pendere curabo, quiequid habere voles.' Tunc at invitus e saeco prodiit ille Pendulus ac iterum verba rependit ei : 'Niteris in vanum, non est mihi tibia tanti, 390 Ut pretio Saccus veneat iste tuo Utque scholas istas me velle relinquere speres. Credulus his nugis infelix ille scholaris 372 Orat, ut BCD. Es folgt in BCD: Tunc velut invitus ex saeco prodeat, ille — 374 Dixit: In hunc saecum BCD — 375 bis 407 in BCD: At si condigna merear mercede potiri, Hie patiar parva te residere mora. Sed precor, exspeeta, donec pertranseat hora; Discendi modica portio [pars quia D] restat adhuc.' Ille rei cupidus modicam non susiinet horam : 'Gratis', ait, 'praesens tempus et hora perit. Eia rumpe mores, si vis praestare cupitum! Urit enim pectus diva sophia meum. En foris experior, quod habet dulcedinis intus Saccus hie, unde mihi tarn bonus exit odor.' Taliter oranti respondet pendulus ille: 'Me, frater, cogis linquere grande bonum, Utque satisfaciam tibi, me demitle deorsum, Et voti compos efficiere tui.' Non differt ille, solvit saecumque virumque, Denique pendendi tanta libido fuit. Nonne vides hominem sua damna sibi fabricantem, Sponte sua laqueum dum parat iste sibi? Impiger in saecum iuvenis descendit apertum. 186 146. Die Rübe. Absit, deciperis, spes tua tota perit. Malo mori, socie, quam perdere delicias has, Si mihi sim. nequam, cui bonns esse queo. 395 Non tibi delicias sacci me vendere speres, Absit, in bunc saccum non ita venit bomo. Non mihi continget istum venumdare saccum, In cuius pausat philosophia sinu. At quia discendi multo nammaris amore, 400 Cedo tibi gratis ad. breve tempus ego. Cumque satis fueris potitus fönte sophiae, Delicias sacci tunc mihi xedde mei! Ocius ascende ramum restemque rescinde, Ut voto compos efficiare tuo !' 405 Hoc miser audito pendenti laetus oboedit, Ut sacci possit utilitate frui. Exit hie, ast alter festinat, ut ingrediatur, Seque trahi sursum postulat, ille negat. 'Differ,' ait, 'modicum, socie! Non sie habet ordo, 410 In saccum, socie, non ita venit homo.' Deponensque caput ad humum talosque supinans 'Haec est lex sacci, sie eris intus,' ait. Haec dicens miserum libravit in aethera suisum Ac in nodoso stipite vinxit eum. 415 Stans igitur coepit sie insultare scholari Et derisoris voce locutus ait: 'Ecce, quod optasti, quod quaesisti, quod amasti, Nunc compos voti factus es ipse tui. Iam, puto, coepisti doctissimus esse sophista, 420 Ut toto similis non sit in orbe tibi. O te felicem nimis egregiumque magistrum, Quem fovet in gremio philosophia suo ! Experiar certe, quantum modo delicieris, 393 Malo] Mallem A — 399 AI] Et A — 408 ille negat] absque mora BCD — 409 socie, non sie habet] etenim sie congruus B, nee enim se sie habet C, nee sie tibi congruit D — 411 Deponasque A — Deprimit ergo caput homini talosque [saecumque D] supinat BCD — 412 bis 432 in BCD: 'Frater, in nunc saccum sie homo venit,' ait. Ocius hunc miserum libravit in aera sursum: 'Sic est mos sacci, sie eris intus', ait: Insultans risu pendenti sie ait: 'Eia, In sacrum, socie, quomodo venit homo? Iam puto, coepisti doctissimus esse sophista [poeta B], Te tua, ni fallor, experimenta docent. Ergo sede, donec sapientior efficiaris; Nam vere stullus esse probare modo.' His dictis conscendit equum pendentis abitque [loca deserit illa BD] Quique pedes venit, in sua tendit eques. — 146. Die Rübe. 187 Quem talis sacci claustra beata tenent. 425 Philosophare modo, propone, quod hie didicisti, Quantumcumque potes, philosophare modo! Utere sorte tua, quam toto corde petisti Quamque deus tribuit, utere sorte taa! Nunc superest, ut pace tua mea teeta revisam, 430 Iam non in saecum curo venire meum.' His dictis aseendit equum pendentis abitque Et ciamans inquit: 'Magne sophista, vale!' In C folgt: Incolumis, laetus et iugi pace quietus Decursat vitam sorte favente bona, Divitiis floret, in prosperitate superbit, Donec cuncla simul mors inimica tulit. Die riesige Eübe gehört gleich dem oben 2, 515 erwähnten großen Kohlkopfe zu den Scherzen der Lügenmärchen. So erzählt in den 'Neuwen Zeytungen auß der gantzen Welt' (am Laiebuch 1597; vgl. v. Bahders Ausgabe 1914 S. LX; abgedruckt Zs. f. dt. Alt. 16, 449 v. 461) ein Wandrer dem Wirte: . . . Bei Straßburg hab icli gsehn Ein ruben auf dem felde stehn, Die ist gewachsen also groß, Daß ich mit einem schnellen ros In treien summertagen lang Nicht hab können tun ein umbgang. Ebenso heißt es im Volksbuch von dem lügenhaften Auf- schneider Urban Fettsack (Scheibles Schaltjahr 4, 126. 1847. Auch ins Schwedische übersetzt, Lund 1790) : Als ich nun weiter fort- wanderte und nach Straßburg kam, sah ich daselbst auf dem Feld eine solch große Rübe stehen, als ich noch niemals eine gesehen,, und ich glaube, daß einer mit einem Roß in drei langen Sommertagen dieselbe nicht umreiten könne.' 'Rüben gen Straßburg füren' be- deutet daher in Jobins Vorrede zu Fischarts Ehezuchtbüchlein 1578 (Werke ed. Hauffen 3, 123) soviel wie eine unnütze Arbeit. Auch in Fischarts Aller Practick Großmutter 1572 (1876 S. 24) und in Arnolds Lustspiel in straßburgischer Mundart 'Der Pfingstmontag' 1816 S. 177 wird das Straßburger Gemüs gerühmt: 'Kruttköpf vierdelszentnerschwer un zwölfpf ündji Retti'. Ein elsässisches Lügen- märchen berichtet von einer Rübe so groß, 'daß emol e Has in e Loch dri gsprunge isch, un Hund un Jäger noh, un sin siebe Johr 188 146. Die Rübe. drin umrae gloffe, ob sie wieder use kho sin' (Stöbers Alsatia 1873—74, 147); in einem Lobenfelder Märchen (Alemannia 24, 182) fressen sich Rind und Kuh in die gewaltige Rübe hinein, daß am dritten Tage nur noch die Schwänze zu sehen sind ; vgl. E. Meier, Vm. aus Schwaben nr. 24. Bei Wisser, Plattdeutsche Vm. S. 187 müssen sieben Mann eine solche Rübe auf den Wagen heben. Sie zu kochen, bedarf man natürlich eines noch größeren Kessels; vgl. die Neuwen Zeytungen von 1597 und Müller-Fraureuth, Lügendichtungen 1881 S. 125; dazu Jones-Kropf, Folktales of the Magyars p. 361; Aberg nr. 344 — 345; Hackmans Register nr. 1920a; Aarnes Register nr. 1920a. Das Märchen selbst zerfällt in zwei Teile: A. Ein armer Bauer (oder ein verarmter Ritter), der eine auf seinem Acker gewachsene außerordentlich große Rübe dem Könige zum Geschenke bringt, er- hält dafür eine stattliche Belohnung; als sein reicher, aber habgieriger Bruder in der Hoffnung auf noch höheren Lohn dem Herrscher kost- barere Gaben darbringt, überreicht ihm dieser die seltene Rübe als Entgelt. B. Wütend lockt der Getäuschte den Bruder in den Wald und läßt ihn in einen Sack stecken ; der aber beredet, wie das Bürle (oben 2, 10: H), einen vorüberreitenden Studenten, mit ihm zu tauschen, und entrinnt wohlbehalten. Den ersten Teil berichtet Erasmus in seinem 'Convivium fabulosum' (Colloquia 1523 = Opera 1540 1,645) von einem französi- schen Bauern Conon und König Ludwig XL ; der mißgünstige Hof- mann ist jedoch nicht mit dem Bauern verwandt. Ludovicus Galliarum rex, eius nominis undecimus, cum rebus domi turbatis peregrinaretur apud Burgundiones, occasione venationis nactus est familiaritatem cum Conone quodam, nomine rustico, sed animi sim- plicis ac sinceri. Nam hoc genus hominibus delectantur monarchae. Ad huius aedes frequenter diverterat rex ex venatu et, ut plebeis rebus non- nunquam delectantur magni principes, apud eum magna cum voluptate vescebatur rapis. Mox ubi Ludovicus restitutus iam rerum potiretur apud Gallos, submonuit Cononem uxor, ut regem veteris hospitii commone- faceret, adiret illum et rapas aliquot insignes illi dono adferret. Tergi- versatus est Conon, se lusurum operam, principes enim non meminisse talium officiorum. Sed vicit uxor; deligit Conon rapas aliquot insignes, accingitur itineri. Verum ipse per viam captus illecebra cibi. paulatim devoravit omnes, una duntaxat excepta insigniter magna. Ubi Cono prorepsisset in aulam, qua rex erat iturus, statim agnitus est a rege et accersitus. Ille magna cum alacritate detulit munus; rex maiore cum 146. Die Rübe. 189 alacritate accepit mandans cuidam e proximis, ut diligenter reponeretur inter ea, quae haberet carissima. Cononem iubet secum prandere, a prandio egit Cononi gratias et cupienti repetere rus säum iussit pro rapa numerari mille coronatos aureos. — Huius rei fama cum, ut fit, per omne regis famulitium esset pervagata, quidani ex aulicis dono dedit regi equum non iuelegantem. Rex intelligens illum provocatum benignitate, quam praestiterat Cononi, captari praedam, vultu maiorem in modum alacri accepit munus et convocatis primoribus consultare coepit, quo munere pensaret equum tarn bellum tamque pretiosum. Interim qui do- narat equum, spes opimas animo concipiebat sie cogitans: Si sie pensavit rapam donatam a rustico, quanto munificentius pensaturus est equum talem oblatum ab aulico! Cum regi veluti de magna re consultanti alius aliud responderet diuque vana spe laetatus esset captator, tandem rex: 'Venit,' inquit, 'in mentem, quod illi donem.' Et accersito ex proeeribus quopiam dicit in aurem, ut adferat id, quod reperiret in cubieulo (simulque locum designat) serico diligenter obvolutum. Adfertur rapa; eam, ut erat ob- voluta, rex sua manu donat aulico addens sibi videri bene pensatum equum eimelio, quod sibi constitisset mille coronatis. Digressus aulicus dum tollit linteum, pro thesauro reperit non carbones, quod aiunt, sed rapam iam subaridam. Ita captator ille captus risui fuit omnibus. Auf Erasmus gehen zurück die Berichte bei Gast, Convivales sermones 1, 169 (1549); Maiolus, Dies caniculares 1613 p. 737 C; Schertz mit der Warheyt 1550 Bl. la. Kirchhof, Wendunmut 2, c. 39 (1602). Lundorf, Wißbadisch Wiesenbrünnlein 2, 126 nr. 52 (1611). Gerlach, Eutrapeliae 2, 80 nr. 226 (1662). Lehmann, Exilium melancholiae 1669 S. 149 (ungenannter König; Rettig und Quitte). C. A. M. v. W., Zeitvertreiber S. 24. Abraham a S. Clara, Bescheid- essen 1717 S. 399 = Werke 9, 462. Helmhack, Fabelhannß nr. 136 (1729). Vademecum für lustige Leute 1, nr. 118 (1767). Chr. F. Weiße, Lieder uud Fabeln für Kinder 1807 S. 224 'Die große Rübe'. H. Wescht, Fastnachtspiel von der geschenkten Rübe (1575. Goedeke, Grundriß 22, 396). Grosser, Die merckwürdigen Belohnungen des ehemaligen Frantzösischen Königs Ludovici XL (Görlitzer Schul- komödie 1724. Neues Lausitz. Magazin 43, 125). Niederländisch: Cluchtboeck, Antwerpen 1576 p. 66 nr. 83 (Tijdschrift voor nederl. taalkunde 10, 133). Englisch: Merry tales and quicke answeres 1567 cap. 23 (Shakespeare's Jest-books ed. Hazlitt 1881 p. 34). Mel- bancke, Philotimus 1583 (Koppel, Studien zur Gesch. der italien. Novelle 1892 S. 60). Französisch: Garon, Chasse-ennuy 1, 61 nr. 59. Nouveaux contes ä rire 1702 p. 129 = 1752 2, 28 'Le navet 190 146. Die Rübe. de Louis XI' = Contes ä rire et aventures plaisantes 1881 p. 292. Baraton, Poesies diverses 1705 p. 11 'La rave'. Italienisch: Domenichi, Facetie 1562 Bl. 72b = 1571 p. 153. Brunetto, Lettere 1548 Bl. 15a. Cäsalicchio, L'utile col dolce p. 382 (3, 3, 3). Spanisch: Juan Aragon es nr. 5 (ßiblioteca de autores esp. 3, 167). — Auf Franz I. von Frankreich ist die Geschichte übertragen bei Giraldi Cinthio, Hecatommithi 1565 6, nov. 9; auf Heinrich IV., der auf Roquelaures Bat dem Bauern für den großen Kürbis ein Pferd schenkt, bei Blade, Agenais 1874 p. 47 'Les deux presents' = Blade, Gascogne 3, 272; auf Karl V. im Vermaekelyken Klugtvertelder, Gent o. J. p. 16 = Wolf, DSM. nr. 287 'Kaiser Karl und der Rüben- käs' und in Pasquils jests 1604 nr. 51 (Hazlitt, Shakespeare's jestbooks 3, 51); auf einen namenlosen König, der eine Traube und ein Roß zum Geschenk erhält, bei L. H. v. Nicolay, Vermischte Gedichte 5,9 (1794) = Bamler, Fabeln und Erzählungen 1797 S. 45 'Die Traube'; auf einen ungenannten großen Herren, den der Köhler mit Erdäpfeln bewirtet, bei Simrock, Märchen nr. 46 'Das Gegengeschenk'; vgl. Hackmans Register nr. 1960 D. In einem k 1 e i n ru ss i s c h e n Schwanke aus Südungarn (Etnogr. Zbirnyk 30, 293 nr. 149) erhält der Bauer für seinen großen Kürbis vom Kaiser zwei Ochsen, sein reicher Nachbar für zwei Ochsen den Kürbis. Ähnlich Kolberg, Chelmskie 2, 117 nr. 18. In einer andern Fassung aus dem Gouv. Cernigov bei Malinka S. 357 n r. 73 bringt der Bauer zur Weihnacht dem Herrn eine Gurke, der Reiche aber im Sommer einen ganzen Wagen voll Gurken. Ebenso Dragomanov, Rozvidky 2, 222, Cubinskij 2, 522 nr. 18 und Hrincenko, Iz ust naroda S. 400 nr. 369. Weißrussisch bei Sejn 2, 299 nr. 139 (drei Knaben bringen einen im Acker gefundenen Diamanten, ihr neidischer Onkel Haare, die er seinem Weibe ausgerissen). Bei den Großrussen (Wesselofsky in der Zs. Altes und neues Ruß- land 1876 nr. 4 S. 313 — Dragomanov, Rozvidky 2, 225) lohnt der Zar Iwan der Schreckliche dem Bauern, der ihm eine große Rübe und ein Paar Bastschuhe überreicht, indem er allen Edelleuten ge- bietet, sich bei jenem Bastschuhe machen zu lassen; dem Reichen, der ihm ein Pferd bringt, schenkt er die Rübe. Dies berichtet schon der Engländer Collins im 17. Jahrh. (Savcenko S. 59). Kryptadia 1. nr. 21 (1883). Bei Afanasjev3 2, 429 nr. 249ww sieht der Bauer, wie ein Herr 50 Rubel für einen Kanarienvogel zahlt, und bringt ihm einen Gänserich. Finnisch: Aarnes Register nr. 1960 D. 146. Die Eübe. 191 Singalesisch: Parker 2, 333 nr. 148 'The Ratemahatmayä's presents'. Von dem mißratenen Versuch den Glückserwerb zu über- bieten, da doch das unschuldige Herz fehlt, erzählen auch andre Märchen; so der oben 2, 74 angeführte italienische Schwank von den beiden Genuesern im katzenlosen Lande, der auch in einem provenzalischen Gedicht von G. Azais (Revue des langues rom. 27, 194 'Un present de roi') wiederkehrt. Nach dem im 7. Jahrhundert geschriebenen Midrasch Wajikra rabba (übersetzt von Wünsche 1884 S. 169 cap. 25, 19, 3. Hurwitz, Sagen der Hebräer 1826 S. 69. Jolowicz, Blüten rabbinischer Poesie 1845 1, 83. Levi, Parabeln aus Talmud und Midrasch 1877 S. 173. Gelbhaus, Über Stoffe altdeutscher Poesie 1887 S. 71) fragte Hadrian in Tiberias einen hundertjährigen Juden, warum er Feigenbäume pflanze, da er deren Früchte kaum erleben werde. Als aber die Bäumchen nach einigen Jahren Feigen trugen, brachte der Greis einen Korb voll dem Kaiser, der ihm dafür den Korb mit Goldstücken füllte. Da schleppte auch sein habgieriger Nachbar einen Sack Feigen zum Kaiser, um gleichen Lohn zu erhalten; der aber ließ ihn vors Tor stellen und ihm die Feigen ins Gesicht werfen.1) In Palästina lebt diese Geschichte, auf den Kalifen Harun er Raschid übertragen, fort (Hanauer p. 161). In einer arabischen Geschichte aus Mesopotamien (Meissner nr. 35. Beitr. 5, 63) wird sie verbunden mit der sinn- reichen Teilung des Huhns (oben 2, 360). Ähnlich belohnt in der 152. Novelle Sacchettis (vgl. Francia, F. Sacchetti 1902 p. 117) Bernabö Visconti einen spanischen Ritter für das Geschenk eines zierlich abgerichteten Esels durch die Gegengabe eines stattlichen Pferdes, während ein Florentiner, der ihm darauf zwei Esel schickt, nur Spott erntet. In dem magyarischen Schwanke vom Ofener Hundemarkt (Die österreichisch-ungarische Monarchie, Ungarn 1, 335.. 1888) kauft König Matthias einem Schafhirten, dem die Türken alles bis auf seine sechs Hunde geraubt, diese ab, jagt aber seinen Nachbarn, der darauf mit einer großen Menge von Hunden kommt, davon. So lohnt schon in der äsopischen Fabel vom Holzhauer und *) Zu diesem letzten Zuge vgl. "VVesselski, Nasreddin 1, 227 nr. 71, sowie R. Köhler 1, 494 und Clouston, Populär tales 2, 467. Kuttner, Jüdische Sagen 4, 23 (Midrasch Kohelet 2, 20). Cento novelle antiche nr. 74. A. dAncona, Studj 1880 p. 332 = Romania 3, 180. 192 146. Die Rübe. Hermes (Halm nr. 308) der Gott dem Wahrhaftigen und Bescheidenen, der nur seine in den Fluß gefallene Axt wiederbegehrt, durch das Geschenk der goldenen und silbernen Axt, die jener als ihm nicht gehörig zurückgewiesen hatte; der Lügner aber, der die Frage des Hermes, ob er die goldene Axt verloren habe, bejaht, erhält auch die eiserne nicht zurück. Vgl. Steinhöwel, Äsop S. 254 ed. Oesterley ; Waldis, Esopus 3, nr. 72; H. Sachs, Fabeln 6, 188 nr. 964; Kirch- hof, Wendunmut 7, nr. 15; Puchmajer (Zbornik jslav. 21, 11 nr. 12); Leo Tolstoj, Der Bauer und der Wassergeist; Jurkschat 1, 19 nr. 4 (vgl. Basanowicz nach der Zahorska Kronika 6, 20); Castren, Finn. Mythologie 1853 S. 75; oben 2, 227. Die im zweiten Teile des Raparius vorkommende Erlösung aus dem Sacke ist genau die List, durch die Unibos (oben 2, 7) sich aus der Tonne rettet, worin die Bauern ihn ersäufen wollen, indem er einem vorübergehenden Sauhirten weismacht, daß wer sich hineinlege, zu großer Würde abgeholt werden solle. Statt der Tonne ist es bei Valentin Schumann, in der Geschichte Camprianos, Scarpacificos, Bertoldos und vieler andrer Seitenstücke zu unserm Bürle (nr. 61) ein Sack, aus dem sich der schlaue Held durch Tausch mit einem Einfältigen befreit. Auch die vom Biesen in einen Sack gesperrte Meisterdiebin Molly Whuppie (oben S. 37) macht die Riesenfrau so neugierig, daß diese statt ihrer hinein- kriecht. Einen Sack des Ruhmes1) hält der Meisterdieb, als Engel verkleidet, dem Pfarrer vor und läßt ihn hineinkriechen (unten zu nr. 192). In der Tierfabel2) dagegen erlöst sich der Fuchs aus dem Brunneneimer dadurch, daß er den dummen Wolf berückt, im andern Eimer hinunter ins Himmelreich einzugehen, damit ihn dieser heraus- ziehe; als sie sich unterwegs in den Eimern begegnen, sagt der Fuchs spöttisch: 'So gehts in der Welt, der eine auf, der andere nieder.' Merkwürdig gemahnt die Vorspiegelung des im Sacke Ge- fangenen, er lerne am Baume hangend Weisheit (Raparius J) In einem Negermärchen (Kölle p. 179 nr. 10 = Bleek, Reineke Fuchs in Afrika S. 97) steckt der Verstand in einem zugebundenen Sack; ein Wiesel öffnet ihn und nimmt sich davon. 2) J. Grimm, Beinhart Fuchs 1834 S. 58. 356. 425. Voretzsch, Zs. f. roman. Phil. 15, 358. Sudre, Sources da roman de Renart 1892 p. 226. Foulet, Le roman de Renard 1914 p. 289. Kurz zu Waldis, Esopus 4, nr. 8. Sv. landsmäl 3905, 47 nr. 12 (Fuchs und Hase). 147. Das junggeglühte Männlein. 1^3 v. 341), an die Art, auf die Odin geheimer Wissenschaft mächtig wird. Nach der Edda (Hövamöl Str. 138. Gerings Übersetzung S. 105) opfert er sich selbst, indem er sich an der Weltesche Yggdrasil aufhängt und sich mit dem Speere verwundet: Ich weiß, daß ich hing am windbewegten Baum Neun Nächte hindurch — — — Zu gedeihn begann ich und bedacht zu werden. Angesichts der Bezeichnung 'cpiasi Socraticus', die der oben am Baum Hängende in den Hs. BD des Raparius (S. 183 zu v. 324) er- hält, könnte man sogar an Aristophanes Wolken erinnern, wo Sokrates in einem Hängekorb schwebend spekuliert ; allein jener Schreiber des 15. Jahrhunderts hat schwerlich etwas von den Aristo- phanischen Komödien gewußt und vermutlich an das 28. Exemplurn der Disciplina clericalis des Petrus Alfonsus gedacht, wo Sokrates (wie sonst Diogenes) sich in die Einsamkeit des Waldes zurückzieht und in einer Tonne wohnt. 147. Das junggeglühte Männlein. is« s. 231. 1815 nr. 61 = 1819 nr. 147. — Nach Hans Sachs, Ursprung der Affen (1562. Folioausgabe 4, 3, 69b = 17, 290 ed. Keller-Goetze = Fabeln und Schwanke ed. Goetze 2, 304 nr. 290. Zuvor schon 1536 in einem Meisterliede behandelt: Fabeln 3, 142 nr. 57); vgl. Hamann, Die literarischen Vorlagen der KHM. 1906 S. 51. — Dra- matisiert bei F. Roeber, Marionetten 1885 S. 1 14 'Das Märchen vom h. Andreas'. Hans Sachs benutzte augenscheinlich einen Spruch von Hans Folz 'Von wannen die Affen kommen' (Zs. f. dt. Altertum 8, 537), der auch einem kurzen Gedicht auf einem Holzschnittbogen des Nürnbergers Georg Glockendon (f 1515. Wendeler, Archiv f. Litgesch. 7, 330 = Dähnhardt, Natursagen 2, 162) zu Grunde liegt. In neueren Fassungen fehlt meist der Schluß, daß die schwangeren Frauen aus Entsetzen vor der Mißgestalt der verbrannten Alten ähn- liche Mißgeburten zur Welt bringen. Im oberpfälzischen Märchen bei Panzer 2, 18 = Merkens 1, 74 läßt der Schmied, der Grimm, Märchan -Anmerkungen ITI. 13 194 147. Das junggeglülite Männlein. über seine Werkstatt geschrieben hat 'Meister über alle Meister', Christus flehentlich bitten, zurückzukehren und die verbrannte und in Stücke geschlagene Nachbarin zu beleben ; der Herr legt die Trümmer nochmals ins Feuer und auf den Amboß, aber er kann nichts andres als einen Affen herausbringen. Aus Wald eck bei Curtze S. 83 nr. 18 'Der Eiesenbezwinger' übertragen auf einen Schmiedegesellen und verbunden mit den Abenteuern des Hasen- hüters und Grindkopfes. Aus Luxemburg bei Gredt 1885 nr. 854, 1 (Geselle). Aus Pommern bei Jahn, Volksmärchen 1, 255 nr. 48 'St. Peter und der Schmied' (Christus fehlt) und Knoop 1885 S. 203 'Wie eine alte Frau umgeschmiedet wird' (Geselle). — Vlämisch: De Mont en de Cock, Vertelsels p. 108 'De Oorsprong van den Aap' (St. Elooi verjüngt die Alte, ein anderer Schmied versucht das Gleiche vergeblich an seiner Frau). Vincx, Grappige Vertelsels, tweede reeks 1, 58 (1904. Dähnhardt 2, 288). Teirlinck, Contes flamands p. 89 'Creation des singes' (Christus). — Dänisch: Grundtvigs hsl. Re- gister nr. 119 'Vorherre og smeden'. Kristensen, Sagn og Overtro fra Jylland 1, 239 nr. 329 'Lsekattens Oprindelse (Christus macht die Alte zum Hermelin) und nr. 330 'Den ferste Ugle' (die Alte wird zur Eule). For Ide og Virkelighed 1870, 1, 364 'Hvordan Uglen blev til' (aus Jütland. Eule). — Schwedisch: Aberg nr. 155 'Smied för alla smieder' (unvollständig) und nr. 123 'Smens tri önskningar1 (die Frau bleibt tot ; dann der Spielhansel oben nr. 82). Hackmans Register nr. 753. — Norwegisch: Asbjörnsen-Moe nr. 21 = Brese- mann 1,148 'Vom Schmiede, den der Teufel nicht in die Hölle lassen durfte' = Stroebe 2, 280 = Dasent 1859 p. 120 (die Frau bleibt tot; dann der Spielhansel). M. Moe, Norske Univ. og Skole- annaler 1880,249. — Französisch: Gittee-Lemoine p. 76 'L'origine du singe' = La Tradition 3, 250. Wallonia6, 154 'La vieille devenue singe'. — Italienisch: De Nino 4, 79 'Gesü Cristo, gli apostoli e Sant' Eligio'. Archivio 4, 477 nr. 6 'Come nacque l'orso'. — Portu- giesisch: Leite de Vasconcellos, Ensaios ethnograpbicos 4, 263 nr. 6 (1910) = Giornale di filologia romanza 4, 194 (1883). — Serbisch: Rica 8 (1912), nr. 13 'Des Teufels Freund' (der Teufel als Greis läßt sich vom Gesellen verjüngen ; der Meister versucht es bei der Raiserin). — Öechisch: Slavische Blätter 1,241 (1865) = Dähnhardt 2, 163. — Polnisch: Rolberg, Lud 8, 97. 21, 192 (Teufel statt Christus). Wisla 14, 68 (Jesus schmiedet die häßliche Tochter des Schmiedes um; die Tochter der Schmiedsfrau, an der 147. Das junggeglühte Männlein. 195 der Mann das Gleiche versucht, verbrennt; aus ihrer Asche wächst Tabak). — Kaschubisch: Lorentz, Teksty S. 155 nr. 208. S. 526 nr. 657. — Kleinrussisch: Cubinskij 1, 154. — Weißrussisch aus dem Gouv. Wilno: Karlowicz S. 58 nr. 39. — Estnisch: Dähnhardt 2, 167 nr. 7a — b. — Finnisch: Salmelainen 4, nr. 1 = Schreck S. 159 nr. 18 'Die wundersame Schmiede'. Suomi 3, 14, 81. Aarnes Register nr. 753. Während in diesen Erzählungen der vorwitzige Versuch, das Wunder des Heilands oder des Apostels nachzuahmen, für die ins Schmiedefeuer geworfene Frau schlimme Folgen hat, wird diese ander- wärts durch den herbeigerufenen Meister schließlich doch verjüngt.1) So in dem mittelenglischen Gedichte 'The sm}rth and his dame' bei Hazlitt, Remains of the early populär poetry 3, 201, Horstmann, Altengl. Legenden n. F. 1881 S. 322 und Kurz, Die junggeglühte Frau, Progr. Gotha 1908. 4°. Hier beschämt Jesus einen hoffärtigen Schmied in Ägypten, der sich Meister ohnegleichen nannte, indem er dessen lahme Schwieger ins Feuer legt, mit dem Hammer be- arbeitet und zu einer schönen Frau von dreißig Jahren macht. Trotz seiner Warnung versucht der Schmied das Gleiche mit seinem blinden Weibe, das unter seinen Händen stirbt; er rennt wie wahnsinnig dem Herrn nach; dieser läßt sich erweichen, kehrt um und segnet den verkohlten Leichnam, der nun jung und schön aufersteht. Deutsch: Simrock, Deutsche Märchen S. 148 nr. 31b 'Der Meister über alle Meister'. Französisch: Luzel, Legendes ehret. 1, 22 'La fiancee de Saint-Pierre'. *Cadic, Contes de Bretagne (Revue des trad. pop. 18, 602). Italienisch aus Wälschtirol : Hörmann, Zs. des Ferdinandeums 1870, 226 'Wie es der Herr einem andern Schmied gemacht hat' (nachdem Jesus den Petrus umgeschmiedet hat, will es der Schmied mit seinem alten Vater ebenso machen). Aus Venetien : Widter-Wolf nr. 5 'Der Herrgott, St. Peter und der Schmied' (Jahr- J) Dies ist ein Seitenstück zu der Toten erweck ung, die der Bruder Lustig (oben 2, 150: E) dem Apostel Petrus nachzumachen ver- sucht. Zu den 2,155 angeführten italienischen Fassungen gehören noch: Bagli 1887 p. 18 nr. 7 'San Giovanni ruba un fegato di agnello'. Nioc. Tommaseo 1, 94 nr. 2 'Pipetta'. Pitre, Fiabe e leggende nr. 48 'Mastru Franciscu e l'ancilu'. — In cechischen Schwänken bei Polivka, Povidky opavsk. S. 94 nr. 30 und S. 115nr.43 und Kubin, Podkrkonosinr. 63. 252 foppt ein Spaßvogel die Köchin und die Magd, die verjüngt werden wollen; ähnlich in einem bretonischen Schwank Revue des trad. pop. 11, 299. 13* 196 147. Das junggeglühte Männlein. buch f. roraan. Lit. 7, 28; vgl. R. Köhler 1, 296). Aus Verona: Nicc. Tommaseo 2, 122 nr. 3 'El maestro de tuti i maestri'. *Gor- tani, Tradizioni pop. friulane 1904 1, 82 'Li mestri sore duc i mestris'. Aus Sicilien : Archivio 7, 384 nr. 3 'Lu primu mastru di lu munnu'. Pitre, Fiabe e leggende nr. 47 'Lu mastru supra tutti li mastri' (Jesus schmiedet den h. Joseph um). K a sc hu bisch : Lorentz, Teksty S. 474 nr. 608 (der Gesell verjüngt den Hund, dann den Meister; da aber die Tochter dazwischen kommt, bleibt ein Fuß lahm). — Eine weißrussische Fassung bei Sejn 2, 144 = Dähnhardt 2, 158 und zwei polnische (Mater, arch. etnogr. 1, 61 nr. 6. Kolberg 21, 192 nr. 11) stimmen darin zur waldeckischen, luxem- burgischen und hinterpommerschen Aufzeichnung, daß nicht Christus, sondern ein als Schmiedegeselle verkappter Teufel den Greis ver- jüngt; der Teufel rettet auch nachher den Schmied, dessen Kur mißlungen ist, vom Galgen. Ähnlich großrussisch bei Afanasjev, Legendy S. 104 nr. 31 = Ralston p. 57 'The smith and the demon' und aus dem Gouvernement Nowgorod in Zivaja Starina 4, 12 (1891); weißrussisch bei Federowski 1, 11 nr. 21 (Bruch- stück); kleinrussisch aus Ostgalizien im Etnogr. Zbirnyk 15, 11 nr. 17, bei L. Borovikovskij, Otecest. Zapiski 1840 = Afanasjev. Legendy S. 196 ; Hrincenko 2, 73 nr. 69 (ähnlich dem büßenden Teufel oben 2, 294 dient ein Wolf dem Schmiede drei Jahre und verjüngt seinen Hund, seine Mutter und andre alte Weiber) ; i m er e t i- nisch im Sbornik Kavkaz. 13, 2, 27. Ein Negermärchen aus Virginien bei Groome, Gypsy folk-tales p 291 == Athen «um 1887, 20. august p. 245 'De New Han'. Wir haben also zwei bis ins 15. Jahrb. hinaufreichende Varianten des Märchens, von denen die erste ätiologisch den Ursprung der Affen oder Eulen begründet. Der beiden gemeinsame Grund- gedanke, daß die Nachahmung eines Verjüngungswunders dem un- befugten Menschen (in der Regel einem Schmiede) mißlingt, kehrt im Spielhansel (oben 2, 150; auch Pitre, Fiabe e leggende 1888 p. 194 und Zytje i Slovo 2, 182 nr. 11) und in der Legende von Eligius wieder, dessen Name uns schon in vlämischen und italienischen Aufzeichnungen begegnete. Der h. Eli giu s (Eloi, Loy), der 659 als Bischof von Noyon starb, wird in Frankreich und Belgien um seiner früheren Tätigkeit als Goldschmied willen als Schutzpatron der Schmiede und der Pferde verehrt. Zahlreiche Bildwerke des 15. und 16. Jahrh. stellen ihn dar, wie er einem Pferde einen Fuß abgenommen hat, um ein Hui- 147. Das junggegluhte Männlein. 197 eisen darauf zu schlagen *), bisweilen auch, wie er dabei einem als Frau verkleideten Teufel mit der Zange in die Nase kneift2]. Die gleichzeitige Volkssage, von der die alte Lebensbeschreibung in Mignes Patrologia latina 87, 477 noch nichts weiß, lautet im 'Sumer- teil der Heyligen Leben', Augspurg 1472 Bl. 65b, 2: 'Darnach hieß im der küng sein pferd mit silberin hüfeysen beschlahen. Da schneyd Sant Loy dem pferd die füß ab nach den gelidern, vnd da er es be- schlagen het, da saczt er im die füß wider an on allen gebrechen. Das sach sein knecht, der wolt es ouch tun, da mocht er es nit getün vnd verderbet das pferd. Da machet Sant Loy das pferd wider gesunt vnd strauffet den knecht. Da sprach er: Lieber herr, ich wolt es ouch gelernet haben. Da sprach Sant Loy: Lieber sun, es ist nit czimlich, das doch nit zimpt ze thün.' Vgl. die Legende von St. Loy im Münchener cod. germ. 3899, Bl. 100. — Schweizerisch : Henne am Rhyn, Die dt. Volkssage 1879 S. 469. Schwäbisch: E. Meier, Sagen 1, 293 nr. 330 (Elogius); Birlinger, Volkstümliches 1, 405 nr. 632 (St. Loy). Viämisch : De Mont en de Cock, Vertelsels S. 364 'Sint-Elooi en de Smid' (Meister über die Meister) ; Wolf, DMS. nr. 17 'Von Elig dem Schmiede' (zu Elig, der sich Meister über alle Meister nennt, kommt Jesus in der Gestalt eines Schmiedegesellen und beschämt ihn); Cornelissen-Vervliet nr. 12 'Van Sint-Elooi enden Smid'; Volkskunde 2, 168. Irisch: Kennedy 1866 p. 345 'How St. Eloi was punished for the sin of pride' = Brueyre p. 329 = Knortz S. 123, vgl. Gaidoz, Melusine 5, 104. Französisch: Luzel, Legendes 1, 93. Blade, Contes 2, 152 — Blade, Agenais p. 61 'Le voyage de Notre Seigneur'. Melusine 7, 25 pl. 1 (Bilderbogen aus Epinal). *Guibert, Legendes du Limousin 1865 p. 75. — Statt des Eligius erscheint St. Martin in der Revue des trad. pop. 18, 593; St. Vin centius Ferrer bei Bertran y Bros, Rondallistica 1888 p. 76 nr. 10; Christus bei Carnoy, Picardie p. 67 Les diables et le ') Gaidoz, Melusine 5, 100. 170. 6, 125. 7, 25. 77. 8, 30. 122. 153. 208. R. Köhler 1,132. Lehrs, Repertorium für Kunstwissenschaft 16, 43. Chevalier, Repertoire des sources hist. 1905 1, 1311. — Sehr kühn ver- gleicht J. Grimm, Myth.3 S. XXXVI. 141 die Sage von dem nächtlichen Reiter Odin und dem Schmiede (Unland, Schriften 8, 612. Dähn- hardt 2, 170. Schreiber, Gedichte 1817 S. 14 'Meister Olaf'. Killinger, Sagen 2, 85). 2) Melusine 7, 88. 8, 30. Nyrop, St. Eligius (Aarboger for nordisk oldkyndighed 1899, 155). 198 147. Das junggeglühte Männlein. forgeron', im wälschtiroler Märchen bei Hörmann, Zs. des Ferdi- nandeums 1870, 224, im rumänischen bei Obert nr. 27 (Ausland 1857, 1075) und im ungarischen bei Sebestyen, Legenden nr. 7 ; ein Engel bei Haas, Schnurren aus Rügen 1899 nr. 50 ; ein namenloser Geselle im oberpfälzischen bei Schönwerth 3, 77 und im heanzischen Zs. f. Volkskunde 24, 30. *Cerquand nr. 76. Das Verjüngen von Greisen samt dem mißglückenden Nach- ahmen erinnert an die griechische Sage von Medea, Äson und Pelias (Röscher, Lexikon der griech. Mythologie 2, 2491. 2505), auch an den Narrenstreich eines indischen Bettelmönches, der gesehen hat, wie ein krummer Stab durch Öl und Wärme gerade gebogen wird, und seinen alten Lehrer ebenso behandelt (Bharatakadvatrinoikä bei Weber, Mtsber. der Berliner Akademie 1860, 69). Zu den beliebten Volksscherzen aber gehört die Verjüngungskur alter Weiber durch Baden in einem Jungbrunnen *), durch Umschmelzen in einem Glut- ofen, durch Abschleifen der Runzeln und Falten in besonderen Mühlen2) oder durch Aufsetzen neuer Köpfe3). In einem vor 1540 zu Zürich gedruckten Fastnachtspiel 'Wie man alte Weiber jung schmiedet' erscheint ein kunstreicher Meister, zu dem sich ein hundert- jähriges Weiblein auf einer Schiebkarre hinfahren läßt; nachdem sie in der Schmiede drei Feuer ausgestanden hat, tritt sie als ein schönes Jungfräulein heraus, zahlt freudig dem Meister seinen Lohn und sieht sich alsbald von Freiern umworben, unter denen sie den vor- nehmsten auswählt. Von ähnlichen Aufführungen hören wir aus Lübeck und Thorn (1440), Möskirch (1483), Königsberg (1542), Deventer (1544. 1555) und neuerdings aus Rußland; 1525 verfaßte der Portugiese Gil Vicente seine 'Liebesschmiede'4). Ein Augsburger *) Grimm, Myth.3 S. 554. 3, 167. Wendeler, Archiv f. Litgesch. 7, 329. Bulte, Archiv f. slav. Phil. 18, 1321. Toldo, Studi d. filol. romanza 9, 230. Dähnhardt 2, 154. 28S. Macculloch p. 93. 2) Bolte, Die Altweibermühle (Archiv f. neuere Sprachen 102,241); vgl. Hoffmann-Krayer ebd. 104, 355. Kück-Sohnrey, Feste und Spiele 1909 S. 186. Haberlandt, Österreichische Volkskunst 1911 Taf . 97. Reiser, Sagen des AUgäus 2, 46. Veckenstedts Zs. f. Volksk. 4, 32. Über Land und Meer 117, 275 (1917). Heurck, Imagerie pop. flamande 1910 p. 579. 664. Norlind, Svenska allmogens lif 1912 S. 215. Cesky Lid 18, 404. Etnograf. Zbirnyk 6, 324. 8) Bolte, Jahrbuch f. Gesch. Elsaß-Lothringens 13, 165. Archiv 102, 2423. Diederichs, Deutsches Leben der Vergangenheit 2, nr. 1098. 4) Archiv f. slav. Phil. 18, 133. Creizenach, Geschichte des neueren Dramas 3, 274. Maksimov, Necistaja, nevedomaja i krestnaja sila 1903 148. Des Herrn und des Teufels Getier. 199 Bilderbogen des 16. Jahrh., der in Böhmen und Bußland nachgeahmt ward, erzählt von einem auf der Insel Senecla befindlichen Altweiber- ofen des Vulcanus1). 148. Des Herrn und des Teufels Getier. «es.»! 1815 nr. 62 = 1819 nr. 148. Nach Hans Sachs, Der dewffel hat die gais erschaffen, hat in dewffel-augen eingeseezt (1556. Folio- ausgabe 1, 5, 499 b = 5, 143 ed. Keller = Fabeln und Schwanke ed. Goetze 1, 489 nr. 172; vgl. das Meisterlied ebd. 6, 224 nr. 984); vgl. Hamann, Die literarischen Vorlagen der KHM. 1906 S. 51. 127, der auch zwei Mißverständnisse der Vorlage nachweist. Ein uralter Grund, sagt W. Grimm, bricht allenthalben durch diese Fabel; sie gehört, wie aus Dähnhardts reichen Nachweisen in den Natursagen 1, 127 — 205 erhellt, zu der großen Gruppe dua- listischer Schöpfungssagen. Aus Eifersucht ahmt der Teufel Gottes ' Schöpfertätigkeit nach, ohne sie erreichen zu können ; er bildet einen Wolf, eine Ziege, ein Pferd, vermag sie aber erst durch den Namen Gottes zu beleben ; statt des Menschen erschafft er einen Affen, statt der Biene die Wespe, statt der Nuß die Eichel; oder er wird bei solchem Wettstreite geradezu geprellt. In einer Fassung aus Tirol bei Alpenburg, Mythen S. 254 schafft der Teufel die Gemsen, reißt ihnen aber dann die langen Schwänze ab. Aus Trier: Görres, Wallfahrt nach Trier 1845 S. 199. Merkens 2, 38 nr. 35. Aus Westpreußen: Preuß S. 7 'Die Erschaffung der Ziege'. Lemke 2, 13 nr. 22. Bulgarisch: Dragomanov, Rozvidky 3, 131. Cechisch: C. Lid 3, 30. Polnisch: Knoop, Sagen der Prov. Posen 1913 S. 159 nr. 244 und Volkstl. aus der Tierwelt S. 59. Swie>k S. 582. Russisch: Jastrebov, Materialy S. 13 = Dähnhardt 1, 181. Etnogr. Zbirnyk 12, 27 nr. 26 = Zytje i Slowo 2, 185 nr. 13. Bulasev S. 406., Cubinskij, Trudy 1, 49 = Romanov 4, 168 nr. 22 = Sadovnikov S. 251 nr. 82 — Etnogr. Obozrenie 6, 140. Wot- jakisch: Veselovskij, Razyskanija 11 — 17, 367. Die Wölfe als Gottes Hunde vergleichen sich den Wölfen S. 299. — In der französischen 'Farce nouvelle des femmes qni fönt refondi e leurs maris' (Viollet Leduc, Ancien theatre franeois 1, 63) bringen Jean- nette und Perrette ihie alten Männer zum Wunderschmiede. !) Bolte, Archiv f. slav. Philologie 18, 130. Cesky Lid 18, 401. Rovinskij, Russkija narodnyja kartinki 1, nr. 210. 200 148. Des Herrn und des Teufels Getier. Odins (Vidris grey) ; Grimm, My th. 3 S. 134. — In einer tirolischen Sage bei Alpenburg, Mythen S. 288 und Vonbun, Sagen Voralbergs 1889 S. 145 reißt der Teufel der Ziege ebenfalls den Schwanz aus, doch aus anderm Grunde. Wieder aus einem andern Grunde in polnischen Sagen (Wisla 1893, 385; Zbiör 7, 109 nr. 6— 7) und weißrussisch (Federowski 2,270 nr.302); vgl. Dähnhardt 1, 153. 165. Die Zeitbestimmung 'wenn das Laub abfällt', d. h. im Herbst, ist noch in der Schweiz üblich; dort heißt es 'bis zur Laub- riesete' (Stalder, Idiotikon 2, 159. Schweizerisches Idiotikon 6, 1362. 1369). Häufig wird der Teuf el mit dieser Bestimmung geprellt, da die Eiche noch immer alte Blätter behält, wenn auch schon das junge Laub hervorsproßt: oberbayrisch Zs. f. Ethnologie 20, Verh. S. 475; tirolisch bei Alpenburg, Mythen S. 391, Zingerle, Sagen2 nr. 657, Perger, Pflanzensagen S. 292 ; steirisch bei Krainz, Mythen S. 266; österreichisch bei Baumgarten, Überlieferung der Heimat 1, 130; Urquell 2, 72 = Merkens 2, 185; siebenbürgisch bei Fr. Müller, Sagen2 nr. 310; bergisch bei Schell, Sagen S. 536 = Mon- tanus, Vorzeit (1870) 1, 193; braunschweigisch Zs. f. Volksk. 24, 415; mecklenburgisch bei Bartsch 1, 521 nr. 33; Niederhöffer 4, 140 = Henne am Rhyn 1879 S. 95; Wossidlo, Volkstümliches 1, 40 nr. 63 ; Urquell 5, 88 ; brandenburgisch bei Schwartz S. 45. Dänisch: Thiele, Folkesagn 1843 1, 268. 2, 303; Skattegraveren 3, 29. Französisch: Revue des trad. pop. 7, 593 'Notre-seigneur et le diable'. 17, 317 = Sebillot, Folklore de France 3, 370. Cechisch : hsl. Sammlung Homolka nr. 19. Polnisch: Woycicki 1839 S. 105 = Klechdy 1, 149 (Grimm, Myth. 3 S. 970); Knoop, Posener Märchen (Progr. Rogasen 1909) S. 11 nr. 5 'Der Teufel und der Bauer'; Hessische Blätter f. Volkskunde 4, 29; Wisla 13, 220 nr. 269 (St. Martin und Teufel). Kleinrussisch: Etnogr. Zbirnyk 12, 68 nr. 71 = Dähnhardt 1, 183; Dragomanov, Malorus pred. nr. 45; Cubinskij 1, 104; Hrincenko 1, 40 nr. 75. Polivka, Zs. f. Volkskunde 14, 347. Lettisch: Lerchis - Puschkaitis 2, 7 nr. 4 — Dähnhardt 1, 184. Armenisch : Veckenstedts Zs. f. Vk. 2, 28. Sbornik Kavkaz. 32, 2, 82 nr. 7. — In einer weißrussischen Legende bei Dobrovoljskij 1, 240 nr. 20 bedeuten die abfallenden Blätter, welche die Mutter Gottes dem Teufel überläßt, während sie die grünen behält, die Seelen der Verworfenen; diese muß dann ihr Sohn Jesus erlösen. Über das Einsetzen anderer Augen vgl. oben 2, 552. 149. Der Hahnenbalken. 201 149. Der Hahnenbalken. isös s. 232, 1815 nr. 63 = 1819 nr. 149. Nach einem Gedicht von Friedrich Kind 'Der Hahnenbalken' (W. G. Beckers Taschenbuch zum ge- selligen Vergnügen 1812, 274 = Kind, Gedichte 2. Aufl. 1817 1, 231 'Der Balken') erzählt. Der oberste Gipfelbalken im Dachwerk heißt Hahnenbalken, weil der Hahn darauf zu sitzen pflegt; hanboum in Wolframs Parzival 194, 7; doch vgl. Grimm, DWB. 4, 2, 165. Hamann, Die literarischen Vorlagen der KHM. 1906 S. 52. Ähnlich berichtet schon Joh. Prätorius, Philosophia colus 1662 S. 59: Zu Frankenhausen machte ein Zauberer viel Ver- blendungen und Wesen, heftete eine Tafel, die mit Kalk und Röte besprützet. an eine Wand, und wer dieselbige anschauete durch ein Löchlein, der sähe Wunder und Abenteur. Nun hatte er auch einen Hahn mit einem großen und langen Schnabel übern Markt in der Luft herfliegen, darvor jedermann erschrak und sich hoch ver- wunderten. Eine Magd J) sähe den Hahn auffliegen und sprach : 'Ich sehe nicht, daß der Hahn einen Balken, sondern ein Grase-Stengelein in dem Schnabel schleifet.' Solches verdroß den Schwarzkünstler. Am folgenden Tage, wie er abermal seine Teufel-Schule exercierete, kommt die gute Magd mit einer Bürten Gras beladen auf ihren Rücken, wirft sie von sich vor allen Volke, hebet und schürzet sich auf bis an den Nabel, als wäre sie durch einen tiefen See oder Teich gangen, und ging also übern Markt. Die Leute sahen das Wunder, aber sie hatte keinen Menschen gesehen ; und also hat ihr der Zauberer gelohnet, weil sie seinen Fuhrmann, den Haushahn mit dem Baume, verspottet hatte. J) Prätorius vergißt hier zu sagen, daß die Magd eiu vier- blättriges Kleeblatt bei sich trug, obwohl er die Geschichte als An- merkung zu einem 1654 verfaßten Gedichte 'Refutatae soperstitiones aniles de tetraphyllo seu cytiso quadrifoliaceo' anführt. Vierblättriger Klee öffnet die Augen, so daß man Zauber und Hexen erkennen kann (Wuttke, Volks- aberglaube § 130. 373. Lütolf, Sagen 1862 nr. 354. Kuhn - Schwartz. Norddeutsche Sagen S. 458 nr. 432. Kamp, Folkminder S. 167. Rolland, Flore populaire 4, 146. Sebillot, Folklore de France 3, 483. Kronfeld, Der Krieg im Aberglauben 1915 S. 243). Nach französischem Volks- glauben wohnt die gleiche Kraft einem Eidechsenschwanz inne (Rolland, Faune populaire 3, 12. Sebillot, Folklore de France 3, 285). 202 149. Der Hahnenbalken. In einer mündlichen Überlieferung aus dein Paderborn i- schen (vor 1822) fehlt die Rache des Zauberers. Er hatte danach dem Hahn einen Strohhalm ans Bein gebunden, und in den Augen der Menschen schien es ein groß Stück Holz ; doch ein Mädchen, das eine Tracht Klee auf dem Kopf hatte, sah, daß es nur Stroh war; denn es lag ein doppeltes Kleeblatt unter dem Klee, wodurch es vom Zauber frei gehalten wurde. — Aus der Schweiz: Lütolf, Sagen aus den fünf Orten 1862 nr. 307c 'Vom Hahn' und nr. 175. Aus Schwaben: Baader 1851 nr. 278 'Gaukler' = Mones Anzeiger 1835, 409 nr. 28. Meier, Volkssagen 1, 251 nr. 281 'Das vierblättrige Kleeblatt'. Birlinger, Volkstümliches 1, 336 nr. 563 'Zauberer blindet'. Aus Österreich: Vernaleken, Mythen S. 312 (ohne die Rache). Baumgarten, Aus der volksmäßigen Überlieferung der Heimat 1, 140. Aus Tirol: Alpenburg, Alpensagen S. 330 nr. 349 'sFritzl'. Aus Siebenbürgen: F. Müller, Sagen 1857 nr. 31 'Der Zauberer'. Aus Nordböhmen: Endt, Sagen aus dem Erzgebirge 1909 S. 97 nr. 93 'Der starke Hahn'. Kühnau 3, 230 nr. 1590 'Der zaubernde Gaukler aus Altenbuch'. Aus dem Voigtland: Eisel, Sagenbuch 1871 nr. 396. Aus Erfurt: Kruspe, Sagen der Stadt Erfurt 1877 1, 52 (Faust); vgl. Scheibles Kloster 5, 485. Aus Lothringen: Rolland, Flore populaire 4, 147 (1903). Aus Westfalen: Kuhn 2. 255 nr. 18 'Die Gaukelei', Firmenich 1, 277 'De Augenverkaikeligge' (Gedicht). Montanus, Die Vorzeit 1870 1, 172 'Begaukeln des Auges'. Aus Hildesheim: Schambach-Müller S. 171 nr. 190 'Augen verblenden' = Seifart 2,63. Aus Oldenburg: Strackerjan2 1, 354. Aus Holstein: Müllenhoff S. 556 nr. 563 'Ogen verschoelen'. Aus Mecklenburg: F. Jacoby, Die geblendeten Leute und das behexte Mädchen zu Neubrandenburg (Gedicht. Der Zauberer will durch den Baum kriechen, lähmt das Mädchen) bei Niederhöffer 1, 126. Aus Hinterpommern: Kuhn-Schwartz S. 121 nr. 139 'Taschenspieler rächt sich' (er kriecht über eine gefällte Eiche statt unten durch). Knoop 1885 S. 86 nr. 181 'Vierblättriges Kleeblatt' (ebenso; die Rache fehlt). Dänisch: Kamp, Folkeminder nr. 365 'Firkloveret' (der Gaukler will mitten durch den Baumstamm kriechen). — Schwedisch: Wigström, Folkdiktning 1, 165 (ebenso). — Französisch:1) ') In einer bretonischen Erzählung 'Le sorcier et le crapaud' (Revne des trad. pop. 14, 557) verschlingt der Gaukler vor vielen Zuschauern Schlangen; eine Frau mit einem Kieebüudel auf den Schultern, worin eine 149. Der Hahnenbalken. 203 Rolland, Faune populaire 3, 80 und 6, 99 (ein Salamander im Gras- bündel hebt die Verblendung auf) = Fleury, Basse-Normandie p. 93. Sebillot, Traditions 2, 220. — ßu manisch: Gaster, Germania 25, 294 (der Gaukler kriecht über den Balken; der Töpfer glaubt statt seiner Töpfe Schafe zu sehen und schlägt darauf los). — Wendisch: Schulenburg, Volkssagen S. 198 'Der Zauberer und die Magd'. — Cechisch: Maly4 S. 193 = Wenzig S. 160 'Zitek der Hexenmeister' (nicht volkstümlich). Die erste der beiden Sinnestäuschungen1) berichtet auch Grimm eishausen im Wunderb arlichen Vogelnest 1672 2, Kap/ 17 (Simplicianische Schriften ed. Tittmann 2, 254): zwei in geheimen Künsten erfahrene Gesellen henken einem Hahn einen Strohhalm samt einem Zettel von Jungfernpergament mit einem Faden, den eine Jungfer an einem Samstag abends gesponnen, an den Hals, welches hernach schien, als trüg er einen großen Balken. Und schon im 13. Jahrh. erzählt Etienne de Bourbon (Anecdotes historiques 1877 nr. 233) gleiches : 'Quidam incantator sie adiurabat demones, quod ipsi imprimebant in fantasia hominum, quod videbatur eis, quod unus gallus, qui filo trahebat festucam, traheret maximam trabem cum magnis funibus et quod, cum incantator modicam ligaturam feni divi- deret per plures particulas, videretur aspicientibus, quod divideret equum suum per frusta et cum eis mitteret frusta dieta per hospicia eis reeeptis. Postea recedente illusione nil inveniebant nisi modicas ligaturas feni.' Verbreiteter ist die zweite Gaukelei. Zufolge der griechi- schen Lebensbeschreibung des Bischofs Leo von Catania (Acta Sanc- torum Febr. 3, 227 b) gab es im 8. Jahrhundert in Sicilien einen be- rühmten Zauberer Heliodorus; dieser verblendete zum bloßen Zeit- vertreib einst vorübergehende Frauen so, daß sie meinten einen Fluß vor sich zu sehen und ihre Kleider bis zum Knie emporhoben. Kröte sitzt, ruft: 'Das sind ja nur Bindfäden'; wie er ihr aber wütend die Tracht entreißt, gesteht sie: 'Wahrhaftig, es sind Schlangen.' l) Über solche scheinbare Verwandlung von Gestalten vgl. E. Salveite, Des sciences oecultes 1856 p. 212—217 und Chauvin 5, 161 zu 1001 Nacht nr. 84 (Henning 2, 81), wo ein Zauberer den geschlachteten Widder in einen menschlichen Leichnam verwandelt; ähnlich Meißner, Mitt. des oriental. Seminars zu Berlin 8, 74. Auch der Magier Simon in der Passio Petri et Pauli (Acta apostolorum apoerypha 1891 1, 146) ver- blendet Nero, daß er einen Widder an seiner Statt enthaupten läßt. Andre Sinnestäuschungen oben 2, 540 nr. 116. 204 149. Der Hahnenbalken. Chaucer (Canterbury Tales v. 14019 = The frank lin's tale 2, 454) erwähnt Zauberkünstler (tregetours), die bei Festlichkeiten plötzlich den Saal mit Wasser füllten, auf dem ein Boot schwamm, und Löwen, Blumen, Weintrauben oder ein Schloß erscheinen und im Augenblick wieder verschwinden ließen; vgl. Hans von Montevilla bei Simrock, Volksbücher 13, 113. 121; Yule, The book of Ser Marco Polo 1871 1, 342; Eichard Schmidt, Fakire und Fakirtum 1908 S. 50. 58. In der französischen Histoire de Valentin et Orson eh. 30 (Troyes 1726 p. 87) heißt es vom Zauberer Adramain : 'Adramain leva une chape par-dessus un pilier, en teile Sorte qu'il sembla ä ceux qui etoient presens que par la salle couloit une riviere fort rapide, et en icelle sembloit voir poissons en abondance. Et quand ceux du palais virent l'eau si grande, ils leverent tous leur robes, corarae s'ils eussent eu peur d'etre noyes.' Diese Stelle des 1521 von Ziely verdeutschten Romans benutzte der Interpolator der Ausgabe B des Faustbuches von 1587, um sie in das Gastmahl beim Grafen von Anhalt ein- zufügen; vgl. den Abdruck in Scheibles Kloster 2, 1022 mit der Aus- gabe von Petsch 1911 S. 90 Kap. 44a. Auch auf den berühmten Zauberer Vergil ward derselbe Streich übertragen, da man diese Rache an einer kaltherzigen Schönen anständiger fand als die im Volksbuche von Virgil erzählte (Thoms, Altenglische Sagen deutsch von Spazier 1830 1, XXIII. Comparetti-Dütschke, Virgil im Mittel- alter 1875 S. 2813). Von andern Hexenmeistern wird dies Kunst- stück bei Endt, Sagen aus dem Erzgebirge S. 42 f. 52. 55. 158, bei Maurer, Isländische Volkssagen S. 163 (Sera Eirikr) und Gaster, Germania 25, 294 (rumänisch) erzählt, von der schwedischen Wahl- frau (skogssnufva) bei Nicolovius, Folklifwet i Skytts Härad 1847 S. 101 = Mannhardt, Wald- und Feldkulte 1, 129. ») 1382 ward zu Neapel, wie Jean Froissart, Chroniques 9, 470 ed. Kervyn de Letten- hove berichtet, ein Zauberer enthauptet, der durch ein solches Blend- werk die Königin Johanna von Neapel und den Herzog Otto von Braunschweig im Castel del Uovo dazu gebracht hatte, sich ihren *) Etwas andres ist es, wenn der Zaubrer eine Frau in dem Augen- blick, wo sie ihr Kleid gehoben hat, festzaubert; so bei Knoop, Sagen aus der Provinz Posen 1803 S. 20'2 der dumme Hans und in vielen Varianten der goldenen Gans (oben 2, 41): Hahn 2, 153, Vojinovic S. 100, Kolberg, Lud 19, 230, Etnogr. Zbirnyk 4, 137, Rokossowska S. 115, Dowojna Sylwestrowicz 2, 318, Kunos, Adakaie 2, 276, Ungar. Revue 8, 334. 149. Der Hahnenbalken. 205 Feinden zu ergeben: 'Car il fist la mer si haute, que il sanibloit que eile montast desus le castiel ; s'en furent si eshide eil qui ou castiel estoient, que il leur sambloit que il deuissent estre tout noyet.' Zu gleichem Zauber bietet Mephistopheles im 2. Teile von Goethes Faust v. 10713 die Undinen auf. Im französischen Epos Huon von Bordeaux vermag Auberon dem Fliehenden einen breiten Strom vorzuzaubern, durch den der Furchtlose aber trocknen Fußes hindurchschreitet (Voretzsch, Epische Studien 1, 263. 1900). Ein italienischer Gaukler bestrich einem die Schläfe mit einer Salbe und hieß ihn dann ein Geldstück von der Erde aufheben ; da taumelte der Mann, fiel hin und meinte im Wasser zu ertrinken (Matthioli Commentarii in libros Dioscoridis de medica materia 1570, Widmung Bl. 4a = Delrio, Disquisitiones magicae lib. 3, 1, 4, 5). Eine eigentümliche Wendung nimmt die arabisch-persische Sage von der Königin Balqls von Saba. Nach Bel'ämi (im 10. Jahrh. Chronique de Tabari trad. par Zotenberg 1, 437) ließ Salomo in seinem Schloß einen Kristall- boden bauen, unter dem Wasser floß, weil ihm berichtet worden war, Balqis habe Ziegenfüße ; da hob sie ihr Gewand und zeigte wohlgeformte menschliche Beine. J) In der christlichen Sibyllen- legende des 12. Jahrh. ist dann aus dem scheinbaren Wasser wirk- liches geworden, das die Königin durchwatet, weil sie sich scheut, das als Steg dienende Kreuzholz zu betreten. Nach einigen Fassungen wurden hierbei durch ein Wunder ihre Gänsefüße in menschliche verwandelt. 2J Nicht fremde Zaubermacht, sondern die eigene Verwirrung und Torheit ist es, die nach der langobardischen Sage bei Paulus Diaconus 1, c. 20 (Grimm, DS. 2 nr. 395) den auf der Flucht zu einem Flachsfelde gelangenden Herulern hier Wasser vorgaukelt, in das sie sich stürzen. Dieser Zug kehrt in Aurbachers 'Abenteuern der sieben Schwaben' (Ein Volksbüchlein 1827 1, 227. Hauffen, v) Ähnlich bei Gildemeister, Österr. Vierteljahresschrift f. kath. Theologie 12, 423 (Koran 27, 44), Hammer, Rosenöl 1, 154 und Weil, Biblische Legenden der Muselmänner 1845 S. 243. Die gleiche Täuschung durch einen kristallenen Fußboden erfährt Durjodhana im Mahabharata (Lassen, Indische Altertumskunde 1, 676); ein ähnlicher Palast im Prem- Sagär (Garcin de Tassy, Histoire de la litt, hindoui 1847 2, 174). Vgl. W. Hertz, Gesammelte Abhandlungen 1905 S. 421. 427. 2) W.Hertz S. 442 f. Wesselofsky, Zur Geschichte der Entwicklung der christlichen Legende, Kap. 2 (Zürn al min. nar. prosvesc. 184, 241 — 288). F. v. d. Leyen, Archiv 115, 282. Hanauer, Holy Land p. 97. 206 150. Die alte Bettelfrau. Gottschee S. 120. A. Keller, Die Schwaben in der Geschichte des Volkshumors 1907 S. 343) und unter den Teterower Stückchen (Wossidlo, Aus dem Lande F. Reuters S. 178) wieder wie in schwedi- schen und französischen Schildbürgerstreichen : Bondeson, Halländska sagor nr. 33 'Dai sy Smaulänningana'; Carnoy, C. francais p. 307 'Les six compagnons' = Romania 8, 252; Sebillot, Litt, orale de la Haute- ßretagne p. 253 'Les Jaguens ä l'auberge' ; Sebillot, C. pop. De la Haute-Bretagne 1, 243 und Joy. hist. p. 18. 48. 55; Revue des trad. pop. 12, 491. Doch auch bulgarisch: Sbornik min. 14, 116. 16 — 17, Mater. S. 328; serbokroatisch Zhornik jslav. 11, 140 nr. 4, Danica 10 (1869), 32 nr. 3, Bos. Vila 25 (1910), 162; polnisch Wisla 6, 273. 7, 82. Lud 16, 337; kaschubisch Lorentz, Teksty S. 271 nr. 360; kleinrussisch Sumcov, Razyskanija anekd. S. 18, Etnogr. Zbirnyk 6, 239 nr. 6. 16, 446; weißrussisch Serzputovskij S. 57; lettisch Böhm S. 58 = v. Löwis 1916 S. 113. Ulanowska S. 257 nr 9; estnisch Kreutzwald 2, 102 = v. Löwis 1916 S. 133. — Die westfälischen Bauern aber springen auf dem Wege zur Frühmette in den Zitter- teich, weil sie die im Wasser flimmernden Sterne für die Lichter der Kirche halten (Kuhn 1, 103 nr. 104); ähnlich die Dutten zu Altschüffen, die den Eingang zum Himmel suchen (Kuhn 1, 283 nr. 326. Grimm, Myth. 3 S. 512), und die Affen vor dem Meeres- schaum im chinesischen Märchen (St. Julien, Les Avadänas 1, 194 nr. 54. Liebrecht, Zur Volkskunde S. 114). 1856 s. 233. 150. Die alte Bettelfrau. 1815 nr. 64 = 1819 nr. 150. Ein Bruchstück und verworren. Wird in Jung Stillings Jünglingsjahren 1778 S. 88 erzählt; vgl. Hamann, Die literarischen Vorlagen 1906 S. 31. Es scheint, sagt W. Grimm, ein altes Volksmärchen, wobei die es vortragende Amme oder Mutter den zuhörenden Kindern viel- leicht auch den Gang der krummen, gebückten Alten mit dem Stock in der wackelnden Hand vormacht. Der Schluß fehlt; vermutlich rächt sich das Bettelweib durch eine Verwünschung, wie man mehr Sagen von eintretenden pilgernden Bettlerinnen hat, die man nicht ungestraft beleidigt; s. das Bettelweib von Locarno in Heinrich 151. Die drei Faulen. 207 v. Kleists Erzählungen 1811 (Werke ed. E. Schmidt 3, 354. 438). Schon in einem Liede der Edda (oben S. 107) kehrt der in Bettlergewand verhüllte Odin unter dem Namen Grimnir in die Königshalle ein und wird von Geirrod zwischen zwei Feuer gesetzt, daß ihm die Kleider anfangen zu brennen. Zu spät merkt der König, dessen junger Sohn dem Fremden mitleidig ein Hörn zu trinken bringt, des Pilgers Göttlichkeit, will ihn aus der Flamme ziehen, fällt aber in sein eigenes Schwert. 151. Die drei Faulen. lsses. 233. 1815 nr. 65 = 1819 nr. 151. Nach Paulis Schimpf und Ernst 1522 cap. 261 (ed. Oesterley 1866). Die Gesta Pomanorum (c. 91 ed. Oesterley = c. 22 ed. Dick ; Herrtage p. 238. Madden p. 191) nennen den König Polemius und ändern die Ordnung der drei faulen Söhne, so daß der, welcher sich lieber verbrennen lassen will, der erste ist; welcher sich lieber will auf henken lassen, der zweite; der dritte aber spricht: 'Läge ich in meinem Bett und mir fielen die Dachtropfen in beide Augen, ehe ich mich auf eine Seite wendete, ehe ließ ich mir von den Tropfen die Augen ausschlagen.' Danach Holkoth, In librum sapientiae Salomonis 1586 p. 748 moralitas 47 ; Bromyard, Summa praedicantium A 8, 17 (Acidia); Pithsanus, De oculo morali 1475 cap. 8, nr. 4; Alexander ab Ales, Destructorium viciorum 1496 1. 5, cap. 2, 3. Bei Johannes Junior, Scala celi 1476 Bl. 5 b sind es fünf Erben einer Grafschaft; der erste ist zu faul, beim Essen den Mund zu schließen, da reißen ihm die Vögel das Brot fort; der zweite zieht das Bein nicht vom Feuer zurück, der dritte läßt sich die Ohren von Mäusen benagen, der vierte wird gehängt, obwohl er den Strick leicht zerschneiden könnte, dem fünften schlagen die Regen- tropfen überm Bett die Augen aus. — In Steinhöwels Aesopus (um 1480), extravag. 13 'De patre et tribus filiis' = S. 223 ed. Oesterley 1873 ist unsre Fabel mit zwei andern zusammengeschweißt: ein Vater hinterläßt seinen drei Söhnen einen Birnbaum, einen Bock und eine Mühle; den Baum sollen sie so teilen, daß keiner mehr hat als der andre ; den Bock soll erhalten, wer ihn am größten wünschen 208 151. Die drei Faulen. kann, und die Mühle, wer als der größte Lügner (nugax) erkannt wird. Bei dem Streit um den Birnbaum ist Gesta Romanorum c. 196 benutzt,1) bei dem Bocke die oben 2, 515 angeführte lateinische Dichtung, bei der Mühle der Wettkampf der drei Faulen. Der eine Bruder will jahrelang unter einer Traufe geschlafen haben, so daß die Tropfen zu dem einen Ohr hinein und zum andern herausflossen ;-) der andre würde, wenn er vierzehn Tage gefastet hätte und zu einem reichbesetzten Tisch käme, keinen Brocken essen, wenn ihm nicht zwei den Mund aufbrächen und der dritte die Speise ein- schübe; der dritte würde, wenn er bei größtem Durste im Wasser stünde, sich nicht neigen, sondern es müßte ihm ein andrer den Trunk eingießen. — Steinhöwels Erzählung formte bald darauf Hans Folz zu einem Fastnachtspiel 'von dreien brudern, die rechtent vor eim konig umb ein mul, pock und umb ein paum' (Keller, Fast- nachtspiele aus dem 15. Jh. 1, 75; vgl. Stiefel, Archiv f. neuere Sprachen 90, 1); er verbessert (1, 86, u) seine Vorlage dahin, daß die Mühle dem zufallen soll, dem nicht bloß die größte Lügerei, sondern auch Faulheit beiwohne, während H. Sachs im Meister- liede 'Die drey faulen Brüder' (1551. Fabeln ed. Goetze 5, 249 nr. 760) die Lügenhaftigkeit ganz fallen läßt. — Dagegen gehen auf die Gesta Romanorum außer Pauli noch zurück: Josefs nieder- deutsches Gedicht von den sieben Todsünden ed. Babucke 1874 S. 37, ein Meisterlied Wolf Wagners 'Die drey Sön' im Rosenton H. Sachsen (1555. Dresdener Hs. M. 195, Bl. 243 a), Eyring, Pro- verbiorum copia 2, 614 'Faulheit lont mit Armut', ein Meisterlied Ambrosius Metzgers (1626. Göttinger Cod. philol. 196, S. 421). Manderssen, Jocoseria poetica 1689 nr. 293 (Guarna, Bellum gram- maticale hsg. von Bolte 1908 S.*24). Ähnlich faßt Abraham a S. Clara, Bescheidessen 1736 S. 484 das Märchen: ein menschliches Faultier hatte drei Söhne und erklärte in seinem letzten Willen denjenigen zum Haupterben, welcher der trägste sein würde. Nach des Vaters frühem Tod wurden sie vor Gericht geladen und wegen der Faulheit ins Verhör genommen. Der erste gestand, daß, wenn sein Fuß auch auf glühenden Kohlen läge, er ihn nicht einmal Jj Vgl. über diese Erzählung und andre Erbteilungen Zachariae, Zs. f. Volkskunde 25, 821». 2) Darauf bezieht sich Fischart, der in der Flöhbatz 1577 v. 1885 (Werke 1, 57 ed. Hauffen) von einer Faulen sagt: 'Sie wendet sich nicht umb ein Hör wie der, dems Wasser troff inns Or'. 151. Die drei Faulen. 209 zurückziehen würde; der zweite erklärte, daß er auf der Leiter, welche zum Galgen führt, stehen bleiben und selbst den Strang am Halse nicht abschneiden würde, und zwar bloß darum, weil er zu trag wäre ein Messer aus der Tasche hervorzuholen ; der dritte gab vor, daß er zu träge wäre die Augen zu schließen, geschweige die Hand vorzuhalten, wenn es Nadeln regnete und er auf dem Rücken läge. Der kurtzweilige Polyhistor, Cosmopoli 1719 S. 167 'Die selbst gerühmte Faulheit' (drei Schwaben). Becker, Die drei faulen Prinzen (Berlin Mgo. 310). Im kaschubischen Märchen bei Lorentz, Teksty S. 100 nr. 147 soll der Faulste der drei Söhne das Gut erben; da bleibt der dritte Sohn im Bett liegen und will nicht einmal reden. Andre Beispiele außergewöhnlicher Trägheit, wie man sie den Schlaraffen (unten nr. 158) nachrühmt, werden aufgezählt bei A. Keller, Alte gute Schwanke 1876 nr. 24 — 25, Hans Sachs, Die drey Faulen (1550. Fabeln 5, 136 nr. 691), Wagenfeld, Bremische Volkssagen 1845 nr. 26 (Tardel, Niedersächs. Jahrbuch 1912, 1), Asmus-Knoop S. 75. Valentin Schumann (Nachtbüchlein 1559 nr. 43 = ed. Bolte 1893 S. 410) flicht in seine Prosaauflösung von H. Sachsens Spruch von Sant Peter mit dem Herrn und faulen Baurenknecht (1556. Folio 1, 5, 493 = Fabeln 1, 485 nr. 170. Meisterlied von 1547 in den Fabeln 4, 241 nr. 395)1) ein schon von Michael Be heim vor 1474 gereimtes Beispiel von den drei unterm Birn- oder Pflaumenbaum liegenden Faulen (Festschrift für Kelle 1908 1, 408) ein; der erste wünscht: 'Lieben Pflaumen, fallet mir ins Maul!', der andre: 'Wie möchtest du sie kauen!', der dritte: 'Ei, verdrießt euch nicht die Red!' Ebenso Hulsbusch, Sylva sermonum iucundissimorum 1568 p. 265 ; Bütner, 627 Historien von Claus Narren 1572 15, nr. 48 ; Ergötzliche Burger- lust 1659 1, 66 = Gerlach, Eutrapeliae 1662 1, 218 nr. 533: Drei faule Gesellen stellten mit einander eine Wette an, wer unter ihnen der faulste wäre. Der erste sprach: 'Wenn man mir das Essen auf den Tisch setzte, ich möchte nicht essen.' Der andere : 'Und wenn man mirs in den Mund steckte und kaute mirs, ich möchte es nicht hinunterschlucken.' Der dritte wollte vor Faulheit kaum den Mund auftun und sprach gleichwohl: 'Ach, wie mögt ihr reden!', und dieser *) In einem polnischen Märchen bei Chelchowski 2, 126 nr. 81 gibt Jesus ebenfalls dem Faulen unterm Birnbaum ein fleißiges Mädchen zur Frau; wie der Hungrige aufsteht, läßt Jesus ein Brot fallen, dem jener eine halbe Meile weit nachläuft, bis das rollende Brot liegen bleibt. Grimm, Märchen- Anmerkungen III. 14 210 151. Die drei Faulen. behielt, wie billig, das Gewett. Dasselbe erzählt Abraham a S. Clara, Judas der Ertzschelm 1, 375 (1752), nur daß der zweite spricht: 'Wenn man mir auch die Speisen mit Gewalt in den Mund steckte, so würde ich sie doch nicht hinunterschlucken." *Vorrath artlicher Ergötzlichkeiten 1702 S. 67. *Lyrum larum lyrissimum o. J. nr. 314. — Mündlich hörten die Brüder Grimm vor 1822 : Drei faule Mädchen sitzen unter einem Nußbaum; das erste spricht: 'Wenn auch alle die reifen Nüsse herabfielen, ich möchte kein Reis schütteln'; das zweite: 'Wenn sie auch da lägen, wer wollte sie aufklauben !' ; das dritte : 'Ach wer mag davon reden!' — Ein Preis wird ausgesetzt in der Erzählung bei Bütner-Steinhart, Epitome historiarum 1596 Bl. 73a nr. 110, die Zanach (Didacus Apoliphtes), Historische Erquickstunden 4, 1, 414 und Blanckardus, Neuer historischer Lustgarten 1701 S. 87 nr. 27 wiederholen: ein Kaufmann, der von Frankfurt nach Leipzig reitet, wird vor dem Tor von vier Bettlern angesprochen und ver- heißt dem Faulsten einen Nürnbergischen Gulden. Da will der erste keinen Finger darum regen, der zweite seinen Beutel nicht auf- machen, der dritte (wie in den Gesta Romanorum), wenns auch regnet und schneit, seine Augen nicht zumachen, der vierte will seine Füße eher abbrennen und sich aufhängen lassen, als daß er sich rührte. Im hannoverschen Schwank von den vier Tagedieben bei Colshorn nr. 83 rühmen sich die Bettler ihrer Faulheit, weil der vorüber- reitende Kaufmann dem Faulsten einen Taler versprochen hat ; als er aber, um sie auf die Probe zu stellen, weiter reitet, rennen sie ihm nach und strafen sich so selber Lügen. Anderwärts bleibt der dritte Faule liegen und bittet den Herrn, ihm das Geldstück in die Tasche zu stecken; Bütner-Steinhart, Epitome hist. 1596 Bl. 73a nr. 111 = Zanach, Historische Erquickstunden 4, 1, 416; niederrheinisch bei Schell, Bergischer Volkshumor S. 106 'Preis der Faulheit', luxem- burgisch bei Firmenich 1, 541 'Wie wor de Faulsten', kölnisch bei Mertens, Was sich das Volk erzählt 2, 96 nr. 119, mecklenburgisch bei Dähnhardt, Schwanke nr. 78 'Wecker is de fuulst', A. Böttger bei Hub, Komische Dichtung 3, 564. — Vlämisch: De Mont en de Cock, Vertelsels p. 238 ' De drie luiaards' (wie Grimm). Joos 2, 161 nr. 51 'Van twee luieriken' (der Herr soll ihm das Geld in die Tasche stecken) ; 2, 162 nr. 52 'Van drij luieriken' (unterm Feigenbaum). — Schwedisch: Allardt nr. 202 'Latin' (Geld in die Tasche). — Norwegisch: Aasen, Prover 1899 p. 94 'Ein Stor-Leting' = Beauvois p. 137 (Taler in die Tasche). — Französisch: Sebillot, 151. Die drei Faulen. 211 C. de la Haute-Bretagne 1, 59 'Les quatre fils du meunier' (vgl. oben S. 48). Monseur p. 46 'Les trois paresseus' (unterm Pflaumen- baum). — Italienisch: Straparola 8, nr. 1 = Rumohr, Sammlung für Kunst und Historie 2, 171 (1823), vgl. Rua, Giornale storico della lett. ital. 16, 257; da der von drei Wandrern gefundene Ring dem Faulsten zufallen soll, erzählt der eine, wie er eine gestohlene Feige in den Mund gesteckt und schweigend geduldet hat, daß ihm das vermeintliche Geschwür aufgeschnitten wurde; der andre hat unter der Traufe liegend ein Auge eingebüßt, der dritte mit seiner Frau gewettet, wer von ihnen nachts zuerst spreche, müsse die Tür zu- machen (vgl. R. Köhler 2, 576. Volkskunde 16, 203. 239. Zs. f. Volksk. 16, 1362. Wesselski, Nasreddin 1, 263 nr. 237). *Garzoni, La sinagoga de gl'ignoranti 1605 p. 70 (Filarco). Pitre, Fiabe sie. 3, 126 nr. 145 'Li tri minchiuna di Palermu' (die Streiche des ersten und zweiten Gesellen wie bei Straparola). Archivio21,360. Giamb.Basile 1,12. — Spanisch: Bei Juan Ruiz Arcipreste de Hita, copla 431 (Bibl. de autores esp. 57, 240. 1864) fragt ein Mädchen zwei Freier, wer von ihnen der faulste sei ; der eine erzählt, daß er hinke und heiser sei, weil er auf der Treppe den Fuß nicht ausgestreckt und trotz großen Durstes beim Schwimmen den Mund nicht aufgemacht habe ; der andre hat ein Auge verloren, weil er nachts unter der Traufe sich nicht rührte. — Serbokroatisch: Vrcevic, Narodne basne p. 95 = Krauß 2, 183 nr. 90 'Die zwei Faulenzer' (unterm Birn- baum). — Zigeunerisch: Wlislocki, Volksdichtungen 1890 S. 309 'Die beiden faulen Brüder' (unterm Nußbaum). — Finnisch: Suomi 2, 16, 225. 3, 20, 286. Aarnes Register nr. 1950 'Die drei Faulen'. — Ein türkisches Märchen hörte Moriz Hartmann in Konstanti- nopel erzählen (Kölnische Zeitung 1854, nr. 175): Einem Mann war die Arbeit so zuwider geworden, daß er sich am Ende nicht mehr entschließen konnte, den Arm in die Höhe zu heben. Er lag in der Straße, ließ die Sonne auf sich scheinen und hungerte. Da er arm war, auch keinen Sklaven hatte, der ihm einen Bissen in den Mund steckte, so sah er ein, daß er vor Hunger elendiglich sterben müßte ; doch zog er den Tod der Arbeit vor. Durch die Gasse, in der er lag, kam täglich der Henker, wenn er zum Richtplatz ging. Mehr- mals wollte er ihn anreden, aber auch dazu war er zu träge; endlich nahm er sich zusammen und sprach: 'Lieber Henker, ich will nicht arbeiten und lieber sterben ; nimm mich mit auf den Richtplatz und richte mich hin!' Der Henker erbarmte sich sein und nahm ihn mit. U* 212 151. Die drei Faulen. Als sie an das Tor kamen, trafen sie den Kapudan Pascha. 'Henker, was hat dieser Mann getan, den du da zum Richtplatz führst?' fragte dieser. 'Nichts hat er getan,' antwortete der Henker, 'aber er ist zu träge zum Arbeiten, und weil er Hungers sterben müßte, so hat er mich gebeten, ihn hinauszuführen und hinzurichten. Ich will es ihm zu Gefallen tun, da ich seine Familie kenne.' 'Laß ihn los,' sprach der Kapudan Pascha, 'ich habe daheim ein großes Magazin von Zwie- back ; da setze ihn hinein, er kann essen, soviel er will.' Der Träge fragte: 'Ja, aber ist auch der Zwieback schon geweicht?' 'Nein,' antwortete der Pascha. 'Also gehen wir unseres Weges,' sagte der Träge zu dem Henker. Unvollständig ist die letzte Erzählung in Dschelaleddin Rumis Mesnewi 6, 550 nr. 100 (Wiener SB. 7, 831), wo wie in den Gesta Romanorum ein Mann sein Vermögen dem Lässigsten unter seinen drei Söhnen vermacht. Ein Sanskritwerk des 14. Jahrh., die Purushaparishä des Vidyäpatikavi (B. 1, c. 8. Berichte der k. sächs. Ges. d. Wiss. phil.-hist. Ol. 9, 33. 1857) leitet die Prüfung der vier Trägen auf neue Weise ein; der Minister läßt die Halle der Almosenempfänger anzünden, um die Gauner und die Hilfsbedürftigen zu unterscheiden ; da laufen die Gauner davon, der erste Faule aber ruft nur: 'Was ist das für ein Lärm?' der zweite: 'Ich glaube, es brennt', der dritte: 'Und niemand deckt uns mit nassen Tüchern zu', der vierte: 'Seid doch still, ihr Schwätzer!' In einem tamulischen Schwanke (Schlegels Indische Bibliothek 2, 265. 1827 = A. W. Schlegel, Werke 3, 81. 1846 = Dubois, Pantcha-tantra 1826 p. 351, vgl. Clouston 2, 33) streiten vier Brah- manen, welcher von ihnen der törichteste sei, weil diesem der Gruß des ihnen begegnenden Kriegers gegolten hat *) ; und der dritte erzählt dieselbe Schweigwette mit seiner Frau, die bei Straparola als Beweis der Faulheit angeführt wird. Als einen Beweis von Torheit berichtet auch ein chinesischer Schwank bei St. Julien, Avadänas 2, 68 nr. 94 'Le mari entre deux femmes', daß ein Mann, der zwischen seinen zwei Frauen schläft, nachts nicht aufsteht, als ihm durch ein *) Der Streit um einen Gruß begegnet auch in den oben S. 211 angeführten italienischen Schwänken des Archivio 21, 360 und des Giamb. Basile 1, 12; ferner Revue des trad. pop. 21, 441 nr. 723 (arabisch), Thor- burn, Bannü 1876 p. 196. 203; Schott S. 285 nr. 38 und Zs. f. Volksk. 9, 85 nr. 4 (rumänisch), Haltrich, Zur Volkskunde der Siebenbürger Sachsen 1885 S. 116 nr. 16. 151 a. Die zwölf faulen Knechte. 213 Loch im Dach Regen in die Augen fällt. Liebrecht, Zur Volkskunde S. 119 verweist dazu (neben den falschen Zitaten D'Ouville, Contes 2, 117 und Journal asiat. 1. Serie 6, 238) auf den griechischen Philogelos des Hierokles nr. 213 (ed. Eberhard 1869): als ein Fauler seinem Schuldner begegnet und den ihm geliehenen Denar zurück- verlangt, fordert ihn der ebenso träge Schuldner auf, sein Schnupf- tuch aufzubinden und sich das Geld herauszunehmen. 'Nein,' sagt der andre, 'dann erlasse ich dir die Schuld.' Einen andern Fall von dem faulen Heinz (vgl. oben 1, 321; unten nr. 164) erzählt Fischart 1582 im Gargantua c. 6 = 1891 S. 117: 'Eben wie jener Knecht, da man in frü weckt, die Vögelcken pipen schon inn die Eörcken. 0, lat pipen, sagt er, lat pipen, die Vögelcken hefen kleine Häuptcken, hefen bald utgeschlapen, aber sein Häubtchen sey gar grot, thu im mehr Schlapen noht.' Ebenso im Oberuferer Weihnachtspiel v. 385 (Schröer, Deutsche Weih- nachtspiele aus Ungern 1858 S. 82); Schlossar, Volkslieder aus Steiermark S. 44; Neue preuß. Provinzialblätter, andre Folge 7, 346 (1855); Frischbier, Volksreime nr. 915; Zs. f. den dt. Unterricht 7, 272. 8, 408. 595. 9, 146. Zs. f. Volkskunde 25, 4001. 151 a. Die zwölf faulen Knechte. 1857 eingefügt; nach Kellers Fastnachtspielen des 15. Jahr- hunderts 2, 562 — 566 (1853) 'Spil von den zwelf pfaffenknechten'. — Teilweise stimmt dazu der vielleicht von Hans Rosenplüt herrührende Spruch 'Von den zwelff fauln pfaffenknecht' (Ich kam zu einem külen prunnen. 143 Verse) in der Hs. 5339 a des Germanischen Museums BL 320b, welcher um 1550 von Hans Betz zu Nürnberg als 'Die faul schelmzunft der zwelf pfaffenknecht' (Eins maks an eim külen prunnen. 190 Verse) und außerdem von einem Anonymus in dem Münchner Cod. germ. 379, BL 151b (Ich gieng zu. einem külen prunnen. Nur sieben Pfaffe nknechte) überarbeitet ward ; vgl. Wagner, Wendeler und Steinmeyer in Wagners Archiv f. d. Geschichte deutscher Sprache 1, 71. 436. 440 (1874). 1856 S. 235. 214 152. Das Hirtenbüblein. läse & 236. 152. Das Hirtenbüblein. 1819 nr. 152. Aus Bayern. — Aus der Grimmschen Erzählung ist die vlämische bei Joos 3, 67 'Van nen herdersknaap', die schwedische bei Aberg nr. 262 'Den kloka vallpoitjin' und die serbische bei Kiea 8, 2 nr. 1 'Der weise Hirtenknabe' abgeleitet. Ein ähnliches Schweizer Märchen erwähnt Götzinger, Deutsche Dichter5 1, 343: Der König fragt einen Bauern 1. Wie hoch ist der Himmel (einen Steinwurf), 2. Wo ist die Mitte der Erde (hier), 3. Was denk ich (Ihr denkt, ich werde Eure Gedanken nicht erraten). In Aurbachers Büchlein für die Jugend 1834 S. 91 fragt der Bischof das Hirtenbüblein: 1. Wieviel Sterne sind am Himmel, 2. wieviel Tropfen im Meer, 3. wieviel Blätter an allen Bäumen? Diese Weisheitsprobe durch drei schwierige Fragen, die ein Knabe überraschend zu lösen weiß, *) gleicht den Proben der klugen Bauerntochter (oben 2, 357): bisweilen ist sogar die Aufgabe, nicht nackt und nicht bekleidet zum Könige zu kommen (2, 363), von dorther in unser Märchen eingedrungen, z. B. in die schwäbische Fassung 'Hans ohne Sorgen' (Meier nr. 28), die bayrische 'Der kluge Müller' (Spiegel nr. 22), die friesische 'Hans zonder sorgen' (Dykstra 2, 68), eine unten zu erwähnende heanzische, mecklenburgische und mehrere französische Varianten.2) Ähnlich fragt schon in dem mhd. Gedicht Strickers vom Pfaffen Amis (Lambel, Erzählungen und Schwanke 1872 S. 22 v. 98 — 180) der Bischof den lebenslustigen Untergebenen 1. Wieviel ist des Meeres? 'Ein Fuder'. Wer beweist Euch das? 'Heißt alle Wasser erst stillstehn, die ins Meer fließen, so will ichs messen und Euch zeigen'. 2. Wieviel Tage sind seit Adam verflossen ? 'Sieben; sind die zu Ende, so heben sie wieder an, und das wird fortgehen, solange die Welt steht'. 3. Wo ist die Mitte der Erde? J) Vgl. R. Schevill, Some forms of the riddle question and the exercise of the wits in populär fiction and formal literature (University of California publications in modern philology 2, 183—238. 1911). Eine Monographie über unser Märchen bereitet Dr. W. Anderson in Kasan vor. 2) Umgekehrt entlebnt eine irische Fassung der klugen Bauern- tochter (Larminie p. 174; oben 2, 350) mebrere Fragen aus unserm Märchen, eine siebenbürgische (Haltrich4 nr. 46; oben 2, 349) die heraus- fordernde Insebrift 'Wir leben ohne Sorgen'. Zur letzteren vgl. auch Wossidlo 1, 242 nr. 989. 152. Das Hirtenbüblein. 215 'Wo meine Kirche steht; laßt Eure Knechte mit einem Seil nach- messen, und reicht es an einem Ende halmesbreit vor, will ich die Kirche verloren haben.' 4. Wie weit ist von der Erde zum Himmel? 'So weit ist vom Himmel zur Erde, daß ein Mann gar wohl hinaufrufen könnte; steigt hinauf, und wenn Ihr nicht meinen Ruf hört, so kommt wieder herab und nehmt meine Kirche zurück !' 5. Wie breit ist der Himmel? 'Tausend Klafter und tausend Ellen; denn nehmt Ihr Sonne und Mond ab und was der Himmel an Sternen hat, und rückt ihn dann überall zusammen, so wird er nicht breiter sein.' — Im Eulenspiegel (1515 Kap. 28), dessen Verfasser sich im Vorworte ausdrücklich auf den Pfaffen Amis beruft, kommen dieselben fünf Fragen und Antworten vor; jene werden ihm von dem Rektor der Universität Prag vorgelegt. Aus dem Eulenspiegel wiederum schöpfte der unbekannte Verfasser des 2. Teiles des spanischen Romans 'Lazarillo de Tormes' (1555 Kap. 18 = Aribau, Novelistas auteriores a Cervantes 1846 p. 108) seine Schilderung des Examens Lazaros auf der Universität Salamanca. — Bei B. Fernandez de Velasco, Deleyte de la discrecion y facil escuela de la agudeza 1743 p. 22 errät ein Pfarrer drei Gedanken Philipps II., der auf der Jagd bei ihm eingekehrt ist. — In der englischen Übersetzung der Gesta Romanorum (c. 19 ed. Madden 1858 p. 55 = ed. Swan 1905 p. XL nr. 90. Grässe, Gesta Rom. 1842 2, 230) fragt der Kaiser Andronicus einen bei ihm verdächtigten Ritter 1. Wie weit ists vom Himmel zur Hölle? (einen Seufzer), 2. wie tief das Meer? (einen Steinwurf), 3. wieviel Flaschen Salzwasser sind darin? (sag erst, wieviel Flaschen Süßwasser). — Slowakisch: Czambel S. 331 nr. 167 (ein Slowake soll den Herren in Pest sagen, wie hoch der Himmel und wo der Mittelpunkt der Erde ist; er fragt sie, wie sein nach Amerika gewanderter Kamerad heißt). — Slowinzisch aus Pommern: Lorentz, Teksty pomorskie S. 102 nr. 149 und S. 251 nr. 337 (der weise Schäfer sagt dem Könige, wie tief das Meer, wo die Mitte der Erde und wie hoch der Himmel ist, oder wieviel Tage seit der Erschaffung der Welt verflossen sind). — Kleinrussisch aus Galizien: Etnogr. Zbirnyk 8, 119 nr. 65 (der verklagte Diener beantwortet drei Fragen des Königs: Sterne, Mittelpunkt, Wert des Königs). — In einem großrussischen Märchen bei Afanasjev 3 2, 282 nr. 187 sucht ein Invalide den Zaren auf, beantwortet seine Fragen, wie hoch der Himmel, wie breit die Erde und wie tief das Meer, und wird dadurch belohnt, daß der Zar dieselben Fragen seinen 216 152. Das Hirtenbiiblein. Hofleuten vorlegt, die sich nun für gutes Geld bei dem Soldaten Rat holen. Ähnlich aus dem Gouv. Samara bei Sadovnikov S. 116 nr. 25, kleinrussisch im Etnogr. Obozr. 31, 4—8 (1896 nr. 4) und imeretinisch im Sbornik Kavkaz. 33, 3, 10 nr. 3. — Die Armenier in Siebenbürgen erzählen von einem Sultan, der einem christlichen Einsiedler die Fragen vorlegt 1. Wie weit ists zum Himmel? (eine Tagereise, denn der gekreuzigte Jesus sprach zum Schacher: Heut noch wirst du im Himmel sein), 2. Wie hoch schätzest du mich? (29 Silberlinge), 3. Welches ist die beste Religion? (sag vorher, welches deiner beiden Augen dir lieber ist). Wlislocki, M. der Armenier S. 83 nr. SO = Zs. f. vgl. Litgesch. 4, 106. Vielleicht aber gehen diese Erzählungen auf eine etwas künstlichere Urgestalt zurück, die. uns aus Bürgers Ballade 'Der Kaiser und der Abt' geläufig ist und wohl aus dem Orient herstammt. Hier ist der von einem strengen Herrscher Befragte (A) nicht imstande, die vorgelegten Fragen zu beantworten, sondern wendet sich an einen klugen Mann niedrigen Standes, der mit seinen Kleidern angetan dem Könige die verlangte Auskunft erteilt (B) und dafür das Amt des Befragten erhält (C x) oder gar den ungerechten Herrscher selber absetzt (C2). Die älteste Form überliefert uns der arabische Historiker Ibn 'Abd el-Hakem (f 871), der in seiner 'Eroberung Ägyptens' das Ende des Königs Bauiah, des biblischen Pharao Necho, nach einheimischer Tradition berichtet. a) Bauiah, der seinen Wesieren ihren Lohn nicht gönnte, legte ihnen drei Fragen vor, die sie bei Todesstrafe in Monatsfrist beantworten sollten: 1. Wieviel Sterne stehn am Himmel, 2. wieviel Tagelohn erhält die Sonne, 3. was tut Gott an jedem Tage? Traurig gingen die Wesiere alle Tage vor die Stadt Memphis und berieten sich. Ein Töpfer, der dort seinen Ofen hatte, erbot sich, die Fragen an ihrer Stelle zu beantworten, wenn sie ihm gute Kleider und ein Reittier gäben und unterdes seinen Ofen besorgten. Er suchte den Sohn des früheren, in Unglück geratenen Königs auf und verhieß ihm den Thron seines Vaters ; dann trat er vor den König und zeigte ihm einen Sack voll Sand: 'Dies ist die Zahl der Sterne; laß einen nachzählen, und du wirst finden, daß ich recht habe. Die Sonne aber erhält gleich 1) Torrey, The egyptian protot3Tpe of 'King John and the abbot' (Journal of the American oriental society 20, 209—216. 1899); über den Autor vgl. Brockelmann, Gesch. der arab. Literatur 1, 148. 2, 692. 152. Das Hirtenbüblein. 217 jedem Tagelöhner für ihre tägliche Arbeit einen Qlrät.' Die Antwort auf die dritte Frage verschob er auf den nächsten Tag; da forderte er den König auf, mit ihm vor die Stadt zu reiten, und zeigte ihm seinen Töpferofen und den für ihn arbeitenden Wesier: 'Siehe, das tut Gott alle Tage, er erniedrigt und erhöht die Menschen und endet ihr Leben. Der Wesier arbeitet an meinem Ofen, ich der Töpfer trage Hofkleider und reite auf königlichem Roß, und dir hat jetzt der Prinz die Tore von Memphis verschlossen.' Voller Hast kehrte der König zur Stadt zurück, aber das Volk setzte ihn ab, da verlor er den Verstand und saß fortan blöde faselnd am Stadttore. Die Grausamkeit des Königs und seine Strafe wird in einer neueren indischen Erzählung aus Ceylon bei Parker 1,50 nr. 18 'The three questions' noch gesteigert. Der König legt die drei Fragen, die er von einem Fremden gehört hat, seinen Statthaltern vor und läßt sie enthaupten, als sie keinen Bescheid geben können, ebenso seine Minister. Sein geistlicher Rat, an den er sich darauf wendet, erbittet einen Tag Aufschub und kehrt mit seinem Ziegen- hirten zurück. Dieser erwidert auf die 1. Frage nach dem Mittel- punkte des Landes: 'Hier', indem er seinen Stab in die Erde stößt; auf die Frage nach der Zahl der Sterne: 'Zähle die Haare dieses Ziegenfelles' ; für die Beantwortung der dritten, was der König der Dewas tue, läßt er sich des Königs Kleider, Krone und Schwert anlegen, setzt sich auf den Thron und gebietet, dem Könige das Haupt abzuschlagen: 'Solche Vergeltung übt der König der Dewas.' Die unerwartete Entthronung des gewalttätigen Herrschers durch den klugen Jüngling, mit dem er im Scherz Kleid und Sitz getauscht hat,1) wird in der singalesischen Chronik Mahävansa 1, c. 35 vom König Yasalälaka-Tisse und seinem Läufer Subha be- richtet und mag auf ältere Vorbilder zurückgehen. Sie erinnert an die Überlistung des Königs Vikramäditya durch einen Zauberer und die Demütigung des stolzen Salomo und des Kaisers Jovinianus durch einen seine Gestalt annehmenden Engel.2) Etwas abge- x) Der weise Heikar will auf die Frage Pharaos, wem sein Herr Sancharib gleiche, nur antworten, wenn der König vom Thron aufstehe (1001 Nacht 22, 27 Henning. Chauvin 6, 36). 2) Vgl. Varnhagen, Ein indisches Märchen auf seiner Wanderung durch die asiatischen und europäischen Literaturen (1882) und Long- fellows Tales of a wayside inn und ihre Quellen 1884 S. 18— G0; auch Wetzel, Reise der Söhne Giaffers 1895 S. 208 und Chauvin 5, 286.. 218 152. Das Hirtenbüblein. schwächt ist sie in einer neueren arabischen Erzählung aus Mesopotamien1) und in einem lateinischen Predigtmärlein des 13. Jahrh., das bei Etienne de Bourbon (Anecdotes historiques ed. Lecoy de la Marche 1877 nr. 86), Vincentius Bellovacensis (Spe- culum morale 1, 4, 10 'De effectibus misericordie') und Martinus Polonus (Promptuarium exemplorum c. 9, 4; hinter seinen Sermones, Argentorati 1484) gleichlautend erzählt wird. Ein reicher und weiser Mann soll dem Könige, der einen Anlaß Geld zu erpressen sucht, sagen, wo der Mittelpunkt der Erde sei, wieviel Maß das Meer enthalte und wie groß Gottes Barmherzigkeit sei. Auf den Bat des Philosophen Elendentrost (Auxilium misero)2) stößt er am bestimmten Tage seinen Stock in die Erde : 'Hier ist der Mittel- punkt; beweise das Gegenteil!' Dann verlangt er, daß der König alle Flüsse verstopfe, bis er das Meer gemessen habe, und fordert, daß der König ihm für die dritte Antwort seinen Ornat und Thron überlasse; als dies geschehen, ruft er: 'Seht, wie groß ist Gottes Barmherzigkeit, der mich aus dem Kerker auf den Königsstuhl er- hoben hat!' In der christlichen Parabel wird also der Glückswechsel zwischen dem Frager und Befragten, den die angeführte arabische und indische Erzählung, doch auch andre christliche und jüdische Überlieferungen3) als die stete Beschäftigung des "Weltenlenkers J) Meißner, Iraq nr. 48 (Beiträge zur Assyriologie 5, 89). Der Jüngling, der statt des gefragten Mannes zum Kalifeu geht, gibt auf die Fragen nach der Mitte der Erde und der Zahl der Sterne dieselben Ant- worten wie der Singalese oder Nasreddin, drittens zeigt er den Unter- schied zwischen Hoch und Niedrig, indem er auf dem Königsthrone zu sitzen begehrt; er wird darauf des Kalifen Schwiegersohn und heiratet auch die Tochter des geretteten Mannes ; das war ihm durch einen Traum von zwei Granatäpfeln vorher angedeutet worden. 2) Dieser geheimnisvolle Nothelfer, der nicht selber vor den König tritt, führt in der katalanischen Fassung den Namen Seneca. 3) Als bei einem Besuche König Karls IH. in St. Gallen ein Ritter den berühmten Notker fragt, was wohl jetzt Gott im Himmel mache, er- widert dieser: 'Er tut, was er immer getan und was er dir auch gleich tun wird; er erhebt die Niedrigen und erniedrigt die Hohen'. Und am selben Tage stürzt der Spötter vom Pferde und bricht ein Bein (Ekke- hard IV., Casus S. Galli. MGScr. 2, 96, 48). Dazu verweist Gaster, Germ. 25, 288 nr. 4 auf den Midrasch Bereschit Rabba § 68, 4, wo eine Antwort des Rabbi Jose ben Chalaphta auf dieselbe Frage erwähnt wird: 'Gott baut Leitern ; manche steigen hinauf, manche hinab; er macht Arme zu Reichen und Reiche zu Armen, er erhöht und erniedrigt.' 152. Das Hirtenbüblein. 219 bezeichnen, als Gottes Barmherzigkeit aufgefaßt. Mehrfach aber tritt an Stelle der dritten Frage nach Gottes Beschäftigung eine neue, welche zu einer ähnlichen Demütigung des Herrschers führt. In der Scala celi des südfranzösischen Dominikaners Johannes Gobii Junior (Ulm 1480 Bl. 158 b cap. de principibus) fragt ein König seine Lehnsleute, wie hoch sie ihn schätzen ; als die andern zögern, ergreift der Ärmste unter ihnen das Wort: 'Da Christus, Euer Herr, um dreißig Silberlinge verkauft ward, behaupte ich, daß Ihr nur neunundzwanzig wert seid.' — In der ungedruckten kata- lanischen Chronik 'Flos mundi' c. 125 (Ms. esp. 46 der Pariser Nationalbibliothek. A. Graf, Borna del medio evo 2, 586. 1883) sollen drei Bitter dem Kaiser Nero sagen, 1. was Gott im Himmel mache, 2. wieviel Tagereisen die Sonne täglich zurücklege, 3. was er wert sei; den Batlosen hilft der Philosoph Seneca. — Bei dem 1400 verstorbenen italienischen Novellisten Sacchetti (Nov. 4 = Keller, Ital. Novellenschatz 1, 52; vgl. Francia, F. Sacchetti 1902 p. 112) fragt der mailändische Gewaltherrscher Bernabö Visconti (f 1385) einen Abt 1. Wie weit ists zum Himmel, 2. Wieviel Wasser ist im Meer, 3. was geschieht in der Hölle, 4. was bin ich wert? Doch fügt der Verfasser hinzu, daß nach andern diese Geschichte einem Papste begegnet sei, der an einen Abt die 1., 2. und 4. Frage richtete und dazu eine weitere nach seinem merkwürdigsten Er- lebnis. Der Müller, der im ersten Falle als Helfer auftritt, nennt zwei beliebige hohe Zahlen, meint, in der Hölle werde ebenso ge- köpft, gehängt und gezwickt wie auf Erden, und schätzt den Fürsten auf 29 Silberlinge ; im zweiten Falle antwortet ein Gärtner des Abtes: 1. dreißig Schrei hoch, 2. verstopfet zuerst die Ströme, 4. 28 Silberlinge, 5. daß ich aus einem Gärtner ein Abt wurde. — In der altrussischen Geschichte vom Kaufmann Dimitrij Basarga sollen die Kaufleute drei Bätsei des heidnischen Kaisers Nesmejan Gorde- jevic lösen oder seinen Glauben annehmen Basargas siebenjähriger Sohn Borzosmysl antwortet darauf: 1. Von Osten nach Westen sind 24 Stunden, 2. bei Tage schwindet der zehnte Teil der Erde, weil die Sonnenhitze das Wasser auftrocknet; nachts aber wächst durch den Tau das Verlorene wieder, 3. die Erde ist viel tiefer als der Himmel, denn der Leib Christ ist drei Ellen tief eingegraben, und noch können wir ihn nicht erwarten. Vgl. A. Wesselofsky, Izvestija russ. Sprache u. Lit. 9, 2, 63; V. Sipovskij, Busskija Povesti 17. — 19. cv. 1, 297; A. Markov, Etnogr. Obozr. 62, 1 (1904 nr. 3), der einen 220 152. Das Hirtenbübleia. Zusammenhang mit dem großrussischen Liede vom Fürsten Gleb Volodevic nachweist. Schon vor Sacchetti hatte das Predigtmärlein in Deutschland einen schwankhaften Charakter erhalten. Um 1340 hat der Augs- burger Konrad Derrer folgende Erzählung in lateinischer Sprache aufgezeichnet,1) in welcher wiederum ein Schäfer für den Abt ant- wortet und zum Lohn sein Amt erhält, die Fragen aber dem deutschen Volkswitz entstammen : Ein reicher Edelmann erbaute ein Kloster. Als er darauf in Not ge- riet, sagten seine Kate, er solle dem Abt einige Fragen vorlegen und wenn er sie nicht löse, wegen seiner Unwissenheit von ibm eine große Summe fordern. Da fragte der Herr den Abt: 'Welche sechs Dinge sind nichts wert, welches sind die drei besten Steine und welches die drei schlechtesten, welche vier Dinge kann man nicht halten, wie weit sind Glück und Unglück von einander entfernt?' Weil aber der Abt keine Antwort wußte, rief er seinen Schäfer und setzte ihn an seine Statt. Als nun der Edelmann kam, saß der Schäfer in der Kutte auf dem Stuhl des Abtes und sprach: 'Die sechs Dinge, die nichts taugen, sind Salz säen und Kieselsteine mähen, aus leerem Becher trinken und einem Blinden winken2), bei Tische Mangel tragen und in der Mühle Harfe schlagen.' Weiter antwortet er: 'Die drei besten Steine sind der Altar, der Wetzstein und der Mühlstein3), die drei schlechtesten sind der Hagel- stein, der Stein im Aug und der Stein in der Blase.' Zum dritten ant- wortet er: 'Die vier Dinge, die niemand festhalten kann, sind der Wolf an der Braue, der Bär an der Klaue, die Schlange am Zagel, der Habicht am Schnabel.' Endlich antwortet er: 'Glück und Unglück sind soweit von einander wie Heut und Gestern.' Und da man ihn fragte, warum, *) Aus dem Münchner Cod. lat. 903 abgedruckt von Leidinger, Zs. des histor. Vereins für Schwaben 31, 104 (1904). 2) Vgl. Euling, DasPriamel 1905 S. 563: 'Wer einem plinten winkt und aus einem leren pecher trinkt und der kißling seet und auf einer plossen wisen meet . . . und einen kalen wil bescbern, der arbeit eitel unnütz arbeit gern.' Ein tiroliscbes Kätsel Zs. f. Volkskunde 5, 159 nr. 207: 'Einem blinden Manne winken, aus einem leeren Glase trinken, den Wind in eine Truhen sperren und den Schnee im Ofen dörren, was ist das? Viermal nichts.' — Freidank 126, 27: 'Mich dunket niht, daz ieman sül ze lange harpfen in der mül'. Helbling 3, v. 192: 'Niht guot ist ze gigen in der müln gedoeze.' Zingerle, Sprichwörter 1864 S. 63. 3) Den Mühlstein vergleicht mit Edelsteinen Poggius, Facetiae nr. 75; danach Pauli, Schimpf und Ernst nr. 164; H. Sachs, Fabeln 6, 321 nr. 462; Tabarin, Oeuvres 1858 1, 189. 152. Das Hirtenbiiblein. 221 sprach er: 'Gestern war ich ein Schäfer, und heut bin ich ein Abt.' Da sprach der Herr, der das Kloster gestiftet hatte; 'Also sollt Ihr immer Abt bleiben.' Bei dem ziemlich unbeholfenen ostfriesischen Dichter Josef des 15. Jahrb.. (Von den sieben Todsünden v. 1630—1687 ed. Babucke, Progr. Norden 1874 S. 18) löst ein Schweinehirt namens Beineke vier Fragen, die der König seinem Abt aufgegeben hatte: 1. wo die Erde am höchsten sei, 2. wann Unglück ein Ende nehme, 3. wieviel der König wert sei, 4. wer seiner Ältermutter das Magdtum genommen habe. Während die 2. und 3. Krage und Antwort den übrigen Fassungen entspricht, begegnen die 1. und 4. nur hier1). Ein Müller ist es in dem wohl von Hans Folz verfaßten 'Spil von einem keiser und eim apt' (Keller, Fastnachtspiele aus dem 15. Jahrh. 1, 199 nr. 22), der das Wasser im Meere auf drei Kufen schätzt, wenn diese nur groß genug seien, dann den Kaiser vier Groschen oder 28 Pfennige wert achtet und die Frage, wer je das Glück am nächsten gewann, auf sich selber bezieht. In Joh. Paulis Schimpf und Ernst 1522 nr. 55 'Der Sauhirt ward ein Abt' werden dem Abt von seinem Vogt die Fragen vorgelegt, 1. wie hoch er ihn schätze, 2. wo die Mitte der Erde und 3. wie weit Glück vom Unglück entfernt sei. Der Hirt kommt in dem Kleide des Abts und antwortet 1. 28 Silberlinge, weil unser Heiland für dreißig verkauft worden und er den Kaiser zu 29 schätze ; 2. in seinem Haus, wie beim Pfaffen Amis; 3. nicht länger als eine Nachtzeit sei Glück und Unglück von einander entfernt, denn gestern sei er ein Hirt gewesen, heute aber sei er ein Abt. Danach Schertz mit der Warheit 1540 Bl. 61b (Stiefel, Archiv 95, 91), H. Sachs, Die drei Frag dem Abt 1546 (Fabeln 4, 103 nr. 304) und Eyering, Proverbiorum copia 1601 1, 165 'Bald anders' und 3, 23 'Heut ein Hirt, morgen ein Abt'. Hulsbusch 1568 p. 252. Birlinger, Aus Schwaben 2, 371. Abweichend bei Wal dis, Esopus 1548 3 nr. 92 'Wie ein Sew- hirt zum Abte wirt' : 1. wie hoch der Himmel, 2. wie tief das Meer, J) Zur ersten Antwort 'Wo Christus gen Himmel fuhr' vgl. Legenda aurea c. 2, 9: 'Ubi terra est altior omni coelo ? In coelo empyreo, ubi residet corpns Christi'; zur vierten, die in der Hs. ausgerissen ist, ß. Köhler 2, 7 'Die Erde als jungfräuliche Mutter Adams', ferner Nestle, Archiv f. Religionswissenschaft 11, 414 und Vollmer, Adambuch S. 42 (Progr. Hamburg 1908). 222 152. Das Hirtenbüblein. 3. wieviel Kufen darin '), 4. wie weit Glück von Unglück. In des Herzogs Heinrich Julius Comoedia von einem Edelmann, welcher einem Abt drej Fragen auffgegeben (1594. Schauspiele S. 475 ed. Holland = S. 109 ed. Tittmann) gibt der Narr Bescheid über die Mitte der Welt, den Wert des Edelmanns und seine Gedanken. Ein Bauer antwortet statt des Gefangenen der Königin bei J. P. de Memel, Lustige Gesellschaft 1656 nr. 658 = 1701 nr. 607 = Kurzweiliger Zeitvertreiber 1668 S. 70 = Schauplatz der Betrieger 1687 S. 547 nr. 244 'Der betrübte Gefangene' = Stoeterogge, Recueil von allerhand Collectaneis 7, 140 (1719). Von einem König von Frankreich erzählt Schuppius, Regenten -Spiegel c. 10 (Schriften 1663 S. 95); die zweite und dritte Frage ist wie in der englischen Ballade, die erste lautet wie in unserm Märchen, wieviel Sterne am Himmel seien; ein Müller, der hier die Antwort gibt, nennt eine große bestimmte Zahl und heißt den König nachzählen. Danach Ernst, Hist. Lusthaus 2, 766 (1703). Curieuser Zeitvertreib 1693 nr. 63. Polischinello 1695 nr. 18 'Eines Müllers Verschlagenheit'. Buch ohne Nahmen (c. 1700) S. 441 nr. 950. Vademecum für lustige Leute 1, nr. 11 (1767). Berliner Ms. germ. qu. 616, 217 (Müller). G. Cober, Cabinet-prediger 1719 2, 323 nr. 65 'Der getröstete Land- mann' (Müller des Abts) = Gräter, Idunna und Hermode 1814, 131. Angenehmer Anekdotenwirt. Nördlingen 1815 S. 47. C. H. W., Unterhaltende Räthsel-Spiele, Merseburg 1824, S. 15: 1. Wie weit ists in den Himmel? Eine Tagereise, weil unterwegs kein Wirtshaus ist. 2. Wie tief das Meer? Einen Bleiwurf. 3. Was ist besser als ein goldener Wagen ? Der Regen, der zwischen Pfingsten und Johannis vom Himmel fällt. 2) — Endlich kommt das Märchen als Erklärung des Sprichworts 'Wie Kunz hinter das Vieh kömmt' 3) im jüdischen Maasebuch c. 126 vor (Helvicus, Jüdische Historien 1617 1, 166 nr. 40. Grünbaum, Jüdisch -deutsche Chrestomathie 1882 S. 440 ; vgl. Steinschneider, Serapeum 25, 69. Kuttner, Jüdische Sagen 2, 72 nr. 41. 1903. Mitt. f. jüd. Volkskunde 2, 5 v) Die Antwort 'eine Kufe, wenn sie nur groß genug wäre1, erinnert an die Lüge ndi cht nng des Schnepperers (Zs. f. dt. Phil. 22, 317 v. 15), wo Heinczlein eine große Flasche schmiedet, 'er schopffet gancz und gar darein das mer, die Tunaw und den Rein, in aller weit wassers zuran'. 3) Vgl. dazu oben 2, 359. 3) Vgl. Eyering, Proverbiorum copia 1, 775 'Da fragt Cuntz on sorgen wenig nach'. Wander 2, 1724. 152. Das Hirtenbüblein. 223 nr. 1): einem Rat des Königs werden die drei Fragen vorgelegt, wovon die zwei ersten etwas abweichen, 1. wo die Sonne aufgehe, 2. wie weit es vom Himmel bis zur Erde sei ; hierauf folgen durch einen Schäfer die schwachen Antworten, die Sonne gehe gen Morgen auf und gen Abend nieder, und vom Himmel sei es gerade so weit zur Erde als von der Erde zum Himmel. — Niederländisch: Nieuwe Snakeryen (Keulen um 1700) S. 324 'De moolenaar waarzegger' (Berlin Zh 6144). Kluchtvertelder (Gent um 1890) S. 5. — Dänisch hsl. aus dem 16. Jahrh : Danske Studier 1907, 145 'Abbeden og hans kok' (ähnlich Schuppius. 1. Wieviel Sterne, 2. wieviel Tropfen im Meer, 3. was denk ich). In der englischen Ballade des 16. Jahrh. 'King John and the bishop' (Child, Ballads 1, 403 nr. 45 a = Percy's Folio Ms. 1867 1. 508) legt der kirchenfeindliche König Johann dem Bischof von Canterbury drei Fragen vor, die er bei Verlust von Land und Leben in zwanzig Tagen beantworten soll: 1. Was er, der König, mit der goldenen Krone auf dem Haupte bis zu einem Pfennig wert sei, 2. wie bald er um die ganze Welt reiten könne, 3. was er gerade denke. Der Bischof weiß sich nicht zu helfen, da verspricht ein Schäfer seinen Beistand, kleidet sich als Abt, tritt vor den König und gibt nun die Antworten : 1. Da der Herr Jesus für 30 Silberlinge verkauft worden, sei der König nur 29 wert ; 2. wenn er mit der Sonne ausziehe und reite, komme er in 24 Stunden um die ganze Welt ; 3. der König denke, er sei der Bischof von Canterbury, und er sei doch nur ein armer Schäfer. *) — Tarlton's Jests 1590 = 1844 p. 59 'The tale of pope Boniface, and why he wore a miliers cap and a malkin in purgatorie' (vgl. Koppel, Studien zur Gesch. der ital. Novelle 1892 S. 62). — Französisch: Nicolas de Troyes, Parangon des nouvelles nouvelles 1536 nr. 36 = 1869 p. 177 nr. 40 'D'ung seigneur qui par force vouloit avoir la terre d'ung abbe, s'il ne luy donnoit responce de trois choses qu'il demandoit, laquelle il fit par v) In einer kürzeren Fassung aus dem 17. Jahrhundert (Child nr. 45b) und in der neuen Bearbeitung von Tho. Percy (Reliques of ancient poetry 1767 2,306. Bodmer, Altenglische Balladen 2, 111. 1781. Dönniges, Altschottische Volksballaden 1852 S. 152. v. Marees, Alt engl. Dichtungen 1857 S. 7. Ritter, Archiv f. neuere Sprachen 22, 222. A. v. d. Velde, Magazin f. d. Lit. des Auslandes 1889, 155; vgl. Hoenig, Engl. Studien 18, 307), die bei uns durch Bürger (Werke ed. Consentius 1914 2, 320) seit 1784 heimisch wurde, ist für den Bischof ein Abt eingetreten. 224 152. Das Hirtenbüblein. le moyen de son mounier' (Wert des Herren, Mitte der Erde, Gedanken). Farce du meunier et du gentil-homrae 1628 (dieselben Fragen); vgl. Petit de Julleville, Theatre comique fr. 1886 p. 179 und Toldo, Studi di filologia romanza 9, 199. Ouville, Elite des contes 1703 1, 296 = 1876 p. 46 = 1883 1, 184 'D'un seigneur de village et de son meunier' = Recreations franc. 1658 1, 292 = 1662 1, 161 = 1681 1, 207 = Nouveaux contes ä rire 1699 p. 230 'Le meunier astrologue' = 1702 p. 238 = Contes ä rire 1752 1,150; vgl. R. Köhler 1, 494. Moisant de Brieux, Origines de quelques coutumes anciennes 1672 = 1874 1, 147 'D'evesque devenir meunier' (gegen Cotgrave, A french dictionary 1660 Bl. Ooo 3 a, 3 'Musnier'). Chasse-chagrin 1679 p. 40. — Italienisch: Teofilo Folengo (f 1544), Orlandino canto 8; vgl. R. Köhler 1, 492: der Koch des Abtes antwortet 1. Wie weit ists vom Himmel zur Erde? Nur einen Sprung, wie ihn der Teufel machte; 2. Wie weit vom Osten nach Westen? Eine Tagereise; 3. Wieviel Wassertropfen im Meere? 4. Was denk ich? M. Zezza, Opere poetiche 1818 2, 39 'Puö sapere un villan piü d'un signore ?' — Spanisch: Timoneda, Patrahuelo 1576 nr. 14 = Bibl. de autores esp. 3, 154 (Koch des Abtes: Wert des Königs, Mitte der Erde, Gedanke); vgl. Menendez y Pelayo, Origenes de la novela 2, LVI (1907). Die im 19. Jahrhundert aus dem Volksmunde aufgezeichneten Fassungen bieten kaum neue Motive. Deutsch: B. Naubert, Volks- mährchen 3, 323 'Der Müller von Eisenbüttel' (Kaiser und Abt). Auf den alten Fritz übertragen nach F. L. Jahn, Werke 1884 1, 4 = Zs. f. Volksk. 24, 83. Schwäbisch bei E. Meier 1852 S. 305 'Der Bischof ohne Kreuz' (Wie weit ist's in den Himmel, wie tief das Meer, wie viel Blätter an deiner Linde?); Birlinger, Aus Schwaben 2, 370 'Die Rätsel' (Wieviel ist der Kaiser wert, der Mairegen, wie weit ist Glück und Unglück von einander? Mittelpunkt der Welt). Bayrisch bei Sepp S. 554 'Gustav Adolf und der Abt von Benedikt- beuern'. Heanzisch bei Bunker nr. 21 'Kaiser Josef und der ge- scheite Koch' (Sterne und Haare des Schimmels zählen, Glück und Unglück) = Zs. f. öst. Vk. 4, 174. Bunker nr. 22 'Kaiser Josef und die Franziskaner' (der Zigeuner nennt den Himmel seufzerhoch und das Meer stein vvurf tief, kommt nicht nackt und nicht bekleidet und predigt, daß die Zuhörer vor ihm weinen und die hinten lachen) = Zs. f. öst. Vk. 4, 175. Wolf, Hess. Sagen nr. 262 'Drei Rätsel' (Kaiser Leopolds Narr antwortet dem türkischen Kaiser, wo die Welt 152. Das Hirtenbüblein. 225 abgehe, wie hoch der Himmel sei, was Gott denke. Der Schäfer statt des Abtes, wie tief das Meer, wieviel Sterne, wie weit Glück und Unglück). Schell 1897 S. 117 nr. 74 'Die Speckermönche zu Düsseldorf (Was ist nicht krumm und nicht gerade? Kegelkugel. Was ist nicht im Wege und nicht daneben? Karrengleis. Wo ist der Mittelpunkt der Erde? Hier) = Annalen f. den Niederrhein 38, 98. Pröhle, Allgem. Mtschrift f. Wissenschaft u. Lit. 1854, 541 ; vgl. Pröhle, G. A. Bürger 1856 S. 115. Holsteinisch: Müllenhoff nr. 208 'Der Müller ohne Sorgen' = Merkens 1, 231 nr. 270 (Wie schwer der Mond, wie tief das Wasser, was denk ich?). Mecklenburgisch: Bartsch 1, 496 'Der glückliche Pater' (nicht nackt und nicht be- kleidet: 1. wie tief das Meer, 2. wie hoch der Himmel, 3. wie schwer der Mond, 4. was der König wert, 5. wo der Mittelpunkt der Erde, 6. was der König denkt); Wossidlo 1, 237 nr. 987 'Wie hoch ist der Himmel?' (7 Varianten). Pommeriscb: Jahn, Vra. 1, 155 nr. 27 'Der alte Fritz und der Pastor'. Asmus-Knoop S. 9 'Der alte Fritz und der Pastor' = Bl. f. pomm. Vk. 2, 135. Westpreußisch: Zs. des histor. V. f. Marienwerder 35, 87 'Abt, Schäfer und Herzog'. Behrend nr. 16 'Der kluge Müller'. Vlämisch: De Mont-de Cock, Vertelsels S. 253 'Keizer Karel en het klooster zonder zorg' (Müller. Wie tief das Meer, wie weit die Sonne, was denk ich?). Joos 2, 129 'Van het klooster zonder zorg' (Koch). Cornelissen nr. 56 'Van Keizer Karel en het klooster zonder zorg'. Vermast S. 111 'Keizer Karel en de monniken' (Mittel- punkt der Erde, wieviel der Kaiser wert, was er denkt). Ons Volks- leven 12, 113. — Dänisch: Grundtvigs hsl. Register nr. 97 'De tre sporgsmäl'. Grundtvig, Minder 1, 103 'Kongen og melieren' (Hirt) = Firmenich 3, 834. Samlinger til jydsk Historie og Topografi 1, 165 (1866) 'Ribe bisp og byhyrde for kong Valdemar' (wieviel bin ich wert, Mittelpunkt der Erde, meine richtigen und falschen Gedanken). Feilberg, Jysk ordbog s. v. Sporgsmäl, Tanke, V«rd sorge, Stjserne, Evighed. Skattegraveren 6, 153 'Fcerehyrden den klogeste' 9, 141. 11, 46 'Biskoppen og rögteren'. 11, 47 'Kongen og rögteren'. Kristensen, Aev. fra Jylland 4, 288 nr. 57 'Uden sorg' (des Müllers Hirt: der beste Vogel, Wert, Gedanken des Königs). Kristensen, Kirketjeneste. 1899 S. 217. Kristensen, Fra Bindestue 1, 90 nr. 16 'Uden sorg og bekymring' (Hirt des Pastors. Mairegen mehr wert als des Königs Thron). — Schwedisch: Kungen, Presten och Klockaren, Imitation efter Tyskan, Malmö 1829 u. ö. (Bäckström 3, 82). Grimm, Märchen- Anmerkungen III. 15 226 152. Das Hirtenbiiblein. Sv. landsmälen 5, 1, 109 'Rungen ock klockaren' 5, 2, 22. Bondeson Halländska sagor nr. 27 'Prästen ä kläkkarn'. Bondeson, Sv. folk- sagor nr. 6 'Humlegubben och biskoppen' und 7 'Grefven och fäherden'. Aberg nr. 285 'Om kungen och biskoppen' (Müller). 286 'Om mölnarn som bläi biskop'. 287 'Om prästen som skulle svara kungen pä tre frägor'. 288 'Om den inmariga klokkarn'. Allardt nr. 157 'Om bon, som va so riker, at an alder bihovd andras jölp' (Knecht des Bauern beantwortet fünf Fragen). 158 'Mölnarn, som int hadd nogo bisvser' (Knecht: wieviel Sandkörner im Meer, wie hoch der Himmel, was denk ich?). Hackmans Register nr. 922. — Nor- wegisch: Asbjörnsen nr. 86 'Prsesten og Klokkeren' = Stroebe 2, 277 = Dasent 1874 p. 158 (wie weit von Osten nach Westen). Braset, Hollraoventyra S. 226 'Guten, som dsem itt villa sl?pp-fram fer prsesten' (Wert, Gedanke). — Isländisch: Rittershaus nr. 115 'Der König und der Bischof (des Bischofs Bruder antwortet auf die 1. Frage, in wieviel Zeit er die Erde umsegeln könne: In den sieben Wochentagen). — Schottisch: Campbell2 2, 406 nr. 50 'The three questions' (Müller antwortet für den Schulmeister); vgl. R. Köhler 1, 267. A. Small, Roman antiquities discovered in Fife 1823 p. 289 = Child, Ballads 1, 404a (Jakob V. und der Müller des Pfarrers von Markinch). — Französisch aus Flandern und Belgien: Deulin, C. d'un buveur de biere p. 185 'Le mayeur Sanssouci'. Revue des trad. pop. 6, 694: Desrousseaux, Le bon berger (Gedicht). Bull, de folklore 2, 11 nr. 1 'Les cinq questions' (Müller des Abts: wieviel Sterne, wie groß der Mond, Mittelpunkt der Welt, Wert, Gedanke des Königs). 2, 13 nr. 2 'Les trois questions'. 2, 251 nr. 3 'L'abbe d'Alne' (Müller). 2, 252 nr. 4 'La grandeur et le poids de la lune'. nr. 5 'Le soleil et la lune'. Aus der Bretagne: Luzel 3, 370 L'abbe Sans-souci'. Sebillot, Joy. histoires p. 174 Le seigneur Sans-souci' — Revue 9, 283 nr. 41 (Bauer; nicht gegangen noch geritten; Mittelpunkt, wie tief die Erde, wann ist Jesus geboren?) Revue des trad. pop. 6, 482 L'abbe Sans-souci' (Müller; nicht gegangen noch geritten, Mittelpunkt, Gedanke). 9, 282 nr. 40 'L'abbe Sans- souci'. 18, 363 nr. 3 Le fermier Sans-souci'. Dardy 2, 209 nr. 55 L'eveque et le meunier'. Pineau, C. du Poitou p. 237 L'abbe Sans-soins'. Lespy, Proverbes du pays de Bearn 1876 p. 102. Cenac Moncaut p. 50 Le meunier et le marquis'; vgl. R. Köhler 1, 82 und 3, 72 zur 4. Frage: welche Zahl ist in zwei Eiern enthalten? Blade 3, 297 'L'eveque et le meunier' ; vgl. Puymaigre, Folklore 152. Das Hirtenbüblein. 227 1885 p. 241 = Archivio 3, 98. Armana prouvencau 1874, 33 (Gärtner des Pfarrers: Mitte, Mond, Wert, Gedanke des Bischofs). — Italienisch: Imbriani, Nov. fiorentina 2 p. 621 nr. 5 'El coeugh' = Crane p. 275. Pitre, Fiabe sie. 2, 323 nr. 97 'L'abbate senza pinseri' = Crane p. 276; vgl. Pitre 4, 392. 437. Mango p. 79 nr. 1 'L'uccello fuggito' (1. Entfernung des Himmels : großes Knaul Bind- faden. 2. Wieviel Steine hat der Palast? 2000000). *Fanfulla della domenica 8, nr. 19. 20. 27. — Spanisch: Trueba, Cuentos populäres 1875 p. 287 'La gramatica parda' ; vgl. Archiv f. Litgesch. 9, 423. — Portugiesisch: Braga 1, 157 nr. 71 'Frei Joäo sem cuidados' (Müller). 2, 86 nr. 160 'Dom Simäo' (Gärtner). — Baskisch: Cerquand 4, 121 nr. 108. Vinson p. 106 'Le eure' (Müller) = Blümini, Schwanke S. 14 nr. 4. — Rumänisch: Ruinän. Revue 1888, 114 'Der gelehrte Herr Pfarrer' = Zs. f. vgl. Litgesch. 7, 221. Ebd. 7, 222. Schullerus nr. 69 'Der Pfarrer ohne Sorgen' (Archiv 33, 537. Schafhirt). Gaster, Letteratura pop. romana p. 146. — Griechisch: Kretschmer nr. 37 'Der Bischof und der Abt' (Gärtner). — Slowenisch: Görz, Nar. pripov. Sosk. plan. 2, 53 nr. 8 = Gabrscek S. 150 nr. 18 'Der Müller, sein Koch und der König' (1. wieviel Sterne, 2. wie weit der Himmel, 3. Wert. 4. Gedanke des Königs). Baudouin de Courtenaj^, Mater, südslav, Dialekte 2, 3 nr. 1 'Don Piero ohne Sorgen' (1. wie hoch der erste Stern, 2. wieviel Sterne, 3. Gedanke des Kaisers. Müller). — Serbokroatisch aus Kroatien: Valjavec S. 262 nr. 57 'Der Mönch und der Sultan' (1. Mitte der Welt. 2. Was macht Gott? Er wundert sich, daß der Mönch zu Pferd und der Sultan auf dem Esel sitzt. 3. Gedanke des Sultans). Zbornik jslav. 19, 274 'Kaiser Josef IL und der Guardian von St. Leonhard' (Wo geht die Sonne auf? Wert und Gedanke des Kaisers). Krauss 2, 252 nr. 112 'Müllerund Kaiser' (Wie weit zum Himmel, Wert, Gedanke des Kaisers). Dalmatien: Srbsko dalmat. Mag. 1864 23, 98 'Kaiser und Abt' (desgl. Koch). Slawonien: Zbornik jslav. 11, 287 nr. 16 (Das Längste, Höchste und Tiefste? Weg, Himmel, Erde. Was denkt der Kaiser? Koch). Bosnien: Bos. Vila 13, 284 (1898). Vuk Vrcevic 1868 S. 103 nr. 225 'Der Kaiser und der Klosterbäcker' (Kaisers Bart, Himmel, Gedanke). Montenegro: Rovinskij 2, 2, 608 nr. 13 (1. Wieviel Sterne? soviel als Haare am Esel, 2. Wert des Königs? drei Regentage im Sommer, 3. Gedanke). Serbien : Kica 7, 1 nr. 38 (als die Pfarrer des Bischofs Gedanken erraten sollen, nimmt einer einen verkleideten 15* 22R 152. Das Hirten bübleirt. Zigeuner mit). Srpski dialektol. Zbornik 2, 439 nr. 9 'Der Kaiser und der Schäfer' (Was tut Gott? Der Schäfer geht statt des Mönches zum Kaiser, heißt diesen zugleich mit ihm Brot in die Milchschüssel einbrocken und mahnt ihn: 'Iß, was du eingebrockt hast, und nicht, was ich eingebrockt habe!' Wie soll icli das wissen? 'Wenn du nicht weißt, was du eben getan, wie kannst du wissen, was Gott tut?). Herzegowina: Zs. Karadzic 1, 148 'Der Wesier, Bischof und Frater' (ähnlich Valjavec. Der Koch tauscht seinen Esel mit dem Pferd des Wesiers). Skopska Crnagora: Srpski etnogr. Zbornik 6, 493 nr. 15 (1. Sterne, 2. Mittelpunkt, 3. Gedanke des Kaisers. Müller). — Gechisch: Ant. Puchmajer, 'König Georg und Vanek Vseboj' (Gedicht). Glatz: Kubin 2, 190 nr. 55 (zwei Ritter wollen Frieden machen, wenn der eine rät, 1. wie schwer der Mond, 2. wie weit das Paradies ist, 3. was er denkt. Holzhauer). Ostböhmen: PKhoda nr. 26 'Kaiser Josef IL und das sorgenlose Kloster' (1. Wert des Kaisers, 2. Haare seines Schimmels, 3. wie weit Glück von Unglück. Hirt). — Slowakisch: Eine literarische Bearbeitung von 1792 : Zs. f. vgl. Litgesch. 4, 108. — Polnisch aus Oberschlesien: Malinowski 2, 231 (Wie tief das Meer, wie hoch der Himmel, wie weit Glück von Unglück). Galizien : Ciszewski, Krak. S. 250 nr. 200 (Mitte, Sterne, Gedanke. Koch). Swie_tek S. 431 nr. 53 'Ein Soldat ohne Sorgen' (Sterne, Haare an des Kaisers Pferd, Gedanke. Müllerbursch). Mater, antropol. 10, 289 nr. 55 (Mitte der Erde. Schweinehirt). Wisla 13, 338 (Ritt um die Erde, Wert, Gedanke. Schäfer). — Slow inzisch aus Pommern : Lorentz, Slov. Texte S. 42 nr. 44 'Der alte Fritz, der Pfarrer und der Schäfer' (desgl.). — ■ Kaschubisch: Ramult, Slownik S. 295 nr. 2 (für den Guardian zu Kartaus antwortet der Schäfer: Pitt um die Erde, Wert, Gedanke). Lorentz, Teksty pomorskie S. 115 nr. 161 (desgl.). — Kleinrussisch aus Galizien: Etnogr. Zbirnyk 6, 113 nr. 287 'Der Pfarrer ohne Sorgen' (Sterne, Mitte, Gedanke, Diener). 6, 113 nr. 288 (Wert des Gutsherren, Mitte, Gedanke. Müller). 6, 1 14 nr. 289 'Kaiser und Schweinehirt' (drei Brüder: Mitte der Erde; Hitze, Flamme und Rauch einer verbrannten Klafter Holz abwägen). 8, 118 nr. 64 'Der Basilianermönch und der König' (Gedanke. Bettler). Ukraine: Öubinskij 2, 639 nr. 98 'Der sorglose Pfarrer' (Himmel, Sterne, Gedanke. Soldat). — Weiß- russisch: Federowski 3, 13 nr. 28 (Ritt um die Erde, Wert, Gedanke des Königs. Müller). Gouv. Smolensk: Dobrovoljskij S. 386 152. Das Hirtenbüblein. 229 nr. 28 'Peter der Große und das Kloster ohne Sorgen' (Sterne, Wert, Gedanke. Mönch). — Großrussisch: ein Gedicht von A. N. Majkov 'Der Hirte, spanische Legende' (Werke 7. Aufl. 2, 103) ähnelt dem Grimmschen Märchen; auf die 3. .Frage 'Wieviel Tage hat Gott' antwortet der Knabe: 'Die Zeit stiehlt Gott die Tage; befiehl der Zeit, eine Weile still zu stehn, dann kann man die Tage zählen.' Gouv. Nowgorod: Zivaja Star. 14, 49 'Der sorglose Pfarrer' (Sterne zählen, Rauch eines Holzhaufens wägen, Gedanken des Kaisers er- raten. Abgesetzter Küster). Gouv. Olonetz: Rybnikov 1, 314 nr. 49 'Kaiser Salaman' (Bauer will seinen Söhnen sein Gut geben, wenn sie ihm sagen, was am schnellsten läuft, was das reinste Brot ist, mit welchem Tier der Bauer redet. Der Knabe Salaman antwortet: Sonne, Hostie, Pferd, und weiß auch das Getreidemaß des Bauern und das einträglichste Vieh : Zähne, Schafe). 2,715 (Zar Ivan der Schreck- liche soll den Thron verlassen, wenn er die Rätsel der fremden Fürsten nicht löst: Was ist das Tapferste, das Liebste, das Süsseste? Ein Syblis lehrt ihn die Antworten : die Augen, die Sonne, das Wasser); vgl. Afanasjev3 2, 286. Oncukov S. 404 nr. 164 'Das sorglose Kloster' (Wert und Gedanke des Kaisers. Laienbruder). Gouv. Jenisejsk: Zap. Krasnojarsk. 1, 37 nr. 16 'Der Kaiser und der Trunkenbold' (Sterne, Wert). Gouv. Woronez: Afanasjev 3 2, 288 (Tropfen im Meer, Sterne am Himmel, Gedanke des Kaisers. Soldat). *Russkij Archiv 1869, 9, 989 = Ermans Archiv f. Rußland 24, 146 (1865) 'Das kummerlose Kloster' — Grässe, Märchenwelt S. 187 (Müller vor Peter L). Sbornik Kavkaz. 33, 3, 13 'Peter der Große und der Pfarrer' (Himmel, Wert, Gedanke. Diakon). — Litauisch: Veckenstedt, Zamaiten 2, 36 nr. 93 'Sztukkoris' (Mittelpunkt). — Finnisch: Salmelainen 4, nr. 14. Suomi 3, 7, 66. Aarnes Register nr. 922. — Magyarisch: Ethnolog. Mitt. aus Un- garn 1, 365 = Zs. f. vgl. Litgesch. 4, 110 'Der goldene Pflug'. Zs. f. vgl. Litgesch. 5, 467 'Das Pfäfflein von Cinkota'; vgl. * Aurora für 1827. — Türkisch: Künos, Zs. f. vgl. Litgesch. 5, 468. Wesselski, Nasreddin 1, 36 nr. 70; dazu S. 226 und R. Köhler 1, 492 (der Hodscha beantwortet die Fragen dreier Mönche nach dem Mittelpunkt der Erde, der Zahl der Sterne und seiner Barthaare; die letztere ist gleich der Zahl der Haare im Eselsschwanz). — Mingrelisch: Sbornik Kavkaz. 24, 2, 16 nr. 5 'Bischof Bogo' (Wert des Kaisers, Ritt um die Erde, unerhörte Lüge). — Mongolisch: *Schiefner, St. Petersburger Zeitung 1849 nr. 79 230 152. Das Hirtenbüblein. (Germ. 7, 506). — Indisch: Parker 1, 153 'The four difficult questions' (Mönch für den Abt; Tiefe des Meers, Zahl der Sterne, Mittelpunkt, Gedanke). — Arabisch aus Mesopotamien: Meißner nr. 48 (Beiträge 5, 89). Nuzhat el-chawätir 5, 173 (Beirut 1877. Zs. f. Volksk. 5, 64 3). Aus Kairo: Parker 1, 154 (Haschischesser: Mittelpunkt, Stern enzahl = Eselshaare). Die Sitte, drei Wahrheiten zu sagen, um sich dadurch aus der Not zu helfen, begegnet schon in einer äsopischen Fabel vom Wolf und Fuchs (Babrios nr. 53. Fabulae ed. Halm nr. 271. Schakal und Ziege bei Frobenius, Dekameron S. 192), ferner in Thorkills Fahrt zu Ugarthilokus bei Saxo, Grammaticus B. 8 und in den Gesta Romanorum c. 58; vgl. P. E. Müller, Critisk undersögelse af Danmarks sagnhistorie 1823 S. 145, Liebrecht, Zur Volkskunde 1879 S. 6 und Gering, Islendzk Aeventyri 2, 179 — 185; dazu noch Zs. f . Vk. 6, 323 nr. 3 ; Grundtvig, D. f olkeaev. 2, 8 L = Leo-Strodtmann 2, 106 Wildering kongeson og Miseri mö' ; Kristensen, Jyske folkesagn S. 333 nr. 458 'Kongens tanke' ; Vinson, Folklore basque p. 10 ; auch unten zu nr. 165. — Verlust des Kopfes steht auch im altnordischen Liede von Wafthrudnir 7 (Gering, Edda S. 60. J. Grimm, Myth. 3 S. 862) auf Nichtlösung der Rätselfragen, ebenso in der dänischen Ballade 'Svend Vonved' (Grundtvig, DgF. 1, 235 nr. 18. W. Grimm, Alt- dänische Heldenlieder 1811 S. 227), im indischen Rätselwettstreit zwischen Astävakra und Bandin, dem Redner des Königs Janaka (H. Jacobi, Mahäbhärata 1903 S. 42 : III, 133. Holtzmann, Indische Sagen 1. Aufl. 1847 3, 109) und in der Pehlewi-Erzählung vom Rätselkampfe zwischen Gösht-i Fryäno und dem Zauberer Akht (The book of Arda Viraf ed. by Haug and West 1872 p. 249). r) Dagegen erhält der Jüngling, der drei Fragen zu beantworten weiß, die Hand der Königstochter in den Gesta Romanorum c. 70 und bei Klapper, Erzählungen des MA. nr. 11; vgl. oben 1, 200; ein Nachhall ist die Dürnberger Hochzeitssitte, daß der Brautführer zunächst eine Reihe von Rätseln lösen muß (Hartmann, Volks- schauspiele 1880 S. 120). Auch der Bauernjunge im isländischen ') An ein Rätsel der Heivararsaga (Unland, Schriften 3,184. 7, 131) vom einäugigen Odin und seinem achtfüßigen Rosse erinnert das 29. Rätsel des Zauberers 'Was hat zehn Füße, drei Köpfe, sechs Augen, vier Hörner' usw. (p. 261), dessen Lösung (Pflüger und Ochsengespann) dem Helden durch einen Engel Aüharmazos mitgeteilt wird. Über andre Rätselwett- streite s. oben 2, 3701. 152. Das Hirtenbüblein. 231 Märchen bei Rittershaus nr. 1, der bei Todesstrafe des Königs Gedanken erraten soll, gehört hierher. Von den Fragen unsres Märchens1) heben wir einige hervor, die auch in anderm Zusammenhange vorkommen: 1. Das Hirten- büblein, das die Tropfen im Meere erst zählen will, nachdem der König alte Flüsse verstopft hat, erneuert eine List des Amasis, der das Meer austrinken sollte (oben 2, 369; dazu Clouston, Persian garden 1894 p. 306. 312; Chamberlain, Aino 1888 nr. 32; E. J.Robinson, Tales and poems of South India 1886 p. 37 ; Kathämanjari nr. 76 nach W. Taylor, Oriental historical ms. 2. 1858). — 2. Wie hoch ist der Himmel? Das Straßburger Rätselbüchlein ed. Butsch 1876 nr. 242 antwortet: 'Ein halb tagreis, dann Christus für zu mittag hinuf; wer im mer zeyt not gewest, er hets nit verzogen'. Ebenso Waldis. Die Rätselsammlung in der Zs. f. dt. Alt. 3, 32 nr. 15 dagegen sagt: 'Das waiß nach got nyemant dan der teufel, der hat es gemessen und mag nit wider hinuff kommen'. In einer verbreiteten Legende nämlich fragt der Teufel, der in Gestalt einer schönen Jungfrau einen frommen Bischof zu verführen sucht, den Einlaß begehrenden Pilger, wie weit es vom Himmel zur Hölle sei; und dieser, in Wahrheit der h. Andreas, erwidert: 'Diesen Raum hast du ja selbst bei deinem Sturze gemessen' (Legenda aurea c. 2, 9; dazu oben S. 151). Ebenso antwortet die Schäferin dem Teufel bei Bunker, Volksschauspiele 1915 S. 258; vgl. Folengo oben S. 224 und B. de Torres Naharro, Propaladia (1517. ed. Menendez 1900 2,378): ,Einen Sprung'. Minder gelehrt sind die Antworten 'einen Seufzer' (engl. Gesta Romanorum), 'einen Ruf (Amis), 'dreißig Schrei' (Sacchetti), 'eine lange Leiter' (Campbell), 'einen Kalbsschwanz, falls er lang genug ist' (Demands joyous bei Halliwell, Populär rhymes p. 153), 'drei Fuchsschwänze, wenn sie lang genug sind' (Pauli, Schimpf und Ernst c. 96), 'ein Knäuel Bindfaden' (Mango). — 3. Wie tief ist das Meer? Einen Steinwurf (englische Gesta; E. Meier; Bunker; Wolf nr. 262b; Müllenhoff; Bartsch; Wossidlo). — 4. Wieviel Sterne stehn am Himmel? Die Unzählbarkeit wird durch die Gleichsetzung mit den Sandkörnern im Sacke, den Blättern an der Linde oder den Haaren des Esels versinnlicht. Bei Milä y Fontanals, Observaciones 1853 p. 187 nr. 13 bildet diese Frage die Antwort des Mädchens auf die Frage des Königssohnes 'Wieviel l) 51 Fragen verzeichnet Schevill 1911 S. 227. 232 152. Das Hirtenbüblein. Blätter hat der Baum'. In dem Liede von den unmöglichen Dingen (Erk-Böhme nr. 1090a) heißt es: 'Und soll ich dir die Sterne zähln, die an dem Himmel scheinen, so mußt du mir ein Leiter baun, daß ich darauf künnt steigen'. Ähnlich im ^irischen Märchen bei Larminie p. 176. — 5. Wieviel Sekunden hat die Ewigkeit? Über das zuerst bei Seuse auftauchende Bild vom Sandberg und Vöglein vgl. R. Köhler 2, 37; dazu Pelbart, Sermones de tempore, Aestiv. 66 Z; Beuschel, Weltgerichtsspiele 1906 S. 123. 339; Fischer -Tümpel, Kirchenlied 5, 377; Bunker, Volksschauspiele 1915 S. 157; Zs. f. Volkskunde 18, 188. — Ein Lied des Kölner Psälterleins (Haxthausen, Geistl. Volkslieder 1850 S. 57) hebt dagegen an: 'Ins Feld geh, zähle alles Gras, die Zahl wirst linden ohne Maß ; zur Ewigkeit doch was ist das? Im Meer die Tropfen häufig zwar, im Himmel viel der Sternen klar ; die Ewigkeit hat viel mehr Jahr.' — 6. Wie weit ists von einem Ende der Welt bis ans andre? Das Straßburger Rätselbüchlein nr. 263: 'Ein tagereis, als die sonn bezeugt mit irem uffgang des morgens und nidergang des nachts'. Simrock, Rätsel- buch nr. 372. Schwedisch : Zs. f. dt. Mythol. 3, 352 nr. 90. Spanisch : Torres Naharro, Propaladia 2, 378 (1900). — 7. Wo ist der Mittel- punkt der Erde? Hier. — Vgl. Haug. Vedische Rätselfragen S. 43 (SB. der Münch. Akad. 1876). Polissoniana 1722 p. 19 = Rolland, Devinettes 1877 nr. 353. Mittelpunkt der Erde zu sein behaupten viele Orte, das altmärkische Dorf Poppau, das mecklen- burgische Tulendorf wie das antike Delphi und Phlius (Temme, Altmark S. 33 = Grässe, Preuß. Sagenbuch 1, 192 nr. 205. Wossidlo, Mecklenburg. Volksüberl. 1, 328. Pausanias 10, 16, 3 und 2, 13, 7. Daremberg-Saglio, Dict. des antiquites 4, 1, 197). — 8. Wieviel wiegt der Mond? Ein Pfund, denn er hat vier Viertel. — Simrock, Rätselbuch nr. 253. Hartmann, Volksschauspiele 1880 S. 192. Colshorn nr. 26. — 9. Wieviel ist der König wert? 29 Pfennige. — Vgl. R. Köhler 3, 533 nr. 40 und Wackernagel, ZfdAlt. 3, 33 nr. 38. Rolland, Devinettes nr. 355. Dieselbe Antwort erhält 'der hoffärtige Kaiser' in dem niederländischen Gedichte des 14. Jahrh. im Belgisch Museum 10, 57 von einem Knaben. In der bulgarischen Bearbeitung von Äsops Leben (Archiv, f. slav. Phil. 7, 94) schätzt Josopus, der für seinen Herren Xathius eintritt, den König Digenes auf weniger als dreißig Silberlinge und die Königin auf weniger als ein Schaf. Zur Vergleichung mit dem Mairegen (Kristensen, Fra Bindestue 1, 90. Birlinger 2, 370) s. oben 2, 359 153. Die Sterntaler. 233 die Frage, wieviel des Königs Bart wert sei. — 10. Welches ist der beste Vogel? — Die Gans, denn sie macht den Kohl süß und das Bett weich (Kristensen, Aev. 4, 288). 'Den besten Vogel, den ich weiß, das ist ein Gans', hebt G. Forster, Frische Liedlein 2, nr. 6 an; dazu die Anmerkung von E. Marriage 1903 S. 227 und Jürgensen, Martinslieder 1910 S. 141. In Molfhak Spangenbergs 'Ganskönig' Kap. 1 (1607) erwählen die Vögel die Gans zu ihrem Herrscher. In einem 1842 in der Zs. Majak gedruckten großrussischen Märchen (Chudjakov, Großrussische Rätsel 1864, Einl. S. 18) fragt der Alte seine drei Schwiegertöchter, welches Vogels Stimme am weitesten zu hören sei; die jüngste nennt die Gans, die zweite den Kranich, die älteste sagt: 'Wenn ein Vögelchen vom Meer kommt, so tränke und füttere es. ohne etwas dafür zu nehmen ; dann wird seine Stimme weiter hörbar sein als die der Gans oder des Kranichs.' — 11. Was ist das Schnellste, Süßeste, Kostbarste? — Vgl. oben 2, 857 f. 3, 16. 43; dazu Kristensen, Folkegaader S. 61. 197. Skattegraveren 5, 119. Kubin, Povidky kladske 2. 194—196. Povidky lidu opav. a han. S. 154 nr. 58. Zbiör wiadom. antropol. 5, 207 nr. 12. Zivaja Star. 14, 48 nr. 4. 153. Die Sterntaler. rsss s. 238. 1812 nr. 83 'Das arme Mädchen' = 1819 nr. 153. — Nach dunkler Erinnerung aufgeschrieben ; möge es jemand ergänzen und berichtigen ! — Jean Paul gedenkt seiner in der Unsichtbaren Loge 1, 214 (1793) = Sämtliche Werke 1840 1, 139. ») Auch A. v. Arnim hat es in den Erzählungen 1812 S. 231 f. = Werke 1, 242 (Die drei liebreichen Schwestern und der glückliche Färber) benutzt. *) Hier erzählt einer den Kindern von einem abends ohne Obdach umherirrenden armen blutjungen Mädchen, das. wenn ein Stern sich putzte und herunterfuhr, unten einen hübschen Taler fand, auf den ein silberner Engel aufgesetzt war, welcher Engel immer glänzender und breiter wurde, bis er gar die Flügel aufmachte und vom Taler aufflog gen Himmel und dann der Kleinen droben aus den vielen Sternen alles holte, was sie nur haben wollte, und zwar herrliche Sachen, worauf der Engel sich wieder auf das Silber setzte und sehr nett sich da zusammen- schmieste. 234 153. Die Sterntaler. Ein Gedicht von Bauernfeld 'Die Sterntaler' (Werke 1905 1, 27) beruht auf Grimm, ebenso eins von Roose im Berliner Ms. germ. oct. 316 und ein schwedisches Volksbuch 'Stjern- Riksdalrarne' (1846) nach Bäckström, Sv. folkböcker 3, 52. In Belgien scheint eine ähnliche Sage bekannt zu sein nach *Coremans, L'annee de l'ancienne Belgique p. 371 (Revue des trad. pop. 17, 573). Sternschnuppen (Sternbutze, mhd. sternfürb, sternschoz) gelten vielfach als Glückszeichen. Wie sie dem griechischen Schiffer günstigen Wind verkünden (Theokrit 13, 50; vgl. Ilias 4, 75 und Seneca, Nat. quacst. 1, 1, 12), so fällt in dem oben 1, 492 an- geführten holsteinischen Märchen bei Müllenhoff S. 409 nr. 8 eine dem Mädchen in den Schoß, das Seide aus Flachs spinnen soll. Nach schwäbischem Volksglauben (Birlinger, Volkstümliches 1, 190) sind die Sternschnuppen Dochtbutzen, die von den Engeln an den Himmelslichtern abgezwickt werden; wer einen findet, wird ein reicher Mann, denn der Butzen ist von Gold und Silber. In der Oberpfalz (Schönwerth 2, 61. 79) erzählt man, daß dort, wo eine Sternschnuppe niederfalle, ein Kreuzer, der nie weicht, so oft man ihn auch ausgibt,1) oder ein Napf Geld zu finden sei. Nach tirolischem Glauben fällt sie auf die Stelle, wo ein Schatz2) verborgen liegt (Zingerle, Sitten 1857 S. 134); ebenso schlesisch und böhmisch (Drechsler, Sitte 2, 135. A. John, Westböhmen S. 234. Grohmann, Aberglaube S. 32). Personifiziert wird die Sternschnuppe als ein gottgesandter Engel (Bartsch, Mecklenburg 2, 201. Andree, Ethno- graphische Parallelen 1, 112. 1878), anderwärts freilich als ein vom Himmel herabgestoßener böser Geist (Dähnhardt, Natursagen 1, 134. Zs. f. dt. Mythol. 1, 179. Revue des trad. pop. 11, 656. 16, 565. 19, 43. Zedlers Universallexikon 39, 1990: türkisch) oder als ein Gelddrache (Birlinger, Vtl. 1, 189. Drechsler 2, 135. Bartsch 1, 256. 2, 201). 3) *) In einer abessinischen Sage (Archiv f. Religionswissenschaft 11, 312) wird aus der Sternschnuppe ein glückbringendes graues Tierlein. 3) Eine freie Umdeutung Eichendorffs ist es wohl, wenn in seinem Lustspiel 'Die Freier' (Werke 4, 643. 1864) ein Mädchen meint, wo der erste Stein herunterfalle, da komme ihr Bräutigam her. 3) Allgemein verbreitet ist ferner der Glaube, es erfülle sich der Wunsch, den man im Augenblicke, wo die Sternschnuppe fällt, aus- spreche: Wuttke, Volksaberglaube § 451. Tobler, Appenzeller Sprachschatz S. 408b. Zs. f. dt. Myth. 4, 6. Schweiz. Archiv 12, 279. E. H. Meyer, Bad. Volksleben S. 516. Zingerle, Sitten S. 134. Schleicher, Sonneberg 154. Der gestohlene Heller. 235 154. Der gestohlene Heller. i656 s. 238. 1812 nr. 7 = 1819 nr. 154 Von Gretchen Wild in Kassel 1808. — Vgl. Wackernagel, Kl. Schriften 2, 407 = Altdeutsche Blätter 1, 181. Nacherzählt von Bechstein, Neues Märchenbuch 18 1871 nr. 9 'Das Hellerlein'. Ähnliche Bußen Verstorbener für einen geringfügigen Diebstahl erscheinen bei Bechstein, Sagen des Rhöngebirges 1842 S. 271 nr. 135 'Das Dreierlein' und Knoop, Posener Geld- und Schatzsagen (Progr. Rogasen 1908) S. 17 nr. 29 'Der gestohlene Heller'; vgl. dort nr. 28 'Das wiedererscheinende Kind' und nr. 30 'Der verborgene Sechser'. 1856 S. 134. Zs. f. Vk. 9, 231. E. John, Erzgebirge 1909 S. 249. Drechsler, Schlesien 2, 135. Strackerjan2 1, 19. Bartsch 2, 202. Zs. f .Vk. 5, 461. Kristensen, Sagn og overtro fra Jylland 2, 2, 23. Skattegraveren 8, 16. J.Wolf, Beiträge 1, 248. Sebillot, Folklore de France 1, 50. Bevue des trad. pop. 17, 573. Weil, Bibl. Legenden der Muselmänner S. 210. Ein von Bodenstedt verdeutschtes Gedicht der Gräfin Bostoptschin in den Liedern aus der Fremde 1857 S. 7. — Endlich bedeutet der fallende Stern, daß in diesem Augenblicke ein Mensch stirbt, und Fromme sprechen dann ein Gebet: Plinius 2, 28. Eusebios von Alexandreia bei Useuer, Religionsgeschichtliche Untersuchungen l2, 79 Anm. J. Grimm, Myth.3 S. 685. 3, 210. 454. Wuttke, Volksaberglaube § 264. Erk-Böhme, Liederhort nr. 218 'Es fielen drei Sterne vom Himmel herab'. Schweiz. Archiv 2, 217. E. Meier, Sagen aus Schwaben 2, 506. Meyer, Bad. Volksleben S. 516. Haltrich, Zur Volkskunde 1885 S. 300. A. John, Westböhmen S. 234. Grohmaun S. 31. Drechsler, Schlesien 2, 135. Kuhn-Schwartz, Norddeutsche Sg. S. 457. Strackerjan2 1, 18. Bartsch 2, 201. Zs. f. Volksk. 5, 431. 8, 290 (isländisch). 22, 158 (rumänisch). Volkskunde 17, 51. 19, 134. Skattegraveren 8, 16. Wigström, Folk- diktning 1, 152. Sebillot, Folklore de France 1, 49. Beranger, Chansons 1861 p. 272 'Les etoiles qui filent'. Revue des trad. pop. 11, 656. 13, 178. 16, 565. 17, 572. 18, 99. 21, 104. 26, 161. 28, 82. Pitre, Usi 3, 9. Bibl. de las trad. pop. esp. 8, 268. Polites, JJaQadoOElc, 2, 860 nr. 273. Andree, Ethnogr. Parallelen 1, 111. 236 155. Die Brautscliau. 1856 s. 23a 155. Die Brautschau. 1819 nr. 155. — Aus der Schweiz, mitgeteilt von Wyß, Idyllen 1815 8. 321 in der Anmerkung zu seiner Dichtung 'Die Apfelprobe'1); vgl. Hamann, Die literarischen Vorlagen der KHM. 1906 S. 79. Danach und nach einer mündlichen Zürcher Über- lieferung bei Sutermeister nr. 40 'Die Käsprobe'. — Aus Schwaben bei Meier nr. 30 'Die Brautschau'. Ein englisches Gedicht mit dem Anfange 'There lived in York, an age ago, A man whose name was Pimlico' wird in Notes and Queries 6. series 9, 357 (1884) angeführt. Etwas Ähnliches hat Schütze, Holsteinisches Idiotikon 1, 334 (1800) = Müllenhof f S. 586 'Der Freier'. Ein junger Mann besuchte drei Schwestern und fand ihre Wochen voll Flachs. Heimlich steckte er einen Schlüssel in den Flachsüberzug der ältesten und fand ihn am folgenden Tage im Flachs wieder. Ebenso gings ihm bei der zweiten. Die dritte aber sagte ihm am nächsten Tage: :Se hebben Eeren Slötel in minen Wocken steeken laten.' wDu bist die rechte', sprach er und nahm die Fleißige zur Frau.2) — Ebenso dänisch in Skattegraveren 12. 218 'Naglen i blärene'; schwedisch bei Aberg nr. 340 'Om flickan, som var sä flink att spinna' und nr. 341; Hackmans Register nr. 1453; norwegisch bei Braset 1, 98; finnisch in Aarnes Register nr. 1453. Ein nieder- österreichischer Schwank von einem, der sich eine Braut suchen will und sich einen Strohhalm, wie sie unterm Bett liegen, zum Zähnestochern ausbittet, in der Zs. f. dt. Mythol. 4, 25. Im 1) Über die Freundesprobe durch einen geschenkten Apfel vgl. oben 2, 392. R. Köhler, Zs. f. Volksk. 6, 173 zu Gonzenbach nr. 90. Pitre, Cartelli 1918 p. 447 nr. 13. — Kaiser Karl erprobt durch Äpfel den Gehorsam seiner Söhne (Vitry, Exempla 1890 nr. 123), Salomo das Geschlecht der Kinder (oben 2, 58. Folklore 1, 133. 354. Stapfer bei Bächtold, Gesch. der dt. Lit. in der Schweiz 1892 S. 387), andre das eines als Frau verkleideten Räubers (Volkskunde 19, 26. Dykstra 2, 91. Kristensen, Gamle folkefoitsellinger om det j.yske almueliv 5, 184. 1894 und Sagn og overtro 2, 1, 148). Über die Wahl zwischen Apfel und Gulden als Probe der Zurechnungs- fähigkeit s. oben 1, 203. 2) Ähnlich wird in einem Kölner Schwanke bei Metkens, Was sich das Volk erzählt 1, 145 nr. 166 die Keuschheit des Pfarrers durch eine in sein Bett gelegte Feuerzange erprobt. 155. Die Brautschau. 237 englischen Schwank bei Addy nr. 12 'The choice of a servant' wird die neue Magd durch einen im Wege liegenden Besen erprobt. Drei lispelnde Schwestern, denen die Mutter während des Besuches des Freiers Schweigen anempfohlen hat, brechen dieses plötzlich, als der Faden am Spinnrade reißt oder eine Spinne sichtbar wird. Davon berichtet schon ein Meisterlied des Hans Sachs v. J. 1555 (Zs. f. Volkskunde 3, 60 = Schwanke ed. Goetze G, 171 nr. 953) und eine Reihe jüngerer Volksschwänke: Sutermeister nr. 22 'Die drei Töchtere'. Müllenhoff S. 413 'De dre Süstern' == Simrock, Märchen S. 268. Wossidlo 1910 S. 98 'Die drei lispelnden Schwestern'. Haas, Schnurren von Rügen 1899 nr. 91. Blätter f. pommersche Vk. 1, 181. 3, 58. 5, 22. 9, 57. 10, 101. Hai trieb 4 S. 204 nr. 53. Am Urquell 3, 293. 342. Bolte, Zs. f. Vk. 3, 58. 7, 320. Dähnhardt, Schwanke nr. 16. Dänisch bei Grundtvig, Folkeaventyr 1884 p. 47. Kristensen, Skjjemtesagn 1900 S.35. Schwedisch bei Nordland er, Sv. landsm. 7, 8, 3. Norwegisch : Braset 1, 103. Sardinisch bei Mango nr. 13 'Le tre stupide'; vgl. Imbriani, Conti pomiglianesi p. 223 nr. 7 A muzzella. Serbokroatisch in Bos. Vila 4, 12. Grdic-Bjelokosic, Stotina S. 57. Zbornik jslav. 19, 94 nr. 10. Großrussisch bei Ivanickij S. 200 nr. 31; Zap. Krasnojarsk. 1, 40 nr. 21; Cudinskij2 S. 138. Weißrussisch bei Sejn 2, 314 nr. 149; Federowski 3, 165 nr. 295 — 296. Kleinrussisch bei Sadok Baracz S. 134 (verspottet den masurischen Dialekt). Hrincenko 2, 300 nr. 24. Polnisch: Zbiör wiadom. 17, 125 nr. 1. Slowakisch: Slov. Pohl'ady 16, 321 nr. 28. C e c h i s c h : Radostov 5, 3 = 2. Aufl. 1, 150 nr. 18. Lettisch bei Böhm nr. 12 = v. Lövvis 1916 S. 118. Finnisch in Aarnes Register nr. 1457. Peruanisch bei Duine 1896 p. 43. Um zu beweisen, daß sie scharf sehen kann, zeigt ein halb- blindes Mädchen dem Freier eine Nähnadel, klappt aber mit der Hand in die Butter auf dem Tische, die sie für die Katze ansieht : So aus Hannover bei Busch S. 12 'Ilsabein' = Kbl. f. nd. Sprach- forschung 22, 16; aus Mecklenburg bei Wossidlo 1910 S. 99 'Die Scharfsichtige'. Anthropophyteia 6, 277 nr. 2. Serbisch: Srpski etnograf. Zbornik 16, 379 nr. 14. Kleinrussisch : Hrincenko 1, 125 nr. 142; Hnatjuk, Geschlechtleben 2, 30 nr. 63; großrussisch: Oncukov S. 480 m\ 210; Zap. Krasnojarsk. 1, 40 nr. 22. Finnisch: Aarnes Register nr. 1456. 238 155. Die Brautschau. Während bei diesen Brautproben Ordnungsliebe, Fleiß, scharfes Auge und deutliche Bede verlangt wird, kommt es in der 'Erbsen- probe' (nr. 182a) darauf an, die vornehme Abkunft durch die Zartheit und Empfindlichkeit der Haut zu erweisen. Eine solche gehörte vielfach ebenso zur vollkommenen Schönheit wie die Durch- sichtigkeit des weißen Halses, der den roten Wein durchschimmern läßt (R. Köhler 2, 348). In der indischen Baital Fachisi nr. 10 (übersetzt von Oesterley 1873 S. 90, vgl. 199) und in der Vetala- Pantschavinsati nr. 10 (Tawney, Kathasaritsagara 2, 281 c. 85) lust- wandelt ein König mit seinen drei Frauen, da fällt der einen eine Lotosblüte auf den Fuß, und dieser bricht; die zweite wird von den Mondstrahlen getroffen und bekommt Geschwüre, die dritte hört das Stampfen einer hölzernen Mörserkeule und sinkt ohnmächtig um.1) Die Cukasaptati nr. 5 und 9 (R. Schmidt, Textus simplicior 1894 S. 11. 22) freilich erklärt es für eitel Heuchelei, wenn die ehe- brecherische Königin die männlichen Fische nicht anblicken will und bei dem Schlag mit einer Blume ohnmächtig wird; und in der persischen Erzählung bei Ciistoforo Armeno (J. Wetzel, Reise der Söhne Giaffers 1583 S. 228 = ed. Fischer-Bolte 1895 S. 120, vgl. 217) verstellen sich drei von den vier vor den König geführten Jungfrauen ähnlich: die eine heuchelt Ohnmacht, als der König ihr Rosenblätter an die Brust wirft und ein Rosenästchen dabei ihr ins Gesicht springt, und deckt vor der Bildsäule eines Mannes2) ihr Antlitz mit den Händen; die zweite ruft: 'Herr, geht weg! Denn die Haare an eurem Pelz stechen mich' ; die dritte hält, wie sie im See Fische springen sieht, ein Tuch vors Gesicht, weil Männlein unter den Fischen sein könnten. Siamesisch bei Bastian, Geographische und ethnologische Bilder 1873 S. 267. Bei D'Ouville (Elite des contes 1680; ed. Brunet 1883 2, 149 'De la delicatesse de quatre femmes' = Amusemens francois ou contes ä rire 1752 1, 204 'La fausse delicatesse') streiten vier Nachbarinnen, die durch ein Rosenblatt, eine Falte im Bettlaken, drei nach der falschen Seite *) Das erinnert an die griechischen Erzählungen von den Syba- riten, deren einer Blasen auf dem Rücken bekommt, als er auf Rosen- blättern gelegen hat (Aelian, Varia bist. 9, 24); ein andrer bekommt einen Bruch, als er einen Arbeiter hacken sieht, ein dritter Seitenstiche, als ihm davon erzählt wird (Timäus bei Atbetiäus 12, 3 p. 518 D = Müller, Fragm. hist. Graec. 1, 205). 2) Vgl. dazu Wetzel ed. Fischer-Bolte S. 217. 157. Der Sperling und seine vier Kinder. 239 gekämmte Haare und eine gesprungene Ader viel gelitten haben, um den Preis der Empfindlichkeit. Im italienischen Märchen bei De Nino 3, 348 nr. 70 'La Vendetta' verhext eine Alte drei Königs- töchter, indem sie ihnen die Bettücher verkehrt legt, ein Haar ausreißt oder eine Jasminblüte gegen die Brust wirft. Im wälsch- tiroler Märchen bei Schneller nr. 45 'Die Empfindlichste' endlich begegnet ein heiratslustiger Prinz drei auf dieselbe Weise gequälten Mädchen und wählt die dritte zur Frau. In einem Schwanke aus Ostgalizien (Zbior wiadom. 17,305 nr. 3) denkt ein Dummling, der auf einer Bank geschlafen, nach, warum ihn alle Glieder schmerzen, da erblickt er eine Gansfeder auf der Bank und meint: Wenn eine einzige Feder so drücken kann, wievielmehr muß ein ganzes Federbett drücken! Seitdem schlief er nie mehr auf Federn. 156. Die Schlickerlinge. rase s. 239. 1819 nr. 156. Aus dem Mecklenburgischen. — Ähnlich singt bei Wossidlo, Aus dem Lande Fritz Reuters 1910 S. 56 die Magd beim Tanz: Von mine Fru ehren Futikan (Pfui dich an) Heff ik so'n bunten Bock von an. Ebenda S. 56 'Knüpfen vors Knie'. — Gehört zu den Märchen, die auf einfache Art eine alte Lehre geben, wie jenes von der Brautschau (nr. 155). Das Spinnen ist die eigentliche Arbeit der Hausfrau nach alten Sitten, ihr Leben und Weben. 157. Der Sperling und seine vier Kinder. lsseassa 1812 nr. 35, seit 1819 nr. 157. — Aus Schuppius, Fabul- Hans 1660 Bl. B 10 b = Schriften (o. J.) S. 837; diese Schrift ist jedoch nur eine neue Ausgabe der 7. Predigt in J. Mathesius Historien von Dr. Martin Luther (1563), betitelt 'Von Jothams Märlein' = Mathesius, Ausgewählte Werke ed. Loesche 3, 151 (2. Aufl. 1906), und die Erzählung gehört offenbar zu den von 240 157. Der Sperling und seine vier Kinder. Mathesius gedichteten Fabeln, die er am 7. Mai 1557 an Paul Eber sandte (Mathesius, Ausgewählte Werke 4, 5G9). Aus Mathesius schöpfte Nathan Chytraeus (Hundert Fabeln 1571 nr. 16 'Sperling'), den dann Rollenhagen im Froschmeuseler 1595 El. Aa5a = 1, 260 ed. Goedeke 1876 (2, 2, cap. 7 'Doctor Sperlings Rat') in Reime brachte und breiter ausführte, und A. v. Arnim in der Gräfin Dolores 2, 172 (Werke 8, 190) 'Die Schule der Erfahrung'. Vgl. Hamann, Die literar. Vorlagen der KHM. 1906 S 28 und Steig, Brentano und die Brüder Grimm 1914 S. 117. Aber die Fabel geht tiefer ins Mittelalter zurück. Im Esope nr. 92 erzählt Marie de France (Fabeln ed. Warnke 1898), wie ein Rabe sein Kind lehrt, sich vor dem Menschen zu hüten, wenn er sich nach einem Stein oder Stock bücke. 'Wenn ich aber sehe,' fragt das Junge, 'daß er sich nicht bückt und nichts in den Händen hat, muß ich mich da auch entfernen'?' Da fürchtet der alte Rabe nicht mehr für seines Kindes Leben, da es sich selber helfen könne. Ebenso in der lateinischen Fabel 'Quomodo corvus filios docuit' im Romulus ed. Oesterley 1870 app. nr. 55 und Hervieux, Les fabulistes latins 2, 612 nr. 70. Aus einem mlat. Gedichte 'Joealis' führt E. Du Meril, Poesies ined. du m03ren äge 1854 p. 144 die Anspielung an : Cornix mater ait pullo: Si forte lapillum Quisquam tollit humo, fugias velocius illum! Bei Hugo von Trimberg, Renner v. 14955 ed. Ehrismann und Bonaventure des Periers, Nouvelles recreations 1558 nr. 87 'De la pie et de ses piauz' ist aus dem Raben eine Elster geworden; beim Franzosen erwähnen die Jungen das Zielen mit der Armbrust, das Aufheben des Steins und als das Gefährlichste, wenn der Mensch beständig einen Stein in der Hand trägt. Ein Meisterlied der Kolmarer Hs. (ed. Bartsch 1862 S. 263) 'Driu exempel Ysopi' macht aus dem Raben eine alte Krähe'), während Hans Sachs 1548 in seinem Meisterliede 'Die Wölfin mit ihrem Jungen' (Schwanke 4, 380 nr. 496) die Geschichte von einer Wölfin berichtet; diese warnt vor den Menschen mit Jagdbüchse, Schweinsspieß und Hellebarde, heißt aber ihren Sohn den Landsknecht mit dem langen Spieß unverzagt angreifen. W. Grimm (Tierfabeln bei den Meistersängern, Abh. der a) In einer kleinrussischen Fabel Etnogr. Zbirnj'k 37 — 38, 380 nr. 282—283 fragt eine Krähe ihre Jungen, indem sie sie über einen Fluß trägt, wie sie sie im Alter pflegen werden, und läßt die älteren fallen, weil sie übertriebene Versprechungen machen. 157 a. Die heilige Trau Kümmernis. 241 Berliner Akad. 1855, 248 = Kl. Schriften 4. 393) zieht hierzu noch andere Tierfabeln heran, in denen der Löwe (Pauli c. 20 ed. Oesterley. H. Sachs, Schwanke 3, 308 nr. 152) oder die Hirschkuh (Marie de France nr. 91) ihre Jungen unterweisen. Schottisch bei Campbell2 3, 133 nr. 71 'The hoodie catechising the young one'. — Griechisch bei Carnoy et Nicolaides p. 186 'Le moineau et ses enfants'. — Armenisch bei Vartan, Choix de fables 1825 nr. 32 'Le corbeau et ses petits\ 157a. Die heilige Frau Kümmernis. (1815 nr. 66.) Es war einmal eine fromme Jungfrau, die gelobte Gott, nicht zu heiraten, und war wunderschön, so daß es ihr Vater nicht zugeben und sie gern zur Ehe zwingen wollte. In dieser Not flehte sie Gott an, daß er ihr einen Bart wachsen lassen sollte, welches alsogleich geschah. Aber der König ergrimmte und ließ sie ans Kreuz schlagen, da ward sie eine Heilige. Nun geschah es, daß ein gar armer Spielmann in die Kirche kam, wo ihr Bildnis stand, kniete davor nieder. Da freute es die Heilige, daß dieser zuerst ihre Unschuld anerkannte, und das Bild, das mit güldenen Pantoffeln angetan war, ließ einen davon los und herunterfallen, damit er dem Pilgrim zugute käme. Der neigte sich dankbar und nahm die Gabe. Bald aber wurde der Goldschuh in der Kirche vermißt und geschah allenthalben Frage, bis er zuletzt bei dem armen Geigerlein gefunden, auch es als ein böser Dieb verdammt und ausgeführt wurde, um zu hangen. Unterwegs aber ging der Zug an dem Gotteshaus vorbei, wo die Bildsäule stand; begehrte der Spielmann hineingehen zu dürfen, daß er zu guter Letzt Abschied nähme mit seinem Geiglein und seiner Gut- täterin die Not seines Herzens klagen könnte. Dies wurde ihm nun erlaubt. Kaum aber hatt er den ersten Strich getan, siehe, so ließ das Bild auch den andern güldnen Pantoffel herabfallen und zeigte damit, daß er des Diebstahls unschuldig wäre. Also wurde der Geiger der Eisen und Bande ledig, zog vergnügt seiner Straßen. Die heilige Jungfrau aber hieß Kümmernis. Grimm, Märchen- Anmerkungen III. \ß 242 157 a. Die heilige Frau Kümmernis. Nach Andreas Strobl, Ovum paschale (Salzburg 1700) S. 216; vgl. Hamann, Die literar. Vorlagen der KHM. 1906 8. 57. J. Prätorius, Wünschelrute 1667 S. 152 wird zu Grimms Deutschen Sagen nr. 330 'Die Jungfrau mit dem Bart' als Quelle angeführt. 'Neigt sich (beißt es 1815) wie nr. 81, 3, 87 und Kinderlegenden 9 aus der Heiligen- legende ins Märchen.' Die Legende von der h. Kümmernis oder Comeria (auch Wilgefortis, Ontkomer, Liberata, Hülpe u. a. genannt) ist im 15. Jahr- hundert entstanden aus einem Missverständnis der alten romanischen, bekleideten und mit einer Krone versehenen Christusbilder, die den Heiland als den lebenden Himmelskönig am Kreuze darstellen ; die Darstellung des nackten, schmerzgequälten Crucifixus mit der Dornen- krone kam im Abendlande erst im 13. Jahrhundert auf. x) Das Volk sah in jenen alten Bildern eine gekreuzigte Königstochter, die gleich der h. Paula (Acta Sanctorum Febr. 3, 174) und Galla zum Schutze ihrer Jung- fräulichkeit bärtig geworden war, obwohl z. B. das Saalfelder Stein- bild von 1516 die deutliche ßeischrift 'Salvator mundi' trug. Der Kultus dieser von der Kirche niemals anerkannten Heiligen, von der die Acta Sanctorum unter dem 20. Juli (Julii t. 5, 50 : Liberata) be- richten, erstreckt sich über Deutschland, die Schweiz, Belgien, Eng- land, Frankreich. Spanien und Portugal. Die zweite Sage von dem einem armen Geiger geschenkten goldenen Schuh des Heiligenbildes begegnet schon zu Anfang des 13. Jahrh. in Verbindung mit einem solchen alten Christusbilde, dem berühmten Volto Santo im Dome zu Lucca, das den aus Holz geschnitzten Heiland in langem Gewände zeigt; der Schuh des rechten Fußes ist gelöst und wird von einem darunter stehenden Kelche aufgenommen (Sloet, De heilige Ontkommer of Wilgeforthis 1884 S. 73 Taf. 12—14. Schnürer, Freiburger Geschichtsblätter 9, 76 Fig. 1. 1902). Von dieser Statue berichtet nämlich damals der Bologneser Buoncompagno in seiner Rhetorica antiqua: 'quod argen- teum subtellarem proiecerit histrioni, qui ante ipsam tangebat chitaram in dulcore' (Schönbach, Sitzungsberichte der Wiener Akademie 145, 89. 1902). Dargestellt wird die Geigerszene auf einem etwa gleichzeitigen französischen Elfenbein-TrijDtychon (Kevue de l'art chretien 10, 119. 1866), auf belgischen und böhmischen Kirchengemälden ') W. Grimm, Kl. Schriften 3, 184 und in seiner Ausgabe der Goldenen Schmiede Konrads von Würzburg 1840 S. XLVH. Kraus, Gesch. der christl. Kunst 2, 1, 311—324 (1897). 157 a. Die heilige Frau Kümmernis. 243 (Acta S. Julii 5, 59. 63) sowie auf einem römischen Kupferstich von 1723 (Freiburger Geschichtsblätter 10, 177 Taf. 4), erzählt im Lübecker Passional 1492 und öfter, während Hans Burgkmair auf einem Holz- schnittbogen 'die Bildnus zu Luca' mit der Kümmernislegende ver- einigt (Jahresbericht des Neisser Altertumsvereins 7, 29. 1903). *) In Prag ist ihr Altar in der Loretankirche am Hradschin und gleich- falls diese Legende bekannt ; ihr Name wurde bokemisiert in Sv. Starosta (starost = Kummer). Aus der umfangreichen Literatur sei nur noch einiges hervor- gehoben: Mones Anzeiger 7, 583. Benign. Kybl, Wunderspiegel 1, 505. Menzel, Christliche Symbolik 1854 S. 110. 528. 535. Walliser Sagen 1907 1, 245. Menghin, Südtirol S. 83 nr. 39. E. Meier, Sagen aus Schwaben 1, 44 (1852). Panzer, Beitrag 2, 420 (1855). Köhler, Yolksbrauch im Vogtlande 1867 S. 618. Sepp, Altbayerischer Sagen- schatz 1876 S. 175. Weinhold, Zs. f. Volkskunde 9, 322. R. Andree, Votive und Weihegaben 1904 S. 14. Gusinde, Mitteil, der schles. Ges. f. Vkunde 6, 81. Unser Egerland 4, 13. 5, 11. 6, 44 52. 7, 11. 25. 8, 38. 9, 24. Mitt. des nordböhm. Excursionsklubs 17, 317. 327. Deulin, Cambrinus 1874 p. 179 La viole d'amour'. Schnürer, Die ältesten Legenden der hl. Kümmernis (Festschrift für G. v. Hertling 1913 S. 96—107). Otte, Kirchliche Kunstarchäo- logie des dt. Mittelalters5 1, 580 (1883). Kraus, Geschichte der christl. Kunst 2, 1, 434. Zu der letzten Spiel mannsbitte vgl. oben 2, 501. Man hat mehr als eine Sage von Heiligenbildern, die aus Gnade einen Finger der Hand ausstrecken, um den Ring daraus fallen zu lassen. In den beiden Künigeskinnern (nr. 113) nickt der steinerne Christoph mit dem Kopf. Der Leichnam des h. Sebald zu Nürnberg, als ein frecher Gesell ihn am Bart zupft und fragt : 'Alter, wie schmeckt *) Ein Lied in den Mitteilungen zur Volkskunde des Schönhengster Landes 5, 157 (1909), ein andres auf die h. Wilgefort bei Kirschner, Volksgesänge aus dem Aussiger Gau 1898 S. 38. J. Kerner hat in einem Gedicht 'Der Geiger zu Gmünd' (1816; dazu sein Briefwechsel 1, 433. 1898 und eine Oper von Stich 1875) statt der hl. Kümmernis Cäcilia, Guido Görres (Gedichte 1844 S. 128 'Der arme Spielmann') die Jungfrau Maria eingesetzt. In Belgien wird die Geigerlegende von der bl.Philo- mena (de Cock en Teirlinck, Brabantsch Sageuboek 2, 344. 1911), in Bulgarien (Strauß, Die Bulgaren S. 311) vom hl. Spiridon, in einer kleinrussischen Legende aus Ostgalizien (Etnograf. Zbirnyk 13, 246 nr. 427) vom gekreuzigten Heiland erzäblt. 16* 244 158. Das Märchen vom Schlauraffenland. dir der Most?' regt die Hand und gibt ihm eine Ohrfeige, daß die fünf Finger auf der Wange unvertilgliche Spuren eindrücken (Wagenseil, De civitate Noribergensi 1697 S. 45). Über die sich bewegenden Heiligenstandbilder vgl. oben S. 127. läse s. 239 158. Das Märchen vom Schlauraffenland. 1815 nr. 67 = 1819 nr. 158. Nach einem Gedichte des 14. Jahr- hunderts 'So ist diz von lügenen' (Chph. Heinr. Müllers Sammlung deutscher Gedichte aus dem 12. — 14. Jahrh. 3, Anhang S. XIV. 1784; vgl. Haupt und Hoffmann, Altdeutsche Blätter 1, 163. 1836 und Erk- Böhme, Liederhort nr. 1100). Doch sind bei der Übertragung ein paar kleine Versehen, auf die Hamann, Die literarischen Vorlagen 1906 S. 54 aufmerksam macht, *) mit untergelaufen; auch hat W. Grimm für den Anfang 'Ich sach eins mäles in der äffen zit'2) ohne weiteres eingesetzt 'In der Schlauraff en zeit', obwohl die Dichtung sich ganz in den Formen des Lügenmärchens bewegt und Anklänge an die berühmten Schilderungen des Schlaraffenlandes bis auf die Linde mit heißen Fladen und den Honigfluß fehlen.3) Zu dem Schlüsse vergleicht E. Du Meril, Etudes 1862 p. 452 die in der Normandie bekannte Formel: 'Alors le coq chanta kickeriki, et mon conte a fiui ' Die hier spaßhaft gewendete Idee eines Fabellandes steigt ohne Frage in ein hohes Alter auf.4) In gläubigem Kinderernst erscheint *) Ein bitterscharfes Schwert (ein vil boesez swert, d. h. ein sehr stumpfes); zwei Kinder die würfen zwei Zicklein (dö sach ich zwei rinder zwo geize bringen) ; im Hof standen vier Rosse, die droschen Korn aus allen Kräften (dö sach ich vier rösser üz howe [Heu] körn dreschen). 2J Affenzeit ist ebenso wie Affenberg und Affental (Wackernagel, Kl. Schriften 3, 125) eine lustige Umschreibung des frei Erdachten. 3) Poeschel in Paul-Braunes Beiträgen 5,419. Allerdings hat man schon im 17. Jahrhundert den Namen 'Schlauraffenland' auch auf aller- hand Schilderungen von unmöglichen Dingen übertragen (Müller-Frau- reuth, Lügendichtungen 1881 S. 14. Bolte, Zs. f. Volkskunde 20, 193). 4) Vgl. Poeschel, Das Märchen vom Schlaraffenlande (Paul-Braunes Beiträge 5, 389—427. 1878) und Erich Schmidt, Charakteristiken 23, 53-73 'Das Schlaraffenland' (1912). Ferner E. Rohde, Der griechische Roman2 1900 S. 210; Schenkl, Germ. 7, 193; A. Graf, Miti del medio evo 1, 1 (1892) 'II mito del paradiso terrestre' und 1, 229 'II paese di Cuccagna'; Eolte, Zs. f. Volkskunde 20, 187 'Das Schlaraffenland' ; Müller-Frau reu th, Das Märchen vom Schlaraffenland (Dresdner Anzeiger 1912, Sonntags- beilage nr. 33 f.) 158. Das Märchen vom Schlauraffenland. 245 sie im Märchen vom Zuckerhäuschen, das mit Fladen gedeckt, mit Zimmet gebalkt ist (oben 1, 115 nr. 15 'Hansel und Gretel'. Pröhle, KVM. nr. 40 'Kickams Haus'. Zs. f. Volkskunde 15, 346), und schließt sich an die noch tieferen Mythen von dem verlorenen Paradies, worin Milch und Honig strömen. Vom goldenen Zeit- alter unter der Herrschaft des Kronos, da die Menschen ohne Schmerz und Sorgen genossen, was der Acker willig bot, erzählen Hesiod, Werke und Tage v. 109 und Ovid, Metam. 1, 89. Als ein Land märchenhaften Überflusses erscheint bei Herodot 3, 17 das ferne Äthiopien, noch mehr geographische Fabeleien wurden durch Ktesias u. a. auf das Wunderland Indien gehäuft. Vom irdischen Paradiese, seinen Juwelen und Früchten, seinen Milch- und Honig- strömen und dem Jugendquell, den der Welteroberer Alexander ver- gebens suchte, berichten mittelalterliche Sagen; und die Entdecker des 15. und 16. Jahrhunderts hofften in Amerika nicht nur das Gold- land des Dorado, sondern auch den Jungbrunnen der Insel Bimini zu finden, nach welcher 1513 der Spanier Ponce de Leon auszog. — Solche schwärmerisch ausgemalten Schilderungen entgingen nicht der lustigen oder gesalzenen Parodie. Von den attischen Komödien des 5. Jahrhunderts, die solch herrliche Schlemmerei aus dem Zeitalter des Kronos auf der Bühne vorführten, sind freilich nur Bruchstücke überliefert. In den Amphiktyonen des Telekleides z. B. floß der Gießbach von Wein, die Fische brieten sich selber und trugen sich auf, gebratene Vögel und feines Backwerk flog einem in den Mund. In den @r]Qia des Krates sind die Geräte belebt; zum Tische sagt man : Komm und decke dich ! zum Backtroge : Knete den Teig ! zum Kruge: Schenk ein ! Bei Pherekrates in den MetaAZT/g führen die Suppenströme gleich Löffel mit sich, herrliches Obst hängt über den Häuptern, und alles, wovon man ißt und trinkt, verdoppelt sich als- bald. In den JSeiQfjveg des Nikophon regnet es Mehl, Brot und Brei.1) Noch wollüstiger beschreibt später der Schalk Lukian in seiner 'Wahren Geschichte' 2, 3. 6 das rebenbewachsene Käseiland im Milchmeer und die Insel der Seligen. Unter den fahrenden Klerikern des Mittelalters lief die lustige Sage um von dem Wunschreiche Cucania, als dessen Abt sich der *) Meineke, Fragmenta comicorum Graecorum 2, 1, 361. 237. 299. 851 = Kock, Comicorum Atticorum fragmenta 1, 209. 133. 174. 777. 246 158. Das Märchen vom Schlauraffenland. trinkfrohe Dichter der 'Confessio Goliae' um 1163 bezeichnet.1) Eine nähere Beschreibung liefert jedoch erst das französische Fablei de Cocaigne aus dem 13. Jahrhundert (Meon, Fabliaux 4, 175. 1808): statt der Arbeit wird dort der Schlaf bezahlt; die Häuser sind aus Fischen, Speck und Würsten erbaut; überall sind Tische gedeckt, gebratene Gänse watscheln durch die Straßen, ein Bach führt weißen und roten Wein, sowie goldene und silberne Becher mit sich; vier- mal im Jahre feiert man Ostern und Fasching, die Fastenzeit aber nur alle zwanzig Jahre einmal; dreimal in der Woche regnet es Torten, gefüllte Börsen holt man vom Felde; das unvergleichlichste Wunder aber ist der Jungbrunnen, la fontaine de jovent. Das mittelenglische Gedicht 'Cokaygne' (Mätzner, Altenglische Sprach- proben 1, 147. 1867) schildert das Schlaraffenleben von Mönchen und Nonnen,2) zu dem aber nur gelangt, wer sieben Jahre im Schweine- mist bis zum Kinn gewatet und Gottes nicht gedacht hat (vgl. oben 2, 4311), während eine niederländische Dichtung 'van dat edele lant van Cockaengen' (Priebsch, Tijdschrift voor nederl. Taalkunde 13, 185) sich genauer an das französische Vorbild anschließt. — Iu Italien faßt ein wohl von Giulio Cesare Croce verfaßtes 'Capitolo di Cuccagna' in 57 Terzinen die hier längst verbreiteten Volks- vorstellungen zusammen ;3) sein 'Trionfo de' poltroni' (Zenatti p. 63, ') Carmina Burana ed. Schindler p. 254. J. Grimm, Kl. Schriften 3, 78 = Abh. der Berliner Akad. 1843, 2361 führt Cueania zurück auf Kuchen (ahd. chuocho), weil im Schlaraffenlande die Häuser mit Kuchen und Fladen gedeckt sind; Diez und Littre denken an ein romanisches Stammwort coca, couque, das gleichfalls auf die lateinische Wurzel coquere zurückgeht. Auch das 'kokänisch gewant' imSeifrid Helbling8, v. 738 gehört hierher. 3) Vgl. Matthaei, Das weltliche Klösterlein (Diss. Marburg 1908). 8) Nach einer Ausgabe von 1581 abgedruckt bei Zenatti, Storia di Campriano contadino 1884 p. 55. LXI: 'Son stato nel paese di Cuccagna'; Vinetia 1625 (Mones Anzeiger 7, 406); Giovannino il Tranese 1715 (Giam- battista Basile 2, 84. 1884). Alessandro da Siena, Historia nuova della cittä di Cuccagua (vor 1500). Martin cieco da Lucca, Trionfo della Cuccagna (bei Calmo, Lettere 1888 p. 400). Pietro di Piccioli, La nuova Cucagua, Trevigi 1658 ('L'altro zorno. magnando una castagna' . . .). Vgl. ferner Folengo, Opere maccheroniche ed. Portioli 1, 64. Calmo, Lettere 2, nr. 31 (1548). Garzoni, Piazza universale 1587 p. 657. Lippi, B Malmantile 1815 1, 131. Graf, Miti 1, 236. Gueiriui, Croce 1879 p. 453. Novati, Giornale storico della lett. ital. 5, 263 und Lares 2, 167. Bossi in 158. Das Märchen vom Schlauraffenland. 247 Str. 7) beschreibt den schon in Boccaccios (Dec. 8, nr. 3) Freudenland Bengodi erwähnten Berg von geriebenem Käse, auf dessen Gipfel Maccaroni und Klöße in einem großen Kessel kochen und dann den Berg hinabrollen: El ghe se un monte de formazo grattao, ghe n' e de dolze e ghe n' e de salao, e a torno ghe se un lago d' onto sottil descolao, e in cima un calderon ch' e molto ben fortificao. E tutti quanti che vuol de' maccaroni vaga lä auanti che ghe se i so pironi, ch' e sempre apparecchiai a posta lä per i poltroni, che iio i e troppo caldi, guanche freddi, ma i e boni. So berichtet auch der unter Basiles Namen schreibende Paler- mitaner Giuseppe di Montagna in 'La Cuccagna conquistata' (1640) von der alma cittä di Cuccagna: Sedi Cnccagna suttu una montagna di fnrmaggiu grattatu, et havi in cima di maccaruni una caudara magna. Der Käseberg nimmt auch auf einem öfter aufgelegten Bilder- bogen 'La Cuccagna, descrittione del gran paese de Cuccagna, dove che piu dorme piu guadagna' !) die Mitte ein ; darunter sieht man u. a. einen Palast für die Schlafenden und ein Gefängnis für die beim Arbeiten Betroffenen; die Faulen ziehen mit ihrem König Panigon umher. Dazu die Unterschrift: Questo un paese d'altro ch' Alamagna Doue si guazza l'hosteria pagando, Quiui si da buon tempo ognun mangiando Senza dinari, e chiamasi Cuccagna. seiner Ausgabe von Calmos Lettere 1888 p. 398—410. — Auch das venezianische Märchen von Utopien, dessen Goethe 1795 in der ersten Epistel v. 56 gedenkt, ist damit verwandt. *) Einen Stich des 16. Jahrh. ohne Namen (37 : 50 cm) besitzt das Dresdener Kupferstichkabinet, einen von 'Mathco Florino Formis' ge- zeichneten aus dem 17. Jahrhundert die K. Bibliothek zu Berlin; ein dritter im 18. Jahrh. bei Carlo Losi in Rom gedruckter ist reproduziert bei E. van Heurck C1). Gubernatis, S. Stefano p. 185 nr. 3. Busk p. 96 'The two hunchbacked brothers' (A2B* C1). Pitre, Fiabe sicil. 2, 94 nr. 64 328 182. Die Geschenke des kleinen Volkes. 'Lu scarparu e li diavuli'; vgl. 4, 432. Rivista delle trad. pop. ital. 1, 535. 677. — Spanisch: Thoms, Lays and legends of Spain p. 83 'Pepito the hunchback' = Keightley p. 461; vgl. Quarterly Review 32, 206 (1825). Maspons, Rondallayre 3, 108 'Los dos geperuts' (A2 B1 C1). — Portugiesisch: Braga, C. tradic. 1, 177 nr. 82 'Os corcundas' (A^C1). Coelho, Revista d' ethnologia 1881, 200 nr. 312. — Baskisch: Cerquand 2, 17 'Les deux bossus'. Vinson p. 14. Webster p. 66 'The witches at the sabbat'. — Slowenisch: Baudouin de Courtenay, Materialien 2, 91. — ■ Cechisch: Kulda 3, 126 nr. 16 (zwei Geister schneiden dem einen den Höcker ab und setzen ihn dem andern an). — Russisch: Oncukov nr. 113. — Litauisch: Kartowicz S. 73 nr. 51. — Lettisch: Böhm nr. 38 'Die beiden Buckligen'. — Türkisch: *The wonder world stories 1877 p. 139. — Mongolisch bei Jülg 1868 S. 3: Siddhikür nr. 14 'Die Knotennase' (der arme Bruder entwendet den tanzenden Geistern einen Zauberhammer; der reiche begibt sich gleichfalls dahin und erhält eine Knotennase ; vgl. oben nr. 142). — Japanisch: Mitford, Tales 1, 284 (1871) = Melusine 1, 161 = Kohl 1, 317 (1875) = Brauns, Japanische Märchen 1885 S. 78 'Die Warze und die Kobolde' (A1 B1 C1. Statt des Buckels eine Warze auf der Stirn). Abseits steht eine alte arabische Variante, die der aus Kairo gebürtige Mohammed ben Hasan ben Ali ben 'Otmän an Naweigi (1383 — 1455) überliefert1). Hier ist wohl von zwei Buck- ligen, wie bei Redi und Späteren, die Rede, aber von keinem Tanze geisterhafter Wesen oder Hexen, an dem jene teilnehmen; vielmehr dringt ein Afrit (Dämon) in Gestalt eines Elephanten durch die Mauer eines öffentlichen Bades zu einem einsam zechenden und singenden Buckligen ein. Als ihn dieser, statt zu erschrecken, ein- lädt sein Mahl zu teilen, fragt der Geist erfreut, ob er sich etwas wünsche. 'Meine beiden Höcker auf Rücken und Brust wäre ich gern los'. Da streicht der Afrit mit der Hand darüber und wirft die Buckel an die Zimmerdecke (wie bei Parnell), so daß jener schlank und vergnügt heimgehn kann. Ein andrer Buckliger, der 0 Aus seinem Buch 'Haibat al kumait' (Anthologie der Weinpoesie. Brockelmann, G-esch. der arabischen Literatur 2, 56), Kairo 1299 der Hedschra p. 49 übersetzt von Basset, Bulletin de folklore 2, 256 'Les bossus et l'elephant'; auch bei Hasan el Aläti, Kitäb tarwih en nofus (Gemütserheiterung), Kairo 18391,157. Ohne Quellenangabe bei Cardonne, Nouveaux melanges de litt. Orientale 1, 164 (1801). 182. Die Geschenke des kleinen Volkes. 329 davon hört, stimmt im selben Gemache ein Lied an; als aber der Afrit aus der Wand hervortritt, verstummt er zitternd, und aus Ärger heftet der Geist ihm die beiden Höcker zu den zwei vor- handenen an. Die Musik und Tanz liebenden Elbe (Erdmännlein, Unter- irdischen. J. Grimm, Myth. 3 S. 438. 3, 130. Wuttke, Volksaberglaube § 50. T. Lund, Dagligt liv i Norden i det 16. aarhundrede4 7, 227. 10, 83) unsres Märchens entsprechen ganz den Feen der keltischen Volkssage (Keightley, Fairy mythology. W. Hertz, Spielmannsbuch 1900 S. 64. Sebillot, Folklore de France 1, 201. 229. 264. 268); einer späteren Zeit entstammt die Schilderung der nächtlichen Tänzer als teuflischer, einen Hexensabbat feiernder Geister (oben S. 17. Wuttke § 209 f. Sebillot 1, 203. 238. T. Lund 7, 223) oder gar als Katzen. Die Elfen beschenken den gutherzigen Teilnehmer ihrer Fröhlichkeit, geben aber, wenn sie mißgelaunt sind, dem Menschen gern eine häßliche Gestalt und entstellen ihn. Das eigentümliche T anzlied der Elfen mit den unvollständigen Wochentagsnamen, über das im Archiv für neuere Sprachen 99, 14. 100, 154 gehandelt wird, ist auch in andre französische Märchen eingedrungen, wie Melusine 1, 240 'Les trois fees et les jours de la semaine' (vgl. unsre Nr. 87), Sebillot, Contes de la Haute-Bretagne 3, 332 nr. 49 'Mercredi' (Taufpate für den Knaben gesucht) und Blade, C. de la Gascogne 1, 296 'Le bätard' (E. Köhler 1, 130; oben 1, 301).1) Nur in unsrer Hallischen Aufzeich- nung findet sich dafür das Scheren des Haares durch Geister- hand (Motiv A3), das vermutlich aus den oben 1, 241 erwähnten Gespenstersagen herübergenommen ist. — Der Besuch des Schneiders und des Goldschmiedes bei den Unterirdischen verläuft gerade so verschieden wie das Schicksal der beiden Wanderer in nr. 107, des armen und des reichen Bruders in nr. 142 (Simeliberg) und 146 (Die Rübe), der guten und der bösen Schwester in nr. 13 (Die drei Männlein im Walde), 24 (Frau Holle) und 169 (Das Waldhaus), der gastfreien und der ungastlichen Frau in nr. 87 (Der Arme und der Reiche). a) In einem serbokroatischen Märchen (Zbornik jslav. 19, 133 nr. 11) beruhigt ein Bettler die Geister auf dem Friedhof, indem er ihr Vater- unser zu Ende betet. 330 182 a. Die Erbsenprobe. 182a. Die Erbsenprobe. (1843 nr. 182.) Es war einmal ein König, der batte einen einzigen Sohn, der wollte sich gern vermählen und bat seinen Vater um eine Frau. 'Dein Wunsch soll erfüllt werden, mein Sohn,' sagte der König, 'aber es will sich nicht schicken, daß du eine andere nimmst als eine Prinzessin, und es ist gerade in der Nähe [k]eine zu haben. Indessen will ich es bekannt machen lassen, vielleicht meldet sich eine aus der Ferne.' Es ging also ein offenes Schreiben aus, und es dauerte nicht lange, so meldeten sich Prinzessinnen genug. Fast jeden Tag kam eine; wenn aber nach ihrer Geburt und Abstammung gefragt wurde, so ergab sichs, daß es keine Prinzessin war, und sie mußte unverrichteter Sache wieder abziehen. 'Wenn das so fortgeht,' sagte der Prinz, 'so bekomm ich am Ende gar keine Frau.' — 'Beruhige dich, mein Söhnchen,' sagte die Königin, 'eh du dichs versiehst, so ist eine da ; das Glück steht oft vor der Türe, man braucht sie nur aufzumachen.' Es war wirklich so, wie die Königin gesagt hatte. Bald hernach, an einem stürmischen Abend, als Wind und Regen ans Fenster schlugen, ward heftig an das Tor des königlichen Palastes geklopft. Die Diener öffneten, und ein wunderschönes Mädchen trat herein, das verlangte gleich vor den König geführt zu werden. Der König wunderte sich über den späten Besuch und fragte sie, woher sie käme, wer sie wäre und was sie begehre. 'Ich komme aus weiter Ferne,' antwortete sie, 'und bin die Tochter eines mächtigen Königs. Als eure Bekanntmachung mit dem Bildnis eures Sohnes in meines Vaters Reich gelangte, habe ich heftige Liebe zu ihm empfunden und mich gleich auf den Weg gemacht, in der Absicht, seine Gemahlin zu werden.' 'Das kommt mir ein wenig bedenklich vor,' sagte der König, 'auch siehst du mir gar nicht aus wie eine Prinzessin. Seit wann reist eine Prinzessin allein ohne alles Gefolge und in schlechten Kleidern?' — 'Das Gefolge hätte mich nur aufgehalten,' erwiderte sie, 'die Farbe an meinen Kleidern ist in der Sonne verschossen, und der Regen hat sie vollends heraus- gewaschen. Glaubt ihr nicht, daß ich eine Prinzessin bin, so sendet nur eine Botschaft an meinen Vater!' — 'Das ist mir zu weitläuftig,' sagte der König, 'eine Gesandtschaft kann nicht so schnell reisen wie du. Die Leute müssen die nötige Zeit dazu haben ; es würden Jahre vergehen, ehe sie wieder zurückkämen. Kannst du nicht auf andere Art beweisen, daß du eine Prinzessin bist, so blüht hier dein Weizen nicht, und du tust besser, je eher je lieber dich wieder auf den Heimweg zu machen.' 182 a. Die Erbsenprobe. 331 — 'Laß sie nur bleiben,' sagte die Königin, 'ich will sie auf die Probe stellen und will bald wissen, ob sie eine Prinzessin ist.' Die Königin stieg selbst den Turm hinauf und ließ in einem prächtigen Gemach ein Bett zurecht machen. Als die Matratze herbei- gebracht war, legte sie drei Erbsen darauf, eine oben hin, eine in die Mitte und eine unten hin, dann wurden noch secbs weiche Matratzen darüber gebreitet, Linnentücher und eine Decke von Eiderdunen. Wie alles fertig war, führte sie das Mädchen hinauf in die Schlafkammer. 'Nach dem weiten Weg wirst du müde sein, mein Kind,' sagte sie, 'schlaf dich aus. Morgen wollen wir weiter sprechen.' Kaum war der Tag angebrochen, so stieg die Königin schon den Turm binauf in die Kammer. Sie dachte das Mädchen noch in tiefem Schlaf zu finden, aber es war wach. 'Wie hast du geschlafen, mein Töchterchen?' fragte sie. 'Erbärmlich,' antwortete die Prinzessin, 'ich habe die ganze Nacht kein Auge zugetan.' — 'Warum, mein Kind? War das Bett nicht gut?' — 'In einem solchen Bett hab ich mein Lebtag noch nicht gelegen, hart vom Kopf bis zu den Füßen; es war, als wenn ich auf lauter Erbsen läge.' 'Ich sehe wohl,' sagte die Königin, 'du bist eine echte Prinzessin. — Ich will dir königliche Kleider schicken, Perlen und Edelsteine: schmücke dich wie eine Braut! Wir wollen noch heute die Hochzeit feiern.' Ohne Quellenangabe ; 1850 ward die Erzählung fortgelassen, weil sie wahrscheinlich aus Andersens Märchen 'Prindsessan paa serten' stammt. Über dieses vgl. G. Christensen, Danske Studier 1906, 169-174. Schwedisch aus Westgotland bei Sundblad, Gammeldags seder och bruk2 p. 191 'Prinsessan som lag pä sju ärter'. Litauisch bei Jurkschat 1, 98 nr. 45 'Eine feinfühlige Prinzessin'. — Bei Cavallius-Stephens 1, 180 nr. 12 'Slottet, som stod pä guldstolpar' = Oberleitner S. 222 wird dagegen eine vom Prinzen geliebte Bauerntochter vor der Bettprobe, der die Königin sie dreimal unter- wirft, wie im 'Gestiefelten Kater' (nr. 33a) von ihrer Katze unter- wiesen, morgens über das harte Lager zu klagen.1) Ähnlich bei Segerstedt 1884 p. 95 'Den kloka hunden'. Bei Bondeson, Historie- gubbar pä Dal p. 349 muß ein Knabe auf den Rat der Katze ebenso am Königshofe seine edle Abkunft erweisen, desgleichen im italienischen Märchen bei Imbriani 1877 nr. 10 = Monnier J) Die Bettprobe fehlt in einem ähnlichen hannoverschen Märchen bei Colshorn 1855 nr. 3 'Von dem Breikessel', wo auch statt des hilf- reichen Vaters eine alte Frau die Heldin berät. 332 182 a. Die Erbsenprobe. p. 254 'Le roi Happe-fumeV, wo aber keine Erbse ins Bett gelegt wird. Im siebenbürgischen Märchen vom 'Erbsenfinder' (Haltrich4 nr. 33) macht statt des Katers ein glücklicher Zufall den armen Burschen zum Schwiegersohn des Königs. Er findet eine Erbse, und weil er schon von dem großen Gewinn träumt, den er daraus ziehen kann, bittet er den König, ihm tausend Säcke für seine Erbsen zu leihen. Der König läßt ihm ein Strohlager bereiten, um zu prüfen, ob er wirklich reich sei; werfe er sich darauf herum, so sei er eben Besseres gewöhnt. Aber der Bursch verliert seine Erbse im Stroh1) und wirft beim Suchen das Stroh auseinander; das Rauschen hören die draußen lauschenden Mägde und meldens dem König, der nun von der Vornehmheit des Gastes überzeugt ist. Diese Erzählung ist auch den Ungarn (Kriza nr. 7 = Jones-Kropf p. 76 'The student who was forcibly made king'), Rumänen (Kremnitz S. 196 'Der Erbsenkaiser') und den Griechen (Hahn nr. 17 'Der Mann mit der Erbse'. Pio p. 193 = Geldart p. 114 'The dragon') bekannt. Arabisch aus Mesopotamien bei Meißner nr. 37 (Beiträge 5, 69). Daß die Empfindlichkeit der Haut mehrfach als ein Zeichen edler Geburt angesehen wurde, ist oben S. 238 bemerkt worden. Von Nadirah, der Gattin des persischen Königs Schapur, erzählt Masüdi (Les prairies d'or trad. par Barbier de Meynard 4, 84. Tabari, Chronique par Zotenberg 2, 83), daß sie nicht einschlafen konnte, als ein Myrtenblatt unter ihrer Schulter lag. — Auch in der indischen Vetäla-pantschavincati (Tawney, Kathasaritsagara 2, 271. Oesterley, Baital Pachisi nr. 23) spürt der jüngste der drei empfind- lichen Brüder ein Haar durch sieben Matratzen hindurch. Im Roman von den sieben weisen Meistern (Sept sages ed. Keller v. 386 ; Hans von Bühel, Dyocletianus v. 323 ; Simrock, Volksbücher 12, 122 usw.) wird dem Königssohne ein Eschenblatt unter die Bettstelle gelegt; erwachend spricht der Jüngling: 'Entweder hat das Gewölbe sich gesenkt, oder der Boden sich erhoben.' l) Über den vorteilhaften Tauschhandel, der mit einer ver- lorenen Erbse beginnt, s. oben 2, 201. 183. Der Riese und der Schneider. 333 183. Der Riese und der Schneider. i856 s. 254. 1843 nr. 183. Von einer Bäurin aus Döbling in Unter- österreich. Nach. F. Ziska, Büschings Wöchentliche Nachrichten für Freunde der Geschichte des Mittelalters 4, 124 (1819) und Öster- reichische Volksmärchen 1822 S. 9 — 13 'Der Schneider und der Riese'; vgl. Hamann, Die literarischen Vorlagen 1906 S. 95. Die Prahlereien, mit denen der Schneider als Diener des törichten Riesen (Trolls, Teufels) diesen von seiner Stärke überzeugt, erinnern an die Kraftproben des tapferen Schneiderleins (oben 1, 149 Motiv B), doch ist der Ausgang kein ebenso rühmlicher. A) Statt des Kruges voll Wasser will der Held gleich die Quelle holen, B) statt einiger Scheite Holz den ganzen Wald abhauen, C) statt zwei Wildschweine zum Abendessen gleich tausend auf einen Schuß niederstrecken; D) als er sich aber auf eine Weiden- rute setzt, um sie zu biegen, und wieder Atem schöpft, schnellt ihn die Gerte so weit in die Höhe, daß er nicht mehr zu sehen ist. Schweizerisch : Sutermeister nr. 7 'Junker Prahlhans' (kann die verheißene Jagdbeute nicht liefern). Tirolisch: Zingerle l2, 81 nr. 18 'Starker HansP (überwindet den Teufel durch ähnliche Prahlereien im Werfen und Blasen). Siebenbürgisch: Haltrich4 nr. 28 'Der listige Schulmeister und der Teufel' (AB); s. oben 1, 150. Holsteinisch: Wisser, Plattd. Vm. S. 58 'De Snider un de Ries' (Dreschen, Mahlen, Baum tragen, D). Friesisch: Ehren- trauts Archiv 2, 324 (A). Hinterpommern: Knoop 1885 S. 190 'Der dumme Hans und der Riese' (Dreschen, Mahlen, Baum tragen). — Dänisch: C. Etlar 1847 S. 29 'Bjergmandens Dreng' (A). Berntsen 1, 180 nr. 21 'Drengen hos Bjaergmanden' (A). Kamp, Folkeminder S. 235 'Trolden og Drengen' (A B). Kristensen, Aev. fra Jylland 1, 256 nr. 34 'Bjaergmandens Dreng' (AB). 1, 263 nr. 35 'Min Tjeneste ved Bjsergmanden' (AB). 3, 122 nr. 24 'Tjenesten hos Bjsergmanden' (A B). Kristensen, Fra Bindestue 1, 78 nr. 13 'I Bjsergmandens Tjeneste' (A). Grönborg S. 76 'Povl Sten' (A). Grundtvigs hsl. Register nr. 54 'Drengen hos Trolden'. — Schwedisch: Bondeson, Sv. folksagor nr. 2 'Vaktepojken och jätten' (A). Allardt S. 94 nr. 92 'Drängen och hin onde' (A). Hackmans Register nr. 1049. 1051. — Norwegisch: Asbjörnsen- Moe nr. 6 'Aschenbrödel, der mit dem Trollen um die Wette aß' (A). 334 183. Der Riese und der Schneider. Braset, Hollraöventyr S. 34 'Gjetarguten aa bsergtraalle' (A); 40 'Guten aa bsergtraalle' (A). Olsen S. 215 'Gutten som tjente hos trollet' (B). Skar 6, 65 'Oskefis' (AB). — Fseröisch: Jakobsen S. 265 nr. 5 'Risin og Lokki' (C), vgl. S. 591. — Gälisch: Campbell, West Highlands2 2, 328 nr. 45 'Mac-a-Rusgaich' (B), vgl. R. Köhler 1, 261. — Französisch: Cosquin 1, 258 nr. 25 'Le cordonnier et les voleurs' (B). Kerbeuzek 1, 149 'Farouel' (AB). Sebillot, Auvergne p. 65 'Pipete' (B). — Italienisch: Schneller nr. 53 'Hans der Starke' (B) und 54 (B). Gonzenbach nr. 41 'Vom tapfern Schuster' (A B). Gianandrea nr. 7 'Giuanni Benforte' (B). Jahrbuch f. roman. Lit. 8, 246 nr. 2 'Der Vertrag wegen der Reue' (B), vgl. R. Köhler 1, 328. Archivio 3, 533 'L'occhio-in-fronte' (A). Coronedi-Berti 1883 nr. 32 'Zvan fort' (B). Widter-Wolf nr. 2 'Massafadiga' (A. Jahr- buch 7, 13; R. Köhler 1, 290). — Maltesisch: 11g 1, 140 nr. 39 'Löwenkind und Menschenkind' (B). — Mallorkinisch: Ludwig Salvator S. 257 'Der Sklave der entfloh' (AB). — Baskisch: Webster p. 6 'Errua' (B) = Vinson p. 46 nr. 12 'Le fou et le Tartaro'. Webster p. 11 (A) = Vinson p. 49. Cerquand nr. 60. — Rumänisch: Kremnitz S. 10 nr. 1 'Stan Bolovan' (AB). Staufe nr. 24 'Der Mann unter den Drachen' = Zs. f. dt. Mythologie 2, 203 nr. 8 (B). Schullerus nr. 4 'Von einem gescheiten Manne' (A B. Archiv 33, 398) und Archiv 33, 373 'Elias und der Teufel' (BA). — Griechisch: Hahn 1, 173 nr. 23 'Herr Lazarus und die Draken' (AB). Kretschmer nr. 33 'Der Bartlose' (AB). — Albanesisch: Dozon p. 17 nr. 3 'L'ours et le derviche' (BC) = Leskien S. 208 nr. 47. — Serbokroatisch: Schottky, Bartlos und der Riese (B, Werfen. Büschings Wöchentliche Nachrichten für Freunde des Mittelalters 4, 1041. 1819). Zs. Vila 3, 717 (1867). Tordinac S. 27 nr. 9 (A B). Zbornik jslav. 16, 156 (A). Ristic Loncarski S. 49 nr. 8 (A). Preindlsberger S. 73 'Der Zigeuner und die Riesen' (BAD). — Bulgarisch: Sbornik nar. umotvor 2, 182 = Arnaudov S. 47 nr. 35 = Strauß S. 260 (DA). — Polnisch: Mat. antropol. etnogr. 4, 2, 235 nr. 9 (A). — Slovinzisch: Lorentz S. 17 nr. 15 (A). — Ka schubisch: Lorentz, Teksty S. 81 nr. 122 (AI S. 454 nr. 580 (A). — Kleinrussisch: Venok 2, 370 = Wratislaw p. 150 nr. 26 'The devil and the Gipsy' (AB) = Erben S. 140. Baracz S. 32 (A). Manzura S. 90 (AC). Rudcenko 2, 187 nr. 46 (A). Cubinskij 2, 120 nr. 40. 41 (AD). Zivaja Starina 5, 454 nr. 2 (A). Etnogr. Zbirnyk 29, 141 nr. 17 (AB). 143 nr. 18 (AB). 184. Der Nagel. 335 — Weißrussiscli: Federowski 1, 130 nr. 346 (A). — Groß- russisch: Af anasjev 1, nr. 86 (A). Litauisch: Jurkschat 1, 102 nr. 41 'Das Waislein und das Rieslein', vgl. R. Köhler 1, 479. — Finnisch: Salmelainen 4, nr. 19 b. Suomi 3, 2, 113. Aarne, Register nr. 1049. 1051. — Wot jakisch: Wichmann 2, 63 nr. 5 'Der Mann und der Teufel' (B. Journal 19). — Zigeunerisch: Miklosich nr. 3 — Groorne nr. 21 'The deluded dragon' (AB). — Türkisch: Künos, Stambul S. 56 'Kara Mustafa der Held' (A). — Armenisch: Sbornik mater. Kavkaz. 24, 2, 248 (A). — Mingrelisch: ebd. 24, 2, 39 nr. 24 (Krug Wein aus dem Keller holen). 13, 2, 28 nr. 3. — Kabardinisch: ebd. 12, 141 (D). — Persisch: Malcolm, Sketches of Persia 1828 2, 88 = Kletke, Märchensaal 3, 54 (A). — Berberisch: Mercier, Le Chaouia de l'Aures 1896 p. 52 nr. 12 'Bechkerker et l'ogre' (AB). Mehrfach gesellen sich zu den Motiven A B Züge, die wir schon oben 1, 149 (B3-4-5) in den Fassungen des tapferen Schneiderleins antrafen: der schwache Held läßt den Riesen vorauf- gehen, als sie beide den gefällten Baum heimtragen wollen; als er durch den vom Riesen losgelassenen Baumzweig in die Luft empor- geschleudert wird, rühmt er sich seines gelungenen Sprunges; dem nächtlichen Überfalle des Riesen entgeht er, indem er sich unter das Bett legt, und nachher sagt er, ein Floh habe ihn gestochen. 184. Der Nagel. rssss. 254 1850 nr. 184. — Nach einer Erzählung in L. Aurbachers Büchlein für die Jugend 1834 S. 71f. 'Vom Reiter und seinem Roß.' Vgl. Hamann, Die literarischen Vorlagen 1906 S. 95. Gereimt von Rückert, Der Herr und sein Knecht (Gesammelte Gedichte 1837 1, 55 = Poet. Werke 1868 4, 306). Das Märchen scheint erwachsen zu sein aus einem seit dem 12. Jahrh. nachweisbaren Spruch, den es in Handlung umsetzt: 'Ein nagel behalt ein isen, ein isen ein ros, ein ros ein man, ein man ein burch, ein burch ein lant' ; lateinisch : Ferrum per clavum ferrumque eqaus, per equum vir, Perque vir um castrum, per castrum patria durat 336 184. Der Nagel. (Müllenhoff-Scherer, Denkmäler8 1, 196 nr. 49, 5). Freidank 79, 19: Ich hoere sagen die wisen: 'Ein nagel behalt ein isen, ein isn ein ros, ein ros den man, ein man ein burc, der striten kan, ein burc ein lant betwinget, daz ez nach hnlden dinget.' Der nagel der ist wol bewant, der isen, ros, man, burc und lant solcher ern geholfen hat, da von sin name so hohe stät. Reinmar von Zweter (MSH 2, 212b = Roethe, Reinmar von Zweter 1887 S. 508 nr. 195) nutzt um 1245 den Spruch zu einem Tadel des schwächlichen Landgrafen Heinrich Raspe von Thüringen. Hugo von Trimberg, Renner v. 23 965 ed. Ehrismann (nach Frei- dank). Straßburger Rätselbuch ed. Butsch 1876 nr. 20 = Zs. f. dt. Alt. 3, 28 = Ratbökelin Bl. A4b (Goedeke, Gengenbach 1856 S. 5643). Lehmann, Florilegium politicum 1630 S. 263 = 1662 S. 289 nr. 39 : 'Umb eines Huffeysens willen verdirbt offt ein Reitpferd'. Harsdörffer, Schauplatz lust- und lehrreicher Geschichte4 1660 1, 220 nr. 61, 6 (spanisch). J. H. Campe, Hamburgischer Kinderalmanach auf das Jahr 1780, S. 156. Wander, Sprichwörterlexikon 2, 797. 3, 860. I. v. Düringsfeld, Sprichwörter der german. u. roman. Nationen 1, 393 nr. 751 (1872). — Niederländisch bei Harrebomee, Spreekwoordenboek 2, 116a: 'Een nagel doet wel een hoefijzer ver- liezen, een hoefijzer het paard, hetwelk dan wel den rijder doet sneuvelen'. — Dänisch: 'For en sko mister man tidt en best'. — Englisch: Outlandish proverbs 1640 nr. 499 (Lessing, Werke 19, 499 ed. Hempel = 15, 418 ed. Lachmann-Munker). B. Franklin, The way to wealth 1757 (Works 1840 2, 98): 'A little neglect may creed great mischief ; for want of a nail the shoe was lost, for want of a shoe the horse was lost, for want of a horse the rider was lost, being over- taken and slain by the enemy ; all for want of a little care about a horse- shoe nail'. — Französisch: Franklin, La science du bonhomme Richard, 2. ed. 1778 p. 14. — Provenzalisch: P. Meyer, Les derniers troubadours 1871 p. 111 nr. 6: Auzitai dir, e vay mi remenbrant, C'un fer pert hom per fauta d'un clavel Et per un fer, can ben m'o vauc pensant, 185. Der arme Junge im Grab. 337 Pert lo caval, pueis lo cors el castel; Tot aysi'n pren ad homs que avars es Car per lo mens pert lo mais mantas ves, Car Drechura que Tort baissa confont Cant a pujat gieta l'aval preon. Italienisch: 0. Pescetti, Proverbi italiani 1611 (Rolland, Faune populaire 4, 187) : 'Per un chiodo si perde un ferro di cavallo, e per un ferro si perde un cavallo, e per un cavallo si perde un cavaliere.' Giusti- Capponi, Proverbi toscani 1871 p. 85. Pitre, Proverbi siciliani 2, 58 (1880). — Maltesisch: Vassalli, Motti e proverbii maltesi 1828 nr. 81 'Per risparmiar un chiodo, perde la ferratura'. — Tür- kisch: Schlechta-Wssehrd, Osmanische Sprichwörter 1865 nr. 152 = E. Köhler, Kl. Schriften 2, 60 'Der Nagel beschützt das Huf- eisen, das Hufeisen beschützt das Pferd, das Pferd beschützt den Mann, der Mann beschützt das Land'. 185. Der arme Junge im Grab. isse s. 255. 1843 nr. 185. — Nach einer Erzählung in Aurb ach ers Büch- lein für die Jugend 1834 S. 167 — 172 'Des armen Waisen Leben und Tod'. Vgl. Hamann, Die literarischen Vorlagen 1906 S. 96. Die Grundlage der tragisch verlaufenden Geschichte bildet wohl ein lustiger Schwank bei L. Abstemius (Hecatomythium seeundum 1520 Bl. D5a = Neveleti Mythologia Aesopica 1610 p. 618 nr. 199 'De femina maritum ob pullos male servatos verberante'). Ein einfältiger Mann, der die Küchlein vor dem Habicht hüten soll, bindet sie mit einem Faden zusammen, so daß der Habicht sie alle zusammen davonträgt; da will er aus Angst vor den Schlägen seiner Frau sich das Leben nehmen und verzehrt die eingemachten Feigen, die ihm jene vorsorglich als Gift bezeichnet hatte ; wie er der heim- kehrenden Frau erzählt, daß er den Tod erwarte, muß sie des Narren lachen und verzeiht ihm. Danach J. Pontauus, Attica bellaria 1644 p. 91 = J. P. Langius, Democritus ridens 1689 p. 144 nr. 49 — Doctae nugae Gaudentii Jocosi 1713 p. 142 = 1725 p. 113. Bei Morlini, Novellae 1520 nr. 49 'De matre, quae filium custoditum reliquit' handelt es sich dagegen um einen törichten Knaben, der Grimm, Märchen- Anmerkungen III. 22 338 186. Die wahre Braut. wie der gescheite Hans (oben 1, 316) den Wein auslaufen läßt, sich auf die Hühnereier setzt, um sie auszubrüten, und darauf sich mit den eingemachten Nüssen vergiften will. Aus Morlini schöpft Basile 1, nr. 4 'Vardiello', aus diesem wieder ein deutsch-italienisches Zwischen- spiel von 1691, 'Mißfallen umb zu gefallen' im Münchner cod. germ. 4080, Bl. 49, während Casalicchio, L'utile col dolce 1, nr. 13(1687; deutsch als Utile cum dulci, Augsburg 1706) auf Abstemius zurück- geht. Ferner deutsch: Albertinus, Hirnschleifer 1618 S. 210. Fasciculus facetiarum novissimarum 1670 S. 298 (12, nr. 8). Der kurtzweilige Arlequin 1691 S. 67. Philander, Zeitverkürzer 1702 nr. 101. Rottmann, Lustiger Historienschreiber 1717 S. 33 (1, nr. 21). Abraham a S. Clara, Bescheidessen 1717 S. 68. Recueil von aller- hand Collectaneis 7, 123 (1719). Gregander, Leben F. W. v. Kyau 3, 30 (1751). Babst, Pladdütsche Gedichte 1812 S. 209 'De Aptekerburß'. Vogl, Erzählungen eines Großmütterchens 1846 S. 100. G. Keller, Die mißlungene Vergiftung (Gegenwart 53, 13. 1898 ; vgl. Bächtold, Gottfried Keller 4,37). — Dänisch: Nyt Vademecum til Tidsfordriv 1783 nr. 590. — Englisch: Simple Simon's misfor- tunes (Ashton, Chap-books of the 18 Century 1882 p. 258). — Por- tugiesisch: Coelho, C. nacionaes nr. 14 ' Conto do bacorinho' (Frau). — Serbokroatisch: Krauß 1, 265 nr. 57 'Vom Jungen Nimmer- satt'. — Türkisch: Mehmed Tewfik, Die Schwanke des Nassr-ed- din und Buadem, übersetzt von Müllendorff 1890 S. 51 (Buadem nr. 25); vgl. Wesselski, Der Hodscha Nasreddin 1911 2, 237 nr. 522. Die schwedische Erzählung in Hackmans Begister nr. 1876 und die finnische in Aarnes Register nr. 1876 'Die Gänse an der Schnur' scheinen nicht mit unserm Märchen, sondern mit einem Jagd- abenteuer Münchhausens zusammenzuhängen, über das in der Zs. f. Volkskunde 24, 81 gehandelt wird. 1856 S. 255. 186. Die wahre Braut. 1843 nr. 186. Aus der Oberlausitz 1842 von Moriz Haupt in der Zs. f. dtsch. Altertum 2, 481 mitgeteilt; vgl. Hamann, Die literarischen Vorlagen 1906 S. 98. Das Märchen gehört mit nr. 56, 113, 193 zum Kreise der vergessenen Braut. Es enthält folgende Teile : A) Die Heldin 187. Der Hase und der Igel. 339 löst mit Hilfe einer guten Fee die Aufgaben der bösen Stiefmutter: Federn schleißen, Teich ausschöpfen, Schloß bauen. — B) Nach dem Tode der Stiefmutter gewinnt ein Prinz ihre Liebe, vergißt sie aber infolge eines Kusses [seiner Mutter]. — C) Als Hirtin sucht sie durch ein Gespräch mit ihrem Kälbchen seine Erinnerung wach- zurufen. — D) Dies gelingt ihr aber erst, als sie ihn bei seinem Hochzeitsfeste küßt. Zu Teil A vgl. Aschenputtel (1, 168); in einer klein- russischen Erzählung (Mater, antropol. 2, 71 nr. 41) löst das Mädchen die Aufgaben mit Hilfe der aus dem Grabe erscheinenden Mutter und wird von der Stiefmutter erstochen. Zu BCD vgl. Die beiden Königskinder (2, 517), wohin auch schon die zweite und dritte Aufgabe der Heldin weist. 187. Der Hase und der Igel. lsse s. 255. 1843 nr. 187. Den Brüdern Grimm 1840 durch Prof. Firnhaber in Kassel mitgeteilt, und zwar, wie 1856 in den Anmerkungen be- hauptet wird, nach mündlicher Überlieferung in der Gegend von Osnabrück; vgl. W. Grimm in Wolfs Zs. f. deutsche Mythologie 1, 381 (1853) = Kleinere Schriften 4, 361. Es liegt aber, wie H. Garbers 1900 in der Zs. Niedersachsen 5, 299 nachwies, die 1840 von Wilhelm Schröder (f 1878) in seinem Hannoverschen Volks- blatt Jahrg. 1, nr. 51 veröffentlichte Fassung aus der Gegend von Stade zu Grunde1), die seitdem mehrfach wiederholt und bei Firme- *) Schröder gab sie wieder heraus als: Hannoversche Stern- schnuppen, ein Werkchen aus den komischen Papieren des Hannoveraners Jocosus 1 (Hannover 1845) = Dat Wettlopen twischen den Swinegel un den Haasen (ebd. 1868) = Haideland und Waterkant 4 (Berlin 1872). — Abgedruckt bei Firmenich, Völkerstimmen 1, 210 (1841?); bei Th. v. Ko b be, Humoristische Blätter 1844; anonym; De Wettlop twischen den Hasen un den Schwinegel up de Buxtehuder Haide, Rostock 1849 und 1850; von J. P. T. Lyser, De Swienegel als Wettrenner, Hamburg 1853; mit einer hochdeutschen Übersetzung: Het Wetloopen tuschen den Haasen und den Swinegel up de Buxtehuder Heid, in Bildern von Gust. Süss, Düsseldorf 1855. — Vgl. Seelmann, Jahrbuch f. nd. Sprachforschung 22, 112 und 28, 98, auch Illnstr. Zeitung 1876 nr. 1701 und Gartenlaube 1878 nr. 42 S. 703. 22* 340 187. Der Hase und der Igel. nicb, Germaniens Völkerstimmen 1, 214 in die Mundart von Sittensen im Amte Zeven übertragen ist. Auch' ein hübsches Gedicht von Klaus Groth ' Wa Swinegel un Matten Has' inne Wett lepen' (Quick- born 1853 S. 185) stellt das gleiche Märchen dar. Bechstein, Märchenbuch 1874 S. 148 übersetzt Schröder ins Hochdeutsche. Ein ungedrucktes Gedicht von F. Becker 'Füchslein und Maulwürflein' im Berliner Ms. germ. oct. 316, 1, Bl. 7a (um 1850) geht wohl auf das Grimmsche Märchen zurück. Dies Märchen vom Wettlaufe des unbeholfenen und des hurtigen Tieres, der einen unerwarteten Ausgang nimmt1), zeichnet sich durch hohes Alter und weite Verbreitung aus. Dähnhardt (Beiträge zur vergleichenden Sagen- und Märchenforschung, Progr. Leipzig 1908 S. 10—46 = Natursagen 4, 46—97. 1912) hat in einer ausführlichen Untersuchung drei Formen festgestellt, die wohl sämt- lich von Byzanz aus ihre Wanderung über die Erde angetreten haben: 1. den Sieg der beharrlichen Schildkröte über den nach- lässigen Hasen; 2. Sieg des listigen Igels über den Hirsch durch Verwandtenhilfe; 3. Sieg des schlauen Krebses über den Fuchs durch unbemerktes Hängen am Gegner. — Bisweilen gewahren wir eine Mischung dieser Typen, und als Held tritt anstatt der nur in südlichen Ländern beobachteten Schildkröte und des in Altgriechen- land wie in Deutschland ehedem öfter als Haustier gehaltenen Igels2) auch der Krebs, der Frosch, die Kröte oder die Schnecke auf, während die Bolle des Gegners je nach Landesart dem Hasen, Beh, Pferd, Fuchs, Wolf, Schakal, Löwen, Elefanten oder einem großen Vogel zufällt. Die hauptsächlichsten Motive sind: A1 als Ver- anlassung des Wettkampfes der Spott des Gegners über die Lang- samkeit des Helden, A2 ein Streit bei der Ernteteilung (wie in nr. 189), A3 die Königswahl der Tiere (wie in nr. 171), A4 eine Braut- J) In der lateinischen Fabel ■vom Kampf zwischen Stier und Mücke (Hervieux, Fabulistes latins 22, 144 nr. 36. 22, 393: Neckam nr. 3) und vom Streit zwischen Wolf und Hase (Odo nr. 58 bei Hervieux 4, 230. 263. 448. Bozon nr. 21. Libro de los gatos c. 58) siegt das schwächere Tier durch behende Flucht. 2) Vgl. Brehm, Tierleben3, Säugetiere 2, 358-370. Pauly-Wissowa, Bealencyclopädie des klass. Altertums 5, 1922. O. Keller, Die antike Tierwelt 1, 18 (1909). Igel als Haustier der Leineweber: Pauli, Schimpf und Ernst c. 603 und Kirchhof, Wendunmut 1, c. 235. Über die Fabel vom Igel und Fuchs s. oben 2, 120, über ein andres Märchen vom Igel oben 2, 483. 187. Der Hase und der Igel. 341 Werbung (vgl. Dähnhardt, Natursagen 4, 56), A5 Einsetzung eines Schiedsrichters (vgl. Dähnhardt 4, 285. 256). — B1 Ort des Wettlaufs ist entweder eine bestimmte Wegstrecke bis zu einer Stadt, (B2) der Acker oder die Tenne oder (B3) ein Fluß oder See. — C1 Zum Siege verhilft die eigne Beharrlichkeit, C2 der Beistand der den Läufer ersetzenden Verwandten oder C3 das Anhängen an den Schwanz des größeren Tieres. — D1 Schließlich gesteht der Gegner die Überlegenheit des Helden zu, (D2) verzichtet auf den Preis oder (D3) bricht nach mehrmaligem Laufe erschöpft zusammen. Die Urform steht in den Äsopischen Fabeln nr. 420 ed. Halm yzlüvri xai Aayoiög,1) etwas ausgeschmückter in der Variante nr. 420 b. Einst liefen die Schildkröte und der Hase um die Wette. Der Hase, der jene ob ihres trägen Ganges verhöhnt hatte, verließ sich auf seine angeborene Schnelligkeit und legte sich am Wege schlafen; die Schildkröte aber, die sich ihrer Langsamkeit bewußt war, lief ohne Unterlaß, überholte den schlafenden Hasen und gewann den Sieg. Eine gereimte deutsche Bearbeitung in Fischarts Ehe- zuchtbüchlein (1578. Werke ed. Hauffen 3, 161) schließt mit der Lehre : 'So vil hat Emsigkeit und Fleis meh dans Leibs Gschwindig- keyt den Preis'.2) In Waldis' Esopus 3, nr. 76 (1548), aus dem Eyring, Proverbiorum copia 3, 154 schöpfte, wird dagegen die Geschichte vom Hasen und der Schnecke erzählt, wie ja im 1) Angeführt von Tzetzes, Chiliades 7, 105. Lateinisch von Rimicius in Aesopi Phrygis et aliorum fabulae, Moguntiae 1536 p. 278 'De lepore et testadine' = Neveletus, Mythologia Aesopica 1610 p. 316 nr. 292. Haqueville, Sermones 1530 Bl. 35 nr. 13 = Guillaume, Recherches sur La Fontaine 1822 p. 27. Le Jay, Bibliotheca rhetorum 1, 744 (1725). Metrisch von Desbillons, Fabulae Aesopicae 1768 lib. 5, nr. 33 'Lepus et testudo'. Italienisch bei Verdizotti, Cento favole 1577 nr. 80 und C. Pavesio, 150 favole 1587 nr. 150. Luigi Grillo, Favole nr. 66. Fran- zösisch: Corrozet, Fables 1544 nr. 94. La Fontaine, Fables 1. 6, nr. 10 'Le lievre et la tortue'. Fables de La Fontaine en chansons 1749 1. 3, nr. 17. Benserade, Fable nr. 67 (Labyrinthe de Versailles 1677). Arabisch bei Loqmän nr. 20 (Chauvin 3, 31). Syrisch bei Sophos hsg. von Landsberger 1859 nr. 38. Berberisch bei Basset, Loqman herbere 1890 nr. 20. 2) Eine Anspielung auf die Fabel scheint der 1399 geschriebene Ackermann aus Böhmen (S. 26, 18 ed. Knieschek 1877) zu enthalten. Dort sagt der Tod bei einer Aufzählung der rühmlichen Taten des Menschen: 'Wir sahen geren den wetlauf, den du tettest mit dem hasen.' 342 187. Der Hase und der Igel. Mittelalter 'snecke' sowohl das lateinische testudo wie limax oder concha wiedergibt.1) Ein Has belacht ein arme Schneck Und sprach: 'Du liegst so tief im Dreck, Solltest eim Hund also entlaufen, Ja in der Pfützen würdst ersaufen.' Da sprach die Schneck: '"Weil du nun mich Verachtest so gar jämmerlich, Des ich mich nit versehen hätt, Will mit dir laufen in die Wett. Der Fuchs soll stecken uns das Ziel, Zwen Schritt zuvorn dir geben will ; So soll man sehn heut diesen Tag, Was die Schneck und der Has vermag.' Dem gschah also; er (der Hase) nahm drei Schritt, Da blieb er sitzen, achtets nit. Ein süsser Traum ihn da ergriff, Wohl in die dritte Stunde schlief, Gedacht: 'Derhalben darfst nit Eil, Geh gmach und nimm dir wohl der Weil!' In dem säumet sich nit die Schneck, In einem Gang kroch für sich weg, Bis sie zum erst erlangt das Ziel; Da fehlt dem Hasen noch gar viel. Die Schneck kam bei scheinender Sonnen: Da hätts dem Hasen angewonnen. Mancher sich auf sein Stärk verlässt, Ist wahrlich darumb nit der best, Schläft deste länger, säumet gern. Man sagt: 'Mit Mußen kompt man fern.' Eine ungeschickte Abänderung hat die Fabel im 4. Jahrh. bei dem Rhetor Libanios in einem Musteraufsatze (Progymnasmata. Opera 4, 853 ed. Reiske) erfahren, auf dem die zweite der armenischen Fabeln des Olympianos2) beruht. Libanios setzt für den flinken Hasen ein Pferd ein; dieses reizt durch seinen Spott die Schild- kröte, es zu einer öffentlichen Probe der Schnelligkeit herauszu- ') Doch haben auch Guill. Haudent (Apologues d'Esope 2, nr. 40 1547) und G. Cognatus (Narrationum sylva 1567 p. 14 'De limace cum lepore de cursu certante') die Schildkröte in eine Schnecke verwandelt. 2) Übersetzt in W. Roths Leben und Erstlingsschriften 1862 S. 67. ZdmG. 2, 121. 187. Der Hase und der Igel. 343 fordern. Als der festgesetzte Tag kommt, hat es die Schildkröte durch stete Übung dahin gebracht, daß sie das in Trägheit ver- sunkene Pferd im Lauf überwindet. Dagegen hat sich die ältere Form der griechischen Fabel in einer serbokroatischen Erzählung bei Vrcevic, Basne S. 109 (Schildkröte und Hase; vgl. Zbornik jslav. 18, 224 nr. 16) und durch die arabische Übersetzung Loqmans noch heut in Nord- afrika lebendig erhalten; s. Basset, Etüde sur la Zenatia de l'Ouarsenis 1895 p. 70 'Le lievre et la tortue'. In Samoa wird sie von einer Schildkröte und einem Huhn erzählt, die um den Besitz einer Quelle streiten; sie machen aus, wer am nächsten Morgen zuerst dort ist, dem soll sie gehören; die Schildkröte macht sich zeitig auf den Weg, das Huhn aber schläft bis zum Sonnenaufgang (Turner, Samoa 1884 p. 217). Ebenso verläuft in einer Fabel der Odjib wa-Indianer bei Schoolcraft, Algic researches p. 181 der Wettlauf der Schildkröte und des Taubenfalken. — In einer holländischen Erzählung,, die im übrigen mit mehreren unten S. 352 aufgezählten französischen Fassungen durch das Motiv des geschlossenen Stadttors zusammenhängt (Volkskunde 15, 75 nr. 28 'Van den kikvorsch en de slak'), wetten Frosch und Schnecke, wer zuerst in die Stadt komme; der Frosch hüpft munter voran, findet aber, da es schon Abend ist, das Tor geschlossen; die Schnecke kriecht unverdrossen hinterher und klettert über das Tor hinüber. Unterhaltsamer als solche Verherrlichung der Beharrlichkeit wirkten die Listen, durch die in den andern Formen der Fabel der Schwache den stärkeren Gegner überwindet. Für die zweite Gruppe, in welcher die Hilfe der Verwandten die Besiegung des schnelleren Gegners ermöglicht, liefert ein lateinisches Gedicht des 13. Jahrh. von des Igels Wettlauf1) das älteste literarische Zeugnis. Hirsch und Igel bestellen gemeinsam ein Feld, geraten aber bei der Teilung der Ernte in Streit, weil der Hirsch den Acker nicht *) Aus dem Additional ms. 11619 des Britischen Museum gedruckt bei Wright, Latin stories 1842 p. 171 = Zs. f. dt. Alt. 12, 527 (1865) = Hervieux, Fabulistes 22, 755 nr. 34. — In einer hsl. Lüneburger Samm- lung Versus proverbiales v. J. 1494 steht: Ericius fatur: supra omnia sors dominatur, Festinans contra celerem [1. cervum] sumens cibi cursum. Glück walt als spil, spricht man, Do lief der ygel den berenn [?] an. 344 187. Der Hase und der Igel. gehörig gegen wilde Tiere bewacht hat. Sie rufen den Eber als Schiedsrichter an, und dieser fällt den Spruch, wer die Flur am schnellsten durcheile, dem solle der Acker gehören. Als der Igel jammernd nach Hause kommt, weiß seine Frau klugen Rat; sie will sich an dem andern Ende des Feldes aufstellen und den Hirsch zu schnellerem Laufe reizen ; wenn der Igel das gleiche tue, werde der Hirsch verwirrt den Kampf aufgeben. Und wie die Igelin geraten, geschieht es. 1 Cervas et hericius agram consevere, quem cum seges creverat, vastaverunt ferae. super hoc consilium simul iniere, quis custodiret agrum, sortemque dedere. 2 cervus, custos segetis primo deputatus, hanc cum feris reliquis est depopulatus. quod cum suus socius fuit perscrutatus, rem tulit indigne, damnum portare gravatus. 3 'cerve frater', retulit, 'tu nos ambos prodis. ego te solertior Omnibus sum modis, en minus sollicite rem nostram custodis, irasci dum tu vicinis pluribus odis. 4 si placet, custodia mihi deputetur, ne pars haec, quae remanet, feris devoretur. si mihi vis credere, cum fructu metetur.' 'hoc tibi,' cervus ait, 'pacto non cura negetur.' 5 custos agri pervigil circuit attente, perterrendo bestias buccina clangeute, hinc maturae tempore messis imminente campum partiri studnit cervoque monente. 6 tota die pertica illum metientes non secum conveniunt, sed sunt dissidentes, confüctu non impari mane concurrentes, partibus imparibus, sibi non sunt convenientes. 7 aprum die tertio cervus secum duxit, formam litis initae prndenter instruxit, ut litem dirimeret, iudicem conduxit, nam nimis ecce diu litis discordia fluxit. 8 aper, sagax arbiter, partes convocavit. 'stabitis iudicio vos meo?' rogavit. illis concedentibus diem protelavit, nam nox instabat: sie ad sua quisque meavit. 187. Der Hase und der Igel. 345 9 mane facta siquidem lis est renovata. ab apro sententia fertur promulgata: 'haec perfecta semper sit agri dominata, quae citius sepis poterit percurrere prata.' 10 'heu me,' fit hericius, 'non est [tibi] curae de cervi longissimo et de meo crure. hoc est impossibile, contra ius naturae, ut mibi proveniat illo victoria iure.' 11 in hunc modum queritans flens domum perrexit. quem ut sua mulier dolentem conspexit, quaerere quid boc[ce] sit, minime neglexit: ille rei seriem fido sermone retexit. 12 tunc ait hericia veritate scita: 'notum tibi satis est, quod nos sumus ita conformes et similes in bac ambo vita, ut meus discernat inter nos nulla perita. 13 igitur consilium sanum tibi dabo, vobis simul stantibus ego contra stabo; cum ad me cucurrerit, tunc ego clamabo 'perveni citius ; ex hoc tibi prata negabo.' 14 hoc idem tu facies, donec sit confusus et recedat penitus lassus et illusus.' hoc artis ingenio cervus est conclusus, contra spem misero fructus conceditur usus. 15 igitur a simili deus, rector poli, superbos humiliat, mites iubet coli; et quia non omnia praestat uni soli, corporis exigui vires contemnere noli! 16 hoc designat fabula, qaod modo narravit, uni quod omnipotens cuncta non donavit, sed ex parte erigit, quos ex parte stravit. consilio pollet, cui vim natura negavit. Den Eingang dieser Erzählung, den gemeinsamen Ackerbau beider Tiere und den Streit bei der Ernteteilung, treffen wir auch in der unten bei Besprechung der dritten Gruppe anzuführenden armenischen Fabel des 13. Jahrh. wieder an. Daraus haben A.Weber (Indische Studien 3, 23. 39. 1855) und Dähnhardt (Natursagen 4, 86 — 90) auf gemeinsamen Ursprung aus byzantinischer Überlieferung geschlossen ; Dähnhardt verweist dazu noch auf die beiden alt- griechischen Fabeln von der Schlauheit des Igels, der durch Sich- totstellen sein Leben rettet (oben 2, 120), während der prahlende 346 187. Der Hase und der Igel. Fuchs umkommt, und ein andermal die Schlange, bei der er zu Gast ist, aus ihrer Behausung verdrängt (Oesterley zu Kirchhof, Wend- unmut 7, nr. 74. Wossidlo 2, 357 nr. 209). Ihm war entgangen, daß schon 1879 0. Crusius (De Babrii aetate. Leipziger Studien zur klassischen Philologie 2, 222) auf ein antikes Zeugnis für die Fabel aufmerksam gemacht hatte. Eine schwarzfigurige Vase des 5. Jahrh. vor Chr.,1) die als Hauptbild den bärtigen Dionysos mit seinem Gefolge von Silenen enthält, zeigt auf der Rückseite ein reiches Palmettenornament, umgeben von zwei auf Kranichen reitenden keulenschwingenden Pygmäen, darunter einen Igel, einen Hasen und einen zweiten Igel, welche sämtlich nach rechts auf einen Fuchs zulaufen, der den Kopf zurückwendend die rechte Vorderpfote hebt. Man wird die Vermutung nicht für zu kühn halten, daß hier der Wettlauf des Hasen mit einem Igel dargestellt ist, der vorher einen Genossen auf der Wegstrecke aufgestellt hat; der Fuchs scheint als Kampfrichter dabeizustehen.2) Daß uns eine literarische Nachricht von dieser Fabel mangelt, darf bei der lückenhaften und zufälligen Überlieferung der griechischen Tiermärchen nicht Wunder nehmen (Hausrath, Neue Jahrbücher f. d. klass. Altertum 1, 305). Zu den oben auf Wilhelm Schröder zurückgeführten Erzählungen gesellen sich die mecklenburgischen Redensarten bei Wossidlo 2, 32 nr. 172 und 212 : 'Ok all wedder dor, säd de Voß to'n Swinägel, dor lepen se Weddbahn' oder 'Dat kümmt up'n Versöök an, säd de Swinägel to'n Hasen'; ferner in dem oben 1, 424 angezogenen pader- börnischen Märchen vom Bären und Fuchs. — Schwedisch: x) E. Gerhard, Auserlesene griechische Vasenbilder 4, 89 Taf. 317 — 318, 4; vgl. S. Reinach, Repertoire de vases peints 2, 156. 2) Allerdings wird diese Deutung von neueren Archäologen be- stritten, die hier nur 'raumfüllende Tiergebilde' erkennen (Waser in Roschers Mytholog. Lexicon 3, 3300). Die sog. Northampton-Vase gehört nämlich, worauf Carl Robert brieflich aufmerksam macht, zu einer Gruppe kleinasiatischer Tongefäße (aus Klazomenä?), auf denen ähnliche Tier- figuren in Verbindung mit Ornamenten wie auf den älteren Fikellura- Vasen vorkommen (Boehlau, Aus ionischen Nekropolen 1898 S. 52. Endt, Beiträge zur ionischen Vasenmalerei 1899 S. 21. Zahn, Berliner philol. Wochenschrift 1902, 1261. Sieveking und Hackl, Vasensammlung zu München 1, 62. 1912). Der Fuchs gleicht z. B. dem Hunde bei Sieve- king 1, 59 Abb. 69; zwei springende Hasen r. und 1. von einer Palmette ebd. 1, 62 Abb. 73. Aber gerade auf unserm Bilde fehlt die dort übliche symmetrische Anordnung. 187. Der Hase und der Igel. 347 *Hembygden 1910, 215 (Hase und Igel). Hackmans Register nr. 275. — Englisch aus Northamptonshire : T. Sternberg in Notes and Queries 3, 3. 1851 und 5, 364. 1852 (ganz wie in der Grimm- schen Fassung, nur läuft statt des Hasen der Fuchs). — Franzö- sisch: Rolland, Faune pop. 3, 61 (Fuchs und Kröte streiten um den Ertrag des gemeinsam bearbeiteten Ackers); vgl. Sebillot, Folklore 3, 299. Rolland 3. 208. Souche, Proverbes, traditions et conjurations (Bull, de la soc. de statistique des Deux-Sevres 1882) p. 19. Revue des trad. pop. 6, 314 'Pourquoi le lievre a la babine fendue' (Hase und Schnecke). 6, 315 (Fuchs und Reh). Sebillot, Litt, orale de la Haute-Bretagne p. 237 (Fuchs und Schnecke); gereimt bei Sebillot, La Bretagne enchantee 1900 p. 251 nr. 70 'Le colimacon et le renard'. — Italienisch: Archivio 24, 81 nr. 1 (Hase und Frosch). — Mal- tesisch: Stumme S. 86 nr. 33 'Der Schakal und der Igel' (bei der Teilung der geernteten Rüben und des Weizens übervorteilt der Igel den Schakal, wie unten in nr. 189 der Bauer den Teufel, und stellt bei dem vom Schiedsrichter angeordneten Wettlaufe seine drei Brüder am Wege von der Tenne zum Berge auf). — Serbo- kroatisch: Valjavec S. 287 nr. 72 (der Igel kugelt sich hinunter, das Reh zerschmettert sich den Kopf an einem Baum). — Polnisch: Sumcov, Etnogr. Obozr. 3, nr. 10 S. 81 (Igel und Hase). Zbiör wiadom. 11, 37 nr. 3 (Igel und Hase) = Ciszewski, Lud rolniczo-görniczy S. 187. Chelchowski, Powiesci 2, 97 (Igel und Hase). — Kaschubisch: Lorentz, Teksty pomorskie S. 412 nr. 528 (Kröte und Hase). S. 37 nr. 76 (Igel und Hase). — Slovinzisch: Lorentz, Texte S. 38 nr. 39e (Kröte und Hase). — Kleinrussisch: Etnogr. Zbirnyk 37 — 38, 174 nr. 134 (Igel und Hase). — Weißrussisch: Mater, kom. jez. 2, 156 nr. 2 (Igel und Hase). — Lettisch: Zivaja Starina 5, 442 (Igel und Hase); vgl. Dähnhardt 4, 71. — Finnisch: Aarnes Register nr. 1074 (Hase und Wildschwein). — Zigeunerisch: Wlislocki, Volksdichtungen S. 415 (Schwalbe und Frosch wollen den Bach entlang fliegen und schwimmen). — In Nordafrika tritt wie in Malta ein Schakal an die Stelle des Hasen, so in Marokko bei Quedenfeldt, Zs. f. Ethno- logie 18, 682 (1886), bei den Zuaven in Algier nach Basset, C. berberes 1, 14 nr. 6 'Le herisson et le chacal' (Ernteteilung). Destaing, Beni-Snoüs 1, 249 nr. 2. Mercier, Chaouia 1896 p. 70 nr. 15 (Ernteteilung). Wolf und Igel laufen um die Wette bei Stumme, Märchen der Berber von Tamazratt 1900 nr. 19. 348 187. Der Hase und der Igel. Im übrigen Afrika, in Amerika und. Asien fällt regelmäßig der Schildkröte die Rolle des schwerfälligen, aber schlauen Helden zu, wie in der äsopischen Fabel. Wenn nach John Brinckman (Aus dem Volk für das Volk 1, 8. 1854; vgl. Pröhle, Feldgarben 1859 S. 397) ein englisches Fabelbuch dieselbe Geschichte von einem Windspiel und einer Schildkröte erzählt, so geht diese Variante vermutlich auf ein amerikanisches oder asiatisches Vorbild zurück. Indisch aus Ceylon: Steele, Kusa Jätakaya p. 257 'Cunning beats strength' (Löwe und Schildkröte wollen über einen Fluß setzen). The Orientalist 1, 87 (ebenso) = Clouston 1, 271. Parker 1, 241 nr. 37 'The lion and the turtle'. Bompas, Santal Paganas p. 328 nr. 115 'The elephant and the ants'. Aus einer Bearbeitung des Pantsch atantra stammt die siamesische Geschichte vom Vogel Phaya Khruth und der Schildkröte, die Bastian (Geographische Bilder 1873 S. 287 = Orient und Occident 3, 497; vgl. Dähnhardt 4, 63) aus dem Nonthuk-Pakkaranam verdeutscht hat, und die von Hertel, Journal asiatique 1908, 393 nr. 14 'Garuda et les tortues' aus dem in der Lao- Sprache verfaßten Mulla- Tan tai übersetzte. Im chinesischen Tcia-päo-che-T'ienn-ki (Journal asiatique 1881, 2, 541 = Aus fernen Landen 1, 34. 1903) ist es ein Rabe, der mit einer Schildkröte wegen der Fluß-Überschreitung wettet. Annamitisch: Globus 81, 304 (Tiger und Schildkröte). 92, 33. Anthropos 1, 82 (1906) 'Un sapo y un tigre'. Malaiisch: Tijdschrift voor ind. taalkunde 37, 39. 133 (1894. Zwerghirsch und Wasserschnecke) — Bezemer, Volksdichtung S. 20. Bijdragen tot de taalkunde van Nederlandsch lndie 45, 222 nr. 12—14 = Globus 67, 387 (Eisvogel und Seeschnecke; Strandläufer oder Hirsch und Seeschnecke). Skeat, Eastern forest p. 33 (Seidenschwanz und Wasserschnecke). Fidschi- Inseln: The Orientalist 1, 88 (Kranich und Taschenkrebs = Clouston 1, 267. — Berberisch bei den Schaui: Mercier, Le Chaouia 1896 p. 45 nr. 8 (Hase und Schildkröte). Kabylisch aus Algier: Tradition 20, 270 (Schakal und Schildkröte). Wadschagga in Ostafrika: Gutmann, Volksbuch der Wadschagga S. 208 nr. 153 (Antilope und Schildkröte). Wakonde: Mitt. des Orient. Seminars 2, 3, 82 = Dähnhardt 4, 51 = Basset, C. d'Afrique p. 277 (Elefant und Schildkröte). Soubiya: Jacottet, Etudes sur les langues du Haut-Zambeze 2, 40 nr. 10 (1899. Gazelle und Schildkröte). Gaca bei Lourenzo-Marques : Revue des trad. pop. 10, 390 (Hase und Schildkröte). Madagaskar: Renel 2, 150 nr. 98 (Wildschwein 187. Der Hase und der Igel. 349 ertrinkt beim Wettschwimmen mit dem Frosch). Mossutho in Transvaal : C. Hoffmann, Der afrikanische Großvater 1907 S. 27 'Wie Schildkröte des Königs Schwiegersohn ward' (die auf die Wegstrecke verteilten Eier der Schildkröte antworten dem laufenden Wildbock, ähnlich oben 2, 5271). Betschuanen: Ausland 1858, 232 (Stein- bock und Schildkröte). Hottentotten: Bleek, Reineke Fuchs S. 25 (Strauße und Schildkröten; kein eigentlicher Wettlauf). Fang am Kongo: Bull, de la soc. Neuchätelloise de geographie 16, 216 r Antilope und Schildkröte). Loango: Pechuel-Loesche, Die Loango- Expedition 3, 1, 106 (1907. Krabbe und Schildkröte). Kamerun: B. Schwarz, Kamerun 1886 S. 162 (Elefant und Schildkröte). Meinhof, M. aus Kamerun S. 47 — Seidel, Afrikaner S. 162. v. Held 1904 S. 99 (Hase und Schildkröte). Lederbogen S. 40 nr. 18 (Antilope und Schildkröte). Mansfeld, Urwald-Dokumente 1908 S. 224 nr. 3 (ebenso). — Aus Brasilien: C. F. Hartt, Amazonian tortoise myths 1875 p. 7 = Herbert Smith, Brazil 1879 p. 543 — Bolland, Faune pop. 3, 3 (Beh und Schildkröte). Couto de Magalhäes, O seivagem 1876 1, 185 = Magalhäes, Contes indiens du Bresil 1882 p. 18 = Zs. f. Ethnologie 19 (1887), 341 (Beh und Schildkröte) = Anthropos 1, 189 (1906). Bomero p. 273 'Jabuti e o veado'. J. de Santa Anna-Nery, Folklore bresilien 3, 191 (Hirsch und Schild- kröte). E. St. Vraz, Cesty svetem 1, 378 (Hirsch und Schildkröte; aus Yacita). Araukanisch aus Argentinien : Zs. f. Volkskunde 16, 160 nr. 3 (Fuchs und Frosch) = 14. Amerikanisten-Kongreß S. 686 (1906). Bahama: Edwards, Bahama songs and stories 1895 p. 69 (Entstellt. Seeschildkröte und Muschel). Jamaika: Jekyll 1907 p. 39 (Esel und Kröte). Negermärchen aus Nordamerika: Harris, Uncle Bemus 1902 p. 86 nr. 18 (Kaninchen und Schildkröte, Bussard Schiedsrichter). Hartt 1875 p. 12 — Biverside Magazine 1868, Nov. (aus Carolina. Beh und Schildkröte1). Lippincott's Magazine 1877, 751 (Hirsch und Schildkröte) ; vgl. Crane, Journal of american folklore 1, 13. Ebd. 11, 284 (Beh und Schildkröte). Annuaire des trad. pop. 2, 61 (1887. Louisiana. Brautgewinnung durch Wettlauf). Cora-Indianer in Mexiko; Preuß, Nayarit-Expedition 1, 209 nr. 6 (1912. Wolf und Heuschrecke). Boas, Journal of am. folklore 25, 249 führt noch an: Dorsey, Traditions of the Caddo 1905 p. 104 (Coyote und Schildkröte) und Traditions of the Arikara 1904 p. 143 ; Speck, Algonquin Indian tales p. 246; The Jesup North Pacific Expedition 8, 395 (Teit, Mythology of the Thompson Indians); 350 187. Der Hase und der Igel. Lumholtz, Unknown Mexico 1, 306 (1902. Frosch und Coyote); Goddard, Anthropological papers of the American Museum of natural history 8, 237 (1911. Frosch und Antilope). Cherokesen: Mooney, Myths of the Cherokee p. 270 (Kaninchen und Schildkröte). Kootenay-Indianer in Britisch Columbien : Am Urquell 3, 213 (Reh und Frosch). Zuhi: Cushing, Zuni folk-tales p. 277 = Dähn- hardt 4, 59 (Mensch und Eichhörnchen). Diese Form unsres Märchens wird in Schweden auch auf ein Mädchen Tita Grä übertragen, die sich verpflichtet, in des Teufels Dienst zu treten, wenn dieser sie im Laufe überwindet. Sie stellt ihre Schwester Grä Lora am Ziele auf, und der Teufel rennt so lange hin und wieder zurück, bis er sich die Beine bis zum Knie abgelaufen hat (Henriksson, Plägseder och skrock 1889 S. 58; ähnlich Bondeson, Historiegubbar 1886 S. 109. Hackmans Register nr. 1074). In Finnland täuscht der Bauer Matti den Teufel ebenso mit Hilfe seines Bruders oder seiner Frau (Dähnhardt 4, 94 nr. 72 a. Aarnes Register nr. 1074). Auf andre Weise wird in der dritten Gruppe der listige Fuchs von dem kleinen Krebs betrogen. Das antike Sprichwort für einen ganz unglaublichen Vorfall: KaQXivog Accyaiöv aiQEi, Cancer leporem capit, Der Krebs will einen Hasen erlaufen,1) das in ver- schiedenen mittelalterlichen Lügensprüchen widerklingt, erscheint hier in Handlung umgesetzt. Statt des Hasen tritt aber der Fuchs ein, der durch seine Stärke und Klugheit einen gewichtigeren Gegner abgibt, und durch seinen langen, buschigen Schweif dem Krebs die Möglichkeit bietet, sich unbemerkt anzuhängen. Als Vorbild mag auch die antike Fabel vom Wettfluge des Adlers und des Zaun- königs (oben S. 279) gedient haben. Eine lateinische Aufzeichnung *) Diogenian 5, 96 (Paroemiographi ed. Leutsch-Schneidewin 1, 269. 2, 73. 469). Erasmus, Adagioram chiliades 1599 p. 37. Eyering, Pro- verbiorum copia 2, 447. — Vgl. Erk-Böhme, Liederhort nr. 1103, 6: 'De krevet de dede den Hasen entlopen.' Reinmar von Zweter ed. Roethe 1887 S. 490 nr. 159, 9: 'Ein crebze vlouc mit einer tüben ze wette, ein phunt err an gewan.' nr. 160, 6: 'Ein snegge wolte springen vür den lebart beidiu berc unt tal.' Marner ed. Strauch XIV, 180: 'Ein snegge tüsend klafter wol vür einen lebart spranc' Freidank 139, 19: 'Swer lobt des snecken springen, der kam nie, da der lebart spranc' Suchen- wirt 45, 100: 'Ein igel doch mit einem raben über meer, piz er gewan.' Harrebomee, Spreekwoordenboek 2, 248: 'De schildpad zou eerder den haas voorbij loopen.' 187. Der Hase und der Igel. 351 steht in den Fabulae Aesopicae des Joachim Camerarius 1570 p. 289 'Vulpes et testudo': Suscepto cnrsus certamine inter valpem et testudinem, dicitur testudo se caudae vulpinae implicaisse et ita hanc a currente vulpe raptatam fuisse ad locum praefinitum, a quo cum proxime abesset vulpes, respexisse fertur et per iocum dixisse, non se putasse tarn celerem esse testudinem, cum illa de cauda ad Signum conversa arrepere perrexit et non animadvertente vulpecula illud tenuit. Es ist jedoch ungewiß, ob Camerarius hier eine ältere lateinische oder gar griechische Fassung benutzte oder eine heimische Fabel in lateinisches Gewand kleidete. Denn daß sie schon im 13. Jahrh. bekannt war, beweist ein deutsches Gedicht, das Maßmann (ZfdAlt. 1, 393 ; vgl. ZfdMythol. 2, 122. Goedeke, Mittelalter S. 637 b) aus einer Wiener Hs. bekannt gemacht hat; dieses erzählt, wie der Fuchs den Krebs im Grase liegen sieht und seines langsamen Ganges spottet: 'Wann wollt Ihr über die Wiese kommen? Ihr könnt besser rückwärts als vorwärts gehen.' Der Krebs antwortet stolz, er könne besser als die Götter laufen, und bietet ihm einen Wettlauf von einer Meile an, von Lune bis Toskan. Der Fuchs willigt ein, und es wird ein Pfand gesetzt. Der Krebs will etwas voraus geben und hinter dem Fuchs laufen. Dieser kehrt ihm also den Hinterteil zu, und der Krebs packt seinen Gegner, ohne daß dieser es merkt, mit der Schere an den Schwanz. Der Fuchs läuft, was er kann, und als er am Ziel angelangt ist, kehrt er sich um und ruft: 'Wo ist nun der Krebs?' Dieser, der vor ihm steht, antwortet: 'Da bin ich, wie seid Ihr so langsam gelaufen!' Damit hat der Fuchs die Wette verloren. Auch Fischart erinnert im Ehezuchtbüchlein (Werke 3, 162, 23 ed. Hauffen) mitten in der Fabel vom Hasen und der Schild- kröte an diese Fassung; der Hase sagt: Gut ists, das ich nickt wie der Fuchs Hab einen Schwanz, du wirsts sonst flugs Dich wie der Krebs auch bengen dran, Das ich dich zum Zil schlenckert dan. Wenig abweichend ist eine märkische Sage bei Kuhn 1843 S. 243 = Schwartz, Sagen aus Brandenburg S. 180 nr. 121 — Gander nr. 324 ; nur der Schluß wird etwas verschieden erzählt. Der Krebs, als sie dem Ziele nahe sind, kneipt den Fuchs in den Schwanz, so daß dieser wütend um sich schlägt und jener an das Ziel geschleudert 352 187. Der Hase und der Igel. wird, der jetzt als Sieger 'Krebs juchhe' schreit. An der Stelle ward nachmals ein Dorf gebaut, das den Namen Krebsjuchhe erhielt, woraus späterhin Krebsjauche entstanden ist. In einer p o mm er- sehe n Passung (Bl. f. pomm. Vk. 3, 65 'Fuchs und Krebs') zahlt der Fuchs, nachdem der Lauf mehrmals mit gleichem Ausgange wiederholt ist, in der Schenke zwei Quart Schnaps als Preis der Wette. Auf dem Heimwege offenbart der redselig gewordene Krebs seine List, der Fuchs will ihm das Genick umdrehen, aber der Krebs springt in den nahen Teich. Siebenbürgisch: Kbl. des V. f. siebenbürg. Landeskunde 17, 111 (1894) 'Wie der Krebs den Fuchs überlistet'. Ein ungedrucktes Gedicht von G. Thiele 'Krebs und Füchslein' (um 1850) im Berliner Ms. germ. oct. 316, 3, Bl. 3 a. In einer zweiten pommerschen Variante (Bl. f. pomm. Vk. 9, 38 = Brunk, Garzigar S. 6 'Foß un Schwinegel') hängt sich ein Igel, in einer Schweizer (J. Merz, Der poetische Appenzeller 1828 — Sutermeister nr. 60), Tiroler (Zs. f. Volks k. 10, 58) und Siebenbürger (Haltrich, Vm. nr. 112 = Haltrich, Zur Volkskunde 1885 S. 56 nr. 19 und S. 510) eine Schnecke an den Schwanz des Fuchses. — Schwedisch: Allardt, Nyländska folkseder 1889 S. 100 = Dähnhardt 4, 94 nr.72b (Fuchs und Pferd). — Norwegisch: Nicolaissen 1889 S. 52 (Fuchs und Krebs). — Französisch: Kolland, Faune pop. 3, 208 (Fuchs und Schnecke). Sauve p. 319 (Fuchs und Schnecke). Bei Clement- Jannin, Sobriquets de la Cöte d'Or 1, 55. 2, 88 = Tradition 20, 273 = Kolland 3, 208; vgl. Sebillot, FL. 3, 338 wetten Wolf und Schnecke, wer zuerst in Dijon sein werde ; als der Wolf vor das Stadttor kommt, ist dieses geschlossen; die Schnecke läßt sich von seinem Schwänze herunterfallen, kriecht unterm Tor durch die Mauer hinauf und ruft von oben: 'Wo bleibst du, ich warte schon lange.' Ebenso Wallonia 6, 48 (Fuchs und Schnecke vor Lüttich). — Italienisch: A. Cornazano, Proverbii in facetie 1518 nr. 8, ver- deutscht von Wesselski 1906 S. 75 (Fuchs und Krebs. 'Du kannst ja ein guter Läufer sein, aber du siehst nicht danach aus'). Nerucci, Cincelle da bambini p. 8 = Imbriani, Nov. fiorentina 1877 p. 613 nr. 49 'Far'e patti' = Marc Monnier p. 233 (Wolf und Krebs). — Griechisch: Georgeakis-Pineau p. 95 'Le renard et le crabe' (Fuchs und Krebs streiten bei der Teilung des gemeinsam gemähten und gedroschenen Getreides). — Serbokroatisch aus Bosnien: Zs. f. Ethnologie 20 (1888), *121. Krauß, Am Urquell 3, 214 (Fuchs und Krebs). — Cechisch aus Mähren: hsl. Sammlung des Ed. Peck 187. Der Hase und der Igel. 353 nr. 24. — Wendisch bei Haupt-Schmaler, Volkslieder 2, 160 = Haupt, Sagenbuch der Lausitz 2, 222 nr. 321. Der Fuchs kommt zu einem Teich und will trinken. Ein Frosch quakt ihn an, und der Fuchs droht: 'Geh weg, oder ich verschlinge dich.' 'Nicht so hochmütig,' erwidert der Frosch, 'ich bin hurtiger als du'. Der Fuchs lacht ihn aus und spricht: 'Wir wollen in die Stadt laufen, da wird es sich zeigen.' Der Fuchs kehrt sich um, und der Frosch springt in seinen Schwanz. Reinhart fängt nun an zu laufen ; als er nahe beim Tor ist, dreht er sich um und will sehen, ob der Frosch nachkomme; in dem Augenblick springt dieser von dem Schwanz herab und in das Tor hinein. Als der Fuchs sich wieder umgekehrt hat und in das Tor kommt, sitzt der Frosch schon am Ziel und ruft ihm zu: 'Bist du endlich da? Ich bin schon auf dem Heimweg und dachte, du würdest gar nicht kommen'. = Nawuka, Serbske nar. baje S. 71 nr. 7 (Fuchs und Frosch). — Kleinrussisch: Etnogr. Zbirnyk 37—38, 479 nr. 369. 370 (Fuchs und Krebs). J. Franko, Als noch die Tiere sprachen S. 13 nr. 4. — Großrussisch aus Gouv. Tambov: Afa- nasjev 3 1, 25 nr. 15 = Gubernatis, Die Tiere S. 613 = Gerber 1891 nr. 22 (Fuchs und Krebs). — ■ Weißrussisch: Federowski 2, 1, 31 = Dähn- hardt 3, 84 (Löwe und Dorn). Mater, kom. je^zyk. 2, 156 nr. 2. — Litauisch: Veckenstedt, Zamaiten 2, 174 (Fuchs und Krebs). — Lettisch: Ziv. Starina 5, 442 (Igel und Hase). — Finnisch: K. Krohn 1, 388 (Fuchs und Krebs); vgl. Aarnes Register nr. 275 und Dähnhardt 4, 81. — Zigeunerisch aus Ungarn: Wlislocki, Volks- dichtungen 1890 S. 411 'Der Fuchs und der Krebs'. — Armenisch: in den Wartan (f 1271) zugeschriebenen Fabeln (Choix de fables de Vartan par J. Saint-Martin 1825 p. 15 nr. 8) und bei Olympianos nr. 22 (W. Roths Leben 1862 S. 76) streiten Fuchs und Krebs wie im griechi- schen Märchen über das Korn, das sie zusammen gesät und eingeerntet haben. — Ebenso in der neuaramäischen Fassung bei Lidzbarski S. 91 nr. 9 : auf des Fuchses Vorschlag wird das ausgedroschene Stroh auf die eine Seite der Tenne gelegt und die Körner auf die andre; und der Haufen, zu dem ein jeder zuerst gelangt, soll ihm zufallen; natürlich bekommt der Krebs das Getreide. — Indisch in der Chiru-Sprache : Grierson 3, 3, 233 (Tiger und Schnecke). — In zwei anamitischen Erzählungen (A. des Michels,- Contes plaisants p. 47 und Bull, de l'ecole franc. d'Extreme-Orient 1901 = Globus 81, 302) hängt sich die Kröte beim Wettlauf mit dem Tiger, in einem Märchen der Ainos (Chamberlain p. 18) sogar der Fuchs Grimm, Märchen-Anmerkungen TIL 23 354 187. Der Hase und der Igel. an den Schwanz des Tigers. Noch entfernter steht eine Variante aus den Fidschi-Inseln (The Orientalist 1, 88 = Clouston 1, 268); hier setzt sich bei einem Wettfluge von Schmetterling und Kranich der Schmetterling auf des Vogels Rücken und flattert, sobald der Kranich sich langsamer fortbewegt, voran und ruft 'Hier bin ich', bis der Vogel vor Ermattung stirbt. — Mauritius: Baissac, Les contes pop. creoles de l'ile Maurice 1885 (Hase und Schnecke. Schuchardt, Litbl. f. germ. Phil. 1885, 417). In den Fassungen aus Madagaskar (Sibree, Folk-lore Journal 2, 79. 166. Bull, de corresp. africaine 2, 180. Kenel 2, 229 nr. 129 und 296 nr. 148) springt einmal der Frosch, das andremal das träge Chamäleon dem Wildschwein auf den Hals und gewinnt so den Preis. Bei den Mambettu nordöstlich vom Albert-Nyanza (Casati, Zehn Jahre in Äquatoria 1, 154) steigt das Chamäleon auf den Schwanz des Elefanten, stellt aber außerdem (wie in der zweiten Gruppe unsres Märchens) viele seiner Brüder am Wege entlang auf. Bei denYao am Nyassa (Ferstl, Mitt. des Seminars f. oriental. Sprachen 3, 3, 102 = Held S. 132 = Basset, C. d'Afrique p. 283) klettert die Schild- kröte unbemerkt auf den Rücken des Löwen und gewinnt die vier ausgesetzten Elfenbeinzähne. Bei dem Ga-Stamme an der Gold- küste (Globus 93, 32. 1908) wollen die Tiere des Waldes den zum Könige machen, der im Wettlaufe siegt; der Elefant langt zuerst am Ziel an und will sich auf den Thron setzen, da ruft der Zwerghirsch, der sich an seinen Schwanz angeklammert hat : 'Zerdrück mich nicht ; siehst du nicht, daß ich hier schon sitze?' Ähnlich aus Togo vom Hund und Chamäleon bei Schönhärl S. 77 nr. 24. Schönhärl S. 76 nr. 23: Fuchs und Krabbe. Suaheli: Mendner 1915 S. 31 nr. 21 (Hund und Chamäleon). — Brasilianisch: Hartt, Amazonian tortoise myths p. 11. Archivos do Museo nacional de Rio Janeiro 6, 137. 1885 ; vgl. Andree, Zs. f. Ethnologie 19 (1887) S. 340. 674 (Reh und Holzzecke). E. Nordenskiöld, Indianerleben 1912 S. 292 (Strauß und Zecke). Araukanisch: R. Lenz 1896 S. 44 nr. 10 (Fuchs und Bremse) = Lenz, Introduccion a los estudios araucanos 1896 — 97 p. 187. 314. Auf ein Wettschwimmen zweier Fische übertragen erscheint das Märchen in Finnland. Schwedisch bei Aberg S. 223 nr. 197 und in Hackmans Register nr. 250 (der Kaulbars hält sich am Schwänze des Hechts fest); finnisch bei Krohn 1, 430 = Schreck S. 238 nr. 12 (Lachs und Kaulbars) und Aarnes Register nr. 250: lappisch bei 1S3. Spindel usw. — 189. Der Bauer und der Teufel. 355 Friis nr. 2 = Poestion nr. 4 (Lachs und Meerbarsch); lettisch bei Lerchis-Puschkaitis 5, 59 nr. 2 = Zivaja Starina 5, 443; vgl. Dähnhardt 4, 92. Über das gleichartige Wett fliegen von Adler und Zaunkönig vgl. oben S. 278. Entfernter steht die von W. Grimm angezogene Fabel von dem aus dem Netze springenden Hecht, der den rückwärts kriechenden Krebs verlacht (Waldis, Esopus 4, nr. 79), die afrikanische von der Ratte und der Kröte, die zwischen den Menschen umherläuft, weil sie niemand ihrer Bitterkeit wegen anrühren mag (Koelle p. 174 nr. 8 = Bleek S 151 nr. 29), und die bei Dähnhardt 4, 93 genannten Wettstreite von Schnecke und Maikäfer (Bl. f. pomm. Vk. 3, 44), von Hase und Erde (Casati, Zehn Jahre in Äquatoria 1, 309) und von Elefant und Affe (J. L. Wilson, Western Africa 1856 p. 382). — Eine seltsame astrale Deutung unsres Märchens trägt K. von den Steinen, Zs. f. Volksk. 25, 260 'Orpheus, der Mond und Swinegel' vor. 188. Spindel, Weberschiffchen und Nadel, issest 259. 1843 nr. 188. — Nach Aurbachers Büchlein für die Jugend 1834 S. 160 — 166 'Die Patengeschenke'. Vgl. Hamann, Die literarischen Vorlagen 1906 S. 96. Der Königssohn will das Mädchen heiraten, das zugleich das ärmste und das reichste ist. Da erweisen Spindel, Weberschiffchen und Nadel sich der Fleißigen wie gute Geister dankbar und führen ihr das Glück zu. — Eine geistliche Ausdeutung auf die Passion Christi gibt die andächtige Nähterin ihrer Elle, Nadel, Schere und andern Werkzeugen in dem Liede bei Ditfurth, Fränkische Volks- lieder 2, 248 nr. 325 (1855) und im Volksliederbuch für Männer- chor 1907 nr. 106. 189. Der Bauer und der Teufel. 1843 nr. 189. — Nach Aurbachers Büchlein für die Jugend 1834 S. 249—251 'Der Teufel und der Bauer'; vgl. Hamann, Die literarischen Vorlagen 1906 S. 97. Ausgelassen ist ein schlecht er- dachter Schluß, wonach der Teufel und der Bauer versuchen, wer am meisten Hitze aushalten kann. 23* 1856 S. 259. 356 189. Der Bauer und der Teufel. In einem Nürnberger Bildergedicht aus der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts 'Wunderliche Zeitung von dem neuen Wunder- Krieg und erlangten Weiber-Sieg'1) wird der bei der Rüben- und Kornernte geprellte Teufel, als er rachsüchtig wiederkommt, von dem bösen Weibe des Bauern mit Rockenstiel und Ofengabel in die Flucht gejagt. Dagegen verknüpft die folgende Erzählung 'Wie ein Bauer den Teuffei betrog' (Mancherley artige annehmliche Hi- storien und Geschichte, oder Zeit-Verkürtzer, Augspurg 1675, Bl. B6a. Berlin Yt 9641) unser Märchen mit der schon bei Rabelais ihm an- gehängten Kratzwette, bei der die listige Bäurin dem Teufel Angst vor der Stärke ihres Mannes einzuflößen weiß : 2) Ein Bauer und der Teuffei hatten allebeyde ein Stück Landes zu- sammen, welches der Bauer besäen muste. Auff eine Zeit kam der Teuffei und sagte, sie wolten darumb werffen, wer die höchste Augen hette, der solte erwehlen, von dem, was gesäet würde, zunehmen oben oder in der Erden. Sie warffen, und warff der Teuffei 12 Augen, gewan also dieß Jahr und forderte, was über der Erde. Der Bauer noch schlimmer, säet lauter Gelbe Rüben, gab also dem Teuffei das Kraut, und er behielt also das beste. Das ander Jahr spielten sie wieder, und gewann der Teuffei wieder, forderte damahls also das unter der Erden. Da säete der Bauer Korn, und ward der Teuf fei wieder betrogen, welcher auch böse wurde und zum Bauren sagte, er muste sich mit ihm kratzen. Da ward der arme Bauer betrübt. Dieses merckte seine Frau und fragte, was ihm wäre. 'Ach,' sagte der Bauer, 'was soll mir seyn! Ich soll mich mit dem Teuffei kratzen, und darumb ist mir so angst.' — 'Ho, Ho,' sagte die Frau, 'welche Zeit?' — 'Nachmittag Glocke 2,' sagte der Bauer. 'Gehet ihr nur aus, ich will es für euch abnehmen,' sprach sie. Und wie es Zwey schlug, gieng sie an den Ort, wo das Kratzen solte angehen, hub sich rings umbher auff, legte sich nieder auff die *) Abgedruckt Zs. f. Volkskunde 8, 21. Nach dem Druckvermerk 'bei Paulus Fürsten Wittib und Erben' ist das Blatt zwischen 1667 und 1696 erschienen (ebd. 20, 202). — Zu dem Kampfe des bösen Weibes mit dem Teufel vgl. Bolte, Zs. f. Volkskunde 15, 150; auch Brietzmann, Die böse Frau 1912 S. 193. 199 und die Bilder bei Diederichs, Deutsches Leben der Vergangenheit 1, nr. 397, 462 und 619. 2) Derselbe Text steht auch in einem aus dem Holländischen über- setzten Schwankbuche 'Der Geist von Jan Tambaur, gedruckt in diesem itzigen Jahr' S. 120 'Ein Baur der den Teuffei betrog' (Berlin Yt 9901, 3). Holländisch: De geest van Jan Tamboer 1, 138 'Van een Boer die de Duyvel bedroogh' (Amsterdam 1664. Eine Ausgabe von 1656 verzeichnet Graesse, Tresor de livres rares 3, 450a). 189. Der Bauer und der Teufel. 357 Erde und ließ beyde Casteel fein von ander stehen. Da kam der Teuffei und rieff: 'Herausser, Bauer, heraus!' — 'Ja,' antwortete des Bauern seine Frau, 'der Schelm ist wieder nach dem Schmid und lasset sich die Nägel schärffen. Er hat mir mit seinen kleinen Fingern solche zwey Biß gemachet, die nimmermehr zu heylen stehen.' — 'So habe ich nichts mit ihm zu thun', sagte der Teuffei und schied davon. Andre Fassungen setzen an die Stelle des pfiffigen Bauern (Zigeuners) einen Heiligen (Petrus, Johannes, Martin, Crispin, Michael, Sabbas) und an die des geprellten Teufels einen Berggeist oder einen Bären, ja einige verwandeln die Erzählung in ein Tier- märchen, dessen Helden Fuchs und Bär (Wolf) oder Ziege und Wolf oder Igel und Schakal (Wolf) sind. Daß dies in Frankreich, Schottland, Skandinavien, Finnland und Rußland verbreitete Tier- märchen erst aus dem Schwanke vom geprellten Teufel hervorge- gangen ist, hat Krohn1) dargelegt. Aus der Schweiz bei Jegerlehner, Oberwallis S. 232 'Der Hofnarr Makolbus' (Kartoffeln und Korn); Schweiz. Archiv f. Volksk. 17, 95 'Teufel und Macolvi' (ebenso) = Küffer, Lenker Sg. S. 57. Aus Tirol bei Alpenburg, Alpensagen nr. 63 'Ein Zillertaler be- trügt den Teufel' (Weizen, Buben). Aus Kärnten bei Graber nr. 390 'Der geprellte Teufel' (Rüben, Weizen). Aus Sieben- bürgen im Kbl. f. siebenbürgische Landeskunde 9, 58 (1886. Zigeuner und Teufel). Aus der Eifel bei Schmitz 2, 142 'Till Eulenspiegel zu Dahnen' (teilt mit den Bauern Korn und Kartoffeln). Aus dem Amte Beverstedt bei Köster, Altertümer der Herzog- tümer Bremen und Verden 1856 S. 227 = v. Harten und Henniger 2, 85 'Der dumme Teufel' (Rüben, Weizen). Aus Holstein bei Müllenhoff S. 278 nr. 377 'Die geteilte Wette' = Merkens, Was sich das Volk erzählt 1, nr. 103 (Rüben, Weizen, Kratzwette).2) J) Krohn, Bär nnd Fuchs (Journal de la soc. finno-ougrienne 6. 1889) S. 104—111. Wünsche (Der Sagenkreis vom geprellten Teufel 1905 S. 70 — 79) bietet hierzu nichts Neues. 2) Der Teufel, als er sich betrogen sieht, droht, übermorgen wolle er kommen, dann solle der Bauer sich mit ihm kratzen. Dem Bauer wird angst; seine Frau aber spricht ihm Mut ein, sie wolle schon mit dem Teufel fertig werden. Der Bauer geht fort, und als der Teufel kommt, sagt sie ihm : 'Da hat mein Mann mit dem Nagel seines kleinen Fingers diesen großen Riß quer in meinen schönen eichenen Tisch ge- macht.' 'Wo ist er denn?' spricht der Teufe). 'Wo anders als beim Schmied? Da läßt er sich die Nägel schärfen.' Worauf der Teufel sachte sich fortmacht. 358 189. Der Bauer und der Teufel. Aus Pommern bei Asmus-Knoop S. 24 'Der dumme Teufel' (Rog- gen, Kartoffeln, Erbsen; Stiefel voll Geld). Aus Posen bei Knoop, Sagen aus Posen 1893 S. 107. Rogasener Familienblatt 1912, 51 'Ein Bauer wettet mit dem Teufel' (Rüben, Klee). Aus Ostpreußen bei Lemke 2, 15 'Auf die Hälfte säen' (Roggen, Kartoffeln, Erbsen ; Stiefel im Schornstein). Niederländisch: De geest von Jan Tamboer 1656 (oben S. 3562). Landschoot, Volksvertelsels in het Meetjesland 1895 nr. 2 'De boer en de duivel' (Korn, Rüben). — Dänisch: Thiele, Folkesagn 1843 2, 240 'En bonde narrer en trold' (Rüben, Korn). Kristensen, Sagn fra Jylland S. 278 nr. 399 'Bonde og bjsergmand i fsellig' (Roggen, Kartoffeln; Buchweizen soll der haben, der ein unbekanntes Tier zeigen kann).1) Skattegraveren 2, 68 'Bjsergmanden og bonden i fsellig' (Kartoffeln, Erbsen, Schweine; Kratzwette). — Schwedisch: Bondeson, Halländska sagor nr. 17 'Drängen ä skam'. Bondeson, Svenska folksagor nr. 47 'Sankte Pär och den onde' (Petrus; Wald, Roggen, Kartoffeln, Schweine). Bergström-Nordlander, Sv. landsmälen 5, 2, 19 'Björnens ock räfvens samarbete' (Rüben, Korn). Russwurm, Sagen aus Hapsal 1861 S. XVII zu nr. 170 'Der Bär und der Bauer'. Aberg nr. 27 'Gubben och bärgsrädet' (Kartoffeln, Hafer; wunder- liches Tier); nr. 136 'När Petrus o den unda va i bolag me var- andra' (Roggen, Rüben, Schweine). Hackmans Register nr. 1030. — Norwegisch: Asbjörnsen nr. 74 'Björnen og rseven, 3 De skulde have ager i sameie' (Fuchs und Bär; Korn, Rüben) = Dasent 1874 p. 126. Aasen, Prover af landsmaalet2 1899 S. 76 'Bjoinn aa rseven'. — Schottisch: Campbell2 3, 108 nr. 65 'The keg of butter' (Fuchs und Wolf; Butter vom Fuchs heimlich ausgeleckt wie oben 1, 10; Hafer, Kartoffeln ; Name auf dem Huf der Stute, vgl. oben S. 77) == Brueyre p. 362. — Wallisisch: Folk-lore 15, 85 'Jack Kent' (Jack und Teufel; Rüben, Weizen). — Französisch bei Rabelais, Gargantua B. 4, cap. 45 — 47 (1533. Korn, Rettige; Kratz- wette); danach Lafontaine, Contes 4, nr. 6 'Le diable de Papefiguiere'. In der Normandie erzählt das Volk noch heute, wie sich der h. l) Das für den Teufel rätselhafte Tier ist die auf allen Vieren kriechende Frau, die sich nackt mit Teig bestrichen und in Vogelfedern gewälzt hat; vgl. die Nachweise oben 1, 4111 und dazu Schweizerisches Archiv 17, 81. 18, 92. Feilberg, Zs. f. Volkskunde 8, 2662. Hnatjuk, Geschlechtleben 1, 185. 2, 269. Hackmans Register nr. 1091. Aarnes Register nr. 1091. 189. Der Bauer und der Teufel. 359 Michael mit dem Teufel gestritten habe, wer die schönste Kirche erbauen könne. Der Teufel baut eine steinerne, Michael fügt die schönere aus Eis zusammen. Als diese hernach schmilzt, wollen beide den Boden bebauen; der Teufel wählt das obere Kraut, Mi- chael behält das in der Erde steckende (J. Grimm, Mythologie3 S. 981. Sauvage, Legendes normandes 1869 p. 25). Fleury p. 113 (Martin und Teufel. Korn, Buben). Sebillot, Contes 3, 315 nr. 45 'Le diable laboureur et marin' (Mohrrüben, Buben, Tabak). Gittee- Lemoine p. 32 'Le diable dupe' (Getreide; Kratzwette). Zeliqzon- Thiriot p. 3 'L'espiegle et le diable' (Kampf mit langem und kurzem Stab; Kartoffeln, Getreide; Alter erraten, Tabak). Monseur p. 58 'Le diable et le paysan' (Getreide, Buben). Sebillot, Trad. de la Haute- Bretagne 1, 326 'Saint Michel et le diable' (Schloß aus Eis und aus Stein; Weizen, Buben; Kampf mit langem und kurzem Stab); 1, 181. Madelaine, Au bon vieux temps 1, 193 'Les navets' (Petrus. Buben, Korn, unbekanntes Tier). Dardy 2, 215 nr. 58 'Le metayer et le diable'. Carnoy, Picardie p. 62 'Saint Crepin et le diable' (Buben, Korn; unbekannte Pflanze). Carnoy, Legendes de France p. 19 'Saint Martin et le diable'. Laisnel de la Salle, Le Berry p. 148 (Martins Eismühle ; Kartoffeln, Weizen) ; p. 156 (Fuchs und Wolf teilen Nüsse und Obst). Laisnel de la Salle, Croyances du centre de la France 1, 130. Berenger-Feraud, Superstitions et survivances 4, 425. Froidure d'Aubigne, Contes licencieux de l'Alsace 1906 p. 119 nr. 28 'L'animal inconnu' (Kartoffeln, Korn; unbekanntes Tier). Sauve p. 289 (St. Martin. Getreide, Buben). Thuriet, Jura p. 176 = Thuriet, Haute -Saone 1892 p. 596 'St. Pierre et Satan fermiers du bon Dieu'. Bolland, Faune pop. de la France 1, 150 'Le loup et le renard' (aus Ardeche. Buben). Blade, Agenais p. 26 'La chevre et le loup' (Ziege und Wolf. Buben, Korn. Wolf in der Kirche und im Brunnen) = Blade, Gascogne 3, 159; vgl. B. Köhler 1, 136. Arnaudin p. 57 'Le bon Dieu et le diable' (Buben, Getreide. Windmühle aus Stein und aus Eis). Bevue des langues romanes 28, 47 'La femme est plus rusee que le diable' (Buben, Getreide; Kratzwette). Bevue des trad. pop. 3, 166 'La chaine du diable' (Gott und Teufel; Korn, Kartoffeln). 6, 169 'Le diable et le cultivateur' (Korn, Kartoffeln). 6, 545 'Saint Guenole et le diable' (Steinhaus, Eishaus ; Buben, Getreide ; Kampf mit Knüttel und Messer, Heugabel und Pfriem). 9, 346 nr. 58 'Le diable dupe' (Kohl, Mohrrüben). 9, 350 nr. 65 'Le loup et le renard' (Getreide, 360 189. Der Bauer und der Teufel. Rüben). Auch bei A. Dumas pere, Contes pour les petits o. J. p. 146 'Le roi des quilles' benutzt. Maupassant, Clair de lune 1909 p. 101 'Legende du Mont-Saint-Michel'. Roman. Forschungen 16, 326. — Italienisch: Rainardo e Leserigrino ed. Teza 1869 p. 13. 50 f. (Ziege und Wolf). Schneller, Wälschtirol nr. 2 'St. Johannes und der Teufel' (Dachschindeln anfädeln, Rüben. Weizen). — Maltesisch: Stumme nr. 33 'Der Schakal und der Igel' (Rüben, Weizen; Wettlauf wie oben nr. 187). — Spanisch um 1329 bei Juan Manuel, El conde Lucanor nr. 43 ed. Knust 1900 = Eichen- dorff, Werke 3864 6, 532 nr. 41; vgl. Chauvin 2, 159: der Böse übervorteilt viermal den Guten, indem er von den Schafen die Milch und Wolle nimmt und jenem von den Schweinen Milch und Borsten läßt, dann von den Rüben den unteren Teil beansprucht und jenem den unteren Teil des Kohls gibt; als aber die Sklavin dem Bösen ein Kind gebiert, darf sie es nicht säugen, weil dem Guten das, was über dem Gürtel ist, gehört. — Portugiesisch: Braga 1, 175 nr. 81 '0 compadre diabo' (Weizen, Kartoffeln; Kratzwette). — Baskisch: Webster p. 43 'Acheria the fox' (Fuchs und Wolf, unten in der Kanne ist Kot, darüber Sahne). — Serbokroatisch: Wuk 1870 S. 274 nr. 20= 1897 S. 280 nr. 70 = Jagic, Archiv 2, 640 nr. 35 'Der h. Sabbas und der Teufel' = Krauß 2, 411 nr. 153 (Zwiebeln, Kohl, Erdäpfel, Weizen, Wein), vgl. R. Köhler 1, 431. Brastvo 12—13, 149 nr. 15 (Sava und Teufel; Zwiebeln, Hanf, Erdäpfel, Apfelbaum, Rüben, Weinreben, Melonen; der Teufel erhält die Früchte der wilden Rose, des Weißdorns und die Brombeeren). — Bulgarisch: Sbornik min. 2, 186 = Sapkarev 8—9, 93 nr. 74 = Strauß S. 263 (Zwiebeln, Weizen). Sbornik min. 3, 302 nr. 2 (Bauer und Bär, wie Afanasjevnr. 7b). — Slovakisch: Slovenske Pohl'ady 1892 S. 611 nr. 2 (Kraut, Rüben). 1895 S. 329 nr. 5 (Korn, Erdäpfel). — Cechisch aus Böhmen : C. Lid 20, 448 (Getreide, Rüben, Erdäpfel). Aus Mähren : Mensik, Jemnic. S. 157 (Erdäpfel, Korn; der vom Teufel ge- rodete Acker fällt dem Weibe zu). Kulda 2, 228 nr. 120 (Mohn, Mohrrüben; Teufel und böses Weib). Pfikryl S. 186 (Teufel als Knecht heiratet eine Witwe; Mohn, Mohrrüben). — Wendisch: Ad. Cerny S. 363 nr. 195 (Petrus und der Teufel stehlen zusammen ein Schwein, Kraut und Rüben ; der Teufel erhält den Schwanz, die Wurzeln des Kohls und die Blätter der Rüben). — Polnisch: Kolberg, Lud 3, 185 nr. 39 (Hirse, Rüben). 8, 230 nr. 96 (Erdäpfel, Kraut). 12, 228 (Teufel und Weib; Weizen, Rüben). 14, 237 nr. 57 189. Der Bauer und der Teufel. 361 (Bier gebraut, Buben) aus Przyjaciel ludu 1838 nr. 31, bearbeitet von Fr. Morawski, Bauer und Teufel; vgl. Zdziarski, Pierwiastek ludowy S. 242 und Nitschmann, Iris 1880 S. 168. Kolberg, Lud 21, 198 nr. 14 (Hirse, Buben). Zbiör 5, 3, 209 nr. 16. 246 nr. 50 (Erd- äpfel, Getreide). Wisla 6, 313 nr. 6 (Teufel als Knecht; Korn, Buben). Bawicz -Witanowski, Lud wsi Stradomia (Wisla 10, 366). Mater, antropol. 13, 139 nr. 16 (Buben, Weizen). Malinowski 1, 45 (Mohn, Mohrrüben). — Kaschubisch: Lorentz, Teksty S. 356 nr. 462 (Bauer und Teufel; Wruken, Korn). S. 608 nr. 749 (ebenso). — Kleinrussisch: Etnograf. Zbirnyk 6, 71, nr. 206 (Mohn, Mohr- rüben). 14, 312 nr. 66 (Erdäpfel, Mohn). 33, 49 nr. 131 (Korn, Erd- äpfel). 37 — 38, 156 nr. 125 (Bauer und Bär; Buben, Mohn; Bär mit der Heugabel aus dem Stall vertrieben). 37 — 38, 158 nr. 126 (Bauer, Bär und Fuchs; wie Afanasjev nr. 7b, dazu Prellung des Fuchses; Weizen, Buben). Jubil. Sbornik Millera S. 174 (aus Odessa). Zbiör 9, 130 nr. 21 (Buben, Hirse). Budcenko 1, 52 nr. 29 (Erdäpfel, Mohn). Hrincenko 2, 85 nr. 73 (Mohrrüben, Mohn). Öuckevye S. 9 nr. 3 (Gott und Teufel; Buben, Weizen). — Weißrussisch: Glinski 3, 191 nr. 11 (Teufel im Joch; Bier, Buben, Erbsen). Dobrovoljskij 1, 638 nr. 4 (Wie ein Müller den Teufel überlistete. Weizen, Buben). Sejn 2, 31 nr. 18 (Sperling und Maus; Weizen, Buben). Federowski 1, 171 nr. 558 (Buben, Weizen). Bomanov 3, 26 nr. 18 b (Bauer, Bär und Fuchs; wie Afanasjev nr. 7b. Hirse, Buben). — Großrussisch: Afanasjev3 1, 14 nr. 7 a 'Bauer, Bär und Fuchs' (aus Gouv. Tula. Buben; der Fuchs befreit den Bauer); nr. 7b (Gouv. Tambov. Buben, Weizen; Fuchs befreit den Bauer wie im Estnischen); 1, 15 nr. 7c (Gouv. Astrachan. Ebenso) = Hins 1883 p. 75 = Brandt 1904 S. 87 'De boer, de beer en de vos'; vgl. Gubernatis, Die Tiere S. 331. 426. Aus Gouv. Kursk: Mater, velikorus. goverov. 9, 154 (Korn, Buben; Fuchs rettet den Bauer vom Bären). Zap. Krasnojarsk. 2, 159 nr. 38 (Maus und Sperling; Buben, Weizen; Krieg der Tiere). — Litauisch: Dowojna Sylwestrowicz 1, 211 (Getreide, Buben). — Lettisch: Bevue des trad. pop. 2, 486 nr. 8 (Gott und Teufel ; Buben, Kohl). Zivaja Starina 5, 84 (Gott und Teufel; Buben). — Estnisch: Bosen- plänter, Beiträge zur Kenntnis der estnischen Sprache 8, 131 (1817) = Grimm, Beinhart Fuchs 1834 S. CCLXXXVIII nr. 6 'Bär und Mann' (Buben, Hafer!; der Fuchs bringt es durch List dahin, daß der Bär, der dem Mann die Ochsen wegnehmen will, gebunden und getötet wird) = Bußwurm, Sagen aus Hapsal 1861 nr. 170 'Der Bär und der 362 189. Der Bauer und der Teufel. Bauer' = v. Löwis 1916 S. 70. Kallas nr. 64 'Gott und der Böse' (Rüben, Gerste, Kartoffeln, Branntwein. Verhandlungen 20, 188). — Finnisch: Salmelainen 3, nr. 13 = Schreck S. 212 'Der Bauer und der Bär' (Rüben, Weizen ; Fuchs rettet). Krohn 1, 411 nr. 49; vgl. Krohn, Bär und Fuchs (Journal de la soc. finno- ougrienne 6) S. 103 — 108; Aarnes Register nr. 1030. — Mor- dwinisch: Paasonen, Proben 1, 148 nr. 16 'Fuchs und Bär (Weizen, Rüben. Journal 12) = Obrazcy 1883 2, 11 nr. 5 = Anikin S. 49. Obrazcy 2, 51 nr. 13 (Bauer, Bär und Fuchs; wie Afanasjev nr. 7b). Sachmatov S. 322 (Jäger statt des Fuchses). — Wot jakisch: Wich- mann, Sprachproben 2, 116 nr. 23 'Der Mensch und der Bär' (Rüben, Weizen) und 2, 124 nr. 28 'Der Wassergeist und der Bär' (Rüben, Roggen. Journal 19). Izvestija archeol. Kasan 3, 234 nr. 9 (Rüben, Erbsen). — Tschuwassisch: Ahlquist, Muistelmia matkoilta Wenäjällä vuosina 1859 S. 147. Spir. Michajlov, Cuvas. razgovory S. 50 (Gerste, Rüben; Tatzen des Bären eingeklemmt). — Grusi- nisch: Sbornik Kavkaz. 17, 128 (Gott und Teufel; Getreide, Knob- lauch), vgl. Sumcov, Razysk. anekdot. S. 179. — Kaukasisch: Bestuschev im Magazin f. Lit. des Auslandes 1834, 533 = Kletke, Märchensaal 3, 94 'Der arme Teufel' (Rettige und Rüben). — Indisch: Parker 1, 322 nr. 59 'The Gamaräla and the washerman' (Reis, Zwiebeln; Büffel, Holz von verschiedenen Bäumen). — Neuaramäisch: Lidz- barski 1896 S. 73 'Der Mossulaner und der Teufel' (Zwiebeln, Weizen ; Kampf mit langem und kurzem Stecken) = Zs. f. Assyriologie 9, 261. — Arabisch: Rückert, Der betrogene Teufel (Wendts Musenalmanach 1830, 50 = Poetische Werke 1868 4, 110; englisch bei P. Carus, History of the devil 1900 p. 254) nach einer unbekannten Quelle; das Magasin pittoresque 8, 133 (bei Laisnel de la Salle, Croyances du centre de la France 1, 130. 1875) führt aus einem 'orientalischen Gedichte' folgende mit Rückert übereinstimmende Stelle an: 'Vous savez que la moitie du monde est ä moi, ainsi la moitie de votre moisson m' appartiendra.' Certeux-Carnoy, L'Algerie traditionnelle 1, 55 nr. 19 (1884). *Trumelet, L'Algerie legendaire 1892. Stumme, ZdmG. 48, 396 nr. 3 'Wolf und Igel' (aus Tazerwalt) = Seidel, Geschichten und Lieder der Afrikaner 1896 S. 91. Mercier, Essai sur le Chaouia de l'Aures 1896 p. 70 nr. 15 'Histoire du Hon, de l'änesse, du chacal et de l'herisson' und Basset, C. berberes 1, 14 nr. 6 'Le herisson et le chacal' (Zwiebeln, Getreide; Wettlauf wie in unsrer nr. 187), vgl. 2, 193. 189. Der Bauer und der Teufel. 363 Die Teilung der Ernte in eine obere und eine untere Half te tritt schon in der spanischen Fassung Juan Manuels auf, die sonst manches Eigentümliche bietet.1) In einer lateinischen Fabel von Desbillons (Fabulae Aesopicae 1763 Hb. 6, fab. 21 'Pueri duo') teilen zwei Knaben Nüsse und Oliven so, daß der Schlaue von den Nüssen die Kerne und von den Oliven die Schalen erhält. In einer mecklen- burgischen Sage (Bartsch 1, 97 nr. 111) willigt der Teufel in die Teilung der Butter, erhält aber nur wenig, weil er sich nicht gleiche Teile ausbedungen hat. Nach deutschem Volksglauben müssen Früchte, die über der Erde wachsen, in zunehmendem Mond- lichte, die unter der Erde in abnehmendem Lichte gesät werden (J. Grimm, Myth.3 S. 628. Beiser, Allgäu 2, 253. Drechsler, Schlesien 2, 50. 54. A. John, Volksglauben in Westböhmen 1905 S. 198. Strackerjan, Oldenburg2 1, 54). Die Kratzwette, welche bei Babelais, Jan Tamboer und sonst als Schluß verwendet wird, erscheint auch als selbständiger, oft bedenklich schmutziger Schwank.*2) So bei Hans Sachs, Der ver- schnitten Bär (Fabeln 3, 81 nr. 25 = Zs. f. vgl. Litgesch. 7, 455; vgl. 11, 70) und Ernst Wolgemuth, Der träumende Musen-Freund (um 1670) S. 83 nr. 95 = Zs. f. vgl. Litgesch. 11, 70 (Köhler und Teufel). Aus Holstein bei Wisser, Plattdeutsche Vm. S. 78 'De grot Gatz' (Teufel); H. Seidel, Gedichte 1903 S.209 'Der betrogene Teufel' (Biß im Eichentisch) ; aus Pommern bei Jahn, Vm. 1, 375 zu nr. 50 (Teufel, Frau als Ulenkücken); Knoop, Kbl. f. nd. Sprachforschung 14, 22 (Wolf vom Bauer verschnitten); vgl. 14, 35. Französisch: Kryptadia 2, 53. 3, 354. Italienisch : Straparola 6, nr. 2 (Castor von Sandrino verschnitten). Gubernatis, S. Stefano nr. 34 'II diavolo e il contadino'. Zorzut p. 77. Griechisch : Nicolaides 1906 p. 77 'Le cadi chätre' und p. 93 'Le dragon et le laboureur'. 1, 58. Südslavisch : Anthropophyteia 1, 364. 494; vgl. 154 nr. 129. Polnisch: Kryptadia 4, 76. 197. Malinowski 2, 11 und 28. Kleinrussisch: Etnograf. Zbirnyk 15, 13 nr. 18. Hnatjuk, Geschlechtleben 1, 450 nr. 319 *) Über die Teilung der Frau vgl. Pfannmüller, Die vier Eedaktionen des Heidin 1911 S. 112—122. 490. 2) Eine ganz entfernte Ähnlichkeit zeigt die 21. Branche desBoman de Benart (2, 254 ed. Martin), wo des Bauern Frau durch Aufdecken ihres breiten Gesäßes dem Bären und Wolf den Schinken abgewinnt; vgl. Martin, Observations 1887 p. 92; Sudre, Les sources 1892 p. 189; Foulet, Le roman de Benard 1914 p. 486. 364 189. Der Bauer und der Teufel. (Wolf). 2, 266 nr. 291 (Teufel). Weißrussisch : Serzputovskij S. 176 nr. 76. Großrussisch: Rovinskij 1, 415 nr. 180 (Bilderbogen von 1820—1840). Oncukov S. 476 nr. 205. Rus. zavetnyja skazki S. 5 nr. 3. Kryptadia 1, 58. Lettisch: Ulanowska S. 262. Estnisch: Kallas nr. 67 'Des Weibes List' (Teufel. Verhandlungen 20, 192). Finnisch: Aarnes Register nr. 153. 1095. 1133. Indisch: Somadeva Buch 6, cap. 28 (Brockhaus, Berichte der sächs. Ges. der Wiss. 1860, 120 = Tawney, Kathasaritsagara 1, 255; vgl. R. Köhler 1, 77. Der Brak- mane und der Dämon Pisäca). Vergleichbar mit unserm Märchen ist der Vertrag mit dem Teufel über die Zeit, wenn alle Bäume kahl sind; vgl. oben S. 200. — Ebenso der Vertrag über eine letzte Saat. Die Mönche zu Dünwald werden um einen Acker geprellt, dessen Be- sitzer sich ausbedingt, nur noch eine Saat darauf zu ernten, und eine Eichelsaat anlegt: Montanus, Die Vorzeit 1837 1, 92 'Die Saat'. Spitz, Rheinischer Sagenschatz 1843 1, 108. Schell, Bergische Sagen S. 283. 588. Gedichte von Simrock (Rheinsagen 1869 nr. 14 'Die Eichelsaat'), Waldbrühl-Zuccalmaglio (Rhingscher Klaaf 1869 S. 79 'Di Soht'), Greif (Gedichte 1881 S. 170 'Die letzte Saat'), Maubach (Fliegende Blätter 108, 99 'Die letzte Saat'. 1898). Firmenich 1, 301 'Von dem Abte, der in einen Raben verwandelt wurde'. Schambach-Müller, Niedersächs. Sagen nr. 45 'Der Strahlenkamp', nr. 48 'Das Wendfeld', nr. 170 'Der Teufel betrogen'. — Endlich der gestrichene Scheffel. Der Bauer, der dem Teufel für den gehäuften Scheffel Geld übers Jahr nur einen gestrichenen wieder- geben soll, streicht den Haufen sogleich ab und gibt das Übrige zurück: oben S. 143; dazu Schell, Neue bergische Sagen 1905 S. 110. Schwedisch: Hackmans Register nr. 1182. Italienisch: Mailly nr. 140. Polnisch: Knoop, Sagen der Provinz Posen 1913 nr. 171 = Rogasener Familienblatt 8, 3. Finnisch: Aarnes Register nr. 1182. — Der Teufel muß erraten, was die angefangene Arbeit des Schmiedes werden soll : Kleeberger, Volkskundliches aus Fischbach 1902 S. 65. Über andre Überlistungen des dummen Teufels vgl. nr. 183- 194. 195, auch Aarnes Register nr. 1030 — 1199, sowie Wünsche, Der Sagenkreis vom geprellten Teufel (1905). 190. Die Brosamen auf dem Tisch. — 191. Das Meerhäschen. 365 190. Die Brosamen auf dem Tisch. 1856 * aeo. 1843 nr. 190. — Aus der Schweiz (Aargau) von W. Wacker- nagel in der Zs. f. deutsches Altertum 3, 36 nr. 4 (1843) = Wacker- nagel, Voces variae animantium 1869 S. 9 — Colshorn nr. 64 = Sutermeister nr. 4 = Bächtold S. 119; zuerst jedoch im Wanderer in der Schweiz 1835, S. 132. Vgl. Singer, Schweizer Märchen 1, 40. Der Hahn verführt die Hühner, in die Stube zu gehn und auf dem Tisch die Brosamen aufzupicken, worauf die Frau sie mit dem Stecken hinausjagt. Die Worte, die das Märchen schließlich den Hühnern und dem Hahne beilegt, geben ein anmutiges Beispiel für die Art, in der das kindlich dichterische Volk die Laute aus der unvernünftigen und leblosen Welt in artikulierte Menschenrede umsetzt. — In einer Züricher Variante bei Wackernagel 1869 S. 1 = Sutermeister S. 202 führt der Hahn die furchtsamen Hühner in den Weinberg ; da begrüßt ihn der Fuchs und beißt ihm den Kopf ab. In zwei andern Stücken bei Sutermeister S. 20 L f. schreit der Spatz, dem die leckerhafte Frau die Flügel gestutzt hat, 'Dieb', und die Eule ruft einem alten Ehepaare eine Mahnung an den Tod zu. Andre Ausdeutungen der Tierstimmen findet man bei Wackernagel, Bochholz (Alemannisches Kinderlied 1857 S. 75—97), Böhme (Deutsches Kinderlied 1897 S. 218—229), Wossidlo (Mecklen- burgische Volksüberlieferungen 2. 1899), Dähnhardt (Natursagen 3, 355. 1910) und oben S. 283. 191. Das Meerhäschen. 1857 nr. 191; eingesetzt für nr. 191a. — Aus Sieben- bürgen; nach Haltrich, Deutsche Volksmärchen aus Siebenbürgen 1856 nr. 38 'Von der Königstochter, die aus ihrem Schlosse alles in ihrem Reich sah' = 1885 nr. 39. — Wie in den Märchen von der weißen Schlange (oben 1, 134) und von der Bienenkönigin (2, 21) helfen dem Helden drei dankbare Tiere bei der Lösung der Aufgaben, durch die er die Königstochter zur Gattin gewinnt; er muß sich aber dreimal vor der Prinzessin verstecken, die durch 366 191. Das Meerhäschen. einen Zauberspiegel (hier zwölf Glasfenster) alles, was auf Erden geschieht, sehen kann; nachdem sie ihn im Rabenei und im Fisch- bauch entdeckt hat, läßt er sich das drittemal vom Fuchs in ein Meerhäschen verwandeln und kriecht unter den Zopf der Jungfrau; als sie ihn nicht entdeckt, zerschlägt sie im Zorn die Glasscheiben. Aus Mähren bei Kosch S. 55 'Vom weißen Reh' = Haller S. 58 (vorher wie unsre nr. 93, oben 2, 336). — Rumänisch: Schott S. 153 nr. 13 'Die Prinzessin und der Schweinhirt' (er wird zuletzt vom Waldgeist in eine Rose verwandelt und zerschlägt den Spiegel); S. 184 nr. 17 'Juliana Kosseschana' (das hilfreiche Pferd verwandelt das dritte Mal den Helden in eine Laus auf des Königs Kopf). Vgl. Säinenu p. 770. — Griechisch: Hahn nr. 61 'Der Jäger und der Spiegel, der alles sieht' (der Fuchs gräbt dem Helden einen Gang bis unter den Sitz der Prinzessin). — Serbokroatisch: Stefanovic S. 43 nr. 7 = Archiv f. slav. Phil. 1, 270 nr. Ib. Valjavec S. 191 nr. 24 (dem Soldaten helfen Fisch, Vogel und Rosmarinstaude; zuletzt steckt er als Rosmarinblatt im Ohr der Prinzessin, die einen 'Planeten' statt des Spiegels besitzt). — B ul garisch aus Mazedonien : Sapkarev 8, 221 nr. 123 (Adler, Fisch, Teufel helfen ; zuletzt wird der Held in einen Apfel verwandelt, den die Prinzessin einsteckt). — Slowakisch aus Oberungarn: Skultety-Dobsinsky S. 548 nr. 62 = 2. Aufl. S. 250 nr. 20 (der Freier der Zauberin wird zum Fisch, Vogel und zur Nelke, muß aber noch andre Aufgaben lösen). — Kleinrussisch aus Südungarn : Etnogr. Zbirnyk 30, 64 nr. 34 (der vom Helden mit einem Zauberstabe belebte Fisch versteckt ihn drei- mal). — Weiß russisch aus Gouv. Smolensk: Dobrovoljskij 1,223 nr. 1 (der Greif, dessen Junge vor dem Hagel gerettet wurden, hilft). — Großrussisch: Afanasjev3 2, 101 nr. 130a = Anna Meyer 2, 95 'Jelena die Weise' (ein Soldat, der den Teufel aus dem Gefängnis befreit hat, fliegt als Vogel in das Schlafgemach der weisen Jelena und soll sterben, wenn er sich nicht dreimal verstecken kann; der Teufel verwandelt ihn in eine Nadel und legt sie in das Zauberbuch der Prinzessin ; diese schlägt vergeblich darin nach und wirft es zornig auf den Boden, da steht der Jüngling vor ihr). 2, 103 nr. 130b (der Held sucht die entflohene Schwanjungfrau, heiratet dann aber die Dienerin, die ihn hinter dem Zauberspiegel versteckt hat). Chudjakov 2, 101 nr. 63 (der Held heiratet die Dienerin, die ihn im Wäschekoffer versteckte). Ivanickij S. 186 nr. 11 (dazu Schwan- jungfrau). Aus Gouv. Tomsk: Zap. Krasnojarsk. 2, 111 nr. 28 (Wal- 191. Das Heerhäschen. 367 fisch, Greif, Löwe helfen ; ein Mädchen versteckt ihn hinter dem Zauberspiegel und einer Falltür). — Ungarisch: Rona-Sklarek 2, 220 nr. 21 'Der kleine Schweinehirt'. — Zigeunerisch: Wlislocki 1885 S. 111 nr. 47 'Der Spiegel, der alles sieht' (Fisch, Adler, Ameise). — Awarisch: Schiefner S. 59 nr. 7 'Der schwarze Fuchs' (verwandelt das vierte Mal den Helden in einen Floh, der sich im Gewände der Prinzessin verbirgt); vgl. R. Köhler 1, 559. — Mingrelisch: Wardrop p. 124 'The prince who befriended the beasts' — Mourier p. 73 nr. 6 = Magazin f. d. Literatur 1884, 375 nr. 4 (Fisch, Adler, Hirsch ; Schakal gräbt einen Gang bis unter den Sitz der Prinzessin ; diese zerschlägt den Spiegel). — Kabardinisch: Sbornik kavkaz. 12, 1, 17 (Adler, Gemse, Fisch, Fuchs). In einem andern siebenbürgischen Märchen (Haltrich4 nr. 41 'Die versteckte Königstochter') besteht die Aufgabe darin, dreimal die verborgene Prinzessin zu suchen, was wiederum mit der Hilfe dankbarer Tiere gelingt. Ähnlich schwedisch bei Wigström, Sv. landsm. 5, 1, 55 'Skytten Bryte'. Die Stute ist zu suchen: rumänisch bei Schullerus, Siebenbg. Archiv 33, 659 ; serbisch bei Wuk S. 35 nr. 4. Ein merkwürdiges Seitenstück liefert eine vermutlich auf alter Überlieferung beruhende färöische Ballade 'Lokes Gesang' (Hammershaimb, SjürÖar kvseÖi 1851 S. 140 = Lyngbye, Fseroiske kv8ederl822 S. 500 = Unland, Schriften 7, 371 = Warrens, Norwegische Volkslieder 1866 S. 183). Hier versteckt sich der Knabe, den der Kiese seinem Vater im Spiel abgewonnen hat, dreimal mit Hilfe der Götter Odin, HöniundLoki, die ihn in ein Gerstenkorn, eine Schwanfeder und ein Fisch- rogenkörnchen verwandeln; das drittemal entschlüpft er, der Kiese stürzt ihm nach und rennt sich den Kopf ein. Dem entspricht das dänische Märchen bei Grundtvig, Minder 1,3 nr. 2 'Den fattige mand og hans hjselpere' (alte Frau statt des Riesen ; ein alter Mann versteckt den Helden im Baum, Schilf, Fisch); vgl. DgF. 2, VI1 und Grundtvigs hsl. Register nr. 51 'Godt gsemt'. Kleinrussisch aus Ostgalizien: Zdziarski, Garsc basni S. 15 nr. 9 (der Witwensohn versteckt sich auf die Aufforderung des Gutsherren als Rose, Taube und mit Hilfe des durch eine geweihte Keule bezwungenen Teufels in dem Feuer- stein, aus dem der Herr morgens Feuer schlägt, um seine Pfeife an- zuzünden). Weißrussisch aus dem Gouv. Witebsk: Romanov 6, 488 nr. 55 (der zauberkundige Kaiser verheißt seine Tochter dem, der sich vor ihm verstecken kann; der Jüngling wird zum schwarzen 368 191. Das Meerhäschen. Zobel, weißen Wiesel, grauen Hasen, zu bunten Blumen, zum Barsch, zur Nadel und endlich zur Feder, die der Greif nachts dem Kaiser unter die Arme legt). Großrussisch : Oncukov nr. 2 = v. Löwis nr. 43 'Der Schwarzkünstler-Zar'. In dem Liede vom Witwensohn 'Vanka und dem Zaren Volsan (Bybnikov 1, 443 = 2. Aufl. 2, 136 nr. 126) hilft der Vogel Mogul (Greif), dessen Jungen der Held vor Kälte geschützt hatte; vgl. Machal, 0 bohat. epose slov. S. 200 und A. Weselowskij, Juzno-russkija byliny 4, 11, 50. Finnisch: Aarnes Begister nr. 329. Die 99 Pfähle vor dem Königsschloß, auf denen die Köpfe der im Wettkampf unterlegenen Freier aufgesteckt sind,1) erinnern an die antike Sage vom König Oenomaos, der auf gleiche Art die Werber seiner Tochter Hippodamia abzuschrecken trachtete (Hygin, Fabulae c. 84. Boscher, Mythol. Lexikon 3, 765. 775), und an den Boman von Apollonius von Tyrus (Klebs, Die Erzählung von Apollo- nius von Tyrus 1899 S. 4. Gesta Bomanorum c. 153. Shakespeare, Perikles von Tyrus I, 1); sie sind aber auch aus dem Turandotkreise bekannt (Nisami bei Schack, Anthologie morgenländ. Dichtungen 2, 175. 1893. 1001 Nacht 22, 82 ed. Henning; vgl. Chauvin 5, 194. Lidzbarski S. 267: 99 Köpfe. Bevue des trad. pop. 29, 207: maurisch). Im Ortnit 1, 19 (Deutsches Heldenbuch 3, 5) schlägt der König Machorel den um seine Tochter Werbenden den Kopf ab, und 72 Köpfe sieht man auf den Zinnen von Montabur prangen. Auch Wolfdietrich (D 6, 13. Dt. Heldenbuch 4, 74) er- blickt an König Beliäns Burg einen Turm, auf dem die Häupter der Buhler seiner Tochter aufgesteckt sind. Ähnlich schildert Saxo, 9. Buch p. 425 Müller, die Burg des Biesenkönigs Geirröd: 'Pali propugnaculis intersiti desecta virorum capita praef erebant' ; vgl. Lady Guest, Mabinogion 1839 2, 138 = 1877 p. 183 und Le Grand, Fabliaux 1, 18 (1779) 'La mule sans frein'. Grundtvig, DgF. 4, 56 nr. 184 'Den farlige Jomfru' = W. Grimm, Altdänische Heldenlieder S. 110. In den Märchen vom Bätsei (oben 1, 188), von den zertanzten Schuhen (oben S. 78), den sechs Dienern (oben S. 84) wird mehrfach den Freiern, welche die gestellten Aufgaben nicht lösen, das Haupt abgeschlagen; vgl. auch Gesta Bomanorum c. 60 und *) Vgl. die Ausführungen Grundtvigs, DgF. 4, 51—54 (1883). Meist ist es der eifersüchtige Vater, der die unterliegenden Freier tötet, bis- weilen aber auch die umworbene hartherzige Prinzessin (Grimm nr. 191 ; Hahn nr. 61; auch Atalante bei Ovid, Met. 10, 572 und Herrn utbruda bei Saxo B. 4 p. 156 ed. Müller). 191a. Der Räuber und seine Sühne. 869 1001 Nacht 5, 152 'Kamaressamän', dazu Chauvin 5, 206. 239. Rumänisch: Schott S. 187; Schullerus, Archiv 33, 659. Griechisch: Hahn 1, 168 nr. 22. Serbokroatisch: Wuk 1854 S. 35 und 151. Vojinovic nr. 5 = Archiv f. slav. Phil. 1, 277 nr. 5, dazu R. Köhler 1, 411. Russisch: Afanasjev1 8, nr. 8 'Marja Morevna' = Ralston p. 93. Awarisch: Schief ner S. 62 nr. 7. 191a. Der Räuber und seine Söhne. lsses.seo. (1843 nr. 191). Es war einmal ein Räuber, der hauste in einem großen Walde und lebte mit seinen Gesellen in Schluchten und Felsenhöhlen, und wenn Fürsten, Herren und reiche Kaufleute auf der Landstraße zogen, so lauerte er ihnen auf und raubte ihnen Geld und Gut. Als er zu Jahren kam, so gefiel ihm das Handwerk nicht mehr, und es gereute ihn, daß er so viel Böses getan hatte. Er hub also an ein besseres Leben zu führen, lebte redlich und tat Gutes, wo er konnte. Die Leute wunderten sich, daß er sich so schnell bekehrt hatte, aber sie freuten sich darüber. Er hatte drei Söhne; als die herangewachsen waren, rief er sie vorsieh und sprach: 'Liebe Kinder, sagt mir, was für ein Handwerk wollt ihr erwählen, womit ihr euch ehrlich nähren könnt?' Die Söhne besprachen sich mit- einander und gaben ihm dann zur Antwort: 'Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm, wir wollen uns ernähren, wie Ihr euch ernährt habt: wir wollen Räuber werden. Ein Handwerk, wobei wir von Morgen bis Abend uns abarbeiten und doch wenig Gewinn und ein mühseliges Leben haben, das gefällt uns nicht.' 'Ach, liebe Kinder,' antwortete der Vater, 'warum wollt ihr nicht ruhig leben und mit wenigem zufrieden sein? Ehrlich währt am längsten. Die Räuberei ist eine böse und gott- lose Sache, die zu einem schlimmen Ende führt; an dem Reichtum, den ihr zusammenbringt, habt ihr keine Freude; ich weiß ja, "wie es mir dabei zu Mut gewesen ist. Ich sage euch, es nimmt einen schlechten Aus- gang. Der Krug geht so lange zu Wasser, bis er bricht; ihr werdet zuletzt ergriffen und an den Galgen gehenkt.' Die Söhne aber achteten nicht auf seine Ermahnungen und blieben bei ihrem Vorsatz. Nun wollten die drei Jünglinge gleich ihr Probestück machen. Sie wußten, daß die Königin in ihrem Stall ein schönes Pferd hatte, das von großem Wert war, das wollten sie ihr stehlen. Sie wußten auch, daß das Pferd kein ander Futter fraß als ein saftiges Gras, das allein in einem feuchten Wald wuchs. Sie gingen also hinaus, schnitten das Gras Grimm, Märchen -Anmerkungen III. 24 370 191a. Der Räuber und seine Söhne. ab und machten einen großen Bündel daraus, in welchen die beiden 'ältesten den jüngsten und kleinsten steckten, so daß er nicht konnte ge- sehen werden. Sie trugen den Bündel auf den Markt, wo der Stall- meister der Königin ihn kaufte, zu dem Pferd in den Stall tragen und hinlegen ließ. Als es Mitternacht war und jedermann schlief, machte sich der Kleine aus dem Grasbündel heraus, band das Pferd ab, zäumte es mit dem goldenen Zaum und legte ihm das goldgestickte Reitzeug an, und die Schellen, die daran hingen, verstopfte er mit Wachs, damit sie keinen Klang gäben. Dann öffnete er die verschlossene Pforte und ritt auf dem Pferd in aller Eile fort nach dem Ort, wohin ihn seine Brüder beschieden hatten. Allein die Wächter in der Stadt bemerkten den Dieb, eilten ihm nach, und als sie ihn draußen mit seinen Brüdern fanden, nahmen sie alle drei gefangen und führten sie in das Gefängnis. Am andern Morgen wurden sie vor die Königin geführt, und als diese sah, daß es drei schöne Jünglinge waren, so forschte sie nach ihrer Herkunft und vernahm, daß es die Söhne des alten Räubers waren, der seine Lebensweise geändert und als ein gehorsamer Untertan gelebt hatte. Sie ließ sie also wieder in das Gefängnis zurückführen und bei dem Vater anfragen, ob er seine Söhne lösen wollte. Der Alte kam und sagte: 'Meine Söhne sind nicht wert, daß ich sie mit einem Pfennig löse.' Da sprach die Königin zu ihm: 'Du bist ein weitbekannter, verrufener Räuber gewesen; erzähle mir das merkwürdigste Abenteuer aus deinem Räuberleben, so will ich dir deine Kinder wiedergeben.' Als der Alte das vernahm, hub er an: 'Prau Königin, hört meine Rede, ich ■will euch ein Ereignis erzählen, was mich mehr erschreckt hat als Feuer und Wasser. Ich brachte in Erfahrung, daß in einer wilden Waldschlucht zwischen zwei Bergen, zwanzig Meilen von den Menschen entfernt, ein Riese lebte, der einen großen Schatz, viel tausend Mark Silber und Gold besäße. Ich wählte also aus meinen Gesellen so viele aus, daß unser hundert waren, und wir zogen hin. Es war ein langer, mühsamer Weg zwischen Felsen und Abgründen. Wir fanden den Riesen nicht zu Haus, waren froh darüber und nahmen von dem Gold und Silber so viel, wie wir tragen konnten. Als wir damit uns auf den Heimweg machen wollten und ganz sicher zu sein glaubten, da kam der Riese mit zehn andern Riesen unversehens daher und nahm uns alle gefangen. Sie teüten uns unter sich aus; jeder erhielt zehen von uns, und ich fiel mit neun meiner Gesellen dem Riesen zu, dem wir seinen Schatz genommen hatten. Er band uns die Hände auf den Rücken und trieb uns wie Schafe in seine Felsenhöhle. Wir waren bereit, uns mit Geld und Gut zu lösen, er aber antwortete: 'Eure Schätze brauche ich nicht; ich will euch behalten und euer Fleisch verzehren, das ist mir lieber.' Dann befühlte er uns alle, wählte einen aus und sprach: 'Der 191a. Der Räuber und seine Söhne. 371 ist der fetteste, mit dem will ich den Anfang machen.' Dann schlug er ihn nieder, warf das zerschnittene Fleisch in einen Kessel mit Wasser, den er über das Feuer setzte, und als es gesotten war, hielt er seine Mahlzeit. So aß er jeden Tag einen von uns, und weil ich der magerste war, so sollte ich der letzte sein. Als nun meine neun Gesellen auf- gezehrt waren und die Reihe an mich kam, so besann ich mich auf eine List. 'Ich sehe wohl, daß du böse Augen hast,' sprach ich zu ihm, 'und am Gesicht leidest. Ich bin ein Arzt und bin in meiner Kunst wohl er- fahren, ich will dir deine Augen heilen, wenn du mir mein Leben lassen willst.' Er sicherte mir mein Leben zu, wenn ich das vermöchte. Er gab mir alles, was ich dazu verlangte. Ich tat Ol in einen Kessel, mengte Schwefel, Pech, Salz, Arsenik und andere verderbliche Dinge hinein und stellte den Kessel über das Feuer, als wollte ich ein Pflaster für seine Augen bereiten. Sobald das Ol im Sieden war, mußte der Riese sich niederlegen, und ich goß ihm alles, was im Kessel war, auf die Augen, über den Hals und den Leib, so daß er das Gesicht völlig verlor und die Haut am ganzen Leib verbrannte und zusammenschrumpfte. Er fuhr mit entsetzlichem Geheul in die Höhe, warf sich wieder zur Erde, wälzte sich hin und her und schrie und brüllte dabei wie ein Löwe oder ein Ochse. Dann sprang er in Wut auf, packte eine große Keule, und in dem Haus umherlaufend schlug er auf die Erde und gegen die Wand und dachte mich zu treffen. Entfliehen konnte ich nicht, denn das Haus war überall von hohen Mauern umgeben und die Türen waren mit eisernen Riegeln verschlossen. Ich sprang aus einem Winkel in den andern, endlich wußte ich mir nicht anders zu helfen, ich stieg auf einer Leiter bis zu dem Dach und hing mich mit beiden Händen an den Hahnenbalken. Da hing ich einen Tag und eine Nacht; als ich es aber nicht länger aushalten konnte, so stieg ich wieder herab und mischte mich unter die Schafe. Da mußte ich behend sein und immer mit den Tieren zwischen seinen Beinen hindurchlaufen, ohne daß er mich gewahr ward. Endlich fand ich in einer Ecke unter den Schafen die Haut eines Widders liegen, ich schlüpfte hinein und wußte es so zu machen, daß mir die Hörner des Tiers gerade auf dem Kopf standen- Der Riese hatte die Gewohnheit, wenn die Schafe hinaus auf die Weide gehen sollten, so ließ er sie vorher durch seine Beine laufen. Da zählte er sie und welches am feistesten war, das packte er, kochte es, hielt dann seine Mahlzeit. Ich wäre bei dieser Gelegenheit gerne davon gelaufen und drängte mich durch seine Beine, wie die Schafe taten; als er mich aber packte und merkte, daß ich schwer war, so sprach er: 'Du bist feist, du sollst mir heute meinen Bauch füllen.' Ich tat einen Satz und entsprang ihm aus den Händen, aber er ergriff mich wieder. Ich entkam nochmals, aber er packte mich aufs neue, und so ging es siebenmal. Da ward er zornig und sprach: 'Lauf hin, die Wolf e mögen dich fressen, du hast mich genug 24* 372 191a. Der Räuber und seine Söhne. genarrt.' Als ich draußen war, warf ich die Haut ab, rief ihm spöttisch zu, daß ich ihm doch entsprungen wäre, und höhnte ihn. Er zog einen Ring vom Finger und sprach: 'Nimm diesen goldenen Bing als eine Gabe von mir; du hast ihn wohl verdient. Es ziemt sich nicht, daß ein so listiger und behender Mann unbeschenkt von mir gehe.' Ich nahm den Ring und steckte ihn an meinen Finger, aber ich wußte nicht, daß ein Zauber darin lag. Von dem Augenblick an, wo er mir am Finger saß, mußte ich unaufhörlich rufen: 'Hier bin ich, hier bin ich!' ich mochte wollen oder nicht. Da der Riese daran merken konnte, wo ich mich be- fand, so lief er mir in den Wald nach. Dabei rannte er, weil er blind war, jeden Augenblick gegen einen Ast oder einen Stamm und fiel nieder wie ein mächtiger Baum ; aber er erhob sich schnell wieder, und da er lange Beine hatte und große Schritte machen konnte, so holte er mich immer wieder ein und war mir schon ganz nahe; denn ich rief ohne Unterlaß: 'Hier bin ich, hier bin ich.' Ich merkte wohl, daß der Ring die Ursache meines Geschreies war und wollte ihn abziehen, aber ich vermochte es nicht. Da blieb mir nichts anderes übrig, ich biß mir mit meinen Zähnen den Finger ab. In dem Augenblick hörte ich auf zu rufen, und ich entlief glücklich dem Riesen. Zwar hatte ich meinen Finger verloren, aber ich hatte doch mein Leben behalten.' 'Frau Königin', sprach der Räuber, 'ich habe euch diese Geschichte erzählt, um einen meiner Söhne zu erlösen; jetzt will ich, um den zweiten zu befreien, berichten, was sich weiter zutrug. Als ich den Händen des Riesen entronnen war, irrte ich in der Wildnis umher und wußte nicht, wo ich mich hinwenden sollte. Ich stieg auf die höchsten Tannen und auf die Gipfel der Berge, aber wohin ich blickte, weit und breit war kein Haus, kein Acker, keine Spur von menschlichem Dasein, überall nichts als eine schreckliche Wildnis. Ich stieg von himmelhohen Bergen herab in Täler, die waren aber wie die tiefsten Abgründe. Mir begegneten Löwen, Bären, Büffel, Waldesel, giftige Schlangen und scheußliches Ge- würm; ich sah wilde, behaarte Waldmenschen, Leute mit Hörnern und Schnäbeln so entsetzlich, daß mir noch jetzt schaudert, wenn ich daran zurückdenke. Ich zog immer weiter, Hunger und Durst quälten mich, und ich mußte jeden Augenblick befürchten, vor Müdigkeit umzusinken. Endlich, eben als die Sonne untergehen wollte, kam ich auf einen hohen Berg, da sah ich in einem öden Tal einen Rauch aufsteigen, wie aus einem angezündeten Backofen. Ich lief, so schnell ich konnte, den Berg herab nach dem Rauch zu; als ich unten ankam, sah ich drei tote Männer, die waren an dem Ast eines Baumes aufgehängt. Ich erschrak, denn ich dachte, ich würde in die Gewalt eines anderen Riesen kommen, und war um mein Leben besorgt. Doch faßte ich mir ein Herz, ging weiter und fand ein kleines Haus, dessen Tür weit offen stand; und bei 191a. Der Räuber und seine Söhne. 373 dem Feuer des Herds saß da eine Frau mit ihrem Kinde. Ich trat ein, grüßte sie und fragte, warum sie hier so allein säße und wo ihr Mann sich befände; ich fragte auch, ob es noch weit bis dahin wäre, wo Menschen wohnten. Sie antwortete mir, das Land, wo Menschen wohnten, das läge in weiter Ferne, und erzählte mit weinenden Augen, in voriger Nacht wären die wilden Waldangeheuer gekommen und hätten sie und das Kind von der Seite ihres Mannes weggeraubt und in diese Wildnis gebracht; dann wären sie am Morgen wieder ausgezogen und hätten ihr geboten, das Kind zu töten und zu kochen, weil sie es, wenn sie zurück- kämen, aufessen wollten. Als ich das gehört hatte, empfand ich großes Mitleid mit der Frau und dem Kinde und beschloß, sie aus ihrer Not zu erlösen. Ich lief fort zu dem Baum, an welchem die drei Diebe auf- gehängt waren, nahm den Mittelsten, der wohlbeleibt war, herab und trug ihn in das Haus. Ich zerteilte ihn in Stücke und sagte der Frau sie sollte ihn den Riesen zu essen geben. Das Kind aber nahm ich und versteckte es in einen hohlen Baum ; dann verbarg ich mich selbst hinter das Haus, so daß ich bemerken konnte, wo die wilden Menschen her- kämen und ob es Not wäre, der Frau selbst zu Hilfe zu eilen. Als die Sonne untergehen wollte, sah ich die Ungeheuer von dem Berge herab- laufen; sie waren greulich und furchtbar anzusehen, den Affen an Gestalt ähnlich. Sie schleppten einen toten Leib hinter sich her, aber ich konnte nicht sehen, wer es war. Als sie in das Haus kamen, zündeten sie ein großes Feuer an, zerrissen den blutigen Leib mit ihren Zähnen und ver- zehrten ihn. Darnach nahmen sie den Kessel, in dem das Fleisch des Diebes gekocht war, vom Feuer und zerteilten die Stücke unter sich zum Abendessen. Als sie fertig waren, fragte einer, der ihr Oberhaupt zu sein schien, die Frau, ob das, was sie gegessen hätten, das Fleisch ihres Kindes gewesen wäre. Die Frau sagte 'ja'. Da sprach das Ungeheuer 'Ich glaube, du hast dein Kind versteckt und uns einen von den Dieben gekocht, die an dem Ast hängen.' Er hieß drei von seinen Gesellen hin- laufen und ihm von einem jeden der drei Diebe ein Stück Fleisch bringen, damit er sähe, daß sie noch alle dort wären. Als ich das hörte, lief ich schnell voraus und hing mich mit meinen Händen mitten zwischen die zwei Diebe an das Seil, von dem ich den dritten abgenommen hatte. Als nun die Ungeheuer kamen, schnitten sie einem jeden ein Stück Fleisch aus den Lenden. Auch mir schnitten sie ein Stück heraus, aber ich duldete es, ohne einen Laut von mir zu geben. Ich habe zum Zeugnis noch die Narbe an meinem Leib.' Hier schwieg der Räuber einen Augenblick und sprach dann: 'Frau Königin, ich habe euch dies Abenteuer erzählt für meinen zweiten Sohn, jetzt will ich euch für den dritten den Schluß der Geschichte be- richten. Als das wilde Volk mit den drei Stücken Fleisch fortgelaufen 374 191a. Der Räuber und seine Söhne. war, so ließ ich. mich wieder herab und verband meine Wunde mit Streifen von meinem Hemd, so gut ich konnte, doch das Blut ließ sich nicht stillen, sondern strömte an mir herab. Aber ich achtete nicht dar- auf, sondern dachte nur, wie ich der Frau mein Versprechen halten und sie und das Kind retten wollte. Ich eilte also wieder zu dem Haus zurück, hielt mich verborgen und horchte auf das, was geschah, aber ich konnte mich nur mit Mühe aufrecht erhalten ; mich schmerzte die Wunde, und ich war von Hunger und Durst ganz abgemattet. Indessen versuchte der Riese die drei Stücke Fleisch, die ihm gebracht waren, und als er das gekostet hatte, das mir ausgeschnitten und noch blutig war, so sprach er: 'Lauft und bringt mir den mittelsten Dieb, sein Fleisch ist noch frisch und behagt mir!' Als ich das hörte, eilte ich zurück zu dem Galgen und hing mich wieder an das Seil zwischen die zwei Toten. Bald darauf kamen die Ungeheuer, nahmen mich von dem Galgen herab und schleiften mich über Dornen und Distel zu dem Haus, wo sie mich auf den Boden hinstreckten. Sie schärften ihre Zähne, wetzten ihre Messer über mir und bereiteten sich, mich zu schlachten und zu essen. Eben wollten sie Hand anlegen, als plötzlich ein solches Ungewitter mit Blitz, Donner und Wind sich erhob, daß die Ungeheuer selbst in Schrecken gerieten und mit gräßlichem Geschrei zu den Fenstern, Türen und zum Dach hinaus- fuhren und mich auf dem Boden liegen ließen. Nach drei Stunden be- gann es Tag zu werden, und die klare Sonne stieg empor. Ich machte mich mit der Frau und dem Kinde auf, wir wanderten vierzig Tage durch die Wildnis und hatten keine andere Nahrung als Wurzeln, Beeren und Kräuter, die im Walde wuchsen. Endlich kam ich wieder unter Menschen und brachte die Frau mit dem Kinde wieder zu ihrem Mann ; wie groß seine Freude war, kann sich jeder leicht denken.' Damit war die Geschichte des Räubers zu Ende. 'Du hast durch die Befreiung der Frau und des Kindes viel Böses, was du getan hast, wieder gut gemacht,' sprach die Königin zu ihm, 'ich gebe dir deine drei Söhne frei.' Nach einer deutschen Prosaerzählung aus einer Leipziger Hs. des 15. Jahrb., die M. Haupt in den Altdeutschen Blättern 1, 119 — 127 (1836) mitgeteilt hat; vgl. Hamann, Die literarischen Vor- lagen 1906 S. 100. Erst später erkannten die Brüder Grimm, daß diese aus dem um 1185 geschriebenen lateinischen Dolopathos des lothringischen Mönches Johannes de Alta Silva (ed. Oesterley 1873 S. 65 = ed. Hilka 1913 S. 71; vgl. Herbert, Li romans de Dolopathos ed. A. de Montaiglon 1856 p. 276) geflossen sei; vgl. Mussafia, Wiener SB. 57, 39 und Chauvin 8, 204 nr. 247 'Les trois 191a. Der Räuber und seine Söhne. 375 voleurs'. Bis auf den Schluß stimmt damit überein das schottische Märchen bei Campbell2 1, 105 nr. 5 'Conall Cra Bhuidhe'; vgl. R. Köhler 1, 181. Auch in Bojar dos Orlando innamorato B. 3, 3, St. 22—60 (vgl. Ariost 17, St. 23) befreien Mandricardo und Gradasso auf ähnliche Weise eine Frau von einem Menschenfresser. Die erste der Erzählungen, durch die der alte Räuber seine gefangenen drei Söhne löst, gleicht auffällig dem Abenteuer des Odysseus bei Polyp hem (Odyssee 9, 106—545), worauf Johannes de Alta Silva p. 71, 21 selber durch Anführung des Namens 'Poli- phemus' hinweist; nur bohrt der Räuber dem Riesen nicht sein ein- ziges Auge im Schlafe aus, sondern gießt ihm unter dem Versprechen, seine Augen zu heilen, siedendes Wasser hinein, und auf die Flucht im Widderfell folgt noch ein Versuch des Riesen, ihn durch einen geschenkten Zauberring in seine Gewalt zu bekommen, der ihn zu lautem Rufen zwingt; auch fehlt der Betrug des Riesen durch den falschen Namen Niemand. Vgl. dazu die Untersuchungen von W. Grimm, Die Sage von Polyphem (Abh. der Berliner Akad. 1857, 1 = Kleinere Schriften 4, 428); K. Nyrop, Sagnet om Odysseus og Polyphem 1881 (aus Nordisk Tidskrift for Filologi, ny R. 5, 216): Polivka, Nachträge zur Polyphemsage 1898 (Archiv für Religions- wissenschaft 1, 305 — 336. 377); Hackman, Die Polyphemsage in der Volksüberlieferung (Helsingfors 1904); Chauvin 7, 15 nr. 373c und 8, 205; Hollander, The source of the Polyphemos-episode of the Hrölfssaga Gautrekssonar (Journal of engl. & germanic phil. 11, 61 — 81). Man kann mit Hackman in den verschiedenen Varianten fol- gende Motive unterscheiden : A1) Der Held stößt dem schlafenden Riesen einen Speer oder Pfahl ins Auge, oder A2) gießt ihm unter der Vorspiegelung, sein Auge zu heilen, eine glühende Masse hinein ; B1) er flieht unter einem Schafe angeklammert oder B2) in ein Schaf- fell gehüllt aus dem vom blinden Riesen gehüteten Eingange ; C) der Riese sucht sich durch das Geschenk eines Zauberringes, Beiles oder Säbels seiner wieder zu bemächtigen. Siebenbürgisch bei Haltrich nr. 36 'Die drei Brüder und der Hüne' (AJC); aus dem Harz bei Pröhle, KVm. S. 137 nr. 43 'Von einem Reisenden, der die Weisheit Gottes ergründen wollte' (A1); aus Schlesien in den Mitt. f. schles. Vk. 7, 14, 61. Am Urquell 5, 85 (1894). — Vlämisch: Joos 1, 178 nr. 97 'Van den Reusen en den Dwerg' (A2 B2) = Goyert und Wolter, Vläm. Sagen S. 165. — Schwedisch: Bondeson, Historiegubbar p. 28 376 191a. Der Räuber und seine Söhne. 'Gossen och jätten' (A2 B2) und Lindholm p. 110 'Den bedragne jätten' — Poestion, Lappl. Märchen S. 122, vgl. Hackman S. 34 (A2B2). Hackmans Register nr. 1137. — Norwegisch: Hackman S. 37—40 (A2B2). — Isländisch in der Egilssaga (Fornaldar sögur 3, 365. A2 B2 C), Hrölfssaga (Detter, Zwei Fornaldarsögur 1891 S. 32. A1), Halfssaga (ed. Andrews 1909; Boer, Arkiv 8, 97), einer Marienlegende (Unger, Mariu Saga 1871 p. 1054 nr. 217 = Cederschiöld, Sv. landsmälen 5, 6, 42. A1 B2), und bei Arnason 2, 348 = Poestion S. 254 nr. 31 = Rittershaus 8. 126 nr. 29 'Die Königskinder in der Höhle der Riesin' (B2); färöisch bei Jakobsen S. 273 nr. 9 (A1 B1); vgl. nr. 5. 8. 57 (A1). - Schottisch: Mac Innes p. 263 nr. 7 (A1). — Irisch: Larminie, West irish folktales p. 27 (A1).— Englisch: Folk4ore 1, 130 (A1 B2) = Jacobs 2, 85 nr. 61 'The blinded giant' (A1 B2). — Französisch: Luzel 2, 243 'Le perroquet sorcier' (B2). Sebillot, Revue des trad. pop. 9, 106 'Le geant qui n'avait qu' un oeil' = Contes des Landes p. 196 ; vgl. Schweiz. Archiv f. Vkunde 5, 65 (A^1). Blade 1, 32 'Le becut' (A1 B2). Roche p. 157 'Les enfants qui se rendaient ä Saint-Jacques' (A1 B2). Lambert, Revue des 1. rom. 28, 124 'Le loup-garou' (A1 B2). — Italienisch: Archivio 1, 518 (A1 B2) und 3, 532 (A^C). Nyrop bei Hackman S. 13 (A1 B2 C). Pitre, Fiabe sie. 2, 1 nr. 51 'Lu munacheddu' (A1 B1) = Kaden S. XVIII = Grane p. 89. 345. Finamore 1, 190 nr. 38 'Lu fatte delP uocchie-n-fronde' (A2 B2 C) und 2, 57 nr. 68 'L'ucchie-m-brande' (A2 B2 C). De Nino 3, 304 nr. 61 'Occhio in fronte' (A1 B2 C). Comparetti nr. 44 'II Fiorentino' (A2C) = Kaden S. XXII = Heyse S. 80. Comparetti nr. 70 'I Ciclopi'. — Portugiesisch: Archivio 1, 270 '0 alicornio' (A1 B2). — Baskisch: Cerquand 3, 8 nr. 52 'Le Tartare et les deux soldats' (A1B2C); nr. 53 'Le Tartare aveugle' (A1 B2 C) = Webster p. 4; nr. 54 'Le Tartare et Tenfant' (A1B2C); nr. 55 Le Tartare et Petit homme' (A1B2C); nr. 16 'Le gentilhomme et le valet avise' (A1 B2). Vinson p. 43 'Basa-Jaun aveugle' (A1 B2 C). p. 46 'Le Tartaro' (C) = Webster p. 4. — Rumänisch: Obert nr. 9 'Der überwundene Riese' (Ausland 1856, 717) und Schullerus, Archiv 33, 505 'Drei Schafbesitzer und der Teufel' (A1 C B1). — Griechisch: L. Roß, Erinnerungen aus Griechenland 1863 S. 281 'Georg und die Störche' (B2), vgl. R. Köhler 1, 366. Drosinis-Boltz, Nord-Euböa 1884 S. 170 (A1 B1). Politis, IIctQCiööoEic, nr. 134 = Zs. f. Volkskunde 15, 381 'Der Einäugige' (A1). AeXtIov 1, 147 = Garnett 2, 80 'The famous 191a. Der Räuber und seine Söhne. 377 dhrako' (A1 B1). — Albanesisch: Comparetti nr. 70 'I Ciclopi' (AXB2) = Kaden S. XIX. Nopcsa, Aus Sala und Klementi (Zur Kunde der Balkanhalbinsel, H. 11, Sarajevo 1910) S. 68 = Glasnik zem. muz. bos. herceg, 22, 357 (Mönche blenden den Riesen) = Revue des trad. pop. 29, 49 'Le cyclope' (A1B1). — Slowenisch: Krek, Einl. 1887 S. 737 (A1). — Serbokroatisch: Krauß, TSM. 1, 386 nr. 113 'Das Abenteuer mit den drei Einaugriesen und mit der Pestfrau' (B1). Begovic S. 202 (A1 C). Rovinskij, Öernogorija 2, 2, 593 nr. 4 (A1 B1 C. Flöte statt Stock). Krek S. 736 (A1). Zbornik jslav. 10, 194 (A^C). Wuk Stef. Karadzic nr. 38 = Krauß 1, 169 nr. 35 (A1 B2 C) = Glasnik zem muz. bos. herceg. 32, 357. Luca 6, 672 (1900). Kiea 8, nr. 30—31 (A1). 7, nr. 38. S. 2 (Hundsköpfe. B1 C). Im Letopis Mat. srpske 250, 29 weist VI. Corovic auf eine unvollständige Passung in der Zs. Zora 1899, 71 hin. — Bulgarisch: Sbornik min. 1, 101 nr. 2 (A1 B1) = Leskien, Balkan- märchen S. 46. — Ce chi seh: Radostov1 12, 66 = Krek S. 684 (A^C). Kubin 2, 114 nr. 30 (A1 C). Aus Mähren: Pfikryl S. 253 (A^C; beide Augen). - Slowakisch: Slov. Pohl' ady 15, 325 nr. 2 = Polivka, Archiv f. Relig. 1, 320 (A1 B1). 15, 326 nr. 3 = Polivka 1,333 (A1 B2 C). Sbornik raus. slov. spol. 17, 89 nr. 38 (A1BT). Das von Polivka 1, 320 angeführte Märchen bei Dobsinsky 8, 65 nr. 87 Aschenbrödel' ist eine Variante des oben 1, 124. 173 angeführten Märchens 'Pinette Cendron' der Aulnoy ; die gefangenen Mädchen stoßen ein glühendes Eisen in das einzige Auge des Menschenfressers. — ■ Polnisch: Kolberg, Lud 8, 148 nr. 60 = Krek S. 686 (C). Mater, antropol. 10, 232 nr. 2 (A1 B1). — Klein- russisch aus Gouv. Jekaterinoslaw : Dragomanov S. 384 (A2). Aus Gouv. Kiew: Cubinskij 2, 85 nr. 21 (A^C) = Krek S. 682 (A1 B2C). Etnograf. Obozr. 4, 94 nr. 2 (A1 B2). Aus Gouv. Cernigov: Hrincenko 2, 2 nr. 4 = Polivka, Archiv 1, 330 (A1 B2). Aus Gouv. Poltawa: Etnogr. Zbirnyk 14, 186 nr. 26 (A1 B2 C). Aus Gouv. Cherson: Jastrebov S. 139 (A^1). 139 f. (A2 B2 C). 140 f . (A1 B2 C). Aus Galizien : Rozdoljskyj S. 63 nr. 18 (C). Etnogr. Zbirnyk 7, 2 nr. 26 (A1). Suchevyc S. 105 nr. 66 (A1 B2 C). Mater, antropolog. 13, 144 nr. 22 (der Schmied kuriert das einzige Auge der Unholdin und versteckt sich unter das Bett). Kijevskaja Starina 1903, H. 10 'Vom Hundskopf und dem Schmiede'. — Weiß russisch aus Gouv. Minsk: Sejn 2, 151 nr. 71 AXB2 C). Aus Gouv. Mogilev: Romanov 3, 211 nr. 29 (A1 ß abgeändert, C). 3, 224 nr. 35 (A geändert, B2 C). 3, 212 nr. 30 (A2 B1 C). 3, 205 nr.28 378 191a. Der Räuber und seine Söhne. (A2B1C). Aus Gouv. Smolensk: Dobrovoljskij S. 150 nr. 86 (A2 B1^. — Großrussisch aus Gouv. Woronez : Afanasjev3 2, 229 nr. 170 (AXB3C). Aus Gouv. Samara: Sadovnikov S. 18 nr. 2 (A2 B1 C). S. 22 nr. 3 (A^1 C). Aus Gouv. Archangelsk: Oncukov S. 89 nr. 31 (A2B1). S. 129 nr. 48 (A2B2C). S. 149 nr. 57 (A2j. S. 564 nr. 282 (A2 C). Aus Gouv. Olonetz : Oncukov S. 230 nr. 85 (C). S. 399 nr. 160 (A^1). S. 445 nr. 181 (ins Auge geschossen, BJC). Zap. Krasnojarsk. 2, 96 nr. 26 (A2B1C). — Litauisch: Vecken- stedts Zs. f. Volkskunde 1,87 'Der einäugige Riese' (echt?). Bezzen- berger, Gott. gel. Anzeigen 1895, 400 (A2 B2 C). Dowojna Sylwe- strowicz 1, 193 und 41 2 (A2 B2 C). — L e 1 1 i s ch bei Komarov 1886 S. 36. — Finnisch1) bei Sahnelainen 1. 223 nr. 14, 2 = Schreck nr. 16 'Die wunderbare Flöte' (A1) = Bertram, Jenseits der Scheeren S. 9. Hackman S. 77 — 87. Aarnes Register nr. 1137. — Lappisch: Hack- man S. 87. — Syrjänisch ebd. S. 89. — Wotjakisch: Wich- mann, Journal de la soc. finno-ougr. 19, 133 (A2 B2). — Ungarisch: Gaal-Stier S. 146 nr. 14 'Die drei Flüchtlinge' (A1 B1). — Türkis ch : Künos, Adakaie S. 237 nr. 34 (A1). Gagausisch bei Radioff 10, 38 nr. 28 (A*B2). 10, 39 nr. 28a (A2B2C). — Tatarisch: Sbornik kavkaz. 32, 1, 19 nr. 4 (A1 B2 C). 32, 1, 34 nr. 2 (A1 B2). — Oghuzisch aus einem mittelalterlichen Geschichtswerk bei H. F. v. Diez, Der neuentdeckte oghuzische Cyklop 1815 — W. Grimm, Kl. Schriften 4, 435 (A1 B2 C). — Georgisch, ossetisch, kabar- dinisch, tsche ts chenzis ch , kirgisisch bei Hackman S. 94; das ossetische Märchen nr. 113 auch im Globus 41, 335 = Seidel, Asiat. Volksliteratur S. 364 (Urysmag. A1 B2). — Armenisch: Globus 94, 205. — Syrisch bei Prym-Socin, Tür 'Abdin 2, 115 nr. 115 (AiB1). — Arabisch in 1001 Nacht, Sindbads 3. Reise (Henning 10, 31. Chauvin 7, 15. A1) und Sa'if al mulük (Henning 13, 529. Chauvin 7, 64. A1). Chauvin 7, 69. 8, 205 (A2B2C). Schmidt- Kahle, Palästina nr. 55 'Potyphem'. — Persisch: Bricteux, Contes persans 1910 p. 286 (Hadjdjädj). — Koreanisch: J. S. Gale, Korean folk-tales p. 101 'The man who lost his legs' (A^1). *) Auf Finnland und die russischen Ostseeprovinzen beschränkt ist eine von Hackman S. 134 — 154 besprochene Märchengrnppe, welche das Motiv A2 mit dem Niemand-Motiv vereinigt; der Held, der dem Unhold ein neues Auge zu gießen verspricht, nennt sich Ichselbst; vgl. J. Grimm, Mythologie3 S. 979 (estnisch), Jannsen 1, 18, Aarnes Register nr. 1135, Aberg nr. 2, Hackmans Register nr. 1135, Russwurm, Sagen S. 136. 192. Der Meisterdieb. 379 192. Der Meisterdieb. lsses. aso. 1843 nr. 192. — Nach einer von Friedrich Stertzing in Thüringen aufgefaßten und in der Zs. für deutsches Altertum 3, 292 — 299 (1843) mitgeteilten Überlieferung ; vgl. Hamann, Die literarischen Vorlagen 1906 S. 100. Danach auch Bechstein 1845 S. 21 = 1874 S. 14 'Die Probestücke des Meisterdiebes'. Inhalt : A. Ein seinen Eltern entlaufener Taugenichts kehrt als stattlicher Herr zurück, rühmt sich seiner Geschicklichkeit als Meister- dieb und legt vor dem Grafen, seinem Paten, drei Proben davon ab. B. Er stiehlt des Grafen Pferd, indem er als alte Frau verkleidet die Knechte trunken macht ; C. der Gräfin Bettuch und Trauring, indem er den Grafen verlockt, einen Toten statt seiner zu erschießen und zu begraben; D. bringt Pfarrer und Küster in einem Sacke1) herbei, denen er vorgeredet hat, er sei Petrus und wolle sie jetzt, da der jüngste Tag anbreche, in den Himmel führen. Eine Erzählung bei Nie. Remigius, Daemonolatria 1693 3, 39 'Der vermeinte zauberische Dieb', die auf Straparola 1, nr. 2 zurück- gehn mag, enthält nur das Motiv C : auf Verlangen des 0 bristen von Panzano stiehlt der geschickte Dieb Adrastus von Pontoise diesem das Bett unterm Leibe weg. Aus dem Ober wallis bei Jegerlehner, Sagen aus dem Oberwallis S. 53 nr. 75 'Der Meisterdieb' (A B C D) = Bächtold S. 59. Aus Schwaben bei Meier nr. 55 'Der kluge Martin' (stiehlt einem wandernden Metzger Kalb, Kleider und Geld, macht die Husaren betrunken und kleidet sie als Kapuziner, tanzt beim Kaiser, der Goldstücke in den Saal gestreut hat, und gewinnt den Preis im Turnier). Aus Vorarlberg bei Dörler, Zs. f. öster. Volksk. 14, 165 'Die drei Proben' (BDC; Heirat mit der Tochter des Bitters). Aus Südtirol bei Menghin S. 61 'Der Maiser Student' (B C D). Aus Niederösterreich bei Vernaleken, Mythen S. 27 (B D ; Hans, der das 'Stangelputzen' gelernt, gewinnt den Schimmel dadurch, daß er sich für den Sunnawendfeuermann mit dem breiten Hut ausgibt) und Vernaleken, KHM. nr. 57 'Der Betenkrämerhansl' (D). Hean zisch bei Bunker nr. 14 'Schölmstickl' (der Bub stiehlt dem Bauern einen Ochsen vom Pflug; B C D). Siebenbürgis ch J) Einen andern in den Sack stecken ist ein verbreitetes Scbwankmotiv; vgl. oben 2, 1571, ferner Wander, Sprichwörterlexikon 3, 1816 und Seiler, Zs. f. dt. Phil. 47, 256 nr. 156. 380 192. Der Meisterdieb. im Kbl. f. siebenbürg. Landeskunde 1900, 107 'Vom ungeratenen Sohn' (AB CD). Aus dem Rheinlande bei Simrock 1864 S. 253 nr. 54 'Die Himmelfahrt' (D. Pfarrer, Küster, Pfarrköchin). Aus Hannover bei Schambach-Müller S. 316 nr. 27 'Der gelernte Dieb' (AB; Pferd vom Wagen und Ochse vom Pflug gestohlen). Kuhn- Schwartz S. 362 nr. 19 'Der Meisterdieb' (ABC; Ochse gestohlen). Aus Dithmarschen bei Hansen nr. 1 'De Spitzbow, de allens stehlen kunn, wat he wull' (Zs. f. schlesw. Gesch. 7, 217. B C D). Aus Holstein bei Wisser, Heimat 10, 43 'De Spitzboof (AB CD). Wisser, Grotmudder 2, 81 'De Spitzboof (ABC D). Wisser, Plattd. M. S. 252 'De Spitzböfmeister' (Proben beim Räuberhauptmann, zwei Ochsen und ein Pferd; AB CD); Wisser, Zs. f. Volkskunde 13, 301. Aus Pommern bei Jahn 1,276 nr. 53 'Der Meisterdieb' = Baltische Studien 36, 55. 1886 (Kalb dem Schlächter gestohlen ; ABCD); 1, 367 und 1, 376 f. Bl. f. pomm. Vk. 10, 102 'Der Meisterdieb'(A C D). Aus Ostpreußen bei Lemke 2, 81 nr. 11 'Der dwatsche Hans' (A B). — Niederländisch: Wolf, DMS. S. 30 nr. 5 'Jan der Dieb' (Prophezeiung wie in nr. 139; D C B. Hemd der Frau) = Wodana S. 173. Lootens-Feys nr. 7 'Meester-Gauwdief (A C B D) = Germ. 14, 90 = Leopold, Van de Scheide tot de Weichsel 1, 24 (1882). Leopold 1, 73 (G. Segers, De slimme dief). De Mont en de Cock, Vertelsels p. 393 'Van den doortrapten dief (ABCD; Hemd der Frau). Witteryck-Delplace nr. 3 'Drie slimme gasten' (zuerst die drei kunstreichen Brüder, oben nr. 124. A B C). Cornelissen-Vervliet nr. 48 Wan Robber den dief (Prophezeiung wie in nr. 139 ; A D B C). Volkskunde 1, 289 'Van Summen Jan' (B C D, Befreiung aus dem Sack). 1, 292 (ABCD). 15, 189 'Van den Meesterdief (Probestück die Beraubung eines Bauern). — Dänisch: Grundtvig, Minder 3, 68 Hans Mestertyv' (ABCD; die drei Aufgaben stellt der Pfarrer, dem Hans Brot und Fleisch gestohlen hat, um eine arme Familie zu speisen; Hans macht in der Kirche solchen Lärm, daß Pfarrer und Küster in den vor die Tür gehängten Sack hineinflüchten). Grundt- vigs hsl. Register nr. 110 'Mestertyven og k?ellingen i kisten'. Berntsen 1, 160 nr. 19 'Mestertyven' (Hemd des Schlächters und Pflugochse gestohlen ; ABC). Skattegraveren 2, 13 L 'Mestertyven' (Ochsen gestohlen, B C D ; dann die vier kunstreichen Brüder, oben nr. 129). 8, 129 'Mestertyven' (Ochse, Hasenbraten, B C D). Efterslset p. 176 'Mestertyven' (Ochsen; ABCD; Heirat mit des Edelmanns Tochter). Kristensen, Fra Bindestue 1, 153 nr. 29 'Mestertyven' 192. Der Meisterdieb. 381 (AB, Ochsen vom Pfluge, CD). — Schwedisch: Historia om en mästertjuf, Lund 1846 (nach Asbjörnsen nr. 34. Bäckström, Folkböcker 3, 90). Bondeson, Sv. folksagor nr. 79 'Mästertjufven' (A, Hofhund, B C). Steffen 2, 62 'Mästertjufven' (ABC D). iberg nr. 272 'Mästertjufen' und 304 'Matte och prästen' (A, Hund, C D). Allardt nr. 154 'Om torparpojken, som gick i tjufskolan' (Ochse, C D) und 155 'Pojken, som skulle gä i skolan' (Ochse, Hunde, B C ; Befreiung aus dem Sacke wie im Bürle, oben nr. 61). Hackmans Register nr. 1525a. — Norwegisch: Asbjörnsen-Moe nr. 34 = Bresemann 2, 29 'Der Meisterdieb' = Stroebe 2, 67 = Thorpe p. 265 = Dasent 1859 p. 268 (Ochsen, A, Braten, D B, Reitpferd, C ; Heirat mit des Amtmanns Tochter). — Fseröisch: Jakobsen p. 341 nr. 26 'Meistar- tjövurin' (^Schinken, BD). — Isländisch: Arnason 2, 511 'Gramann' = Powell-Magnusson 2, 609 = Poestion S. 125 nr. 16 = Ritters- haus S. 368 nr. 105 'Der Meisterdieb' (ein einfältiger Bauer tauscht seine Kuh gegen einen Sack, aus dem ein grauer Mann springt, der ihm gestohlene Schafe bringt, wie im dänischen Märchen bei Grundt- vig. Dilfor stiehlt des Königs Ochsen, Bettlaken und endlich König und Königin und heiratet ihre Tochter). Magnus Jönsson, The knavish milier 1663 (Ward, Cat. of romances in the British museum 1, 842. 856 nr. 94). — Englisch bezeugt aus Londoner Arbeits- häusern bei *Mayhew, London labour and London poor 1861 3, 388 = Groome, Gypsy folk-tales p. 49. — Schottisch: Campbell, West Highlands2 2, 253 nr. 40 'The son of the scottish yeoman who stole the bishop's horse and daughter, and the bishop himself; vgl. R. Köhler 1, 255 (B, Tochter, D). Campbell 2, 272 (Pferd, Tochter). — Irisch: Kennedy, Stories of Ireland p. 38 = Jacobs, Celtic f. t. 2, 11 nr. 28 'Jack the cunning thief (stiehlt Ziege, Widder, Ochsen; A, Gänsebraten, BC; Heirat mit des Edelmanns Tochter). Französisch: Luzel, Veillees bretonnes 1879 p. 218 'Les finesses de Bilz' (Prophezeiung aus der Bildsäule wie oben nr. 139; AB, Hasenpastete, C; Befreiung aus dem Sacke wie oben nr. 61); vgl. Luzel,( 5e rapport 1872 p. 42. *Nouvelle revue de Bretagne 3, 280 'Le comte, le eure et le paysan' von C. Tranois. Sebillot, C. de la HauteJiretagne 1, 209 nr. 32 'Le fin larron' (Prophezeiung hinterm Marienbilde; B, Brot, C, Reitpferd, Besteck, Befreiung aus dem Sack, D, Tochter des Königs). Sebillot, Litt, orale p. 112 'Le fin voleur' = Blümml S. 27 nr. 10 (Prophezeiung, Diebe in der Kirche wie in Wickrams Rollwagenbüchlein c. 56, Mehl, Brot, B C D, Züge 382 192. Der Meisterdieb. aus dem Unibos, oben nr. 61). Sebillot, Joy. histoires p. 260 nr. 73 'La chevre qui fait sonner les cloches' (D). Revue des trad. pop. 9, 343. 'La Jeannaie' (oben nr. 61 ; CB, Braten). Meyrac p. 428 'Le fin voleur' (Ochsen; C, Befreiung aus dem Sack); p. 430. Cosquin nr. 70 'Le franc voleur' = Romania 10, 162 (AB, Ochsen, D). Fleury p. 167 'Jacques le voleur' = Blümml S. 126 nr. 14 (Prophe- zeiung, A, Kuh, B, Brot, C, Braten, D). Cenac Moncaut p. 99 'Jean-le-faineant' (B). Blade, Armagnac p. 16 nr. 6 = Gascogne 3, 5 'Joan lou pigre' (AB) = Blümml S. 80 nr. 31. Roche p. 66 'Le metayer l'Espiegle' (B, Braten, Pasteten, C D, Befreiung aus dem Sacke). Revue 11, 102 nr. 8 'Le fileur d'or' (Brot aus dem Backofen, Bettlaken, CB). 24, 345 'Le petit sorcier gris' (Ein- leitung wie im Isländischen; Stier, Bettlaken). Schweiz. Archiv f. Volksk. 18, 85 'Les trois freres qui voulaient apprendre un metier' (Kuh, sechs Ochsen, AB, Getreide, C). — Italienisch bei Straparola 1, nr. 2 (= Ulrich, Schelmennovellen 1905 S. 144), wo der Gauner Cassandrino drei ganz ähnliche Aufgaben des Stadtrichters von Perugia löst : er stiehlt diesem das Bett, nachdem er durch ein Loch in der Zimmerdecke einen Leichnam geworfen hat ; dann führt er den Schimmel weg, auf dem der schlafende Stallknecht sitzt, indem er ein Gestell unter den Sattel schiebt; endlich bringt er als Engel verkleidet den Pfarrer in einem Sack, während dieser glaubt in den Himmel getragen zu werden (C B D). Pitre, Nov. tose. nr. 41 Tl ladro' (ABC D). Weber nr. 4 'II capoassassino' (ABC D). Andrews Dr. 30 'Le fin voleur' (A, Ring, Siegel, C). De Gubernatis, St. Stefano nr. 29 'II ladro' (A, Ochsen, Ring) = Gubernatis, Florilegio p. 158. De Gubernatis, Die Tiere S. 2531. Finamore 1, 1, 117 nr. 24 'Frangeschjielle'. Revista delle tradiz. pop. ital. 2, 25 'Gli impiccati' (A, Uhr, B, Ochsen). Coronedi-Berti 1883 nr. 39 'AI ladr' unurä' (zwei Ochsen, Pferd, Börse unterm Kopfkissen). Nieri, C. raeconti lucchesi nr. 65 'Basta una volta' (D). Zorzut, Instoris p. 107 (D C B); Ridiculis p. 43 (D). Mailly nr. 11. 112. 238. — Malte- sisch: Hg 1, 84 nr. 25 'Der Meister der Diebe' (C; vorher Schatz- haus des Rhampsinit). — • Mallorkinisch: Alcover 1, 167 'En Salom en es batle' (Ochsen, Frau). — Katalanisch: Maspons, Rondallayre 3, 67 'Lo espabilat' (B C D). — Baskisch: Webster p. 140 'The mother and her idiot son, or the clever thief (ABC D). — Albanisch: Dozon p. 169 nr. 22 'Les deux voleurs' (D: Kadi in der Truhe). — Rumänisch: Staufe nr. 13 'Der Pfarrer und der 192. Der Meisterdieb. 383 Mesner' (D) und nr. 21 'Der geschickte Dieb' (Pferd, Ochsen. Zs. f. Volksk. 8, 86). Sckullerus nr. 114 'Radu Bolfe' (Ochsen, B CD. Siebenbg. Archiv 33, 626). S^äinenu p. 872. — Serbokroatisch: Vojinovic nr. 10 = Jagic, Archiv f. slav. Phil. 1, 283 nr. 10 'Der größte Spitzbube von der Welt' (300 Pferde, Braten, Ring) ; vgl. R. Köhler 1, 415. Kres 4, 88 nr. 6 = Krauß 1, 259 nr. 55 'Vom Burschen, der sich auf Zigeunerstreiche verstand' (ABC, Ring, D; Küfer geprügelt). Zbornik jslav. 10, 134 nr. 137 (B C, Ring, D). 12, 150 nr. 41 (A B). Stankov Kukic S. 67—74 (A B C, Ring, D). Krasic 1, 29 nr. 6 (B D, 300 Tauben in einen Sack, Groldkästchen). Strohal 1, 193 nr. 59 (ABC, Ring, D). Bos. Vila 10, 331 (B, Ring, Bettlaken, A, Pferd; dazu Rhampsinits Schatz). 10, 255 (D). — Cechisch aus Böhmen : C. Vcela 1845 nr. 73, S. 293 = Tille, 1848 S. 56 (A C B D). Benes Tfebizsky S. 79 nr. 9 (D). Kubin, Podkrkonosi zäp. nr. 57 (CD, Ochse des Fleischers). Glatz: Kubin, Pov. kladske 1, 41 nr. 19 (AB CD). Mähren: Miksicek 1, 160 nr. 22 (ABC). Kulda 1. 278 nr. 53 (ABC). Tille S. 73 nr. 27 (C B D). Ö. Lid 5, 457 nr. 4 (C B). 6, 200 nr. 14 (B; Schiff, das über Land fährt). Zahorska Kronika 4, 25 (B C, dazu das Bürle nr. 61). Schlesien : Polivka S. 50 nr. 13 (D). Vestnik mat. opavske 14, 38 (D). -- Slowakisch: Cod. divers, auct. A 91 nr. 31 — Dob- sinsky 3, 6 nr. 23 (C, mit unsrer nr. 129). 4, 79 nr. 46 (B). Nem- cova ed. Tille 1, 129 nr. 19 (ABD). Närodopisay Vestaik 4, 218 nr. 4 (A, Hund, BD). Czambel S. 236 nr. 125 (D). — Wendisch: Veckenstedt S. 228 'Der kluge Dieb' (A C, Ochse). — Polnisch aus Schlesien : Schiller nr. 16 'Der Kunstspitzbube' (A B, Tochter ge- stohlen und dem Teufel wieder abgenommen ; vgl. die mallorkinische Fassung) = Mater, antropol. 8, 163. Malinowski 1, 64 (B). 2, 129 (drei Hunde, B C D). 2, 235 (ABC D). Mitt. f. schles. Vk. 4, 8, 65 (zwei Hunde, BCD; die vom Zauberer gestohlene Tochter des Herrn befreit, wie oben nr. 129). Aus Posen: Kolberg 14, 345 nr. 102 (verblaßt. AB, Hunde, C, Ring, Hemd, D). Knoop, Ostmark. S. 1, 160 nr. 79 'Der Dieb' (Ziege, Ochse vom Pfluge, B; in einer Falle gefangen). 1, 167 nr. 80 'Der Dieb von Chludowo' (C B). ZfVk. 26, 206 nr. 3 'Der Taugenichts' (C D). Kolberg 14, 288 nr. 7 1 (D). Aus dem Krakauer Land : Ciszewski S. 252 nr. 202 (B C, Hemd, Ring, Geld ; Herren- tochter aus der Hölle befreit). S. 254 nr. 203 (A, Vorhängeschloß vom Tisch, C, Ring). Beskiden : Zbiör 5, 238 nr. 42 (A, Ochsen, B). 7, 60 nr. 122 (Tochter, B ; Liebe der Tochter zum Diebe). 15, 36 nr. 17 (B, 384 192. Der Meisterdieb. Schwein aus dem Stall, Hase vom Bratspieß, C, Hemd, Bing, Geldkasten). Swie>k S. 409 nr. 49 (A B, zwölf Pferde, Braten, CD). Mater, antropol. 3, 133 nr. 7 (A B C, Hemd, D). Zbiör 13, 109 nr. 4 (A, Petersilie, B C D). 13, 113 (C). 16, 60 nr. 3 (A, Hemd des Hirten, B, Brau, den Teufeln verkauft und abgenommen, Pferde und Wagen). Gouv. Lublin: Wisla 11, 457 (AB, Pferde, Ochsen, Geld, C, Brau, aus der Hölle befreit). Wisla 16, 619 nr. 12 (Dieb hat Zauberkräfte, vermag den eisernen Geldkasten zu öffnen). Gouv. Sedlec: Zbiör 8, 311 nr. 10 (B C, Geldkasten, Bing). 8, 312 nr. 11 (B C, Mutter aus der Hölle holen). Koztowski S. 353 nr. 16 (ABC, Brau den Teufeln verkauft). Gouv. Kielce: Kolberg, Lud 19, 243 nr. 19 (B C, Koffer, Herrentochter aus der Hölle holen). Aus Galizien : Mater, antropol. 10, 299 nr. 73 (A B C, Geld). 10, 292 nr. 57 (D). Gouv. Block: Chelchowski 1, 112 nr. 17 (der Meisterdieb verbindet sich mit den öffentlichen Dieben, stiehlt das Geld, gibt den Hunden Brot in Branntwein getränkt, hängt sie an den Schwänzen auf). — Kaschubisch: Bronisch S. 24 nr. 6 (z. T. wie unsre nr. 111; D B C) S. 52 nr. 1 (B C). Lorentz, Teksty pomorskie S. 152 nr. 205 (D B C). S. 432 nr. 550 (B). S. 405 nr. 520 (B). S. 564 nr. 696 (A D B C). S. 580 nr. 715 (zwei Diebe. B). S. 593 nr. 730 (zwei Brüder, B C, Bing). S. 525 nr. 656 (B C, Bettzeug, D). — Kleinrussisch aus Oberungarn: Etnograf. Zbirnyk 3, 205 nr. 31 (B, Frau gestohlen und von den Teufeln befreit, Kloster in der Hölle). 3, 210 nr. 32 (B, Brau). 9, 5 nr. 4 (jüngster Bäuber, B C, Ring, Geldkasten ; er soll in der Hölle sehen, was für ein Bett der König dort hat, befreit mehrere Seelen). Aus Südungarn: ebd. 30, 239 nr. 121 (ABC, Ring, D). Aus Galizien : Zytje i Slovo 4, 358 nr. 24 (A B, Schwein : betrunkene Hunde mit den Schwänzen an die Glocke gebunden). Etnogr. Zbirnyk 6, 356 nr. 694 (Stier, Bferd, B, Brau, Wette mit dem Teufel; Zornwette wie oben 2, 293). 8, 26 nr. 9 (A, Hunde betrunken). 8, 28 nr. 10 (A B C, Brau, Wette mit Teufeln). 8, 144 nr. 84 (A B C, Bing, Brau, Wette mit Teufeln). 6, 48 nr. 135. 136 (D). 6, 121 nr. 295 (D). 9, 13 nr. 8 (D). Ukraina: Rudcenko 1, 67 nr. 36 (A B C, Geldkasten, Brau, Kloster in der Hölle). Gouv. Boltawa: ebd. 1, 196 nr. 74 (drei Brüder; Hunde trunken; Dieb er- zählt im Schlafzimmer ein Märchen: Wem gehören die Kleider? C, Brau). Gouv. Kiew: ebd. 1, 191 nr. 73 (ähnlich). Öubinskij 2, 620 nr. 89 (drei Diebe, Hunde trunken; der Dieb erzählt dem Herrn 192. Der Meisterdieb. 385 und fragt, wem der Rock zufallen soll ; D). Gouv. Podolien : ebd . S. 618 nr. 88 (B C, Eing, Kirchenkreuz, D). S. 621 nr. 90 (B, Geld- kasten, C, Pferdegespann, Frau; Frau den Juden verkauft, Wett- laufen mit dem Hasen, dem 'Kinde'). S. 670 nr. 134 (A, Geldkasten ; Dieb als Märchenerzähler). Gouv. Charkow: Hrincenko 1, 214 nr. 75 (AB, Frau; Kloster in der Hölle, Wettlauf). Gouv. Wolhynien: Rokossowska S. 75 nr. 45 (B, Ochs, Pferd, C, Geldkasten). S. 99 nr. 72 (B C, Geldkasten, Frau ; Wette). Gouv. Grodno : Öubinskij 2, 362 nr. 98 (BC, Ring, Frau ; Wette). Hnatjuk, Geschlechtleben 1, 63 nr. 93 (D). Anthropophjteia 7, 416 nr. 788 (D). — Weißrussisch: Federowski 2, 255 nr. 274 (B, Frau. Geschrei : Die Scheune brennt, Frau vom Teufel befreit). 3, 140 nr. 255 (B, Kuh, Pferd, Frau stehlen, Kirche in der Hölle bauen). 3, 143 nr. 258 (A C, Hemd und Laken, Braten vom Tisch stehlen; Hasen aus dem Sacke gelassen). 3, 145 nr. 259 (B, Hengst und Ochse an einer Schlinge durch die Dachluke gezogen, D). 3, 137 nr. 249 (D). Serzputovskij S. 52 nr. 27 (D). Karlowicz S. 32 nr. 22 (B, Geldkasten, Hunde). Mater, kom. jejzyk 2, 85 (A B C, Laken). Sejn 2, 120 nr. 57 (Einleitung wie oben 2, 15 ; Hemd und Frau stehlen, vom Teufel befreien). 2, 297 nr. 138 (Frau eines andern Herrn stehlen, B, Käse des Pächters ; Hunde trunken gemacht, Kirche in der Hölle). — Großrussisch von Culkov gegen Ende des 18. Jahrh. erzählt, Auszug bei Afanasjev3 2, 350 (C, Laken und Hemd der Frau und des Herrn). Afanasjev3 2. 341 nr. 219a (B, der Dieb als Herr verkleidet läßt sich das Pferd vorführen, D) = Hildebrand 2, 36. Afanasjev3 2, 343 nr. 219d (Diebslehrling schleicht sich beim General ein und läßt seinen Meister ein. AB, Tischgeschirr; als Teufel verkleidet vertreibt er die Gäste). Gouv. Orel : ebd. 2, 342 nr. 219b (A, Geldkasten vom verkleideten Teufel gestohlen, B). Gouv. Tula: Erlenwein S. 94 nr. 26 (A B, Geldkasten, Frau) = Gubernatis, Florilegio p. 157 'Klinika'. Gouv. Woronesch : Afanasjev3 2, 343 nr. 219c (die zur Mühle geschickten Pferde mit Getreide). Gouv. Kursk: ebd. 2, 345 nr. 219e (ABC, Geld, Frau; Tausch im Sacke) Aus Moskau: Chudjakov 1. 121 nr. 34 (Lehrling hilft den Räubern stehlen, stiehlt ihnen das Schwein). Gouv. Samara: Sadovnikov S. 139 nr. 31 (Hund, B C, Geld, Fraii ; aufgehängte Strohpuppe den Teufeln verkauft). Gouv. Wjatka: Kolosov S. 279 nr. 4 (AB, Geld). Gouv. Olonetz : Oncukov S. 243 nr. 92 (A, Glas und Tischtuch, B C, Bett- laken; verkleidet als Lakai). S. 461 nr. 197 (A B C, Bettlaken, Frau). Grimm, Märchen-Anmerkungen III. 25 386 102. Der Meisterdieb. Gouv. Archangelsk: ebd. S. 522 nr. 245 (ABC, Laken, Geld, Frau). Wladikavvkaz: Sbornik kavkaz. 15, 2, 103 nr. 11 (AB, Frau; der Herr, mit dem der Dieb die Kleider getauscht, wird geprügelt; Frau von den Teufeln befreit). 15, 2, 193 (A B C. Vater und Mutter be- stohlen). Gouv. Tobolsk: Zap. Krasnojarsk 1, 120 nr. 60 (andre Diebsstreiche ; unten S. 390). Afanasjev3 2, 346 nr. 219 f (Dieb im Stroh- bund über die Mauer geworfen, Hunde trunken gemacht ; Märchen : Wem gehört der Pelz). 2, 347 nr. 219g (AB). — Litauisch: Schleicher S. 13 'Vom schlauen Jungen' (nachdem er Wagen, Ziege und Kleider für die Räuberbande gestohlen, wird er Schenkwirt ; seine beiden Gesellen stehlen ihm zweimal ein Mastschwein, werden aber von ihm darum betrogen). Leskien-Brugman S. 480 nr. 37 'Von einem Dieb' (ABC D). Langkusch, Altpreuß. Monatsschrift 15, 454 nr. 31 'Wer war sein Ahn' (Ochsen; BD). — Lettisch: Treuland S. 184 nr. 112 (Schatz des Rhampsinit; A, zwei Hunde, B C, Ring). WeryhoS. 217 nr. 30 (B, Hund, C, Ring, Frau). — Estnisch: Kallas nr. 62 'Hans der Dieb' (Ochse, Schwein; B, Geld an geteerten Stiefelsohlen, CD; Züge aus Salomo und Markolf, weder zu Fuß noch reitend). — Finnisch: Aarnes Register nr. 1525a 'Meisterdieb'. Suomi 2, 16, 174. 3, 10, 24. 3, 17, 85. 4, 2, 116. Aarne nr. 1737 (D). — Mor- dwinisch: Paasonen, Journal de la soc. finno-ougr. 12, 96 nr. 4 (Motros stiehlt einen Wagen, Ochsen, einen Hengst, Geschirr, Bett- zeug, steckt den Priester in einen Sack, den er an den Glocken- klöppel bindet; jeder Bestohlene will ihm die Tat verzeihen, wenn er einen andern ebenso schädige). — Magyarisch: Horger nr. 53. Berze Nagy nr. 41. — Zigeunerisch: Constantinescu, Probe de limba si literatura Tsiganilor din Romänia 1878 nr. 6 = Journal of the Gypsy-lore soc. 3, 142 = Groome p. 41 nr. 11 'The two thieves' (Eier der brütenden Krähe, Schatzhaus des Rhampsinit, D). R. v. Sowa. Mundart der slovakischen Zigeuner 1887 p. 174 nr. 8 = ZdmG. 39, 514 nr. 3. 'Der Zigeuner und der Priester' = Groome p. 46 nr. 12 (D). Friedr. Müller, Romsprache nr. 1 (Wiener SB. 61, 151: C entstellt, ebd. 70, 87: C). Groome p. 48 (aus Wales. Zwei Schafe), p. 49 (ebd. Schaf, C). - Syrjänisch: Ziv. Starina 17, 96 (ABC, Geld, Bettzeug, Frau). — Min g relisch: Sbornik kavkaz. 18, 8, 34 (Bruchstück). — Tschetschenisch: ebd. 32, 2, 60 nr. 2 (B C, Geldkasten, Frau). - Ossetisch: ebd. 6, 2, 213. 7, 2, 13. — Kirgisisch: H:Divajev, Etuogr. mater. vyp. 11 (1906) nr. 1. — Im mongolischen Siddhi- Kür (Jülg 1886 nr. 12 — Kletke, Märchen- 192. Der Meisterdieb. 387 saal 3, 5 'Chan Kindersinn') gebietet ein törichter Fürst einem klugen Manne, ihm seinen Lebenstalisman zu stehlen, will ihn aber töten lassen, als er die Aufgabe durch Berauschung der Wächter gelöst hat ; da schlägt der Mann den Talisman auf einen Stein, und alsbald stirbt der Fürst. Bennigsen S. 68 nr. 31 (A; der Dieb, der ein geweihtes Gefäß stehlen soll, schläfert durch Zauber die Wächter ein, setzt die Reiter auf Kuhmist, gibt ihnen Stöcke statt Waffen in die Hände, dem Hunde Fleisch, dem Kamel Salz, dem Stier und Hengst Heu usw.). — Indisch: O'Connor p. 80 nr. 14 'The three thieves' (sollen drei Perlen aus dem kaiserlichen Schatz stehlen). North indian notes and queries 3, 67 nr. 135 'The master-thieP (der Prinz stiehlt seines Vaters Becher und Speisenbrett sowie das Pferd eines andern Königs). 3, 69 nr. 136 und 82 nr. 172 'The master- thief (der vierte Sohn eines Raja stiehlt ein Pferd und Kamel; Zeichen an der Tür vervielfältigt). Knowles p. 104 'Shabrang prince and thief (stiehlt Vogeleier, Hasen u. a., gibt sich dem Könige als der gesuchte Dieb zu erkennen und führt ihm seine Mutter, des Königs verlassene Frau, zu). North indian notes 3, 171 nr. 370 'The half-married daughter of the gardener' (ähnlich). — Neu ara- mäisch: Lidzbarski S. 241 nr. 14 'Der Meisterdieb' (Eier der brü- tenden Störchin, Hosen des Diebes ; Schatzhaus, D). Prym-Socin, Tür-Abdin 2, 170 nr. 42 (Eier und Hosen ; Schatzhaus ; Leichnam von der Tochter des Statthalters bewacht, ausgestreutes Geld an Wachssohlen, Statthalter von Aleppo im Sarge). — Mexikanisch: Journ. of am. folklore 24, 411 nr. 5 'Los tres hermanos' (Widder, Geldbeutel unterm Kopfkissen des Königs); vgl. 27, 215. — India- nisch: ebd. 26, 224 'Mteza'. — Hawaii: Westervelt 1915 p. 148 = Hambruch S. 271 nr. 66 'Iwa, der Meisterdieb von Oahu' (Tiger- muschel, Steinbeil, Bettdecke; Wettestehlen mit den sechs Leibdieben). Fast dieselben Aufgaben, die hier einem gelernten Diebe ge- stellt werden, mutet bei Basile 3, nr. 7 ein König seinem wackeren Diener Cor vetto zu, weil Neider ihm dessen angebliche Prahlereien gemeldet haben ; vgl. über diesen Märchenkreis oben S. 33. — Einen kecken Pferdediebstahl berichtet schon Walther Mapes,- Nugae curialium 2, c. 25 'De Cheveslino füre' (p. 101 ed. Wright 1850; vgl. Liebrecht, Zur Volkskunde S. 33) um 1190 aus Wales; der Dieb bindet der Stute den Teppich, auf dem die vier Wächter schlafen, an den Schwanz und zieht jene im Davonreiten mitten durchs Feuer. In Bojardos Orlando innamorato 2, 5, St. 40 (Regis' 25* 388 192. Der Meisterdieb. Verdeutschung 1840 S. 169) raubt der behende Erzdieb Brunello nicht nur der Angelika ihren Zauberring und der Marfisa das Schwert, sondern auch dem in Trauer versunkenen Sakripant den Gaul, auf dem er sitzt: Der Dieb sprach: 'Seht den. Kerl, es ist zum Lachen! Hat solch ein Boß und schläft im Stehen fast. Ein andermal will ich dicli lehren wachen.' Und damit nahm er einen großen Ast, Zerschnitt den Gurt, ohn ein Geräusch zu machen, Stemmt auf den Zacken dann der Bügel Last Und jagt, eh Sakripant was merkt, im Schusse Davon, und der Girkasser blieb zu Fuße. Auf gleiche Art wird in Cervantes Don Quixote 2, c. 4 dem schlafenden Sancho der Esel unterm Leibe fortgezogen, indem ein Dieb (wie bei Straparola) vier Stangen an den vier Ecken des Sattels in den Boden steckt und ihn schwebend erhält ; vgl. Ouville, Elite des contes 1883 2, 65 = Contes ä rire 1752 1, 54 = Contes ä rire et aventures plaisantes 1881 p. 34 'L'äne vole sous les jambes de son maitre'. — Wenn unser Meisterdieb das Pferd, nachdem er die Wächter betrunken gemacht hat, entführt, so erinnert das an die Entführung der Leiche im Schatzhause des Rhampsinit (unten S. 396), an die des h. Theodotus durch den Priester Eronto (Acta Sanctorum Maii 4, 162) und an Wetzel, Peise der Söhne Giaffers 1896 S. 109. Die List des Meisterdiebs, nachts Krebse mit aufgeklebten Wachslichtern1) über den Kirchhof laufen zu lassen, welche Pfarrer und Küster für die Seelen Gestorbener halten, wird schon von dem protestantischen Geistlichen Z. Rivander, Fest-Chronica 1591 1, Bl. 106b erwähnt: 'Etliche der Mönchen und Pfaffen er- *) Schon bei Aristophanes (Acharner v. 920) hat Nikarchos den Gedanken, man könnte einer Schabe (ziepr}) einen brennenden Docht (&QvaÄAig) anbinden und sie ins Arsenal schicken, um die Schiffe da- mit anzuzünden. Daß die griechischen Kinder Käfern Wachslichtchen aufklebten und sie so herumlaufen ließen, erwähnt Eustathios zur Ilias 21,394 und Papasliotes, Über die Kinderspiele bei den alten Griechen S. 21; vgl. F. Boehm, Zs. f. Gesch. der Erziehung 6, 146 (1916). — In Sacchettis 191. Novelle läßt der Florentiner Maler Bonamico nachts Käfer mit aufgespießten Lichtchen in die Schlafkammer seines Meisters Tafo, wTeil ihn dieser immer so früh weckt; Tafo wagt nicht aufzustehen, weil er Teufel zu sehen meint. 192. Der Meisterdieb. . 389 dichteten diese Betriegerey. An Allerseelen-Abend oder umb dieselbe Zeit namen sie Krebs und ander Thier unnd Gewürm, so auff der Erden kriechen und lauffen, steckten und machten denselben kleine angezündete brennende Wachsliechtlein auff, satzten sie auff die Kirchhöfe und gaben für und beredeten sie, es weren die Seelen der Verstorbenen, die im Fegfewer sessen oder also herumb walleten und könten nicht zu Gnaden kommen. Ließen sich aber sonderlich zu dieser Zeit sehen, weil sie wüsten und hoffeten, das an Aller- seelentag Seelmessen gehalten und sie dadurch aus dem Fegfewer erlöset und zu Gnaden bracht wurden. Derwegen ein jeder, desto mehr verursacht und bewegt ward, seinen Verstorbenen eine Seel- meß halten zu lassen und die Seel zu Gnaden, Fried und Kühe zu bringen.' — Ebenso erzählt Gryse, Spegel des antichristischen Pawest- doms 1593 Bl. LI 4a = Baltische Studien 36, 61 ; kürzer Delrio, Disquisitiones magicae 1612 p. 272b (cancris vel testudinibus cum candelulis affixis) und danach Anhorn, Magiologia 1674 p. 555. Die Quelle dafür ist wohl ein Brief des Erasmus von 1528 (Epistolarum opus 1538 p. 854): 'Parochus quidam sub diem parasceues clam immisit in coemiterium vivos cancros affixis ad latus cereolis ardenti- bus. Qui cum reperent inter sepulchra, visum est noctu terribile spectaculum, nee quisquam ausus est accedere propius. Hinc rumor atrox. Consternatis Omnibus, parochus e suggestu docet populum has esse defunetorum animas, quae missis et eleemosynis flagitarent a cruciatu liberari. Fucus ita proditus est : reperti sunt tandem unus et alter Cancer inter rudera, facem exstinetam gestantes, quos parochus non recollegerat.' Deutsch bei Ludwig Lavater, Von Ge- spänsten 1578 Bl. 34b (uff den heiligen Pfingstag) = Theatrum de veneficis 1586 S. 129b. — In Italien läßt man noch heut in Monte- nero di Bisaccia zum Gedächtnis der Toten große Käfer mit brennen- den Kerzen auf dem Rücken durch die Kirche laufen (De Nino, Usi abruzzesi 1, 141). In Senigallia bildet dies eine Belustigung der Knaben, die dazu rufen: '0 guarda un anima che passa!' (Archivio delle tradiz. pop. 3, 191). Zahlreich sind in den oben aufgezählten Varianten unsres Märchens die Berührungen mit andern Diebsschwänken.1) Oft J) Die'Histoire generale des larrons' (Paris 1623—25 u. ö. vom Sieur d'Aubrincourt oder F. D. C. Lyonnois), verdeutscht als 'Beutelsckneyder, d. i. newe Diebs-Historien' (Frankfurt 1641 u. ö.) enthält nichts Herge- höriges; wirkliche Schwanke stehn im 'Schauplatz der Betrieger' (1687). 390 192. Der Meisterdieb. ist der Held der jüngste von drei Brüdern, die ausziehen, um jeder ein Handwerk zu lernen,1) wie oben S. 10 und 45; oder er empfängt seinen Beruf durch ein seiner Mutter vom Heiligenbilde erteiltes Orakel, wie in einigen zum 'Mädchen von Brakel' (oben S. 124) angeführten Schwänken. Während seiner Lehrzeit erweist er seine Geschicklichkeit durch verschiedene Streiche: er stiehlt einem zum Markte ziehenden Bauer seinen Ochsen oder Widder, indem er ihn durch Hinlegen von einzelnen Schuhen, von Säbel und Scheide, von Messer und Gabel verleitet, umzukehren und sein Vieh unbewacht auf dem Wege stehn zu lassen;2) dasselbe erreicht 1) Schambach - Müller S. 316. U. Jahn 1, 276. Cosquin 2, 271. Sakellarios nr. 6. Zap. Krasnojarsk. 1, 320 nr. 60. Afanasjev3 2, 347 nr. 219g. Oncukov S. 157 nr. 59. Etnogr. Zbirnyk 3, 205 nr. 31. 3, 210 nr. 32. 3, 233 nr. 117. Zytje i Slovo 4, 358 nr. 24. Etnogr. Zb. 8, 26 nr. 9. Suchevyc S. 144 nr. 84. Kolberg, Pokucie 4, 237 nr. 58. Mali- nowski 1, 64. 2, 54. Ciszewski, Krak. nr. 204. Chelchowski 1, 112 nr. 17. Gryf 1, 158. Kubin, Pov. kladske 1, 41 nr. 19. Miksicek 1, 160. Dob- sinsky 4, 79 nr. 46. Narodop. Vestnik 4, 218 nr. 4. 2) E. Köhler 1, 210. Neue Abendstunden 5, 209 (1770) 'Die drei Betrüger'. E. Meier nr. 155. Wolf, Hausm. S. 398. Pröhle, KVM. nr. 49. Reuter, Läuschen un Daniels 2, nr. 28 'De Kaiverbrad'. Haase, Sagen aus Ruppin 1887 nr. 110. Wisser, Plattd. Vm. S. 252 nr. 73. Jabn 1, 269. 367. Lemke 2, 82. 85. Dykstra 2, 81. Etlar 1891 S. 251. Berntsen 1, 163. Skattegraveren 8, 129. 9, 97. Asbjörnsen-Moe nr. 34. Campbell2 1, 335 nr. 17d. Kennedy, Fireside stories p. 39. Wallonia 4, 102. Deulin, C. d'un buveur p. 183. Sakellarios nr. 6, Legrand p. 205. Kretschmer S. 55 nr. 16. Veckenstedts Zs. f. Volksk. 2, 267. Wuk nr. 46. Bos. nar. pripov. S. 40 nr. 11. Gröie-Bjelokosic S. 38. Zbornik jslav. 10, 191. Afanasjev3 2, 345 nr. 219e. 2, 348 nr. 219h. Sadovnikov S. 142 nr. 31. Kolosov S. 279 nr. 4. Oncukov S. 157 nr. 59. 396 nr. 160. 461 nr. 197. Zap. Krasnojarsk. 1, 121 nr. 60. 1, 97 nr. 50. Fede- rowski 3, 140 nr. 255. 3, 142 nr. 256. 3,143 nr. 258. Sejn 2, 122 nr. 57 2, 203 nr. 95. Mater, kom. jejz. 2, 82. Etnogr. Zbirnyk 8, 25 nr. 8. 30, 236 nr. 119. 30, 237 nr. 120. Suchevyc S. 143 nr. 83. 84. Cubinskij S. 670 nr. 134. Hrincenko 1, 214 nr.- 175. Rudcenko 1, 67 nr. 36. Dykariv S. 24 nr. 25. Zbiör 7, 37 nr. 96. 8, 319 nr. 9. 8, 143 nr. 73. Mater, antropol. 3, 133 nr. 7. Ciszewski nr. 204. Chelchowski 1, 114 nr. 17. Zawilihski S. 98. Wisla 11, 457. Lorentz, Texte S. 121 nr. 105. Maly4 S. 182. Miksicek 1, 161 (Säbel mit Scheide). Kulda 1, 279 nr. 53. Kubin, Podkrk. nr. 56. Malinowski 2, 54. Procbäzka S. 71. Czambel S. 253 nr. 139. Altpreuß. Mtscbr. 15, 454. Jurkscbat 1, 128 nr. 62. Treuland S. 184 nr. 112. Kallas nr. 62. Krauß, Zigeunerhumor S. 233. Wlislocki, Volksdichtungen 1890 S. 395. Radioff 10, 132 nr. 71. Sbornik kavkaz. 12, 1, 133 (kabardinisch) 29, 2, 206 (armenisch). Ramstedt 1, 3 192. Der Meisterdieb. 391 er, indem er sich im Walde mehrmals scheinbar aufhängt1) oder das Brüllen des Viehes nachahmt2) oder sich selber an die Stelle des gestohlenen Esels begibt und dem Bauer vorredet, er sei zur Strafe seiner Sünden für eine Weile in einen Esel verwandelt worden.3) Bisweilen haut er dem angebundenen Ochsen (Widder) nr. 3 = Revue des trad. pop. 27, 323. O'Connor p. 131 nr. 18. Knowles p. 300 = Revue des trad. pop. 28, 252. Day p. 167. Swynnerton p. 49 nr. 21. Clouston 2, 43. 50. Hanauer p. 275. Swaheli stories 1886 p. 7. — Der Dieb legt ein Fell auf den Weg: Cubinskij S. 618 nr. 89. 90. Rokossowska S. 99 nr. 72. Federowski 3, 146 nr. 259. Karlowicz S. 32 nr. 22. Zbiör 8, 311 nr. 10. 11. 13, 109 nr. 4. 15, 36 nr. 17. 16, 60 nr. 3. C. Lid 5, 457 nr. 4. J) R. Köhler 1, 210. 348. Der lustige Kirmeßbruder 1847 S. 19 (Volksbücher ed. Wolff nr. 45). Schambach - Müller S. 318. Kuhn- Sehwartz S. 363. Wisser, Plattd. Vm. S. 232. Jahn 1, 276. Skatte- graveren 2, 132. Asbjörnsen nr. 34. Rittershaus nr. 105. Poestion nr. 16. Kennedy p. 39. Schweiz. Archiv f. Vk. 18, 86. Deulin, Contes p. 181. Meyrac p. 428. Revue des trad. pop. 24, 346. Grubernatis, S. Stefano nr. 29. Kretschmer S. 55 nr. 16. Afanasjev 2, 342 nr. 219b. 219c. 219e. Sadovnikov S. 141 nr. 31 (Strohpuppe). Federowski 1, 143 nr. 258. Suchevyc S. 146 nr. 84. Cubinskij S. 622 nr. 90. Ciszewski nr. 204. Zbiör 5, 238 nr. 42. 16, 61 nr. 3. Öwietek S. 411. K. Prochazka S. 71. Rona-Sklarek 2, 180 nr. 15. 2) E. Meier S. 194. Dykstra2, 81. Asbjörnsen-Moe nr. 34. Legrand p. 205. Kretschmer S. 56 nr. 16. Eos. nar. pripov. S. 40 nr. 11. Sadov- nikov S. 143 nr. 31. Rudcenko 1, 67 nr. 36. Etnogr. Zbirnyk 30, 233 nr. 117. 30, 238 nr. 120. Hrincenko 1, 215 nr. 175. Federowski 3, 144 nr. 258. Swietek S. 412. Miksicek 1, 161. Lorentz, Teksty pom. S. 172 nr. 230. 485 nr. 621. 254 nr. 313. Schleicher S. 13 nr. 9. Clouston 2, 44. — Geschrei: Bunker nr. 14. Blümml, Beitr. S. 127 nr. 28. Schambach-Müller S. 316. Lemke 2, 83. Legrand p. 205. Veckenstedts Zs. 2, 267. Vuk Karadzic nr. 46. Zbornik jslav. 10, 191, Etnogr. Zbirnyk 3, 208 nr. 31. 3, 211 nr. 32. Hrincenko 1, 216 nr. 175. Mater, antropol. 3, 134 nr. 7. C. Lid 5, 458 nr. 4. Lorentz, Teksty S. 254 nr. 343. 331 nr. 431. 592 nr. 728. Sbornik Kavkaz. 18, 3, 34. Pekotsch, Er- innerungen türk. Gesch. 1911 S. 15. — Räuber erschreckt: Schweiz. Archiv f. Vk. 18, 189. Veckenstedts Zs. 2, 268. Vuk Karadzic nr. 46. Erlenwein S. 94 nr. 26. Sadovnikov S. 143 nr. 31. Zap. Krasnojarsk. 1, 121 nr. 60. 1, 97 nr. 50. Oncukov S. 157 nr. 59. Etnogr. Zbirnyk 3, 212 nr. 32. 30, 235 nr. 118. 119. Suchevyc S. 145 nr. 84. Hrincenko 1, 214 nr. 175. Dykariv S. 25 nr. 25. Miksicek 1, 162. Lorentz, Teksty S. 172 nr. 230. 331 nr. 431. 391 nr. 502. 485 nr. 621. 582 nr. 728. Schleicher S. 13. 20. Radioff 10, 132 nr. 71. 3) Vgl. oben S. 9; dazu Varnhagen, Longfellows Tales 1884 S. 124. Das blaue Buch zum Todtlachen (um 1800) S. 31 nr. 49. Heyl, Volks- 392 192. Der Meisterdieb. den Kopf (Schwanz) ab und pflanzt ihn in den Sumpf1) oder steckt den abgeschnittenen Schwanz des einen Ochsen dem andern ins Maul,2) um dem Bauern weiß zu machen, daß das Tier in die Tiefe gesunken oder von dem andern verzehrt sei. Oder er lockt die Bauernknechte, dem angeblich ausgeackerten Geld nachzugraben;3) er entwendet dem Bestohlenen ferner seine Kleider, indem er ihn bittet, in den Brunnen hinabzusteigen und einen angeblich hinein- gefallenen Geldbeutel herauszuholen.4) Mehrfach wird das an- sagen aus Tirol 1897 S. 30. Motz bei Dälmhardt, Heimatklänge 2, 83 (1902). Schell, Bergischer Volkshumor 1907 S. 88. Niedersachsen 1, 190. De Mont en de Cock, Vertelsels p. 140. Sebillot, Joyeuses bist. p. 26. Balladoro 1900 p. 201. Boira, Libro de los cuentos 1862 1, 259. B. Lindau, Erzählungen eines Effendi 1896 S. 157. Bbodokanakis, Dofär S. 21. *) E. Meier S. 194 nr. 155. Pröhle, KVM. nr. 49. Blümml, Beiträge S. 127 nr. 28. Bl. f. pomm. Volksk. 4, 59 nr. 1. Jahn 1, 277 (Schwanz). Bittershaus S. 426 nr. 121. Carnoy, Litt, de la Picardie p. 323. Gubernatis, Die Tiere S. 181. Arcbivio 24, 154 nr. 2. Kretschmer nr. 16. Federowski 3, 142 nr. 256. Sejn 2, 203 nr. 59. Etnogr. Zbirnyk 3, 206 nr. 31. 8, 25 nr. 8. Kolberg, Pokucie 4, 237 nr. 58. Suchevyc S. 145 nr. 84 Cubinskij S. 670 nr. 134. Hrincenko 1, 215 nr. 175. Zbiör 16, 60 nr. 3. Mater, antropol. 3, 133 nr. 7. Chelchowski 1, 114 nr. 17. Miksicek 1, 161. Malinowski 2, 54. Czambel S. 250 nr. 139. Lorentz, Teksty S. 251 nr. 343. 331 nr. 431. 435 nr. 621. Mitt. f. jüd. Vk. n. F. 2, Heft 18, 69 nr. 5. — Vgl. B. Köhler 1, 150. 327 und ZfVk. 6, 74 zu Gonzenbacb nr. 37. H. Sachs, Schwanke 5, 181 nr. 717 (Pferdeschwanz eingepflanzt). 2) Bunker nr. 14. Blümml, Beiträge S. 127 nr. 28. Sehambach- Müller S. 316 nr. 27. Schweiz. Archiv 18, 88. Afanasjev 2, 351 nr. 219a. Etnogr. Zbirnyk 3, 211 nr. 32. Hrineenko 1, 216 nr. 175. Mater, kom. je,zyk. S. 86. Federowski 3, 139 nr. 254. Kolberg, Pokucie 4, 238 nr. 59. Malinowski 2, 235. Lorentz, Teksty S. 592 nr. 728. C. Lid 5, 458 nr. 4. Miksicek 1, 162. Kulda 1, 280 nr. 53. Kubin, Podkrkonosi zäp. nr. 56. Dobsinsky 4, 81 nr. 46. Nemcovä, Slov. ed. Tille 1, 130 nr. 19. Vecken- stedt, Wend. Sb. S. 228 nr. 8. AVI islocki, Volksdichtungen S. 396. 3) Kulda 1, 279 nr. 53. Nerncovä-Tille 1, 130 nr. 9. Malinowski 2, 235. Badloff 10, 135 nr. 74. — Gänse und Hühner aus einem Sack entlassen : Scbullerus S. 240 nr. 114. Zbornik jslav. 12, 150 nr. 41. Stankov Kukic S. 627. Strobal 1, 193 nr. 59. Etnogr. Zbirnyk 3, 213 nr. 32. 30, 239 nr. 121. Mater, kom. j§zyk. S. 86. Dobsinsky 4*^ 81 nr. 46. • — Gerupfter Hahn: Afanasjev3 2, 341 nr. 219a. VvTislocki, Volks- dichtungen S. 396. 4) Dscbelaleddin Bumi ed. Wbinfield 1898 = Wesselski. Das lachende Buch 1914 nr. 118. Basset, Mission au Senegal 1, 627. — 192. Der Meisterdieb. 393 französische Fablel von Barat und Haimet (oben S. 57) er- neuert, wo ein Schelm einer brütenden Elster unvermerkt die Eier aus dem Nest stiehlt, während sein Genosse ihm ebenso unver- merkt die Hosen abzieht.1) Aus der Unibos-Fabel (oben 2, 6. 18) stammt die Befreiung des Helden aus dem Sacke, in den zu kriechen er einen Dummkopf überredet (vgl. oben S. 192). Andre Diebsschwänke sind: 1. Zwei Diebe betrügen einander beim Tausch: AVickram, Werke 3, 370 nr. 31. Miksicek, Pohädky S. 46 nr. 6. Chauvin 8, 107. Parker 2, 90 nr. 94. Schmidt-Kahle, Palästina nr. 23. Müller, Mehri-Sprache 2, 76. Basset, C. berberes 1, 114. Riviere p. 21 nr. 4. — 2. Elbegast geht nachts mit König Karl stehlen: Carel ende Elegast ed. Hoffmann v. F. 1836, Jonckbloet 1859. Karlmeinefc ed. Keller 1858 S. 575. 846. Bech, Germ. 9, 320. Lübben, Jb. f. nd. Spracbf. 6, 20 (Lübecker Fastnachtspiel 1450). Vernaleken, KHM. nr. 19. Ähnlich: Jahn 1, 276 nr. 53. Etnogr. Zbirnyk 3, 206 nr. 31. 30, 233 nr. 117. Sucbevyc S. 145 nr. 84. Cubinskij S. 670 nr. 134. Zbiör 16, 60 nr. 3. Miksicek 1, 161. Malinowski 2, 54. Czambel S. 253 nr. 139. Schleicher S. 16. Sbornik Kavkaz. 12, 1, 134 (kabardinisch). ') Vgl. noch Truhelka 2, 60 nr. 9. Afanasjev3 2, 342 nr. 219b. 2, 347 nr. 219g. 219h. Sadovnikov S. 142 nr. 31. Zap. Krasnojarsk. 1, 121 nr. 60. Oncukov S. 158 nr. 59. Etnogr. Zbirnyk 9, 98 nr. 56. Cubinskij 2, 601 nr. 80. Romanov 3, 410 nr. 19. Lorentz, Teksty pomorskie S. 536 nr. 666. Künos, Adakaie S. 261 nr. 39. Sbornik Kavkaz. 24, 2, 53. Zapis. geogr.-etnogr. 17, 2, 176 (karagasisch). Knowles p. 104. O'Connor p, 80 nr. 14. — Auch der zweite Teil des Fablels, wo zwei Diebe ihrem früheren Genossen, der sich verheiratet hat. einen Schinken stehlen, einbüßen und wieder gewinnen, hat weite Verbreitung; s. Belgisch Museum 10,69. Grundtvigs hsl. Register nr. 111 'Tyvens Iteiiing'. Kamp, Folkeminder S. 131. Kristensen, Aev. fra Jylland 2, 79 nr. 10 = Stroebe 1, 135. Gering, Islendzk äventyri 2, 210 nr. 90. Angeloni, Novella ed. Cappelli 1870 (R. Köhler 2, 593. Marchesi, Per la storia della novella italiana nel secolo XVII. 1897 p. 103). Vacalerio, LArcadia in Brenta 1680 p. 275. Gradi, Saggio 1865 p. 107. Visentini nr. 43. Rivista di letteratura pop. 1, 85. PeUicani, Cento novelle 1881 p. 206. Balladoro, Novelline 1900 p. 147. Dozon nr. 21. Zbornik jslav. 10, 194. Grgjic-Bjelokosic, Stotina S. 13 (Widder). Sbornik za nar umotvor. 8, 204 nr. 2. Afanasjev3 2, 531 (Culkov, Ende des 18. Jahrb.). Suchevye S. 141 nr. 82. Cubinskij S. 620 nr. 89. Rudöenko 1, 192 nr. 73. Sbornik Charkov. 6, 168 nr. 170. Malinka S. 345 nr. 62. Mater, antropol. 10, 231 nr. 2 (Geld). Sbornik Kavkaz. 12, 1, 130 (kabardinisch) 15, 2, 184 nr. 2. 18, 3, 27 (mingrelisch). 23, 2, 6 (kurdisch. Ziege). Scbleicher S. 13. Aarnes Register nr. 1525E. Behrnauer, Die vierzig Veziere 1851 S. 214 (Chauvin 8, 136). 394 192. Der Meisterdieb. Jahn, Volkssagen aus Pommern nr. 630 'Der alte Fritz und sein Soldat'. Jahn, Volksmärchen 1, 158 nr. 29. Haas, Rügensche Sagen 1891 nr. 200 'König Fritz'. Karlskronike (Brandt, Romantisk digtning fra middel- alderen 3, 1. 1877. Chr. Pedersen, Danske Skrifter 5. 1856. Elberling, Danske Folkebßger 1,1. 1867. Nyerup, Morskabskesning S. 85). Grundt- vigs hsl. Eegister nr. 80, a. Bäckström, Folkböcker 3, 62: 'Carl XI. och Skober'. *Svensen, Lönns sagor p.4 'Kungen o gardisten'. Allardt nr. 156. Karlamagnus-Saga ed. Unger 1860 (Basin). Veckenstedt S. 229 'Der ehrliche Soldat'. R. v. d. Meulen, Tijdschrift voor nederl. Taalkunde 32, 89 (litauisch). Russische Byline von Volch Vseslavjevic (Wollner, Volksepik S. 84. L. N. Tolstoj, Werke 4, 613. Uhlenbeck, Tijdschrift 12, 198). Afanasjev3 2, 351» (C ulko v, 18. Jahrb.). Saveenko, Rus. nar. skazka S. 59 (Collins). Potanin, Oeerki severo-zapadnoj Mongoliji 4, 323 = Kern, Tijdschrift 12,196 'Edzenj Chan'. Benary, Zs. f. Volkskunde 23, 299. Bamondt, Karel ende Elegast 1917. — 3. Vertauschung zweier schlafender Ehepaare durch Elbegast: Bartsch, Meisterlieder der Kolmarer Hs. 1862 S. 303 (R. Köhler 2, 305). IL Sachs, Der Schwarzkünstner mit dem Markgrafen 1541 (Fabeln 3, 257. Bolte, Forschungen zur brandenburg. Gesch. 11, 201). Ayrer, Dramen ed. Keller 4, 2391. Behrend, Westpreußen nr. 10 'Der geschickte Prinz' und 17 'Der Schneidergraf'. Bl. f. pomm. Vk. 9, 60 'Die böse Frau'. Luzel, Legendes ehret. 2, 219 nr. 30. Gasp. Gozzi bei A. Keller, Italien. Novcllenschatz 6, 65. Busk, Folklore of Rome p. 348. Corazzini p. 451 nr. 12 'A reggina e a trippara'. Toppen, Masuren S. 165 'Belohnte Mildtätigkeit'. Polivka, Archiv f. slav. Phil. 19, 262 nr. 228 und Pryvit Iv. Frankovi 1916 2, 317. Vikar nr. 4. Über die Dramen von Je von (The devil of a wife. 1686), Coffey, Sedaine, W. v. Borck, Weisse u. a. vgl. A. v. Weilen, Shakespeares Vorspiel zu der Wider- spänstigen Zähmung 1884 S. 64; Brunnhuber, Sidneys Arcadia 1903 S. 51; Calmus, Die ersten deutschen Singspiele 1908 S. 2. — 4. Ein als Bischof oder Graf ausstaffierter Bettler wird beim Wirte als Pfand zurückgelassen: Noel du Fail, Contes d'Eutrapel 1586 c. 17 (Oeuvres ed. Assezat 1874 2, 91). Aleman, Guzman de Alfarache 1, c. 58. 1599; deutsch von Albertinus 1615 S. 482. Bidermann, Utopia 1640 S. 270; deutsch von Hör], Bacchusia 1677 S. 271. Stechan, Barbarossa von Kyburg (Bolte, Singspiele der engl. Komödianten 1893 S. 24). Grams- bergen, Haartog van Pierlepon 1650. Holberg, Den pandsatte bonde- dreng 1731 (A. v. Weilen, Shakespeares Vorspiel 1884 S. 53. 84. Nyrop, Dania 10, 134). Volksschauspiel vom Schinderhannes (Zs. f. Volkskunde 12, 332). Pröhle, KVM. nr. 49 'Der gelehrige Dieb'. Aarnes Register nr. 1526. — 5. Ein Bursch, den Räuber um ein Schwein oder eine Ziege betrügen, rächt sich in verschiedenen Verkleidungen am Räuber- hauptmann. Diese boshaften Streiche gelten in. dem schmutzigen fran- zösischen Romane 'T ruber t' des Douin de Lavesne (13. Jahrhundert. 192. Der Meisterdieb. 395 Hsg. von Ulrich. 1904; deutsch, hei Ulrich, Schelmennovellen 1905 S. 1) einem Herzoge, der dem Bauern jungen nichts zu leide getan hat. Hack- mans Register nr. 1538. Asbjörnsen nr. 80 'Gutten, som vilde blive handelskarl' = Dasent 1874 p. 258. Cosquin nr. 81 'Le jeune homme au cochon'. Sebillot, Joyeuses hist. p. 242 'Les moines et le honhomme' = Revue des trad. pop. 11, 633. Sebillot, Folklore de France 4, 247. 284. Roche p. 150 'Le gamin et les voleurs'. Pineau, C. du Poitou p. 49 'Louis Bernard'. *Armana prouvencau 1880, 74. Decurtins, Rätoroman. Chrestomathie 2, 124 nr. 99 'II tapagnac cun il marti'. Pitre, Nov. pop. tose. nr. 59 'II porco e il castrato'. Busk p. 336 'A yard of nose'. Gonzeubach nr. 82 'Vom klugen Peppe'. Pitre, Fiabe sie. 3, 223 nr. 162 'Lu scarparu e li monaci'. Maspons, Rondallayre 3, 93 'En Joanot'. Kretschmer nr. 29 'Choromangirio'. Jacob, Türkische Bibliothek 6, 1 (Xoroskardasch). Serbische Bearbeitung in Jerem. Obrad. Karadzic 5. 5—19. Glasnik bos.-herceg. 25, 345. Aarnes Register nr. 1538. — 6. Ein Dieb, der nachts auf dem Kirchhofe seinen Genossen, den Hammel- dieb, erwartend, Nüsse knackt, erschreckt den Küster und den von diesem getragenen Pfarrer, indem er ruft: 'Ist er auch fett?' Mont- aiglon-Raynaud, Fabliaux 4, 87 nr. 96 'Estula'. Brom3rard, Summa predicantium O, 2, § 6 und Johannes Junior, Scala celi, de furto § 5 = Wickram, Werke 3, 334. Pauli, Schimpf und Ernst cap. 82. Hans Sachs, Fabeln 1, 292. 3, 93. 4, 317. Wickram, Werke 3, 378 zu nr. 56. 8, 345; dazu Jegerlehner, Unterwallis 1909 S. 8 nr. 5; Wisser, Plattdt. Vm. S. 85 ; Volkskunde 19, 63; Hackmans Register nr. 1791; Annales de Bretagne 27, 91; Revue des trad. pop. 9, 349 nr. 55. 24, 137; Zbornik jslav. 10, 194; Bos. Vila 5, 29 (1890); Krauß, Tausend SM. 1, 141 nr. 47; Pa- mjatniki drevnej pismen 1878 — 79, 120; Kubin, Podkrkonosi zäp. nr. 286; Kozlowski S. 344; Böhm, Lettische Schwanke nr. 39; Aarnes Register nr. 1791; Chauvin 8, 107. Vgl. die törichte Frau oben 1,521 (Motiv II). Endlich ist auch die alte ägyptische, aus Herodot 2, 121 be- kannte Erzählung vom Schatzhaus des Rham psinit J) mit unserm Stoffe in Verbindung getreten. Sterbend offenbart der Baumeister des königlichen Schatzhauses seinen beiden Söhnen, daß er einen J) Maspero, Contes pop. de l'Egypte ancienne 1889 p. 245 und XLVII. Wiedemann, Altägyptische Sagen 1906 S. 145 und Herodots zweites Buch 1890 S. 447. R. Köhler 1, 200. Clouston, Populär tales 1887 2, 115. 480. Prato, La leggenda del tesoro di Rampsinite (Como 1882). G. Paris, Le conte de Rhampsinite (1874, gedr. 1907 in Revue de 1' hist. des reli- gions 55, 151. 267). Klinger, Märchenmotive in Herodots Geschichten (Kijev 1903, russisch) S. 168. F. v. d. Leyen, Archiv f. n. Spr. 115, 10. 116, 14. Chauvin 8, 185. K. Campbell, The seven sages of Rome 1907 p. LXXXV. 396 192. Der Meisterdieb. der Steinblöcke so eingerichtet hat, daß man ihn ohne Mühe heraus- nehmen kann. Heimlich rauben die Brüder nachts dort Schätze, bis der König Fallen aufstellt und der eine Dieb festgehalten wird. Er bittet seinen Bruder, ihm den Kopf abzuschneiden, damit er nicht erkannt und auch der andre ins Verderben gestürzt werde. Der Bruder gehorcht. Wie nun der König den Rumpf an der Mauer aufhängen läßt, um zu sehen, ob einer der Vorübergehenden Mitleid zeige,1) dringt die Mutter in den überlebenden Sohn, ihr den Leichnam zu bringen. Er beladet zwei Esel mit Weinschläuchen und öffnet diese angesichts der Wächter, die herzulaufen und sich berauschen, schert den Schlafenden die rechten Backen2) und zieht mit dem Toten heim. Voll Begierde, den schlauen Dieb zu er- greifen, gibt Rhampsinit seine Tochter preis; sie soll aber jeden Mann, der ihr naht, zuerst seine klügste und seine gottloseste Tat erzählen lassen. Der Dieb merkt des Königs Absicht; er schneidet einer Leiche den Arm ab und berichtet der Königstochter wahr- heitsgemäß seine Streiche ; als sie ihn aber festhalten will, läßt er die Totenhand fahren und entrinnt. So bleibt dem Herrscher nichts übrig, als dem Diebe Straflosigkeit zuzusichern und seine Tochter zur Frau zu geben. — Die Geschichte, deren ägyptischen Ursprung man ohne hinreichenden Grund bezweifelt hat, ist wohl schon vor Herodot durch Eugammon von Kyrene, den Dichter der Telegonie, auf zwei griechische Baumeister der mythischen Zeit, Agamedes und seinen Stiefsohn Trophonios, übertragen worden (Pauly-Wissowa, Realencyclopädie 1, 719). Nach Charax von Pergamon (2.-3. Jahrh. nach Chr. bei C. Müller, Fragmenta historicorum Graec. 3, 637 fr. 6) bestahlen diese mit Kerkyon den Schatz des Königs Augeias von Elis, der ihnen auf Rat des Daidalos Schlingen legte; Trophonios köpfte den Vater und floh nach Lebadeia in Böotien. Nach Kallippos von Orchomenos dagegen (Pausanias 9, 37, 5) waren beide Diebe Brüder und beraubten den böotischen König Hyrieus. x) Daraus, daß Herodot nichts von der Klage der vorübergehenden Gattin berichtet, folgert Frazer (Pausanias translated 5, 179. 1898), daß Herodot die Sage in abgekürzter Gestalt überliefert. 2) Auf dieselbe Weise verunstaltet die listige Giovanna bei Imbriani, Novellaja florentina2 nr. 4 die betrunken gemachten Freier; desgleichen die diebische Nonne bei Pitre, Fiabe sie. 1, 209 nr. 23 und bei Prato, Earnpsinite p. 32. Auch Morolf (Salman und Morolf ed. Vogt S. 60 Str. 290. 315) schert zweimal seinen durch einen Schlaftrunk be- täubten Wächtern Platten. 192. Der Meister dieb. 397 Bis in die neueste Zeit ist Herodots Bericht wiederholt worden,1) doch hat das Märchen auch während des Mittelalters in Indien wie im Abendlande beträchtliche Abänderungen und Zusätze erfahren. Im 12. Jahrhundert taucht es in den okzidentalen Fassungen des Romans von den sieben weisen Meistern auf, für die G. Paris eine byzantinische Vorstufe annimmt ; obgleich es in der orientalischen Gruppe fehlt, über deren Erzählungen die Tabelle in der Historia Septem sapientum I ed. Hilka 1912 S. XXIV einen Überblick gewährt, scheint es doch durch eine indische Version be- einflußt zu sein, die bereits im 3. Jahrhundert nachzuweisen ist. Um 1190 verfaßte der lothringische Cistercienser Johannes in der Abtei Haute-Seille seine lateinische Bearbeitung 'Dolopathos s. De rege et Septem sapientibus', in welcher der zweite Weise die Geschichte vom Schatzhause vorträgt (ed. Oesterley 1873 S. 45 = ed. Hilka 1913 S. 49). Die Diebe sind nicht zwei Brüder, sondern (wie bei Charax) Vater und Sohn. Der alte Ritter, der früher den Schatzturm hütete, bricht, um seinem verarmten Sohne zu helfen, nachts mit diesem ein Loch in die Mauer und trägt Schätze davon. Der König erhält (wie bei Charax von Daidalos) von einem alten Räuber, dem er die Augen hat ausstechen lassen, listigen Rat: er läßt im Turm Gras verbrennen, um durch den Rauch das Einsteig- loch zu entdecken, dann einen Pechkessel darunter stellen, in den der Alte bis zum Kinn versinkt, den geköpften Leichnam durch die Straßen schleifen und an einem Gerüste aufhängen. Neu ist, wie J) Von Bearbeitungen seien hier genannt: Camerarius, Appendix fabularum Aesopicarum 1539 Bl. 40a. Bandello, Novelle 1, m\ 25 (1554). Ein Hinweis auf den 'ägyptischen Dieb' bei Shakespeare, Was ihr wollt V, 1. A. Albertinus, Lusthaus 1612 S. 154. Hossmann, Bestendigkeit ungeferbter Liebe 1613 S. 111. Zanach, D. Apoliphtes Historische Er- quickstunden 2, 557 (1616). Lauremberg, Acerra philologica 1650 1, nr. 44. J. Prätorius, Ausbund von Wünschelruthen 1667 S. 73. Vademecum für lustige Leute 1, nr. 109 (1767). Münch, Mährleinbuch für meine lieben Nachbarsleute 1799 S. 84 nr. 5. Platen, Der Schatz des Rhampsinit (1824). Heine, Rhampsenit (Romanzero 1851. Werke ed. Elster 1, 329). Mertens, Märchenspiele 1 (1880. Nach Platen). A, Kauders, Der Schatz des Rhampsinit (Oper. 1887). L. Winternitz, König Rhampsinit (Operette von V. Holländer 1891). — Noch in einer Erzählung von Ludwig Thoma (Der Postsekretär im Himmel u. a. 1914 S. 311) wird einem erschossenen Tiroler Wilderer, um seine Erkennung zu verhüten, von seinen Genossen der Kopf abgeschnitten und mit einer Strohpuppe eingesargt und feier- lich begraben. 398 192. Der Meisterdieb. der Sohn die Wehklagen der Seinigen beim Anblicke des Toten auf unverdächtige Weise zu erklären weiß ; er schneidet sich das erste Mal den linken Daumen ab und stößt dann sein Kind in den Brunnen. Auch berauscht er nicht die Wächter am Galgen, sondern reitet halb schwarz, halb weiß gekleidet mitten durch die schwarze und weiße Schar1) hindurch. Es fehlt dagegen die dem Mönche anstößige Preisgabe der Königstochter und ihre Vermählung mit dem Diebe. Diesen Schluß, in welchem die Prinzessin den Dieb durch einen schwarzen Fleck auf der Stirn zeichnet2) und ein Kind (in der ältesten indischen Fassung sein Kind) ihm ein Messer reicht, treffen wir erst in dem französischen Versromane an, den Herbert (Dolo- pathos ed. Montaiglon 1856 p. 183—220) um 1220 auf Grund der lateinischen Prosa verfaßte. Jünger ist die in den Altdeutschen Blättern 1, 136 veröffentlichte Verdeutschung des Dolopathos. — Weit kürzer lautet in den übrigen Fassungen des Romans von den sieben weisen Meistern3) die hier der arglistigen Stiefmutter *) Die zwanzig weißen und zwanzig schwarzen Reiter erinnern an die fünfzehn weißen und fünfzehn schwarzen Soldaten in dem Epigramme vom Josephspiel bei Riese, Anthologia latina 1, 2, 184 (Bolte, Euphorion 1, 362. Ahrens, Archiv für Kulturgeschichte 11, 132) und an einige Fassungen des Märchens vom klugen Knaben (Archiv f. s!av. Phil. 27, 623 J, die halb schwarze, halb weiße Kleidung des Meisterdiebes erinnert an den gleichen Anstrich, den Kapitän Thierichens im März 1915 seinem Hilfs- kreuzer 'Eitel Friedrich' gab, um unbemerkt durch die englische Flotte im Atlantischen Ozean hindurchzukommen. 2) Vgl. oben S. 1451. 3) G. Paris 1876 p. II und K. Campbell 1907 p. XXII. XXXV unter- scheiden fünf oder acht Gruppen : A. Liber de Septem sapientibus, aus dem Johannes Junior in der Scala celi (Goedeke, Orient und Occident 3, 408. Mussafia, Wiener SB. 57, 83) einen Auszug bietet. — B. Historia Septem sapientnm ed. Buchner 1889 p. 24. H. Fischer, Diss. Greifswald 1902 S. 115. Deutsch Augsburg 1473 (Simrock, Volksbücher 12, 148. 1865). Niederländisch 1479 (ed. Botermans 1898). Schwedisch: Klemming, Prosadikter frän Sveriges medeltid 1887—89 p. 127. Bäckström, Folk- böcker 1,23. Englisch: K. Campbell, The sevensages 1907p. 45 undLXXXV. Französisch: Paris, Deux redactions du roman des sept sages de Rorne 1876 p. 87. Katalanisch : Mussafia, Denkschriften der Wiener Akademie 1876. Cechisch, polnisch und russisch : Murko, Wiener SB. 122, 10 (1890) und Zs. f. vgl. Litgesch. 5, 29 (armenisch). Bulgarisch und serbisch : Murko im Rad jugoslav. Akad. 100 (1890). Russisch : Pypin, Ocerk S. 258, gedruckt 1780 von D. M. Culkov. Auch in den deutschen Gesta Romanorum ed. Keller 184L S. 113 und Grässe 1842 2, 180. Hans von Bühel, Dyocletianus ed. Keller 1841 v. 2041. Keller, Altdeutsche Gedichte 1846 S^ 72. H. Sachs, Der 192. Der Meisterdieb. 399 in den Mund gelegte Erzählung, in welcher der Kaiser oft Octavianus heißt, sein blinder Ratgeber ganz fehlt und der Jüngling bei den Wehklagen seiner Schwestern sich ein Messer in den Schenkel stößt, alles Weitere aber wegfällt. — ■ In der französischen 'Histoire du chevalier Berinus' (R. Köhler 1, 20C. Clouston, Pop. tales 2, 103. 126. Paris, Revue 55, 166) gerät Berinus, der vom Sohne des Baumeisters des Kaisers Philipp das Geheimnis des beweglichen Steines erfahren hat, in das Pechfaß und bittet seinen Sohn Aigres, ihm das Haupt abzuschlagen; dieser raubt den Leichnam vom Galgen und schleicht zum Bett der Prinzessin Nullie, wird aber mit schwarzer Farbe an der Stirn gezeichnet. Bei dem Florentiner S er Giovanni,1) der im Pecorone 9, nr. 1 den Vorfall nach Venedig verlegt, dringt der Baumeister Bindo selber mit Hilfe des verschieb- baren Steines in das Schatzhaus ; sein Sohn Ricardo verscheucht in Teufelskleidung die Wächter des Leichnams, stiehlt das frische Kalbfleisch, erschlägt den spionierenden Bettler, dem seine Mutter ein Stück davon gegeben hat, und schwärzt, als die Tochter des Dogen ihm einen Strich ins Gesicht macht, auch die andern Jüng- linge. In dem altniederländischen Gedicht 'De Deif van Brügge' (ZfdA. 5, 385) plündern zwei Diebe aus Paris und Brügge den Schatz des Königs von Frankreich ; der Brügger köpft den gefangenen Genossen, haut sich in die Hand, als dessen Frau beim Anblick der Leiche jammert, bringt den Wächtern einen Schlaftrunk bei und zieht ihnen Mönchskutten an und entgeht wie bei Ser Schatzturm 1532 (Fabeln 3, 86 nr. 28. Stiefei, Studien z. vgl. Litgesch. 2, 173). — C. Li romans des sept sages ed. Keller 1836 p. 111; danach die Prosaauflösung bei G. Paris 1876 p. 34. — D. Versio italica, lateinisch ed. Mussafia, Wiener SB. 57, 107. Italienische Fassungen ed. Della Lucia 1832, Capelli 1865, Rajna (Storia di Stefano 1880 p. 89), Roediger 1883, Cesari 1896. Erasto 1546 c. 15. — E. Roman des sept sages (Prosa) bei Loiseleur, Essai sur les fahles indiennes 1838 2, 29. II libro dei sette savi ed. A. D'Ancona 1864 p. 27, Varnhagen 1881. — Die von Campbell p. LXXXVI angeführte Novelle bei Sansovino, Cento novelle scelte 1561 p. 105 (III, nr. 4) finde ich in der Ausgabe von 1571 nicht. x) Gubernatis, Florilegio p. 181 = Keller, Ital. Novellen schätz 1, 167 = Ulrich, Romanische Schelmennovellen 1905 S. 93; vgl. R. Köhler 1, 203 und Gorra, Studi di critica letteraria 1892 p. 296. — Auf dieser No- velle, die Painter 1566 im Palace of pleasure 1, nr. 48 übertrug, beruht das 1591 in London gespielte englische Drama 'Bendo and Richardo', das 1626 englische Komödianten in Dresden u. d. T. 'Der behende Dieb' auf- führten (Dessoff, Studien zur vgl. Litgesch. 1, 420). 400 192. Der Meisterdieb. Giovanni der Entdeckung durch die Prinzessin. Tragisch1) endet der Meisterdieb dagegen bei Sercambi, Novelle ed. Renier 1889 p. 206 nr. 58 'De latrones et bona iustitia'; nicht bloß der im Leim- kübel gefangene Bovitoro findet seinen Tod, sondern auch sein Bruder Belluccio, obwohl er, um die Wehklagen der Frauen zu er- klären, sich in die Hand schneidet. Neuere Aufzeichnungen aus dem Volksmunde liegen vor aus Tirol bei Zingerle 2, 300 'Die zwei Beutelschneider' (der preußische Beutelschneider wird in der auf den Rat eines blinden Diebes auf- gestellten Falle gefangen ; der polnische köpft seinen Kameraden, stiehlt den Leichnam vom Galgen, fängt den Hirsch mit vergoldeten Hörnern, gibt dem blinden Bettler von der Hirschsuppe und löscht die Rötelstriche an seiner Tür aus). Aus dem Odenwald bei Wolf, Hausmärchen S. 397 'Vom Räuberhauptmann Hans Kühstock' (hat einen Stock, vor dem alle Türen aufspringen; stiehlt Ochsen, köpft seinen Gesellen und holt den Leichnam). Aus Oberbayern bei Sepp S. 574 nr. 157 'Die Schatzkammer und der listige Dieb'. Aus Unterfranken bei Spiegel 1914 nr. 24 'Des Königs Schatzkammer' (die Falle faßt nur die Hand des Lurz ; Hans trägt den Verwundeten heim, liest die im Festsaale ausgestreuten Goldstücke auf, indem er seine Sohlen mit Pech bestreicht, küßt das Mädchen und färbt die andern im Gesicht). Aus dem Harz bei Pröhle, M. für die Jugend nr. 38 'Der Maurerlehrling' (schneidet dem gefangenen Meister den Kopf ab und stiehlt den Rumpf vom Galgen) und Pröhle, KVM. S. 144 nr. 48 'Der König von Papierland und von Kummerland' (Student, der einen Tarnmantel, Weisheitsring und eine Spring- wurzel besitzt, plündert die Schatzkammer und küßt die Königs- tochter). Aus Schlesien bei Arnim 1, 27 nr. 5 'Der Räuberprinz' (Prinz als Hutmachergesell und Tischler; Fallbeil in der Schatz- kammer ; Pantoffel und Nachthaube der Prinzessin gestohlen ; schwarzes Zeichen auf der Stirn), Aus Holstein bei Wisser, Plattd. Vm. S. 285 'De Könissöhn' (drei Proben beim Räuberhauptmann: Ochse, grünes Tuch, Müllertochter; alle Räuber bis auf den Haupt- mann werden erschossen; der Prinz erhält einen Zauberriug, bestiehlt als Schusters;eselle mit dem Meister den königlichen *) So auch in dem unten erwähnten schottischen Märchen und in den orientalischen Fassungen von Day, Müller (Mehri-Sprache) und Basset. 192. Der Meisterdieb. 401 Schatz, köpft den Gefangenen, stiehlt den Leichnam und legt sich zur Königstochter). Aus Pommern bei Jahn 1, 266 nr. 52 'Die russische Finetee und die russische Galethee' (des Prinzen Probestücke bei der Eäuberbande; er öffnet mit seiner Zauber- gerte die Mauern der Schatzkammer und macht sich mit einer Kugel im Munde unsichtbar; schneidet dem Schuhmacher, den die Soldaten über die Mauer ziehen, den Kopf ab, küßt die Prinzessin). Aus Westpreußen bei Behrend nr. 10 'Der geschickte Prinz' (lernt bei einem Diebe stehlen, vertauscht zwei Ehepaare, bricht in die Schatzkammer, köpft den gefangenen Gesellen, stiehlt seine Leiche und der Prinzessin Hasen und Hing). — Dänisch: Etlar 1847 p. 165 = 1891 p. 30 'Klaus Skolemester' (R. Köhler 1, 208. 251). Grundtvigs hsl. Register nr. 80 'Kongens skatkammer'. Kristensen, Aev. 2, 49 nr. 7 'Klted' stejle'. 2, 63 nr. 8 'Karlen, der kom til at kleede Stejle'. 2, 74 nr. 9 'Den listige Prins'. Kristensen, Fra Bindestue 2,97 nr. 18 'Prinsen, der klsedte Stejle'. — Schwedisch: Aberg nr. 218 'Banktjufven'. — Norwegisch; *M. Moe, Eventyrlige sagn p. 576. — Isländisch: Rittershaus S. 451 nr. 127 'Rikkur, der listige Baumeister'. — Schottisch: Campbell, West Highlands2 1, 330 nr. 17d 'The shifty lad, the widow's son'; vgl. B. Köhler 1, 198 (Orakel in der Kirche, Probestücke des Diebes, Einbruch im Schatzhause mit einem Zimmermann, Pechfaß, Schwein soll die Leiche aufscharren, Tanz mit der Prinzessin, ein Kind reicht dem Diebe den Apfel). — Irisch: Larminie p. 106 'Jack' (stößt den Schneider tief ins Pech und schneidet sich in den Finger, als die Frau beim An- blick der Leiche aufschreit).1) — Französisch: Luzel, C.deBasse- Bretagne 3, 351 'Le voleur avise' = Melusine 1, 17 (Efflam hat Bäubern einen Zaubermantel, Tarnhut und Gamaschen weggenommen). Luzel 3, 367 'Variante' = Melusine 1, 23 (ähnlich dem Dolopathos). *) Vorher foppt Jack die ehebrecherische Bäurin, deren Buhlen und den Bauer, wie bei Hans Sachs (Fabeln 5, 181. Zs. f. vgl. Litgesch. 7, 463) der verschlagene Bauernknecht. Vgl. Rosenhagen, Die Heidelberger Hs. Pal. germ. 341 1909 S.20Ö 'Der geäffte Pfaffe'; Haltrich4 nr. 60 'Der lose Knecht'; Branky, Zs. f. dt. Phil. 8, 84; Blümml, Beiträge zur Volksdichtung 1908 S. 121 nr. 21; Bunker 1906 nr. 6 'Der gescheite Hans' = ZfVk.7,310; Busch, Ut 61er Tid S. 63 'Der kluge Knecht' ; Wisser, Plattdeutsche Vm. S. 111 'Sülbn verraden'. Kristensen, Aev. 3, 365 nr. 67 'Den slemme Jens'. Berntsen 1, 191 nr. 24 'Mikkel'. Grundtvigs hsl. Register nr. 99 'Prsesten pä eeventyr' und Aarnes Register nr. 1725. Zanazzo p. 293 'Caroso'. Chauvin 6, 178 nr. 340. Grimm, Märchen-Anmerkungen III. 9Q 402 192. Der Meisterdieb. Revue des trad. pop. 10, 205 'Le filou de Paris et le filou de Madrid' (die Schwester des getöteten Diebes gibt zwei Frauen das Gehirn desselben als Heilmittel für den kranken König, doch der Madrider bringt die Frauen um und bringt ihr Hirn dem Könige). — Italienisch: Comparetti nr. 13 'Crich e Croch' = Heyse S. 47. Pitre, Novelle toscane p. 222 'Cricche Crocche'. Gradi, Saggio p. 105 'Cricche, Crocche e Manico d'uncino'. Coronedi-Berti nr. 2 'Lira e Mezalira' (Propugnatore 7, 1, 194) = 1883 nr. 37. Pitre, Fiabe sie. 3, 205 nr. 159 'Mbroglia e Sbroglia'. 3, 210 nr. 160 'Lu muraturi e so figghiu' = Crane p. 163 nr. 44. Gubernatis, Florilegio p. 167 'I tre ladri' (Einbruch in die Münze) = Prato 1882 p. 1. *A. Bartoli, Una novellina e una poesia gragnolesi (Firenze 1881). — Portu- giesisch: *Consiglieri Pedroso, Ensaios criticos 3, 5 (1881) '0 ladräo fino'. — Maltesisch: Hg 1, 84 nr. 25 (s. oben). — Griechisch: Sakellarios, KvTiQiaxd 3, 157 nr. 6 = Liebrecht, Jb. f. roman. Lit. 11, 367 nr. 6 'Der Meisterdieb' = Legrand p. 205 = Garnett 2, 400 (Probestücke ; Oheim und Neffe im Schatzhause, Pechkessel, Leiche entführt, Goldstücke an den Sohlen, Kamel geschlachtet, Königstochter, Totenhand). Kretschmer nr. 16 'Der Meisterdieb' (aus Lesbos. Probestücke; Oheim und Neffe im Schatzhause, Pechkessel, Leiche entführt; der begnadigte Dieb holt als Todesengel verkleidet einen andern König im Koffer). Kretschmer, Lesb. Dialekt 1905 S. 481 nr. 3. — Rumänisch: S^äinenu p. 70 — 78. Ispirescu nr. 34. — Serbokroatisch: Bos. nar. pripov. S. 40 nr. 11. Bos. Vila 2, 92. 10, 331. — Bulgarisch aus Mazedonien: Sbornik min. 11, 110. 112. §apkarev S. 412 nr. 247. — Großrussisch: Sibarsa und Iwan der Schreckliche. Russkij Archiv 1863, nr. 5 — 6. Wesselofsky in Drevnjaja i novaja Rossija 2. Jahrg. 1, nr. 4 S. 317 — Melusine 1, 136 = Clouston 2, 139; vgl. Galachov, Istorija rus. slov.3 1, 442. Aus Gouv. Archangelsk: Oncukov S. 68 nr. 17. S. 157 nr. 59. Gouv. Olonetz: ebd. S. 420 nr. 168. S. 396 nr. 160. Etnograf. Obozr. 57, 161. Gouv. Tomsk: Zap. Krasnojarsk. 1, 97 nr. 50 = v. Löwis S. 286 nr. 49. Afanasjev3 2, 348 nr. 219h. — Weißrussisch aus Gouv. Minsk: Sejn 2, 203 nr. 95. 96. Gouv. Mogilev: Romanov 3, 4L0 nr. 19. Mater, kom. je^zyk. 2, 82. — Kleinrussisch aus Nord- ungarn: Verchratskjrj S. 165 — 168. Etnogr. Zbirnyk 3, 195 nr. 30. 9, 98 nr. 56. Galizien: Sadok Baracz S. 242. Etnogr. Zbirnyk 8, 17 nr. 5. 8, 141 nr. 73. Zdziarski, Gars6 S. 21 nr. 13. Ukraina : Cubinskij 2, 601 nr. 80. Etnogr. Zbirnyk 14, 285 nr. 56. Malinka 192. Der Meisterdieb. 403 S. 339 nr. 57. — Polnisch: Ciszewski S. 256 nr. 204 Gonet S. 227 nr. 2. CheJchowski 1, 246 nr. 39. — Kaschubisch: Gryf 1, 158. 165. Lorentz, Teksty S. 366 nr. 472. — Öechisch: Pfihoda nr. 23 (dem Prinzen ist prophezeit, daß er im 18. Jahr gehängt wird). Kubin, Podkrkonosi zap. nr. 56. Aus Mähren: Poh. a pov. nas. lidu S. 24 nr. 12. Bayer 2, 57 nr. 17 (drei Raben prophezeien, daß dem Prinzen der Gralgen in Spanien bestimmt ist). Tille S. 71 nr. 28. Revue des trad. pop. 23, 161. — Slowakisch: Cod. divers, auct. A 93, nr. 34. Czambel S. 253 nr. 139. — Lettisch: Böhm nr. 50 'Der Königssohn als Meisterdieb' = v. Löwis 1916 S. 105 (Graben voll Pech ; Kinder verbrüht, als sie beim Anblick der Leiche schreien, Bock gekocht, Goldstücke an den Sohlen; Dieb fällt in das Loch vor der Schlafkammer der Prinzessin und ruft Feuer). Böhm S. 122f. (zwei Varianten). — Finnisch: Aarnes Register nr. 950. — Magyarisch: Horger nr. 38 = Röna-Sklarek 2, 180 nr. 15 (Tier- schwäger). — Zigeunerisch aus der Bukowina : Constantinescu nr. 6 = Groome nr. 11 (oben S. 386). Aus Serbien: Gjorgjevic 2, 101. — Türkisch: Künos, Adakaie S. 261 nr. 39. — Gagausisch: Radioff 10, 135 nr. 74 (Bruchstück). — Mingrelisch: Mourier p. 51 nr. 3 = Magazin f. d. Lit. des Auslandes 1883, 541. Wardrop, Georgian folk tales p.89nr. 14 'The two thieves'. — Im eretinisch: Sbornik Kavkaz. 24, 2, 53—56. — Armenisch: ebd. 42, 2, 53 nr. 8. — Tatarisch: Radioff 3, 332 'Eshigäldi' (verübt Streiche des Bürle, oben 2, 16 und des Trubert, stiehlt hingelegtes Geld durch leim- bestrichene Sohlen, schlachtet das Kamel, tötet die Spionin, läßt der Fürstentochter eine Leichenhand zurück, bringt den feindlichen Fürsten und seine Frau im Kasten). 4, 193 'Der Dieb' (stiehlt dem Eierdiebe die Hosen ; Leimgefäß ; die weinende Mutter des Toten zerbricht ihren Milchtopf; der Dieb des Geldsackes färbt wie im Dolopathos seine eine Seite weiß, die andre schwarz, entführt des Fürsten Tochter, schlachtet desselben Kamel, fängt die Alte, die das Fleisch aufgefunden, und bringt einen feindlichen Fürsten und seine Frau im Sacke) = Prato 1882 p. 14. In Indien ist der ägyptisch-griechische Meisterdieb zu einer Inkarnation Buddhas geworden1), wie eine Erzählung des um 266 l) Im 305. Jätaka (Cowell 3, 12) freilich erhält der Bodhisätta die Tochter des Brahmanen, die dieser dem besten Diebe unter seinen Schülern versprochen hat, weil er das Stehlen für Sünde erklärt. 26* 404 192. Der Meisterdieb. ins Chinesische übersetzten Werkes 'Cheng king' lehrt, die Huber im Bulletin de l'Ecole francaise d'Extreme-Orient 4, 701 u. d. T. 'Le tresor du roi Rhampsinite' mitgeteilt hat. Als ein Dieb mit seinem Neffen durch einen selbstgegrabenen unterirdischen Gang das Schatzhaus des Königs plündert, stellt dieser Wächter auf, die beim nächsten Versuche den Oheim festnehmen. Der Neffe schneidet ihm den Kopf ab, verbrennt den in den Straßen herumgefahrenen Rumpf, auf den er zwei Karren mit Brennholz stürzt, und raubt nach Be- rauschung der Wache auch die übrig gebliebenen Gebeine. Da setzt der König seine Tochter in eine Laube am Fluß ; trotz der auf- gestellten Soldaten schwimmt der kecke Jüngling auf einem Baumstamme herzu, büßt seine Lust und läßt, als die Prinzessin ihn festhalten will, den Arm eines Toten zurück. Später, als der von der Königstochter geborene Knabe herumgeführt wird, reicht er ihm, als Bäcker verkleidet, Kuchen und entführt ihn der trunken gemachten Amme. Er tritt in den Dienst eines andern Königs und erhält auf dessen Fürwort die Hand der Prinzessin. (Vgl. Chavamus nr. 379.) Ganz ähnlich lautet die ebenfalls aus indischer Quelle geflossene Fassung im tibetischen Kandjur 3, 132 bei Schief ner, Bull, de l'acad. de St. Petersbourg 14, 299 = Melanges asiatiques 6, 163 — Ralston, Tibetan tales p. 37 nr. 4 'The clever thief ; nur tritt hier die Rolle des Knaben, der dem unbekannten Vater einen Kranz reicht (wie oben 1, 486, im französischen Dolopathos und im schottischen Märchen bei R. Köhler 1, 200), deutlicher hervor. Bei Somadeva, Kathäsaritsägara 10, c. 65 (Tawney 2, 93 — Co well, Journal of philology 1, 67 = Schiefner, Melanges asiat. 6, 171), der den Schatzraub ganz fallen läßt, wird Karpara hingerichtet, weil er bei der Königstochter liegend entdeckt worden ist; sein Freund Ghata beklagt ihn, indem er doppelsinnig seinen zerbrochenen Milchtopf Karpara (Scherbe) an- redet, betäubt die Wächter des Leichnams durch vergiftete Speise und Zaubersprüche und entflieht mit der Königstochter. Entfernter steht eine von Hertel (ZdmG. 61, 60; vgl. Hertel, Pancatantra 1914 S. 306) aus einem südindischen Text des Pancatantra III. 8 übersetzte Geschichte 'Der Räubersohn befreit das Haupt seines hingerichteten Vaters'. Das Abenteuer mit der Prinzessin fehlt dort und ebenso in einer neueren Fassung aus Ceylon (The Orientalist 1, 56. 1884), wo das Steckenbleiben des älteren Räubers im unter- irdischen Gange wie in der Tierfabel oben 2, 109 f. mit seinem Dickfressen erklärt wird; sein Sohn enthauptet ihn und läßt sich, 192. Der Meisterdieb. 405 als die Mutter den Leichnam durch die Straße schleifen sieht, vom Baume herabfallen. Aus Bengalen bei Day p. 174 'Adventures of two thieves and their sons' : der Dieb entwendet das Halsband der schlafenden Königin, nachdem er ihre Dienerin geköpft hat, und das goldbeladene Kamel, wird aber durch einen als Frau verkleideten andern Dieb entdeckt und lebendig begraben1). Eine Erzählung aus Mirzapur 'The piety of the brahman' (North indian notes and queries 3, 65 nr. 132) beginnt wie 'der Arme und der Bleiche' (oben 2, 210); aber der arme Brahmane geht in seiner Gastlichkeit gegen die bei ihm eingekehrten Götter Mahadeva und Paramesvara so weit, daß er nachts mit seinem Sohne bei einem Geldwechsler einbricht und, als sein Sohn festgehalten wird, diesen köpft. — Neu ara- mäisch: Lidzbarski S. 241 nr. 14 'Der Meisterdieb' (oben S. 387). Prym-Socin, Tür-Abdin 2, 170 nr. 42 (oben S. 387). — Arabisch in einem Buche von 'Ali az Zibaq (Beirut 1866) — Nöldeke, ZdmG. 42, 70 (Onkel und Neffe, die Mutter läßt am Leichnam ihren Krug fallen). D. H. Müller, Mehri- und Soqotri-Sprache 2, 84 nr. 15 'Der Unglückssklave' (verleitet seinen Herren zum Diebstahl, stiehlt des Sultans Kamel, tötet die Spionin, wird aber endlich entdeckt und hingerichtet). Hein, Mehri-Texte S. 32 'Zwei Diebe' (Kamel ge- stohlen, Zeichen am Hause vervielfacht) und 58 'Die beiden Diebe' (Eier dem Vogel und dem Diebe gestohlen; Schatzhaus, Topf zer- brochen, Kuh). Rhodokanakis, Dofär S. 21 nr. 4 'Die drei diebischen Brüder' (Ei, Kamel, Widder gestohlen, Spionin getötet; Geldgrube, Honigbrunnen; Leiche geraubt; Sultanstochter, Zeichen am Tor, Bart mit Petroleum bestrichen, Schmuck der Sultansfrau). — Aus Nordafrika: Artin-Pacha p. 201 nr. 17 'Souheim-el-leyl' (nimmt wie Trubert an den Räubern Rache, stiehlt das Kamel des Kadi, vervielfacht das Zeichen an seiner Tür und erschreckt als Azrael den Sultan). Maspero, Une Version arabe du conte de Rhampsinite (Journal asiatique 8. serie 6, 149. 1885. Stammt aus seinen eignen l) Entfernte Ähnlichkeit hat die von Clouston 2, 152 damit ver- glichene Geschichte im persischen Bahär-i Danush (transl. by J. Scott 2, 225), wo der Dieb den goldenen Fisch unterm Kopfkissen des Königs stiehlt und beim Vergraben von einem andern Diebe belauscht wird, den er dann beim Könige verklagt; vgl. Knowles p. 297 'The day- thief and the night-thief. Der Dieb an Stelle des Haussklaven am Bette des Paschas auch bei Chauvin 5, 253. 8, 149; Künos, Stambul S. 290 = Ulrich, Schelmennovellen S. XXIV. 406 193. Der Trommler. Contes de l'Egypte ancienne). J. A. St. John, Tales of the Ramadhan 3, 67 = Clouston, Pop. tales 2, 480. *Mornand, La vie arabe 1856 p. 123 (Revue des trad. pop. 6, 454). Rochemonteix, Oeuvres div. p. 439 'Les voleurs du tresor royal' = Journal asiatique 8. Serie 13, 220. Largeau, Flore Saharienne 1879 p. 28 'Histoire d'un ruse voleur'. Socin-Stumme, Houwära nr. 9 (Abh. der sächs. Akad. 36, 107) 'Pfund und Halbpfund' (Eier dem Vogel und dem Diebe ge- stohlen ; Schatzhaus, Pechkessel ; Geld an den Sohlen, Goldkugel, Strauß gestohlen, Zeichen an der Tür vervielfacht, Bart geschoren). Stumme, ZdmG. 48, 394 nr. 2 'Von den Menschen und den Tieren, die er aus dem Brunnen hervorzog' (vermischt mit dem bei Benfey, Pantschatantra 1, 392, Chauvin 2, 106 und Hertel, ZdmG. 61, 24. 70 besprochenen Märchen; die dankbare Ratte bestiehlt das Schatzhaus, der undankbare Mensch verrät den Retter, die dankbare Schlange umschnürt das Kind des Königs ; vgl. Stumme, Tazerwalt 1895 S. 207). Basset, C. berberes 2, 149 nr. 113 'L'adroit voleur' (Eier, Schatzhaus, Teerkessel ; Leiche und Strauß gestohlen ; aber die Spionin macht den Dieb ausfindig, und er wird gehängt). Riviere p. 13 nr. 3 'Les deux freres' (schlafender Sperber gestohlen und wieder ins Nest gelegt; Schatz- haus, Falle; die Mutter wirft den Krug hin; Leiche, Goldstücke an den Füßen der Kamele, Gazelle gestohlen ; Spionin getötet ; Bart halb abgeschnitten). Laoust, Dialecte berbere du Chenoua p. 186 nr. 19 'Histoire d'un voleur'. isse s. 26i. 193. Der Trommler. 1843 nr. 193. Nach einer Erzählung aus dem Eichsfeld, die Karl Goedeke (geb. 1814, gest. 1887) den Brüdern Grimm mit- geteilt hatte. Es sind hier zwei verschiedene Märchen zusammengeschweißt, erstens die gewonnene, entflohene und wieder aufgesuchte Schwan- jungfrau, zweitens das oben 1, 442. 2, 517 charakterisierte Märchen von den mit Hilfe der Liebsten gelösten Aufgaben der Hexe und dem Vergessen der Braut. Den Anlaß zu dieser Verbindung hat vermutlich eine Fassung des zweiten Märchens ge- geben, in welcher der Held auf dem Wege zum Unhold sich den Beistand der jüngsten Tochter des Dämons dadurch zu sichern sucht, 193. Der Trommler. 407 daß er der Badenden das Schwan- oder Entengewand raubt und erst gegen das Versprechen ihrer Hilfe zurückgibt. Solche Fassungen sind oben 2, 517 zu nr. 113 mehrfach aufgeführt. Wir unterscheiden folgende Teile: A) Der Held raubt einer badenden Schwanjungfrau ihr Federgewand und gewinnt sie zur Frau. — B) Die Frau findet das versteckte Gewand und entflieht in ihre Heimat (zum Glasberg). — C) Der Held folgt ihr und ge- winnt sie wieder, nachdem er (C1) Hilfe von Riesen oder Vögeln und verschiedene Wunschdinge (Sattel, Hut, Mantel, Stiefel, Schwert) erhalten (wie in nr. 92. 93) oder (C2) Aufgaben (wie in nr. 113) gelöst hat. — C3) Bisweilen auch gemeinsame magische Flucht. Deutsch: Musäus 3, 112 (1784) 'Der geraubte Schleier' (ABC; ein Eremit, der selbst die geliebte Schwan Jungfrau verloren, unterweist den Helden).1) Schwäbisch: E.Meier nr. 7 'Von drei Schwänen' (AB; Erlösung durch Peinigung während dreier Nächte, wie in Varianten unsrer nr. 93). F. Kauffmann, Geschichte der schwäbischen Mundart 1890 S. 348 (A B C1, hilfreiche Tiere. Aus Horb). Oberpfalz: Panzer 2, 120 (A, Fortsetzung entstellt). Tirolisch: Zingerle l2, 191 nr. 37 'Der gläserne Berg' (ABC1"2) — Panzer 2, 122. He an zisch: Bunker nr. 73 'Schwanhild' (vgl. Veckenstedt, Wendische Sagen S. 127). Siebenbürgisch: Haltrich nr. 5 'Die Schwanenfrau' (ABC1). Odenwald: Wolf, Hausmärchen S. 217 'Von der schönen Schwanenjungfer' (Verbot, von der Braut zu sprechen, wie im Lai de Lanval oben 2, 327; der Vogel Greif trägt den Helden zur 'finstern Welt' empor; Peinigung während dreier Nächte). Hessisch: Hoffmeister S. 58 'Vom Glas- berge' (ABC1,2). Böhmisch: Vernaleken nr. 47 'Die drei weißen Tauben' (ABC2; der befreite Drache schenkt dem Helden drei Leben, hilfreiches Pferd); nr. 48 'Die Jungfrau auf dem gläsernen Berge' (drei Enten; ABC2; hilfreiche Tiere) ; nr. 49 'Wie Hans sein Weib findet' (ABC2-3; Verwandlungen auf der Flucht); nr. 50 J) Vgl. E. Jahn, Musäus 1914 S. 30. Vogl schließt seine Ballade 'Die Schwanenjungfrau' (1851 S. 43i) wie die schwedische Sage bei Afzelius mit der Flucht der Heldin. In einem Gedicht F. Kinds 'Ottern- königs Töchterlein' (Gedichte 1817 2, 288), das Zuccalmaglio in einem angeblichen Volksliede 'Kronschlänglein' (Kretzschmer 1, 77 = Erk- Böhme 1, 34 nr. 13a) nachgeahmt hat, raubt der Held der badenden Schlangen Jungfrau ihr Krönlein, und sie behält nun menschliche Ge- stalt und wird seine Frau. 408 193. Der Trommler. 'Der Trommler' (drei Tauben; ABC1,2'3). Niederrheinisch: Simrock, Der gute Gerhard 1856 S. 68 'Der gläserne Berg' (ABC2; ein Vogel trägt empor), vgl. S. 144 =■ Simrock, Märchen nr. 65. Holsteinisch: Wisser 3, 5 = Niedersachsen 11, 353 'De twölf Swön' (Hans belauscht die im Weizenfeld tanzenden Jungfrauen, erhält für den geraubten Mantel einen Wunschbeutel und erlöst jene mit Hilfe eines redenden Schimmels). Pommerisch: Knoop 1885 S. 104 'Der Hühnerberg' (ABC2). Westpreußisch: Behrend S. 81 'Die beiden Schwäne' (ABC2; Ring statt Gewand). Ost- preußisch: Lemke 2, 188 'Der junge Kaufmann und die Schwanen- jungfrau' (ABC2; hilfreiche Tiere, magische Flucht, vergessene Braut); 2, 204 'Der Jäger und die Schwanenjungfrau' (ABC2; hilf- reiche Tiere). Vlämisch: De Mont en de Cook, Wondersprokjes p. 84 'De Koning van Zevenbergen' (vgl. oben 2, 518). — Dänisch bei Mol- bech nr. 47 'Den nedtraadte Ager' (A B C). Grundtvigs hsl. Register nr. 1 'Prinsesse i federham' (vermischt mit unsrer nr. 92 — 93). Grundtvig Folkeaev. 2, 19 'Jomfru Lene af Sondervand' = Strodt- mann 2, 24 (A B C1. Die Schwanjungfrau kommt nach einem Jahr am Johannistage, um Hochzeit zu halten, kehrt aber um, weil der König zugegen ist). Berntsen 2, 129 nr. 18 'Svanehammen' (A B C1). Kamp 1, 176 nr. 17 'Slottet det gyldne guds lam' (AB C1). Kristensen, Aev. fra Jylland 1, 1 nr. 1 'Prinsessen i Babylonien' ; nr. 2 'Det forgyldte Taarn ved Verdens Ende'; nr. 3 'Prinsessen med 0nske- ringen'. Kristensen, Danske folkesev. nr. 29 'Prinsessen pä Verdens osterligste slot'. — Schwedisch: Afzelius, Sagohäfder 2, 143 = Afzelius - Ungewitter 2, 301 'Die geflügelten Elfen' (AB).1) Hylten- Cavallius nr. 8 'Das schöne Schloß östlich von der Sonne, nördlich von der Erde' (drei Taubenjungfrauen zertreten die Wiese; ABC1). Riegel, Die Quellen von W. Morris' Dichtung The earthly paradise, Erlangen 1890 S. 41. Aberg nr. 220 'Lisa, som bodde norr om solen och söder om jorden'. 221 'Vatugärdsslott'. Allardt nr. 119 'Pojken, *) Diese bei J. Grimm, Myth.3 S. 1216 und in den *Nederlandsche Volksoverleveringen (Groningen 1845; nach J. W. Wolfs Nid. Sagen) S. 217 angeführte schwedische Fassung wird vom Baron Reiffenberg (Le Chevalier au cygne 1846 1, LXU) und von F. H. von der Hagen (Die Schwanensage, Abh. der Berliner Akademie 1846 S. 549) irrtümlich dem 1489 verfaßten 'Dialogus de lamiis et pythonicis mulieribus' des Konstanzers Ulrich Molitoris zugewiesen. 193. Der Trommler. 409 som blef gift med en förtrollad prinsessa'. Hackmans Register nr. 400. — Norwegisch: Jansson nr. 12 = Stroebe 2, 253 'Südlicher als Süden und nördlicher als Norden und in dem großen Goldberg' (drei Tauben im Weizenfeld, A C1). Olsen p. 159 'Daverdana av Egreteland' AC1; Stelldichein dreimal verschlafen, oben 2, 336). Skar 6, 58 'Sol ramme' (A). — Isländisch: Rittershaus S. 211 nr. 50 'Die Burg östlich vom Mond und nördlich von der Sonne' (ABC; drei Schwanjungfrauen holen nachts die Blumen fort ; der Held fragt Vögel und Winde). — Färöisch: Jakobsen S. 421 nr. 45 'KongarikiÖ verÖsins endi' (AB C). Zs. d. V. f. Volkskunde 2, 15 nr. 18 'Das Seehundweibchen' (AB). — Englisch von den Shet- lands-Inseln : Hibbert, Description of the Shetland islands 1822 p. 569 = Keightley-Wolff, Mythologie der Feen 1828 1, 280 'Die verheiratete Meermaid' (Seehundsfell geraubt; AB). Aus Sutherlandshire : *J. Macdonald, Religion and myth. 1893 p. 191 = Frazer, The golden bough3 7, 2, 131. — Irisch: Folk-lore Journal 1, 316 'Grey Norris1 (A; oben 2, 520). — Französisch: Luzel bei Sebillot, Folklore de France 3, 207. Luzel, C. de Basse-Bretagne 2, 349 'Pipi Menou et les femmes volantes' (A). Die schon oben 2, 520 angeführten Märchen bei Luzel 2, 355; Cosquin 2, 9 nr. 32; Revue des trad. pop. 9, 170; Gittee p. 7. Entstellt bei Carno}r, C. francais p. 120 'Le fidele serviteur'. — Rätoromanisch: Decurtins 2, 40 = Jecklin 1, 134 'Die Schwanenjungfrau'. — - Italienisch: Schneller nr. 13 'Die Heirat mit der Hexe' (B C ; statt des geraubten Schwanenkleides die Bedingung, die Gattin nie bei Kerzenlicht anzusehen) und nr. 27 27 'Die drei Tauben' (oben 2, 520). Comparetti nr. 50 'L'isola della felicitä' (ABC) = Heyse S. 87, vgl. R.Köhler 2, 412. Prato, Una novellina popolare monferrina, Como 1882 p. 15 (A), dazu p. 44 — 59. Gonzenbach nr. 6 'Von Joseph, der auszog sein Glück zu suchen' (ABC; Einleitung wie in 1001 Nacht, wo ein Vogel den in eine Tierhaut eingenähten Helden auf den Diamantberg trägt), vgl. ZfVk. 6, 61. Pitre, Fiabe sie. 1, 410 nr. 50 'Dammi lu velu' (ABC) = Kaden S. 107 = Crane p. 77. 344. Imbriani, Nov. fior2. p. 411 'El re del sol' (A), s. oben 2, 520. Finamore 1, 87 nr. 19 'Lu fijje de lu marenare'. — Spanisch: 'El marques dei Sol' (oben 2, 521). — Portugiesisch: Consiglieri nr. 8 'The spell-bound giant' (Einleitung wie 1001 Nacht). — Baskisch: Webster p. 120 (oben 2, 521). — Griechisch: Hahn nr. 15 'Von dem Prinzen und der Schwanenjung- frau' = Pio p. 76 = Kretschmer nr. 61 = Geldart p. 88 (Einleitung 410 193. Der Trommler. wie in 1001 Nacht ; ABC). Hahn nr. 54 'Der Jüngling, der Teufel und seine Tochter' (oben 2, 521). B. Schmidt S. 133 'Die Nera'ide' (A B). Nationalzeitung 1890, 9. Mai nr. 264. NeoeAZ^viuu 'AvdXsKia 1, 56 nr. 11 'Der Sohn der Witwe' = Garnett 2, 219 (R. Köhler 1, 374). Georgeakis p. 11 'Le mont des cailloux' (ABC). — Alba- nisch: Dozon p. 83 nr. 12 'La loubie et la belle de la terre' = Leskien, Balkan S. 216 nr. 49 (entstellt). — Eumänisch: Schott S. 199 nr. 19 'Der verstoßene Sohn' (A B C1). §äinenu p. 264 'Tipulü Neraida'. — Serbokroatisch: Stefanovic S. 135 nr. 16 = Ostojic — 8. 91 nr. 17 — Jagic nr. 49 'Der Prinz und die drei Schwäne' (Archiv f. slav. Phil. 5, 45 : ABC2), vgl. R. Köhler 1, 444. Valjavec S. 29 nr. 6 (ABC2- 3) = Krauß 1, 409 nr. 89 'Die Vila in der goldenen Burg'. Valjavec S. 104 nr. 1 (A B C2 • 3). Strohal 1, 106 nr. 17 (A B ; dann abweichend, der Schlüssel des Glasbergs liegt im Herzen eines Drachen) ; 2, 19 nr. 4 (zuerst Aladdins Lampe; A B C1, Befreiung des verwünschten Schlosses). Valjavec S. 240 nr. 47 = Wratislaw p. 290 nr. 55 'The she- wolf (AB). Kres 5, 615 nr. 72 = Krauß 2, 81 nr. 54 'Die Frau eineWölfin (AB, der Wolfhirt hilft die Frau wiedergewinnen). Krauß 1, 315 nr. 76 'Der verlorene Sohn' (BBC1, dazu der im verbotenen Zimmer gefesselte Drache). Krauß, Tausend SM. 1, 119 nr. 37 (AB). Tordinac S. 17 nr. 7 (ABC1). Mikulicic S. 47 nr. 12 = Archiv f. slav. Phil. 5,45 (ABC2-3). Aus Montenegro: Rovinskij 2, 2, 587 (Schluß zu nr. 1. A B, die Fee entflieht auf der Hochzeit ihres neunten Sohnes). — Bulgarisch: Sbornik min. 4, 188 (AB, dann Tierschwäger). 5, 137 nr. 2 (A B, dann abweichend Tod beider). 12, 157 — Leskien S. 61 nr. 15 'Der Hirt und die drei Samovilen' (A B C1). Strauß, Bulgar. Volksdichtungen 1895 S. 111 'Ivan Popov' (AB). Dozon, Chansons pop. bulgares p. 152. — Böhmisch: Tille, Ces. poh. do r. 1848 S. 35 « Waldau S. 555 'Die Seejungfrau' (ABC1. Gleicht ganz Schott nr. 19 und Vernaleken nr. 26). Tille, S. 57 (ABC2,3). B. Nemcova 3, 3 nr. 31 = Waldau S. 248 'Der goldene Berg (ABC2-3. Flucht mit Verwandlungen). Sumlork 1, 448 = Tille S. 100 (AC2-3). Mensik, Jemnic. S. 283 nr. 80 = Slavia 2, 1 (1878. ABC1). Kulda 1, 74 nr. 25 = Wenzig S. 69 'Die Taube mit den drei goldnen Federn' (A B C2J. Kulda 4, 77 nr. 6 (ABC. Der Held kann sich in Tiere verwandeln, überwindet dadurch den Drachen und befreit die Jungfrau). C. Lid 6, 195 nr. 11 (ABC1'2' 3). Pfikryl S. 262 (A; die Braut wird zu einem Pferd, auf dem der Held drei Tage ohne Speise und Trank reiten soll ; er muß sie im gläsernen 193. Der Trommler. 411 Palast suchen; C1 ; es hilft der von Trau gekreuzigte Vater der Braut). S. 438 (für die im Spiel mit dem Teufel verlorene Seele soll der Prinz hundert schwarze Ochsenpaare liefern, wird von der Schwan- jungfrau, der er zweimal das Gewand zurückgibt, in einen Hasen und einen Baum verwandelt, aber durch einen Greis erlöst. A C2 ■ 3). Ed. Pecks hsl. Sammlung nr. 32 (Braut vom Greifen geholt, C2 mit Hilfe von Eiese, Wind, Prost; Schluß ähnlich Pfikyl S. 262). Kubin, Podkrkonosi nr. 84 (ABC1-2); nr. 136 (Taube, der der Held drei goldene Federn ausreißt, wird zur Jungfrau, A B ; er hütet die Pferde der Hexe mit Hilfe dankbarer Tiere, erhält ein Zauberschwert, tötet den Drachen und befreit die drei Tauben). Malinowski 2, 70 — 78 (ABC; ein Zauberer gibt dem Helden die Macht, sich in einen Hasen, Fisch oder Fliege zu verwandeln). — Slowakisch: Sbornik muz. slov. spol. 17, 81 nr. 35 (der jüngste Sohn fängt die drei Schwanjungfrauen, die die Goldbirnen stehlen, mit Hilfe einer Maus; die Schöne verschwindet, als eine Hexe in der dritten Nacht ihre goldenen Haare abschneidet, bis hinter das rote Meer. C1). Skultety- Dobsinsky S. 342 nr. 35 = 2. Aufl. S. 883 nr. 62 (AB; dann Erlösung der Prinzessinnen im eisernen, kupfernen und gläsernen Berg). — Wendisch: Veckenstedt S. 120 (ABC. Trommler). Kühn S. 133 'Der Trommler'; vgl. S. 83. — Polnisch: Toppen S. 140 'Die goldenen Tauben' (ABC1,2). Kolberg 8, 13 nr. 7 (ABC1-3). 8, 8 nr. 5 (A C2). 14, 12 nr. 4 (ABC. Mit Hilfe dank- barer Tiere gelangt der Held auf den Glasberg, besiegt den Drachen, öffnet mit dem Schlüssel, den er der aus diesem entfliegenden Taube entnommen, das verwünschte Schloß). Wisla 12, 721 nr. 3 (ABC1). Zs. f. Vk. 26, 204 nr. 1 (A C2 • 3). — Kleinrussisch: Öubinskij 2, 195 nr. 55 (ABC1-2-3). 2, 358 nr. 95 (ABC1). 2, 390 nr. 109 (AC2-3; dann nr. 113, Motiv D). Rudeenko 1, 96 nr. 46 (ABC1; dann neue Züge). Dragomanov S. 278 nr. 8 (ABC2, 3). Etnograf. Zbirnyk 4, 16 nr. 3 (ABC; dankbare Tiere). 7, 1 nr. 26 (Polyphem als Einleitung; ABC1'2'3). 9, 15 nr. 9 (ABC2-8; auf dem Wege zum zwölfköpfigen Drachen werden dem Helden Fragen aufgetragen). — Weißrussisch: Glinski 4, 75 nr. 4 (ABC1). Romanov 6, 105 nr. 12 (C'ABC1. Hilfreiche Tiere, Unhold im verbotenen Gemach entfesselt). Karlowicz S. 108 nr. 77 (A C2 • 3). Federowski 2, 189 nr. 164 (A^BC2). — Großrussisch: Sbornik Kavkaz. 15, 2, 76 nr. 8 (ABC1-3). Ralston p. 120 (oben 2, 522) = Ralston, Songs of the russian people 1872 p. 79. Rambaud, La Russie epique 412 193. Der Trommler. p. 91. Afanasjev1 7, 304 = 3. Aufl. 2, 101 nr. 130a = Anna Meyer 1, 95 nr. 7. 2, 103 nr. 130b = Curtin, Myths 1890 p. 218 'Yelena the wise'. Über die formelhafte Bitte der ihrer Flügel beraubten Jung- frau vgl. v. Löwis, Der Held im russischen Märchen 1912 S. 70. Dagegen hat die als Einleitung zum epischen Liede von Michael Potok dienende Szene von 'Marie mit dem weißen Schwane' mit unserm Märchen nichts gemein ; vgl. Loboda, Russische epische Lieder vom Heiratszug S. 95 — 105. — Litauisch: Langkusch nr. 2 und 3 (Altpreuß. Monatsschrift 15, 414). Veckenstedt, Zamaiten 1, 149 (AB. Schlange). Dowojna Sylwestrowicz 1, 88 — 90 (A C2). — Fin- nisch: Aarnes Register nr. 400. Salmelainen 1, nr. 5 = Schreck S. 35 nr. 5 'Der Aschenhocker' (ABC1, 2). H. Brockhaus im Dresdener Album 1847 S. 193 'Die drei Brüder' (ABC1-2). Hertz- berg p. 56 'Just ingenting'. — Tscheremissisch: Genetz nr. 17 (Journal de la soc. finno-ougrienne 7, 195). — Lappländisch: Friis nr. 80 = Poestion S. 55 nr. 10 'Das Mädchen aus dem Meere' (A B C). Friis nr. 45 = Poestion S. 236 nr. 54 'Die Tochter des Beivekönigs' (ABC1,2) = Germania 15, 170. — Mordwinisch: Sachmatov S. 275 nr. 7 (Sohn dem Teufel verschrieben; AC2,3). S. 355 (ähnlich, AC2,3; oben 2, 516). — Samojedisch: Castren, Ethnol. Vorlesungen 1857 S. 172. — Ungarisch: Kriza nr. 15 = Jones-Kropf p. 95 'Fairy Elizabeth'. Berze Nagy nr. 33 = Rona- Sklarek 2, 1 nr. 1 'Tauperlen-Janos' (ABC). — Zigeunerisch: Groomep. 188 nr. 50 'The witch (ABC2,3). — Türkisch: Künos S. 76 (oben 2, 524); vgl. Ungarische Revue 1888, 436. — A wa- risch: Schiefner nr. 1 'Das Meerroß' S. 7 (A); vgl. R. Köhler 1, 537. Die ar ab is che Erzählung vom Juwelier Hassan von Basra in der 1001 Nacht (Henning 13, 132. Chauvin 7, 29) gehört zu den ausführlichsten und ausgeschmücktesten der Sammlung. Ein tückischer Magier will sich durch den jungen Hassan das kostbare Holz vom Wolkenberge verschaffen, dessen er zu seinen alchimistischen Ar- beiten bedarf. Nachdem der Jüngling in eine Tierhaut genäht und von einem Geier zu dem unersteigbaren Gipfel emporgetragen1) ist J) Vgl. dazu Sindbads Abenteuer (Chauvin 7,10); Katkasaritsägara transl. by Tawney 1, 77 ; Huon von Bordeaux (J. Grimm, Kl. Schriften 4, 40); Herzog Ernst ed. Bartsch 1869 S. 92. CXIX. CLVH; Goedeke, Reinfrit von Braunschweig 1849 S. 107; Albrecht von Scharfenberg, Seifrit de Ardemont ed. Panzer 1902 Str. 433; Zs. f. dt. Alt. 7, 296; Zs. f. Volksk. 6, 61. 193. Der Trommler. 413 und das verlangte Holz seinem Meister hinuntergeworfen hat,1) über- läßt ihn dieser seinem Schicksale. Hassan stürzt sich ins Meer und gelangt zu einem Schlosse, wo er von weiblichen Genien freundlich aufgenommen wird. Nachdem er eine verbotene Tür geöffnet, be- lauscht er in einem Garten zehn badende Schwanjungfrauen, gewinnt eine davon zur Gattin und zieht mit ihr heim zu seiner Mutter. Nach Jahren findet die Frau während seiner Abwesenheit ihr Feder- kleid und entfliegt mit ihren beiden Kindern nach den Inseln Wäk (Japan?). Hassan folgt ihr und befreit nach vielen Abenteuern, von einer häßlichen Alten unterstützt und mit Hilfe einer unsichtbar machenden Mütze und eines Zauberstabes, die er streitenden Erben abgenommen, die Seinigen aus der Gewalt der grausamen Königs- tochter Nür-el-Hudä, der Schwester seiner Gattin. — Eine kürzere und ursprünglichere Form bietet die Geschichte Azems in derselben Sammlung (Scott 6, 283. Chauvin 7, 35), während die Geschichte Dschänschähs ebenda (Henning 9, 93. Chauvin 7,39) den Helden zu einem Prinzen macht, der bei der Verfolgung einer Gazelle in die Reiche der Affen und der Ameisen kommt und von einem jüdischen Zauberer zum Diamantberg gebracht wird ; statt der Schwäne erblickt er. drei Tauben; die Heimat, in die seine Gattin zurückfliegt, heißt Takni. — Aus Südarabien bei Jahn, Die Mehri- Sprache 1902 S. 118 nr. 24 'Die Hexen' (AB). — Aramäisch: Prym-Socin, Tür Abdin 2, 115 nr. 32 (drei Tauben; ABC). — Tatarisch: Badloff 4, 318 'Zyhanza' (= Dschänschäh in 1001 Nacht. A). Sbornik Kavkaz. 21, 2, 38: der Held beschleicht drei badende Königstöchter, die seine Schwester in Taubengestalt besuchen, in dem verschlossenen Parke, raubt das Taubengewand der einen und macht sie zu seiner Frau, wird aber wegen des gebrochenen Gast- rechts von seinem Vater verstoßen ; als er wider die Vorschrift der Frau sein erstes Kind in die Hände nimmt, zerreißt es die Frau; als er es beim zweiten wiederholt, verschwindet sie ; um sie noch einmal zu sehen, verbrennt er die mit ihrem Gelde gekauften Waren. — Ajsorisch: Sbornik Kavkaz. 18, 3, 96 nr. 6: Zar Bagrej findet im Palaste des Zaren Kischmir einen marmornen Springbrunnen, zu dem täglich drei Königstöchter aus dem Diamantenreiche als Tauben geflogen kommen, und gewinnt eine von ihnen; sie verläßt ihn, weil sie ge- *) Dies erinnert an Herodots (3, c. 111) Erzählung von der Art, wie die Araber die Zimmetrinde aus den Vogelnestern gewinnen. 414 193. Der Trommler. zwungen ist sich mit dem Schwert zu wehren; er läßt sich vom Adler zu ihrem Vater tragen und kehrt nach einigen Jahren mit ihr heim. — In ähnlichen mongolischen Überlieferungen findet die Wiedergewinnung der entflohenen Schwanfrau ohne Verwicklung statt; vgl. Potanin, Orientalische Motive im mittelalterlichen europäi- schen Epos (russisch, 1899) S. 92. 97. 102. 239. 616. 804. — Per- sisch bei Einaiut Oollah, Bahar-Danush transl. by Scott 2, 213 (Peris in Taubengestalt. A B). Bahram Ghur und Husn Banu (Clouston 1, 183. Vier Tauben; A). Bricteux, Contes persans 1910 p. 277 'Hadjdjädj' (A) und p. 399 'Behram Goür' (A). — Indisch: Somadeva, Kathasaritsagara c. 108 (Tawney 2, 452. ABC; die ent- fliehende Fee heißt den Einsiedler ihr Kind kochen und verzehren, dann vermöge er ihr zu folgen). Steel-Temple p. 27 'The faithful prince' (Bahrämgor and Shähpasand. A B C). Swynnerton p. 342 nr. 82 'Prince Bairäm and the fairy bride' (ABC). Stokes p. 6 'Phülmati Rani'. Stack, The Mikirs 1908 p. 55 'Harata Kunwar'. Grierson 3, 2, 218. Indian Antiquary 4, 10 'Toria the goatherd and the daughter of the sun' (A) ; vgl. 4. 57. North Indian Notes & Q. 2, 153 'The king's son and his fairy bride' und 4, 153 'The monkey princess'. Revue des trad. pop. 4, 433 'L'histoire des sept princes' (Äffin. ABC1). Das Lied von Namber im Ausland 1871, 1243 (ABC2; dankbare Tiere). — Annamitisch: Landes 1886 p. 123 nr. 47 'L'etoile du soir et l'etoile du matin' (A B ; der Mann sucht mit seinem Kinde die Gattin auf, stürzt aber ins Meer und wird in den Abendstern verwandelt, sie in den Morgenstern). — Ein bir- manisches Drama: Journal of the Asiatic Soc. of Bengal 8, 536 (1839. Cosquin 2, 19). The silver Hill, transl. by Sladen and Sparkes 1856 = Wollheim da Fonseca, Nationalliteratur der Völker des Orients 2, 853. — Tibetanisch: Kandjur 2, 202 — Schiefner, Memoires de l'Acad. de St. Petersbourg 19, 6, XXIV = Ralston p. 44 'Sudhana Avadana', vgl. p. XL VIII. — Chinesisch: Dennys 1876 p. 140 (AB). — Japanisch: F. W. K. Müller, T'oung pao 6, 65 (1895. Wakun Sansai Dzuye). Mitford, Geschichten aus Alt- Japan 1, 188 — Brauns S. 349 'Das Federkleid'. Bousquet, Revue des deux mondes 1874, aoüt p. 752 (Drama). — Philippinen: Journal of amer. folk-lore 20, 95. — Java: Bezemer 1903 S. 62 = 1904 S. 46 'Dewi Nawang Wulan' (AB. Widödari heißen die Himmelsnymphen); vgl. Revue des trad. popul. 20, 6. — Sumatra: Pleyte p. 109 'Malin Deman' (A B C1) = Bijdragen tot de Taalkunde 193. Der Trommler. 415 van Nederlandsch Indie 1866, 255. Pleyte p. 217 'Radja Urang mandopa' (ABC) = Eijdragen 1866, 278. Warneck, Mitteilungen des oriental. Seminars 2, 1, 128 (1899. ABC). — Celebes: Zs. der d. morgen!. Ges. 6, 536 = Schirren, Die Wandersagen der Neu- seeländer 1856 S. 126 = L. de Backer, L' Archipel indien 1874 p. 98 (A B C). Hickson, A naturalist in North Celebes 1889 p. 264. — Mentawai: Morris, Die Mentawai-Sprache 1900 Si 57 'Ägämu- lalaibi' (AB C). — B an ks -Inseln : Codrington, The Melanesians 1891 p. 397 nr. 9 'The winged wife' (ABC; aber der Held stürzt beim Herunterklettern ab); vgl. p. 379 nr. 4 'The ghost-wife'. — Mada- gassisch: Folk-lore Journal 1, 202 'The way in which Andrianöro obtained a wife from heaven' (ABC1; dankbare Tiere) = Revue des trad. pop. 4, 305. — Suaheli: Steere p. 331 'Hasseebu Kareem ed-deen and the king of the snakes' (Einleitung wie in 1001 Nacht). — Nordafrika: Stumme, Tunisische M. 2, 13 nr. 2 'Hassan aus Bassra' (1001 Nacht). Stumme, Tazerwalt S. 102 nr. 10. Certeux et Carnoy 1, 87 (A B). — Guyana: Brett p. 29 'The royal vultures' (ABC; der Jüngling wird von der Vogelfrau in ihr Wolkenreich getragen, verläßt sie, um seine Mutter aufzusuchen, kämpft gegen die Geier, um sein Weib wiederzuerhalten, und wird vom uner- kannten eignen Sohn erschlagen) ; vgl. Im Thurn, Among the Indians of Guiana 1883 p. 381. — Jamaika: Lewis 1834 p. 301 (oben 2, 525). — Algonquin: Leland p. 142. — Eskimo: Rink 1866 p. 91 nr. 18 'Om manden, som fik en fiskeand til kone' (A B). Boas, Zs. f. Ethnol. 20 (1888), Verh. S. 398 = 6. annual report of the bureau of ethnology of the Smithsonian Institution 1888 p. 615 'Ititaujang' (A B ; die Wildgans verwandelt sich, nachdem ihr der Held ihre Schuhe wiedergegeben hat, in ein Mädchen und wird sein Weib; als er aber einmal verlangt, daß sie von dem erlegten Wal- fisch esse, rafft sie Vogelfedern auf, wird mit ihrem Kinde zur Wildgans und entfliegt ; der Held findet sie nach verschiedenen Abenteuern mit einem andern Gatten auf einer fernen Insel und tötet sie). Angesichts der weitreichenden und frühen Bezeugung unsres Märchens in Asien wird man geneigt sein, auch den europäischen Fassungen einen orientalischen Ursprung zuzuschreiben, und sicher sind einige Fassungen aus Portugal, Sicilien, Griechenland, vielleicht sogar Musäus von der 1001 Nacht beeinflußt. Aber die Vorstellung vom Verkehr halbgöttlicher Schwan Jungfrauen mit sterblichen 416 193. Der Trommler. Helden tritt auch bereits in der germanischen Dichtung früh auf.1) In der Völundarkvi[)a (Edda übersetzt von Gering S. 141) lassen sich drei solche Walküren am Seestrande nieder, um zu baden ; Wölund und seine Brüder nehmen ihnen ihre Schwanhemden und machen sie zu ihren Frauen, aber im neunten Winter entfliegen diese. Nach der Helreib Brynhildar 7 (Gering S. 239) raubte auch Agnar acht Walküren ihre Schwanhemden und zwang sie dadurch in seinen Dienst. Im Nibelungenliede 1474 nötigt Hagen auf gleiche Weise die Donaunixen, ihm zu weissagen2). Im Epos 'Friedrich von Schwaben' (ed. Jellinek 1904 v. 4389 ; vgl. Pschmadt, ZfdA. 53, 313 und oben 2, 347) endlich nimmt der Held der schönen Angelburg, die mittags mit ihren zwei Jungfrauen in Tauben gestalt zu einem Quell fliegt, während des Bades die Gewänder und gibt sie nicht eher heraus, als bis ihm Angelburg die Ehe angelobt hat. Hier waltet also ein alter Zusammenhang zwischen Orient und Occident. — Auf andre Sagen von Ehen mit überirdischen Weibern, wie Melusine, Liombruno (oben 2, 269. 322. 326), brauchen wir hier nicht einzugehen; doch sei auf das irische Märchen (Croker p. 177 — Knortz S. 63 'Die Nixe von Gollerus') hingewiesen, wo die geraubte Mütze3) der Meerfrau diese in die Gewalt des Fischers bringt, und auf das galizische (Am Urquell n. F. 2, 80), wo der geraubte Schuh der 1) J. Grimm, Mythologie3 S. 398. 1055. Unland, Schriften 1, 488. Golther, Deutsche Mythologie S. 115. 321. — Clouston 1, 182 'Bird- maidens'. Hartland, The science of fairy tales 1891 p. 255 — 332 'Swan- maidens'. Kohler, Melusinensage 1895 S. 6. 64. Macculloch, Childhood of fiction 1905 p. 342 'The swanmaiden'. Chauvin 8, 206. 2) Wie der Gewandräuber es hier nicht darauf abgesehen hat, eine der badenden Schwanjungfrauen zum Weibe zu gewinnen, so nötigt in einem katalanischen Märchen (Maspons 1, 41 'Lo castell del sol') der Held auf dieselbe Art drei badende Mädchen, ihm den Weg zum Schloß der Sonne zu zeigen, in einem samojedisehen (Castren, Noidische Beisen 4, 172 nr. 4), die Herzen seiner Feinde zu stehlen, und in einem singalesi- schen (Parker 2, 345 nr. 151 'A royal princess and a turtle'), ihm eine Wunderblume auszuliefern ; vgl. oben S. 407. — Ein Gegenstück von drei Vögeln, welche ihr Gefieder am Wasser ablegen und zu Jünglingen werden, liefert ein italienisches Märchen 'L'uccello che porta via il diadema della principessa' (Prato, Una novellina pop. monferrina 1882 p. 53) und eine kalmükiscke Erzählung bei Bamstedt (Journal 27, 136). 3) So werden auch die Zwerge, denen man ihre Nebelkappe ab- schlägt, wehrlos (Grimm, D3.2 nr. 153. 154. 156; vgl. J. Grimm, Myth.3 S. 431. 3, 132). 194. Die Kornähre. 417 wilden Frau das Gleiche vollbringt. — Der in holsteinischen, skandi- navischen, finnischen und lappländischen Fassungen erscheinende Eingang, daß der jüngste von drei Brüdern auf dem Felde wacht, um den ausfindig zu machen, der nachts die Saat zertritt oder den Garten plündert, ist wohl aus einem andern Märchen (oben 1, 514. 2, 301 nr. B2) herübergenommen. — Zu dem Glasberg, der mehrfach durch einen Silber-, Gold- oder Smaragdberg oder ein Wolkenreich ersetzt wird, vgl. oben 1, 233. 2, 273. — Zur Befragung der Winde oben 2, 272. — Über die den strei- tenden Erben abgenommenen Wuns chdinge oben 2, 331. 194. Die Kornähre. i856 s. sei. 1850 nr. 194. — Aus Schmalkalden, woher es Ph. Hoff- meister in der Zs. des Vereins für hessische Geschichte 4, 114 (1847) mitgeteilt hat; abgedruckt bei Witzschel, Kleine Beiträge zur dt. Mythologie 2, 34 (1878). Vgl. Hamann, Die literarischen Vor- lagen 1906 S. 102. Alte Leute sagten (nach einer Aufzeichnung von Jacob Grimm), in den Urzeiten wuchsen die Ähren an den Halmen bis auf den Boden. Weil aber die Menschen schlimm wurden, wollte der liebe Gott die Ähren ganz abstreichen; und wie er im Abstreichen be- griffen war, trat die himmlische Mutter herzu und bat, er möge nur die Köppla für die Hühner und Kätzla stehn lassen ; er willfahrte. Andere erzählen: Die Menschen achteten das Brot sowenig, daß sie den Kindern den Hintern damit auswischten. Da war der Herr erzürnt und wollte alles Korn erschlagen. Da bat Maria, nur weniges für die Hunde und Kätzle stehen zu lassen. Früher hing der ganze Halm voller Ähren. — Aus der S c h w e i z : Walliser Sagen 1870 S. 108 = 1897 1, 250 nr. 232 'Der Kornfluch'. Aus Kärnten bei Graber nr. 480 'Der Hund als Retter' (legt Fürbitte für die Menschen ein ; die Ähre wird so lang wie eine Hundszunge).1) Aus Steiermark bei Rosegger, Tannenharz und Fichtennadeln 1881 S. 92 = 1895 S. 156 'Unser J) Nach estnischer Überlieferung (Dähnhardt, Natursagen 4, 73) verwahrte der Hund während einer Hungersnot ein Roggenkörnchen, aus dem eine neue Saat entstand. Grimm, Märchen- Anmerkungen III. 27 418 194. Die Kornähre. liabi Frau und dVögerla'. Aus We stungarn bei Bunker S. 72 nr. 32 'Das sündhafte Weib' (reinigt ihr Kind mit Brot). Aus Bayern bei Sepp, Sagenschatz S. 617 'Das Wunder mit den Weizenähren'; Maximilian Schmidt, Die Blinde von Kunterweg (Über Land und Meer 52, nr. 41 S. 827. 1884); Schönwerth 1, 408. Aus Thüringen bei Bechstein, Märchenbuch 1845 S. 113 = 1874 S. 114 'Die Korn- ähren'. Aus Böhmen bei Blümml, Beiträge z. Volksdichtung S. 148 nr. 26. Mitt. des nordböhm. Excursionsclubs 16, 337. Aus Schlesien bei Peter 2, 132 'Die Getreideähren' ; Philo vom Walde S. 87 'Das Getreide'. Französisch: Sebillot, Folklore de France 3, 448. Tradition 1894, 36. Sauve, Hautes-Vosges p. 198. Revue des trad. pop. 12, 177. 17, 56. — Italienisch: Pitre, Usi sie. 3, 294 'Lupino'. Ar- chivio 9, 528 = Dähnhardt, Natursagen 2, 60. — Griechisch aus Kleinasien : Carnoy-Nicolaides p. 243 (Kind gereinigt). — Slowenisch aus Steiermark : Pajek S. 177 (die Frauen wischen ihre Kinder mit dem Weizen ab). B. Krek S. 44 nr. 18. — Serbokroatisch: Gavrilovic 1906 S. 85 nr. 15 = Dähnhardt 2, 276. Zs. Karadzic 2. 216. Bos. Vila 2 (1887), S. 76. — Bulgarisch: Afanasjev, Poet, vozzrenija 1, 482 (am Tage des h. Elias, wo jede Ähre eine halbe Metze lieferte, wischt eine Schnitterin mit den Ähren ihr Kind ab; da donnert es, Elias will alles Korn fortnehmen, doch ein Hund bittet um Gnade). Sbornik min. 9, 3, 134 nr. 1 (Kind mit Stroh abgewischt ; anderwärts mit dem Mehl, das einst wie Schnee nieder- fiel). — Slovakisch: Medvecky = C. Lid 3, 30 (Eva wischt ihr Kind mit Kuchen ab, Maria bittet für sie). Slov. Pohl'ady 1886. 1892, 644 nr. 9. Cas. mus. slov. spol. 3, 22. — Öechisch: Jos. Linda erzählt in seinem Romane Zäfe nad pokanstvem 1818 (Tille, C. poh. do r. 1848 S. 4), daß die Ähren einst so groß wie Tannen waren ; die schwarzen Götter wollten sie verbrennen, aber die Göttin Ziva ergriff eine brennende Ähre; seitdem sind die Ähren nur so groß wie diese gerettete. Hrase, Vyprav. babiccino S. 58 (die geizige Bäurin weist die Bitte der Maria mit dem Jesuskinde ab). — Polnisch: Öwi^tek, Lud nadrabski S. 332 nr. 12 (Kinder mit Brot abgewischt). Wisla 1, 143. 14, 464 nr. 17. 777. Mater, antropol. 13, 56 nr. 24. Wasilewski, Jagodne S. 98 nr. 28 (Schnitterin mäht liegend). Zbiör 6, 213. 11, 63. Bulasev S. 374 (Bäurin wirft den Kuchen dem Hunde vor, um den die Mutter Gottes bittet). — Klein- russisch: Afanasjev 1, 482 = Ralston p. 328. Etnograf. Zbirnyk 194. Die Kornähre. 419 5, 82 (Brotkrumen auf den Mist geworfen). 12, 77 nr. 90. 12, 78 nr. 92 (wie Swietek S. 332 nr. 12). 12, 78 nr. 91 (Christus straft die Menschen). Dragomanov S. 14 nr. 39 = Mater, antropol. 13, 176 nr. 162 (wie Swie,tek S. 332). Suchevyc S. 258 (Maiskolben; Fürbitte der Maria). Etnogr. Obozr. 7, 77 (Gouv. Charkov. Die Bäurin reicht Christus und Petrus den Kuchen, mit dem sie eben die Bank gesäubert hat). Kolberg, Chelmskie 2, 180 (Sünde der Menschen) = Kevue des trad. pop. 12, 58 nr. 1. Zbiör 6, 213. 11, 220. 13, 191. Nowosielski 2, 14 (die Bäurin wirft einen be- schmutzten Kuchen dem Bettler zu). — Weißrussisch: Dobrovoljskij 1, 289 nr. 58 (faule Schnitterin klagt über die Größe der Ähren). 1, 289 nr. 59 (Adam und Eva brachten so kleine Ähren aus dem Paradies). Federowski 1, 170 nr. 548 (wie 6wi§tek S. 332 nr. 12). 2, 273 nr. 307 (der Bettler erhält die Krumen, mit denen dem Kinde die Nase gewischt war). Romanov 4, 169 nr. 28 = Sejn 2, 357 nr. 207 (wie Wasilewski). Sejn 2, 355 nr. 206 (wie äwietek). 2, 359 nr. 209 (Bauer gibt dem Bettler die am Boden liegenden Brot- krumen). 2, 358 nr. 208 (die Hunde, denen Gott vom Himmel eine Ähre zuwirft, reißen sie einander fort; aus den in die Erde gefallenen Körnern erwächst im nächsten Jahre eine reiche Ernte; seitdem pflegen die Menschen das Korn). — Großrussisch: Zivaja Starina 14, 4. *Terescenko, Byt russk. naroda 5, 48 (Afanasjev, Legendy S. VIII. Paule Schnitterinnen fluchen über das schwere Korn). Ausland 1872, 1178 nr. 5. — Lettisch: Zbiör 15, 273 (Kind be- schmutzt). Treuland S. 43 nr. 40. Zivaja Star. 5, 438. — Magy- arisch: Arany-Gyulai 1, 492. Nach einer mohammedanischen Legende fiel Adam mit dem Getreide vom Himmel; die Körner waren damals sehr groG und erst nach dem Pall so klein, als sie jetzt sind (Hammer, Rosenöl 1, 23. 26. 1813. Weil, Biblische Legenden der Muselmänner 1845 S. 26. 41). Die magyarische Sage erzählt dagegen, daß Gott die Länge der Ähren verkürzte, als Adam ungenügsam mehr Land be- säte, als ihm zugewiesen war (Revue des trad. pop. 7, 481. Dähn- hardt, Natursagen 1, 213); nach weißrussischer und magyari- scher Überlieferung (Dähnhardt 1, 264. Strauß, Die Bulgaren S. 90) gab das Schnapsbrennen die Ursache. Nach einer mongo- lischen Sage bei Potanin (Skizzen aus der nordwestl. Mongolei 4 = Etnogr-i Obozr. 6, 11) streifte ein Mann mit dem Fuße die Körner, die den Halm von oben bis zur Erde bedeckten, ab ; doch legte der 27* 420 195. Der Grabhügel. Hund Fürbitte ein, daß noch einige Körner an der Ähre blieben ; nach einer andern fiel ehedem weißes Mehl statt des Schnees vom Himmel. Die Torguten im Tarbagatoj-Bezirk in Chiva erzählen, daß die Menschen das Gras, das ihnen und den Pferden einst als Nahrung diente, für sich allein verbrauchten; da ließ Gott für sie Mehl vom Himmel fallen ; als aber ein Knabe den Mehlsack im Zelt verunreinigte, fiel nur Schnee herab; auf des Hundes Bitte schickte Gott ein Korn. Ähnlich bei den Kirgisen bis auf die statt des Mehls erwähnten Graupen (Etnograf. Obozr. 7, 263—265) und bei den Santal Paganas (Bompas p. 401). 1866 s. 26i. 195. Der Grabhügel. 1850 nr. 195. — Aus Schmalkalden, woher es Ph. Hoff- meister in der Zs. des Vereins für hessische Geschichte 4, 115 (1847) als 'Das Märchen vom dummen Teufel' mitgeteilt hat; — Hoffmeister, Hessische Volksdichtung 1869 S. 169. Der Bauer, welcher die Leiche des Amtmannes drei Nächte hindurch vor dem Teufel bewacht,1) erscheint auch in dem nord- deutschen Märchen 'Der Bauer und der Teufel' bei Pröhle, KVM. nr. 19 und in der hessischen Sage 'Wie die Heerwische entstehen' (Zs. f. dt. Mythologie 1, 246). Aus Westungarn bei Bunker nr. 45 'Die zwei Brüder = Zs. f. öst. Vk. 3, 92 (der Teufel zieht dem Toten die Haut ab). Aus Hannover bei Busch S. 128 nr. 30 (Haut des Wucherers). Aus Hinterpommern bei Knoop 1885 S. 144 nr. 293 (ebenso). Cechisch: Narodopisny Vestnik 10, 85 nr. 17. Kvety 1844 nr. 26 S. 383 = Tille, C. poh. do r. 1848 S. 50. Nemcovä 2, 56 'Die Nachtwache'. Hosek 2, 30 nr. 48. Popelkovä S. 265 nr. 36. Mensik S. 227 nr. 18. Elpl S. 61 nr. 14. Hsl. Samm- lung Ed. Peck nr. 56. Kubin, Podkrkonosi zap. nr. 44. Kubin. Pov. kladske 2, 241 nr. 76. Slovakisch: Slovenske Pohl'ady x) Drei Nächte wacht auch der jüngste Sohn am Grabe des Verstorbenen und erbält dafür die allen drei Brüdern bestimmten Gaben (R. Köhler 1, 551. Oben S. lll3). Es ist dies als eine Ausdehnung der vielfach noch üblichen Wache an der im Hause aufgebahrten Leiche (Sartori, Sitte und Brauch 1, 139. 1910) zu betrachten. 195. Der Grabhügel. 421 15 (1895), 322 nr. 1. 15, 324. Sbornik mus. slov. spol. 6, 82. 15, 133 nr. 5. Cas. mus. slov. spol. 17, 27. Czambel S. 320 nr. 160. Kaschubisch: Lorentz, Teksty pomorskie S. 44 nr. 83. S. 262 nr. 352. S. 486 nr. 623. S. 561 nr. 693. Polnisch: Ciszewski S. 172 nr. 125. 126. Mater, antropol. 3, 129 nr. 5. Kleinrussisch aus Nord- ungarn: Etnogr. Zbirnyk 4, 148 nr. 33. Aus Galizien: Kolberg, Pokucie 4, 162 nr. 29. Etnogr. Zbirnyk 34, 19 nr. 608. 34, 38 nr. 652. Die List, den Teufel einen Sack (Stiefel, Hut) ohne Boden mit Geld füllen zu lassen, wird meist ohne jene Einleitung erzählt; so 1549 von Hans Sachs in einem verlorenen Meisterliede 'Der podenlos Pfaffensack' l) (Schwanke ed. Goetze-Drescher 4, 502 nr. 584) und 1563 in dem Schwank 'Der Pawer mit dem podenlosen Sack' (Folio 5, 3, 387b = Keller-Goetze 21, 215 = Schwanke 2, 532 nr. 350), wo der Bauer auf dem First seines Stadels sitzt und den Mehlsack zum Firstloch hineinhält; als er hernach dem Pfarrer seinen Vertrag mit dem Teufel berichtet, verlangt dieser den Sack für sich. Der Nürnberger Meistersänger benutzte wahrscheinlich eine Legende vom h. Benedikt, auf die Theobald Hock, Schönes Blumenfeld 1601 cap 56 = 1899 S. 80 anspielt: Denn bodenloß Ist die Begierdt, rnags glauben; Gleich wie man schreyt, das gwest ein Zeit Deß Fortunati Beutel weit, Vnd wie der Stieffei auch zu Speyr Durch Abentheur Sant Benedits, den solte Der Teuffei ein mit Thallern füllen Eim Gselln zum Spillen, Sein darnach sein er wolte. Aus Oberösterreich bei Baumgarten, Linzer Musealbericht 24, 129 (Stiefelröhre im Dachfirst). Aus Kärnten bei Graber nr. 427 'Teufel und Bauer' (Schaff über einem Loch). Aus Nieder- bayern bei Spiegel 1914 nr. IIb 'Der schlaue Bauer' (Hut auf dem Stadelfirst). Schönwerth 3, 61 (Stiefel über der Stubendecke). Aus Oberhessen bei Bindewald S. 148 'Der arme Teufel' (Sack). Aus l) Das Sprichwort 'Pf äff ensack hat keinen Boden' erscheint schon 1521 im Dialog 'Neuw Karstbans' (Schade, Satiren und Pasquille 2, 24,9); vgl. Wander, Sprichwörter lexikon 3, 1241. 5,1652. Grimm, BWb. 7, 1592. Bl. f. pomm. Volkskunde 9, 32. 422 195. Der Grabhügel. dem Rheinlande in der Zs. f. rhein. Volkskunde 4, 131 (Sack im Schornstein). Aus Brandenburg bei Schwartz, Sagen und alte Geschichten S. 137. Aus Pommern: Zs. für dt. Mythologie 2, 147 'Der betrogene Teufel' (Stiefel). Haas, Rügensche Sagen 1903 nr. 32 'Der Puk' (Stiefel). Jahn, Volkssagen nr. 150 'Das Huhn im Brimbusch' (der verwandelte Teufel verlangt Arbeit). Knoop, Hinterpommern S. 130 nr. 263 'Der betrogene Teufel' (Stiefel im Scheunendach). Asmus-Knoop S 25 'Der dumme Teufel' und S. 97 'Der Schmied und der Teufel' (Stiefel im Schornstein). Bl. f. pomm. Volkskunde 4, 162 nr. 71 'Der Rotjäckte' (Stiefel im Scheunendach). 8, 56 nr. 48 'Kobold soll einen Sack ohne Boden füllen'. Am Urquell 4, 114. Aus Ostpreußen: Lemke 2, 16 'Auf die Hälfte säen'. Aus dem Samland bei Reusch2 S. 71 'Der Alf (Stiefel). — Friesisch: Dijkstra 1, 139 'De laars'. — Schwedisch: Hackmans Register S. 35 'Wie der Sack des Pfarrers bodenlos wurde'. — Isländisch: Ärnason 2, 15 = Rittershaus S 331 nr. 88 'Der Teufel und der Geld- sack' (über einer Grube) = Andersen S. 293 = Powell & Magnusson 2, 23. — Aus der Bretagne: Sebillot, Litt, orale p. 175 'Misere' (verlangt den Kamin voll Geld. Variante zum 'Spielhansel' oben 2, 187). Eevue des trad. pop. 9, 346 nr. 58 'Le diable dupe' (Schorn- stein). — Cechisch aus Mähren: Cas. Mat. Morav. 7 (1875) 89. — Wendisch: Schulenburg, Volkssagen S. 108 'Der Plön und der Prediger' (der satirische Schluß 'Pfaffensack hat keinen Boden' wie bei H. Sachs und Arnason). Schulenburg, Volkstum S. 51 'Der hungrige Plön' (Strumpf in der Scheune). Veckenstedt S. 389 'Der Drache' (Stiefel). — Polnisch: Kolberg, Lud 14, 247 nr. 59. S\vie>k, Lud nadrabski S. 462. — K aschubisch: Lorentz, Teksty pomorskie S. 13 nr. 37. S. 45 nr. 83. S. 262 nr. 352. S. 347 nr. 449. S. 349 nr. 454. S. 486 nr. 623. — Masurisch: Toeppen S. 128 'Der Teufelsberg in der Borkener Heide' (Scheffel). Lorentz, Slovinz. Texte S. 23 nr. 21. — Kleinrussisch: Etnogr. Zbirnyk 6, nr. 692. 34, 243 nr. 1149. Hrincenko, Iz ust naroda S. 4 nr.. 6 — 7 (Drache). Malinka S. 266. Rudcenko 1, 62. Cubinskij 2, 385. Afanasjev3 1, 204 aus der Sammlung Boricevskij v. J. 1840. — Weißrussisch: Serzputovskij S. 70. 111. — Großrussisch: Oncukov S. 175 nr. 402. Afanasjev8 1, 200 nr. 87. 1, 201 nr. 88. 1, 203 nr. 89. — Litauisch: Siemienski, Podania (bei Afanasjev 1, 204). — Lettisch: Ulanowska S. 262 nr. 11. — Estnisch: Kalewipoeg verdeutscht von Reinthal und Bertram 1861 S. 237 (Hut); vgl. Schott, Abh. 196. 011 Rinkrank. 423 der Berliner Akad. 1862, 469. Inland 1852, 845 (Hans Lang). 1861, nr. 17 (Schiefner). — Wot jakisch: Wichmann 2, 116 (Journal finno-ougr. 19) 'Der Mensch und der Wassergeist' (Mühlstein für einen Hut voll Geld verkauft). — Lappisch: Archivio 6, 399 'L'astuto Lappone' (Hut) = Düben, Om Lappland 1873. • — Nord- amerika: Knortz, Streifzüge auf dem Gebiete amerikanischer Volks- kunde 1902 S. 131 (General Jonathan Moulton; Stiefel ohne Sohle). Über die Vorstellung von dem fliegenden Geldteufel oder Drachen vgl. Bolte, Zs. f. dt. Altertum 48, 55 und Gaidoz, Melusine 6, 193. 7, 3. 49. 8, 94. 187; auch oben S. 234. Die List, einen dienstbaren Teufel durch unmögliche Auf- gaben zu äffen, bis er ermüdet den Pakt zerreißt, begegnet in vielen Schwankmärchen; s. oben S. 161. 196. Oll Rinkrank. usses. an. 1850 nr. 196. — Aus Oestringen; nach dem Friesischen Archiv von H. G. Ehrentraut 1, 162 (1849). Eine Königstochter, die mit ihrem Freier über den Glasberg (Gletscher?) gelaufen und dabei in eine tiefe Höhle versunken ist, befreit sich selber aus der Gefangenschaft des unheimlichen lahmen Alten, indem sie seinen Bart in eine Fensterluke einklemmt. Sie steigt auf seiner Leiter zu Vater und Bräutigam empor; der König läßt den Alten töten und erbeutet seine Schätze. — Das Märchen, zu dem wir keine vollständige Parallele anzuführen wissen, klingt mit einzelnen Zügen an bekannte an. Der Glasberg, über den die Freier der Prinzessin laufen müssen, ohne auszugleiten, ist uns in einzelnen Fassungen der Rabe (oben 2, 340) und des Grindkopfes (oben S. 111) schon begegnet. — Der unheimliche Zwerg oder Päuber ist ein Gegenstück zu dem gutherzigen Männlein Spannen- lang und dem heiligen Joseph im Walde (unten nr. 201), der ebenso wie das Männlein im Waldhause (oben 1, 212. 226) die dienstfertige Schwester belohnt, die ungute aber straft. Die Reime, mit denen er Einlaß in seine Höhle begehrt, entsprechen den Worten des Zwerges in dem oben 1, 226 als Seitenstück unsrer Frau Holle an- geführten anhaltischen Märchen (Firmenich 2, 224): 'Ich bin Beene- 424 197. Die Kristallkugel. langmann Beenelangbart, schönes Mädchen, mach die Türe auf . . . decke den Tisch .... setze dich bei mich und iß . . . leg dich mit ins Bette!' Auf den Rat des Hühnchens, Hähnchens, Hündchens, Kätzchens und Mäuschens erfüllt das Mädchen all diese Befehle und erwacht am andern Morgen daheim auf einem Sack voll Goldstücke. Noch genauer aber stimmen dazu norwegische Fassungen des- selben Märchens von der guten und der bösen Schwester. Bei Arne, Fortsellinger i Slagelse-Egnen 1862 S. 49 'Ridder Ranke' ruft der Alte: Luk op for Ridder Ranke med de lange Stanke og den forgyeldte Fod ! — Giv Mad til Ridder Ranke . . . Laan Haus til . . . Red Seng til . . . Klted af nu . . . Klö Ryggen paa R. R. Bei Janson, Folke-eventyr i Sandeherad 1878 nr. 2 'Kjetta': Laat up fyre meg, fyr mine lange Laar og mine forgylte Skjenker! — Giv Stol fyre meg . . . Giv Mad til meg . . . Giv Seng til meg . . . Kvil nseter aat meg . . . Bei Skar, Gamalt or Ssetesdal 6, 77 (1913) 'Kongsdotteri og Dronningdotteri' : Lat upp for meg og mine forgjyllene Skankjir! Skaffe Sess for meg . . . Skaffe Mat . . . Skaffe Seng . . . Auch hier wird die gute Schwester, welche den Alten unverdrossen pflegt, mit reichem Lohn entlassen. — Der Name Rinkrank im friesischen Märchen scheint also entstanden aus Ridder Rank, wie der Name Rinroth im holsteinischen Märchen bei Müllenhof f S. 453 nr. 21 aus Ritter Rot, der in skandinavischen Erzählungen häufigen Bezeichnung des tückischen Neiders (oben S. 184). lese s. 262 197. Die Kristallkugel. 1850 nr. 197. — Aus dem (schlesischen) Gebirge. Nach Friedmund v. Arnim 1, 92 nr. 14 'Vom Schloß der goldenen Sonne' (1844); vgl. Hamann, Die literarischen Vorlagen S. 103. Wir haben hier eine abgeblaßte Fassung des zuerst bei Basile 4, nr. 3 auftauchenden Märchens von den Tier seh Wägern, das uns schon in den aus Mus aus Erzählung abgeleiteten 'Drei 197. Die Kristallkugel. 425 Schwestern' (oben 2, 190) in vollerer Gestalt entgegentrat.1) Dort sucht ein Königssohn seine drei Schwestern auf, die sein Vater bereits vor seiner Geburt an einen Bären, Adler und Walfisch (bei Basile einen Falken, Hirsch und Delphin) vermählt hatte, besiegt mit Hilfe seiner Schwäger einen übernatürlichen Stier (bei Basile Drachen) und befreit dadurch eine gefangene Jungfrau und zugleich seine in Tiergestalt verwünschten Schwäger. In unserer Fassung sucht der Held statt der Tierschwäger zwei in Adler und Walfisch verzauberte Brüder auf; außerdem ist das oben 2, 331 besprochene Motiv des den streitenden Riesen weggenommenen Wünschhutes eingeschaltet, und in dem Ei des getöteten Auerochsen, das bei Musäus den Schlüssel zum Gefängnis der Prinzessin enthält, steckt als Dotter eine Kristallkugel, welche die Macht des Zauberers vernichtet, während bei Basile dies wunderbar eingeschachtelte Ei ganz fehlt. Den durch den eifersüchtigen Dämon bewirkten Zauberschlaf der Jungfrau (oben 2, 198. 3, 261), von dem Basile und ebenso unsre Fassung nichts weiß, hat Musäus offenbar aus der persischen Er- zählung 'Seyf el-Muluk' (1001 Tag, deutsch 1827 3, 7; vgl. Chauvin 7, 71 und W. Schiller, Zs. f. Bücherfreunde n. F. 1, 54. 1909) ent- lehnt; dort bricht der Held ebenfalls den Zauber, indem er die Marmortafel umstößt. Auch der kirgisische Held Säipül Mälik in dem Büchergesange bei Radioff 3, 661 sieht auf dem Kopfe des schlafen- den Mädchens eine beschriebene Tafel und entfernt sie. In dem persischen Roman 'Der Frauenhüter' (Barb, Naurus-Blätter 1846 S. 90) führt der Jüngling, indem er den Schlafzettel auf die Erde wirft, nicht nur das Erwachen der Schönen, sondern auch den Tod des Divs herbei. In indischen Märchen (Indian Antiquary 1, 116. Day p. 81. 251. Stokes p. 54 nr. 11. p. 180 nr. 24) erwacht die Jungfrau, als der Prinz sie mit dem neben ihr liegenden goldenen Stäbchen berührt, und schläft ein, wenn er statt dessen das silberne Stäbchen nimmt. In andern Fassungen (Day p. 224. Steel-Temple p. 56. Calcutta Review 51, 124 = Revue des trad. pop. 4, 532; vgl. Cosquin 1, 176) wird das Wunder noch gesteigert: enthauptet liegt die Prinzessin da, erwacht aber zum Leben, als der Held *) Vielleicht bildete eine französische Bearbeitung das Mittelglied zwischen Basile und Musäus. E. Jahn, Die Volksmärchen von Musäus 1914 S. 23 f. weist allzu voreilig diese Abhängigkeit zurück. Auch 'der gläserne Sarg' (oben S. 261), der schon 1728 gedruckt war, hängt mit unserm Märchen zusammen. 426 197. Die Kristallkugel. Haupt und Rumpf zusammenfügt.1) — Auf Musäus, dessen erstes Märchen auch einzeln als Volksbuch2) fortgepflanzt wurde, gehen zurück die waldeckische Überlieferung bei Curtze S. 96 nr. 20 'Reinhold das Wunderkind', die norddeutsche bei Pröhle, KVM. nr. 1 'Bärenheid, Adelheid und Wall- fiid', die holsteinische 'De dree verwünschten Prinzen', die G. F. Meyer in der 'Heimat' 19, 248 (Kiel 1909) mitteilt, und die schlesische bei Philo. vom Walde S. 43 'Das Edelreis', ein von Wenzel Müller komponiertes Singspiel von Gleich 'Adler, Fisch und Bär' (1820); ebenso Ingemanns dänisches Schauspiel 'Reinald Un- derbarnet' (1815) und das schwedische Volksbuch 'Saga om Reinald Underbarnet' (Wexiö 1838. Bäckström, Sv. folkböcker 3, 51). In dem kärntischen Märchen 'Das Zauberbüchel' (Pogatschnigg nr. 5a. Carinthia 1865, 399), das zu den 'treuen Tieren' (oben 2, 455 nr. 104a) gehört, schenken die drei Riesen ihrem Schwager Wunschstiefel, Beutel und Mantel, so daß er dadurch und mit Hilfe zweier Ratten Zaubertalisman und Gattin wiedergewinnen kann. Dieselbe Verbindung mit nr. 104a finden wir im dänischen bei Grundtvig, Folkeseventyr 2, 34 nr. 3 'önskedaasen = Leo- Strodtmann 2, 45 (vgl. Grundtvigs hsl. Register nr. 7 lDe tre dyre- brude') und im bretonischen bei Sebillot, C. de la Haute-Bretagne 3, 180 nr. 18 'Le chäteau suspendu dans les airs' (König der Fische, der Vögel und Ratten) = Sebillot, C. des provinces p. 15 nr. 2. — Schwedisch: Hackmans Register nr. 552. — Irisch: Curtin, Myths p. 64 'The weaver's son and the giant of the white hill' (Widder, Lachs, Adler; Leben des Zauberers im Ei). — Italienisch: 1) Ein männliches Seitenstück bietet der Prinz Tadeo in Basiles Einleitung zum Pentamerone; vgl. Gonzenbach nr. 11. Archivio 10, 311 nr. 12. Hahn nr. 12. Garnett 2, 40. Künos, Stambul S. 215. Wlislocki 1886 nr. 18. Chalatianz S. VI. Artin Pacha p. 69. Stokes nr. 23 (oben S. 308). Indian Antiquary 1, 219 nr. 5. Day p. 9 = M. Summer, Contes de l'Inde ancienne p. 35. Steel-Temple p. 30 (Kuß). Cosquin, Revue des trad. pop. 28, 333. 29, 98. — Nicht durch einen verschmähten Lieb- haber, sondern durch eine Hexe hervorgerufen ist der Zauberschlaf Dornröschens (oben 1, 440) und Sneewittchens (1, 363); vgl. Basset, Revue des trad. pop. 11, 285. 2) Die drey Schwestern, eine Geschichte von vielen Abentheuern und Bezauberungen, auch deren Lösung durch Reinald, genannt das Wunderkind (o. 0. 1794. — Leipzig, Solbrig o. J. — Leipzig, Taubert o. J.). Marbachs Volksbücher 11 (Leipzig 1838). 197. Die Kristallkugel. 427 Basile 4, nr. 3 'Li tre rri anemale'. Comparetti nr. 20 'La bella Fiorita' (statt der Tierschwäger ein Schweinehirt, Jäger und Toten- gräber ; ihre Graben helfen dem Helden die Aufgaben des Königs lösen: ein Gewölbe voll Früchte verzehren, die Prinzessin durch Vogelgesang einschläfern, in einer Nacht ein zweijähriges Kind zeugen) = Kaden S. 134 — Crane p. 342 nr. 13. Knust nr. 2 'Die vier Königs- kinder' (Jahrbuch 7, 384. Schornsteinfeger. Kesselflicker, Schirmmacher). Gonzenbach nr. 29 'Von der schönen Cardia' (König der Raben, der wilden Tiere, der Vögel; Aufgaben der Hexe); vgl. Zs. f. Volkskunde 6, 70. Pitre, Novelline pop. siciliane 1873 nr. 1 'Lu re di li setti muntagni d'oru'. Pitre, Fiabe sie. 1, 142 nr. 16 'Li tri figghi obbi- dienti' (Schweinetreiber, Vogelsteller; Aufgaben des Königs : Garten, Stallreinigung). Finamore 1, 109 nr. 23 'Lu brastunelle'. De Nino 3, 112 nr. 20 'La bella del mondo' (Vento maggiore, Scirocco, Sole). — Katalanisch: Maspons 3, 164 nr. 27 'Los tres prineeps'. — Portugiesisch: Braga nr. 8 'Cravo, rosa e jasmim'. Coelho, C. populäres nr. 16 'A torre de Babylonia'. Romero nr. 1 '0 bicho manjaleo'. — Rumänisch: Schullerus, Archiv 33, 583 nr. 90 'Juon ohne Furcht' (drei Drachen) und 33, 687 nr. 11 'Schöne der Welt' (drei Raben). SJiinenu p. 458 'Animale-cumnati'. — Griechisch: Hahn 1, 180 nr. 25 'Der Schwager des Löwen, des Tigers und des Adlers' = Pio p. 40 = Geldart p. 50. Buchon 1843 p. 267 = Legrand p. 145 'Le dracophage' = Misotakis S. 152. Kretschmer nr. 26 'Die Tochter des Königs Tsun Matsun'. — Albanesisch: Dozon p. 121 nr. 15 'Les trois freres et les trois soeurs' = Leskien S. 272 nr. 59 (Sonne, Mond, Südwind). — Serbokroatisch: Valjavec nr. 1 = Krauß 1, 333 nr. 79 'Der Königssohn und die Vila' (Wind, Sonne, Mond). Kres 5, 143 nr. 42 (Bär, Adler, Fisch). Vuk St. Karadzic S. 187 nr. 51 'Bas Öelik' = Jagic, Archiv 2, 614 nr. 16 = Krauß 1, 143 nr. 34 'Stahlpascha' = Mijatovics p. 146 (Drache, Falk, Adler). Gleiche Einleitung hat Vuk St. Karadzic S. 89 nr. 17 = Krauß 1, 452 nr. 100 'Der Brüder Schwur'; ähnlich Zs. Vila hsg. von St. Novakovic 3, 777 (1867) und Bos. Vila 2, 13 (1887). 6, 92 (1891). ' 7, 327 (1892). Nikolic S. 53 nr. 6 (verbunden mit nr. 111; auf einem Berg ein Sumpf, darin eine Wildente, in deren Ei die Seele des 'roten Windes'). — Bulgarisch: Sbornik min. 3, 208 nr. 2 (drei Adler). 4, 188 (König der Ameisen, Affen, Vögel). 9, 141 (drei Riesen) = Strauß S. 185. Periodicesko Spisanie 12,121 = Arnaudov S. 28 nr. 3 (König der Ameisen, Fliegen, Adler). 428 197. Die Kristallkugel. Sapkarev 8 — 9, 452 nr. 268 (eine Schwester mit dem Adler vermählt). — Öechisch: Sumlork 1, 605 (Bär, Adler, Karpfen. Entstellt; S.Tille, Ceske poh. do r. 1848 S. 104). Nemcova 1, 125 nr. 11 = Waldau S. 440 nr. 30 'Sonnenkönig, Mondkönig, Wildkönig'. Radostov 1. Aufl. 8, 41 (Bär, Adler, Fisch). Mensik S. 37 nr. 6 (Bär, Adler, Tisch). Straneckä S. 32 nr. 7 (Adler, Löwe, Walfisch). Soukal S. 86—93. Elpl S. 29 nr. 5 (Bär, Adler, Fisch). Kubin, Podkrko- nosi zap. nr. 23 S. 281. — Slovakisch: Kimauski S. 53 nr. 5 = Nemcova, Slov. 2, 158 nr. 49 (Bär, Adler, Fisch). Nemcova, Slov. 2, 82 nr. 39 'Vom Sonnenkönig, Mondkönig, Windkönig, der schönen Uliana und zwei Zauberpferden'. Skultety-Dobsinsky S. 310 nr. 32 (drei Drachen mit 3, 6, 9 Köpfen). Czambel S. 221 § 118 (Drache, Adler, Fisch). S. 424 § 277 (Teufel). — Polnisch: Zbior wiad. 5, 223 nr. 31 (Frost, Wind, Hegen). Mitt. der schles. Ges. f. Volks- kunde 8, 62 (Hirsch. Walfisch, Adler). — Kaschubisch: Lorentz, Teksty pom. S. 318 nr. 418 (im Ei ein Schlüssel zum Zaubergarten). — ■ Kleinrussisch aus dem Gouv. Poltawa: Rudcenko 1, 85 nr. 44 (Wind, Frost, Sonne). Gouv. Wolhynien : Cubinskij, Trudy 2, 172 nr. 52 (drei Drachen). Gouv. Jekaterinoslav : Manzura S. 14 (drei Drachen). Aus Süd-Ungarn: Etnograf. Zbirnyk 25, 122 nr. 22 (drei Drachen mit 3, 6, 9 Köpfen). — WeiJßrussisch: Federowski 1, 116 nr. 341 (Löwe, Walfisch, Adler). B,omanov 6, 205 nr. 24 (Rabe, Falke, Adler). 6, 213 nr. 25 (Donner, Frost, Regen). 6, 233 nr. 27 (König der Vögel, Sturm, Wind). 6, 225 nr. 26 (zwei Schwestern; Sonne, Donner). — Großrussisch: Rovinskij 1, 123 nr. 36 = Afanasjev3 1, 237—241 (Bär und Meerungeheuer). Afa- nasjev 1, 230 nr. 94 = Ralston p. 85 'Marya Morevna' (Falk, Adler, Rabe). 1, 234 nr. 95 (Wind, Hagel, Donner). 1, 67 nr. 49 (Sonne, Mond, Rabe). Chudjakov 1, 77 nr. 20 (Rabe, Adler, Falke). 1, 287 nr. 62 (Rabe, Falke, Adler). Erlenwein S. 139 nr. 33 = De Gubernatis, Florilegio p. 212 (Bär, Vogel, Hecht). S. 81 nr. 24 (drei Drachen mit 20, 30, 40 Köpfen). Oncukov S. 202 nr. 78 (Löwe, Bär, Rabe). S. 416 nr. 167 (drei Schwestern entführt von 12 Bären, 12 Kaulbarschen, 12 Schwänen). — Litauisch: Leskien-Brugman S. 423 nr. 20 'Von dem Königssohn, der auszog, um seine drei Schwestern zu suchen' (Falk, Greif, Adler). — Lettisch: Weryho S. 211 nr. 29 (drei böse Geister, Nalobiejs. Entstellt). — Estnisch: Kallas nr. 11 'Jaan der Königssohn' (Rabe, Wind, Blitz. Verheil. 20, 122). — Finnisch: Aarne, Register 197. Die Kristallkugel. 429 nr. 552. — Magyarisch: Gaal-Stier nr. 1 'Die sechs Drachen'; vgl. nr. 13 'Strohkönig' (Sonne, Mond, Wind). Horger nr. 38 — Bona-Sklarek 2, 167 nr. 15 'Der Schwager von Rabe, Bär und Fisch.' Horger nr. 17. — Zigeunerisch: Mitteil. f. Zigeunerkunde 2, 92 'Das väterliche Vermächtnis' (nur eine Schwester einem Drachen vermählt). Wlislocki 1886 S. 21 nr. 11 'Der Fischer und die Urme' (Wind, Sonne, Mond). Groome p. 166 nr. 46 (statt der Seele der Hausschlüssel). — Türkisch: Künos, Stambul S. 126 nr. 17 'Der Windteufel' (Löwe, Tiger und der smaragdene Anka- Vogel). — Armenisch: Sbornik Kavkaz. 13, 2, 116 nr. 10 (Storch, Taube, Adler). — Awarisch: Schiefner 1873 nr. 4 'Der schwarze Nart' (Held wacht drei Nächte auf dem Grabe seines Vaters und erhält dreiEosse; Wolf, Habicht, Falke). — Mingrelisch: Mourier 1888 p. 43 = Wardrop p. 112 'Kazba-ndii' (Wache am Grabe des Vaters, drei Devis). — Tschetschenisch: Zs. f. Ethnologie 14 (1882), Verh. S. 271 'Von einem tschetschenischen Helden und einem nogaii- schen Biesen' (der Schwager belebt mit Hilfe einer Hexe den er- schlagenen Helden wieder) = Buss. Bevue 20, 186. 23, 158. — Neuaramäisch: Lidzbarski S. 45 nr. 1 'Geschichte vom Kaufmann, seinen drei Söhnen und drei Töchtern' (der jüngste Sohn holt für den kranken Vater Lebensapfel und Nachtigall, wird von den neidischen Brüdern in den Brunnen gestoßen und erhält vom dritten Schwager ein Blitzschwert; oben 1, 510). Brym-Socin, Tür 'Abdin 2, 60 nr. 18 (Wolf, Adler und Vogel Simer beleben den von Schamäl erschlagenen Schwager und helfen ihm seine beiden von Schamäl geraubten Weiber wiedergewinnen). — Arabisch: Jahn, Mehri- Sprache S. 89 nr. 17 'Der Wunschring'. Hein-Müller, Mehri-Texte S. 54 und 111 'Die drei Schwäger' (Vogel, Ameise, Dämon). — Indisch: Hahn, Kols 1906 nr. 16 'Der Knabe und sein Ochse' (Tiger, Schlange und Ochse helfen ihrem Bruder die Königstochter gewinnen ; er soll Tigermilch und Lotosblumen holen und einen Elephanten töten). — Aus Nord-Nigeria bei Tremearne, Hausa superstitions 1913 p. 131 (Stier, Widder, Hund, Habicht helfen dem Schwager das in einer Taube, Gazelle, einem Felsen und See ein- gekapselte Kästchen mit dem Leben des Königs gewinnen). Verschieden davon sind die Erzählungen, in denen der Held seinem dämonischen Schwager feindlich entgegentritt, um die Schwester wieder heimzuführen. So gelingt es in dem schwäbischen Märchen bei E. Meier S. 29 nr. 6 'Donner, Blitz und Wetter' dem 430 197. Die Kristallkugel. bei der Hexe aufgenommenen Helden, mit Hilfe dreier dankbarer Tiere, des Wolfes, Fisches und der Hornisse, ihre Aufgaben zu lösen; er soll ihre drei Pferde, das sind seine Schwäger, die diese Gestalt angenommen haben, hüten und bringt sie jedesmal abends richtig heim ; darauf tötet er sie allesamt, indem er ein vierköpfiges Pferd enthauptet. In einem dänischen Seitenstück bei Berntsen 1, 116 nr. 13 'Ungerod' zieht der Held mit einem Hasen, Fuchs, Wolf und Bären zu dem rotbärtigen Troll, der seine Schwester entführt und zwei ältere Brüder umgebracht hat, und läßt dessen Mutter und ihn durch seine Tiere zerreißen. Ähnlich bei Kristensen, Aev. fra Jylland 1, 271 nr. 36 'Bjsergmandens banemand' (Knüppel, Hund lind Pferd) und norwegisch bei Löland S. 199 'Svarteliten' (Hund, Fuchs, Wolf, Bär), *Hauken3es, Hardanger 2, 233 'Askepotten og bans tjenere' und Liestöl, Norske trollvisor 1915 S. 87 'Askefisen som freiste soster sin'. Schwedisch Runa 1844, 98 'Ole Lur' (erhält von einer Alten Zauberhandschuhe und befreit seine drei von den Riesen geraubten Schwestern aus dem Berge). In dem schottischen Märchen bei Jamieson, Illustrations of northern antiquities 1814 p 397 = Jacobs, English f. tales 1, 117 nr. 21 'Childe Rowland' besiegt der jüngste der drei Brüder, der sich von Merlin beraten läßt, den Elfenkönig im Zweikampf und nötigt ihn, die entführte Schwester Ellen und die versteinerten Brüder herauszugeben.1) Da- gegen entrinnt in der dänischen Ballade von Rosmer (Grundtvig, DFv. 2, 72 nr. 41. Grimm, Altdänische Heldenlieder S. 201. Land- stad, NFv. nr. 5. Hammershaimb, Fseröiske kvseder nr. 16) die vom Meermanne geraubte Schwester durch List, indem sie sich in der Goldkiste verbirgt, die der Meermann dem scheidenden Schwager als Geschenk mitgibt. Im serbischen Märchen 'Stojscha und Mladen' (Wuk nr. 5 = Leskien S. 107 nr. 24) läßt sich der Held zuerst von seinen Drachenschwägern bewirten, um sie dann im Verein mit dem l) Einige Zeilen der zugrunde liegenden Ballade führt der wahn- sinnige Edgar in Shakespeares 'König Lear' III, 4 an: Childe Rowland to the dark tower came . . . His word was still: 'Fie, foh and fum, I smell the blood of a british man'. Auch in Peeles Schauspiel 'The old wives' tale' (1595) ziehen zwei Brüder Calypha und Thelea aus, ihre von Sacrapant verzauberte Schwester zu erlösen. Ebenso in Mi Rons Comus (1631), wo ein als Schäfer ver- kleideter Schutzgeist den Brüdern ein Kraut gibt, das sie gegen den Zauberer Comus schützt. 197. D/e Kristallkugel. 431 Drachenkaiser zu töten. Zbornik jslav. 12, 139 nr. 27 (der nach- geborene Bruder). Auch rumänische (Schott S. 85 nr. 1 'Der Kaiserin Wundersohn'. Kremnitz nr. 14 'Der arme Junge') und türkische Märchen (Künos, Stambul S. 95 'Der Aschenbrödelsohn') berichten von solcher Befreiung der entführten Schwester. Weiß- russisch: &ejn 2, 149 nr. 70. Federowski 1, 127 nr. 345. 1, 110 nr. 338 (der nachgeborene Erbsensohn) = Dmitrijev S. 152 = Afanasjev 1, 142 nr. 74 b. Bomanov 3, 88 nr. 12 (Mutter). Kleinrussisch aus Süd- ungarn: Etnograf. Zbirnyk 25, 111 nr. 21 (drei Drachen); aus Galizien ebd. 7, 32 nr. 33 (eine Schwester beim Drachen), Sadok Baracz S. 90 ; Rozdoljskyj S. 21 nr. 7 (drei böse Geister auf drei Glasbergen); teilweise auch Etnograf. Zbirnyk 29, 140 nr. 17. 29, 152 nr. 20. 29, 165 nr. 21; Afanasjev 1, 141 nr. 74a; Manzura S. 18 nr. 18. Groß- russisch bei Bronicyn 1838 — Afanasjev 1, 149; Chudjakov 3, 147 nr. 117. 3, 109 nr. 108 (der nachgeborene Sohn); Zapiski Kras- nojarsk 2, 115 nr. 29. Slovakisch: Nemcovä2, 58 nr.36 (ein Fisch). Grön- ländisch: Bink p. 75 nr. 11 'Om to piger' (Adler und Walfisch von den Brüdern getötet; in nr. 13 'Brodrenes besag hos deres soster' ziehen die Brüder heim, ohne ihre Schwester aus der Macht des Menschenfressers befreit zu haben). In den 1001 Nacht übers, von Habicht 12, 132 (Chauvin 5, 234 nr. 134 'Les deux princes de la Cochinchine et leur soeur') überwindet Murad, von einem dankbaren Geiste beraten, seinen Schwager, den Zauberer Abutawil, welcher seinen Bruder Khanzad in einen Hund verwandelt hat, dreht dem Vogel, an den Abutawils Leben geknüpft ist, den Hals um und zieht mit Bruder und Schwester heim. In einer verwandten Gruppe handelt es sich nicht um die Befreiung der Schwester, sondern um die der Braut sowie der Brüder, oder der Mutter. Eine holsteinische Fassung bei Müllenhoff S. 404 nr. 7 = Bechstein, Märchenbuch 1874 S. 84 be- richtet 'vom Manne ohne Herz', einem alten Zauberer, dessen Leben in einem Vogel in einer fernen Kirche steckt; der verwandelt sechs Brüder samt ihren Bräuten in Stein1) und nimmt die Braut des daheim gebliebenen jüngsten Bruders zu sich; dieser bemächtigt sich, unterstützt von einem dankbaren Ochsen, Wildschwein und Greifen, des Vogels, tötet den Riesen und zieht mit den Erlösten *) Die Versteinerung und Entzauberung durch die besiegte Hexe selber erinnert an den Schluß des Brüdermärchens (oben 1, B54). 432 197. Die Kristallkugel. davon. Ähnlich bei Harten-Henniger 2, 46 'Vom Zauberer, der kein Herz im Leibe hatte.' Siebenbürgisch bei Haltrich4 nr. 34 'Von den zwölf Brüdern, die zwölf Schwestern zu Frauen suchen' (Löwe, Adler, Fisch helfen den Talisman der Hexe, ein Ei, gewinnen). In der entstellten waldeckischen Fassung bei Curtze S. 129 nr. 22 'Die sieben Prinzessinnen und der Zauberer' offenbart der Zwerg selber dem Helden das Geheimnis seiner im Ei verborgenen Seele und wird zu einem Prinzen entzaubert. — Dänisch: Kristensen, Aev. fra Jylland 4, 89 nr. 15 'Troldens hjaerte' (sieben Brüder); Skattegraveren 6, 230 'Troldens hjserte' (neun Brüder)* 11, 177 'Troldens sjsel' (zehn Brüder); Efterslaet S. 115 'Bjaerg- mandens hjaerte' (zwölf Brüder). — Schwedisch: Allardt nr. 129 'Om torparens sju söner'. — Norwegisch: Asbjörnsen-Moe nr. 36 = Bresemann 2, 58 'Von dem Riesen, der kein Herz im Leibe hatte' (sieben Brüder; Rabe, Lachs, Wolf) = Denhardt, Norwegische Volksmärchen und Waldgeistersagen 1881 S. 44 = Stroebe 2, 119 = Dasent 1859 p. 55. — Schottisch: Macdougall p. 63. — Italienisch: Weber 1900 nr. 2 'I dodici figlioli'. — Rumänisch: Schullerus, Archiv 33, 578 nr. 89 'Fritz der tapfre, geboren aus Blumen' (gewinnt zwei Eier aus Ente und Sau und nötigt den Drachen, der seine Mutter geheiratet hat, den versteinerten Vater und sein Heer zu entzaubern ; keine dankbaren Tiere ; vgl. oben 1, 539). — Griechisch: Geldart p. 55 (der Drache, der die Schwester entführte, hat drei goldene Haare am Kopfe, mit denen man das Zimmer mit den drei Tauben, an die sein Leben geknüpft ist, öffnen kann). — Serbokroatisch: Wuk nr. 8 'Der Drache und der Kaisersohn' (drei Brüder; Hunde, Falke) = Leskien S. 119 nr. 26. Valjavec S. 154 = Leskien S. 204 nr. 46 'Ein Bursche erlöst zwölf verwunschene Mädchen'. Kica 7, nr. 26. Ljetopis mat srpske 147, 133 nr. 6 (Held als Löwe, Vogel und Ameise, tötet einen Drachen, in dem ein Ei steckt). — Bulgarisch: Sbornik min. 3, 220 nr. 2 (Mutter von einem Drachen entführt; in seinem Pelz eine Dose mit drei goldenen Hühnchen). — Polnisch aus Posen: Hessische Blätter f. Volkskunde 6, 94 nr. 8 'Der Mann ohne Herz' (sieben Brüder; der jüngste holt mit Hilfe eines Ochsen, Schweins und Adlers das in einer von Wasser umgebenen Kirche aufgehängte Herz des Zauberers). Kolberg, Lud 14, 12 nr. 4 (Schwan Jungfrau bei einem Drachen; Held als Löwe, Hund, Habicht und Ameise über- wältigt den Drachen, Hasen, die Taube und findet im Ei die drei 197. Die Kristallkugel. 433 Schlüssel). — Kleinrussisch: Etnogr. Zbirnyk 4, 53. 29, 230 nr. 32. Aus Gouv. Kiev: Öubinskij, Trudy 2, 239 nr. 64. — Weiß- russisch: Romanov 6, 122. 130. 144 nr. 13 — 15. — Großrussisch: Chudjakov 3, 6 nr. 82 (der jüngste Sohn befreit die vom Winde ent- führte Mutter und verbrennt das Sandkorn, in das dieser sich ver- wandelt; wird von den Brüdern in der Unterwelt zurückgelassen). Afanasjev 1, 217 nr. 93a (die entführte Mutter entlockt dem unsterb- lichen Koscej sein Geheimnis; dankbarer Wolf, Rabe, Hecht). 1,219 nr. 93b (Braut von Koscej entführt; Habicht, Bär, Hecht). 1, 224 nr. 93c (ähnlich; Hund, Adler, Krebs). Sadovnikov S. 201 nr. 61. Zap. Krasnojarsk. 2, 59 nr. 15 (Braut entführt; Ei in einer Ente unter einer Eiche am Meer; Hecht hilft). 2, 132 nr. 31 (Mutter). — Lettisch: Weryho S. 136 nr. 16 (treulose Brüder). — Magyarisch: Mailath 1837 2, 133 'Pengö' = Kletke, Märchen- saal 2, 12 (vgl. oben 2, 504. Pengös ältere Brüder erlegen den Geier und Eber und heiraten die von diesen umworbenen Königs- töchter ; Pengö, dessen Gattin vom spannenlangen Mann geraubt wird, sucht diesen auf und bringt sein in einem Käfer verborgenes Leben mit Hilfe von Wolf, Adler und Rabe an sich). — Zigeunerisch: Miklosich nr. 4 = Groome p.85 'The seer' (Mutter, treulose Brüder; Tötung de3 Drachen fehlt). — Türkisch: Jubil. Sbornik Miller S. 218 nr. 96. Hörn Pascha, Vom märkschen und türkschen Land 1903 S. 251 'Vom Teufel Nietun nagelfest'. — Tartarisch: Sbornik Kavkaz. 13, 2, 317. — Imeretinisch: Sbornik Daskov. 3, 153 (Mutter vom jüngsten Sohne befreit, der sich am Strick hinab- läßt und den Entführer mit dessen Schwert tötet). — Lappländisch: Friis nr. 17 — Germania 15, 174 = Poestion nr. 20 = Kauffmann, Balder S. 138 'Der Riese, dessen Leben in einem Hühnerei verborgen war' (Bär, Wolf, Habicht, Seetaucher helfen). — Samojedisch: Castren, Nordische Reisen 4, 172 nr. 4 (der Held nötigt eine Schwanjungfrau, deren Gewand er raubt, den sieben Brüdern ohne Herz, die ihm die Schwester entführt und die Mutter getötet haben, ihre sieben Herzen zu stehlen ; sechs Herzen wirft er zu Boden und zwingt den noch übrigen ältesten Bruder, seine Mutter w*ieder zu belebe ). — Indisch: Frere nr. 1 'Punchkin' = Passow S. 31 = Jacobs, Indian fairy tales nr. 4 (vgl. oben S. 65. Der Sohn der siebenten Prinzessin befreit seine Mutter, seinen versteinerten Vater und seine sechs Oheime, nachdem ein dankbarer Adler ihn zu dem Papagei getragen, an den des Zauberers Grimm, Märchen-Anmerkungen III. 28 43-4 197. Die Kriatallkugel. Leben geknüpft ist) ; vgl. Clodd, Folklore Journal 2, 289. The Indian Antiquary 1, 170. Knowles, Kashmir p. 43. Day, Bengal p. 117. O'Connor, Tibet p. 154 (ohne die dankbaren Tiere). Parker, Ceylon 1, 186 nr. 24 'How a prince was chased by a Yaksani, and what befel' (Leben im Papagei). Shaik Chilli, Folk-tales of Hindustan p. 105 (Parker 1, 277. Vögel). Minaef nr. 10 (Cosquin 1, 175). — Arabisch aus Ägypten: Spitta-Bey p. 12 nr. 2 'Histoire d'Ours-de-cuisine' (der listige Mohammed holt die Flasche, in der das Leben der Dämonin steckt, sowie die Augen seiner Mutter und der 39 andern Frauen des Königs, und nötigt die Dämonin, die Augen wieder einzusetzen; als er ihr dann die Flasche reicht, läßt sie diese aus Angst zu Boden fallen ; vgl. zu den ausgestochenen Augen Parker, Ceylon 1, 270 nr. 48 'The seven princesses' und Frazer8 7, 2, 138). — Senegambien: Equilbecq 2, 88 'Ntyi vain- queur du boa'. Vermutlich ist die Erzählung von den Tierschwägern hervor- gegangen aus dem einfacheren Märchen von dem im Ei ver- borgenen Leben des Unholds,1) dessen sich der Held, der zur Befreiung einer von jenem gefangen gehaltenen Jungfrau ausgezogen ist, bemächtigt, indem er sich entweder mit Hilfe dankbarer Tiere3) in die Gestalt eines Löwen, Vogels und Fisches verwandelt (A1) oder indem diese selber (wie oben die Tierschwäger) auf seinen Ruf herbei- eilen (A2). Schlesisch bei Peter 2, 145 'Die dankbaren Tiere' (Riese, Hund, Adler, Ameise. A1); norddeutsch bei Pröhle, KVm. nr. 6 'Der Mann ohne Leib' (entstellt. Löwe, Hund, Rabe, Ameise. A1), holsteinisch bei Wisser, Grotmoder 2, 5 = Plattdt. Vm. S. 200 'Windhund, Kreih un Migelrem' (A1); pommerisch bei Jahn, Volksmärchen 1, 340 nr. 62 'Der Kaufmann und die See- jungfrau' (Anfang wie unsre nr. 181. Vogel, Maus, Windhund, Löwe. A1); ostpreußisch bei Lemke 2, 204 'Der Jäger und die Schwanjung- *) Vgl. dazu oben 1, 134. 2, 3401. R. Köhler 1, 158. Cosquin 1, 173. Feilberg, Ordbog over jyske almuesmäl 1, 631a. 2,438b. Chauvin 2, 193. 5, 176. Steel-Temple, Wide awake stories p. 404. Parker, Ceylon 1, 166. 2, 168. Ciouston, Populär tales 1, 347. 2, 145. Jones-Kropf, Magyars p. 400. Macculloch, Childhood of fiction p. 118 'The separable soul'. Frazer, The golden bough2 3, 351 = 3. edition 7, 2, 95—152 'The external soul in folk-tales' (1913). F. Kauffmann, Balder 1902 S. 137. G-. A. Wilken, Verspreide Geschritten 3, 289. 551 (1912). 2) Gewöhnlich teilt er ein gefallenes Tier, um das sie streiten, unter sie oder speist sie oder errettet sie aus Lebensgefahr, wie oben 2, 22. 197. Die Kristallkugel. 435 frau' (A1); posensch bei Konrad S. 35 'Prinz Wilhelm' (Löwe, Adler, Ameise. A1). — Vlä misch: Wolf, DMS. nr. 20 'Ohneseele' (Fliege, Adler, Bär, Löwe. A1). Joos 2, 3 nr. 1 'Van den vrouwenfretter' (A1). 3, 87 nr. 29 'Van Ronkaard' (A1) = Teirlinck p. 73. De Mont en de Cock, Wondersprookjes nr. 1 'De man zonder ziel' (A2). — Dänisch: Grundtvigs hsl. Register nr. 17 'Troldens hjterte og svenden i dyrenes hamme'. Grundtvig, Folkeaev. 2, 148 nr. 12 'Skomagerdrengen' = Leo-Strodtmann 2, 194 (Hund, Bär, Falke, Ameise. A1). Berntsen 1, 88 nr. 10 'Askepot' (Wolf, Rabe, Fisch. A2). 1, 229 nr. 29 'Fiskerens son' (Löwe, Hund, Falke. A1). Kamp 1, 221 zu nr. 8. Kristensen, Aev. fra Jylland 3, 103 nr. 21 'De to brodre' (Anfang wie unsre nr. 60. Löwe, Falke, Hund, Ameise. A1). Kristensen, Fra Bindestue 1,23 nr. 4 'Love, falk, hund og orm' (A1). 2, 30 nr. 5 'Fuglen med guldnaal i kraasen' (Löwe. Falke, Hund, Ameise. A1). Skattegraveren 1, 98 'Dyrenes gaver' (verbunden mit nr, 181. Löwe, Hund, Falke, Maus. A1). 4, 18 'Dyrenes gaver' (Löwe, Hund, Rabe. A1). 4, 24 'Love, falk og mynde' (unsichtbare Bettgenossin beleuchtet, vgl. oben 2, 269). 12, 87 'Hans fiskersön' (ebenso). 12, 106 'Love, and og myre' (Fuchs gewährt die drei Tierverwandlungen für seine Rettung vor den Hunden). Kristensen, Fra Mindebo S. 44 'Mit ophold paa det foronskede slot' (Bettgenossin beleuchtet. Hund, Falke, Löwe. A1). — Schwedisch: In einer 'Plistoria om konungasonen, som künde förskapa sig tili läjon, björn, hynda, falk ock myra', die Ahlström, Sv. landsmälen 11, 1, 89 aus einer Hs. von 1702 veröffentlicht hat, teilt Prinz Alexander einen Büffel unter einen Löwen, Bären, Hund, Falken und Ameise, fliegt als Falk in die Kammer der Königstochter, wird ihr vermählt, muß sie dann aber aus dem Berge, in den sie ein Troll entführt, befreien und ein Steinchen holen, das in einer Taube, einem Hasen und einem Drachen steckt; als er dies auf den Berg schleudert, wird dieser zu einem Palast, der Troll wird entzaubert und heiratet eine Schwägerin des Helden. Nicolovius, Folklifwet i SkyttsHärad 1847 S. 34 'De tolf feta galtarna'. Henriksson S. 24 'Läjonet, vildhunden, falken ock myran'. Bondeson, Sv. folksagor nr. 22 'Pojken, som künde skapa sig tili läjon och korp och myra'. Afzelius, Sagohäfder 3, 143 'Läjon, varg, örn\ Lindskoug nr. 2 'Draken i Frankrike' (Ameise, Rabe, Hund, Wolf) = Folkminnen och folktankar 2, 145. Aberg nr. 180 'Skräddarepojken, som kom sig tili en prinsessa' (Löwe, Schwan, Hase, Hund, Ameise). Allardt nr. 127 'Skräddarepojken, 28* 436 197. Die Kristallkugel. som frälste prinsessan frän trollet' (Löwe, Hund. Schwan, Ameise). Hackmans Register nr. 302. — Norwegisch: Asbjörnsen nr. 70 'Gutten, som gjorde sig til love, falk og myre' = Dasent 1874 p. 223. Janson, Sandeherad nr. 10. Löland p. 1 'Dyrestyrk og dyremod' (Bär, Wolf, Fuchs, Ameise, Falke). Braset, Hollraöventyra S. 231 'Kusin, som itt ha naakkaa hjart' (Ente, Lachs). S. 257 'BsergtraaDe, som ha a?g ti siun brors liv i Aengellann'. — Isländisch: Rittershaus S. 162 nr. 37 'Die hilfreichen Tiere' (Vögel, Hunde, Rinder; Lebenseier der 13 Riesinnen). S. 36 nr. 8 'Rautüboli' (der Stier, der dem Helden das Lebensei des Riesen gewinnen hilft, ist ein verzauberter Königssohn). Bei Arnason 2, 431 = Poestion S. 49 = Rittershaus S. 173 nr. 41 'Der von Riesinnen geraubte Königs- sohn', vgl. Maurer S. 277, wird der geraubte Prinz Hlini von der Bauerntochter Signy in der Höhle aufgesucht und fragt auf ihren Rat die Riesin nach ihrem Lebensei; mit Signy zusammen fährt er auf dem Zauberbette zum Walde und zerbricht das Ei. — Schottisch: Campbell 1, 1 nr. 1 'The young king of Easaidh Ruadh' = Brueyre p. 71; vgl. R. Köhler 1, 158 (Hund, Habicht und Otter helfen dem Könige das Lebensei des Riesen gewinnen, der seine Gattin entführt hat). Campbell 1, 72 nr. 4 'The seamaiden' = Jacobs, Celtic f. tales 1, 144 nr. 17 = Brueyre p. 84; vgl. R. Köhler 1, 175 (verbunden mit unsrer nr. 181 und dem Motiv des Lebenswahrzeichens im Brüdermärchen, oben 1, 545. Hund, Falke, Otter; in andern Fassungen Löwe, Wolf, Falke oder Fuchs, Wolf, Krähe). Curtin, Myths of Ireland p. 78 'Fair, Brown and Trembling' = Jacobs 1, 169 nr. 19 (oben 1, 172. Verblaßt). Mac Innes 1890 p. 95 nr. 4 'The herding of Cruachan' (Habicht, Ente, Fuchs, Otter). Macdougall 1891 p. 76 'The bare-stripping hangman' (p. 107. 284. Hund, Otter, Falke. A2). — Bretonisch: Troude et Müin 1870 p. 261 'Le corps-sans-äme (Löwe, Tiger, Wolf, Bär, Fuchs, Ameise, Rabe). Luzel, Contespop. 1,427 'Le corps-sans-äme' (Ameisen, Fisch). Luzel, Cinquieme rapport p. 10 'Le poirier aux poires d'or et le corps-sans-äme' (Archives des missions scientifiques 7, 101. 1871. Vgl. oben 2, 304). Luzel, Veillees bretonnes p. 105 'Le pecheur qui vendit son äme au diable' (Mabik und die in eine Eselin verwandelte Prinzessin). Sebillot, Contes de la Haute-Bretagne 1, 61 nr. 9 'Le geant aux sept femmes' (Wolf, Ameise, Vogel). 2, 126 nr. 24 'Le corps-sans-äme' (die hilfreichen Tiere fehlen). — Französisch: Cosquin 1, 166 nr. 15 'Les dons des trois animaux' (Löwe, Adler, Ameise). ° 128 nr. 50 'Fortune' 197. Die Kristallkugel. 437 (Wolf, Adler, Ameise). Carnoy, Contes francais p. 275 'Le corps- sans-äme, ou le lion, la pie et la fournii' = Romania 8, 240. Dardy 2, 223 nr. 61 'La fourmi, l'aigle et le lion'. — Italienisch: Andrews nr. 46 'Corps-sans-äme' (Löwe, Hund, Adler, Ameise). Comparetti nr. 32 'La nuvolaccia' (Löwe, Adler, Ameise) = Crane p. 30, und nr. 55 'La vedova e il figliuolo' (Bettgenossin beleuchtet. Hund, Löwe, Adler, Ameise). Visentini nr. 37 'Pietro il buon soldato' (Löwe, Tiger, Hund, Fuchs, Gans, Ameise). Coronedi-Berti 1883 nr. 12 'La tor d'Fedelcina' (unsre nr. 129 und 93. Löwe, Adler, Ameise). Imbriani, Nov. fior. 2 nr. 26 'Zelinda e il mostro' — Crane p. 7 (oben 2, 243. Keine dank- baren Tiere). Busk p. 168 'How Cajusse was married' (keine Tiere) = Clouston 1, 314. Finamore 1, 1, 87 nr. 19 'Lu fijje de lu marenare' (Löwe, Ameise, Taube). Gubernatis, St. Stefano nr. 23 'La fanciulla e il mago'. Gonzenbach nr. 16 'Von dem Kaufmannssohne Peppino' (vgl. oben 2, 269. Keine Tiere; entstellt); vgl. Zs. f. Volkskunde 6, 66. Pitre, Fiabe sie. 2, 214 nr. 81, Variante 'La lanterna' = La lanterna, ed. F. Sabatini 1878 (Ameise, Adler, Löwe). Pitre 2, 216 nr. 82 'Lu'mperaturi Scursuni' (keine Tiere) = Kaden S. 211. — Katalanisch: Haspons, Rondallayre 1, 72 'Lo fill del pescador' (beleuchtet im Zauberschloß die Bettgenossin wie oben 2, 269, erhält von ihr die Gabe, sich in eine Ameise oder Taube zu verwandeln, und holt den Edelstein aus dem Kopf einer Schlange). Alcover 2, 219 'Es fig des pescador' (Löwe, Hund, Falke, Ameise). — Baskisch: Vinson p. 84 'Malbrouc' (Wolf, Hund, Habicht, Ameise. A1) = Webster p. 80. Cerquand 4, 62. 67. 72. — Griechisch: Hahn nr. 64 'Der starke Hans' (Leben des Zauberers, der des Helden Frau entführt hat, in einer zehnköpfigen Schlange; keine Tiere) und die Varianten 2, 260 und 275. — Albanesisch aus Sicilien: Pitre, Cartelli 1913 p. 429 nr. 11 'L'uccisione dell'orco' (drei Feen). — • Rumänisch: S^äinenu p. 666 'Tipulü Dalila'. — Slovenisch: Nar. pripov. Sosk. 3, 41 nr. 4 'Der Deserteur' = Gabrscek S. 339 nr. 44 (Adler, Bär, Hund, Ameise). — Serbokroatisch: Zbornik jslav. 17, 167 = Leskien S. 177 nr. 39 'Der Schwieger- sohn aus der Fremde'. — Bulgarisch: §apkarev 8 — 9, 374 nr. 227 (Ameise, Löwe, Adler). 9, 400 nr. 243 (neun Herzen im Eber, darunter das des Unholds). — Slovakisch: Rimauski S. 36 =» Dobsinsky 5, 51 =» Wenzig S. 182 'Das Sonnenroß' (Kampf zweier Zauberer; keine Tierverwandlung). Dobsinsky 7, 75 (Löwe, Windhund, Rabe). Nemcovä, Slov. 2, 61 438 197. Die Kristallkogel. (Löwe, Windhund, Rabe). — Cechisch aus Böhmen: Pfihoda nr. 1 (Löwe, Krähe, Maus). Aus Mähren: Kulda 3, 217 (Löwe, Hund, Adler). 4, 34 (Löwe, Fuchs, Adler; vgl. Archiv f. slav. Phil. 19, 241). 4, 87 (Löwe, Windhund, Habicht, Ameise). Pfikryl S. 311 (Löwe, Windhund, Habicht, Ameise ; Drache, Hase, Taube, Korn). — Polnisch: Ciszewski, Krakowiacy 1, nr. 49 (Archiv 17, 573). Kol- berg, Lud 3, 133 nr. 9. Malinowski 2, 193 (Löwe, Hund, Ameise, Adler). — Kleinrussisch: Öubinskij 2, 178. 248. Chodzko p. 205 'L'esprit des steppes'. — Weißrussisch: Glihski 1, 90 = Erben 104. Romanov 3, 72 nr. 8. 6, 2. 122. 144. 222. 226. 343. — Groß- russisch: Deduskiny progulki 1819 S. 13 = Afanasjev3 1, 229 = Dietrich S. 15 nr. 2 Won der höchst wunderbaren und herrlichen selbstspielenden Harfe' = Vogl 1 ; metrisch bei Gaudy, Sämtliche Werke 1844 16, 50 'Die selbstspielende Harfe'. Afanasjev3 1, 217 nr. 93 — v. Löwis S. 160 nr. 29 'Der unsterbliche Koschtschej' = Ralston p. 100 = Curtin, Myths of the Russians p. 106. Afanasjev 1, 245 nr. 97 'Der Kristallberg' (ohne hilfreiche Tiere). 2, 158. Sadov- nikov p. 199 nr. 61. Oncukov S. 267 nr. 107. Zap. Krasnojarsk. 1, 85 nr. 43. — Litauisch: Kartowicz S. 96 nr. 66 (unter dem Bett des Vaters der Prinzessin steht die Kiste mit Hasen, Ente, Ei). Dowojna Sylwestrowicz 1, 313. 2, 355 (Löwe, Windhund, Falke, Ameise). — Finnisch: Krohn-Lilius 2, 255. Suomi 2, 8, 240. 263. 2, 14, 52. 2, 16, 218. Aarnes Register nr. 302. — Ungarisch: Rona-Sklarek 2, 226 nr. 22 'Cserneki' (keine Tiere). Busk, Folklore of Rome p. 167 (Iatvan und der Zwergenkönig). Klimo p. 136 'L'arbre merveilleux' = Revue des trad. pop. 12, 472. — Zigeune- risch: Wlislocki, Volksdichtungen S. 274 nr. 40 (Wolf, Bär, Fuchs). — Armenisch: Sbornik Kavkaz. 24, 2, 260 nr. 38 (dankbare Krähen und Greife; Seele in einer Blase im Kopf eines Hirsches). Macler p. 18 nr. 1. — Kürinisch: Sbornik Kavkaz. 14, 2, 208 (Wolf). — Mingrelisch: Mourier p. 56 — Wardrop p. 118 'Geria the poor man's son' (keine Tierverwandlung). — S artisch: Ostroumov 2, 86 (Herz in einer Taube im zehnten der vergrabenen Koffer). — Tatarisch: Radioff 3, 597 'Säipül Mälik' (erweckt S. 661 die gefangene Jungfrau, indem er die Zaubertafel weg- nimmt wie oben 2, 198 bei Musäus, und tötet S. 671 den Zauberer, dessen Leben in einer Taube in einem ins Meer ver- senkten Kasten liegt). 6, 131 'Säipül Mülük' (Taube im Kasten). 4, 81 'Kara Kököl' (befreit seine vom Zauberer gefangene 197. Die Kristallkugel. 439 Schwägerin, ohne von seiner Verwandlungskunst in Tiere Ge- branch zu machen; dazu Motive aus dem Brüdermärchen nr. 60); vgl. 4, 502 'Chosha Sultan' (gewinnt durch dankbare Tiere das steinerne Herz seiner erzürnten Geliebten wieder; oben 2, 340).1) Schiefner. Heldensagen der Minussinsehen Tataren 1859 S. 175. 364. XXV. — Indisch: Leitner, Languages of Dardistan 3, 8 (Cosquin 1, 174. Seele im Schnee). Stokes p. 260 nr. 11 'Brave Hiralalbasa' (keine dankbaren Tiere ; Leben im Vogel). Steel-Temple p. 59. Bompas p. 224 nr. 73. O'Connor p. 103 nr. 16 'The prince and the ogre's Castle' (der Held erfährt von der gefangenen Prinzessin, wie er den Unhold enthaupten und den Knaben, in dem sein Leben verborgen ist, erstechen kann ; dann belebt er die Mensehen, deren Herzen der Unhold gefressen hat). — Arabisch: 1001 Nacht übers, von Henning 13, 59 'Seif el-Mulük und Badiat el-Dschamäl' (S. 102 die Seele des Dschinni im Sperling in einer ins Meer versenkten Büchse, durch den Ring Salomos heraufgeholt) ; vgl. Chauvin 7, 64, der persische, türkische, tatarische, indische und malaiische Übersetzungen anführt. In einer andern Geschichte derselben Sammlung (Habicht 12, 189; vgl. Chauvin 5, 175 'Benazir') entdeckt die gefangene Prinzessin aus den Zauberbüchern, daß das Leben des Dämons an seinen Säbel geknüpft ist, und tötet ihn selber. — Mauritius: Baissac p. 358 'Corps-sans-äme et Colle-des- coeurs' (Peur-de-rien erhält vom Löwen und Papagei die Verwand- lungsgabe und bemächtigt sich des im Ei enthaltenen Lebens des Zauberers, der seine Gattin entführt hat). — Sudan: Monteil p. 150 'Les trois insatiables' (der König stirbt, als der Held ihm sagt, sein Leben sei in dem und dem Kästchen verborgen). — Kabylisch: Puviere p. 187 'Moh'amed ben Soltan' (der Unhold offenbart dem Helden selber, daß sein Schicksal in einem Ei stecke). Die Vorstellung von der außerhalb des Leibes in einem Ei (doch auch in einem Kästchen, Edelstein, Halsband, Schwert, in x) Im großrussischen Märchen bei Afanasjev3 2, 91 nr. 128a muß der Held die verborgene Liebe der Schwan Jungfrau ebenso aus Eiche, Koffer, Hase, Ente, Ei holen; als die Schöne das Ei verzehrt, entbrennt sie in Liebe zu dem Jüngling. Ahnlich ebd. 2, 156 nr. 150 b (Erosch- prinzessin. Stier, Ente, Ei; es helfen Bär, Habicht, Hecht). Zap. Krasnojarsk. 2, 200 nr. 48. Weißrussisch: Federowski 2, 213 nr. 199. 440 197. Die Kristallkugel. einer Biene, einem Vogel, Fisch, Baum) verborgenen Seele,1) die den Besitzer gegen Hieb und Stich unüberwindlich macht, begegnet uns schon im altägyptischen Brüdermärchen (oben 3, 33. Zs. f. dt. Mythologie 4, 232. Wiedemann, Altägyptische Sagen 1906 S. 58. Maspero, Contes pop. de l'Egypte ancienne 1889 p. 5. Flinders Petrie, Egyptian tales 2, 36). Hier erfährt der König durch das Weib des Bata-u, daß dieser sein Herz in der Spitze der Akazien- blüte versteckt hat, und läßt den Baum umhauen ; aber Anepu, der ältere Bruder des Getöteten, legt das Herz in Wasser, da lebt Bata-u wieder auf. An die Einschachtelung in mehrere Tierleiber erinnert die Einschachtelung des Zauberbuches in sechs Kisten im ägyptischen Märchen von Setna (Wiedemann S. 125. Maspero p. 177). Verwandt ist die Verknüpfung eines Menschenlebens mit einem bestimmten Baume (Mannhardt, Wald- und Feldkulte 1, 45. 2, 23) oder mit einem dem Feuer entrissenen Holzscheite, wie in der griechischen Sage von Meleager, den seine Mutter tötet, indem sie das Scheit verbrennt (Röscher, Mytholog. Lexikon 2, 2, 2591. Rhein. *) In dem oben S. 432 angeführten siebenbürgischen Märchen Haltrichs nr. 34 enthält das Ei ein brennendes Lebenslicht (vgl. oben 1, 388); im slovinzisclien bei Lorentz, Texte S. 93 nr. 93 muß der Held das Feuer im Entenei auslöschen; im arabischen bei Desparmet, Blida 1, 363 mehrere Kerzen. — Das Leben steckt in einem Edelstein (Busk, Borne p. 165. Jülg, Siddhi-Kür S. 110 nr. 12. Steinchen im Schwert, albanisch: Truhelka 1, 62), Messer (karatschaisch : Sbornik Kavkaz. 21, 2, 76 nr. 10), in der Säule (Knowles, Kashmir p. 134), in einer Biene (Knowles p. 383), im Fisch (Grundtvig, Folkesev. 1, 36 = Leo 1, 45. Ossetisch: Sbornik Daskov 1, 136 nr. 4), in einer zwölfköpfigen Schlange (Castren, Ethnolog. Vorlesungen über die altaischen Völker S. 228), in einem Vogel (serbokroatisch: Bosanska Vila 9, 300. 1894. Vuk S. 8 = Ostojic S. 177. Desparmet, Blida 1, 363), im dreibeinigen Pferde oder in der lahmen Ziege (Bos. Vila 6, 124. 12, 332), im goldenen Widder oder Hasen (mongolisch: Bennigsen S. 85. 94) usw. — Im magyarischen Märchen bei Erdelyi 3, nr. 4 = Jones-Kropf p. 205 = Klimo p. 248 sind zwei Käfer in der Taube eingeschachtelt; der schwarze ist die Kraft der Hexe, der leuchtende ihr Leben. Im burjatischen (Balagan. Sbornik S. 56) hat ein Held sogar drei Seelen, die eine in einer Elster, die zweite in einem Tempel, wo dreizehn Wachteln sitzen, die dritte im weißen Steine im See, worauf ein silberner Hase sitzt; die Seelen eines andern Helden stecken in drei Fischen in einer Grube im Tempel, in einem Hunde und einem Hasen. Im altaischen Märchen bei Castren, Vorlesungen S. 173 hängen die Brüder, bevor sie sich schlafen legen, ihre Herzen auf einen Baum. 197. Die Kristallkugel. 441 Museum 49, 57. 310. Kauffmann, Balder S. 164). Das Leben des Riesen steckt in einem neueren indischen Märchen (Indian Antiquary 22, 249 'The prince and the Kambals') in drei Palmen, in einem mongolischen (ßennigsen S. 84) in einer Pappel. In den 101 nuits p. 124 'Histoire d'etoile de lumiere' kann der Ifrit nur durch ein Schwert aus Bambusholz getödtet werden. In der persischen Heldensage (Firdusi übersetzt von Schack 1865 S. 423) führt der Wundervogel Simurg den Helden Rüstern zu einer fernen Ulme, an die das Leben seines Feindes Isfendiar gebunden ist, und unter- weist ihn : — 'Brich nun sogleich Von diesem Banm den längsten, stärksten Zweig! Geheftet ist an ihn Isfendiars Leben Und so der Feind in deine Hand gegeben. Im Feuer mußt du härten diesen Ast, Zwei Eisenspitzen sei'n ihm angepaßt Und an den Schaft drei Federn festgeheftet, Dann ist Isfendiar wider dich entkräftet.' Wenn hier der Gegenstand, in welchem Isfendiars Leben ruht, als Waffe gegen ihn gekehrt wird,1) so kann man damit mehrere der l) Frazer und Kauffmann ziehen die isländische Gestaltung der vielnmstrittenen Balder- Sage hierher, nach der Loki von Frigg erfährt, daß dem Balder nichts schaden könne außer dem Mistelzweige, dem sie nicht wie allen andern Dingen einen Eid abgenommen habe, ihrem Lieb- linge kein Leid zuzufügen. Loki macht darauf aus dem Mistelzweige einen Pfeil, den der blinde Höder auf Balder abschießt (Gylfaginning c. 49; Snorra Edda 1, 172. Gering, Edda S. 343). Beide Gelehrte ver- muten nämlich, daß ursprünglich in dem Mistelzweige Balders Seele ver- borgen war, während F. v. d. Leyen (Das Märchen in den Göttersagen der Edda 1899 S. 22. Deutsches Sagenbuch 1, 119. 1909) gleich andern in dem Mistelzweige einen mißverstandenen Schwertnamen Mistelteinn erblickt, da in der dänischen Fassung bei Saxo Grammaticus (Buch 3 p. 70 ed. Holder = Herrmanns Übersetzung 1, 89. Olrik, Kilderne til Sakses Oldhistorie 1, 13) Balder nur durch Mimings Schwert fallen kann; mitgewirkt habe der Märchenzug von dem übersehenen Gegen- stand, der dem Helden verderblich wird, wie die Spindel dem Dorn- röschen (oben 1, 440), der Besen hinter der Tür der schönen Angiola (Gonzenbach nr. 53j, der vergessene Hahn dem bauenden Teufel (Wenzig S. 176). — Minder einleuchtend erscheint v. d. Leyens Ansicht (Sagen- buch 1, 50), die auch C. W. v. Sydow (Danske Studier 1914, 113 = Folkminnen och Folktankar 1, 113) vertritt, daß das Märchen vom Riesen ohne Seele der Hymiskvipa (Gering, Edda S. 28) zugrunde liege; denn 442 197. Die Kristallkugel. oben erwähnten Fassungen (dänisch, schwedisch, lothringisch, italienisch, slovenisch, cechisch, litauisch) vergleichen, in denen der Held das Lebensei auf dem Kopfe des Unholds zerschlägt; doch mag auch die Überlegung mitgewirkt haben, daß es für einen Helden geziemender sei, seinem Feinde einen Streich aufs Haupt zu versetzen, als ihn aus der Ferne durch Zerdrücken seines Herzens zu töten.1) In Zigeunermärchen (Wlislocki, Volksdichtungen S. 203. 277) wird das Lebensei ins Wasser oder Feuer geworfen, wie sonst auch das Schwert, in dem das Leben des Helden steckt (bulgarisch Sbornik min. 6, 3, 171; Sprostranov S. 19; armenisch Macler p. 37; indisch Steel-Temple p. 63 = Cosquin 1, 25 ; Parker 1, 164). Der slovakische Held dagegen trinkt das Ei aus, um dadurch die Kraft des Zauberers zu erhalten, während dieser schwach wie ein Kind wird (Rimauski S. 36 = Dobsinsky 5, 51; ähnlich Rimauski S. 19 — Dob- sinsky 6, 50 = Nemcovä Slov. ed. Tille 1, 208), oder er verzehrt zu gleichem Zwecke das Herz des Täuberichs (Sbornik mus. slov. spol. 18, 85). In einer Erzählung der Armenier in der Bukowina (Wlislocki 1891 S. 7 = Veckenstedts Zs. f. Volkskunde 2, 26) stirbt der goldene Vogel, der des Riesen Leben enthält, als der Held aus seinem Brunnen trinkt; in einem Blaubartmärchen der Zigeuner (Wlislocki, Volksdichtungen S. 335) stirbt der Zauberer, als er von seiner Lebens- kröte ißt, die ihm seine dritte Frau gebraten vorsetzt, statt sie zu füttern Das Motiv gelangt noch in andern Verbindungen zur Ver- wendung. So kommt in einer dänischen Sage bei Thiele 1, 8 Hymir, an dessen Stirn Thor den Becher des Riesen zerschmettert, verliert zwar auf diese Weise seinen geliebten Becher, bleibt aber selber am Leben. *) In einem Florentiner Märchen (Imbriani, Novellaja fior.3 p. 9 = Monnier p. 362) läßt sich die geraubte Jungfrau vom Orco dessen Lebensei zeigen und schlägt ihn auf die Hand, daß das Ei hinfällt und zerbricht. Bei Pineau, Contes du Poitou p. 88 stirbt das Untier, als ihm ein Spinnenei [!] auf den Kopf fällt. Eine weitere Entstellung ist es, wenn in deutschen Märchen bei Curtze, Waldeck S. 129 'Die sieben Prin- zessinnen und der Zauberer'; Pröhle, KVM. S. 24 'Der Mann ohne Leib'; Wolf, DHM. S. 96 'Der graue Wackenstein' durch das Zerbrechen des Eies ein verwünschter Prinz oder eine Jungfrau erlöst wird. Bei Asbjörnsen-Moe, Nord. VM. 2, 153 wird die Prinzessin erlöst, wenn der Held ein Sandkorn findet, das unter der neunten Zunge des neunten Drachen liegt. 198. Jungfrau Maleen. 443 während des Zweikampfes zwischen dem Christenkönig und dem Heidenkönig eine mit einer Goldkette geschmückte weiße Hin de gesprungen ; die Christenkrieger erschießen sie, da sinkt der Heiden- könig tot nieder. In einer siamesischen Erzählung (Bastian, Die Völker des östlichen Asiens 4, 340. 1868) vermag Eama seinen Gegner, den König Thossakan, nicht zu verwunden, da dieser seine Seele einem Einsiedler in Verwahrung gegeben hat; erst als sein Begleiter Hanuman Thossakans Gestalt annimmt und das Kästchen dem Einsiedler abfordert und zerdrückt, endet des Zauberers Leben. Dagegen ist in dem malaiischen Gedichte 'Sjair Bidasari' (Verhande- lingen van het Bataviaasch Genootschap van Wetenschapen 19, 1. 1843; vgl. G. A. Wilken, Verspreide Geschriften 3, 296. 559) das Leben der unschuldig verfolgten Heldin in einen goldenen Fisch gebannt; solange ihre Widersacherin diesen am Halse trägt, sinkt Bidasari in totenähnliche Starrheit (ebenso wie Prinz Dalim bei Day, Folk-tales of Bengal p. 6. 8); wird der Fisch aber in Wasser gelegt, so lebt sie auf wie im altägyptischen Brüdermärchen ; vgl. oben 1, 460 'Princess Aubergine'. In dem von Kläsi (Der malaiische Eeineke Fuchs 1912 S. 107) verdeutschten malaiischen Tiermärchen verlockt der listige Zwerghirsch den Affenkönig, in ein Wespen- nest zu schlagen, weil darin die Seele seines Feindes verborgen sei. 198. Jungfrau Maleen. im s. m 1850 nr. 198. — Aus Meldorf, nach Müllenhoffs Sagen von Schleswig-Holstein 1845 S. 391 nr. 5. Vgl. Hamann, Die literarischen Vorlagen 1906 S. 105. — Maleen, Marlene ist abgekürzt aus Maria Magdalena. Der Schlußreim 'Kling klang kloria, wer sitt in diesen Thoria' usw. gehört einem Kinderspiele von der vermauerten Königstochter an: Böhme, Deutsches Kinderlied 1897 S. 457 — 464; De Cock en Teirlinck. Kinderspel in Zuid-Nederland 1, 160; Van Duyse, Het oude nederl. Lied nr. 402 ; Kristensen, Börnerim S. 292. 634; vgl. Lewalter, Kinderlied in Kassel 1914 S. 330 und 417 zu nr. 242. 444 198. Jungfrau Maleen. Dieses durch Gehalt und Vollständigkeit ausgezeichnete Märchen,1) welches die so oft (oben 1, 85. 100. 2, 277. 3, 85) vor- kommende Erkennung der wahren Braut schön darstellt, ist im skandinavischen Norden heimisch und auf deutschem Boden nur noch in einer zweiten holsteinischen Fassung bei Wisser, Grotmoder 2, 11 «= Plattdt. Vm. S. 206 'De Könisdochter in'n Keller' = Die Heimat 12, 236 (Kiel 1902) nachgewiesen. Auch hier wird (A) die Königstochter, die ihrem Verlobten treu bleiben will, von dem er- grimmten Vater samt ihrer Dienerin in einem unterirdischen Gemach3) verschlossen ; (B) als die beiden nach sieben Jahren nichts mehr zu essen haben und auch die im Keller wachsenden Nesseln verzehrt sind, schlüpft die Prinzessin durch die morsch gewordene Tür hinaus, nachdem ihre Dienerin durch die davor gelagerten Löwen zerrissen worden ist, und findet ihres Vaters Burg niedergebrannt und öde. (C) Im Schlosse ihres einstigen Verlobten nimmt sie unerkannt als Küchenmagd Dienst an und wird von dessen Braut, welche in Kinds- nöten ist, gezwungen, in ihrem Kleid an der Seite des Prinzen zur Trauung zu gehen. (D) Wie sie in der ersten Passung auf dem Kirchgange durch Anreden an den Nesselbusch, die Brücke und Kirchtür und durch Erwähnung des Namens Maleen des Prinzen Er- innerung weckt, so spricht sie hier am Keller vorüberschreitend : Nettel, Nettel grön, Wat steihs du hier so schön ! Wie oft hab ich dich ungesalzt Und ungeschmalzt gegessen! Vor dem abgebrannten Schlosse ihres Vaters: Hier liegen die schneeweißen Palken Von meines Vaters Hausbalken. Und weiterhin : Hier stehen die schönen Linden, Die ich gepflanzet hab mit meinem goldnen Ringe. *) Vgl. darüber Arfert, Das Motiv von der unterschobenen Braut (Rostock 1897) S. 34—37. Ein Pappenspiel 'Jungfrau Maleen' bei F. Roeber, Marionetten 1885 S. 257— 28ß; eine Ballade vom Brennesselbusch bei B. v. Münchhausen, Das Herz im Harnisch 1911 S. 12; M. Maeterlinck, Princesse Maleine 1889. a) Ebenso war in Müllenhoffs Vorlage nicht von einem hohen Turme, sondern von einem unterirdischen Gewölbe die Rede. 198. Jungfrau Maleen. 445 (E) Aus der Kirche zurückgekehrt, gibt sie der Braut ihr Kleid zu- rück ; als abends der Prinz diese nach den unterwegs gesprochenen Worten fragt, muß sie jedesmal hinausgehen und sich bei der Magd Bescheid holen. Als er aber die Halskette1) sehen will, die er ihr umgelegt und deren Schlüssel er bei sich behalten hat, kommt die Wahrheit an den Tag. (F) Er verstößt die falsche und behält die ihm angetraute Braut. Die zahlreichen dänischen Fassungen2) versetzen durchweg die Heldin in einen Erdhügel,3) aus dem sie sich nach sieben Jahren herausgräbt, und bezeichnen als den Grund, aus dem die Braut beim Kirchgange eine Stellvertreterin wählt, gleich der zweiten holsteini- schen Aufzeichnung ihre Schwangerschaft,4) nicht wie die Müllen- hoffsche Variante ihre Häßlichkeit. Nur Eintkongs Tochter Usmatone (Skattegraveren 9, 185) wagt die Kirche nicht zu betreten, weil sie eine Hexe ist, bei Grundtvig 2, 157 fürchtet die Braut sich das x) Eine Halskette oder einen Gürtel legt der Prinz auch in den dänischen Fassungen seiner Braut um; bei Grundtvig 2, 24. 157 und Kristensen, Aev. 1, 72 aber führt die Erkennung der Heldin ein Hand- schuh herbei, den sie in der Kirche vom Prinzen erhält und nur in seine eigne Hand zurückgeben darf. 2) Grundtvigs hsl. Register nr. 48 'Prinsessen i jordhulen'. Grundt- vig, Minder 2, 25 'Guldtserning' ; vgl. Cox, Cinderella p. 228 und 495 'Bosenröd'. Grundtvig 2, 157 'Prindsessen pä oen' = Ströbe 1, 14 nr. 3. Molbech4 S. 62 nr. 22 'Pigen i maseskindspelsen', vgl. Cox, Cinderella p. 328. Berntsen 1, 187 nr. 23 'Hyldekong og Binkong'. Kamp, Folkeaev. 1, 34 nr. 3 'Kongedatteren i hojen'. Kristensen, Aev. fra Jylland 1, 62 nr. 8 'Prinsessen i hojen'. 1, 68 nr. 9 'Karl Finkelfaders dotter'. Kristensen, Danske folkeeev. nr. 37 'Prinsessen i hojen'. Kristensen, Fra Mindebo S. 36 nr. 7 'Prinsessen i hojen'. Skattegraveren 9, 185 'Prin- sessen i hulen'. 3) Nur bei Grundtvig, Minder 2, 157 wird sie in einem Schloß auf einer Insel untergebracht. Hier entbrennt ein Krieg um ihretwillen, weil ihr Vater die Werbung des englischen Prinzen zurückgewiesen hat. Ähnlich 'Prinsesse Trsetröje' bei Cox p. 239 nr. 282. 4) Bei Kamp 1, 45 ruft der Kuckuck dem Brautpaare zu: Prinsessen, den onde Kvinde, Sidder i Stalden inde, Feder hun der saa lidet et Kind Og lsegger det under Krybbestenen ind. Ähnlich bei Hylten-Cavallius S. 270. 275 und Janson. Eine Nachtigall warnt bei Grundtvig, DgF. 5, 312 zu nr. 274 den Bräutigam, wie oben 1, 167 eine Taube oder ein Hund. 446 198. Jungfrau Maleen. Pferd Blank zu reiten, und bei Molbech plant sie die Flucht mit einem andern Jüngling, in den sie sich verliebt hat. Mehrfach hat die Königstochter wie bei Wisser künstliche Webearbeiten auszu- führen, welche die Braut für ihr eignes Werk ausgibt, so bei Grundtvig 2, 157 und bei Kamp 1, 34, wo Henriks Braut Lavrette die Stief- schwester der Heldin Sandine ist. Bei Kristensen nr. 8 spricht die Heldin, die an Jungfrau Malfreds Statt zur Trauung reiten soll, zu dem Happen, in dem sie ein Roß ihres Vaters wiedererkennt: Blak, buk for mig! Min Fader liar saa tit lagt Sadlen paa dig.1) Vor dem Hügel gedenkt sie des Wolfes,2) der eine Öffnung darein gekratzt hat, und des Kohlenbrenners, bei dem sie zuerst Aufnahme fand : Syv Aar sad jeg i Skoven her, Alle Aeventyr glemte jeg der; Ulv har jeg reden, Kul har jeg sveden, Idag staar jeg Brud for min unge Frue.8) Und vor der Brücke: Bro, brag, brist ej under mig! Jeg har saa mange Gange redet over dig.4) In Kristensens nächster nr. 9 fällt in der Kirche der Blick der Königstochter auf die neben dem Altar hängenden Bilder ihrer Eltern, und sie bittet diese, sich umzudrehen : Vender jer om, I Billeder fin ! Jeg ved, I er kjeer Fader og Moder min.5) Bei Berntsen 1, 187 sieht sie auf einem Pfahle das Fell ihres Hundes hängen, den sie einst im Erdhügel in bittrer Hungerqual verzehrt hatte : 6) !) Vgl. Grundtvig, Minder 2, 25 und 160. Aberg S. 317. Allardt S. 192. Bugge-Berge 1, 55. 2) Durch einen Wolf wird Sandine bei Kamp mit ihren sieben Jungfrauen im Hügel ernährt. s) Vgl. Hylten - Cavallius S. 270. Aberg S. 317. Cox p. 174. Janson nr. 3. Bugge-Berge 1, 55. 4) Vgl. Grundtvig 2, 159 und auch 2, 25. Allardt S. 193. Cox p. 174. 5) Ebenso Molbech4 S. 64 und Skattegraveren 9, 185. 6) Wie anderwärts Mäuse und Fledermäuse: Molbech4 S. 64. Grundtvig 2, 25. 160. Kristensen, Aev. 1, 71. Kristensen, Fra Mindebo S.40. 198. Jungfrau Maleen. 447 Her h senger du Skind Paa liden 'n Pind. Kun Himlen ved, Hvad dermede vi led. Und zu den krächzenden Raben sagt sie : Du Ravn, hu hej, Hvi skriger du saa? Brüden sidder hjemme og steger en Steg, Og den skal du faa.1) Bei Kristensen, Fra Mindebo S. 36 schaut sie auf das in Trümmern liegende Schloß ihres Vaters Lind : Her har tilforn veeret drukken haade Mjod og Vin, Her roder nu baade Hons og Svin.2) In der schwedischen Variante bei Hylten-Cavallius nr. 16 'Die Prinzessin in der Erdhöhle' — Thorpe S. 236 wird Asa, die in andern Aufzeichnungen Klara oder Lossamente heißt, durch einen Wolf, dem sie dafür ihren Hund ausliefern muß, übers Wasser ge- tragen. Sie vollendet für die Braut das Goldgewebe und wäscht die Flecken aus dem Handtuche,3) das sie einst selber ihrem Verlobten als Erinnerungszeichen übergeben hatte. Unter ihren Reimversen, die zu den dänischen stimmen, ist einer an die Linde gerichtet, unter der sie mit dem Prinzen die Ringe tauschte: Star du här, du gamla lind! Här har jag fästat guld-ringar med aldra kärasten min. Bondeson, Historiegubbar p. 22 'Prinsässan i jordkulan', vgl. Cox p. 173. Ericsson, 'Den tillfälliga bruden' (Cox, Folk-lore 18, 198). *) Deutlicher bei Grtmdtvig 2, 25 : Der üyver en Ravn saa sort; Den unge Brud ligger i Ovnsgraven Og foder en Son, ham skal du have. Vgl. Aberg S. 317. Allardt S. 193. Skar 6, 14. 2) Ähnlich bei Hylten-Cavallius S. 275: Här gä nu bade kattor och svin, Der fordom dracks bade mjöd och vin, När Fin, far min, lefde. Vgl. iberg S. 318. Allardt S. 193. Skar 6, 14. Ärnason 2, 322. 3) Auch in skandinavischen und französischen Fassungen des Löweneckerchens (oben 2, 247 f. 250) vermag nur die rechte Braut die Talgflecken aus dem Hemd zu waschen. 448 198. Jungfrau Maleen. P. Säve 'Den nedgravede prinsesse' (Folk-lore 18, 202). Erik Wrangel, Fröken Snöhwits Tragoedia 1737, Prolog — Hylten-Cavallius 1, 493. Aberg nr. 249 'Prinsessan, som var sju är i jordkulan'; nr. 215 'Prin- sessan i jordkulan'. Allardt nr. 148 'Om hönspigan, som blef kungens gemal'. Hackman, Register nr.870. — Norwegisch bezeugt durch den Pastor Herman Rüge in Valders (1706 — 1764; vgl. N. M. Petersen, Den danske literaturs historie 5, 1, 134. 1870), welcher die Worte der Königstochter als 'alten norwegischen Spruch' anführt: Syv Aar jeg in Jord-Hougen sat, Viser og Eventyr jeg forgadt. Janson nr. 3 'Kongsdotteri i haugen' = Löland S. 284, vgl. Cox p. 267. Der letzte Reim lautet: Statt still no Grind So fager og fin! Deg byde Kong Finn, Som var Fader min. Skar 6, 12 'Gjenta i jordhola'. Bugge-Berge 1, 51 'Finnkongjens dotter'. — Ein isländisches Märchen, von dem Arnason drei Fassungen mitteilt (2, 320 = Rittershaus S. 113 'Die rechte Braut' ; 2, 315 = Poestion nr. 1 'Fertram und Isol die lichte'; 2, 321 Anm.), ist in ziemlich äußerlicher Weise mit der Tristansage1) verknüpft. Hier wird die blonde Isöl nicht vom Vater aus Besorgnis vor dem Ausgange des gefährlichen Krieges in einer Erdhöhle geborgen, sondern wird (wie in unsrer nr. 89 und 135) von ihrer Stiefmutter nebst ihren zwei Dienerinnen in eine tiefe Grube gestoßen. Sie entrinnt aber glücklich und kehrt unerkannt als Magd unter dem Namen Nsefrakolla an den Hof zurück, wo ihr Jugendgespiele und Verlobter Tistram, der von der argen Königin einen Vergessenheits- trank erhalten hat, mit ihrer Stiefschwester, der schwarzen Isota, Hochzeit halten soll. Da diese aber eben heimlich ein Kind geboren hat, muß statt ihrer Nsefrakolla in bräutlichem Schmuck mit Tistram in den Wald reiten. Sie grüßt in Reimversen3) die Trümmer des *) Über die Entwicklung der 1226 nach Norwegen gedrungenen Tristansage vgl. Golther, Zs. f. französ. Sprache 22, 1, G. Paris, Poemes et legendes du moyen-äge 1900 S. 113 und A. Olrik, Danmarks gamle folkeviser 8, 29 nr. 470 'Tistram og Isold'. 2) Die Verse, die sie bei Arnason 2, 317 beim Anlegen der Reit- ärmel spricht, die früher ihr Eigentum gewesen waren, (Gut passen die Ärmel für der Eignerin Arme) erscheinen auch im Dänischen bei Berntsen 1, 190. 198. Jungfrau Maleen. 449 Vaterhauses, den Bach, der ihr Verlöbnis mit Tistram gesehen, und die Grube, in der ihre beiden Mägde gestorben sind. Als Tistram abends daheim Isota fragt, was sie unterwegs gesagt habe, und den Trug entdeckt, ersticht er in der Wut die Braut und deren Mutter und vermählt sich mit Nsefrakolla. Ob der Eingang des isländischen Märchens, wie Adeline Bittershaus glaubt, ursprünglicher ist als der sämtlicher übrigen skandinavischen und deutschen Fassungen, erscheint zweifelhaft. Aus der Tristansage sind nur die Namen der drei Hauptpersonen herübergenommen, aber nichts von der eigentlichen Handlung. Viel- mehr spiegelt sich die Brangäne-Episode, in der eine treue Dienerin selbstlos für die Braut, die ihr Magdtum bereits verloren, eintritt und wieder zurücktritt, genauer wieder in einer andern islän- dischen Erzählung bei Arnason 2, 424 = Poestion nr. 17 'Märthöll' = Bittershaus S. 68 'Der Fluch der Patin' und in dem dänischen Märchen bei Grundtvig, Folkeseventyr 2, 72 nr. 6 'Hindeprinsessen' = Leo-Strodtmann 2, 95; dort ist die Prinzessin verwünscht, in der Hochzeitsnacht zu einem Sperling oder Beh zu werden, und ihre Dienerin tritt an ihre Stelle, bis der Gatte im rechten Augenblicke die Tierhaut verbrennt oder durch einen Schwerthieb den Zauber bricht. In andern Dichtungen, die Arfert (Das Motiv der unter- schobenen Braut 1897 S. 39 — 48) ausführlich besprochen hat, weigert sich die Dienerin, nach der Hochzeitsnacht der Herrin ihren Platz wieder einzuräumen, und wird von ihr getötet,1) oder ein wahrsagender Gegenstand, das Bett, das Schwert oder eine Nachtigall, die der Bräutigam über die Keuschheit seiner Braut befragt, offenbart ihm die Unterschiebung der Dienerin.2) So bewegt in einer dänischen Erzählung bei Kristensen 1, 57 nr. 7 'Bitte Mette', die in der zweiten Hälfte zu unserm Märchen stimmt, die vornehme Braut das Schäfer - mädchen Mette, in ihrem Gewände zur Hochzeit zu gehen, weil sie befürchtet, von dem wahrsagenden Steine vor des Prinzen Tür der Unkeuschheit geziehen zu werden, wie es vordem schon drei vom *) B. Köhler 2, 393. Euling, Studien über Heinrich Kaufringer 1900 S. 87. Chauvin, Bibl. arabe 5, 217. 2) Grundtvig, DgF. 5, 1, 304 nr. 274 'Brud ikke Mö'; 5, 1, 321 nr. 276 'Ingelilles Bryllup'; auch 8, 235 nr. 480 'Terkel Trundesen'. Geijer- Afzelius2 nr. 33 'Biddar Olle'. Cbild, English and scottisb pop. ballads 1, nr. 5 'Gil Brenton'. — Über andre Prüfmittel der Keuschheit vgl. "Wetzel, Söhne Giaffers 1895 S. 216. Grimm, Märchen- Anmerkungen III. 29 450 199. Der Stiefel von Büffelleder. Prinzen erkorenen und verstoßenen Bräuten ergangen ist. Ebenso das Gänsemädchen Aase im norwegischen Märchen bei Asbjörnsen- Moe nr. 29 — Bresemann 1, 208 = Dasent 1859 p. 478 und die Magd im großrussischen Märchen aus dem Gouv. Samara bei Sadovnikov nr. 66. Dagegen scheint die ungedruckte f i n n i s c h e Erzählung von der Prinzessin in der Erdhöhle (Aarnes Register nr. 870) der voll- ständigen skandinavischen Überlieferung zu entsprechen. Der Eingang unsres Märchens von der im Erdhügel ver- borgenen Königstochter ist, wie A. Olrik (Zs. f. Volksk. 2, 367. Kilderne til Sakses Oldhistorie 2, 247) gezeigt hat, ein altes nordisches Sagenmotiv. Nach Saxo Grammaticus B. 7 S. 351M. ver- steckte der norwegische König Regnald, als der schwedische See- räuber Gunnar sein Land verheerte, seine einzige Tochter Drott mit Dienern und Speise in einer unterirdischen Höhle ; er wurde aber im Kampfe von Gunnar erschlagen, der nach der Prinzessin suchte, sie in der Höhle auffand und zu seinem Weibe machte. In einer dänischen Volkssage (Thiele, Danmarks Folkesagn 1, 8 'De trende Jomfruers Grav'. Welcker, Zoegas Leben 1, 211. 1819) werden die drei versteckten Königstöchter durch das Bellen ihres Hündchens den wilden Kämpen, die ihren Vater erschlagen, verraten, erstechen sich aber, um jenen nicht in die Hände zu fallen.1) 1856 s. 262. 199. Der Stiefel von Büffelleder. 1850 nr. 199. — Aus Schlesien, nach Friedmund v. Arnim 1, 22 nr. 4 'Vom Bruder Stiefelschmeer' (1844). Vgl. Hamann, Die literarischen Vorlagen 1906 S. 104. Ein abgedankter Soldat trifft im Walde den König, der als einfacher Jäger gekleidet ist, kehrt mit ihm in einer Räuberherberge ein und macht durch Unerschrockenkeit und Zauberkunst die Räuber unschädlich ; in der Stadt gibt sich der König zu erkennen und x) Anders verwendet die dänische Ballade von König Göreis Tochter (Grundtvig-Olrik, DgF. 7, 327 nr. 430. W. Grimm, Altdänische Heldenlieder S. 101) das Erdhügelmotiv: Als Mädchen verkleidet schleicht sich Graf Hendrik bei ihr ein. Vgl. Hahn, Griech. Märchen nr. 13 (Jüng- ling als goldenes Lamm) und Jacobs, Celtic f. t. 1, 65 'Deirdne', sowie Jakobsen, Ftereske folkesagn p. 417 nr. 44. Montanus, Schwankbücher S. 569. Oben 1, 46. 199. Der Stiefel von Büffelleder. 451 belohnt seinen Retter reichlich. — Minder gut aus dem Odenwalde bei Wolf, Hausmärchen S. 65 'Die schlechten Kameraden' (der Schuster gießt den Räubern heißes Öl ins Gesicht und haut sie nieder). Aus dem Rheinlande bei Simrock nr. 10 'Bruder Stiefel- schmer' (der Fleischer macht die Räuber betrunken). Aus Nord- böhmen bei Kirschner, Sagenschatz aus dem Eibtal 1911 S. 43 (Scharfrichter und Teplitzer Syndikus). Aus Norddeutschland bei Pröhle, M. f. die Jugend nr. 34 'Der Scharfrichter und die Handwerksburschen' (statt des Königs werden ein Schuster, ein Schneider und ein Tischler vom Scharfrichter gerettet, der die Räuber festbannt). Aus Holstein bei Wisser, Grotmoder 2, 75 'De Koni un de Schinnerknech' — Wisser, Plattdeutsche Vm. S. 248 (der Schinder bannt die Räuber fest ; vorher übernachtet er mit dem alten Fritz bei einem Bauern, der diesen zweimal prügelt, weil er nicht früh aus dem Bett will).1) Aus der Mark Bran denburg bei J) So zaust bei Camerarius, Appendix fabularum Aesopicarum 1539 Bl. 18a 'Viatores duo' die Wirtin den vornan im Bett liegenden Hand- werksbarschen, weil er noch nicht aufgestanden ist, und am nächsten Morgen den hinten liegenden; es ist aber derselbe wie Tags zuvor, weil er aus Vorsicht seinen Platz gewechselt hat. Bei Hans Sachs, Fabeln 5, 184 nr. 719 (1551. Dähnhardt, Natursagen 2, 172. Stiefel, Studien zur vgl. Litgesch. 8, 306) auf den mit Christus wandernden Petrus über- tragen. Bütner, Claus Narr 1572 Bl. F5a (Petrus und Narr). Sandrub, Delitiae historicae 1618 nr. 123. Lütolf S. 109. Rochholz, Schweizer- sagen 2, 312 = Dähnhardt, Schwanke S. 71 nr. 34 = Busch, Dt. Volks- humor S. 227. Stöbers Alsatia 1851, 30. Stöber, Sagen des Elsasses 1852 S. 221. Hertz, Dt. Sage S. 42. 199. Reinhart, Bassledang 1877 S. 9. Zs. f. dt. Mythol. 1, 41 (Odenwald). 4, 50 (Gedicht von Petersen). Reiser, Allgäu 1, 354nr. 2. E. Meier, Vm. aus Schwaben nr. 11. Hörmann, Mytholog. Beiträge 1870 S. 20. Menghin, Aus Wälschtirol 1884 S. 92. Hauffen, Gottschee S. 109. 110. Haltrich, Vm. nr. 19 = Henne am Rhyn S. 429 nr. 689. Müller, Siebenbürg. Sagen 1885 nr. 225. 229. Panzer 2, 20. Spiegel nr. 19. Unser Egerland 2, 15. Schönwerth 3, 301. Simrock, Märchen S. 132 nr. 27 = Zs. f. dt. Myth. 2, 13. Kuhn, Westfalen 2, 238 ; vgl. Rochholz 2, 313. Wisser, Grotmoder 2, 75. W. Schwartz, Sagen der Mark Branden- burg 1886 nr. 98 (Ziethen und der alte Fritz) = Mark. Forschungen 8, 170. Jahn, Vm. aus Pommern 1, 369. Rogasener Familienblatt 1903, 41 (der alte Fritz). Samotschiner Ztg. 1908, Beilage S. 32. Vlämisch : De Cock-Teirlinck, Brabantsch Sagenboek 2,48 nr. 275; De Mont en de Cock, Vertelsels p. 150; Wolf, DMS. nr. 30 ; Volkskunde 2, 88. 168; Revue des trad. pop. 26, 403. Goyert-Wolter S. 61 = Teirlinck p. 25. Isländisch : Ward, Cat. of romances 1, 856 nr. 46. Französisch: Gittee-Lemoine p. 105; Sebillot, C. de la Haute-Bretagne 1, 317 nr. 53 = Sebillot, C. des prov. nr. 35; 29* 452 199. Der Stiefel von Büffelleder. Engelien-Lahn 1, 134 'König und Zaldoet' (Soldat gießt wie bei Wolf den Räubern heißen Wein und heißes öl ins Gesicht; der Hauptmann heißt Katusch = Cartouche). Aus Rügen bei Haas 1891 nr. 227 'Die Räuberhöhle' (der Scharfrichter bannt die Räuber fest; statt des Prinzen ein Schlächter) und 228 'Eine Räuber- geschichte'.— Holländisch: Volkskunde 17, 103 'Van den soldaat en den koning' (kochendes Wasser ins Gesicht). — Dänisch: Grundtvigs hsl. Register nr. 98 'Kongen og matrosen' (bisweilen auf Friedrich V. oder Ludwig XVIII. übertragen). Kristensen, Aev. fra Jylland 3, 63 nr. 11 'Soldaten og den forklsedte Konge' (kochendes Wasser). Kristensen, Bindestuens Saga S 162 'De bundne Rovere' (vom Scharfrichter festgebannt; statt des Prinzen ein Totengräber). — Schwedisch: Hackmans Register nr. 952. — Norwegisch: A. L. Broch, Et ferunderligt Eventyr om Hans Tinddol, hvorledes han fra ringe Soldat blev Konge over Norge, Sverige og Dan- mark, Christiania 1834 (Norsk Polkekultur 3, 96. 1917). Skar 6, 52 'Lille Hans'. — Französisch: Cosquin 2, 29 nr. 33 'La maison de la foret' (der Soldat La Ramee schlägt den ins Fenster einsteigenden Räubern die Köpfe ab, der König gibt ihm seine Schwester zur Frau). — Italienisch: Widter-Wolf nr. 7 'Beppo Pipetta' (Jahrb. f. roman. Lit. 7, 121. R. Köhler 1, 303. Crane Sebillot, Traditions 1, 306; Luzel, Legendes ehret. 1, 19. 359; Revue celt. 3, 233. Italienisch: A. deNino 4, 71. Portugiesisch: G-iornale di filologia romanza 4, 192 = Leite de Vasconcellos, Ensaios ethnographicos 4, 255. Rumänisch: Staufe nr. 18 (Zs. f. dt. Myth. 1, 472). Slovenisch: Archiv f. slav. Phil. 8, 115 nr. 6. Serbokroatisch: Ljetopis mat. srpske 149, 141 nr. 11. Mikulicic S. 140. Bos. Vila 3 (1888), 12. Cechisch: Nemcovä 4, 98 nr. 63 = Wenzig S. 87. Kubin, Podkrkonosi nr. 166. Slowakisch: Slov. Pohl'ady 1896 S. 210 nr. 13. Dobsinsky 4, 59. Prochäzka, Kolärov. drät. S. 66 Polnisch: Öwietek S. 324 nr. 7. Malinowski 2, 59. Mater- yaly antrop. 3, 151 nr. 16. 11, 26 nr. 24. Mater, kom. jez. 1, 5 nr. 6. Zaranie slaskie 2, 192. Lad 16, 199. Kleinrussisch: Etnogr. Obozr. 5, 146. 9, 213 = Bulasev S. 152. 168. *Kievs. Star. 1894, 2, 335. Drahomanov S. 125 nr. 26. S. 129 nr. 27. Cubinskij, Trudy 1, 153. 158. 2, 329 nr. 82 (Poltava). Etnogr. Zbirnyk 2, 9 nr. 7. 3, 65 nr. 28. 9, 93 nr. 50. 30, 33 nr. 26. Jastrebov nr. 4. Verchratskyj S. 137. Weißruseisch; Sejn 2, nr. 216. Dobrovoljskij 1, 307 nr. 6 (Smolensk). Litauisch: Mitt. d. lit. liter. Ges. 2, 258. Dowojna - Sylwestrowicz 1, 47 (Petrus). Ma- gyarisch: Sklarek 1, XVIII. Gagausisch: Radioff 10, 17 nr. 5. 5 b. — Bei Hans Sachs und sonst häufig folgt das wunderbare Au sdreschen des Korns durch Feuer (Aarnes Register nr. 752). 199. Der Stiefel von Biiffelleder. 453 p. 222. Oben 2, 159). — Serbokroatisch: Bos. Vila 6 (1891), 251. — Öechisch: Badostov3 S. 13 (Episode). Miksicek S. 166 nr. 22 (Episode). Mensik, Jemnic. S. 151 nr. 48. Tille, Pov. valass. S. 88 nr. 31. Kubin, Pov. kladske 2, 141 nr. 34. — Slovakisch: Koläf 2, 105 nr. 44. Czambel S. 324 nr. 163. — Polnisch: Malinowski 2, 14. Ciszewski S. 290 nr. 241. 242. — Kleinrussisch ausNord- ungarn: Verchratskyj S. 150. Etnogr. Zbirnyk 3, 191 nr. 28. 29. Ostgalizien: ebd. 7, 152 nr. 73. Gouv. Podol: Cubinskij 2, 593 nr. 78. 599 nr. 79. Gouv. Poltawa: Etnogr. Zb. 14, 219 nr. 31. — Weiß- russisch aus Gouv. Smolensk: Dobrovoljskij 1, 381 nr. 24. — Großrussisch: Afanasjev 2, 298 nr. 197 — Hildebrand 1, 50 nr. 6. — Finnisch: Aarnes Register nr. 952. Das Festbannen der Räuber, zu welchem der Scharfrichter in der rügenschen Fassung sein Schwarzkunstbuch braucht, entspricht einem verbreiteten Aberglauben. Solche Diebssegen sind auf- gezeichnet bei J. Grimm, Mythologie 3, 559. Eomanusbüchlein in Scheibles Kloster 3, 497 (1845). Albertus Magnus, Egyptische Geheimnisse 20. Auflage 1, 53. R. Köhler 3, 559. Wuttke, Volks- aberglaube 8 § 241. 642. Zs. f. Volkskunde 1, 188. 5, 297. 22, 299. Alemannia 2, 127. Zf dMy th. 4, 130. Rochholz, Schweizersagen 1, 78 nr. 64. Haltrich, Zur Volkskunde 1885 S. 274. Kleeberger, Volkskundliches aus Fischbach 1902 S. 56. 62. Witzschel 2, 290. Köhler, Volksbrauch im Voigtlande S. 406. Schönwerth 3, 213. A. John, Volksglaube in Westböhmen S. 300. Mitt. f. sächs. Volkskunde 3, 265 f. 270 (1905). Drechsler, Sitte in Schlesien 2, 45. Zs. f. rhein. Volksk. 1, 151. 300. Niedersachsen 4, 112. Strackerjan 2 1, 119. Kuhn, Westfalen 2, 193. Kuhn-Schwartz S. 448. Müllenhoff nr. 272. Bartsch 2, 335. Jahn, Balt. Studien 36, 219 = Höfer, Germ. 1, 106. Bl. f. pomm. Vk. 4, 169. Knoop, Hinterpommern S. 170. Frischbier, Hexenspruch 1870 S. 112. Toppen, Masuren S. 58. Eine metrische Überarbeitung 'Maria in den Garten trat' bei Arnim-Brentano, Wunderhorn 1, 75; vgl. Bode, Vorlagen in des Knaben Wunderhorn 1909 S. 699. Dänisch: Kristensen, Sagn og overtro fra Jylland 2, 2, 389 (1888- Jyske folkeminder 9). Öechisch : Grohmann, Aberglauben aus Böhmen 1, 202. — Erzählungen von festgezauberten Dieben bei Endt, Sagen aus dem Erzgebirge 1909 S. 47. 67. 74. 178. 181. 193. Rank, Aus dem Böhmerwalde 1843 S. 279. Kühnau, Schlesische Sagen 3, 175. 189. 224. 237. Henne am Rhyn, Volkssage 1879 S. 477. Jeger- lehner, Unterwallis S. 15. 132. 178: Oberwallis S. 98. — Hilf- 454 199. Der Stiefel von Büffelleder. reiche Tiere schützen den ins Räuberhaus geratenen Helden: oben 1, 533. 546. Ohne Zauberei überwältigt ein im Walde von einem Räuber überfallener und seiner Waffe beraubter Bursch den Räuber in einer Anekdote, die der Augsburger Magister Konrad Derrer um 1340 aufgezeichnet hat (Zs. des histor. Vereins f. Schwaben 31, 116 nr. 37 nach dem Clm. 903): Quedam mulier relicta residebat circa silvam, que dicitur nigra silva, et habebat filium valde recentem, qui semper transivit silvam can- tando audacter. Accidit autem, quod sex latrones erant in ista silva, qui spoliabant omnes transeuntes. Postquam autem transiret, scilicet filius vidue, dixit unus ad alterum : 'Nolumus illum spoliare?' Tunc dixerunt: 'Ipse est ita recens, ipse interficit nos omnes.' Tunc dixit unus ex eis: 'Ego volo eum spoliare, si vultis michi derelinquere, quid sibi accipio.' Dixerunt omnes : 'Volumus.' Ille ergo latro accessit eum sine armis et ivit sicut unus nuncius cum bacillo. Postquam venisset ad eum, tunc dixit: 'Vultis me dimittere esse comitem vestrum?' Ille dixit: 'Volo'. Tunc iverunt simul. Tunc dixit latro: 'Vos habetis bona vestimenta.' Alter dixit: 'Ita.' Tunc dixit latro: 'Vos habetis bonum gladium.' Ille dixit: 'Ita.' Et evaginavit gladium et dimicavit hinc inde. Tunc dixit latro: 'Ostendite michi gladium!' Et ostendit sibi. Tunc latro dixit: 'Date michi omnia, que habetis, vel interiicio vos.' Oportebat, quod ille daret sibi. Postquam autem dedisset sibi, tunc dixit: 'Recepisti michi modo omnia.' Dixit: 'Sic' Tunc dixit; 'Veni, karissime, amputa michi manum, ne aliquis dicat, quod sine defensione accepisses michi!' Tunc dixit ille: 'Vade et teneas tibi manum tuam!' Ille iterum rogavit. Tunc dixit latro: 'Certe ego facio.' Et posuit sibi manum super unum truncum et respexit, cum alter percuteret manum. Et alter percussit gladio [?], quod non poterat acquirere, et alter apprehendit eum et recepit gladium et amputavit sibi caput, scilicet latroni, et ipse recepit vestimenta sua et ivit et cantavit sicut prius. Tunc latrones iverunt et dixerunt; 'Vadamus, videamus, ubi sit socius noster,' et invenerunt eum occisum. Tunc dixeiunt: 'Ecce dixi, quod interficeret nos omnes.' Ähnliches erzählt das Theatrum Europaeum 13, 246 (1698) als eine im Dezember 1687 bei Schöneberg im Mecklenburgischen vor- gefallene Begebenheit; dort erschlägt der Räuber den Hund des Metzgers mit seinem bis dahin versteckt gehaltenen Beile; als er dem Metzger die Hand abhauen will, zieht jener sie schnell weg, und das Beil bleibt im Stamme stecken. Ferner : Der anmuhtige Historicus 1702 S. 101. Hilarius Salustius, Melancholini Weeg- Gefärth 1717 S. 375. Bunker S. 262 nr. 87 'Der Fleischhackerbub'. 200. Der goldene Schlüssel. 455 Simrock, Märchen S. 244 nr. 52. Pröhle, M. f. d. Jugend S. 144 nr. 35. Niederländisch : Volkskunde 18, 95 nr. 93. Armenisch : Ethnol. Mitt. aus Ungarn 3, 91. — Bei J. P. de Memel, Lustige Gesellschaft 1660 nr. 244 und 1118 (Anno 1649) bittet der Knecht den Käuber, ihm ein Loch durch den Hut zu schießen; ebenso Lolivetta, Das Teutsche Gespenst 1684 S. 62; Manderssen, Joco-seria poetica 1689 nr. 230 = Guarna, Bellum grammaticale 1908 S. *24; Bl. f. pomm. Volksk. 9, 166. Vlämisch : Joos 3, 109. Koreanisch : Zs. f. Volksk. 22, 78 nr. 45. 200. Der goldene Schlüssel. me s. 202 1815 nr. 70; 1819 nr. 161; 1837 nr. 168; 1840 nr. 178; 1843 nr. 194; 1856 nr. 200. — Von der Marie im Wildschen Hause zu Kassel, Mai 1813. Ähnlich aus dem Bernburgischen in dem Deutschen Sprachbuch von Adolf Gutbier (Augsburg 1853) S. 843 = Firmenich 2, 227 : Hühnchen findet ein Schlüsselchen im Mist, und Hähnchen findet ein Kästchen. Es wird aufgeschlossen, und es liegt darin ein kleines, kurzes, rotseidenes Pelzchen. Wäre das Pelzchen länger gewesen, so wäre auch das Märchen länger geworden. Aus dem Vogtlande in den Mitteilungen d. V. f. sächs. Volkskunde 6, 156 (1914) 'A guldigs Schlüssele'. Aus Pommern bei Jahn, Schwanke S. 63 'Das Kästchen'. Aus Posen bei Knoop, Ostmk. Sagen 1, 193 nr. 90 'Die kleine Geschichte'. Gereimt bei Gaudy, Sämtl. Werke 16, 46 'Vom goldenen Schlüssel' (1844). — Niederländisch bei Dykstra 2, 146 'De gouden sleutel'. — Norwegisch: Asbjörnsen nr. 91 'Skrinet met det Rare i' (Kalbsschwanz). Bergh 3, 33. — Schottisch: Campbell2 2, 494 nr. 57 'The tau' = Jacobs, More celtic f. tales nr. 46. — Portugiesisch: *Coelho, Jogos e rimas infantis p. 39. — • Serbokroatisch: Krauß 1, 272 nr. 61 'Eine kurze Mär'. 1, 273 nr. 62 'Die merkwürdige Geschichte'. — Wendisch: Nawuka S. 79 (Wäre der Flachs länger gewesen, wäre auch das Märchen länger). S. 112 nr. 28 (Mann und Eule schauen einander an). — Zigeunerisch: Wlislocki 1886 nr. 63 'Das kurze 456 200. Der goldene Schlüssel. Märchen' (Kiste) und Volksdichtungen 1890 S. 430 'Das kurze Märchen' (Hundeschwanz). — Lettisch: Böhm nr. 54a 'Die Spatzen'. Über ähnliche Neckmärchen vgl. oben 2, 210. Ein englischer Kinderreim von den drei klugen Leuten von Gotham, die in einer Schüssel übers Meer fahren (Halliwell, Nursery rhymes p. 59 nr. 65) schließt : 'And if the bowl had been stronger, my song would have been longer'. Ähnlich ebd. p. 65 nr. 76. 201. Der heilige Joseph, im Walde. 457 Kinderlegenden « s .» (Nr. 201—210). Die ersten sieben dieser Erzählungen erhielten die Brüder Grimm aus dem Paderbörnischen durch die Familie v. Haxthausen, der sie so manches in ihrer Sammlung verdankten. Es sind Märchen, auf die heilige Geschichte angewendet, die auf ähnliche Weise von der lebendigen Volksdichtung in manchem einzelnen Glauben fort- gebildet wird.1) 201. Der heilige Joseph im Walde. 1856 S. 263. 1819 2, 289 nr. 1. Aus dem Paderbörnischen. Danach vlämisch bei Joos 3, 163 nr. 52 'Van Sint Jozef en de drij Kindjes'. — Die Erzählung gehört zu dem Märchen von der guten und bösen Schwester, die nacheinander bei einem überirdischen Wesen, wie Erau Holle oder den Haulemännlein (oben 1, 226. 99), 2) So glaubt man, jeden Sonnabend scheine einmal die Sonne. Alle Freitage nämlich geht die Mutter Gottes durch das Fegfeuer, dann kommen die armen Seelen und küssen den Saum ihres Kleides und weinen soviel auf den Schlepp desselben, daß er ganz naß wird. Darum scheint am Sonnabend immer einmal die Sonne, damit er wieder trockne. (Ähnlich Birlinger, Volkstümliches aus Schwaben 1, 189. Haltrich, Zur Vk. der Siebenbürger Sachsen 1885 S. 294. 299. Nach französischem Volksglauben will die Mutter Gottes Sonnabends das Hemdchen für ihr Kind trocknen : Revue des trad. pop. 17, 340. 18, 101. Sebillot, Folklore de France 1, 48). — Um die Zeit, wann Maria übers Gebirge geht, wächst reichlich eine Art kleiner Blumen, die heißen Muttergottes- p antöff eichen, weil sie damit über das Gebirge geschritten ist; vgl. Dähnhardt, Natursagen 2, 258. — Gott schaut alle Jahre dreimal vom Himmel herab; "wen er dann müßig sitzen sieht, der kann auch müßig sitzen, solange er lebt, er bat doch etwas zu leben und braucht nicht für den kommenden Tag zu sorgen; wer aber gerade arbeitet, der muß auch sein Lebtage arbeiten. Darum sagt man : 'Wo einen unser Herr Gott bei sieht, da läßt er einen auch bei.' (1822). 458 201. Der heilige Joseph im Walde. in Dienst treten und für ihre Demut und Freundlichkeit Lohn, für Stolz und Habgier aber Strafe empfangen. Statt der zwei Schwestern treten hier drei auf. In einer deutschböhmischen Erzählung von den beiden Stiefschwestern, die der Student J. Kral aus Solisbad [Solislau?] bei Mies den Brüdern Grimm mitteilte, wie er sie von seiner Amme gehört, muß zuerst die böse Schwester aus dem Elternhause und folgt dem rollenden Kuchen ins Waldhaus, wo ein Männlein der Erlösung harrt : 1) Es war einmal ein Witwer, der hatte eine Tochter; er heiratete eine Witwe, die hatte auch eine Tochter. Diese zwei Töchter konnten sich nun nicht gut miteinander vertragen ; denn die Tochter des Mannes war sehr gutherzig, die Tochter von der Frau war aber sehr bösartig. Da nun sehr oft Streitereien vorfielen, so befahl der Mann dem Weibe, daß sie ihre Tochter wohin in Dienst schicken sollte. Da nun kein Wider- reden half, so nahm sie ein sehr schönes Mehl, Eier, Butter usw. und buk ihrer Tochter einen Kuchen. Mit diesem machte sich nun das Mädchen auf den Weg und ging fort, bis sie auf einen Hügel kam, wo sie nicht wußte, wohin sie sich begeben sollte. Sie kam auf den Einfall, ihren Kuchen fortrollen zu lassen und ihm nachzugehen. Gedacht, getan. Sie ließ den Kuchen laufen und ging ihm bis zu einem kleinen Häuschen nach, wo er stehen blieb. Ohne sich lange zu besinnen, ging sie hinein, um ein Nachtlager zu begehren. Doch da sie hineinkam, fand sie nie- manden darin als einen Hund und eine Katze. Sie dachte: Vielleicht wird doch jemand kommen, und setzte sich, um ihren Kuchen zu ver- zehren. Kaum brach sie ihn auseinander, als sich ihr der Hund schmeichelnd näherte und sie um ein Stückchen bat. Zornig stieß sie ihn aber mit dem Fuße weg, indem sie sagte: 'Dergleichen Sachen gehören nicht für einen Hund.' Eben dies widerfuhr der bittenden Katze. Als die Nacht einbrach und noch niemand kam, sah sie sich ängstlich um und erblickte in der Ecke ein Bett. Gleich fragte sie den Hund und die Katze, ob sie sich wohl hineinlegen könnte. Diese aber antworteten ihr, daß sie selbst gegessen, folglich sich selbst raten könne. Nach langem *) Ähnlich raten im oberfränkischen Märchen bei Spiegel nr. 12 die dankbaren Tiere dem Mädchen, das Mann lein Spannenlang zu küssen und so zu erlösen. In der deutsch-böhmischen Fassung bei Laube 1902 S. 106 = Haller S. 126 verwandelt sich das Männlein Spannenlang aber nicht in einen Jüngling; vgl. Arnim S. 19 und Firmenich 2, 224 (oben 1, 212), die slowakische Erzählung oben 1, 218, sowie oben S. 423 'Oll Binkrank'. — Der rollende Kuchen z. B. bei Spiegel nr. 1 'Die Gold- tür und die Bechtür' und cechisch oben 1, 217. 201. Der heilige Joseph, im "Walde. 459 Hin- und Herzweifeln legte sie sich doch in das Bett. Kaum aher hatte sie sich niedergelegt, so hörte sie ein großes Gepolter an der Türe und eine dumpfe Stimme, welche ihr befahl, aufzumachen. Da sie sich aber immer mehr in das Kissen einhüllte, so sprang die Türe auf; ein Faß wälzte sich hinein, aus diesem kroch ein kleines dickes Männchen hervor, sprang auf das Bett zu und zerriß sie entzwei. Als nun ein Jahr vergangen war und die Tochter nicht kam, so brachte es die Mutter dahin, daß auch der Mann seine Tochter hinweg- schicken mußte. Nachdem sie ihr aus "Wasser und dem schwärzesten Mehl einen Kuchen gemacht, ging die Arme mit Tränen in den Augen fort. Auch sie kam auf den Hügel, beschloß ihrem Kuchen zu folgen und gelangte so zu der nämlichen Hütte, wo sie auch den Hund und die Katze wieder antraf. Als sie ihren Kuchen verzehrte, so gab sie jedem ein Stück, ohne darum gebeten zu werden, und bedauerte nur, daß sie nichts Besseres geben konnte. Nun legte sie sich auf Anraten der Tiere in das Bett und schlief ein. Nach einer Weile hörte sie ein Gepolter und eine Stimme, welche ihr aufzumachen befahl. Auf Anraten der Tiere machte sie auf. Als nun das kleine Männchen aus dem Fasse kroch, befahl es ihr, ihn auszukleiden und zu sich ins Bette zu nehmen. Alles dies tat sie auf den Bat der Tiere. Als sie aber früh erwachte, erblickte sie statt des kleinen Männchens einen schönen Jüngling, von dem sie erfuhr, daß er ein verwunschener Prinz war und sie ihn durch ihre Gut- mütigkeit erlöst hätte. Die Tiere hatten sich in Hausbediente, das Häuschen aber in ein Schloß verwandelt. Sie ließ ihre Eltern holen, ward mit dem Prinzen getraut und lebte bis an ihr Ende sehr vergnügt. Zu dem oben 1, 212 f. angeführten Märchen von den beiden Schachteln, die ein gutes Schwesterchen und ein böses Brüderlein von einem Bettler erhalten, (Zingerle 1, 1. 2, 39. Haller S. 36 'Lohn und Strafe'. Kuhn-Schwartz S. 335 nr. 9 ; auch vlämisch und norwegisch) sei hier noch eine kurze Fassung von J. Grimms Hand aus dem Nachlasse nachgetragen, betitelt 'Der gute und böse Geist' : Brüderchen und Schwesterchen gehen zusammen in den Wald, da begegnet ihnen ein alter Mann und bittet um ein Stückchen Brot. Der Bruder gibt nichts, aber die Schwester. Dafür erhält jener eine schwarze, diese eine weiße Schachtel geschenkt, sollen sie aber nur in verschlossener Kammer aufmachen. In der schwarzen befindet sich ein Teufelchen, in der weißen ein Engelchen, die springen heraus. 460 202. Die zwölf Apostel. 203. Die Rose. i85o s. 263. 202. Die zwölf Apostel. 1819 2, 293 nr. 2. Aus dem Paderbörnischen. — Ver- wandt mit den Sagen von den sieben Schläfern (J. Koch, Die Sieben- schläferlegende 1883. M. Huber, Die Wanderlegende von den Siebenschläfern 1910) und von den in Bergen schlafenden Helden, die erst zu der bestimmten Zeit wieder erwachen, wie die drei Teile bei Grimm, DS.2 nr. 298. J. Grimm, Myth.3 S. 903. Rohde, Psyche2 1, 123. Hartland, Science of folktales p. 170. 207. A. van Gennep, Formation des legendes 1910 p. 194. Mitt. der schles. Ges. f. Vk. 6, 47. Huber, Siebenschläfer S. 390 (bergentrückte Helden). Die böhmische Sage von den Rittern im Blanik ist nach E. Kraus (Narodop. Vestnik ceskoslov. 12, 113) aus hussitischer Tradition in der Zeit der Gegenreformation entstanden. Drahomanov, Rozvidky 2, 95. Kuzelja, Uhorskyj korolj Matvij Korvin (Zap. tov im. Sev- cenka 70, 86). Veselovskij, Zumal min. narod. prosv. 1875 179, 97. Weryho, Spiacy rycerze (Wisla 3, 845). 1856 S. 264. 203. Die Rose. 1819 2, 294 nr. 3. Aus dem Paderbörnischen. — Danach das Gedicht 'Dei Räuse' in westfälischer Mundart bei Firmenich 1, 351 und P. van Duyse, Het Klaverblad 1848 S. 52 'De Roozeknop'. — Die weiße Rose wird auch sonst als das Vorbild des Todes, ihr Aufblühen als das Eröffnen des ewigen Lebens betrachtet; vgl. Grimm, D. Myth.3 S. 786. 919. Bechstein, Sagenschatz des Thüringer- landes 1838 4, 221 nr. 39 'De wiß Jaumpfer offer Wallfaihrt'. Grimm, DS.2 nr. 264. 265 'Rebundus im Dom zu Lübeck'. Kühnau 3, 502 nr. 1904. 1905. Studien zur vgl. Litgesch. 6, 413 f. N. Hocker, Die Stammsagen der Hohenzollern und Weifen 1857 S. 33. 204. Armut und Demut. 205. Gottes Speise. 461 204. Armut und Demut führen zum Himmel, lsse s. »> 1819 2, 295 nr. 4. Aus dem Paderbörnischen. — Die Erzählung von dem geduldigen, unter der Treppe liegenden Aschen- sohn, der sich die ewige Freude des Himmels erwirbt, ist nach der Legende des h. Alexius gebildet. Vgl. Acta Sanctorum Julii 4, 238; Gesta Romanorum c. 105 ed. Oesterley; H. von Hoffmannsthal, Prosaische Schriften 1, 25 ; Konrad von Würzburg, Alexius hsg. von Henczynski 1898; Millien, Litt, orale du Nivernais 1, 41 (1906); Magnanelli, Canti narrativi religiosi 1, 15 (1909); Archivio 20, 292; Blau, Germania 33, 181 ; Amiaud, La legende syriaque de Saint Alexis 1889; Zs. f. Volkskunde 19, 363 (armenisch). 23, 313 (serbo- kroatisch); Toldo, Studien zur vgl. Litgesch. 2, 93. Sieben Jahre lang zieht auch im südfranzösischen Märchen (Revue des 1. rom. 31, 586) ein Mädchen zur Buße in der Ferne umher und stirbt hier zuletzt unerkannt im väterlichen Hause ; vgl. die Ballade von des Markgrafen Töchterlein (Erk-Böhme, Liederhort nr. 182 c. e). Über die aus dem Grabe des lange verkannten Frommen auf- blühende Lilie vgl. Blümml, Studien zur vgl. Litgesch. 6, 412. 426. 7, 161. J. Meier, Volksliedstudien 1917 S. 147. 205. Gottes Speise. isse s. %*. 1819 2,297 nr. 5. Aus dem Paderbörnischen. — Erinnert an das Lied von der reichen und der armen Schwester in Holland: 'Ach wer will hören singen' (J. Koler, Hundert christenliche Hauß- gesenge 1, nr. 5. 1569 — Erk-Böhme, Liederhort 1, 622 nr. 209 e). Zwo newe Zeytunge, Nürnberg 1587 (Berlin Ye 4761). Jüngere Fassungen nennen z. T. andere Orte: Erk-Böhme 1, 619 nr. 209a — 209f; Scherer, Jungbrunnen nr. 130; Rosegger, Ausgewählte Schriften 4, 373 (1882) ; Wolfram, Nassauische Volkslieder nr. 41 ; Amft, Volks- lieder der Grafschaft Glatz nr. 36 ; Parisius nr. 13 (Jsb. des altmärk. V. f. Gesch. 19, 155); Blätter f. pommersche Volkskunde 4, 122; Adamek, Netzegau 1913 nr. 31 ; Frischbier, 100 ostpreuß. Volkslieder 1893 nr. 28. Wolgakolonien 1914 nr. 46. — Niederländisch: 462 205. Gottes Speise. Bols, 100 oude vlaamsche Liederen 1897 nr. 54 == F. van Duyse, Het oude nederlandsche Lied 3, 2618 nr. 677; vgl. Blyau en Tasseel, Iepersch oud liedboek 1902 nr. 39 'Van de bakkersvrouwe'. P. van Duyse, Het klaverblad 1848 S. 75 'De twee zusters'. — Dänisch: Kristensen, Gamle jyske Folkeviser 2 (1876), S. 30 nr. 18 ; Kristensen, Gamle Viser i Folkemunde 4 (1891), S. 189 nr. 70; Skattegraveren 4,226. 6, 179. — Schwedisch: Hazelius, Ur de nordiska Folkens Lif 1882 S. 126. 152. — Spanisch: F. Wolf, Beiträge zur span. Volkspoesie 1859 S. 15 = Sitzgsb. der Wiener Akad. 31, 143 'Ko- mance del pan de Dios' (das Brot blutet). — Polnisch: Gorczynski, Das Brot (Nitschmann, Der polnische Parnaß 1875 S. 296). Ähnliche Prosaberichte1) finden sich bei Fincelius, Wunder- zeichen 3, Bl. Hjb (1567); Hondorff, Promptuarium exemplorum 1570 1, 343 a (geschehen 1557 zu Leia in Holland) = 1598 2, 261b; W. Bütner, Epitome historiarum 1576 Bl. 384 a = 1596 Bl. 304 b; M. Hammer, Historischer Eosengarten 1654 S. 113; M. Zeiler, Hand- buch von allerlei nützlichen Sachen 1655 S. 27 (Danzig) ; G. v. Fürst, Curieuse Eeisen 1739 S. 88 (steinernes Brot in Leiden aufbewahrt); Grimm, DS.2 nr. 241 'Brot zu Stein geworden' ; E. Meier, Sagen aus Schwaben 1852 1, 319 nr. 39 'Der steinerne Brotlaib'; Franzisci, Märchen aus Kärnten 1884 S. 62 'Das blutende Brot' ; Münsterische Geschichten 1825 S. 169. 249; vgl. Bahlmann, Münsterländische Märchen 1898 S. 124. 184; Schell, Bergische Sagen S. 9; Hüllenhoff, Sagen S. 145 nr. 199 'Das versteinerte Brot'; Das Land 3, 123. 188 (1895). — Niederländisch: Wolf, Mederld. Sagen nr. 158 (Gent) = Goyert-Wolter S. 86; Wolf nr. 362 (Dokkum), 363 (Leiden); De Cock en Teirlinck, Brabantsch Sagenboek 2, 276 nr. 492 ; Dykstra 1, 29 (Bonifatius). — Dänisch: Thiele, Danmarks Folkesagn 2, 310 'Forstenet Brod'. Kamp, Folkeminder S. 171 nr. 59. Eevue des trad. pop. 7, 594 nr. 32. — Französisch: Annuaire des trad. pop. 1887, 21 = Sebillot, Folklore de France 1, 308. — Cechisch: Hrase, Povidky 2, 115. Sbornik Bozena Nemcova S. 242 (Teller, Sagen der Herrschaft Nachod. 1839). — Tatarisch aus Gouv. Jeli- savetpol: Sbornik Kavkaz. 13, 2, 303 nr. 4 (Erbsen). *) Brot, das den Bettlern vorenthalten worden, wird zu Schlangen und Kröten, oben S. 1681. Erbsen werden zu Stein bei Wolf, Hessische Sagen 1853 nr. 230, Linsen bei Graber, Sagen aus Kärnten 1914 nr. 345. Der h. Peregrinus (Acta Sanctorum Januarii 3, 758) verwandelt das Brot der hartherzigen Frau in Stein. Vgl. Luzel, Gwerziou Breiz-Izel 1, 81. 206. Die drei grünen Zweige. 463 Wie die arme Mutter hier von ihren drei verstorbenen Kindern sagt, Gott habe sie gesättigt, so wird unten S. 474 der Tod des frommen Knaben als eine Ladung zum Tische Gottes bezeichnet. Dagegen leitet eine sächsische Ortssage bei Grässe, Sagenschatz des Königreichs Sachsen2 2, 6 nr. 606 den Namen des Dorfes Gottes- speise bei Zwickau davon ab, daß ein im Schneegestöber verirrter Knabe nach drei Tagen unversehrt aufgefunden wurde; ein Engel hatte ihn mit Käse und Brot gespeist. 206. Die drei grünen Zweige. lsse s. 264. 1819 2,298 nr. 6. Aus dem Paderbörnischen. — Illustriert von C. Alf auf dem Münchner Bilderbogen nr. 894. — Ähnlich französisch bei Luzel, Legendes ehret. 1, 204 'Le brigand sauve avant Termite' (der Stab des Räubers bekommt eher Blätter als der des Waldbruders) und verblaßt ebd. 1, 209 'L'ermite et le vieux brigand'. Serbokroatisch: Stankov Kukic, Srps. nar. umotvor. S. 103. Kl ein russisch aus Galizien : Etnogr. Zbirnyk 13, 141 nr. 333. 334. Während hier das Hauptgewicht auf die strenge Buße fällt, die dem Einsiedler für ein einziges hartherziges Wort1) auferlegt wird und die auch die wilden Räuber erschüttert, tritt in andern Legenden die Bekehrung des sündenbeladenen Räubers in den Vordergrund. Jakob von Vitry (Exempla ed. Crane 1890 nr. 72) erzählt von einem Räuber, der einem Einsiedler seine Mordtaten beichtete, aber keine andre Buße auf sich nehmen wollte als vor jedem Kreuz am Wege kniend ein Vaterunser zu beten. Wie der Räuber die Zelle verließ, sah er Verwandte eines von ihm Erschlagenen auf sich zuschreiten ; er floh, hielt aber vor dem nächsten Kruzifix an, um sein Gelübde zu erfüllen, und ward von den Verfolgern erschlagen. Da gewahrte der Einsiedler, wie Engel seine Seele zum Himmel trugen, und murrte über die dem Sünder erwiesene Gnade Gottes; er beschloß ins Weltleben zurückzukehren, aber der Teufel legte ihm J) Ähnlich wird ein frommes Mädchen für eine selbstgerechte Äußerung bestraft: Melusine 1, 300 'Christic' ; Revue des 1. rom. 31, 586 'Cecüe'; Webster, Basque legends p. 209 'The saintly orphan girl'. 464 206. Die drei grünen Zweige. ein Hindernis in den Weg, daß er fiel und den Hals brach, und seine Seele fuhr zur Hölle. Ebenso bei Herolt, Sermones 1495 49, R und im Promptuarium exemplorum M, nr. 25 ; Klapper, Er- zählungen des Mittelalters 1914 nr. 117 'De penitentia s. de cruce' ; Odo de Ceritona (Cat. of romances in the British museum 2, 60 nr. 12) ; Caesarius von Heisterbach, Libri VIII miraculorum 1901 S. 214 nr. 1 'De poenitentia imposita' ; Etienne de Bourbon, Anecdotes historiques ed. Lecoy de la Marche nr. 26 ; danach Magnum speculum exem- plorum 1610 p. 809 (Poenitentia nr. 10; aus Nicolaus Dünckelspühel). Meon, Nouveau recueil de fabliaux 1823 2, 202 'De Termite qui se desespera pour le larron qui ala en paradis avant que lui, ou du larron qui se converti' (aus Vie des anciens peres; s. Jahrbuch f roman. Lit. 7, 417 nr. 28). Eior de virtü historiato, Trento o. J. (um 1700. Berlin Np 1608) Bl. 35b 'Dell' incostanza esempio' (nella Vita de'santi padri) ; danach Hans Vintler, Pluemen der Tugent ed. Zingerle 1874 v. 4862 'Von der unstät'. In einem mittelenglischen Gedichte 'The eremyte and the outlawe' (ed. Kaluza, Engl. Studien 14, 165; vgl. ebd. 16, 434 und Kittredge, ebd. 19, 177) sind Eäuber und Einsiedler Brüder. An einem Karfreitag geht der Räuber zur Kirche und beichtet einem Vikar, weist aber alle Bußwerke zurück, bis ihn der Geistliche fragt, was ihm am meisten zuwider sei. 'Wassertrinken', antwortet er. 'So trink heut keinen Tropfen Wasser! Dann absolviere ich dich'.1) Nachdem der Eäuber dies gelobt, über- fällt ihn auf dem Heimwege ft.^uterlicher Durst. Drei Mädchen mit Wasserkannen begegnen ihm und wollen ihn laben ; er aber bleibt standhaft, zieht endlich sein Messer, sticht sich in den Arm und schlürft das hervorströmende Blut, bis er erschöpft und betend ver- scheidet. Der Eremit sieht seines Bruders Seele durch Engel davon- tragen und murrt wider Gott; aber ein Engel belehrt ihn, und er bestattet im Verein mit dem Vikar den Leib des Toten. *) So fragt bei Jakob von Vitry nr. 284 der Beichtiger eine Frau, welche Speise ihr am meisten zuwider sei, und verordnet, als sie Zwiebeln nennt, daß sie sich dieser eo Ehalte. Ebenso bei Etienne de Bourbon nr. 166, Pauli, Schimpf und Ernst nr. 317, Schmeller, Bayerns Mund- arten 1821 S. 497. — Im Fablel 'Le Chevalier au barizel' (Barbazan-Meon 1, 208. Hertz, Spielmannsbuch 1900 S. 218) wird die leichte Aufgabe, ein Fäßlein mit Wasser zu füllen, für den Raubritter ein mühevolles Bußwerk. 206. Die drei grünen Zweige. 465 Neuere Volksmärchen verbinden mit dieser Legende ein weiteres Motiv, die Erlösung eines vom Vater dem Teufel verschrie- benen Knaben.1) Wir unterscheiden folgende Teile: A. Ein Knabe, der vor seiner Geburt vom Vater dem Teufel verschrieben worden war, wandert zu diesem hin. — B. Ein Ein- siedler, den er nach dem Weg zur Hölle fragt, weist ihn an den Räuber, seinen Bruder. — C. Der Räuber führt ihn zur Hölle. — I)1. Dort erhält der Knabe die Verschreibung zurück und (D2) sieht das für den Räuber bereitete feurige Bett oder den Stuhl. — E1. Der Räuber tut darauf Buße und stirbt selig; (E2) sein Stab treibt Blüten und Früchte. — F1. Der Einsiedler wundert sich, fügt sich aber in Gottes Ratschluß, oder (F2) lästert ihn und verfällt der Verdammnis. Häufig wird der Name des Räubers genannt: Matthes, englisch Mathew, polnisch Madej (Amadeus), Abraham, slovakisch Mataj, Matüs, Hamadej, weißrussisch Mazeusz, Juda, dänisch Midian, litauisch Dimijan, deutsch und wendisch Barabas, Hütl, wendisch Lipskuljan, kleinrussisch Prokop, großrussisch Räch, kaschubisch Robin, Remiasz, litauisch Remiasz, Judoszius, Mikodemas, Andrejus, cechisch Lokes, Dobiäs, Benes, Setnik (Hauptmann), Zahof, serbokroatisch Ignjat, Matias, Beno, schwedisch Karl, dänisch Cyprianus, magyarisch Stephan und Pilinko, kroatisch Petar Rauber, gagausisch Peter Sodom. — Aus der Schweiz bei Jegerlehner, Was die Sennen er- zählen S. 216 'Des großen Mörders Bekehrung' (ABCD'EF2) = Jegerlehner, Sagen aus Oberwallis S. 45 'Der große Mörder' (P1) = Bächtold S. 89. Elsaß: Stöber, Elsässische Neujahrsblätter 1846, 230 'Vom Söhnlein, das seinen Vater erlöste' (AD'E1,2. Statt des Räubers erscheint der verstorbene Vater, der ein Bäumchen mit seinen Tränen begießen muß). Baden: Baader 1851 nr. 301 'Kind dem Teufel verschrieben' (A B C D1 • 2 E1 P2) — Simrock, Der gute Gerhard 1856 S. 38. Schwaben: Meier, Volksmärchen nr. 16 LDer Räuber Matthes' (A, Maria beschreibt den Weg zur Hölle, CD1,2 E1, nach zwölf Jahren absolviert der Knabe, der Priester ge- worden, den Räuber: der Einsiedler fehlt). Baj^ern: Sepp, Sagen- schatz 1876 S. 591 nr. 162 'Tannhäusersage' (E1-2). Schönwerth 3, 35 'Der Gang nach der Hölle' (AÜD^E*-2; Hütl). Steiermark: Rosegger, Volksleben in Steiermark 1888 S. 535 (ABCD1-^1!12; der Knabe zerschneidet den Räuber) = Rosegger, Ausgewählte J) Vgl. dazu oben 1, 21. 302. 2, 329. 3, 107; auch 1, 98. 490. Grimm, Märchen-Anmerkungen III. 3Q 466 206. Die drei grünen Zweige. Schriften 1882 4, 407. Kärnten: Carinthia 1865, 402 'Der dem Teufel Verschriebene' (AB CD1'2E1*2F2; der Knabe heilt des Räubers Sohn mit einer Salbe, die er vom dritten Einsiedler erhalten) = Franzisci, Sagen 2, 19. He anzisch: Bunker nr. 83 'Der Räuber- hauptmann und der Einsiedler' (E1-2F2). Siebenbürgen: Haltrich nr.29 'Des Teufels Hilfe' (ACD^E1; entstellt) und nr. 31 'Die Er- lösung' (CD1-2E1-2). Lothringen: Peters, Aus Lothringen S. 167 'Der Teufelsbanner' (A B C D1"2 E1 F2; der Teufelsbanner läßt sich vom Knaben in 857 Stücke schneiden). Schlesien: Schlesische Provinzialblätter n. F. 4, 26 nr. 4 (A C D1' 2 E1 • 2; Madejas Keule wird ein Apfelbaum, der Knabe wird Bischof und absolviert ihn). Przi- billa S. 81 'Vom Madeja-Bette' (A C D1 • 2 E1 • 2. Madeja kniet unterm Apfelbaum, bis der Knabe als Bischof wiederkehrt). Hannover: Schambach-Müller S. 320 nr. 32 'Wer wird selig?' (ACE^2. Ent- stellt; die Mutter verspricht den Sohn dem Teufel, der Räuber läßt sich zerschneiden, ein Pastor lästert). Harz: Pröhle, M. f. d. Jugend nr. 63 'Barrabas' (AD1-2E1-2) und S. 235 (A B C D1' 2E' F2). Pom- mern: Jahn, Vm. 1, 336 nr. 61 'Der schwarze Frosch' (A C D1-2 E1 ■ 2). Asmus-Knoop S. 90 'Der gerettete Mörder (ACD1-2E1-2; dazu die dem Wanderer aufgetragenen Fragen, oben 1, 282). Posen: Knoop, Posener Märchen, Progr. 1909 S. 3 nr. 1 'Der Vertrag mit dem Teufel' (ACD1'2E1-2). Aus dem Posener Lande 2, 60 (1907) 'Die Keule des Madej'. *Posener Heimatkunde 3, nr. 8. — Dänisch: Grundt- vig, Minder 2, 61 'Haltefanden og Studenten' (A C D1 ■ 2 E1 ■ 2. Midians Bett) — Grundtvig, Folkeaeventyr 3, 174 'Haltefanden'. Grundtvigs hsl. Register nr. 58' 'Frelse fra den onde'. Skattegraveren 4, 103 'Cypri bisp' (Per, der nachts auf dem Kreuzweg dem verkappten Teufel in der Meinung, es sei seine Geliebte Stine, Treue gelobt hat, erhält vom Zauberer Cypri bisp d. i. Cyprianus einen Brief an den Höllenfürsten; Cypri läßt sich von ihm mit Dornen zu Tode peitschen. CD1-2E1). — Schwedisch: Aberg nr. 114 'Karl Röf- vares sang' (ACD1,2E1F2. Kind von der Mutter dem Teufel ver- sprochen, der Räuber läßt sich totpeitschen, über seine Errettung ärgert sich eine fromme Frau). — Irisch: Folk-lore Journal 2, 34 'The gentleman traveller' (der Held verschreibt sich dem Teufel, der ihm als schöne Jungfrau erscheint, und wird vom Papst an den Priester gewiesen, von diesem an den Kartenspieler Mathew ; B C D1,aE1F1; Mathew läßt sich verbrennen). In einer schottischen Sage (Grimm, Irische Elfenmärchen S.XXXV=W. Grimm, Kl. Schriften 1,424 206. Die drei grünen Zweige. 467 nach W. Grant Stewart, Populär superstitions of the Highlanders 1823) ge- wahrt der von dem Zauberer Michael Scott in die Hölle Gesandte dort das für Michael bestimmte Marterbett. Kennedy, Fireside stories p. 126. — Französisch: Luzel, 5e rapport (Archives des missions seien - tifiques 3. Serie 1. 37. 1873) 'Le pere qui vendit son fils au diable'. Luzel, Leg. ehret. 1, 175 'L'enfant voue au diable et le brigand qui se fait ermite' (A B C D1 ■ 2 E1 F2. Räuber läßt sich kreuzigen). 1, 187 'Le brigand et son frere Termite' (Pächter holt die Quittung vom verstorbenen Herren aus der Hölle. BCD1-2E1F2. Räuber zerhackt und verbrannt). 1, 267 'Le marquis de Tromelin, qui vendit son fils au diable et alla dans l'enfer retirer le titre de vente' (der Vater, durch eine in die Brust eingenähte Hostie geschützt, geht statt des Sohnes zur Hölle. A B C D1 ■ 2 E1 F1. Räuber läßt sich zerfleischen). Jegerlehner, Sagen aus dem Unterwallis S. 86 'Le deux Crierins' (ACD^F2). — Rumänisch: Schott S. 165 nr. 15 'Der Versöh- nungsbaum' (ACD^E1-2). — Slovenisch: Krek S. 62 nr. 26 (A D1 • 2 E1 • 2). Kres 5, 302 (1885. A D1 • 2 E1 • 2). Nar. pripov. Soskih plan. 1, 17 nr. 2 — Gabrscek S. 21 nr. 2 (entstellt; anstatt des Räubers büßt Lucifer auf Schwertern kniend; seitdem ist die Hölle ohne Herrscher). Saselj, Bisernice 1, 226 nr. 7 (AD1,8E1,2). — Serbokroatisch: Preindlsberger-Mrazovic S. 1 (AD1-2E1,2, ein- gestreut eine Vampirgeschichte). Krauß, TSM. 1, 64 nr. 18. Miku- licic S. 116 nr. 21 (AB CD1-2; der Räuber pilgert kniend nach Rom) = Krasic 2, 28 nr. 13; vgl. Wisla 5, 54. Strohal 1,75 nr. 11 (AB.D1**E1-*F1). 2, 51 nr. 19 (Petar Rauber; AD^'E1'3). M. Stojanovic, Pucke pripov. S. 35 nr. 6 (Beno. A D1 " 2 E1 ■ 2). Corovie S. 19 = Bogdanovi6 S. 148 nr. 19. Risti6 - Loncarski S. 8 nr. 2. Zbornik jslav. 10, 193. 19, 52 nr. 7 (A D1 ■ 2 E1 ■ 2). 21, 140 nr. 3 (A D1 • 2 E1 2). Danica 10, 478 nr. 17 (1869). Rovinskij, Öernogorija 2,2, 567 (der hl. Demetrius). StankovKukic S. 103. — Bulgarisch: Sbornik min. 8, 191. — Wendisch: Haupt-Schmaler, Volkslieder 2, 176 nr. 15 'Lipskulijans Bette' (ACD1,2E'-2) — Haupt, Sagen- buch 2, 217 nr. 318. Schxilenburg, Volkssagen S. 60 'Der Räuber' (Barabas. CD2E1,2). Schulenburg, Volkstum S. 13 'Lipskuljans Bette'. Nawuka S. 95 nr. 21 (AD1<2E1-2). — Öechisch: Slavia 2, 56 nr. 16. 1878 (A B ; der Räuber zwingt den Teufel selber, dem jungen Priester die Verschreibung zurückzugeben, beichtet dann und stirbt selig ; der Einsiedler lästert und wird nicht mehr vom Engel gespeist); vgl. Wisla 3, 107. Väclavek, Poh. a pov. Val. 3, 30* 468 206. Die drei grünen Zweige. 25 (A D1 • a E1 • a). Närodopisny Vestnik 2, 133 (AD1-2 E1 • 2). Öes. Lid 5, 55 nr. 1 (ADll2E1>2). Aus Mähren: Kulda 3, 171 nr. 24 (A B C D1 • 2 E1 • 2). Kulda 3, 47 nr. 4 (andre Einleitung. D1 ■ 2 E1 ■ 2). Kulda, Mor. nar. poh. 2, 203 nr. 117 (A D1 • 2 E1 • 2). Väclavek, Poh. a pov. Val. 3, 25 (A D1 • 2 El • 2). Vaclavek, Val. poh. a pov. S. 84 (A D1 • 2 E1 • 2). Hs. Peck nr. 46. Pfikryl, Zah. Krön. S. 213 (A BD1-2 E1 • 2). Aus der Grafschaft Glatz : Kubin, 2, 258 nr. 86 (Bruchstück. E2j. K.J.Erbens Gedicht Zähof ovo loze.— Slovakisch:Cod.Eev.CS.69— 72 = Prostonar. Zabav. 4, 295 (A C D1 • 2 E1 • 2) = Prostonar Zabav. 5, 12. Cod. Tis. C S. 11—17 --= Sbornik Mat. slov. 2, 139 (AD1-2E1-2j = Dobsinsky 2, 12 (Mataj). Prochazka, Kolär. draten. S. 72 (AD1-2 E1 • 2). Sbornik mus. slov. spol. 18, 10 nr. 46 (A D1 ■ 2 E1 . 2j. Slov. Pohl'ady 21, 596 (AD1>2E1-2). Bei Czambel S. 419 ist 'Hamadejs Bett' in ein Märchen von einer verwünschten Prinzessin eingeschaltet. — Polnisch: Woycicki p. 105 = Woycicki-Lewestam S. 74 'Madey' = Kletke, Märchensaal 2, 111 = Naake p. 220. Haupt- Schmaler, Volkslieder der Wenden 2, 315 'Das Bett des Madaj'. Poplinski, Wybör prozy i poezyi polskiej 1853 S. 139 (Toppen, Aberglauben aus Masuren 1867 S. 1232). Hess. Blätter f. Volksk. 4, 71 'Der Vertrag' (ACD1-2E1-2. Madaj). Malinowski 2, 3 (AD1-2 E1-2); 2, 97 (ACD1-2E1-2); 2, 176 (AD1-2E1-2j. Ciszewski, Krakowiacy S. 67 nr. 60 (AD*-2E1-2); S. 69 nr. 61; S. 71 nr. 62 (desgl.). Zbiör 11. 106 = Ciszewski, Lud rolniczo- görniczy S. 256 nr. 15 (A D1 • 2 E1 ■ 2). Kolberg, Lud 8, 122 nr. 49 (Madej A E2 ; der junge Priester hört des Räubers Beichte, wandert in die Hölle und kehrt erst nach 40 Jahren zurück). 14, 197 nr. 45 (AD1-2E1-2; aus Posen). 14, 201 nr. 46 (AD1-2E1-2; aus Posen). Karlowicz, Wisla 2, 804. 3,103 (AD1.»!1.1; aus Lublin und Gouv. Plock). 300. 602. 5, 43. 46 (D2). Mater, antropol. 10, 246 nr. 22 (A D1 • 2 E1 • 2). Sprawozdania Korn. je.z. 5, 91 (A D1 ■ 2 E1 ■ 2). Polaczek, Wies Kudawa S. 247 (entstellt. Der vom Herrn in die Hölle ge- schickte Knecht begegnet einem, der nach Madejs Bett fragt). St. Zdziarski, Ludowosc w poezyi pols. (Lud 10, 389) : Gedicht von A. Czajkowski ; andre literarische Bearbeitungen bespricht Karlowicz, Wisla 3, 104. — Kaschubisch: Hilferding S.| 90 und 134 (Remiasz). Lorentz, Teksty S. 420 nr. 537 (AD1.2 E1-2). 451 nr. 577 (Bruchstück. E1,2). 594 nr. 731 (desgl.) — Kleinrussisch: Kolberg, Pokucie 4, 145 nr. 26 (A Dl • * E1 • »> Wisla 3, 302. Aus Galizien: Etnogr. Zbirnyk 13, 143 nr. 335 (eine Ledertasche, in der 206. Die drei grünen Zweige. 469 der Räuber Steine tragen soll, fällt ab, nachdem er einen Bösewicht getötet). 13, 144 nr. 336 (der eiserne Reifen, den der Räuber um den Kopf trägt, springt bei gleichem Anlaß). 13, 146 nr. 338 (AD1- 3 E1-3). 13, 149 nr.339 (ÄD1-1B1-1). 13,150 nr.340 (AD1- 2E1 • 2). 13, 151 nr. 341 (dem Räuber, der als Knabe dem Teufel verschrieben war, legt der Priester Buße auf ; zwei Äpfel fallen nicht von dem wunderbar wachsenden Apfelbaum ab, weil der Räuber seine Eltern erschlagen hat). 14, 251 nr. 46 (ADt,2E1,2; der Räuber verbrennt sich selber, sein Kopf muß einen tiefen Brunnen vom Schlamm reinigen). 25, 188 nr. 28 (A D1 ■ 2 E1 • 2. Südungarn). 3, 121 nr. 47 (AD1-2E1-2. Nordungarn). 9, 31 nr. 16 (AD1,8E1sEllS). Kriza nr. 18 = Notes and queries 6. ser. 10, 63 (1884) — Jones-Kropf p. 7 'Stephen the murderer'. — Gagausisch: Radloff 10, 78 nr. 46 (Peter Sodom. AD1'2 Gott selbst in Gestalt eines alten Holzhauers berät den zur Hölle wandernden Jüngling; die Erfüllung der auferlegten Buße fehlt). — Zigeunerisch: Fr. Müller, Romsprache (Wiener SB. 61, 172) nr. 3 'Der wallachische Zigeuner' enthält einen Anklang an das Motiv E2, den dürren Ast, den der Einsiedler mit sich trägt, bis drei grüne Zweige daraus sprießen; der Zigeuner, der seinen Vater erschlagen hat, pflanzt seinen Stock auf das Grab und begießt ihn 24 Jahre lang auf den Knien rutschend mit Wasser, das er im Munde aus dem Bache herzuträgt, bis ein großer Apfelbaum daraus wird. Doch klingt diese Stelle auch an eine bulgarische Sage von der Buße Loths und dem Kreuzholz Christi bei Strauß 1898 S. 115 und an eine kleinrussische Parallele zur Gregorlegende bei Dragomanov p. 130 nach dem Sbornik Kavkaz. 7) wird der büßende Sünder erlöst, als er Tabakshändler tötet. Ebenso Sbornik Kavkaz. 16, 1, 201, wo die schwarzen Schafe weiß werden, als der Geist des toten Sünders die Tabakshändler umbringt. Über die hier zugrunde liegende Lehre der Raskolniki vgl. Polivka, Festschrift für Jagic S. 387 und Javorskyj, Naukovo-liter. Sbornik 1901 S. 50. In andern slawischen Fassungen muß der Büßer einen andern Bösewicht töten; so erfüllt er in Nekrasovs Gedicht 'Wem ist gut in Rußland zu leben' (Socinenija 2, 257. 1886) die Aufgabe, eine uralte Eiche mit seinem Messer zu fällen, indem er einen grausamen Gutsherrn ersticht. 207. Mutter-Gottes- Gläschen. 471 = Russische Revue 17, 139 (1880) an.1) —Mongolisch: eine Erzählung 'Syttychtur-burchan' aus Potanins Ocerki severozap. Mongolit S. 531 wird in der Wisla 5, 58 mit unserm Märchen verglichen. — Arab i s ch Schmidt- Kahle, Palästina nr. 61 'Wer kommt in den Himmel und wer in die Hölle?' Pihan, Choix de fables et historiettes 1866 p. 98 = Eevue des trad. pop. 22, 291 nr. 3. 207. Mutler-Gottes-Gläschen. ^ s. 264. 1819 2, 301 nr. 7. Aus dem Paderbörnischen. — Wie in vielen Märchen wird hier der Lohn der Liebe und Milde gezeigt. Vgl. Reling und Bohnhorst, Unsere Pflanzen2 1889 S. 163. Vlämisch: De Mont & de Cock, Vertelsels p. 119 '0. L. Vrouwe-Glazeken' = Rond den Heerd 7, 175. Teirlinck, Folklore flamand p. 38. Goyert- l) Eine Legende (*Fleur des Bollandistes, 14. Sept. Stndien z. vgl. Litg. 8, 54. Väterbuch S. 323. 162 ed. Reissenberger. Anders Acta Sanctorum Martii 3, 696) berichtet, daß der ägyptische Einsiedler Johannes der Zwerg zum Zeichen seines Gehorsams drei Jahre lang täglich einen dürren Stab begießt, bis er Blätter treibt; ebenso der h. Baldus von Frankreich (*Fleur, 29. Okt.). Ebenso in den Legenden von Loth (Brückner, Apokryfy sredniowieczne S. 271), vom büßenden Sohne (Klapper, Erzähl, des MA. S. 399 nr. 194. Veselovskij, Razy- skanija 6 — 10, 379. Zdanov, Russ. bylev. epos S. 325) und andern (Jb. f. rom. Lit. 7, 408. Luzel, Legendes 2, 97. Strekelj, Slov. nar. pesmi 1, 493 nr. 484—490. Etnogr. Zbirnyk 13, 141 nr. 332. Federowski 2, 310 nr. 342. Wlislocki, Armenier S. 156 nr. 56; vgl. oben S. 1072). Das Vorbild dieses Sagenzuges, der in der Christoph-, Tannhäuser-, Georg-, Polykarp-, Bernhard-, Franziskus-, Brigitta- und vielen andern Legen- den wiederkehrt, ist der Knospen und Mandeln tragende Stab Aarons (4. Mose 17, 8) ; vgl. Gressmann, ZfVk. 23, 29 ; Liebrecht, Gervasius von Tilbury 1S56 S. 112 ; E. C. Brewer, Dictionary of miracles 1884 p. 53; Er. Schmidt, Charakteristiken2 2, 33; Bevue des trad. pop. 19, 65. 336. 532. 21, 123. 22, 289. 25, 141. 28, 63 'Le bäton qui reverdit'; Toldo, Studien z. vgl. Litgesch. 8, 49— 56; Marriage, Alemannia 26, 115; J. Meier, Volksliedstudien 1917 S. 144; Arnaudov, Period. Spi- sanie 71, 206; Sumcov, Razb. etnograf. trudov E. R. Romanova S. 72; J. Franko, Cesky Lid 4, 22; A. Fischer, Lud 15, 202. 16, 34; Polivka, Närodop. vestnik ceskoslov. 12, 33 (über die Lebenszeichen) ; Chauvin 5, 51. 472 208. Das alte Mütterchen. Wolter S. 74. — Über andere nach der Jungfrau Maria benannte Blumen s. J. Grimm, Myth.3 S. 1146. 3, 350 und Dähnhardt, Natur- sagen 2, 260. Anderwärts wird die Ackerwinde (Convolvulus arvensis) freilich auch Teufelsdarm genannt. 1856 s. 264. 208. Das alte Mütterchen. 1819 2, 301 nr. 8. Aus Hessen. — Die Legende ist verwandt mit der verbreiteten Sage von der nächtlichen Messe der Toten1) oder der Geisterkirche, von der schon Gregor von Tours, In gloria confessorum c. 72 (MG. Scr. rer. Meroving. 1, 790: Autun. Zs. f. dt. Mythol. 4, 80), Thietmar von Merseburg, Chronicon 1, c. 7 (MG. Scr. 3, 737: Walsleben, Magdeburg, Deventer; danach der Annalista Saxo z. J. 929, MG. Scr. 6, 597), Enoch Widmann in seiner Chronik von Hof (ed. Chr. Meyer 1894 S. 113 z. J. 1516. Grimm, DS.2 nr. 176) und die Zimmerasche Chronik (4, 113: Meßkirch 1562. Badisches Sagenbuch 1, 210. 1898) berichten. 1584 hörte man zu Rossitten in Livland aus einer zerstörten Kirche lieblichen Gesang- tönen und fand dort eine Schar von Toten, welche das Nahen des jüngsten Tages verkündeten (Unland, Volkslieder nr. 357 und Schriften 4, 324). — Neuere Aufzeichnungen aus der Schweiz : Henne am Bhyn. Die deutsche Volkssage2 S. 587. Jecklin 3. 21 = 1916 S. 12. 402. Elsaß: Stöber-Mündel, Sagen 2, 25 nr. 26. Baden: Baader, Sagen nr. 202. 314. 355. 446. Allgäu: Reiser 1, 401 nr. 489. 490. Bayern: Panzer, Beitrag 2, 109. Tirol: Zingerle, Sagen2 nr. 467. 481— 485 mit Anm.; Menghin S. 87 ; Alpen- burg, Alpensagen nr. 373. Salzburg: Vernaleken, Alpensagen S. 65; Weinhold, Zs. f Vk. 6, 442. Kärnten: Graber, Sagen 1914 x) Von einer Totenprozession, die in der Allerseelen- oder Weih- nacht stattfindet, erzählt man in Oberwallis (Jegerlehner 2, 202 nr. 100 bis 102. 2, 271 nr. 29), Schlesien (Kühnau 1, 375 nr. 369—371), Posen (Knoop, Sagen 1913 S. 11 nr. 21), Frankreich (Le Enaz 2, 102), Italien (Pitre, Nov. pop. toscane p. 136 nr. 20), bei den Cechen (Cesky Lid 5, 236. W. Popelka, hsl. Sammlung S. 42. Charvät S. 123), Kleinrussen [Materyaly antropol. 13, 15S nr. 37), Weißrussen (Federowski 1, nr. 1045) und anderwärts. 208. Das alte Mütterchen. 473 nr. 245 — 249. Niederösterreich: Leeb nr. 119. Oberpfalz: Schön- werth 1, 277. 305. Hessen: Wolf, Hessische Sagen nr. 169. Thüringen: Bechstein, Sagenschatz 3, 104; Wucke, Sagen 1891 nr. 573. Vogtland: Eisel, Sagenbuch nr. 283—285; Köhler, Volks- brauch S. 530; Meiche, Sagenbuch nr. 305. Böhmen: Zs. f. öst. Vk. 4, 304. Langer, Das östl. Deutschböhmen 2, 123. 12, 151. 185. Schlesien: Kühnau, Schles. Sagen 1, 210 nr. 299—302. 3, 352 nr. 1731. Kühnau, S. aus Schlesien nr. 10. Mitt. f. schles. Vk. 15—16, 85. 114. Posen: Knoop, Sagen 1893 S. 136; Sagen 1913 S. 12. 30. Köln: Bethany, Zs. f. Vk. 6, 441. Westfalen: Zs. f. rhein. Vk. 7, 151. Harz: Pröhle, Harzsagen S. 96. 118; Pröhle, Unterharzische Sagen S. 163; Ey S. 208. Hannover: Schambach- Müller S. 236. Holstein: Müllenhoff, Sagen nr. 232. 233. Mecklen- burg: Kuhn-Schwartz nr. 5 ; Bartsch 1, 363 nr. 497 — 498. Branden- burg: Engelien-Lahn nr. 42. Pommern: Jahn, Volkssagen nr. 525. Asmus-Knoop S. 42. Blätter f. pomm. Volksk. 5, 4. 37. 6, 69. 8, 129. 9,63. Ostpreußen: Lemke 3, 112 nr. 75. 76. — Niederländisch: Wolf, Ndl. Sagen nr. 581. — Dänisch: Kristensen, Sagn og overtro fra Jylland 2, 1, 378 nr. 682—683. Feilberg, Jul 2, 327. — Schwedisch: Dybeck, Runa 3, 19. Feilberg, Jul 2, 328. Stroebe 1, 200. — Norwegisch: Asbjörnsen, Vm. und Wald- geistersagen übers, von Denhardt S. 11 = Stroebe 2, 14. Feilberg, Jul 1, 69. 2, 34. 327. — Isländisch: Maurer S. 57. 75. — Irisch: Lover, Legends of Ireland 1848 p. 187 'The priest's ghost'. — Bretonisch: Le Braz, La legende de la mort 1902 1, 63. 2, 104. Luzel, Legendes 2, 352. Revue des trad. pop. 3, 599. — Französisch: Blade, Gascogne 2, 266 'La messe des fantömes'. Sebillot, Auvergne p. 103. — Italienisch: Schneller S. 240. Savj-Lopez, Le valli di Lanzo 1886 p. 187. Gr. di Giovanni, Usi del Canavese 1889 p. 138. Grisanti, Usi di Isnello 1, 134 = Archivio 17, 314. Rivista delle tradiz. pop. italiane 1, 143 (Sardinien). Mailly nr. 23 'Das Totenbein' ; nr. 40 = Archivio 20, 296 nr. 13. — Cechisch: Sedlacek, Nar. poh. a pov. 1, 21. Pohadky a pov. naseho lidu S. 96. — Polnisch: Toppen S. 114. — Kleinrussisch: Zs. f. österr. Volksk. 1, 297. Etnogr. Zbirnyk 15, 124 nr. 211. 212. 34, 29 nr. 637. — Ungarisch: Zs. f. Vk. 4, 314 nach Versenyi, Progr. Kremnitz 1892 S. 16. — Jüdisch aus Galizien: Am Urquell n. F. 1, 345. Zbiör 17, 266 nr. 3. Mitt. f. jüd. Vk. 18, 62. 474 209. Die himmlische Hochzeit. Wie das Mütterchen in der Kirche ihre Kinder in der Gestalt erblickt, die sie ohne ihren frühen Tod erhalten hätten, so die freiwillig kinderlose Frau in einem kleinrussischen Märchen Zs. f. Völkskunde 10, 437 und in den bretonischen und italienischen Seitenstücken Euphorion 4, 331. Der Mutter des h. Arnulfus ver- kündet ein Engel, das verstorbene Kind, um das sie trauere, sei einem schlimmeren Schicksale entgangen (Acta Sanctorum Augusti 3, 231). 1856 s. 264. 209. Die himmüsche Hochzeit. 1815 nr. 35 = 1819 2, 203 nr. 9. Aus dem Mecklen- burgischen 1814, 11. August, doch auch im Münsterland bekannt. Schon zu Anfang des 12. Jahrh. erzählt G-uibert von Nogent, De pignoribus sanctorum 1, c. 2, 2 (Migne, Patrol. lat. 156, 617: 'Acolythus puer imaginem alloquitur, cui et ipsa dedit responsum'), wie ein zum Altardienst verordneter Knabe beim Hochamt zu Saint- Quentin mit den Abendmahlsbroten das am Lettner angebrachte Kruzifix anredete: 'Herr, willst du von meinem Brot?' Da antwortete das Steinbild: 'Bald werde ich dir von meinem Brote geben'. Und wenige Tage darauf starb der Knabe.1] — Bei Grautier von Cluny, De miraculis b. v. Mariae c. 3 (Migne 173, 1383) kniet eine Frau, die ihr kleines Kind im Arm hält, vor einem Standbilde Marias mit dem Jesusknaben. Das Kind bietet diesem ein Stück von seinem Brot an : 'Kind, iß !' und weint, als das Bild sich nicht regt. Da spricht Jesus : 'In drei Tagen werde ich mit dir speisen'. Vollständig lautet der Text : Accidit, ut quaedam pauper mulier cum parvulo filio, quem in ulnis ferehat, sola supradictam ecclesiam ingrederetur nemine in ecclesia con- 1) . . .Patenam autem cum hostia, quae erat of ferenda, gerebat. Imago denique a fronte cancelli gypsea, crucifixi Domini speciem praeferens, eminebat, quae non longe a Quintini martyris sepulcro distabat. Cumque imagini assisteret et of ferenda deferret, puerili tarn verbo quam sensu ad imaginem dixit : 'Vultis', ait, 'Domine, de pane meo ?' Cui ille evidentissime respondere dignatur : 'Ego', ait, 'in proximo tibi de meo pane dabo.' Qui his auditis morbo corripitur et infra dies paucissimos suo, quem brevi tenuerat, exutus hominiculo, compos trabeae coelestis efficitur et ante imaginem, quae id sibi spoponderat, sepelitur. 209. Die himmlische Hochzeit. 475 sistente; quod ubi mulier conspexit, coram Dei genitricis imagine genua ponens orationem propriam coepit dicere et, ut sibi dignaretur adesse, sapplex orare. Forte parvalus, quem mulier in brachiis tenebat, frustum panis dentibus adhuc infirmis ruminabat; qui intuens puerum, quem beata Virgo in manibus tenebat, partem panis sui fregit et imagini filii Virginis porrexit balbutiendo dicens : 'Infans, comede.' Quod dum saepius iteraret et puero similitudo, utpote insensibilis, minime responderet, coepit infans mulieris flere, quia videbat alium puerum de pane sicco nolle comedere. Nunquam obliviscenda dementia salvatoris. Imago pueri illius per vir- tutem sancti Spiritus locuta dixit puero flenti: 'Usque tertiam diem tecum epulabor.' Stupefacta mulier, quae filium tenebat in ulnis, cum audivisset imaginem loquentem ad filium, exclamavit prae timore. Sanctimoniales mox adveniunt, causam clamoris inquirunt; narrat mulier tremens, quo- modo pueri sanctissimi imago locuta sit ad filium suum, et quid ei dixerit. Audito miraculo tanto accurrunt omnes tarn clerici quam laici dantque consilium, ut infans retineatur in ecclesia usque in tertiam diem, ut viderent, quid ei accideret. Quod cum placuisset omuibus, mater cum puero in ecclesia mansit usque in diem tertium. Tertia autem die facies pueri ultra solitum resplenduit, et in ipso splendoie sine angustia spiri- tum exhalavit, complevitque ei Dominus, quod promiserat, dans ei panem angelorum, quo nutriuntur omnes ordines coelestium virtutum. Corpus- culum autem sancti pueri intra eandem ecclesiam sepelierunt ad laudem et gloriam Domini Jesu Christi. Nach Spei er ist das Wunder verlegt bei Aegidius Zamorensis, Liber Mariae 16, c. 6 (Boletin de la real Academia de la historia 7, 129 nr. 44, Madrid 1885. Mussafia, Studien zu den mittelalter- lichen Marienlegenden 1, 42 und 76, aus Wiener SB. 113) und Yincentius Bellovacensis, Speculum historiale 1. 8, c. 99 (Herolt, Miracula nr. 17. Mielot, Miracles de Nostre Dame ed. Warner 1885 nr. 28. Bozon, Contes moralises 1889 nr. 119 mit Anm. Maerlant, Spieghel historiael 1, 7, c. 71 = 2, 249 ed. Clignett 1785. De Vooys, MdL Marienlegenden 2, 185 nr. 330. Wolf, DMS. nr. 100). Ferner bei Herolt, Promptuarium exemplorum Y, 3 ; metrisch bei Nigellus de Longo campo 2, c. 7 (Mussafia, Studien 3, 5 nr. 11 = Wiener SB. 119) und in Analecta Bollandiana 20, 399 nr. 16, eine franzö- sische gereimte Fassung bei Mussafia 5, 5 nr. 17 (SB. 139), Vie des anciens peres bei A. Weber, Hsl. Studien auf dem Gebiete der romanischen Lit. 1876 S. 19 nr. 73, eine spanische bei Alfonso dem Weisen, Cantigas de S. Maria 1889 2, 209 nr. 139 'Como Santa Maria fez que falasse o fillo, que tinna nos bracos, ao da bona moller que 476 209. Die himmlische Hochzeit. lle disse pappa'. Über andere lateinische Fassungen vgl. Mussana, Studien 1, 50 nr. 44. 1, 55 nr. 104. 2, 38 nr. 46. 4, 4 (SB. 113. 115. 123) und besonders Poncelet, Analecta Bollandiana 21, 245 nr. 10. — Im Speculum exemplorum 9, nr. 78 setzt ein einfältiger junger Mönch dem Bilde des Jesuskindes täglich Speise vor und findet nachher die Schüssel immer geleert ; als ihn einst das Jesuskind zum Essen einladet, holt er den Abt herbei; ebenso Pauli, Schimpf und Ernst nr. 665 und das Predigtmärlein in der Germania 3, 427 nr. 20; Alfonso il Sabio, Cantigas 1889 2, 491 nr. 353 'Como un menino' etc. — Der h. Hermann reicht als Knabe dem Jesuskinde einen Apfel (Acta Sanctorum Aprilis 1, 685). In mehreren niederländischen Legenden, die DeVooys (Mnl. Legenden en Exempelen 1900 S. 116) gut besprochen und in den Mnl. Marienlegenden 1, 140 nr. 75. 2, 185 nr. 331. 2, 222 nr. 347 herausgegeben hat, bietet das Kind nicht dem Jesusknaben, sondern dem Marienbilde zu essen an. In andern greift der im Kloster aufwachsende Knabe nach dem Apfel des kleinen Jesus und spielt mit ihm (de Vooys, Mnl. Marienlegenden 1, 143 nr. 76. 2, 221 nr. 346; vgl. 1, 237 nr. 117 und 1, 311 nr. 148. Kirchhofer, Die Legende vom zwölfjährigen Mönchlein, Diss. 1866). Heanzisch bei Bunker nr. 26 'Der kleine Bube und der steinerne Herrgott'. Vlämisch bei Joos 1, 122 nr. 75 'Van Onnoozel Janneken'. Italienisch: Schneller nr. 1 'Der Herrgott vom Bäuchlein' (Kruzifix). Mailly nr. 6 'Das Paradies'. Pitre, Nov. pop. toscane nr. 25 'II citto che va a cercare il paradiso'. Gonzenbach nr. 86 'Von dem frommen Kinde' ; vgl. Crane p. 366. Pitre, Fiabe sie. 3, 6 nr. 112 'Lu puvireddu'; vgl. Crane p. 211. Rumänisch: Schullerus, Siebenbg. Archiv 33, 233 nr. 109. Serbokroatisch: Srb.-dalm. Magaz. 25, 85. Archiv f. slav. Phil. 12, 89 (aus Maze- donien). Öechisch: Hruska, Nahejte S. 13 nr. 1. Kulda 3, 272 nr. 42. Miksicek 1, 125. Hs. Peck nr. 41. Kubin, Glatz 2, 287 nr. 93 (mit der Anm.). Slovakisch: Nemcova ed. Tille 1, 112 nr. 15 = Dobsinsky 8, 87. Eine Dichtung von Jul. Zeyer, Samko Ptak; vgl. V. Tille, Öes. Lid 6, 5. 179. 13, 291. 365. Polnisch: Lud 16, 203 nr. 7. Auch in einer indischen Sage bei Polier, Myth. des Hindous 2, 302 verzehrt ein Götterbild, was ein unschuldiger Knabe ihm vorsetzt. J. Grimm, Myth.8 S. 103. In der Schweiz erzählt man von einem frommen Knaben, der im Kloster diente; er ward geheißen, Wasser in einem Siebe 210. Die Haselrute. 477 zu tragen,1) und weil er unschuldig war, tat ers, und kein Tropfen floß durch. Im Väterbuch S. 312 ed. Reissenberger schöpft ein Bruder Wasser ohne Eimer. Der irische Heilige Comgall trägt Milch in einem Topf ohne Boden (Acta Sanctorum Maii 2, 579), sein Schüler Lugith oder Lua gießt, als ihm unterwegs der Milchkrug zerbricht, Wasser in den löcherigen Krug, das sich darauf in Milch verwandelt (Acta S. Augusti 1, 346), ähnlich der h. Columban (Fleur des Bollandistes, 21. Nov.) Ebenso trägt die indische Mariatale, so lang ihre Gedanken rein sind, ohne Gefäß das zu Kugeln geballte Wasser (Sonnerat, Reise nach Ostindien 1786 1, 205. Goethe, Der Paria). 210. Die Haselrute. 1850, Kinderlegenden nr. 10. Aus Vonbun, Vorarlbergische Sagen 1847 S. 7. — Bei Vonbun, Sagen Vorarlbergs 1858 S. 54 'Die Muttergottes und die Natter' (Vonbun, Beiträge zur dt. Mythologie 1862 S. 127. Erommanns Dt. Mundarten 3, 210. H. Müller, Aus Davos S. 54) schlägt Maria die Natter mit einem Haselzweige. Aus Vorarlberg noch bei Vernaleken, Alpensagen nr. 208 'Der Hasel- strauch'. In Süddeutschland glaubt man, daß ein Streich mit der Haselrute die Natter sofort tötet (Zingerle, Sitten 1857 S. 63 nr. 510. Baumgarten, Aus der Heimat 1, 136. Weinhold, Zs. f . Volksk. 11, 7. Panzer 1, 191). Nach englischem Volksglauben wehrt ein Haselzweig jeglichem Zauber (Folklore 7, 89. 1896.) Vgl. noch Elsässische Monatsschrift 1913, 581. Nach einer andern Legende suchte Maria einst während eines Gewitters Schutz unter einer Haselstaude, und seitdem schlägt der Blitz nie in eine Hasel (Baumgarten, Aus der Heimat 1, 135. Alpenburg, Mythen Tirols S. 393. Heyl, Volkssagen aus Tyrol S. 793. Leoprechting, Aus dem Lechrain S. 98. Mitt. d. V. f. schles. Vk. 4, 75. Weinhold, ZfVk. 11, 5). Italienisch: Pitre, Tradizioni sicil. 3, 241. Polnisch: Zbiör wiad. 7, 117 nr. 38 = Dähnhardt, Natursagen 2, 43. 1856 S. 264. *) Vgl. J. Grimm, Myth.3 S. 1066. 3, 322. Eyring, Copia prover- biornm 2, 445: 'Wann einer was unnütz anfecht, dem sagt man dieses Sprichwort recht: He dregkt Wather in holde Vat, met enem Siffe put he wat.' — Über den schlauen Rat, das Sieb mit Moos und Lehm zu verstopfen, vgl. oben 1, 51. 2152. 219; dazu Kühn au, Schlesische Sagen 3, 47. Chambers, Populär rhymes p. 104. 478 211. Der Mann vom Galgen. Bruchstücke (Nr. 211—216). 1856 8.267. 211. Der Mann vom Galgen. Eine alte Frau bekommt spät abends Gäste und hat nichts mehr von Speise über, weiß nicht, was sie ihnen kochen soll, geht zum Galgen, wo ein Toter hängt, schneidet ihm die Leber aus und brät sie den Fremden, welche sie aufessen. Um Mitternacht klopfts an der Hütte, die Frau macht auf; es ist ein Toter mit kahlem Haupt, ohne Augen und mit einer Wunde im Leib. 'Wo sind deine Haare?' — Die hat mir der Wind abgeweht. 'Wo sind deine Augen?' — Die haben mir die Raben ausgehackt. 'Wo haste deine Leber?' — Die hast du gefressen. 1812 S. 257 Bruchstücke nr. 1. Ohne Angabe der Herkunft. — Aus Niederösterreich in Pommers Zs. Das deutsche Volkslied 4, 103 (1902) 'Lumpl und Leber'. Nachdem die Frau auf des Toten Ver- langen nach seiner Lunge und Leber dreimal erwidert hat 'Ich hab sie nicht', ruft der Erzähler plötzlich laut : 'Du . hast sie'. Aus Rothenburg o. T. bei Spiegel nr. 26 'Die Frau und der Mann vom Gralgen' (Rippe). Aus Schlesien bei Kühnau 1, 601 nr. 638 'Das Geschlinke des Gehenkten' (holt der Mann für seine Frau). Aus Magdeburg bei Wegner, Geschichtsblätter f. Magdeburg 15, 74 nr. 79 'Main Ainjewaide her!' Aus Cottbus bei Kuhn-Schwartz S. 357 nr. 15 'Ahlemann' (die naschhafte Frau holt die Leber für ihren Mann, der Tote dreht ihr den Hals um). Aus Jever: Zs. f. dt. Mythol. 2, 137 'Dat Vertelsel von de Läwer' (der Mann holt sie für die gierige Frau). Aus Stralsund bei Lyser, Abendländische 1001 Nacht 8, 98. Aus Posen bei Knoop, Erzählungen 1893 S. 113 nr. 34 (Lunge) und Ostmark. Sagen 1, 181 nr. 85 'Die gestohlene Leber'. — Niederländisch: Volkskunde 15, 229 nr. 45 'Van domme Griet' (holt ein Stück aus der Lende einer Leiche). Lehemrbe nr. 19 'Het vleesch van het spook'. — ■ 211. Der Mann vom Galgen. 479 Dänisch: Grundtvigs hsl. Register nr. 87 'Gengangeren'. Skatte- graveren 2, 75 'Roverens lever'. 2, 166 'A, mi kjör!' 11, 8 'Tag mig min tarm'. 11, 9 'Roverens kjöd.' 11, 10 'Kallunet'. Kristensen, Sagn fra Jylland 1880 S. 144 nr. 209 'Mandens Mave'. Kristensen, Skjsemtesagn 1, 74 nr. 107 — 116 'Raedehistorier'. Feilberg, Am Ur- quell 3, 334. — Isländisch: Arnason 1, 237 'Fa Öu mer beneiS mitt, Gunna'. — Englisch: Halliwell, Populär rhymes p. 25 'Teeny- tiny' (Give me my bone) = Jacobs 1, 57 nr. 12. Hunt, Populär romances 1871 p. 452 'Cornish teeny-tiny' (Zähne auf dem Kirchhofe gefunden). — Französisch: Cosquin 2, 76 nr. 41 'Le pendu' (Schenkel). Blade, Agenais p. 29 = 1886 2, 328 'La goulue' (Bein). Revue des'trad. pop. 4, 457. 18, 361 'Le pendu qui a perdu sa cuisse'. — Italienisch: Bernoni, Tradizioni pop. venez. p. 125 'La coraela' (der Mann holt für seine gierige Frau das Geschlinge einer Toten. 'Isabela, dame la mia coraela!').1) — Katalanisch: Milä, Obser- vaciones 1853 p. 186 nr. 10 = W. Grimm, Kl. Schriften 4, 354 = Zs. f. dt. Altertum 11, 212 (der Tote, dessen Leber das Mädchen geholt hat, kommt nachts und ruft, gleich der Tante der Cattarinetta in Schnellers M. aus Wälschtirol nr. 5 und dem Nono Cocon bei Bernoni, Trad. p. 76 : 'Schon bin ich auf der ersten Treppenstufe, schon auf der zweiten . .'). Maspons, Rondallayre 2, 100 'Lo mort' (ebenso). — Portugiesisch: Athaide Oliveira 1, 201 nr. 79 'A fressura do velho'. — Serbokroatisch: Strohal 1, 157 nr. 43. — Cechisch aus Schlesien: Povidky lidu opavs. a hanac. S. 65. Aus Böhmen ebd. S. 66. Aus Mähren: Väclavek, Valasske poh. S. 110 nr. 37. — Slovakisch: Prostonär. Zabav. 3, 22 (hsl. v. J. 1844) = Povidky lidu opavs. S. 67. — Weißrussisch: Federowski 1, 60 nr. 179. — In einer malaiischen Erzählung bei Skeat p. 59 'Patäni' ersetzt ein Koch das vom Geier geraubte Herz der Ziege durch ein Menschenherz ; dies mundet dem Fürsten so, daß er fortan nur Menschenfleisch ißt. Ähnlich ein Märchen bei Tremearne, Hausa superstitions 1913 p. 447 nr. 97 'The king with the cannibal tastes'. Auch im Dolopathos (oben S. 373) läßt ein Menschenfresser drei Ge- hängten ein Stück aus der Lende schneiden und verzehrt es. l) Irrig wollte Goethe (Werke, Weimarer Ausgabe 32, 351. 431. Schenkl, Germania 11, 452) ein italienisches Gesprächlied 'Ghiurigium a te' auf die Zerstückelung eines Gehängten beziehen; es ist vielmehr ein Scherzspiel zwischen einem Jungen und einer gurrenden Taube; vgl. W. Müller, Egeria 1829 S. 19 und Kopisch, Agrumi 1837 S. 168. 480 211. Der Mann vom Galgen. Nicht zur Speise, sondern zu Zauberzwecken holt bei "Remigius, Daemonolatria 1693 2, 250 (= E. Francisci, Höllischer Proteus 2. Aufl. 1695 S. 771 = Grässe, Sagenbuch des preuß. Staates 1, 173. S. de Vries, De Satan 1692 2, 348 = Wolf, Dt. Märchen nr. 132) ein Brannt- weinbrenner zu Stendal die Hirnschale eines gehängten Diebes *) ; nachts erscheint der Tote und ruft: 'Gevt mi min Hövt wedder! Ebenso fordert bei Erasmus Francisci (Höllischer Proteus 1695 S. 773 = Wolf, Dt. Märchen nr. 133) ein vom Anatomen sezierter Verbrecher seine Haut beim Gerber wieder. Schönwerth, Oberpfalz 3, 152 (Schädel zum Lottoorakel). Cechisch aus Böhmen: Ö. Lid 5, 236. Slovakisch: Slov. Pohl'ady 16, 267 nr. 27. Kleinrussisch: Etnogr. Zbirnyk 15, 141 nr. 240 (der Tote packt den Mann, der ihm seine Hand zur Zauberei abhauen will, daß er entsetzt den Geist aufgibt). — Eine verwandte Sage aus der Schwalmgegend, die sich im Nachlasse von W. Grimms Hand aufgezeichnet vorfand, lautet : Die goldenen Beinchen. Es war einmal eine Generalin, die hatte ein Kind, und das Kind, wie es auf die Welt kam, hatte zweierlei Beinchen, eins von Gold und eins von Demant, und starb am dritten Tage. Sie dachte aber: Wozu soll das Kind die Beinchen mit in das Grab nehmen? löste sie ab und tat sie in ein Sammetkästchen. In der folgenden Nacht aber kam das Kind und sprach, es wollte seine Beinchen von Gold und Demant wieder haben. So kam es drei Nächte hintereinander. In der dritten sagte die Generalin endlich : 'Ich muß ihm die Beinchen wiedergeben, sonst hats keine Buhe im Grab' und holte das Sammetkästchen und gab sie ihm. Da nahm sie das Kind und ist nicht wieder erschienen.2) Eine andre Fassung beginnt : Zwei Eheleute hatten keine Kinder; sprach die Frau: 'Hätt ich ein Kind, und wenns nur ein Bein [hätte] !' Da kriegte sie ein Kind, das hatte nur ein Beinchen. Da ließ sie ihm ein andres von Gold machen. — In einer hannover- schen Sage 'Vom gollenen Beineken' (Colshorn nr. 6) raubt dagegen x) Wie sonst einen Diebsdaumen (Widmann, Chronik der Stadt Hof 1894 S. 113. Wuttke, Volksaberglaube § 189. Blätter f. pomm. Volks- kunde 10, 130). 2) W. Grimm bemerkt dazu: Hat etwas Befremdendes. Es ist aber auch Volksglauben, wenn Kinder in der Wiege mit ihren Händchen spielen und sie angreifen, als hätten sie ein besonderes Wohlgefallen daran, so tun sie es bloß darum, weil ihnen Ärmchen und Händchen ganz wie von Gold und glänzend vorkommen. Vgl. das Märchen vom Marienkind, dessen einer Finger golden wird (oben 1, 13). 211. Der Mann vom Galgen. 481 der Totengräber aus Gewinnsucht das künstliche goldene Bein des toten Mädchens und wird dafür mehrere Nächte von deren Geist geplagt. Ebenso holsteinisch bei Müllenhoff S. 465 nr. 26 'Das goldene Bein' ; oldenburgisch bei Strackerjan 1, 155 = 2. Aufl. 1, 198; friesisch Snypsnaren2 S. 88 und Dykstra 2, 31 'Het gouden armpje' ; niederländisch Volkskunde 3, 16 'De spookhand' (Hand mit Ring vom Totengräber abgeschnitten); 15, 227 'Van het silveren been' (mit Varianten); englisch Baring Gould nr. 14 'The golden arm' (Henderson, Notes on the folklore 1866 p. 338 = Jacobs, English fairy tales 1, 138 nr. 24); französisch bei Blade, Agenais p. 22 = Gascogne 2, 324 'La jambe d'or', Sebillot, Traditions de la Haute- Bretagne 1, 259. Roussey, Bournois 1894 p. 196 nr. 20 'La jambe d'or' ; italienisch bei Pitre, Novelle pop. tose. nr. 19 'La gamba' ; Pitre, Novelline pop. toscane 1878 nr. 3 'La gamba' ; Pitre, Fiabe sie. 3, 73 nr. 128 'Saddaedda' = Crane p. 238. Bernoni, Tradizioni p. 123 'Gamba mea, pepa mea!' und p. 124; *Papanti, Novelline pop. livornesi 1877 p. 7 nr. 1 'La Mencherina. Schaurig ist die toska- nische und die venezianische Passung; da holen sich drei blutarme Schwestern, weil sie nachts frieren, aus dem Grabe der Mutter ihr Hemde, ihren Unterrock und ihre Strümpfe; aber die jüngste reißt mit dem einen Strumpf auch ihr Bein ab ; da pocht nachts die Tote an die Tür und erdrosselt die jüngste Tochter. Mailly nr. 25. Bul- garisch : Sbornik min. 2, 189 (Finger mit Ring). Cechisch : Miksicek, Pohädky S. 105 nr. 15 (Stelzfuß voll Dukaten). Kleinrussisch: Jastrebov S. 215 nr. 20 (Hand mit Ringen). Weißrussisch : Federowski 1, 60 nr. 179 (Eingeweide). Großrussisch: Öudinskij S. 94 nr. 18. — Daß Tote auch das ihnen geraubte Hemd oder Leichentuch drohend zurückfordern, lehrt neben anderm eine 1818 von der Familie v. Haxthausen im Paderbörnischen aufgezeichnete Sage: Ein Totengräber grub mal ein Grab für ein reiches Edelmanns- kind; und als er beim Begraben sah, daß es ein so fein leinen Toten- hemdeben anhatte, dachte er bei sich: Ei, das ist doch schade, daß das mit in die Erde soll ; du willst nachher, wenn die Begräbnis vorbei ist, das wieder ausziehen. Er grub auch dieselbe Nacht das Grab wieder offen. Als er aber das schöne Kindchen so fromm daliegen sah, konnte er nimmermehr das Hemdchen ihm ausziehen und schnitt sich nur die beiden Möggekens (Hemdsärmel) heraus und machte alles wieder zu. Die nächste Nacht aber kam das Kind, stellte sich im Mondschein an die Tür, schudderte so ineinander, als wenn es so fror, und : \l ■:■ : 'Gif mie Grimm, Märchen- Anmerkungen III. 31 482 211. Der Mann vom Galgen. mine Möggekes wier, gif mie mine Möggekes wier !' Er aber drehte sich nach der Wand um, als wenn er nichts sähe, und legte die Ohren fest ins Kissen. Die Nacht darauf kam das Kind wieder : 'Gif mie mine Möggekes wier, gif mie mine Möggekes wier !' Da drehte er sich wieder um. Wie nun alles wieder still war, sagte die Frau: 'Ach, hast du dem Kinde das Grab nicht tief genug gegraben oder was in den Sarg gelegt, daß das kleine Kind nicht im Grabe bleiben kann?' Sie bat ihn solange, bis er es ihr erzählte ; da redete sie ihm zu, wenn das Kind nun noch- mal wiederkommen sollte, ihm seine Möggekens wiederzugeben. Die dritte Nacht kam es bis in die Mitte der Kammer: 'Gif mie mine Möggekes wier, gif mie mine Möggekes wier!' Da warf ihm der Totengräber die Möggekes zu, und es verschwand. Ebenso Blätter f. pomm. Volkskunde 5, 37 'Die Diebin. 9, 63; friesisch bei Dykstra 2, 131 'De hemdsmouw' ; niederländisch Volks- kunde 15, 229 'Van het hemd met een mouw'; bretonisch bei Luzel, Legendes ehret. 2, 155. Singer (Anzeiger f. dt. Altertum 17, 334) will unser Märchen mit der Herzmäre in Verbindung bringen, Macculloch (Childhood of fiction p. 1 142) denkt an die wunderbaren Verwandlungen einer von ihrer Nebenbuhlerin umgebrachten Jungfrau ; natürlicher jedoch ist die Ableitung aus dem Glauben an die Rache der Toten, die den frevelhaften Störer ihrer Ruhe wie den Räuber ihres Eigentums r) und ihrer Gliedmaßen2) verfolgt und selbst eine Verspottung wie die x) Von dem geraubten Totenhemde erzählt Goethes Ballade vom Totentanz (oben 1, 341. Seifart, Hildesheim 2, 31 nr. 23. Federowski 1, 70 nr. 208), andere Sagen von Totenlaken (Sebillot, Contes 1, 303. Sebillot, Litt, orale de la Haute-Bretagne p. 195. Hrincenko, Iz ust naroda S. 134 nr. 171. Malinka S. 270 nr. 6. Federowski 1, 67 nr. 199. Afanasjev3 2, 314 nr. 205 a. b), von einer Mütze (Klarmann-Spiegel, Cteigerwald 1912 S. 105. Bartsch 1, 223 nr. 288. Cesky Lid 9, 256. Slov. Pohl'ady 1896 S. 266 nr. 26. Malinowski 2, 121. Materyaly 10, 125. Etnogr. Zbirnyk 15, 137 nr. 235. 236. Malinka S. 275 nr. 14. Subiuskij 2, 422 nr. 125. Zs. für österr. Volkskunde 1, 297), von Stiefeln (Afanasjev 2, 318 nr. 205), von Goldringen (Strackerjan2 1, 199. Le Braa 1, 304. Hosek S. 35. 80. Blazek S. 131. Etnogr. Zbirnyk 34, 78 nr. 749. 750), von einem Sargnagel (Krauß, Slav. Volkforschungen 1908 S. 113), von abgepflückten Grabesblumen (Bartsch 2, 98. Zs. f. Volkskunde 10, 133). 2) Die h. Anastasia erscheint dem Mönche Gottschalk, der aus ihrem Sarg zu Verona einen Knochen gestohlen (Scheffel, Ekkehard 1871 S. 360 abweichend von Schmeller, Gel. Anzeigen der Bayr. Akad. 30, 39. 1850). Der beherzte Bursch im Beinhause: Reiser 1, 413; Strackerjan2 212. Die Laus. 483 des Leontius oder Don Juan1) nicht ungestraft läßt. — Der im mündlichen Vortrage noch eindringlicher wirkende Schlußdialog, den auch englische und italienische Fassungen kennen, erinnert an Rotkäppchens Gespräch mit dem verkappten Wolf im Bette (oben 1, 237). 212. Die Laus. 1856 S. 267 Es war einmal eine Königstochter, die war so reinlich, daß es gewiß keine reinlichere auf der Welt gab; sie duldete nicht den kleinsten Schmutz oder Flecken an sich. Doch ihrer Reinlichkeit zum Trotz ge- schah es, daß man zu einer Zeit eine Laus auf ihrem Kopfe fand. Ein jeder rief: 'Das ist ein großes Wunder; die Laus darf nicht getötet, sie muß mit Milch groß gefüttert werden.' Sie ward also mit Sorgfalt herab- genommen. Von der guten Nahrung wuchs sie und ward viel größer, als sonst wohl eine Laus wird, ja am Ende so groß wie ein Kalb. Als sie gestorben war, ließ ihr die Königstochter das Fell abziehen, gerben und zubereiten und sich ein Kleid daraus machen. Kam nun ein Freier, so gab sie ihm auf zu raten, von welchem Tiere das Fell wäre, das sie zum Kleide trage. Da aber keiner so glücklich war, es herauszubringen, so mußten sie nacheinander wieder abziehen. Endlich aber kam einer doch hinter das Geheimnis. 1812 nr. 85b 'Prinzessin mit der Laus'; dann 1822 S. 257, Bruchstücke nr. 2. Von der Marie zu Kassel am 18. April 1811. Die ungeheure Laus ist ein alter Volksscherz, den schon Melander (Jocorum atque seriorum centuriae 1626 3, 41 nr. 41 'De adolescente quodam sutore') einem Aufschneider in den Mund legt; dieser will in Kopenhagen eine vom König gehegte Laus von der Größe einer Ente gesehen haben, die an einer Kette lag und täglich ein feistes Schaf verzehrte.2) In Poitou glaubt man, wenn man eine 1, 199; Zs. f. Volksk. 16, 294 nr. 33; Joos 2, 148 nr. 45. Le Braz, Legende de la mort2 1, 288. 2, 10. Blade, Gascogne 2, 324. Knoop, Rogasener Familienblatt 11, 17 (1912). *) Bolte, Zs. f. vgl. Litgesch. 13, 389. Klapper, Erz. des MA. 1914 nr. 164. A. de Cock, Verslagen der k. vlaamsche Acad. 1909, 641. 2) 'Vidi ego Hafniae Cimbrorum pediculum anatis magnitudine. Hunc rex veluti octavum mundi miraculum in deliciis habebat. Quod autem mirum in modum mordax esset, rex eum catena ferrea, ut nehominesneu animantia cetera morderet, constrictum asservabat. Erat insuper hie ipse pediculus ita vorax, ut diebus singulis opimam ovem absumeret. Morie- 31* 484 212. Die Laus. Laus in einen Topf voll Schmalz setze, werde sie so groß, daß man einen Handschuh aus ihrer Haut machen kann (Souche, Proverbes, traditions et conjurations 1882 p. 20). Daß der König auf das Erraten der Laus- oder Flohhaut, aus der bisweilen ein Kastenbezug, Trommelfell, Kleid, Schuhe oder Handschuhe augefertigt werden, die Hand seiner Tochter als Preis setzt, kommt zuerst bei Basile vor.1) Norwegisch bei *H. Bergh, Nye folkeev. fra Yalders p. 32 'Lsegdegutten', vgl. Qvigstad-Sandberg S. X. Im lappischen Märchen bei Qvigstad-Sandberg nr. 52 'Kongen og lusen' erkennt der Bursch die Laus, weil er sie selber aufgezogen hat; im litauischen bei Bezzenberger 1882 S. 37 nr. 2 vernimmt der Bettler das Geheimnis von den Köchen und überlistet auf unsaubere Art den mit ihm im Zimmer der Prinzessin übernachtenden Neben- buhler (vgl. R. Köhler 1, 465), im dänischen 'Luseskindspelsen' (Skattegraveren 11, 235) hilft eine dankbare Ameise dem Freier das Pätsel lösen und den Nebenbuhler überwinden ; im ligurischen bei Andrews nr. 3 'La peau de puce' sucht der Jüngling die Magd zu bestechen ; in den französischen bei Moncaut p. 184 'Le coffret de la princesse' und Blade, Armagnac p. 18 nr. 5 = Blade, Gascogne 3, 36 'Estienne l'habile' = Blümml S. 90 helfen ihm vier Gesellen mit wunder- baren Eigenschaften das Geheimnis erraten und den Widerstand des Königs überwinden. Im portugiesischen (Coelho nr. 39 'A pelle do piolho') flüstert die Prinzeß dem Ritter die Lösung zu, aber statt seiner hört sie ein Diener und erhebt Anspruch auf die Hand der Schönen; im serbokroatischen bei Krauß 1, 279 nr. 65 'Graf und Hirt' rät der Bursch von selber das Lausfell, muß aber noch andre Aufgaben erfüllen. In einem andern serbokroatischen (Zbornik jslav. 19, 47 nr. 5) wird die Laus gebraten, und man soll erraten, was für Fleisch es ist. Slovakisch: Dobsinsky 1,63. Czambel S. 397. Kleinrussisch: Zdanov, Russ. bylev. epos S. 452 (das Tier in der Büchse soll er- batur autem, cum menses iam sex Hafniae confecissem, rege interim in- teritum eius dolenter admodum acerbeque ferente. Vita functum tum in templo honorifice sepeliendum, tum tumulo eius saxum marmoreum im- ponendum rex curavit. Lapidi sepulcrali ipse pediculus incisus est, ne eius memoriam ulla unquam deleat oblivio.' — Das Flohlied in Goethes Faust I v. 2207 setzt diesen Scherz fort. J) Vgl. oben 1, 444, wo der verkleidete Bröselbart die Haut der Wölfin errät und die Prinzessin heimführt. Ebenso errät Twardowski (Woycieki-Lewestam S. 79) die Biene im Glase. S. auch R. Köhler, Zs. f. Volksk. 6, 68 zu Gonzenbach nr. 22. 212. Die Laus. 485 raten werden). Drahomanov, Rozvidky 2, 109. 129. Sadok Baracz S. 76. Großrussisch: Oncukov S. 147 nr. 56. Mehrfach erscheint unser Märchen mit andern Stoffen verbunden, denen es als Einleitung dient. So zur Erlösung des Tierbräu- tigams (oben 2, 236. 247): dänisch bei Grundtvig, Folkeseventyr 1, 192 nr. 16 'Ulv kongeson' = Leo-Strodtmann 1, 252, Grundtvigs hsl. Register nr. 26 b 'Luseskindet', Skattegraveren 12, 120 'Hugormen og lusebselgen' ; schwedisch bei Hylten-Cavallius och Stephens 1, 325 nr. 19 a 'Ulf-prinsen' mit Anm. und Aberg nr. 228 'Prins Löpandiorm'; estnisch bei Dähnhardt, Natursagen 3, 473. — Sodann zu slovaki- schen und kleinrussischen Passungen des Königs Drosselbart (oben 1, 449. Schuh aus Lausleder). — Perner zur Flucht aus dem Hause des Räuberbräutigams (oben 1, 399) im sicilia- nischen Märchen bei Gonzenbach nr. 22 'Vom Räuber, der einen Hexenkopf hatte'; der Rätsellöser tötet wie Blaubart zwei Schwestern, die dritte aber verbrennt den wahrsagenden Kopf, in dem sein Leben steckt, und belebt die Getöteten. Serbokroatisch bei Mikulicic S. 97 nr. 18 (Handschuhe aus Laushaut). Polnisch: Malinowski 2, 127 (Prinzessin vom Teufel besessen). — Die vom Menschenfresser ge- fangene Heldin wird durch sieben Brüder mit wunderbaren Eigenschaften (oben 2, 79. 3, 45) erlöst bei Basile 1, nr. 5 'Lo polece' (vgl. oben 2, 84); ähnlich bei Schneller nr. 31 'Die Frau des Teufels' (Handschuhe aus Lausfell; vier Gesellen); griechisch einge- legt in die Erzählung 'Das goldene Kästchen' bei Pio p. 104 = Mitsotakis S. 58 = Geldart p. 118 (Ameisenhaut, Mohr, sieben Brüder) und Revue des trad. pop. 12, 201 'L'epouse du diable' (aus Lesbos; drei Brüder); NeosAAfjVixä 'AvccAextcc 2, 118 nr. 35 (aus Naxos. Teufel); albanisch bei Mitkos nr. 10 — Archiv f. Litgesch. 12, 118 nr. 8 'Die sieben Brüder mit den Wundergaben' (vgl. R. Köhler 1, 389) und Dozon nr. 4 'Le pou' ; rumänisch bei S^äinenu p. 768 'Pelea de purice' ; bulgarisch Sbornik min. 5, 149. 11, 138 (Arnaudov S. 44 nr. 28). 16—17, 280 = Leskien S. 84 nr. 20 'Der Teufel, der das Flohfell erkannte'. — Statt des Teufels erhält in einem italienischen Märchen aus der Romagna (Archivio 22, 123 'E're Ggobbetto') ein Buckliger, der das Geheimnis des Lausfells erlauscht hat, die Hand der Königs- tochter; sie wird aber bald seiner ledig, da ein Knecht, der die Leichen dreier Buckligen fortgetragen hat, aus Ärger über den immer wiederkehrenden Buckligen auch ihn ins Wasser wirft. Diese 486 212. Die Laus. Verbindung mit dem mittelalterlichen Schwank von den drei Buck- ligen treffen wir bereits in einer 1545 gedruckten Novelle von Doni an, in der jedoch nicht ein Lausfell, sondern die Lunge einer Eidechse ausgestellt wird, die zum Umfange eines halben Krokodils herange- füttert worden war (Doni, Novelle ed. Gamba 1815 nr. 1. Pillet, Das Fableau von den trois bossus menestrels 1901 S. 35). In einer abenteuerlichen spanischen Fassung bei Caballero, Cuentos populäres, 1878 p. 62 'La joroba' muß die Königstochter einen buckligen Bettler heiraten, weil dieser herausbringt, daß ihr Tamburin aus einem Fenchelstengel und einem Lausfell besteht; zwar zerfällt er beim Durchwaten eines Flusses in Stücke, aber sein Buckel haftet an ihr; sie wird Küchenmagd im Schloß, heiratet den Prinzen und befreit sich vom Buckel. Ähnlich aus Chile bei Lenz, Cuentos de adivinanzas nr. 3 a 'Palito de hinojo. tamborcito de piojo' und 3 b 'El piojo de rei' (Revista de folklore chileno 2, 360). In einem bas- kischen Märchen 'Le pou' (Vinson p. 70; vgl. Webster p. 191) ist der Rätselrater der Teufel; er wählt die jüngste Königstochter Fifine zur Frau und fährt mit ihr davon; aber die hilfreiche Schimmelstute bannt ihn für sieben Jahre in die Erde und rät Fifine, sich als Mann zu kleiden usw. In einem rumänischen Seitenstück bei Schott S. 171 nr. 16 'Die Kaiserstochter und das Füllen' weiß der Drache durch seine Zauberkunst, daß die Trommel mit Laushaut be- spannt ist; aber die Schöne entrinnt ihm als Mann verkleidet auf ihrem treuen Ross. Auch im türkischen bei Künos, Stambul S. 172 = Jubil. Sborn ik Miller S. 191 nr. 18 rettet 'Kamertaj das Mondroß' die Prinzeß zwei- mal vor dem Dew, der sie durch Erraten des Lausfells gewonnen (dazu Briefvertauschung wie oben 1, 20. 301). In der arabischen 'Histoire de Daläl' (Spitta-Bey p. 61) entrinnt die Prinzeß dem Menschenfresser das erstemal durch Kleidertausch mit einer Alten, später rettet die h. Zenab sie vor ihm gegen das Versprechen ihres ersten Kindes (vgl. oben 1, 19). *Green p. 83. Eine Variante bei Desparmet 1, 407 'Le ghoul blesse en maraude' beginnt wie die zweite Gruppe des ßäuberbräutigams oben 1, 373, die Prinzeß verrät selber dem Ghül den Ursprung des Lausfells, ein Löwe rettet sie vor diesem. 213. Der starke Hans. 214. Der gestiefelte Kater. 487 213. Der starke Hans. im s. aa& Der starke Hans kommt zum Teufel in die Hölle und will ihm dienen, da sieht er die Töpfe beim Feuer stehen, worin die Seelen stecken. Mitleidig hebt er die Deckel auf und erlöst sie, worauf ihn der Teufel wegjagt. 1822 S. 258 nr. 3 ohne Angabe der Herkunft. — Vgl. oben 2, 423 nr. 100. Eine ähnliche Schilderung der Hölle bei Bächtold, Schweizer Märchen 1916 S. 47 'Der Geißbub im Illgraben'. M. Moe zu dem norwegischen Märchen 'Soldaten, som koka for den vonde' (Norvegia 1,39. 1908). — Zu den Nachweisen über die Seelen der Ertrunkenen in Töpfen oben 2, 423 x vgl. noch Mitt. f. schles. Vk. 8, 107. Schulenburg, Volkssagen S. 124. Öesky Lid 6, 160. Poh. a pov. nas. lidu S. 75. Pfikryl S. 333. Wlislocki, Volksdichtungen S. 226 nr. 22. 214. Der gestiefelte Kater. 1356 s 26a Das Märchen wird gewöhnlich nach Perraul ts französischer Darstellung erzählt, doch hat sich bei den Siebenbürger Sachsen (Haltrich nr. 13) eine eigentümliche und gute Überlieferung erhalten, der Federkönig. — Vgl. oben 1, 325 nr. 33a. Dazu norwegisch: Bergh nr. 2 = Stroebe 2, 242 'Helge-Hai im blauen Berg'. Berge 1914 S. 74 'Aasmund min herre'. Bugge-Berge 2, 15 'Kong kat paa Hoiborg slot med fireogtyve forgjddte kroner'. Slovakisch: Casopis muz. slov. spol. 17, 7 nr. 9 (1914). Kleinrussisch: Etnogr. Zbirnyk 37, 265 nr. 205—208 (aus Galizien). Weißrussisch: Sejn 2, 128 nr. 58 = v. Löwis nr. 15. Keunion: Pevue de linguistique 16, 64 (1885). Berberisch: Laoust p. 192 'L'homme et le singe'. — Zu 1, 3321: Leskien nr. 37 (= Bos. nar. pripov. S. 60 nr. 15); Armenisch : Servanzdiantz, Manana nr. 9 = Folklore 23, 220. 488 215. Die böse Schwiegermutter. 1856 s. 269. 215. Die böse Schwiegermutter. Es war ein König und eine Königin, die hatte eine bitterböse Schwiegermutter. Einmal zog der König ins Feld, da ließ die alte Königin ihre Schwiegertochter unten in einen dumpfigen Keller ein- sperren und ibre zwei Söhnlein zu ihr. Eines Tags nun spracb sie zu sich selbst: 'Ich hätte so Lust, das eine von den Kindern zu essen, rief ihren Koch und hieß ihn hinuntersteigen, das eine Söbnlein zu nehmen, zu schlachten und zuzurichten. 'Mit was für einer Brühe?' fragte der Koch. 'Mit einer braunen,' sprach die alte Königin. Da ging der Koch in den Keller und sprach: 'Ach Frau Königin, die alte Frau Königin will haben, ich soll heut abend Euren einen Sohn schlachten und kochen.' Da war die junge Königin herzlich betrübt und sagte : 'Ach, wollen wir nicht ein Schweinchen nehmen ? Das koch doch so, wie sies haben will, und sprich, es wäre mein Kind gewesen!' Der Koch tat so und trug das Schweinchen in brauner Brühe auf: 'Da wäre das Kind;' und sie aß es auf mit großem Appetit. Bald darauf dachte die Alte: 'Das Kinderfleisch hat mir so zart geschmeckt, du willst das zweite auch essen,' rief den Koch und hieß ihn in den Keller gehen und den zweiten Sohn schlachten. 'Mit was für einer Brühe soll ich ihn kochen?' — 'Ei, mit einer weißen,' sprach die alte Königin. Der Koch ging hinunter und sagte: 'Ach, die alte Frau Königin hat mich geheißen, daß ich nun auch Euer zweites kleines Söhnlein schlachten und kochen soll.' Die junge Königin sprach: 'Nimm doch ein Spanfei kelchen und koch es, wie sie es gern haben will!' Das tat der Koch und setzte es der Alten vor in einer weißen Brühe, und sie speiste es mit noch größerm Appetit. Endlich dachte die Alte: 'Nun sind die Kinder in meinem Leib, du willst nun auch die junge Königin essen,' rief den Koch und befahl ihm, die junge Königin zu kochen. (Fragment. Beim dritten Mal schlachtet der Koch eine Hirschkuh. Nun hat aber die junge Königin ihre Not, daß sie ihre Kinder vom Schreien abhält, damit die Alte nicht hört, sie seien noch am Leben, usw.) 1812 nr. 84; gekürzt 1822 S. 259 nr. 5. Von Hassenpflugs in Kassel am 18. April 1811. — Das italienische und französische Märchen vom Dornröschen bei Perrault und Basile (5, nr. 5) stimmen in ihrem Schluß hiermit überein, welcher aber im deutschen fehlt. Vgl. oben 1, 435. 438. 216. Märchenhafte Bruchstücke in Volksliedern. 489 216. Märchenhafte Bruchstücke in Volksliedern. 1836 s 270. Wickerlin, Weckerlin, Wut mit mir essen? Bring [mir] ein Messer. — Wickerlein, Weckerlein, Lauf übers Ackerlein, Hat mehr Bein dann meiner Hund kein. Fischart, Geschichtklitterung cap. 25 im Spielverzeichnis an zwei verschiedenen Stellen (1891 S. 263a und 267a, zuerst 1575 und 1582). — Die ersten Zeilen bezeichnen wohl ein Kinderspiel; der Schluß ist ein Rätsel von der Egge (Rausch, Jahrbuch f. Gesch. Elsaß-Lothringens 24, 142); vgl. Wossidlo 1, 61 nr. 109—110 mit der Anm. Die Finger krachen, Die Männer wachen. Eischart, ebd. (1891 S. 264b, zuerst 1575). — Ein Spiel der Mädchen, die sich an den Eingern ziehen. So vielmal sie krachen, so viele Jahre muß man noch bis zum Heiraten warten (Rausch, Jahrbuch 24, 137). Mathes, gang ein ! Pilatus, gang aus ! Ist eine arme Seele draus. Arme Seele, wo kommst du her? — — — Aus Regen und Wind, Aus dem feurigen Ring. Andreas Gryphius, Horribilicribrifax 1663, 1. Aufzug = Gedichte 1698 S. 768 = Lustspiele ed. Palm 1878 S. 76. — Die Worte gehören zu den Besegnungen, mit denen die alte Hexe Cyrilla jedesmal (auch S. 91 und 139 bei Palm) auftritt. In der Geliebten Dornrose (3. Aufzug. Palm S. 307 f.) nennt die alte Salome ihre ähnlichen Zaubersprüche 'schöne Gebetlein'. 490 217. Der dankbare Tote. Märchen aus dem Nachlasse der Brüder Grimm. (Nr. 217—225.) 217. Der dankbare Tote und die aus der Sklaverei erlöste Königstochter. Da sied mal drey Brüder gewesen, und de sied üb drey Schippe up ein grot Water gangen. Un as ße wieder an dat Land kummen sied, da es de jüngste Broder in en Wirzhus gangen. Unn as he in de Güken (Küche) kummet, da sit da in den Schorrenstein ein arm Mann, un da secht he für den Wert: 'Warum sit de Mann da? Ik wir ünne loß maken.' — 'Neh,' seh de Werd, 'de kummt nie laus, bis he siene Vertehr betalt hat.' Un da hat sick den jüngste Broder drei Dage da verlettet (auf- gehalten) un het alles, wat he hat hat, verkaupet; un ase de drei Dage umm waren, da wor de arme Mann in den Schornstein schon dautd, un da hat de ünne örrentlig begrafen lautden. Un asse he wieder an den Watter kam, da wassen siene Broder wech schippet, un da is he in eine Schuiee (Schute) sie nah trocken. Awer asse de Broder sahen, dat he wieder da was, da hat sie in asse Schlawen an den türgkischen Sultan verkopt. Un die Türkensultan hatte ein Dochter, die hatte den Schlawen so leif, weil he son schön Utsicht hatte un so wacker spielen und flöten kun. Un da het mal de türkische Sultan ein anner Schip fangen, un da is eine adelige Frohlen mit fief Kammermekens up west. De hat awer schwere Arbeit doen mutten, un de Schlawe hat sie alle seß mutten vor eine Plog spannen und hat die Land damit ackern mutten. Un dat hett die Sultansdochter ansehn un is to ihren Vater gangen un hat üne Hänn un Föten küsset unhatsegt: 'Lewe Vater, gewet mir den Schlawe to mien Ehmann!' Aber den Sultan is bösie worn un hat secht: 'Du, du rieke Dochter, wollst den armen Schiperjungen to dienen Manne niemen?' Un da het sie ant- wortet: 'Un wenn ik den Schiper jungen nit hewen soll, so mutt ik mit gesunen Hertten sterwen.' — Un asse et da de VaderVerloft giwen het, da het de Schlawe to sienen Brut segt, sie möchte doch auk für die seß 217. Der dankbare Tote. 491 Jungfrnhen bitten, he kun nicht mehr ansehen, dat sie ihr Schweis un Blot in den Ploch vergotten. 'Ja', sie de Vater, 'weil du meine einzige Dochter bist, so will ik dat auk die togiwe; un nun set die mit deinen Brumen (Bräutigam) in den Kutschen un besüh man dat ganze Land!' Un dat het sie auk dahen, und do sind so viele Kutschen hinnenher trocken, un in einer het de Brut mit ihren Brumen satten, und in den annern hat de adelige Frohlen setten, und in den dritten de Kammer- mäkens, un in noch vile Wagens Hochtitgäste, und in noch ander Kutschen Spiellühe mit Walthören, Trompetten un alle den schöne Musik, de sick ein Mensch nur erdenken kan. Da sied sie in dat ganze Land herum trocken, un asse an dat Water quamen, da hat die Brumen segt: 'Nun hewe wie dat ganze Land besehn; nun mut mine Brut auk sehen, we et up den Water utsüt. Kum, meine liebste Braut, nun mußt du mich Verlöf giewen, daß ich erst mit den sechs Frauensleuten spreche, und wenn ich dann damit gesprochen habe, so komm ich wieder zu dir.' Un do hat he de seß Jungfrauen in ein Schut fohit, un da is he wieder an de Kutsche von de Sultansdochtcr gahen und hat to ihr secht: 'Du bist eine brafe Maken, awer ik häwe mi schon mit der Frohlen verlowet. Wüst du nun wemütig von uns scheiden un nah deinen Vater toruge gehen, ode mit uns nah usen Lanne gehen?' Un do hat de Sultansdochter stark grinen un is mit de Hochtitsgesten wieder to eren Vater trocken. Un he is mit siener Brut un den fief Kamermeken nach siem Vatterland torüge kert un hat sick an den Uwer in einen kleinen Huse settet un hat sick da erlig ernehrt, und de Kammermekens he wet stricket und neihet, und asse noch ein half Gar was herum, hewet se einen kleinen wakern Sohn bekumen. Und da het de Frühe segt: 'Ach, wan dat min Vater, de Konig von Engeland, sieht, so wüst er nicht, was er vor Freuden tuhen sollte.' Do het die Mann in de Hende schlagen und het sick sehr verwunnert, dat sine Früh des Königs von Engeland Dochter wer. Und ase wieder twe Monde wassen herum, da is de hüpsche Früh des Morgens to ünne kommen un hat segt: 'Mein liewe Johannes, mi het diese Nachte draumet, dat du eine Reise nah min Vater machtest un he die sehr gut upnemen de. Wolltes du wohl über Watter nach ünne ?' — 'O ja', seh de Mann, 'dat will ik dohen.' Un da is de Frühe hinsahen fürihrSchrin und het drei rohte schöne gestikte Fahnen langet und hat to ihrn Manne secht : 'Mein liebe Man, wen du vor Enge- land kommst, so lat de Fahn in den Wind wehen!' Un as he nun vor Engeland kummen is, do het he dat auk dahen, un da sieht de Schiplühe ünne kummen unn het ünne mit sine drei Fahnen einfangen ; dan es dorfe kein Schip ase men den Kuning sine so schöne Fahnen dragen. Un da het se üne gefangen settet, un da het he 492 217. Der dankbare Tote. so lange setten, dat sin Bath ganz lank was, un da het de Richter schwer über ün urteilt, dat he in drei Tage soll dot maket wehrn. Da hat he ein von den Tokeke (Tüchlein), de üne siene Früh mitgiwe het, an den Kunig schiket, und da is mit goldenen Bokstawen einen Breif upstiken west von siner Dochter. Un asse dat de Kunig seht, do hat he in den Gefengnisse schicket und het inne to sik ropen laten. He het aber nicht herut wollen, bis ers de Bard afschniden is. Un ase do ton Konig kummt, do het he in de twe andern Doke auk giewen un het unne alles vertelt. De Kunig is awer so voller Froden west und het segt: 'Ach, lewet mine Dochter Theresia noch! Nun bin ik wieder froh. Ach min liebe Johann, ich will meine Tochter und deine ehlige Frau mit allerlei Instrumente holen lassen.' Und da kamen alle Freunde und Verwante von den Konig und setsen sick mit Johanne und den Musekanten to Schipe, um de Konistochter to holen. Un asse nun wieder mit der Königstochter und den kleinen Kindchen torucke gingen, do was so ein böser Bedienter, de will de Früh gerne frige, un do schtot he den Johannes in den Watter un sah to de Früh, wenn sei dat wieder sagte, so woll he ihr auk ut den Schip werpen. Und Johannes ret drei Spalierhold af, un damit halp he sik wieder torige bit bald bi den Lanne. Do hörde er eine Stemm : 'Johannen, lustig voran!' Un ase nn an den Laune kam, do stand da de Mann, den he damals in den Schorrenstein hette funnen, un de sähe to üne: 'Nu machts du dik wat wünschen.' — 'Ick will, dat ik in Engel and wehr.' — 'Do do schollst du glik sein. Und da buhet dien Früh eine Kerke, da soll seh sik mit Gewalt mit den bösen Bedienten in tosammen giwen laten. Do kannst du für twelf Mann in arbeiten.' Un da was he auk gleich in Engeland, do meld he sik bi den Bau- meister an für twelf Tage arbeiten. Un as he nu da an is, da kom mit seß schwarten Perden de Königstochter gefahren, und als dat de Johannes sa, da wischte he sik mit den schwarten Dok, de se in giewen het, druge hie sik de . . . [Der Schluß mit der frohen Wiedervereinigung der Gatten fehlt.] Aus dem Münsterlande, in den Jahren 1812 — 1814 durch die Familie von Haxthausen erhalten. Gedruckt 1915 in der Zs. f. Volkskunde 25, 34 durch J. Bolte. Eine aus gleicher Quelle stammende Erzählung 'Des Toten Dank' (Zs. f. Volkskunde 25, 33) stimmt nur im Anfange überein; der Geist des bestatteten Gehängten verhilft dann als Bedienter des barmherzigen Schneidergesellen diesem zu Reichtum. Et was emoel en Schniederbursen, de wull reisen un heff nix mehr asse drey Dahler Geld; do kümmt he buten by et Gericht (Galgen) her, 217. Der dankbare Tote. 493 do henkt do en armen Sünder an. Do seg he: 'Wat döt mi dat leed, dat du do henkst vor Schimp un Spott!' Un so geit he no en Richter, he mög em doch den armen Sünder gierwen. Do seg de Richter: 'Ne, dat doh ick nich, dat heff he verdeint.' Men de Schnieder begehrt em: '0 doht et doch, ick will ja auck mine drey Dahler gierwen.' Do gifft em de Richter; he geit fohrts hen und nimmt en vont Gericht äff un begräff en in de Erde un seg : 'Nu lieg in Gottes Namen !' Esse dat verbie is, geiht he weg un kiimmt in en grauten Wold, do kümt en son erschrecklich unnüsel (unbegreiflich) grauten Kerl in de Möte (entgegen), de süt so gruelig ut, dat he dervör in ene schreckt. Do seg de Kerl to em: 'Wo wut du hen?' — 'Ick wull reisen, ick sin en Schnieder.' — 'Je,' seg de gruelige Kerl, 'ick will dien Bedienten sien.' — 'O Heer,' seg de Schnieder met Schrecken, 'ick hebbe sölfst nich to lerwen.' — 'Kum du men to,' seg de Kerl. Do goht se no de Stadt un no en Kledermaker un köfft em drey Kleder, met Gold un Sülwer sticket, un mackt em sine Hoere so nett asse der to; un do geiht de graute Bedienten no den kaiserlicken Hoff un seg, do wör en jungen Ridder, de wull gern Middag met an de Tafel gohn. Froget se em, wu de hedde. 'Je', seg he, 'et is mien Heer, de Name segge ick ju nich, de mot verschwiegen sien.' Also kümt he den Middag, se nimt en ganz fröndlick up, he is so schön un so ardig, ene will den no leiwer by Sitten asse de andere; un de Graute geit der achter stöhn un wachtet em up. No den Disk spierlt se in Karten, un he gewinnt alles, by den twerlfdusend Dahler. Do neidiget (nötigten) se em wier to det Owenderten (Abendessen), men de Graute seg, he soll nu met gohn. He döt sick bedanken un geit ~reg. Do huert (mietet) em de Graute en Wagen met sess Rerde, do settet he sick in und föhrt weg bes in en Wold. Do is do son graut olt Schiott; kloppet de Graute an: 'Du Olle, mak orpen ! Mien Heer sali hier wurnen.' Do kümt der en griesen ollen Mann, de heff en Mantel um und heff en Bort, de henk em bes up de Schöbe, de seg : '0 late mi doch met Frerden ! Ick hebbe no sierwen Bröers, de ligget unnen in en Keller, de sind met Kierden (Ketten) an- schlorten, un wann de los keimen, de terrierten alles. Also hier kann kien Mensk wuhnnen.' — 'Ne,' seg de Graute, 'mien Heer sali hier wuhrnen.' Seg de Griese: 'Ick will di gern alles gierwen; lat mi doch met Frerden!' — 'Dann giff mienen Heeren en goldenen Wagen met seß schwatte Perde un en goldenen Degen un ne goldene Uhr un Milli- jonen Dahler Geld!' Dat giff he em auk alle. Esse de Schnieder dat heff, schleit dat Schiott in de Erde herinn, un he kann nich sein, wo et stöhn heft hedde. Do seg de graute Kerl, off he auk wüste, wat he vor enen by sich hedde. 'Ne', seg de. 'Ick sin de arme Sünder, de du hest von de 494 217. Der dankbare Tote. Galge normen. De Geister sind in sierwen Klassen, ik sin von de dank- boren Geister.' Un he verschwindt, an de Schnieder hef f genog vor sien ganze Lerwen. Diese beiden Erzählungen sind mehrfach getrübte und gekürzte Fassungen des Märchens vom dankbaren Toten, dem bereits verschiedene ausführliche Untersuchungen gewidmet worden sind.1) Seine Hauptzüge sind folgende : A. Der Edelmut des Helden zeigt sich, indem er (A1) den von hartherzigen Gläubigern mißhandelten Leichnam eines Schuldners loskauft und bestattet und (A2j eine gefangene Jungfrau aus türkischer Sklaverei oder aus der Gewalt von Räubern befreit oder (A3) die befreite schöne Jungfrau ihrem Ver- lobten zurückgibt. — B. Er wird durch Leiden auf die Probe gestellt: (B1) sein Vater enterbt ihn als leichtsinnigen Verschwender, (B2) seine treulosen Brüder verlassen ihn, (B3) ein Neider stürzt ihn ins Meer und trennt ihn von seiner Gattin. — C. Der Geist des Toten, der als Greis, Diener oder Fuchs auftritt, belohnt ihn : (C1) er verhilft ihm zu Reichtum und zur Heirat mit einer Prinzessin ; oder (C3) bringt den ins Meer Gestürzten zu seiner Gattin; (C3) er verlangt die Teilung der Frau, aber nur, um die in ihrem Leibe steckenden Giftschlangen zu entfernen oder (C4) um nochmals die Treue des Jünglings zu prüfen und sich dann zu offenbaren. — Danach besteht unsere zweite münsterländische Fassung aus den Motiven A1 C1, die erste dagegen aus A1B2A2B3C2; doch ist in ihr vor B3 noch ein besonderer Zug (D) eingeschaltet : die befreite Jungfrau sendet nach ihrer Heirat mit dem Helden diesen nach England und gibt ihm eine Fahne mit, die er am Schiffe wehen lassen soll ; hier- aus oder aus einem gestickten Tuch erkennt der König von England, daß er von seiner Tochter abgesandt ist. Anderwärts ist es ein Bild der jungen Frau, das die Erkennung herbeiführt. Eine Entstellung der Überlieferung zeigt der Anfang von dem im Schornstein des Wirts- hauses sitzenden Schuldner, der, bevor der Held ihn befreien kann, a) Vgl. insbesondere K. Simrock, Der gute Gerhard und die dank- baren Toten (1856); R, Köhler, Kleinere Schriften 1, 5—39. 220. 424.441 (1898) ; Hippe, Untersuchungen zu der megl. Romanze von Sir Amadas (Archiv f. neuere Sprachen 81, 141—183. 1888); Dutz, Der Dank des Toten in der englischen Literatur (Progr. Troppau 1894); G. H. Gerould, The grateful dead, the history of a folk story (London 1908); W. Benary, Hervis von Metz und die Sage vom dankbaren Toten (Zs. f. roman. Philologie 37, 57—92. 129-144. 38, 229—232). 217. Der dankbare Tote. 495 verscheidet. Vielmehr wird im Romane vom Herzog Herpin der tote Schuldner in einem Sack in den Schornstein gehängt, wie auch Woestes westfälische, Wissers holsteinische und die dänische Fassung im Skattegraveren 9, 177 berichten.1) Bei der Musterung der übrigen Fassungen wollen wir zunächst die seit dem 16. Jahrhundert in Prosa und Versen, auch in dramatischer Form aufgezeichneten ins Auge fassen und uns darauf den mittel- alterlichen zuwenden. Aus der Schweiz bei Jegerlehner, Am Herdfeuer der Sennen S. 179 = Jegerlehner, Sagen aus dem Oberwallis S. 118 nr. 142 'Vom Pflasterbub zum Prinzen' (A1- 2 B1, 3C2. Toter als Hase) = Bächtold S. 306. Aus Schwaben bei E. Meier nr. 42 'Der Sohn des Kaufmanns' = Simrock, Gerhard S. 54 nr. 3 (A* * B1' ■ C*. Toter als Vogel, Karl erklärt dem König sein Gemälde). Aus Tirol bei Zingerle, Zs. f. dt. Mythol. 2, 337 'Der tote Schuldner' = Simrock, Gerhard S. 62 nr. 5 (A1- 2 D B6 C2). AusSiebenbürgenbei Haltrich nr. 9 'Die Hälfte von allem' (A1- 2 B1 C2' 4) Aus dem 0 d e n w a 1 d bei Plönnies, Zs. f. dt. Myth. 2, 374 'Des Toten Dank' = Simrock, Gerhard S. 51 nr. 2 = Zaunert S. 245 (A1'2B1DB3C4. Als Küchenjunge wirft der Held seinen Ring in die Suppe der Prinzeß ; der Geist verlangt die Hälfte seines Kindes). Aus dem Rheinlande: Wolf, Hausmärchen S. 243 'Des Toten Dank' = Simrock, Gerhard S. 46 nr. 1 (A1' 2 B1 D B3 C4. Der Tote als Schwarzer, Erkennung durch Gemälde, Hälfte des Kindes verlangt). Simrock, Märchen S. 304 'Der dankbare Tote' = Simrock, Gerhard S. 65 nr. 6 (aus Xanten. A2- » D B3 C2). Simrock S. 308 'Der gläserne Berg' = Simrock, Gerhard S. 68 nr. 7 (aus Xanten. A1 C2, angeschlossen an den 'Trommler', oben S. 408). Aus Westfalen: Woeste, Zs. f. dt. Mythol. 3, 46 'De witte Swane' = Simrock, Gerhard S. 75 nr. 8 = Dähnhardt, Dt. Märchenbuch 2, 30 (A1- 2D B3 O «. Toter als Schwan und Männchen, Erkennung durch Ring in der Tasse, Hälfte des Sohns verlangt). Aus Hannover bei Busch S. 47 'Der Königssohn mit der goldenen Kette' (A1- 2 B3 C2. Er- kennung durch Flötenspiel). Vom Harz bei Pröhle, KVM. S. 239 nr. 78 'Die rote Fahne und der Ring der Königstochter' = Simrock S. 58 nr. 4 (A1- 2 B1 D B3 C2. Erkennung durch Ring). Aus 0 1 d e n- l) Als Strafe und Marter für Lebende kommt das in den Rauch hängen bei Pröhle, KVM. nr. 46, im slowakischen Märchen von der unter- geschobenen Braut bei Nemcovä 1, 159 nr. 16 und in Erzählungen über die Gewalttaten schwedischer Soldaten (Simrock, Gerhard S. 153) vor. 496 217. Der dankbare Tote. bürg bei Strackerjan 2, 308 = 2. Aufl. 2, 453 'Der dankbare Tote' (A1-2B1DB3 C2. Toter als Taube, Eing im Becher), Aus Holstein bei Wisser, Plattd. Vm. S. 107 'De Kopmannssöhn' (A1' 2 B3 C2. Toter im Schornstein, zwölf Mädchen im Pfluge, Toter als Fisch, die durch den Eid zum Schweigen gezwungene Prinzessin klagt ihr Leid dem Stein). Wisser, Eutiner Kalender 1917, 53. Aus Pommern bei Jahn l,182nr. 34 'Der Schiffer und die drei Königstöchter von Engelland' (A1,2B1 D B3 C2. Toter am Galgen, feindseliger Schwager, Toter als Adler trägt den Helden und überreicht ihm den Bauplan des Turmes, den die Königstöchter verlangen); 1, 190 nr. 35 'Die Mädchen im Pfluge' (A1-2 B3 C2. Toter als Vogel, der Held läßt sich von der Hochzeitstafel Braten und Wein holen); 1, 370 (A2DA1B3C2. Bilder der Königstochter und ihrer beiden Mägde, Erkennung durch Ring im Becher). Bl. f. pomm. Volksk. 9, 158 'Die Königstochter und der Bauernsohu' (A2 B8 A1 C2. Entstellt). Aus Westpreußen bei Behrend nr. 13 'Der barm- herzige Edelmann und sein Läufer' (A1C1-4. Der Diener verschafft ihm Wunschbeutel, Mantel und Schwert und bekämpft für ihn den Drachen); nr. 25 'Die geraubte Prinzessin' (A2,1DB3C2. Johann flieht mit der Jungfrau aus der Räuberhöhle und schlichtet nachts den Streit dreier Geister, malt die Zimmer des Schlosses aus). Holländisch aus der Nähe von Amsterdam in der Genter Zs. Volkskunde 16, 94 nr. 51 'De dankbaare doode' (A1- 2 D Bs C2. Gerrit entflieht mit der Prinzeß aus der Räuberhöhle; beider Kind wird durch den Geist der toten Frau herbeigeholt, nachdem der treulose Schiffskapitän den Helden ins Meer gestoßen hat, und bezeugt vor dem Könige die Erzählung Gerrits). — Vlämisch: P. de Mont en de Cock, Wondersprookjes p. 208 'Van de konings- dochter en den bakkersknecht' = Revue des trad. pop. 2, 421 'De la Alle de roi' (A2B3A1C1. Der Bäckergesell verschafft dem diebischen Toten Grabesruhe, indem er das gestohlene Geld dem Eigentümer zustellt, und erhält dafür dessen Haus). — Dänisch: Grundtvigs hsl. Register nr. 67 'Den dodes hjcelp'. Grundtvig, Minder 1, 71 'Det fattige Lig' (A1^); 1, 96 'De tre Mark' (A1^. Kirchendach dient als Schiff). Kristensen, Aev. fra Jylland 1, 288 nr. 38 (A1 C1 verbunden mit dem Märchen Gr. 22 'Das Rätsel', vgl. oben 1, 190) und 3, II 'Engelens Folgeskab' (ebenso); 1, 301 nr. 39 'Den hvide Silkedreng' (A1 O 4. An den gestiefelten Kater, oben 1, 331, erinnert die Art, wie der weiße Diener dem armen Burschen Land und Herren- haus verschafft); 1, 309 nr. 40 'Den gronne Dreng og de tre Hexe' 217. Der dankbare Tote. 497 (A1 C1. Der grüne Diener holt sich Wunschmantel, Degen und Börse und schafft den von der Prinzessin versteckten Ring, Halskette und Hexenhaupt, wie in Andersens 'Reisekamerad' oben S. 83); 2, 282 nr. 43 'Baadsmand Ole' (A2B3C2. Anfang ähnlich Gr. 125. Ole rettet die Königstochter aus der Räuberhöhle; ein altes Weib, dem er Kautabak reicht, schenkt ihm eine Wunschbörse und schafft ihn, als ihn Skidimomme ins Meer stößt, nach England); 4, 64 nr. 10 'Ligets Hja3lp' (A1C1; gehört zu Andersens 'Reisekamerad'). Kristensen, Danske Folkesev. nr. 32 'Den dode hjcelper' (A1 C1. Führt den Soldaten im Bleischiff nach England und verschafft ihm Schloß und Land wie der gestiefelte Kater). Skattegraveren 7, 154 'Den dodes bjselp' (A2,1B3C2. Jan kauft in China eine englische Prinzessin los; der Geeist der begrabenen Chinesin schafft ihn nach England ; Erkennung durch Harfenspiel); 9, 177 'Den dodes hjselp' (A^DB3^. Karl Edvard sieht die englische Prinzeß mit ihrem Kammermädchen den Pflug ziehen; in London erkennt die Prinzeß das ans Fenster des Gefängnisses gehängte Taschentuch). Madsen 1870 S. 22 'Stakkels Jonas' (A1,2 B1 D B3 C2-4. Schwedische Königstochter im Pfluge; Ring im Becher; Sohn dem Vogel versprochen). Kamp, Folkesev. 2, 150 nr. 15 'Hans Vovehals' (A2- * B3 C2- 4. Rettet die Königstochter von England aus der Räuberhöhle ; sie erkennt das gestickte Hemde am Zaun ; Teilung des Kindes verlangt). — Schwedisch: Hammar- ske'-"! och Imnelius, Svenska folksagor 1819 1, 157 'Pelle Bätsman', auch als Volksbuch 1824 u. ö. gedruckt (Bäckström, Sv. folkböcker 2, 144—156), enthält die Motive A1, 2 B3 C2; der Schuhmacherlehrling Pelle befreit die armenische Königstochter Clelia aus der Gewalt der Räuber und weist ihr, als er ihr Schuhe bringt, den von ihr gearbeiteten Geldbeutel vor. Aberg nr. 97 'Pälle Bäsman' (dasselbe vergröbert) und nr. 256 'Skepparen, som blef gift med kungens dotter' (A2B1#3C2. Zwei Mädchen im Pflug; Erkennung durch Ring im Becher; statt des dankbaren Toten schafft Jesus den Helden von der Insel zu seiner Braut). Allardt nr. 130 'Om karlen som räddade prinsessan' (A2 B3 A1 C2) ; nr. 131 'Hans, som frälste prinsessan frän sjöröf varena' (A2 B3 A1 C2 ; Prinzessin von Preußen, zwei Tote schlagen sich). Hackmans Register nr. 506. — Norwegisch: Asbjörnsen- Moe nr. 99 'Krambodgutten med Gammelostlasten' (A1,2B3C2). *Moe, Indberetning p. 18 (Norske Univ. og skoleannaler 1880, 253). — Isländisch: Arnason 2, 473 = Poestion S. 274 nr. 33 'Thorstein der Königssohn' (A1, 2 B3 C2). Rittershaus nr. 57 'Der dankbare Tote' Grimm, Märchen-Anmerkungen III. 32 498 217. Der dankbare Tote. (A2, 1 B3 C2. Vilhjalmur wird von Rautiur ins Meer gestürzt, und Asa muß Schweigen geloben). — Englisch: G. Peeles Märchenkomödie 'The old wives' tele' (1595. Works ed. Bullen 1888 1, 297. Gayley, Representative english comedies 1, 349; vgl. Dutz, Progr. Troppau 1894 und Holthausen, Archiv f. n. Spr. 119, 177) enthält die Motive AXC1,4: der irrende Ritter Eumenides bezahlt das Begräbnis des Trunkenbolds Jack, wofür ihm dessen Geist als Diener folgt, Geld in seine Börse zaubert und als Lohn für seine Dienste nur die Hälfte dessen verlangt, was jener auf seiner Fahrt erbeuten werde. Jack hilft dem Ritter seine Dame aus der Gewalt des Zauberers Sacrapant erlösen, tötet diesen und verlangt die versprochene Hälfte ; als aber Eumenides wirklich die Geliebte mit dem Schwerte zerteilen will, fällt ihm der Geist in den Arm, gibt sich zu erkennen und ver- schwindet. Eine öfter gedruckte Volksballade 'The factor's garland' oder 'The Turkey factor' (Gerould p. 110. Hennemans in Publ. of the Mod. language assoc. of America 22, XVI angekündigte Ausgabe ist nicht erschienen) nähert sich dem Typus des Jean de Calais (AJ^DB'C8'4). - Schottisch: Campbell2 2, 121 nr. 32 'The Barra widow's son' (A1- 2DB3C2,4; statt der Fahne gibt die spanische Prinzessin ihrem Befreier Jain Kleider, Ring, Pfeife und Buch mit; diese Gegenstände erkennen ihre Eltern, als er in der Kirche sitzt); vgl. R. Köhler 1, 220. Macdougall, Folk tales 1910 p. 75 'Blackhaired John of Lewis, sailor' (A2, 1 B3 C2 ; er verschafft drei Enthaupteten die Grabesruhe, indem er jedem Rumpfe den rechten Kopf beilegt). — Irisch: Larminie p. 155 "Beauty of the world' (A1 C1-4; vermischt mit dem Andersenschen 'Reisekameraden'). Unter den französischen Fassungen ist die älteste und einflußreichste die 1723 erschienene Novelle der Frau von Gomez 'Histoire de Jean de Calais',1) welche die Motive A^B1 D B3 C2, 4 enthält. Jean ist ein Kaufmannssohn aus Calais, der auf der Insel *) Mrne. de Gomez, Les journees amüsantes. 3. edition 1736 2, 208—260. Italienisch Venezia 1758, deutsch Berlin 1761 1, 360-400; vgl. Bibliotheque universelle des romans vol. 12, Decembre 1776 p. 134 — 154 und R. Köhler 1, 12. — Die Verfasserin behauptet, die Geschichte aus der 'Histoire fabuleuse de la maison des rois de Portugal' entlehnt zu haben: doch ist diese Quelle bisher nicht entdeckt worden. Die 'Anace- phalaeosis i. e. Summa capita actorum regum Lusitaniae' des Jesuiten Ant. Vasconcellius (Antverpiae 1621), an die Liebrecht, Germania 5, 56 denkt, ist es nicht; vielleicht aber lagen Trancosos Contos e historias de proveito e exemplo 2, nr. 2 (1575) zugrunde. 217. Der dankbare Tote. 499 Orimanie einen von Hunden zerfleischten Leichnam bestattet, nachdem er die Schulden des Toten bezahlt hat, und zwei von einem Korsaren gefangene Sklavinnen loskauft. Er vermählt sich mit der einen, namens Constanze, wird aber von seinem Vater, der die Heirat miß- billigt, verstoßen. Nach einem Jahre ist der Vater milder gestimmt und sendet Jean wiederum mit einem Handelsschiffe aus. Dieser läßt auf Bitten seiner Frau ihr Bild, das ihres Söhnchens und ihrer Freundin Isabelle auf sein Schiff malen und landet zunächst in Lissabon vor dem Königsschloß. Der König von Portugal erkennt in Constanzes Bildnis seine geraubte Tochter, nimmt Jean als Schwiegersohn auf nnd sendet ihn dann mit einem vom Prinzen Dom Juan befehligten Geschwader heim, um seine Familie zu holen. Auf der Rückfahrt nach Portugal stößt der eifersüchtige Dom Juan den Helden unbemerkt ins Meer; die Prinzessin kommt voller Verzweiflung bei ihrem Vater an ; Dom Juan wirbt um ihre Hand und soll sie auch erhalten. Inzwischen hatte Jean sich durch Schwimmen auf eine einsame Insel gerettet und lebte hier zwei Jahre lang einsam. Da trat plötzlich ein Unbekannter zu ihm, erzählte ihm von der bevorstehenden Hochzeit seiner Frau und erbot sich zur Hilfe, wenn Jean ihm später die Hälfte von dem, was er am liebsten habe, geben wolle. So gelangte Jean im Schlafe nach Lissabon und diente als Holzträger in der Schloßküche. Dort erblickte ihn Isabelle, erkannte ihn und führte ihn vor Constanze und den König, der den Verräter Dom Juan zum Tode verurteilte und seinem Eidam zu Ehren ein großes Fest veranstaltete. Auch der unbekannte Helfer erschien hier, erinnerte Jean an sein Versprechen und forderte die Hälfte seines Söhnleins. Vergeblich baten alle Anwesenden um Schonung des Kinde3 ; endlich reichte Jean seinen Sohn dem Fremden, weil er sein Wort halten wollte; doch dieser gab ihn dem Vater zurück und offenbarte sich als den Geist jenes Toten, dem Jean ein ehrliches Begräbnis verschafft hatte. — Diese Novelle ist auch als Volksbuch wiederholt bearbeitet worden,1) angeblich 'sur de nouveaux memoires'; aber der eine Bearbeiter macht aus dem Geiste des Toten einen Schutzengel und merzt die Prüfung des Helden durch die Forderung, sein Liebstes mit jenem Helfer zu teilen, aus; der andere streicht !) In der Bibliotheque bleue (Paris 1770. 1776. Liege 1787. Troyes, Baudot o. J.), ferner Epinal o. J. Paris 1849. 1856. Toulouse o. J. Vgl. Nisard, Histoire des livres populaires 1854 2, 450; E. Köhler 1, 15; Le Braz, La legende de la mort 1902 2, 232. 32* 500 217. Der dankbare Tote. sogar den Loskauf des Toten. Auf die französische, italienische, spanische, portugiesische und deutsche Volksüberlieferung hat die Erzählung Einfluß geübt. — Souvestre, Le foyer breton 1853 2, 1 'L'heureux Mao' (A1C1; entstellt). Luzel, Contes 1, 403 'Jouenn Kermenou l'homme de parole' (A1-2 B1 D B3 C2, 4. Frage vom alten Schlüssel). Luzel, Legendes 2, 40 'Cantique spirituel sur la charite admirable que montra St. Corentin' (A1 C1 B3 C2- 4. Als der Tote das Kind teilen will, erscheinen die h. Jungfrau und Corentin). Sebillot, Contes 3, 164 nr. 16 'Jean de Calais' (A1-2 B1 D B3 C2"4). Le Braz 1902 2, 211 'JeanCarre' (A2DA1B3C2). Gittee-Lemoine p. 57 'Jean de Calais' (A1- 2 B1- 2 C2- 4. Babe). Cenac Moncaut p. 5 'Rira bien qui rira le dernier' (A1,2. Entstellt). Blade 2, 67 'Jean de Calais' (A1, !DB3 C2, 4. Toter als weißer Vogel). Bevue des trad. pop. 9, 177 'Le corps du moit reconnaissant' (A1 C1. Die Brüder rauben dem Helden die Jungfrau ; der Tote gibt ihm einen Vogel als Führer und ein Schwert). 9, 179 'Jean de Bordeaux' (A2B1-3C2-4. Fuchs) 22, 273 'Histoire de Jean de Callae' (B A1 C2. Die Braut sieht das gestickte Taschentuch des Küchenjungen). 26, 39 'Le mort reconnaissant' (Ai. 2 d B3 Q2). 27, 387 'Le Als du roi de Brest' (A1-2 B1 D B3 C2). Almanach de Phare 1891, 108. — Rätoromanisch: Decurtins, Chresto- mathie 2, 100 nr. 80 'II miert e las duos sclavas (A^ßiC2. Toter als Fuchs). Italienisch: Straparola, Notti piacevoli 11, nr. 2 (A1,aC8"4) schließt sich darin an die noch zu besprechenden mittelalterlichen Fassungen an, daß die Seefahrt, der Sturz ins Meer und die Bettung durch den Toten fehlen und der Dummling Bertuccio dem fremden Bitter, der ihm Boß und prächtige Kleider gibt, dafür verspricht, alles, was er erwirbt, mit ihm zu teilen. Das wohl zu Ende des 18. Jahrh. entstandene Gedicht des G. 0. Brunetto 'Istoria di Stellante- Costantina' (abgedruckt Zs. f. Volksk. 25, 372) folgt dagegen der Erzählung der Frau Gomez. Andrews, John of Calais (Folk-lore Becord 3, 48. Aus Mentone). Andrews, C. ligures nr. 26 'Le mort reconnaissant' und 41 'Le mort reconnaissant, ou Jean de Calais'. Ive, Fiabe pop. rovignesi 1877 p. 19 'Biela Fronte' — Crane p. 131 'Fair Brow' (A1 • 2 B1 D C2- 4. Geht auf Brunettos Gedicht zurück' . Nerucci nr. 52 'La lieprina' (A1 C1 B2 C2. Peppe gewinnt eine Wunschbörse und ein Pferd, kauft seine Brüder vom Galgen los und wird von ihnen ins Wasser gestürzt ; Toter als Häsin rettet). De Nino 3, 309 nr. 62 'Giuseppe Ciüfolo' (A1^- 4). — M altesisch: Hg 1, 44 nr. 13 217. Der dankbare Tote. 501 'Prinz Dschuseppi' (B1 A1 ' 2 B3 ; der Dank des Toten wird nicht er- wähnt, aber der Held stellt sich als Bettler am Vorabend der Hoch- zeit seiner Frau ein). — Spanisch: Biblioteca de las trad. pop. esp. 8, 194 'Juan de Calais' (A1 B3 C2 ■ 4). Duran, Romancero general 2, 299 nr. 1291—1292 'La princesa cautiva' (A1'2B8C2). — Kata- lanisch: Maspons, Eondallayre 2, 34 nr. 5 'L'estandart' (A1,2DB3 C2). Alcover 2, 65 'Es port de sa cibolla blanca'. — Portugie- sisch: Historia de Joäo de Calais 1783 u. ö. (Braga, 0 povo portu- guez 1885 2, 486). *Caldas Barbosa, Viola de Lereno (Braga 1, 489). Bei Gr. F. Trancoso, Contos e historias de proveito e exemplo 2, nr. 2 (1575 u. ö. Menendez y Pelayo, Origenes de la novela 1907 2, XCV) ist der Tote durch zwei christliche Heilige ersetzt, deren Gebeine der Kaufmannssohn in Fez kauft und die ihm später als fahrende Sänger dazu verhelfen, daß er die Hand der von ihm losgekauften und heimgesandten englischen Königstochter im Turnier gewinnt (Ai.2-3BiDC2). _ Baskisch: Webster p. 146 'Juan Dekos, the blockhead'^-^DBSC2-4. Engel statt des Toten); p. 151 'Juan de Kaiais' (A1 B1 A2 D B3 C2 • ». Toter als Fuchs). Cerquand 4, nr. 101. Rumänisch: P. Schullerus, Archiv f. siebenbg. Landesk. 33, 676 'Gottes Lohn' (A1-2B3 C2. Toter als Rabe, Ring in der Suppe, Frage vom alten Schlüssel). Wlislocki, Zs. f. vgl. Litgesch. 11, 470 (A1 C1, vermischt mit Gr. 133 'Die zertanzten Schuhe' und der Merlinsage. Statt des toten Mannes eine tote Frau). S^äinenu S. 622. 636 — *Revista Nouä 1 'Deli-Satirü'. Serbokroatisch: Vuk 1870 S. 246 nr. 14 = 1897 S. 251 nr. 64 -■ Jagic nr. 29 'Die guten Werke gehen nicht verloren' (Archiv f. slav. Phil. 2, 631) = Krauß 2, 310 nr. 133 *= Mijatovics p. 96; vgl. R. Köhler 1, 424 (A2- J B1 D B3 C2- 4. Erkennung; der Helfer ist ein Engel, wie in der jüngeren Bearbeitung des französischen Volksbuches). Vuk 1897 S. 221 nr. 56 = Krauß 1, 385 nr. 85 'Der Vilaberg' (A1). Stefanovic nr. 15 — Jagic nr. 48 'Vlatko und der dankbare Tote' (Archiv f. slav. Phil. 5, 40. R. Köhler 1, 441. A1 C1-3. Schlange in der Brautnacht getötet). Stojanovic nr. 31 = Archiv 5, 41 (A1 C1). Letopis Matice srp. 105, 145 nr. 6 (1862) = Archiv 5, 42 'Ein Goldfisch' (A1^-3. Der hilfreiche Diener ist eigentlich ein vom Helden verschonter Fisch, wie im armenischen Märchen). Bos. Vila 1, 236 = Krauß, Sreca 1886 S. 22 (Mitt. der Anthropol. Ges. in Wien 16, 108. A1 C1. Der Gefährte tötet in der Hochzeitsnacht die aus dem Munde der Prinzeß hervorkriechende 502 217. Der dankbare Tote. Schlange). Bos. Vila 11, 210. 23, 239. 253. 269 (A1. Gehört zu Grimm nr. 133). 24, 108 (A1^-». Der Gefährte tötet die aus der schlafenden Prinzeß hervorschlüpfenden Schlangen und einen Drachen ; vor Schrecken speit die Prinzeß noch drei Schlangen aus). Kica 7 (1911), nr. 36—37 (A2>1B3C2-4. Salz im salzlosen Lande ver- kauft; der Helfer verlangt den Sohn des Helden). Aus Bosnien bei Blagajic S. 113 (der dankbare Froschkönig statt des Toten befreit die Braut des Helden vom Drachen; dann der treue Johannes). — Bulgarisch: Schischmanoff p. 202 'Le berger, son fils et l'ar- change'. Period. spisanie 14, 317 nr. 2 (1885. A1. Der Helfer tötet die aus dem Munde kriechende Schlange; die Prinzeß speit noch eine aus). Sapkarev, Sbornik 8 — 9, 455 nr. 265 (A1 ; Katze und Hahn in der Fremde verkauft). 8 — 9, 131 nr. 93 = Sapkarev, Prikazki S. 34 nr. 26 (aus Mazedonien. A1C1,8. Drei Schlangen in der Prinzeß). 8—9, 263 nr. 142 (aus Kicevo. Ähnlich) = Leskien S. 3. Sbornik min. 4, 133 (drei Lehren gekauft; Engel hilfreich, ohne daß der Jüngling einen Toten bestattet hätte; C3). 5, 143 nr. 2 (dankbarer Fisch statt des Toten). 6, 150 nr. 2 = Strauß S.183 (A^B^C8. Der Tote als Adler holt nach sieben Jahren den Sohn des Helden). 8, 178 (wie Tobias). 10, 149 (A1 0 3). 16—17, Materiali S. 319 (A^C1'"). — Cechisch: Radostov 6, 37 = 2. Aufl. 2, 3 nr. 1 = 3. Aufl. S. 306 nr. 33 = Waldau S. 213 'Bolemir' (A^B1 DB3 C2). Zs. Dennice 1840 2, 310 = Tille, Poh. do r. 1848 S. 51 (A1. Der Tote rettet als Brett den ins Meer gestürzten Helden, lehrt ihn sich in ein Tier verwandeln, wie bei Woycicki, und erweckt den vom Neider Ge- töteten wieder). Maly 1838 S. 42 nr. 4 = 3. Aufl. S. 46 nr. 5 (zu Grimm nr. 57). Benes Tf ebizsky S. 61 nr. 7 (ähnlich ; der Fuchs wird zum Schluß geköpft, und eine Taube fliegt zum Himmel). Soukal, Prost poh. S. 81 nr. 9 (A1; der Held soll seidene Wiesen bewachen und eine in eine Stute verwandelte Prinzessin befreien). Pf ikrjd S. 206 (A1 0 ?; keine Teüung der Frau verlangt) und 223 (A1 ■ 2B1- 3C2). Aus Mähren: Miksicek 1, 121 (A1. Der Tote lehrt den Helden die kranke Prinzessin heilen und tötet die nachts aus ihr kriechenden Schlangen). Mensik, Jemnic. S. 80 nr. 28 A1-2B3C4; Sohn soll geteilt werden). Aus Böhmen: Poh. a pov. nas. lidu S. 48 nr. 20 (der Tote hilft dem Helden die Wiesen hüten und die in ein Pferd verwandelte Prinzeß entzaubern) ; S. 99 nr. 16 (A1. Hilft die Sibylla überlisten und ihr den Ring rauben). Popelka, Pohädky a pov. S. 70 nr.4(A2 D). Kubin, Podkrkonosi Zäp. nr. 71. — Slowakisch in Handschriften des Museums 217. Der dankbare Tote. 503 in Türe. Sv. Martin, so in der Hs. Prostonarodni Zabavnik d. III v Levoci 1844—45 S. 209 '0 Filkovi' (A1 C3. Filko weist dem Helden ein Wunder- sckwert, Mantel und Geldbeutel, erschlägt zwölf böse Geister, die aber Wiederaufleben und die Trau des Helden entführen) und in der Hs. H. 14 (der Amalia Sirotkovä 8—9) und Hs. H. 8e des P. Dob- sinsky (AC3. Zwölf Räuber, Schlangen aus dem Munde der schla- fenden Prinzeß). Danach Skultety-Dobsinsky S. 524 nr. 59 — 2. Aufl. S. 745 nr. 52 (AlC3; zu Grimm nr. 133). — Wendisch: Veckenstedt S. 145 'Die Riesen' nr. 6 (A2 DB3 C2 ; aber die Bestattung des Toten fehlt; als Retter des Schiffbrüchigen erscheinen Schiffer). — Kaschubisch: Bronisch S. 11 'Der Dumme und die Gespenster' (zwei Geister schlagen den Toten ; dieser rät dem Dummen, mit einem Knochen die Teufel aus der Kirche zu jagen). — Polnisch: Woycicki, Klechdy 2, 66 = Erben, Ölt. S. 117 = Woycicki-Lewe- stam S. 130 'Das Gespenst' = Leger p. 119 'L'esprit du mort' — Wratislaw p. 121 (A1 C2 B3. Vom Toten lernt der Held, sich in eine Krähe, Hasen oder Reh zu verwandeln, und schafft das siegbringende Schwert des Königs herbei). Aus Posen bei Kolberg 14, 179 nr. 40 (A1* 2 B1. Aus dem Räuberhause befreit der Tote). Aus Oberschlesien bei Malinowski 2, 127 (A1, vermischt mit Grimm nr. 22 'Das Rätsel' ; Schuhe der Prinzeß aus Lausleder). Mitt. der schles. Ges. f. Vk. 6, 50 (A1 ; Toter als Wolf hilft den Goldvogel für den Vater des Helden holen). Wisla 17, 79 (A1; der Tote hilft drei Prinzessinen von Krankheit und Verzauberung befreien und die Winde durch Heben der vergrabenen Schätze stillen; die beiden Brüder des Helden heiraten zwei Prinzessinnen). — ■ Kleinrussisch aus Galizien: Etnograf. Zbirnyk 7, 69 nr. 43 (A1 ; zuerst der Zauberlehrling Grimm 68; drei Prinzessinnen durch Qualnächte erlöst; Zaubergegenstände streitenden Erben abgenommen ; unsichtbar bei der Hochzeit der Frau; Frage vom alten Schlüssel). 7, 107 nr. 56 (A1 C3. Räuberhaus; Schlangen aus dem Munde der Prinzessin). Suchevyc S. 64 nr. 51 (A1 C3; Fragen aufgetragen wie bei Grimm 29). S. 123 nr. 72 (zu Grimm 57; Toter als schwarzer Hund). Aus der Bukowina: Kolberg, Pokucie 4, 123 nr. 23 (A1,2B3. Wunschring gegen das Versprechen des Kindes.) Aus Südungarn: Etnograf. Zbirnyk 25, 76 nr. 17 (oben 2, 398). Aus dem Gouv. Kijev: Cubinskij 2, 27 nr. 7 (der Kauf- mann kauft den Toten und den h. Nikolaus, der sich für diesen ver- bürgt hatte, los ; Nikolaus hilft ihm drei Nächte in der Kirche bei der verzauberten Prinzeß Schildwache stehen). Hrincenko 2, 271 504 217. Der dankbare Tote. nr. 188 (Erhängter abgeschnitten ; die Jungfrau bringt als Ente sechs goldene Haare ihres Vaters, der Helfer als Käfer ein ganzes Büschel davon). Aus Gouv. Poltawa: Rudcenko 2, 27 nr. 12 (Niko- laus). Aus Gouv. Jekaterinoslav : Sbornik Charkov. 6, 165 (Nikolaus). Aus Gouv. Cherson: Jastrebov S. 184 nr. 5 (Nikolaus). — ■ Weiß- russisch: Federowski 2, 308 nr. 340 (der h. Johannes als Bürge des Schuldners geprügelt, losgekauft; Prinzessin im Sarge). Weryho S. 45 nr. 11 (A1. Nikolaus; Prinzessin im Sarge). Gliiiski 1, 115 nr. 6 (A1. Toter als Pferd). Aus dem Gouv. Mogilev: Romanov 4, 143 nr. 82 (A1; zu Grimm 6). 6, 462 nr. 52 (oben 2, 339). Sejn 2, 66 nr. 33 (A1; Prinzeß im Sarge). Aus dem Gouv. Minsk : 2, 401 nr. 227 (Der h. Georg Bürge des Toten. Prinzeß im Sarge). Aus Gouv. Smolensk: Dobrovoljskij S. 165 nr. 104 (A1. Räuberhaus). S. 547 nr. 23 (Nikolaus; Prinzeß im Sarge). — Großrussisch: Flugblatt v. J. 1786 bei Rovinskij. Nar. kartinki 1, 148 nr. 41 = v. Löwis S. 320 nr. 55 'Ssila Zarewitsch und Iwaschka Weißes Hemd' (A1 C1; der weiße Gefährte tötet in der Hochzeitsnacht den geflügelten Drachen, spaltet die Königstochter Truda, daß alle Schlangen aus ihrem Leibe hervorkommen, und belebt sie wieder) = Dietrich S. 199 nr. 16; vgl. Archiv f. slav. Phil. 5, 480. Afanasjev1 6, 323 = 3. Aufl. 2, 319 nr. 205 i = Schiefner, Orient u. Occ, 2, 174, vgl. Archiv 5, 43 = R. Köhler 1, 424 (der Tote ist der Bruder des Helden, der ihm die Verzeihung der Mutter erwirkt; er tötet in der Hochzeitsnacht den Drachen). Afanasjev8 1, 224 nr. 93 c (A1; oben 1, 51) = Hildebrand 1, 76 = v. Löwis nr. 29 'Der unsterbliche Kosch- tschej'. Afanasjev3 1, 278 nr. 104 f (oben 2, 308). Aus dem Gouv. Nize- gorod : Chudjakov 3, 165 nr. 122 = Folk-lore 9, 229 ; vgl. Köhler 1, 21 (A1^-8). Aus Gouv. Olonetz: Oncukov S. 423 nr. 169 (A1 C1). Gouv. Samara: Sadovnikov S. 41 nr. 5 (A1; der Tote köpft die aus dem Munde der Zarentochter kriechende Schlange und nimmt auch die anderen Schlangen heraus ; dazu der von Kater und Hund zu- rückgeholte Zauberring, oben 2, 457). Erlenwein S. 37 (A1; Pulka erhält von drei bestatteten Helden deren Pferde und Kräfte). Aus dem Gouv. Jenisejsk: Zap. Krasnojarsk. 1, 15 nr. 3 (Nikolaus; Prinzeß im Sarge). Aus Gouv. Tomsk ebd. 1, 99 nr. 51 = v. Löwis nr. 48 (ähnlich). — Litauisch: Schleicher S. 100 'Von der goldenen Brücke' (ähnlich Woycieki, aber entstellt). Geitler, Litauische Studien 1876 S. 21 = R. Köhler 1, 425 = Archiv f. slav. Phil. 2. 632 (A^BSC2. Frage vom alten Schlüssel). R. Köhler 1, 427 = 217. Der dankbare Tote. 505 Archiv 2, 633 (A1- 2DB3C2'4). Dowojna Sylwestrowicz 1, 327 (der Soldat bringt dem Toten den Segen der Mutter, nachdem er deren Grab geöffnet, und heiratet die Prinzeß, nachdem der Tote den drei- köpfigen Drachen zerrissen hat). 1, 430 (A1 C3. Prinzeß durch Riechen an drei Fläschchen geheilt). 1, 444 (A1; Jungfrau durch Qualnächte erlöst; vorher eine angeblich wahrsagende Kalbshaut wie oben 2, 10) — Lettisch: Treuland 1887 S. 248 nr. 126 = Charu- zina, Skazki rusk. inorodcev 1898 = Melusine 9, 18 'Le fils du marchand et de la fille du tsar' (A1- ^DB3 C2. Toter als Schwan). — Finnisch: Salmelainen 4 (1866) = Liebrecht, Germania 24, 131 (A1 C1. Der Gefährte bringt in der Hochzeitsnacht frischgeschnittene Zweige, mit denen die dreigehörnte Königstochter gepeitscht wird, bis die Hörner abfallen). Suomi 3, 2, 205. 3, 20, 292. Aarnes Register nr. 506. — Lappisch: Qvigstad-Sandberg S, 55 nr. 14 'Den menneskekjeerlige mand og engelen' (A1C1-4. Der Gefährte schafft die vom Kaiser verlangte Silberbrücke und das Goldschloß) — Magyarisch: Erdelyi-Stier S. 110 nr. 16 'Marsi' (ähnlich der polnischen Fassung Woycickis). Gaal-Stier S. 153 nr. 15 'Der mit- leidige Kaufmann' (A1-2B2C1). — Zigeunerisch: Paspati p. 601 nr. 2 = Groome nr. 1 'The dead man's gratitude' (A1C1-3. Der Drache fährt aus dem Munde der Braut). Aus Serbien : Mitt. f. Zigeunerkunde 2, 102 'Wie ein Toter seinen Wohltäter belohnt hat' (A1 C3 ; der Tote zwingt mit gezogenem Messer die Paschatochter, die Schlange auszuspeien). 2, 106 'Vom Jüngling und seinem Wahl- bruder, einem Vampir' (A1 ; Prinzessin im Sarge). Armenisch: Haxthausen, Transkaukasia 1, 333 (A1C1-3). Macler p. 149 'Le poisson ä la tete d'or' (A1B1C1-3. Drache ge- tötet).1) Sbornik Kavkaz. 9, 2, 185 nr. 3 (Zs. f. Volkskunde 20, 48 l). 32, 2, 270 nr. 40 (A1; der Tote bringt dem Helden die gestohlene Zauberlampe des Derwischs zurück). 42, 2, 30 nr. 2 (A1. Der Tote erhält wie in der ajsorischen Fassung Schätze von den Divs, heilt die Prinzeß, der er einen Frosch aus dem Gehirn nimmt, verlangt zum Lohne ein Taschentuch und 50 Rubel). 42, 2, 38 nr. 4 (A1. Alis Braut wird gespalten und Schlangen aus ihrem Leibe genommen. Vorher Tiersprache vom König der Fische gelehrt, Aladdins Ring). — Mingre lisch: Sbornik Kavkaz. 32, 2, 43 nr. 14 (A1 C1 C3. Der l) Der bunte goldene Fisch erscheint auch in anderen kaukasi- schen Fassungen: Sbornik Kavkaz. 9, 2, 75. 10, 325. 12, 1, 74; Sbornik dlja svedenij o kavkaz. gorcach S, Beilage S. 14 — 18. 506 217. Der dankbare Tote. Tote will die Prinzeß teilen, da springt aus ihrem Mund eine Schlange ; er heilt auch den blinden Vater des Helden). — Ajsorisch: Sbornik Kavkaz. 20, 2, 47 (A1. Der tote Rustam, der von Gott auf ein Jahr das Leben wiedererhalten hat, führt die Karawane des Kaufmann ssohnes vonlspahan nach Konstantinopel, erhält die Schwester von sieben Dews, erlöst in einem Brunnen die in einen Frosch ver- wünschte Braut eines andern Dews, heilt mit dem Gehirn eines Widders die kranke Kaiserstochter in Konstantinopel, die der Kauf- mannssohn heiratet; die Schwester der Dews erhält sein Bruder). — Tatarisch: Sbornik Kavkaz. 23, 3, 3 nr. 1 (der seine geraubte Braut suchende Zanov findet ein totes Pferd, einen Eber und Waffen und vergräbt alles; da gesellt sich ein Reiter in der Haut eines Fohlens zu ihm, hilft ihm, Räubern eine Herde abzunehmen und dem Effendi abzuliefern; dieser nötigt den Chan, die entführte Frau zurückzugeben). Radioff 1, 329 nr. 4 (A1 01' 3. Der Kaufmannssohn bezahlt die Schuld des Bauern, als dessen Bürge ein Heiligenbild von Soldaten geprügelt wird; der Heilige spaltet die Braut und verjüngt sie durch Verbrennen). — Kalmükisch: Ramstedt 1, 89 nr. 15 (A1C1; der Diener tötet nachts Unholde, heilt die kranke Chanstochter mit Katzengalle und erschlägt wie der treue Johannes die den schlafenden Helden bedrohende Schlange). — Aus Celebes: Bezemer 1904 S. 321 'Die goldenen Armbänder' (A1-2 D B3 C2-4). — Annamitisch: Landes, Contes annamites 1886 p. 162 'La recon- naissance de l'etudiant mort' (der Tote flüstert seinem Wohltäter die Antworten in der Staatsprüfung zu). — Koreanisch: J. S. Gale 1913 p. 80 nr. 18 'The grateful ghost' (um 1700 von Im Bang auf- gezeichnet. Als der zur Prüfung reitende Student im Busch niesen hört, findet er einen Schädel, dem Wurzeln durch die Augenhöhlen gewachsen sind, reinigt und bestattet ihn. Im Traum erscheint ihm der Tote und gibt ihm die Lösung seiner Aufgabe an). Zs. f. Volks- kunde 21, 366 'Die dankbare Elster' (verschafft in Gestalt eines Dieners dem Jüngling zwei Frauen, nachdem er deren Bräutigame als eine Schlange und einen Fuchs entlarvt hat. Statt des toten Mannes ein Tier, wie im Serbischen und Armenischen ein Fisch). — Hebräisch aus Palästina : *Reischer, Scha'are Jerüschälajim 1880 p.88 = Gaster, Germania 26, 200 (A1 C2. Den Schiffbrüchigen rettet der Tote in Gestalt eines Steines und eines weißen Adlers). — Arabisch aus Tanger : Meißner, Mitt. des Orient. Seminars zu Berlin 8, 2, 79 nr. 3 (A1C1*8. Der Begleiter tötet nachts vierzig Räuber, befreit 217. Der dankbare Tote. 507 eine Jungfrau von einem Drachen ; bei der Teilung derselben fallen zwei Dracheneier aus ihrem Leibe). — Berberisch: Moulieras, Legendes de la Grande Kabylie 1896 p. 421 'Ali Demmou, le genie qui enleve les fiancees, le fils du roi et la houri du soleil' (Revue des trad pop. 20, 6 6). Mercier, Le Chaouia 1896 p. 57 nr. 13 .Histoire de celle qui dormait dans ses cheveux' (A1C1; entstellt). — Suaheli: Lademann, Archiv f. dt. Kolonialsprachen 12, 99 nr. 71 'Der Sultan und sein Kind' (A1 O 4). Außer den oben aufgezählten Fassungen unseres Märchens gibt es auch eine mittelalterliche Gestalt, die uns seit dem 13. Jahr- hundert in verschiedenen Ritterromanen entgegentritt und deren Nachwirkung wir noch im 16. bei Straparola, Trancoso und Peele verspüren. Ein junger Ritter, der sein Vermögen leichtsinnig ver- geudet hat, zieht zu einem Turnier, das ein reicher Fürst ausge- schrieben hat mit der Verheißung, seine einzige Tochter dem Sieger zu vermählen. Unterwegs gewahrt er die unbestattet daliegende Leiche eines ansehnlichen Mannes, entweder vor einer Kapelle (Dianese) von der jammernden Frau beklagt (Pippin, Amadas, Viaticum narrationum) oder im Miste (Rittertreue), auf dem Dache (Richars), im Rauchfange (Herpin) aufbewahrt, und erfährt, daß die Gläubiger des Toten seine Bestattung hinderten. Gutherzig gibt er seine Pferde und Ausrüstung hin, um die Schulden des Toten zu bezahlen und ihm ein ehrliches Begräbnis zu verschaffen. Einsam zieht er seine Straße weiter, da gesellt sich ein weißer Ritter1) zu ihm und bietet ihm Geld, Waffen und Rosse an, wenn er dafür allen Gewinn mit ihm teilen wolle. Im Turnier siegt der Jüngling über alle Gegner und erhält die Hand der Prinzessin samt dem halben Königreich. Als darauf der weiße Ritter seinen Anteil fordert, läßt ihm der Held alle Güter und will nur die Frau behalten (Richars, Herpin, Dianese, Pippin) oder ist selbst bereit, sein Kind und seine Gattin in Stücke zu hauen (Olivier, Rittertreue, Amadas, Viaticum narrationum); aber jener gibt sich als den Geist des Toten zu erkennen, den der Jüngling von Schmach erlöst hat, und verschwindet. Französisch2) ward dieser Stoff in den beiden Epen 'Richars J) Weiß ist die Farbe abgeschiedener Seelen (Kühnau, Mitt. der schles. Ges. f. Volkskunde 15, 200). 2) Riebars li biaas bsg. von W. Förster 1874. — Über die in zwei Pariser Hss. (F. fr. 22 555 und 351) erhaltene Chanson de Lion de Bourges vgl. Wilhelmi, Diss. Halle 1894. — Der auf Veranlassung des burgundi- 508 217. Der dankbare Tote. li biaus' und 'Lion (oder Herpin) de Bourges' und in dem vor 1472 von Philipp Camus verfaßten Prosaromane 'Olivier de Castille et Artus d'Algarbe' behandelt und mit verschiedenen anderen Motiven verbunden. Das erste Gedicht, das noch im 13. Jahrhundert ge- schrieben ist, verlegt das Turnier nach Montorgueil ; im zweiten gewinnt Lion zu Montluisant die Liebe Florentines, der Tochter des Königs Heinrich von Sicilien, wird aber erst nach mannigfachen Abenteuern mit ihr vereinigt; sein Vater ist der geschichtlich nach- weisbare Graf Eudes Harpin von Bourges, der 1098 nach dem heiligen Lande zog und nach 1109 als Mönch in der Abtei Cluni starb. Im Prosaromane wird die Freundschaftssage von Amicus und Amelius eingeflochten ; der dankbare Tote ist ein englischer Ritter Talbot, mit dessen Beistand der kastilische Prinz Olivier die englische Königs- tochter Helene erringt. Eine um 1300 entstandene italienische Novelle1) verlegt das Turnier nach Cornwall und nennt den in der Mark Trevigi ansässigen Ritter Dianese und den dankbaren Toten Gigliotto. Im Deutschen2) haben wir außer dem Gedicht 'Ritter- schen Rates Johann von Croy, Grafen von Chimay (f 1472) angeblich aus dem Lateinischen übertragene Roman 'Olivier et Artus' erschien zuerst im Drucke zu Genf 1482, eine spanische Übersetzung Burgos 1499, eine niederländische Antwerpen um 1510, eine englische London 1518, eine deutsche Basel 1521, eine italienische Venedig 1552; vgl. Foulche- Delbosc, Revue hispanique 9, 587 (1902). Auf der spanischen Übersetzung beruht Lope de Vegas Lustspiel Don Juan de Castro (Comedias ed. Hartzenbusch 4, 373; Schaeffer, Gesch. des span. Nationaldramas 1, 141; Wurzbach. Lope de Vega 1899 S. 206) und das von Belmonte, Rojas und Calderon verfaßte Drama 'El mejor amigo el muerto' (Calderon, Comedias ed. Hartzenbusch 4, 471; R. Köhler 1, 29; Schaeffer 2, 283). x) Novella di Messer Dianese e di Messer Gigliotto ed. A. d'Ancona lS68 = Papanti, Catalogo dei novelliert italiani in prosa 1871 1, XXXVIII nr. 21 (aus dem Cod. Palatino-Panciatichiano 138); vgl. A. d'Ancona, Studj di critica 1880 p. 353 und Ulrich, Die hundert alten Erzählungen 1905 S. 109. 2) Goedeke, Grundriss2 1, 223. 358. 2, 19. F. v. d. Hagen, Gesamt- abenteuer 1, 101 nr. 6 'Rittertreue'; erneuert von Baumbach, Abenteuer und Schwanke 1884 S. 1 'Der Ritter im Rauch'. — Über die Hss. des Herpin vgl. E. Müller, Diss. Halle 1905 und Beth, Jahrbuch der k. preuss. Kunstsamml. 29, 264; gedruckt noch in Marbach-Wolffs Volksbüchern 41—43 und in Simrocks Volksbüchern 11, 213. Isländisch nach Halfdanus Einari, Sciagraphia bist. lit. Islandicae 1777 p. 103: 'Historia Herpeni ducis et Leonis filii eius'. — Ein 1459 in Lübeck aufgeführtes Fastnacht- spiel 'Wo de arme ridder myt woldaet des konyngs dochter vorwarff 217. Der dankbare Tote. 509 treue', in welchem der Held Willekin von Muntaburg heißt, eine im 15. Jahrhundert gemachte Prosabearbeitung des Herzogs Herpin und seines Sohnes Leu, die zu einem Volksbuche wurde und, wie der Zug des im Schornstein aufgehängten Schuldners beweist, noch auf die Volksmärchen des 19. Jahrhunderts einwirkte,1) und Wilhelm Zielys Übersetzung des Olwyer und Artus v. J. 1521, die 1556 von Hans Sachs dramatisiert wurde. Noch im 13. Jahrhundert, vor 1270 aufgezeichnet ist die kurze s chwedis che Erzählung über den Ahn Karls des Großen 'Om Pippinus Franka konung, eller sagan om det jordade liket', wo nicht hartherzige Gläubiger, sondern die Armut der Witwe das Begräbnis des toten Ritters hindern.2) Ihr steht in dieser Beziehung nahe die mittelenglische Romanze 'Sir Amadas';3) weit genauer aber stimmt dazu die lateinische Erzählung aus dem 'Viaticum narrationum' des Henmannus Bonon[iensis], die in der Zs. f. Volksk. 25, 376 nach zwei Kopenhagener Handschriften des 15. Jahrhunderts gedruckt ist. Denn diese beginnt gleich der schwedischen Fassung nicht mit der Verarmung des Helden, sondern mit der Veranstaltung des Turniers, auf dem die Erbin des franzö- sischen Thrones ihre Hand als Preis für den Sieger verheißt; hier wie dort nimmt der Ritter Quartier bei einer Witwe, deren Gatte unbestattet auf der Bahre liegt, und sorgt für dessen ehrenvolles Begräbnis ; hier wie dort erscheint der Tote dann nicht als Ritter, sondern als Knappe (famulus, servus), der dem Helden das treffliche Streitroß unter der bekannten Bedingung überläßt. Nur darin weicht die ausführlichere, doch sicherlich auf die gleiche Quelle zurück- gehende lateinische Fassung ab, daß der Held nicht Herzog Pippin (Nd. Jahibuch 6, 4. 29. 27, 17) hält C. Walther mit dem englischen Amadas zusammen, dessen Name in Hamburg schon im 13. Jahrhundert begegnet. — Über Ziely vgl. Frölicher, Thüring von Ringoltingens Melusine, Zürcher Diss. 1889 S. 61; H.Sachs, Folioausgabe 2, 3, 58; über Auff ülirungen des 'Weissen Ritters' s. Bolte, Das Danziger Theater 1895 S. 28. 59, auch Braunschweig. Magazin 1902, 68. !) Vgl. oben S. 494 f. 2) Ett fornsvenskt Legendarium ed. Gr. Stephens 2, 731 nr. 148 (Stockholm 1858) = *Stephens, Grhost-thanks or The grateful unburied, a mythic tale, Kbh. 1860. 3) Weber, Metrical romances 3, 241 (1810); Robson, Three early english metrical romances 1842 p. 42. Vgl. Hippe, Archiv f. neuere Sprachen 81, 160. 510 217. Der dankbare Tote. von Lothringen heißt, sondern ein armer Bitter ist, der von dem lebt, was er auf den Turnieren gewinnt. Schon im Mittelalter hat dieser Ritterroman Veränderungen erlitten, die ihm einen legendenhaften Charakter aufprägen. Bei dem südfranzösischen Dominikaner des 14. Jahrhunderts Johannes Gobii Junior (Scala celi s. v. Elemosina — Zs. f. Volksk. 25, 397; vgl. Simrock, Gerhard S. 106) ist an die Stelle des dankbaren Toten der heilige Nicolaus getreten, der seinem Verehrer in der Be- drängnis ebenso beisteht, weil dieser seine ganze Barschaft zur Wiederherstellung einer Kirche des Heiligen hingegeben hat ; 1) er stellt ihm, als er mit der geliebten Sultanstochter fliehen will, ein Schiff zur Verfügung, das beide von Alexandria nach Bordeaux führt. Es liegen also mit einigen Veränderungen die Motive A1- 2 B1 D C2 vor. Im sicilischen Märchen bei Gonzenbach nr. 74 'Von einem, der mit Hilfe des h. Joseph die Königstochter gewann', das die wunder- baren Gesellen (oben 2, 89) einmischt, hat der Jüngling dem h. Joseph zu Ehren Tag und Nacht eine Lampe vor seinem Bette brennen lassen; im griechischen bei Hahn nr. 53 'Belohnte Treue' = Kretschmer nr. 55 hat der Vater seinen Sohn verkauft, um die Lampe für seinen Heiligen unterhalten zu können ; in der oben angeführten portugiesischen Erzählung Trancosos kauft der Held die Reliquien zweier Heiligen, und in allen drei Fällen prüft ihn der Heilige zum Schlüsse durch das Verlangen, die Braut in zwei Stücke zu teilen (C4). — Auch in dem altfranzösischen Romane 'Her vis von Metz' (ed. Stengel 1903), der mit der Nicolauslegende bei Johannes Junior näher verwandt ist, fehlt der Loskauf des Toten gänzlich, und der Edelmut des jungen Hervis bewährt sich nur in der Erlösung der gefangenen Beatrix (A2B1D; Benary, Zs. f. roman. Phil. 37, 67. 90), während Rudolf von Ems im Guten Gerhard als zweite Edelmutsprobe die Rückgabe der losgekauften Jungfrau an ihren Bräutigam (A3) anfügt und nur durch vereinzelte Züge wie die Bortenwirkerei der norwegischen Königstochter, den sie von ihrem ersten Verlobten Wilhelm von England trennenden Sturm und die Wiedererkennung mittels eines Ringes einen Zusammenhang mit der alten Erzählung leise durch- x) In einem russischen Märchen (v. Löwis nr. 48; vgl. Radioff 1, 329) kauft der Held ein Bild des h. Nicolaus, das als Bürge des armen Schuldners geprügelt werden soll. Bei Bin Gorion, Der Born Judas 1, 172. 361 verhilft nicht der Tote, sondern der Prophet Elia dem Helden zur Braut. 217. Der dankbare Tote. 511 schimmern läßt.1) In den Grundzügen stimmt mit dem Guten Gerhard eine hebräische Erzählung überein, die sich in dem um 1030 zu Kairuan in Nordafrika geschriebenen Maassijöth mehajeschuäh des Rabbi Nissim ben Jakob2) findet; nur ist da von keiner Seefahrt und keiner Königstochter die Rede, und statt des Kölner Kaufmanns tritt ein frommer Metzger als Held auf. Wenn wir nun auch bei der Aufzählung der Varianten unseres Märchens bis ins 13. Jahrhundert zurückgelangt sind, so ist damit seine Wurzel noch nicht bloßgelegt ; wir müssen daher seine Bestand- teile einzeln betrachten. Dabei ergibt sich leicht, daß das Haupt- motiv A1, die als verdienstliche Tat gepriesene Bestattung des unbekannten Toten, in uralte Zeit zurückreicht. Man braucht nur an den ägyptischen Glauben an die durch die Erhaltung des Leibes bedingte Fortdauer der Seele zu denken, an Patroklos und Elpenors Bitten um Bestattung ihres Leichnams bei Homer oder an das athenische Gesetz, das den Wanderer verpflichtete, den am Wege liegenden Toten mit Erde zu bedecken.3) Und auch von dem Lohne solcher Wohltat wird berichtet; dem Dichter Simonides erscheint der von ihm Bestattete im Traum und warnt ihn, das zum Untergange bestimmte Schiff zu besteigen;4) des frommen Tobit Sohn geleitet der gottgesandte Engel Raphael in die Fremde und verhilft ihm zu einer reichen Braut. In unserem Märchen erscheint die Wohltat um so größer, als der Leichnam zumeist einem hartherzigen Gläubiger abgekauft werden muß. Von einem so strengen Verfahren gegen den x) Rudolf von Ems, Der gute Gerhard ed. Haupt 1840 v. 2916. 3996. 4591; Simrock, Gerhard S, 118. Vgl. nochR. Köhler 1, 18, 32 und Gerould, Publications of the Modern language association 20, 529 über die Fabel im allgemeinen. Der Verzicht auf die Braut wird dadurch natürlicher, daß ihr Befreier, der gute Gerhard, sie nicht für sich begehrt, sondern mit seinem Sohne verlobt hat. 2) Aus A. Jellineks Beth hamidräsch 5, 136 (1873) verdeutscht von Gaster, Germania 25, 280; vorher bei Tendlau, Fellmeiers Abende 1856 S. 110 = Germania 12, 55 = R. Köhler 1, 32 = Wünsche, Aus Israels Lehrhallen 4, 133 (1909). Bin Gorion, Der Born Judas 1, 114. 117. 355. Nach Steinschneider wäre der Verfasser jedoch Rabbi Nissim ben Ascher ben Meschullam im 13. Jahrhundert gewesen. 3) Erman, Ägypten 2, 415 (1887); Rohde, Psyche 1894 S. 200. 627. Homer, II. 23, 71. Od. 11, 71; Aelian, Varia bist. 5, 14; Horaz, Od. 1, 82; Gerould p. 163. 4) Cicero, De div. 1, 27; Valerius Maximus 1, 7 ext. 3; Petrarca, Rerum memorandarum lib. 4 c. 3, 33 ; Lafontaine, Pables 1, nr. 14. 512 217. Der dankbare Tote. bösen Schuldner weiß zwar das deutsche Recht1) nichts ; aber in Ägypten hatte Bokchoris dieses Gesetz erlassen, und in Athen durfte der im Schuldgefängnis verstorbene Miltiades nicht eher begraben werden, als bis sein Sohn Kimon für ihn in den Kerker ging.2) Auf der Insel Timor herrschte sogar noch im Jahre 1870 die Bestimmung, daß die feierliche Bestattung des Toten, die wegen ihrer Umständ- lichkeit und Kostspieligkeit oft ein Jahr lang aufgeschoben ward, nicht eher stattfinden durfte, als bis alle Schulden des Verstorbenen bezahlt waren.3) Es ist also wohl denkbar, daß unser Märchen gleich der von Simrock4) bis auf das römische Zwölftafelgesetz zurück- geführten Fabel vom Fleischpfande in eine Kulturstufe zurückreicht, in der ein Gläubiger nicht nur über Leben und Tod seines Schuldners, sondern auch nach seinem Tode über seinen Leichnam zu verfügen hatte. Eine Umwandlung unserer Erzählung im christlichen Sinne zeigen die bereits von Hippe (Archiv 81, 167) zusammengestellten russischen, schwedischen und isländischen Passungen, in denen es sich nicht um die Beerdigung des Toten, sondern um seine Grabes- ruhe durch Aussöhnung mit der Mutter oder dem Gläubiger handelt.5) Überhaupt wird im Mittelalter die Christenpflicht betont, für die Seelen der Entschlafenen zu beten und so die Qualen des Fegfeuers zu lindern. Zum Danke dafür zeugen Tote für den fälschlich ver- J) J. Grimm, RA.4 2, 161—168 ; über das unehrliche Begräbnis von Selbstmördern und Verrätern ebd. 2, 325 ; Rohde, Psyche S. 201. 2) Herodot 2, 136; Diodor 1, 94; Valerius Maximus 5, 3 ext. 3. 5, 4 ext. 2. — Auf der Erzählung von Kimon beruht wohl das von Gerould p. 43 angeführte Schauspiel Massingers 'The fatal dowry' (1632), das Rowe in 'The fair penitent' (1703) benutzte. 3) Gramberg in Verhandelingen van het Bataviaasch Genootschap 36, 212; Huet, Revue des trad. pop. 24, 307. 4) Simrock, Die Quellen des Shakespeare5 1, 238 (1872). Ihm stimmt Huet bei. 5) In einem kleinrussischen Märchen aus dem Gouv. Kursk (Etnograf . Zbirnyk 34, 30 nr. 640) geht der Gläubiger eine Woche lang zum Grabe des verstorbenen Schuldners und schmäht ihn ; erst als dieser nachts erscheint und ihn prügelt, gibt er es auf, ihn zu mahnen. Im vlämischen Märchen hat der Scbneider im Grabe nicht eher Ruhe, als das von ihm gestohlene Geld zurückgegeben ist. Vereinzelt steht das oben S. 498 an- geführte schottische Märchen, in welchem drei Tote keine Ruhe finden, weil ihre Köpfe vertauscht sind. 217. Der dankbare Tote. 513 klagten Priester,1) beschirmen den Bitter wider seine Verfolger,21) verschaffen dem Bedürftigen Unterhalt5) oder hüten die Ehre einer Jungfrau ; 4) insbesondere hebt eine Schweizer Sage5) die Dankbarkeit der Hingerichteten hervor, wie ja auch in der zweiten münster- ländischen Passung ein Gehängter als dienstbarer Geist des Schneiders auftritt. In unserem Märchen stattet der Tote dem Helden seinen Dank entweder dadurch ab, daß er ihm eine schöne und vornehme Braut erringen hilft (C1) oder den durch einen Nebenbuhler in die See Gestoßenen rettet und mit seiner Gattin vereinigt (C2). In einer holländischen und einer dänischen Fassung tritt der Geist einer toten Frau als Helfer auf. Der Loskauf der gefangenen Königstochter (Aa) erscheint schon bei Johannes Junior, im Hervis von Metz, im Guten Gerhard und beim Babbi Nissim ; da er aber in der ritterlich- romantischen Form der Erzählung, im Bichars, Herpin, Olivier, Dianese. Willekin, Pippinus, Viaticum narrationum und Amadas, fehlt, wird man dies Motiv für einen Zusatz des Legendendichters halten, der eich um Ersatz für das fortgefallene Motiv der Totenbestattung bemühen mußte. Später haben Straparola, Frau von Gomez und viele neuere Erzähler beide Züge A1 und Aa vereinigt, während Peele z. B. noch dem Bitterromane folgt. J) Jac. a Voraglne, Legenda aurea c. 163; Klapper, Exempla 1911 nr. 36 ; Klapper, Erzählungen des MA. 1914 nr. 90. 190 ; Libro de los enxemplos c. 228 (Bibl. de autores esp. 51, 504). 2) Geiler, Emeis 1517 Bl. 39a = Stöber, Zur Geschichte des Volks- aberglaubens 1856 S. 24 ; Abraham a S. Clara, Lösch Wien 1688 S. 35 ; Schweizer Volkskunde 3, 93 (1914). 4, 93; Kohlrusch, Schweizer. Sagen- buch 1854 S. 422 ; Herzog, Schweizersagen 1, 161 (1887) ; Jegerlehner, Sagen aus dem Unterwallis S. 78 nr. 13 'Die unsichtbare Leibwache' ; dazu 2, 299 ; Stöber-Mündel, Sagen des Elsasses 2, 24 nr. 25 ; Zingerle, Sagen aus Tirol2 nr. 480; Seifart, Hildesheim 1, 16; Wolf, DMS.nr. 386; Wolf, Ndl. Sagen nr. 318 = A. de Cock, Brabantsch Sagenboek 1, 183 =■ Goyert- Wolter S. 133 ; Busk, Folk-lore of Borne p. 259. 8) Busk p. 261 'The dead man's letter'. 4) Chevalier de la Tour Landry 1854 eh. 3 = Bitter vom Turn cap. 2. — Tote beten für die sterbende Nonne : Menzel, Geschichte der dt. Dichtung 2, 167. Der tote Gast freut sich beim De prof undis : Pauli, Schimpf und Ernst c. 467 ; Gering, Islendzk Aeventyri nr. 34. 5) Lütolf, Sagen aus den fünf Orten 1862 nr. 80 'Die dankbaren Toten zu Ingenbohl'. Vgl. über den Kultus der Hingerichteten Beinsberg-Düringsfeid, Ethnogr. Curiositäten 1879 2, 26, Hartland, Folk-lore 21, 168 und Pitre, Proverbi, motti e scongiuri sicil. 1910 p. 416. G-riinm. Märchen-Anmerknngan III. gg 514 217. Der dankbare Tote. Uro die Erkennung der geraubten und losgekauften Prinzessin herbeizuführen, ward das Motiv D der kunstvollen Stickerei (bei Johannes Junior) ersonnen, für die später auch eine Fahne oder ein Bildnis eintrat. Vielleicht ist dieser Zug, der in Schondochs Königin von Frankreich (H. Heintz 1908 8. 7), im Busant, in der guten Frau und in der Berthasage (Maßmann, Kaiserchronik 3, 975) wiederkehrt, orientalischen Erzählungen entlehnt; denn auch in 1001 Nacht (Henning 7, 59 'Ali Schar und Sumurrud' ; 15, 33 'Ali Nureddin und Marjam'. Chauvin 5, 52. 89. Parker 2. 130 nr. 104) führt der von der losgekauften Jungfrau angefertigte Vorhang oder Gürtel, den der Jüngling verkauft, einen Schicksalswechsel herbei. Weitverbreitet und nicht erst für unser Märchen erfunden ist das Motiv von dem unverhofften Erscheinen des totgeglaubten Gatten (oder Verlobten) auf der Hochzeit seiner Frau mit einem anderen Manne.1) Die vom hilfreichen Toten ausbedungene Teilung alles Gewinnes wird in der ritterlich-romantischen Form unsers Märchens lediglich in der Absicht eingeführt, den Helden als ehrenfesten Worthalter zu schildern : dieser verzichtet, um seine Frau zu behalten, auf alle Reichtümer (Richars, Herpin, Dianese, Pippinus) oder hebt das Schwert, um seine Gattin (Amadas, Viaticum narr.) oder sein Töchterchen (Olivier) zu zerhauen, oder öffnet sogar dem Genossen weinend die Tür zum Ehegemach (Willekin). In einer Reihe späterer Fassungen dagegen (in serbischen, russischen, zigeunerischen, arme- nischen, tatarischen, kalmükischen, arabischen) wird die Teilung der Frau nicht wie im Amadas zur Prüfung der Treue (C4) gefordert, sondern um den Helden vor den im Leibe der Braut verborgenen Giftschlangen zu bewahren (C3).2) Im zigeunerischen und armenischen !) Vgl. oben 2, 59. 319. 348; R. Köhler 1, 117. 584; Splettstösser, Der heimkehrende Gatte und sein Weib in der Weltliteratur 1899 S. 31 — 44 ; Sozonovic, Zur Frage über den abendländischen Einfluß auf die slawische und russische Literatur 1898 S. 260—545. 2) Im grusinischen Volksepos von Tariel streiten zwei Brüder um die aus der Gefangenschaft der Dämonen befreite Schöne ; als der eine das Schwert zückt, um sie in zwei Stücke zu teilen, speit sie erschreckt kleine Teufel aus (Sbornik Kavkaz. 12, 1, 74 Anm.). Dagegen wird in der kabardinischen Erzählung 'Karabatyr-Zane und seine Hochzeit' (ebd. 12, 1, 51) die treulose Frau, deren Teilung der Gefährte des Helden verlangt hat, nicht wieder belebt. 217. Der dankbare Tote. 515 Märchen gleitet der Braut, als sie in zwei Hälften gespalten werden soll, die Schlange aus dem Munde; im tatarischen und im russischen Chudjakovs wird die Trau wirklich zerlegt und wunderbar wieder zusammengesetzt. Augenscheinlich liegt hier, wie Gerould p. 44 er- kannt hat, der Einfluß der Fabel vom Giftmädchen vor, die im 12. Jahrhundert durch die aus dem Arabischen übersetzte pseudo- aristotelische Schrift 'De secretis secretorum' in die europäische Literatur, z. B. in die Gesta Romanorum c. 11, drang.1) Aus anderer Quelle stammt der Kampf des geisterhaften Helfers mit einem Dämon oder Drachen, der in der Brautnacht den Freier des Mädchens umzubringen trachtet. Dies ist ein Motiv des vielgelesenen apokrypkischen Buches Tobit,2) dessen Einfluß sich z. B. in mehreren russischen Fassungen unseres Märchens offenbart, und ist uns auch aus den Märchen vom treuen Johannes (oben 1,46) und dem 'Reise- kameradenr Andersens (oben S. 83) bekannt. Wir haben somit keine zwingende Veranlassung, mit Benfey (Pantschatantra 1, 219) und Hippe (Archiv 81, 175) in der jungen armenischen Fassung vmd ihren nächsten Verwandten die orientalische Urform unserer Erzählung zu sehen und diese, wie von anderer Seite geschehen ist, für die Vorlage des Buches Tobit zu erklären. Wo der Gedanke zuerst entstand, den Geist des bestatteten Toten in einer Sage oder einem Märchen als Diener und Helfer des gutherzigen Helden auftreten zu lassen, wissen wir vorläufig nicht. Sicher aber ist, daß dieser Stoff sich außerordentlich geeignet erwies, mit verschiedenen anderen Märchenmotiven Verbindungen einzugehen, die, wie Gerould p. 173 hübsch bemerkt, keine Konvenienzheiraten waren, sondern auf Neigung und Anpassungsfähigkeit beruhten. Außer den bereits berührten Motiven der losgekauften Jung- frau, des Giftmädchens und des in der Brautnacht erscheinenden Dämons kommt in Betracht der gleichfalls schon genannte 'Reise- kamerad', der die Aufgaben der Braut des Hexenmeisters für den 1) W. Hertz, Die Sage vom Giftmädchen (Abh. der Münchner Akad, 1893, 89 = Hertz, Gesammelte Abhandlungen 1905 S. 156). 2) Vgl. Wickram, Werke 6, VI und über das Verhältnis zu unserem Märchen Groome, Folk-lore 9, 226 (1898); Cosquin, Bevue biblique inter- nationale 8, 50 (1899); M. Plath, Theol. Studien und Kritiken 1901, 377; Charles, The apocrypha of the old testament 1, 188 (1913) ; Bousset, Nachr. der Göttinger Ges. der Wiss. 1916, 494; auchHuet, Revue des trad. pop. 24, 300 f. 516 217. Der dankbare Tote. Helden löst und den Hexenmeister enthauptet (oben 8. 83). Dem 'treuen Johannes' (oben 1, 42) ist der dankbare Tote zu ver- gleichen, der im ostpreußischen Märchen (Lemke 2, 88 'Vom Prinzen, der gehängt werden sollte') nachts mit drei bösen Geistern ringt. Im spanischen 'El marques del Sol', das zu den 'beiden Königs- kindern' (oben 2, 521) gehört, weist der dankbare Tote den Jüng- ling zu den badenden Schwanjungfrauen. In deutschen, irischen und italienischen (Ey S. 113 'Der Schneidergesell und der Geist'. Hyde p. 19; Dottin p. 55; Gonzenbach nr. 74) gesellt er sich zu den Gefährten mit wunderbaren Eigenschaften (Grimm 71; oben 2, 87). Er erscheint ferner in einer gasconischen Variante des 'Erdmännekens' (oben 2, 304) bei Blade 2, 46 'L'homme de toutes couleurs' und in einer irischen Parodie des 'Bruder Lustig' (oben 2, 159) bei Hyde p. 148 'Neil O'Carree'. In einer bretonischen Legende bei Luzel, Legendes ehret. 1, 68 'Le fils de St. Pierre' trägt ein dankbarer Toter den Jüngling, der seinen Vater im Paradiese besuchen will, übers Meer. Ein solcher tritt auch in einer russischen Fassung der Zwillingsbrüder (oben 1, 541) bei Oncukov nr. 152 auf; in einer ostpreußischen Variante der klugen Tiere (oben 2, 455) bei Lemke 2, 264 'Vom Prinzen, der eine Beeßkröte küßte' schenkt er dem Helden einen Zauberring; in einem spanischen Seitenstück zu 'Ferenand getrü' (oben S. 23) bei Caballero 1878 p. 23 'Bella Flor' erscheint er sogar als ratgebender Schimmel. Tiergestalt nimmt er auch in vielen Fassungen des 'goldenen Vogels' (oben 1, 504) an, die Gerould p. 127 — 152 z. T. bespricht: Zingerle, KHM.2 1, 254 nr. 49 'Der blinde König' = Simrock, Gerhard S. 80 (Wolf); schwedisch bei Wigström, Folkdiktning 1,261 'Fogel Grip' (Fuchs); französisch Cosquin 1, 208 nr. 19 'Le petit bossu' ; Luzel, C. 2, 176 'La princesse Marcassa et l'oiseau Dredaine'; 2, 209 'La princesse de Hongrie' ; Sebillot, C. 1, 1 'Le petit roi Jeannot'; Pineau, C. du Poitou p. 21 'Le merle blanc'; Revue des trad. pop. 9, 177 'Le merle blanc' (Fuchs holt später die Hälfte des ersten Kindes); italienisch Nerucci nr. 52 'Lalieprina' (oben S. 500); Archivio 3, 233. 373. 551 'II merlo bianco' ; maltesisch Stumme nr. 12 ; portugiesisch Romero nr. 10, baskisch Webster p. 182; Cerquand nr. 101; cechisch Nemcova 1, 116 nr. 10; mexikanisch Journal of amer. folklore 25, 194 nr. 3. Auch in einer Vorstufe dieses Märchens, dem im 13. Jahrhundert aus dem Französischen übersetzten nieder- ländischen Versroman Walewein (oben 1, 511), wird das Liebes- 218. Die getreue Frau. 517 paar durch den Geist des roten Ritters, der für seine Bestattung danken will, aus dem Gefängnis befreit, nachdem vorher ein Tuchs dem Helden Helferdienste erwiesen hat. — Wir sehen, überall er- füllt hier der dankbare Tote die gleiche Aufgabe wie anderwärts eine freundliche Fee, ein Zwerg, ein Bettler, in dessen Gestalt sich ein Heiliger gehüllt hat, oder ein dankbares Tier: er tritt dem Helden, nachdem er ihn als gutherzig und mildtätig erprobt hat, als Berater und Helfer in Gefahren zur Seite. 218. Die getreue Frau. Et was emoel en Graf, de was ungefähr drey veerdel Jahrs ver- hierodet, do most he reisen, do kam he unner de Schlawen in de Tiirkie. Esse he do unner de Schlawen is, do werd gar sien Himd nich schwatt. Do meldt se dat an den Türkenkünig, de lät en vor sick kämen un frögt em, wu dat wöre. Do seg he, he wöre en Graf un hädde sone schöne Erau, de hädde em dat Himd giewen, un dat würd nich eher schwatt, büs he eer ungetrüe wörde. Do seg de Künig, he soll an sine Frau schriewen, dat se keime, dann wull he em auk los giewen. Asse de Groff dat hörde, do kreg he de Angst, un he schickde int geheem an sine Frau un leit eer seggen, se mög sick verbergen, de Türkenkünig wull se halen loten. No en paar Dage do schickde de Künig enen von sine Deiners, de kämm up dat Schiott von den Grofen, men der was kiene Frau to Huse. Un do word he so quat un gaff sick ant Rabellen un Schennen (Schelten), dat was te dull un te erg; men dat kann em alle nix helpen, de Frau Gräfinn konn he nich finden. De Frau awer leit sick die Hoore afschnieden un trock sick an esse en Pilger, un ere Harfe de honk se um ; den se konn eislicke rare up de Harfe spielen. Asse se sick nu so utmondert hadde, do konn eer kien Mensk kennen, un se gonk hen no dat Schipp, wo auk de leige (widerwärtige) Türke up was, und begehrde den Schipper : Tck sin son armen Pilger, ick wull so gern int Türkenland. Nimmt mi doch met!' Sey de Schipper em wier, datkönn nich sien; up eer Schipp wor en Türke, de schlög alles in twe; de wor den so dull, dat he de schöne Gräfinn nich hädde finden können. Do seg de Pilger, he wull dor met ferdig weren, wenn he auk unner de Trappe liggen moste. Do nimmt em endlicks de Schipper in dat Schipp, un he geit unner de Trappe liggen un spielt up de Harfe. Asse de Türk dat hört, do geföllt em dat so gut, dat he den Pilger met no 6inen Künig nimmt, den mot he wat vorspielen. 518 218. Die getreue Frau. Emoel do is de Pilger auk met den Künig in en Gohren, wo de armen Schlawen to arbeiden sind, un de Graf is auk derbie. Do fänk de Pilger an to spielen up sine Harfe un singt: 1. Ich kam vor kurzer Zeit in einen schönen Garten, Darinnen sah ich stehn viel Blumen schöner Arten. Und unter diesen sah ich eine Rose blühn, Nichts mehr gedachte ich als die nach mir zu ziehn. 2. 0 edle Rose du, die du in Dornen sitzest, Und ■wenn du auch sogleich mein zarten Leib zerritzest, So will aus Liebe ich die Wunden tragen gern1). Vergönn mir doch die Ehr und gedenke doch an mich ! 3. Nun muß ich ganz betrübt aus diesem Garten gehen, Niemand wird fragen mich, der mich betrübt gesehen. Ich weiß die Ursach wohl, darf Selbsten mich nicht fragen ; Der Himmel hat jetzt Lust, mein Herz also zu plagen. 4. 0 weh, ich irre sehr, wie hab ich mich vergangen! Was ich so herzlich sucht, das kann ich nicht erlangen. Nunmehro ist die Rose für mich gewachsen nicht; Vielleicht geschieht es bald, daß sie ein andrer bricht. So sunk de Pilger. Un asse de Grof dat hörde, do ducht em, he kennde de Stemme; men de Pilger gaff sick nich to erkennen. DeKünig gewunn den Pilger so leif , dat he altiet by em sien moste un spielen em wat vor up sine Harfe. Do versprack he em, he wull altiet by em bliewen, wenn he drey kristlicke Schlawen de Frieheit giewen wull. Dat versprack de Künig, un de Pilger sochte drey uht, den Grofen un twe annere. Asse nu dat Schipp met de drey wegschippen wull, do.bat de Pilger den Schipper, he mög doch unner sien Fenster her schippen un do leit he sick uht dat Fenster int Schipp un kämm glücklich met weg. Asse se nu in dat Schipp tosamen Seiten, sede de Grof: 'In dat Türkenland was son schön Wicht (Mädchen), de mog ick so gern lieden ; dat däht mi doch leed, dat ick eer kien Adjuß hebbe seggen könnt.' Un asse he dat segt hadde, do worde sien Himd witt-schwatt, un de Frau in dat Pilgertueg ärgde sick, dat eer Mann eer ungetrue worden was, men se stuerde sick (hielt sich zurück) no en lück (wenig) un gaff sick nich to erkennen. Do keimen se glücklich in Dütskland an. Asse se nn ut dat Schipp Stegen, begehrde de Frau den Schipper, he mög maken, dat de Graf sick no en lück lettede (aufhielte), eher he no sien Schiott gönk. x) Vermutlich ist zu lesen: So will aus Liebe gern die Wunden tragen ich. 218. Die getreue Frau. 519 Un se leip veruht nn troek ehr olle Tueg wier an un settede en Prüek met schöne Hoere up un kam so eeren Mann in de Möte. De freude sick, dat he siene Frau wier soeg, un se setteden sick to Diske. De Grof vertelde alle von den guden Pilger un wüste nich, wo de so lange bleef. Do stond de Frau up und trock eer Pilgertueg wier an un nahm eere Harfe un gonk wier in dat Zimmer no eeren Mann un sunk dat Leed, wat se in den Gohren in Türkenland sungen hadde. Do erkannde de Grof, dat de Pilger siene Frau war un dat de em uht de Schlawerie erlöset hadde, un he foll ehr to Föten un bat eer um Vergiebnüß, dat he eer bo!d wör ungetrüe worden. Men de Frau böhrde (hob) em up un dückde (küsste) em un sede, et soll alle vergerten und vergiewen sien. Do gongen se wier to Diske Sitten un eiten un drünken un leweden glücklich bes an eer seliges End. Un dat Pilgertueg un de Harfe höngen se up in de Kapelle von dat Schiott to en ewigen Angedenken. Aus dem Münsterlande in den Jahren 1812 — 1814 durch die Familie von Haxtbausen erhalten. Gedruckt 1916 von Bolte in der Zs. f. Volkskunde 26, 19. — In einer kürzeren hochdeutschen Fassung aus derselben Gegend gibt die Prinzessin ihrem Gatten ein weißes Tuch mit, solange das weiß bliebe, wäre sie ihm treu; als Pilger verkleidet, bittet sie den König, ihr den vor den Pflug ge- spannten Sklaven und dessen Vetter im blauen Kock freizugeben, und zieht mit dem Vetter mit. Ihr Mann läßt sich von seiner Mutter bewegen, wieder zu heiraten, und ladet seinen Vetter und den Pilger zur Hochzeit. Dieser reicht dem Bräutigam im Weinglase den Treuring und wirft seinen Mantel ab, da steht seine Frau im Hochzeitskleide vor ihm. Die eingelegten Verse fehlen völlig, ebenso die Versuchung durch den Gesandten des Sultans. Die Hauptmotive dieser Erzählung sind : A. Ein Graf gerät in türkische Sklaverei. — B1. Da er ein Hemd (Tuch) trägt, das weiß bleibt, solange seine Frau daheim ihm die Treue wahrt, (B2) versucht ein Abgesandter des Sultans die Frau zu verführen, doch vergeblich. — C. Diese folgt als Pilger verkleidet dem Türken und erringt durch ihr Harfenspiel und ihren Gesang des Sultans Gunst, so daß er ihr drei Christensklaven schenkt, darunter ihren Gatten. — D. Als der Graf heimgekehrt bedenkliche Eeden über die lange Zeit verschwunden gewesene Gattin vernimmt, tritt sie ihm in ihrer Pilgertracht entgegen und gibt sich als seine Befreierin zu erkennen. Weitere Aufzeichnungen aus dem Volksmunde liegen vor aus Wembach im Odenwalde bei W. v. Plönnies, Zs. f. dt. Mythol. 2. 377 -Die getreue Frau' (AB1,2 CD; 9 Strophen), aus Beichelsheim 620 218. Die getreue Frau. ebenda bei Wolf, Hausmärchen S. 98 'Die getreue Frau' (AB1-2CD; drei Brüder, das bei der Gattin zurückgelassene blanke Schwert wird trübe; 6 Strophen), aus dem Rheinlande bei Simrock, Märchen nr. 4 'Der Mann im Pflug' (AB1-2 CD; 10 Str.), aus Gartrop bei Wesel (1842) in der Zs. f. Volksk. 26, 20 (AB1 CD; 5 Str.); aus Deringhausen in Waldeck bei Curtze S. 141 'Die treue Frau' (AB13 CD; zwei Brüder; 11 Str.), aus Holstein bei Müllenhoff S. 586 nr. 607 'Von dem König von Spanien und seiner Frau' (A B1- 2 C D ; 1 Str.) und Zs. f. Volkskunde 2, 201 'Die sieben Grafen' (AB1*3 CD; 13 Str.), aus Mecklenburg bei Bartsch 1, 482 'Die singende Besenbinderstochter' (ACD; keine Verse), aus Branden- burg (1847) in der Zs. f. Volksk. 26, 22 (Liebhaber im goldenen Ziegenbock versteckt; AB1,2 CD; 9 Str.) und aus Pommern bei Jahn 1, 168 nr. 32 'Der Pilger' (ACD; 10 Str. Zwei Brüder befreit; die arglistige Schwägerin verklagt die Königin); vgl. S. 369 (Besen- binderstochter, von ihrer Schwägerin beneidet. ACD) und Jb. f. nd Sprachforschung 12, 158. An bestimmte Personen und Orte geknüpft, erscheint dieselbe Erzählung in einer kärntischen Sage von Heinrich von Taggenbrunn bei Graber 1914 nr. 536 'Das weiße Hemd' (AB1,2 CD; keine Verse), einer oberösterreichischen von Christoph von Haym bei Gloning 1912 S. 76 (ACD; keine Verse) und einer hessischen von Konrad von Tannenberg bei Wolf, Hessische Sagen nr. 238 (ACD; keine Verse). Als eine eigentümliche Besonderheit unsres Märchens wirken die gleich Arien in die Prosaerzählung eingelegten Strophen, welche in den meisten der aufgezählten Fassungen der als Spiel- mann verkleideten Heldin, bisweilen auch ihrem Gatten in den Mund gelegt werden. Plönnies berichtet, daß im Odenwalde beim Absingen der Strophen die Zuhörer als Chor einfielen; nach Jahn werden sie in Pommern auch selbständig gesungen, nachdem das Märchen in ungebundener E,ede vorgetragen ist, ebenso wie der Erzähler der Historie von der h. Genovefa zum Schlüsse gemeinsam mit seinen Zuhörern das Lied von der Genovefa anstimmt. Woher stammen aber diese sentimentalen Alexandriner? Man kann bestimmter als Thurau (Singen und Sagen 1912 S. 100) vermuten: aus einem Schauspiele oder Singspiele des 18. Jahrhunderts. Dafür spricht schon die Tatsache, daß die Liedstrophen sich seit etwa 1780 auf fliegenden Blättern, betitelt 'Fünf schöne anmuthige Arien' (Berlin 218. Die getreue Frau. 521 Yd 7911, 48) oder ähnlich, gedruckt nachweisen lassen.1) Aus der 'Ganz neuen Lust-Rose' 1807 nr. 21 abgeschrieben steht der Text 'Was fehlet dir, mein Herz, daß du so in mir schlagest?' (14 Str.) in einer von K. T. Heinze zusammengestellten Liedersammlung auf der Bonner Universitätsbibliothek S. 504 nr. 6 und in F. v. d. Hagens Berliner Ms. germ. oct. 405, nr. 99. Freilich sucht man vergeblich nach einem Hinweis auf das Schauspiel oder die Namen der Personen ; nur in einem um 1800 entstandenen Blatte der Solbrigschen -Buch- druckerei in Leipzig2) heißt es vor Str. 9 'Antwort des Geliebten' und vor Str. 11 'Antwort der Geliebten'. Aber bei weiterer Umschau gewahren wir eine ziemlich ausgedehnte literarische Vergangenheit des Märchenstoffes. Vor allem gebührt unsere Aufmerksamkeit dem aus dem Ende des 15. Jahrhunderts stammenden Mainzer Meisterliede vom Grafen Alexander von Mainz in der Zugweise Frauenlobs, des berühmten, in Mainz bestatteten Minnesängers: 'Ein edler herr was zu Mencz gesessen'.1) Es behandelt in 31 Strophen zu 17 Zeilen die Motive i) Berlin Yd 7905, 32. 58. Yd 7908, 60. Yd 7909, 89. Yd 7911, 39. 48. Yd 7912, 20. Yd 7921, 33. Erks Nachlaß 4, 358. 7, 17. 16, 276. 316. 33, 306. 755. Hamburg, Bibl. des V. f. hamburg. Geschichte : F. A. Cropp, Hamburger Drehorgellieder 2, 178. J. Meier, Kunstlieder im Volksmunde 1906 S. 85 nr. 549. — Aus dem Volksmunde 6elber schöpfen: Ditfurth, Volks- und Gesellechaftslieder 1872 nr. 32^(14 Str.), Erk, Volkslieder 2, 1 nr. 3 (1841. 7 Str.) = Erk-Böhme, Liederhort 2, 492 nr. 694 = Mittler nr. 784, Zs. f. Volksk. 26, 21. 23, Mündel, Elsässische VI. 1884 nr. 81 (9 Str.), Wolfram, Nassauische VI. 1897 nr. 237 (6 Str.) Heeger, VI. aus der Rheinpfalz 2, 21 nr. 168 (1909. 11 Str.), Birlinger und Crecelius, Deutsche Lieder 1876 S. 8 (3 Str.), Heß, Liebeslieder von unbekannten Verfassern 1911 nr. 35 (9 Str.), J. E. u. P. S., VI. aus den Wolgakolonien 1914 nr. 68 (5 Str.). — Man hat doch wohl anzunehmen, daß diese Strophen von vornherein für unsre Situation gedichtet wurden. In die Ballade vom edlen Möringer (Erk-Böhme nr. 28) sind allerdings, worauf Dr. F. Bieser hinweist, zwei Strophen aus einem Minneliede Walthers von der Vogelweide als Gesang des unerkannten Pilgers ein- gelegt. 5) Berlin Yd 7912, 20. Es wurde 1802 in Dresden der Zensur- behörde vorgelegt (Mitt. des V. f. sächs. Volkskunde 4, 304). 8) Die histori von dem grafen in dem pflüg. Bamberg, hinter sant Merty [Hans Sporer] 1493. 4° (Panzer, Annalen 1, 207 nr. 366). — Von dem graffen in dem pflüg, gesangweisz von Meincz. Erffort, Hans Sporer 1495 (Berlin Yd 8150). Abgedruckt Zs. f. Volkskunde 26, 88 Über andre Drucke vgl. ebd. 26, 262. 522 218. Die getreue Frau. AB1,2 CD und klingt im Eingange an das ältere Lied vom edlen Möringer an, der gleichfalls nachts plötzlich der neben ihm ruhenden Gattin seinen Entschluß, ins heilige Land zu wallfahren, mitteilt.1) Als der Graf alle Abmahnungen seiner besorgten Frau rauh zurück- weist, betet sie zu Gott; und dieser sendet einen Engel, der sie ein Hemd für den Gatten machen heißt ; das werde weiß bleiben, solange sie ihre Ehre behalte. Auch wie der heidnische Ritter ihr verheißt, den Gefangenen heimzusenden, wenn sie seines Willens pflegen wolle, erscheint ein Engel und rät ihr, ein Mönchsgewand anzulegen, sich eine Platte scheren zu lassen und mit ihrem Saitenspiel dem Eitter zu folgen. So gelangt sie zum Heidenkönig und erfreut ihn durch ihre Kunst dermaßen, daß er ihr erlaubt, sich unter den gefangenen Christen einen Reisegefährten zu wählen. Sie führt den vom Pfluge erlösten Grafen heim, verläßt ihn aber eine Tagereise vor Mainz, angeblich um ins Kloster zurückzukehren. In weiblicher Tracht empfängt sie daheim den Gatten ; seine Mutter aber klagt ihm, zween Monat und ein ganzes Jahr sei seine Frau nicht hier gewesen. Da geht diese hinaus, legt ihre Mönchskutte an, tritt wieder herein und widerlegt durch Alexanders Brief und ein Stück von seinem Hemd, das sie sich nach seiner Befreiung ausgebeten hatte, die Anschuldigung. Zum Beschluß berichtet der Dichter, daß man zu Mainz am Grabe der beiden Eheleute noch das Hemd und die Kutte zeige und ihren Jahrestag froh begehe. Dies umfängliche Meisterlied in künstlichen, doch allzu lang- atmigen Strophen ist, soweit wir wissen, die älteste Behandlung des Sagenstoffes, von dem die Mainzer Lokalüberlieferungen keine Spur *) Erk-Böhme, Liederhort 1, 89 nr. 28; vgl. F. Vogt, Paul-Braunes Beiträge 12, 435. Das Vorbild für diesen Eingang lieferte vermutlich die Sage von Heinrich dem Löwen; auch Reinfried von Braunschweig (v. 13617 ed. Bartsch 1871) und der namenlose Herzog von Braunschweig in Michel Wyssenkerres Gedicht (Str. 2 ed. Seehausen 1913 S. 151) teilen nachts der Gattin den gleichen Entschluß mit; aber beidemale ist dieser durch ein voraufgegangenes Traumgesicht begründet ; dem Reinfried, der seit zehn Jahren vergebens auf einen Erben wartet, hat die Jungfrau Maria einen Sohn verheißen, wenn er eine Fahrt ins heilige Land unter- nehme. Dagegen läßt Heinrich Göding im Gedicht von Heinrich dem Löwen (1585. Paul-Braune, Beitr. 13, 296) diese ganze Einleitung fort. In den Gesta Romanorum c. 249 ed. Oesterley faßt Octavianus, der Gatte der hartgeprüften treuen Frau, zwar in einer Nacht den Plan einer Palästinafahrt, redet aber erst am Morgen davon zu Frau und Bruder. 218. Die getreue Fi au. B23 mehr enthalten, und zugleich die unmittelbare oder mittelbare Quelle aller folgenden Bearbeitungen. Von dem Erfurter Drucke von 1495, der uns die zwei Jahre zuvor in Bamberg bei demselben Buchdrucker Hans Sporer1) erschienene Erstausgabe ersetzen muli, weichen merk- würdigerweise alle folgenden Drucke darin ab, daß sie die Heimat des Helden von Mencz (so lautet die volkstümliche Schreibung des 15. Jahrhunderts für Mainz; vgl. Chroniken der dt. Städte 17, 3. 412) nach Metz verlegen. Schon die niederdeutsche Prosafassung, die 1500 zu Magdeburg erschien, zeigt diese vermutlich aus einer Ver- lesung der Abkürzung Mecz hervorgegangene Angabe und fügt, um den Ort der Handlung zu charakterisieren, 'eine clene Vorrede van der werdygken stad Metze' hinzu, die auf Schedels Chronik von 1493 Bl. 110 b fußt. Sehr bald aber trat eine modernisierte Umgestaltung mit dem Meisterlied e in Wettbewerb.2) Inhaltlich unterscheidet sich dies in zwei Fassungen vorliegende Lied vom Grafen von Rom von jenem dadurch, daß es das wunderbare Hemd (B1) und die zweimalige Engelerscheinung fortläßt; der Heidenkönig will den Grafen nur dann freigeben, wenn seine Frau ihn abhole, und sendet einen Boten mit dem Schreiben des Grafen an die Frau ; diese schlägt aus Furcht für ihre Ehre das Verlangen ab, zieht aber als Mönch ver- kleidet mit ihrer Harfe hin und erlöst den Gatten. Außer diesen eine realistische Auffassung verratenden Abweichungen erwies sich die Wahl einer kürzeren Strophenform vorteilhaft, und zwar ward die nur bruchstückweise erhaltene Fassung in dreizehnzeiligen Strophen3) völlig verdrängt durch das nach einer eigenen achtzeiligen Weise gesungene Lied 'Ich verkünd euch neue Märe' 4) (31 Str.), das bis in die zweite Hälfte des 17. Jahrhunderts gedruckt und ins *) Vgl. über ihn Allgem. d. Biographie 35, 271. 2) Richtig nimmt Unland (Schriften 4, 305) den Alexander von Metz für älter an als den Grafen von Rom, wenn ihm auch gleich allen späteren Forschern seine Mainzer Herkunft verborgen blieb. 8) Ain Spruch von aim grafen : 'Nach singen tichten stet mein mut', 11 Strophen in Herzog Ernsts Ton, unvollständig. Aus einer Regensburger Hs. des 16. Jahrh. (Cgm. 5919, 340) abgedruckt bei Keller, Erzählungen aus altdeutschen Hss. 1855 S. 168. 4) Der G-raff von Rom. Nuremberg, Adam Dyon 1510 (Erlangen). Erk-Böhme, Liederhort 1, 93 nr. 29. Über andre Drucke vgl. Zs. f. Volkskunde 26, 282. 524 218. Die getreue Frau. Niederdeutsche,1) Niederländische, Dänische, Schwedische und Is- ländische3) übersetzt wurde. Diese beiden kurz vor 1500 und kurz darauf entstandenen Balladen haben mehrfach auf Literatur und Volkssage eingewirkt- Den Alexander von Metz im weißen Badhembd im Pflug' erwähnt nicht bloß Fischart im 5. Kapitel des Gargantua (1891 S. 107), sondern es versuchte auch 1584 der Buchhändler Clemens Stephani in Eger sein Schauspiel 'Alexander im Pflug' mit Schulknaben zur Aufführung zu bringen, freilich vergeblich; dagegen wurde 1595 auf der Wilhelmsburg zu Schmalkalden vor dem Landgrafen Moritz von Hessen eine Komödie vom Grafen Alexander am Pflug wirklich gespielt.8) — Eine niederdeutsche Prosabearbeitung war schon 1500 in Magde- burg bei Simeon Koch im Druck erschienen.4) Von einer nieder- ländischen Prosaerzählung, die Kalif5) in die erste Hälfte des 16. Jahrhunderts setzt, liegt nur ein später Druck vor: 'Eene schoone Historie van Alexander van Mets, hoe hij in Turckijen ghevangen werdt ende hoe hem zijn Huysvrouwe verloste gekleet als eenen Moninck' (Amsterdam 1645); sie ward indes schon 1621 unter dem Titel 'Florentina de ghetrouwe, Huysvrouwe van Alexander van Mets, dewelcke haeren Man met groote verduldigheyt verlost heeft uyt de *) Twe Leder. Hamburg, J. Low (um 1560. In Wolfenbüttel 'Ick verkiind iuw nye meere'. s) Das niederländische Lied 'van den grave van Roomen' ist verloren gegangen (F. van Duyse, Het oude nederlandsche lied 1, 271). — Dänisch: 'Vise om en Greve i Rom, som blev fanget iHedenskabet og der maatte drage Plog', 1711 (Nyerup og Eahbek, Udvalgte danske Viser fra Middelalderen 5, 67. 1814). — Schwedisch: 'Jagh will edher seije nye mere', 31 Str. (Geijer-Afzelius, Svenska folkvisor 1880 nr. 53. Noreen-Schück, 1500- og 1600-talens visböcker 1, 16. 1884) ; deutsch bearbeitet bei Studach, Schwedische Volksharfe 1826 S. 48 'Frauentreue'. — Isländisch: 'I Rom bjö einn rykur greyfi' (Antiquarisk Tidsskrift 1849—1851, 232 nr. 67. "Ward, Cat. of romances 2, 91). 8) Gradl, Mitt. f. Gesch. der Deutschen in Böhmen 33, 317 (1895). Habicht, Zs. f. hennebergiscbe Geschichte 3, 21 (1880). 4) Abgedruckt im Jahrbach f. nd. Sprachforschung 42, 60. 5) Kalff, Geschiednies der nederl. letterkunde in de 16. eeuw 1, 386 (1889) und Geschiedenis der nederl. letterkunde 3, 169 (1907). Van den Bergh, Nederl. Volksromans 1837 p. 52. Mone, Niederl. Volksliteratur 1838 S. 64. Unland, Schriften 4, 305. Grimm, Dt. Sagen2 nr. 537 'Der Mann im Pflog'. — Ein seh wedi sehe s Volksbuch 'Alexander af Metz, eller Historia om Riddaren för Plogen' (Jönköping 1852). 218. Die getreue Frau. 525 slavernye' in das Volksbuch 'De Vrouwen-peerle, ofte dryvoudighe Historie van Helena de Verduldighe, Griseldis de Saeghtmoedige, Florentina de Getrouwe' (Antwerpen 1621. Neudruck Haerlem 1910) aufgenommen. Neu ist der Name der Heldin Florentina und ihre Pilgrimstracht statt der Mönchskutte, sonst ist der Anschluß an das deutsche Lied, wie Uhland im einzelnen nachweist, unverkennbar; aus der Schwieger ist wohl durch Mißverständnis ein 'Zwaeger' ge- worden. Nachdem die Brüder Grimm 1818 den Inhalt des nieder- ländischen Volksbuches in ihren Deutschen Sagen wiedergegeben hatten, legte es Hermann Kurz 1858 seiner zur Zeit Barbarossas und Saladins spielenden Erzählung 'Das weiße Hemd' zugrunde (Sämtliche Werke hsg. von H. Fischer 1903 10, 5—24). J. G. S ei dls Gedicht 'Das Pilgerhemde' (Bifolien, 3. Lese nr. 8 = Gesammelte Schriften 1877, 2, 136) und Hoffmanns v. F. Operntext 'Der Graf im Pfluge' (Zwei Opern, 1868) gehen wohl auf dieselbe Quelle zurück. Eine Nacherzählung der 'lieblichen Geschieht', die 'von einem Römischen Grafen gelesen und gesungen wird', gab der Pfarrer Wolf gang Bütner (Epitome Historiarum 1576 Bl. 350 a — 1596 Bl. 259 a. Archiv f. Litgesch. 6, 324) zur Erläuterung des 6. Gebotes ; ihn schrieben J. Zanach (Didacus Apolephtes, Historische Erquick- stunden 4, 2, 61 — 65. Um 1615) und C. Blanckardus (Neuer historischer Lustgarten 1701 S. 165 nr. 52) wörtlich aus. Auf der Ballade vom Grafen von Rom beruhte auch, wie es scheint, ein um 1550 abgefaßtes, aber verlorenes Stück des Hamburgers Heinrich Knaust: 'Comoedia germanica de comite proficiscente Hierosolymam ad videndum sepulchrum Christi, capto in itinere et in aratrum subacto a Soldano rege Aegypti' (Michel, H. Knaust 1903 S. 285). In die Zeit der Gegenreformation fällt die lateinische Novelle 'Virtus celata clarior' des begabten Jesuiten Jakob Bidermann,1) welche das Ehepaar Bertulfus und Ansberta nennt und durch Ausmalung ein- zelner Situationen, wie des Erscheinens des unbekannten Harfen- spielers oder seiner Ohnmacht beim Anblicke des in den Pflug ge- spannten Ritters, durch Mitteilung der Briefe beider Gatten und durch die pathetische Sprache Spannung zu erregen versteht. Aus Bidermann schöpften seine Ordensgenossen, die Dramatiker N. !) Bidermann, Acroamata academica (vor 1639) lib. 2, c. 2 = ed. Colon. 1702 p. 202—233. B. will ein Ereignis aus der heimatlichen Ge- schichte erzählen, 'quamquam alibi non modo pervulgatum iam est, sed et populi sermonibus et poetarum versibus valde celebratur'. 526 218. Die getreue Frau. Avancini (1667) und P. AI er (1701), den Stoff zu lateinischen Schulkomödien1); ein deutsches 'List- und Lust-Spiel Ehlicher Treu, oder von seiner Gemahlin Arisberta auß Band und Feßlen unverhofft erlöster Bertulf us' gab M. Martinus Lintner 1687 zu Salzburg heraus, und in Kaufbeuren spielte 1726 die dortige Agentengesell- schaft 'Vom weiblichen Lautenisten, oder Bertulfus und Ansberta'; auch von der evangelischen bürgerlichen Komödiantengesellschaft zu Biberach wurde 1742 Bertulfus und Ansberta dargestellt.2) Auf die Ballade vom Grafen zum Born greift Leonhard Wächter (Sagen der Vorzeit 2, 399 — 450. ß. Aufl. 1790) in seiner Prosaerzählung 'Der graue Bruder' zurück; er nennt das Ehepaar Siegmund und Maria von Hengsperg und mischt in seine geziert altertümelnde Darstellung bisweilen Liedstrophen ein. Durch Wächter wurde F. A. A. Meyers Lustspiel 'Der graue Bruder' (Olla Potrida 1792, 2, 50 — 67) angeregt. Die Gedichte von Luise Brachmann (Dichtungen 1824 2, 56 'Der: Befreite') und B. Baumbach (Abenteuer und Schwanke 1884 S. 205 'Der Graf im Pfluge') scheinen aus der Lek- türe des 'Wunderhorns' hervorgegangen zu sein. Merkwürdig ist ein um 1800 in Kanton Wallis von Lukas de Schallen in Alexandrinern gedichtetes Volksdrama 'von den Grafen Philibert und Rodolf von Paqueville' dadurch, daß hier die Ballade vom Grafen von Born mit der bereits oben S. 522 erwähnten Sage vom Möringer zusammengeschweißt wird.3) Beide Grafen ge- raten in türkische Gefangenschaft; Rodolf wird von seiner treuen Gattin Boserta, die als Musikant verkleidet den Pascha durch ihren J) Fides coniugalis s. Ansberta sui coniugis Bertulfi e dura captivitate liberatrix, Viennae Austr. 1667 — Avancini, Poesis dramatica 2, 253 (Col. 1675) ; auch eine deutsche Fassung existiert. — P. AI er, Ansberta (1702 in Poesis varia p. 265, besonders 1708 und 1711). — Jesuiten- aufführungen fanden statt: 1652 Wien, 1660 Neuburg, 1667 Wien, 1681 Jülich, 1701 Köln, 1723 Eegensburg, 1729 München (?), 1732 Luzern, 1751 Aachen, 1752 Neuß, 1760 Unterinntal, 1769 Fritzlar, 1792 Innsbruck ; französisch 1688 Ath, niederländisch 1716 Gent (Zs. f. Volkskunde 3, 63. 462. Bahlmann, Jesuitendramen 1897 S. 20. 89. 114. 188. Zs. des Fer- dinandeums 3. Folge 50, 368. 365. Faber, Theätre francais en Belgique 4, 366. 1880. Belgisch Museum 1845, 316). 2) Mitteilung von Karl Trautmann in München. Offterdinger, Württembergische Vjsh. f. Landesgeschichte 6, 43 (1883). 3) W. v. Plönnies in Hennebergers Jahrbuch f. dt. Litgesch. 1, 1 — 31 (1855). Bächtold. Geschichte der dt. Literatur in der Schweiz 1892, S. 466; Anm. S. 153. 218. Die getreue Frau. 527 Gesang zu rühren weiß, befreit; seinen ungestümen Bruder Philibert aber versetzen die Jungfrau Maria und St. Julian gerade an dem Tage in die Heimat zurück, an dem seine Frau Mechtild sich mit einem anderen Ritter vermählen will. Diese Heimkehrsage geht auf eine oft wiederholte Erzählung des französischen Jesuiten Louis Richeome (1604) zurück.1) Durch unsere Musterung der literarischen Überlieferung haben wir zwei Ströme kennen gelernt, die von den beiden unter sich ver- wandten Balladen von Alexander im Pfluge und vom Grafen von Rom ausgehen. Leider zeigte sich nirgends eine vollkommene Über- einstimmung mit unserm Märchen. Wohl bewahrt dieses verschiedene Züge aus dem Liede vom Grafen Alexander, namentlich das wunder- bare Hemd; aber nirgends fanden wir die in jenes eingelegten Lied- strophen, die schon um 1780 gedruckt nachgewiesen sind; auch tritt Ansberta bei Bidermann, Avancini und Aler nur als Harfenspielerin, nicht als Sängerin auf. Es bleibt freilich die Möglichkeit, daß die Strophen dem 1726 und 1742 aufgeführten Schauspiele 'Bertulfus und Ansberta' entstammen, über welches keine nähere Nachricht vorliegt; aber dies wird ebensowenig wie Bidermanns lateinische Novelle das Wunderhemd enthalten haben. Vielleicht vermögen andere Forscher diese Lücke zu ergänzen. Im Auslande scheint sich unser Märchen keiner großen Ver- breitung erfreut zu haben.2) Ziemlich entstellt ist ein rumänisches Märchen bei Schullerus nr. 39 'Eine Wette' (Archiv f. siebenbürg. Landeskunde 33, 477. AB1-2C), dessen Einleitung der Verkauf einer Katze im katzenlosen Lande (oben 2, 75) bildet; der Mann wird von einem Wirte, dessen drei Katzen brennende Kerzen halten, ein- gesperrt; seine Frau foppt die Versucher und befreit als Mönch !) R. Köhler, Kl. Schriften 1, 584 f. (wo es Tournay 1622 und 1630 heißen muß) ; dazu Martel de Bacqueville bei Butler-Godescard, Vie des saints 11, 10 und R. Andree, Votive 1904 S. 44. Schauspiele : Amores Baquevilli et Bonillae (Wiener Cod. 13364); Kaspar Abyberg, Graf Paqueville 1643 ; Julian Graf von Paquevill 1754. 1770. 1790. 1792 (Zs. des Ferdinandeums 3. F. 50. 362. 365); Kralik -Winter, Dt. Puppenspiele 1885 S. 43. Balladen: Kretzschmer-Zuccalmaglio, Volkslieder 2, 13 nr. 4; Zs. f. Volkskunde 3, 65 ; Lerond, Lothringische Sammelmappe 1, 47 (1890); Schweizer Volkskunde 3, 6 (1913). — Man erinnere sich, daß auch in einigen Fassungen des Volksmärchens mehrere Brüder des Helden zugleich mit ihm in türkische Gefangenschaft geraten. 2) Vgl. G. Polivka, Närodopisny Vestnik 6, 1. 528 218. Die getraue Frau. verkleidet ihren Mann, indem sie die Katzen durch vorgehaltene Mäuse in Bewegung versetzt (R. Köhler 2, 640. Cosquin, Romania 40, 373). — Ein kroatisches Märchen aus Karlstadt bei Strohal 2, 109 nr. 48 (AB1 CD) hat den neuen Zug, daß die treue Frau, als sie mit ihrer 'citra' in die Türkei zieht, eich einen Mönch, der schön singen kann, zum Gefährten wählt.1) — Andere slawische Fassungen, in denen das weißbleibende Hemde des Gefangenen (B1) fehlt, stehen dadurch der Ballade vom Grafen von Rom näher. In einem cechischen Märchen bei Miksicek 1, 207 (zuerst 1845 in Sbirka povestf mor. a slezskych Heft 4, nr. 13) übergibt der Graf vor der Pilgerfahrt nach Jerusalem, die er in der Krankheit gelobt hat, seine Frau in die Obhut eines Barons, der ihrer Ehre nachstellt. Sie entflieht zu einer Freundin, hört durch einen Pilger von der harten Gefangenschaft des Grafen bei den Türken, kleidet sich samt ihrer Magd als Harfner und erwirkt durch ihr Spiel ihres Gatten Befreiung. Als sie daheim diesen in weiblicher Tracht begrüßt und vom treulosen Baron verleumdet wird, zückt der Graf im Zorne das Messer auf sie. Sie entrinnt, kehrt als Harfner zurück und singt vor der Tür das ihm bekannte Lied. — Auf ein noch ungedrucktes kleinrussisches Lied aus der Ukraine gehen zwei neuere Dichtungen von V. Cajcenko und M. S. Kononenko zurück, die N. Jancuk im Jubilej. Sbornik Millera S. 354 bespricht. Hier wird der junge Fürst in der Schlacht von den Türken gefangen und sendet im vierten Jahre seiner Gattin einen Brief mit der Bitte, ihn loszukaufen. Sie schneidet ihre Haare ab, legt Männertracht an und zieht mit ihrer dreißigsaitigen 'Kobza' zum Sultan, den ihr Spiel zu Tränen rührt. Als er ihr einen Wunsch freistellt, erbittet sie sich einen Gefangenen als Begleiter auf dem Heimwege. Der Verlauf entspricht der deutschen Ballade. Der Fürst schließt die verklagte x) Dagegen befreit in einem kroatischen Liede von der Insel Veglia (Hrvat. nar. pjesme iz Nase Sloge 1, 31 nr. 11) die treue Frau des in Konstantinopel gefangen liegenden Ansiö Stjepan auf die Botschaft einer Schwalbe den Gatten mit Gewalt; in einem andern von der Insel Meleda (Hrvat. nar. pjesme Mat. Hrvat. 2, 433) fordert Markos Frau einige Helden zu seiner Befreiung auf. Im serbischen Liede bei Vuk Stefanoviö Karadzic 3, nr. 48 erhält die Frau einen Brief des gefangenen Gatten mit dem Gebote, einen andern zu heiraten. Ähnlich berichten bulgarische Lieder bei Sozonovic, Pösni o dövuske voine i bylina o Stavre Godinovice S. 45; Br. Miladinov, Bälgarski nar. pesmi3 S. 132 nr. 89. S. 299 nr. 189; Sbornik min. 12, 57 nr. 3. 218. Die getreue Frau. 529 Gattin in ihr Zimmer und beruft ein Gericht, das sie zum Tode verurteilt. Als er die Tür des Zimmers öffnet, erblickt er den jungen Kobzaspieler. — Noch näher steht der Ballade vom Grafen von Rom das großrussische Märchen vom Gußlispieler bei Afanasjev3 2, 297 nr. 195 'Carica-guslar' = Goldschmidt S. 124 (ACD), auf dessen deutschen oder literarischen Ursprung schon Orest Miller (Ilja Muromec S. 635) und Vsevolod Miller (Ocerki rus. nar. sloves- nosti S. 276) hingewiesen haben. Der Zar, der auf einer Reise ins heilige Land gefangen wird und den Pflug ziehen muß, schreibt seiner Gattin, sie solle alles verkaufen und ihn erlösen. Heimgekehrt würdigt er sie keines Blickes, weil sie seine Bitte nicht erfüllt habe. Da verläßt sie das Zimmer, kleidet sich als Guslar und spielt auf dem Hof ihre Weise. Sechs Liedstrophen sind in die Erzählung eingelegt. — ■ Zweifelhaft ist dagegen der Zusammenhang mit dem großrussischen Liede von Staver Godinovic (Vsev. Miller, Oeerki rus. nar. slov. S. 263; oben 2, 58) ; denn Stavers Frau kleidet sich, als sie hört, er sei vom Fürsten Wladimir eingekerkert, nicht als Spielmann, sondern als Gesandter und reitet mit prächtigem Gefolge nach Kiew. Beim Gastmahl wünscht sie einen Leierspieler zu hören ; Staver wird geholt, und der angebliche Gesandte erklärt, er wolle auf den geforderten Tribut verzichten, wenn ihm Staver ausgeliefert werde. In einer Prosafassung des 18. Jahrh. meldet Staver seiner Frau durch einen Boten seine Einkerkerung (Tichonravov und Vs. Miller, Russkija byliny staroj i novoj zapisi 1, 54). Daß in einer Variante des Liedes (ebenda S. 208 nr. 59) der Held Astovert Gordinovic heißt, und dieser Name an'Bidermanns Heldin Ansberta zu erinnern scheint, ist wohl Zufall (Alex. N. Veselovskij, Zumal min. nar. prosv. 268, 44. Vs. Miller S. 276).1) — Von einem finnischen Märchen bei Krohn- Lilius, Suomalaisia kansansatuja 2, 160 liegt nur eine knappe Inhalts- angabe vor: Der Mann prahlt mit seinem Weibe, wird vom Kaiser J) Wenn G. Potanin (Etnograf. Obozr. 10, 40) dazu eine Episode aus den mongolischen Taten Bogda Gesser-Chans (J. J. Schmidt 1839 S. 273 — 282) vergleicht, in der Gessers Frau als garstige Alte ihren in einen Esel verwandelten Mann befreit, indem sie sich ihn als Reittier aasbittet, so hat dies mit unserm Stoffe nichts mehr zu tun. — Auch das cechische Märchen bei Radostov2 1, 156, nr. 19 vom Bauern Do- brodej, der aus harter Gefangenschaft entlassen wird, weil er die Tochter seines Herrn vom Ertrinken gerettet hat, gehört nicht hierher. Grimm, Märchen-Anmerkungen III, 34 530 218. Die getreue Frau. gefangen ; die Frau in Männerkleidern verlobt sich mit der Tochter des Kaisers, entflieht mit ihrem Manne.1) Es scheint somit, daß alle deutschen und ausländischen Fassungen unseres Märchens, literarische wie volksmäßige, aus einer Ortssage des 15. Jahrhunderts hervorgegangen sind, die sich an ein im Mainzer Dome befindliches Grabmal und ein dort aufgehängtes Hemd und Mönchsgewand anknüpfte. Wieviel der unbekannte Mainzer Meistersänger, der sich diese Sage kurz vor oder nach 1490 zur Behandlung erkor, aus Eigenem zur Überlieferung hinzufügte, läßt sich kaum feststellen. Inmitten der bisher nur bei Goedeke (Grundriß l2, 309) zu überschauenden Kleinepik des 15. Jahrhunderts, welche so manchen Balladenstoff in meistersängerliche Form kleidete, ist sein Werk sicherlich eine unverächtliche Leistung. Daß der Eingang des 'Grafen im Pflug' gleich dem 'Möringer' auf die Sage von Heinrich dem Löwen zurückgeht, ward schon S. 522 l bemerkt. Auch der Zug, daß eine Frau als Spielmann verkleidet auszieht, um ihren Geliebten zu suchen, begegnet in mittelalterlichen Epen. So tritt Nicolette vor den um sie trauernden Aucassin ; als Harfner kommt Rosemunde zu ihrem Gatten Namenlos und muß mit ansehen, wie er ihrer schönen Begleiterin Isabele den Hof macht; als Harfner forscht die Königsnichte Martha nach dem Sohne Tristans und Isoldes, dem sie ein Kind geboren.2) Mittelalterlich ist auch das als Hebel der Handlung dienende weiße Hemd des Grafen Alexander, das seine Frau auf Geheiß des Engels gewebt hat, das aber in der Ballade vom Grafen zu Rom als ein zu märchenhaftes Motiv aus- geschaltet und nicht sehr glücklich ersetzt worden ist. Vermutlich lieferte das 69. Kapitel der Gesta Romanorum das Vorbild; dort erhält ein Zimmermann von seiner Schwiegermutter ein Hemd zum Geschenk, das keiner Wäsche bedarf, solange Mann und Frau ein- ander Treue bewahren. Als der Meister dem Könige einen Palast baut, hören mehrere Ritter von der Tugend des Hemdes und versuchen die Frau zu verführen, werden jedoch einer nach dem J) Aarne, Finnische Märchenvarianten 1911 S. 72 nr. 880 (F. F. Communications 5). 2) W. Hertz, Spielmannsbuch2 1900 S. 35. 310. 335, — In einer italienischen Novelle von Granucci (La piacevol notte e lieto giorno 1574 Bl. 129a) zieht Griulia in Männerkleidunein Dokument dem Hund, dieser der Katze. ACD1,2) Zbiör 11, 3, 37 ■== Ciszewski, Lud z okolic Slawkowa S. 187 = Dähnhardt 4, 128 (CuD2). Swietek, Lud nadrabski S. 583 = Dähnhardt 4, 128 (ACD1- 2). Aus Schlesien: Mitt. f. schles. Vk. 3,8 (E. Pfeffer holen). — Klein- russisch: Aus Galizien: Etnogr. Zbirnyk 37 — 38, 214 nr. 169 (Hund, Kater und Schlange wandern, erhalten von der Mäusemutter einen Zauberstein, der eine goldene Brücke hervorbringen' kann ; da aber der Hund die Zauberworte vergißt, lädt er am Meere den Kater, der den Stein ins Maul nimmt, auf den Rücken und schwimmt hin- über; der Kater läßt den Stein fallen und springt am Ufer auf einen Baum; seitdem herrscht zwischen ihnen Feindschaft). 37—38, 215 nr. 170 (Dienstbuch des Hundes. CD1). 217 nr. 171 (CD1-2). 217 nr. 172 (Wolf und Hund tauschen Stärke und Geruchsinn, 554 223. Warum die Hunde einander beriechen. wechseln aber wieder und schließen einen Vertrag. A1 C D1 ■ 2). 218 nr. 173 (Ebenso. ACD1'2). 209 nr. 164 (E. Pfeffer holen). Kaindl, ZföVk. 8, 120 = Dähnhardt, 4, 123 (ACD1-2). Nowo- sielski 2, 138 (Privileg der Hunde. CD1'2). Öubinskij 1, 53 — Dähnhardt 4, 118 (ACD1-2). Dragomanov S. 197 nr. 44 = Dähnhardt 4, 119 (ACD1). Hrincenko 1, 7 nr. 13 = Bulasev S. 412 = Dähnhardt 4, 115 (Dokument im Ofen verbrannt, wo- hin der Kater es gelegt. ACD1). Hnatjuk, Geschlechtleben 2, 399 nr. 352 (Pfeffer holen. E). 2, 417 nr. 378 (Schmalz holen. E). Aus Gouv. Cernigov: Malinka S. 317 nr. 37 (Wolf gibt seinen Paß dem Hunde, dieser dem Kater. C). S. 318 nr. 38 (Wölfe und Hunde machen Frieden. A1 C D1 ■ 2. Bei einer neuen Zusammen- kunft werden die Abgesandten der Hunde, die sich wohlriechende Flaschen unter den Schwanz gebunden, von den Wölfen zerrissen. E). — ■ Weißrussisch: Romanov 3, 20 nr. 14 = Dähnhardt 4, 117 (Adels- brief. ACD1 -2). §ejn 2, 349 nr. 195 = Dähnhardt 4, 117 (Adels- brief. ACD1- 2). 2, 348 nr. 194 = Dähnhardt 4, 125 (das vom Hund der Katze übergebene Dokument gehört ursprünglich dem Wolf. ACD1- 2). Federowski 3, 125 nr. 219 = Dähnhardt 4, 137 (Pfeffer holen. E). — Litauisch: Veckenstedt, Zamaiten 2,173 nr. 32 = Dähnhardt 4, 124 (Katzen von den Hunden über den Fluß gesetzt. ACD1- 2). Dowojna Sylwestrowicz S. 400 = Dähnhardt 4, 126 (Adelsbrief des Wolfes dem Hunde übergeben. ACD1' 2). Jur- kschat 1, 52 nr. 17 = Dähnhardt 4, 134 (Hund soll einen Brief des Königs überbringen. E). — Estnisch: Jannsen 1, 157 = Dähn- hardt 4, 114 (ACD1-2 E). Dähnhardt 4, 297 (A C D1). 4, 298 (A C D1). 4, 134 (bewilligte Bittschrift verloren. E). — Finnisch: Krohn 1, 152 nr. 133 = Dähnhardt 4, 292 (Gerichtsurteil über den Streit der Hunde und Wölfe. ACD1,2); dazu die Varianten bcd bei Dähn- hardt. Krohn 1, 153 nr. 134 und 1, 409 = Dähnhardt 4, 294 (Privileg der Hunde nach einem Sieg über die Wölfe. ACD1,2E). Krohn 1, 211 nr. 181 = Dähnhardt 4, 297 (ACD1'2). Varianten bei Dähn- hardt 4, 299. Krohn 1, 211 nr. 182 = Dähnhardt 4,300 (die Katzen verlieren im Fluß die unter den Schwanz gesteckten Pässe, ebenso die Hunde, während die Ratten den Paß ins Maul nahmen. D1 ■ 2). Varianten bei Dähnhardt. Dähnhardt 4, 293, e (ein Hund verliert den gemeinsamen Paß im Fluß. E). Aarnes Register nr. 200 (CD) und Finnische Ursprungssagen (FFC. 8, 11) nr. 56: CD. — Magyarisch: Arany S. 316 = Notes and queries 6, 10, 141 — 223. Warum die Hunde einander beriechen. 555 Eevue des trad. pop. 7, 479 = Dähnhardt 4, 126 (Schwein übergibt seine Urkunde dem Hund. ACD1-2). Nyelvör 14, 129. 16, 571. 23, 333 = Dähnhardt 4, 118 (Adelsbrief. ACD1-2). — Arabisch: Hanauer, Palestine Exploration Fund 36, 265 (1904) = Dähnhardt 4, 124 (auf Antrieb des neidischen Pferdes, Esels und Ochsen zernagen die Patten die Privilegien des Hundes und der Katze. ACD1,2). Wie Sebillot und A. v. Löwis bemerkt haben, knüpft das schon in Glockendons Bildergedicht auftretende Motiv E, die vergebliche Erwartung des zum fernen König abgeschickten Hundes, an eine Fabel desPhädrus von der verunglückten Audienz der Hunde an (4, nr. 18 'Canes legati ad Jovem'. Hervieux 22, 49. Dähnhardt 4, 137. Nicht im Bomulus aufgenommen). Auch hier senden die Hunde einige der Ihrigen zu Jupiter mit der Bitte, ihr elendes Los zu bessern; doch weil sie bei Hofe den Anstand gröblich verletzen, werden sie in den Kerker geworfen, und einer zweiten Gesandtschaft ergeht es nicht besser. Die Fabel schließt: Ita nunc legatos exspectant et posteri; Novum venire qui videt, culum olfacit. In einem deutschen Märchen aus Pommern 'Warum sich die Hunde immer beriechen' (JB1. f. pomm. Vk. 1, 83) jagt Petrus die im Vorzimmer des Himmels sich unanständig benehmenden Hunde hin- aus. Friesisch bei Dykstra 2, 137 = Volkskunde 8, 107 = Eevue des trad. pop. 10, 301 = Dähnhardt 4,140. Französisch aus der Bretagne : Eevue des trad. pop. 2, 433 = Sebillot, Folklore 3, 75 = Dähnhardt 4, 138 = Sebillot, Joy. hist. p. 211. Aus Belgien : Wallonia 5, 11 'Pourquoi les chiens se sentent' = Dähnhardt 4, 138. Wallonia 3, 16 — Dähnhardt 4, 139 (die Hunde wollen über die Hinterlist der Katzen klagen). Serbokroatisch aus Slawonien: Anthro- pophyteia 7, 289 nr. 25 (Petrus). In einem Negermärchen aus Louisiana bei Fortier p. 45 = Dähnhardt 4, 141 läßt Mr. Jupiter den kecken Hund Brisetout mit Terpentin und Pfeffer einreiben und eine zweite Gesandtschaft prügeln. Hier sieht man also den unmittelbaren Einfluß der antiken Fabel deutlich durchschimmern. 656 224. Der Horcher, der Läufer, der Bläser und der Starke. 224. Der Horcher, der Läufer, der Bläser und der Starke. Ein armer Mann, der sozusagen vom Tagelohn lebte, hatte aber dabei ein so gutes Gehör, daß er das Gras wachsen hörte. Dem wollte es nun zu Haus nicht mehr gefallen, und er entschloß sich in der Welt rum zu reisen und zu sehen, ob er auf sein gut Gehör etwas verdienen könnte. Er ging auch wirklich fort. Wie er nun eine Zeitlang gegangen hatte [!], so begegnete ihm ein Mann, der gar stark lief. 'Woher und wohin, guter Freund?' frug er ihn. Der Läufer antwortete: 'Ich habe heute schon vierzig Meilen Wegs her gelaufen und will noch zehn laufen.' Halt, dachte unser Mann, das war was, wenn der so mit dir reiste. Sie wurdens einig und gingen nun auch miteinander fort. Wie sie nun wieder eine Zeitlang gegangen waren, so sahen sie auf einem hohen Berg einen Mann stehen, der die Arme in die Seite gestemmt hatte und blies. Sie gingen hin, um zu sehen, was der da machte. Wie sie nauf kamen, so fragen sie ihn, was er denn da machte. 'Ey, seht ihr denn nicht,' sagte er, 'hier rum die zweihundert Wind- mühlen? Die muß ich alle mit meinem Wind im Gange halten.' Darauf fragten ihn die andern beiden, ob er denn damit auch brav verdiente. 'Ach,' sagte er, 'wenig oder gar nichts.' Sie sprachen mit ihm und er- zählten ihm, was sie konnten und was ihr Wille sei, und wenn er wollte, so sollte er auch mitgehen, sie wollten schon was verdienen. Er wars zufrieden, und nun reisten sie alle drei miteinander fort. Wie sie nun wieder eine Zeitlang gegangen waren, da begegnete ihnen ein Mann, der war so stark, daß er wohl ein Haus hätte fort- tragen können. Mit diesem sprachen die drei nun auch, und er wars auch gleich zufrieden und dachte: Wenn ihr mir lange macht, so prügle ich euch tüchtig durch. Na, nun reisten sie alle vier fort. Sie hatten nun eben kein Geld mehr und mußten sehen, wo sie nun was kriegten. Der Läufer mußte als Hasen und Wildpret greifen ; dann ging der Bläser bei ein Dorf und machte draußen so ein starken Wind, daß alles um- fallen wollte, und dann gingen die Leute heraus, um ihre Sachen zu retten, oder er ging so vor ein Haus und fing so an zu blasen, daß die Leute alle durch den Schornstein rauf flogen, und dann ging er ins Haus und holte Brot, Fleisch, Eier und was er so kriegen konnte. Da mußte denn der Starke als mit, daß sie recht viel fortbringen konnten. Auch 224. Der Horcher, der Läufer, der Bläser und der Starke. 557 der, der so gut hören konnte, mußte als mit, weil manchmal die Husaren oder sonst Soldaten hinter sie kamen, daß er hörte, ob sie anmarschiert kämen oder nicht, damit sie sich bei Zeiten fort- machen konnten. So trieben sie sich alle vier nun eine Zeitlang herum; endlich kamen sie mal in eine Residenz, wo dem Fürst seine einzige Tochter sehr krank war. Sie hatten zwar alle Doktors gebraucht, aber keiner hatte dieselbe kurieren können. Und lange würde es nicht dauern, sagten die Doktors, so stürbe sie; es wüchse aber noch 100 Meilen von da ein Kraut, wenn sie dieses in Zeit von 24 Stunden hier haben könnten, so könnte sie noch gerettet werden. Nun ließ der Fürst bekannt machen, wer in dieser Zeit das Kraut anzuschaffen gedächte, der sollte sich so- gleich bei ihm melden; er sollte haben, was er haben wollte. Jetzt gingen die vier Männer hin, und der Läufer erbot sich, solches in den 24 Stunden zu holen. Die Doktors beschrieben es ihm genau, und nun machte er sich fort. Die andern drei wurden indessen aufs beste be- wirtet. Es waren noch keine 24 Stunden rum, so war der Läufer schon wieder mit dem Kraute da. Es wurde gebraucht, und in derselben Zeit wurde auch gleich die Tochter des Fürsten wieder ganz gesund. Der Fürst war ganz froh und frug nun den Läufer, was er denn haben wollte. Der sagte nun, wenn er ihm soviel Geld gäbe, wie da sein Bruder (das war der Starke) tragen könnte, so wollte er zufrieden sein. Der Fürst glaubte nicht, daß der so stark wäre, und sagte ja. Nun machte sich dieser einen großen, großen Sack und ging damit zu dem Fürsten. Er wurde in das Geldmagazin geführt; da raffte er denn alles ein. Es war ihm aber noch nicht schwer genug, und der Fürst ließ also sonsther noch vier Wagen voll kommen; das steckte er auch alle in seinen Sack, es war ihm aber noch nicht genug, und der Fürst mußte alle sein Geld, noch acht Wagen voll, kommen lassen, das tat er auch noch alle in den Sack, und er hätte noch mehr nein getan. Der Fürst sagte aber, er hätte nichts mehr. 'Na, wenns denn nicht anders ist, so mags so bleiben', sagte der Starke, huckte seinen Sack auf, und so gingen sie alle vier weg. Wie sie weg waren, so ärgerte den Fürst das viele Geld, and er schickte alsogleich ein Regiment Husaren hinter den vieren her, die es ihnen wieder abnehmen sollten. Der so gut hören konnte, sagte, wie sie ein weites Stück schon fort waren: 'Halt mal!' Er legte sich auf die Erde und hörte, und da sagte er: 'Es kommt ein ganz Regiment Husaren hinter uns her.' Nun mußte der Läufer gleich zurücklaufen und sehen zu, ob es wahr wäre. Der kam auch bald wieder und 558 225. Vom Mäuschen und vom Bratwürstchen. sagte: 'Ja, sie kommen.' Nun sagte der starke Bläser: 'Geht dort in den Wald! Ich will hier bleiben und will denn schon mit den- selben fertig werden.' Das geschah, die drei gingen weg, und er blieb allein da stehen. Das Regiment Husaren kam an, und sie sahen diesen Mann, wollten gleich auf ihn los. Er stellte sich aber hin und fing an zu blasen, erst sachte, daß die Husaren ordentlich zurückweichen mußten ; einige fielen von den Pferden, und was sonst noch so alle war. Sie wurden aber nun böse und rückten mit Gewalt auf ihn los. Jetzt fing er aber ganz stark an zu blasen, so daß die ganzen Husaren in die Luft flogen und keiner mehr zu hören und zu sehen war. Nun ging er ganz ruhig nach den andern Dreien hin und erzählte ihnen, wie ers den Husaren gemacht hätte. Und da teilten sie nun ihr Geld; es trug jedem soviel, daß er nun herrlich davon leben konnte. Sie gingen zusammen fort nnd kamen in eine Stadt, wo sich jeder denn ein Haus kaufte und da recht vergnügt lebte. Und wenn sie nicht gestorben sind, so leben sie noch immer. Aus den Schwalmgegenden von Siebert am 11. Dezember 1813. Es ist die oben 2, 79 erwähnte Fassung des 71. Märchens 'Sechse kommen durch die Welt'. 225. Vom Mäuschen und vom Bratwürstchen. Es war einmal ein Mäuschen und ein Bratwürstchen, die hielten zusammen Haus; einen Sonntag ging das Mäuschen in die Kirche, den andern das Bratwürstchen ; was zu Hause blieb, kochte. Da hatte einmal das Bratwürstchen braunen Kohl gekocht, und wie er bald gar war, lief es dardurch. Wie nun das Mäuschen aus der Kirche kam, setzten sie sich zusammen hin und aßen. Sagte das Mäuschen: 'Der Kohl schmeckt ja so gut.' 'Ja,' sagte das Bratwürstchen und lachte, 'da bin ich dar- durch gelaufen, davon ist er so fett.' 'Halt,' dachte das Mäuschen, 'das will ich mir merken.' Den andern Sonntag, wie an ihm die Reihe war, kochts auch braunen Kohl, und wie er bald fertig ist, wills auch durch- laufen, da bleibts aber in der Mitte stecken und verbrennt. Nun kommt das Bratwürstchen aus der Kirche, und weil das Mäuschen nicht da ist, denkts : 'Das ist ausgegangen' und wartet. Weils aber so starken Hunger hat, fängts an zu essen; auf einmal kommts an ein Schwänzchen, da 225. Vom Mäuschen und -vom Bratwürstchen. 659 ißts noch, ein bißchen weiter, da kommts an den Leib, und noch ein bißchen weiter, da kommts ans Köpfchen, so ist das ganze Mäuschen da. Da hat sich das Bratwür stehen so erschrocken, daß es nicht weiter essen konnte, und ist vor Betrübnis geplatzt. Von Dortchen Grimm, Februar 1857 (eigenhändig), vermutlich aus Kasseler Jugenderinnerungen. — Vgl. oben 1, 206 zu nr. 23, wo noch eine bayrische Fassung bei Spiegel nr. 17 'Maus, Wurst und Frosch' und eine holsteinische in der Heimat 23, 210 (Kiel 1913) 'Mus un Mettwuß' nachzutragen ist. 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H i 1 d e- brand, Russische Volksmärchen gesammelt von Aphanassjew 1 — 2. Leipzig 1912 (43 nr.) und von Anna Meyer, Russische Volksmärchen gesammelt von A. N. Afanassjew 1 — 2. Wien 1906 bis 1910 (43 + 20 nr.). — Holländisch in Auswahl von J. Brandt, Russiske Volkssprookjes 1. Amsterdam 1904. — Vgl. Müller (Max). Narodnyja russkija legendy [Russische Volkslegenden]. London 1859. Moskau 1860. — Neue Auflage von J. P. Kocergin. Kasan 1914. Poeticeskijavozzrenija Slavjan na prirodu [Poetische Vorstellungen der Slaven von der Natur] 1 — 3. Moskau 1865 — 69. Afzelius (A. A.) — Swenska Folkets Sago-Häfder, eller Fädernes- landets Historia i Sägner etc. 1 — 11. Stockholm 1839 — 43. — Deutsch von F. H. Ungewitter, Volkssagen und Volkslieder aus Schwedens älterer und neuerer Zeit 1 — 3. Leipzig 1842. Ahlquist (A.) — Versuch einer mokscha-mordwinischen Grammatik. St. Petersburg 1861 (S. 197: Märchen). — — Über die Sprache der Nord-Ostjaken 1. Helsingfors 1880. — (5 Märchen). 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(= Zbirnyk 6. — 700 nr.) — — Das Geschlechtleben des ukrainischen Bauernvolkes in der russischen Ukraine und in Österreich -Ungarn, folkloristische Erhebungen, 1.— 2. Teil. Leipzig 1909. 1912. 4° (Beiwerke zum Studium der Anthropophyteia Bd. 3 und 5). Vgl. Tarasevskyj. Hofberg (H.) — Svenska folksägner, samlade. Stockholm 1882. Hoff man (W. J.) — The Menomini Indians (14. Peport of the Smithsonian Institution 1, 11 — 328. 1896). Hoffmann (C) — Was der afrikanische Großvater seinen Enkeln erzählt. Fabeln und Märchen aus Nord-Transvaal. Berlin 1907. Hoffmeister (Ph.) — Hessische Volksdichtung. Marburg 1869. H ollis (A. C.) — The Masai Oxford 1905. The Nandi. Oxford 1909. Holuby (J. L.) — Povesti a rozprävocky z Bosackej doliny, z üst l'udu prepisal [Märchen und Erzählungen aus dem Tale Bosäca, aus dem Munde des Volkes aufgezeichnet], in: Slovenske Pohl'ady, Öasopis zabavno-poucny [Slovakische Umschau] 15 — 16, Tufc. Sv. Martin (Turocz-Sz-Märton) 1895—96. 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Napoli 1871 (33 nr.) — Ristampa accresciuta. Livorno 1877 (50 nr, dazu die 1872 erschienene Novellaja milanese). — — Dodici conti pomiglianesi. Napoli 1877. Im Thurn (E. F.) — Among the Indians of Guiana, being Sketches chiefly anthropologic from the Interior of British Guiana. London 1883. — p. 371—388: Folk-lore. Indian Antiquary, a Journal of oriental Research in Archeology, History, Literature, Languages, Philosophy, Religion, Folk-lore etc. 1—41. Bombay 1872—1912. Ispirescu (P.) — Snöve saü povesti populäre [Volksanekdoten oder Geschichten]. 2. ed. Bukarest 1875. — — Legende saü basmele Romänilorü [Sagen oder Märchen der Rumänen]. Bukarest 1882. Anhang. 585 Ivanickij (N. A.) — Materialj po etnografii Vologodskoj gubernii (in: Sbornik svedenij dlja izuöenija byta krestjanskago naselenija Rossiji, Vypusk 2 = Izvestija Imper. Obscestva ljubitelej jestestvoznanija, antropologii i etnografii 69 ; Trudy etno- graficeskago otdelenija 11, 1, S. 165 — 220. 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(Beiträge zur Volkskunde der Provinz Posen, 1). Rogasen 1905. Knortz (K.) — Irländische Märchen wiedererzählt. Zürich 1886. Knowles (J. H.) — Folk-Tales of Kashmir. London 1888. — 2. ed. 1893. (64 nr.) Knust (E.) — Italienische Märchen (in: Jahrbuch für romanische und engl. Literatur 7, 381—401. 1866). Köhler (J. A. E.) — Volksbrauch, Aberglauben und andre alte Überlieferungen aus dem Voigtlande. Leipzig 1867. Köhler (R.) — Aufsätze über Märchen und Volkslieder. Berlin 1894. — — Kleinere Schriften hsg. von J. Bolte. 1 : Zur Märchen- forschung. 2: Zur erzählenden Dichtung des Mittelalters. 3: Zur neueren Literaturgeschichte, Volkskunde und Wort- forschung. Weimar 1898—1900. Kolaf-Ko cho vsky (J. B.) — Z chatek moravske Slovace, Pohädky apovestizokoliühersko-Brodskeho [Aus den Hütten der mährischen Slovakei, Märchen und Sagen aus der Umgegend von Ungarisch- Brod]. Groß-Meseritsch 1888. (30 nr.) — — Chudobinky z luhü moravske Slovace, Narodni pohädky a povesti z okoli Uhersko-Brodskeho [Maßliebchen aus den Auen der mährischen Slovakei, Volksmärchen und Sagen aus der Um- gebung von Ungarisch-Brod]. Groß-Meseritsch o. J. — (16 nr.) Kolberg (0.) — Lud, jego zwyczaje, sposöb zycia, mowa, podania, przyslowia, obrz^dy, gusla, zabawy, piesni, muzyka i tahce [Das Volk, seine Gebräuche, Lebensweise, Sprache, Traditionen, Sprich- wörter usw.] 1—21, Warschau 1857—1867. Bd. 5, Krakau 1871—1888. — Märchen und Sagen enthalten Bd. 2, 273-276 (Das Sandomirer Land); 3, 113—194 (Kujawien) ; 8, 1—238 (Krakauer Land); 14, 1-388 (Posen); 17, 180—208 (Lubliner Landj; 19, 218— 250 (Gouv. Kielce); 21, 172— 220 (Gouv. Radom). 590 Anhang. Kolberg (0.) — Pokucie, obraz etnograficzny [Das Pokutie-Land, ein ethnographisches Bild] 1-4. Krakaul882— 1889. — Bd.3,81— 131: Kosmogonische Legenden und Sagen von mythischen Wesen. 4, 1—294: 77 Märchen, Legenden und Fabeln. — — Chelmskie, obraz etnograficzny [Das Chelmer Land, ein ethno- graphisches Bild] 1—2. Krakau 1890—1891. — 2, 83—127: 30 Märchen, Sagen und Anecdoten. — — Przemyskie, etnograficzny zarys [Die Przemysler Gegend, ein ethnographischer Versuch]. Krakow 1891. Koelle (S. W.) — African native literature. London 1854. Kolosov (M. A.) — Zametki o jazyke i narodnoj poesii v oblasti severno-velikorusskago narecija. [Untersuchungen über die Sprache und Volkspoesie im Gebiete der nordgroßrussischen Mundart]. Sankt Petersburg 1877. (Sbornik Otdel. Bus. jaz. i slov. Imp. Akad. Nauk. T. 17 Nr. 3). Konrad (H.) — Neues Märchenbuch. 2. Aufl. Lissa i. P. 1906 — — Aus der Heimat, für die Heimat 1 — 7 (Monatliche Beilage zur Samotschiner Zeitung 1905 — 1911). 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Kremnitz (M.) — Rumänische Märchen. Leipzig 1883. (20 nr.) Kres, Leposloven in znanstven list [Zeitschrift für schöne Literatur und Wissenschaft], unter Mitarbeit von G. Krek und D. Trstenjak hsg. von J. Sket, 1—5. Klagenfurt 1881 — 1885. Kretschmer (P.) — Neugriechische Märchen. Jena 1917. (66 nr.) — — Der heutige Lesbische Dialekt 1905 S. 473. (Schriften der Balkankommission der Wiener Akademie 3, 1. — 29 Märchen). Kreutzwald (F.) — Ehstnische Märchen, übersetzt von F. Löwe, mit Anmerkungen von R. Köhler. Halle 1869 (24 nr.) — Zweite Hälfte. Dorpat 1881. (20 nr.) Kristensen (E. Tang) — Aeventyr fra Jylland 1 — 4. Kopenhagen 1881—1897 (= Jyske Folkeminder 5. 7. 12. 13). — (50 + 59 + 68 + 83 nr.) — — Skattegraveren, et tidsskrift udgivet af Dansk samfund til indsamling af folkeminder, 1-12. Kolding 1884-89. — Efter- slset til Skattegraveren. Kolding 1890. — — Danske folkeseventyr, optegnede af Folkemindesamfundets medlemmer. Viborg [1884 -] 1888. (62 Märchen.) — — Molbo- og Aggerbohistorier samt andre dermed beslsegtede fortjellinger, 1-2. Viborg 1892 und Arhus 1903. — — Kuriose Overhoringer i Skole og Kirke, 1 — 2. Aarhus 1892—1899. — — Fra Bindestue og Kelle, jyske Folkeseventyr, 1 — 2. Kopen- hagen 1896—1897. (30 + 28 nr.) — — Danske Dyrefabler og Kjaederemser samlede af Folkemunde. Arhus 1896. — — Bindestuens Saga, jyske Folkeseventj-r. Kopenhagen 1897. (30 nr.) — — Fra Mindebo, jyske Folkeseventyr. Aarhus 1898. (29 nr.) — — Vore Fsedres Kirketjeneste, belyst ved Exempler optegnede efter Folkemunde. Aarhus 1899. — — Danske Skjsemtesagn, samlede af Folkemunde, 1. Aarhus 1900. — (vgl. Bolte, Zs. f. Volkskunde 15, 448). Kriza (J.) — Vadrözsak [Wilde Rosen]. Kolozsvärtt 1863 (20 nr.) — 2. Aufl. 1911 in Magyar nepköltesi gyüjt. 11 — 12. Krohn (K.) — Bär (Wolf) und Fuchs (Journal de la Soc. finno- ougrienne 6). Helsingfors 1888. — — Mann und Fuchs. Helsingfors 1891. — — und Lilius (L.) 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Leipzig 1910 — 13. — (Unter den 1349 nr. sind auch mehrere Märchen). Kukic: s. Stankov Kukic. Kulda (B. M.) — Moravske narodni pohädky, povesti obyceje a povery [Mährische Volksmärchen, Sagen, Gebräuche und Aber- glauben] 1—4. Prag 1874-75. 1892—94. — (124 + 43 4- 18 nr.) Kulis (P.) — Zapiski o juznoj Rusi [Aufzeichnungen über Südruß- land] 1—2. St. Petersburg 1856—1857. — 2, 10—82 (einige Märchen). — — Ukrajinskija narodnyja predanija, 1 [Volksüberlieferungen aus der Ukraine]. Moskau 1874. Kund er (J.) — Eesti Muinasjutud [Estnische Märchen]. Rakweres 1885. Künos (J.) — Türkische Volksmärchen aus Stambul. Leiden 1905. (51 nr.) — ■ — Osmanische Volksmärchen (Ungarische Revue 7 — 10. 1887 — 1890). ■ Türkische Volksmärchen aus Adakaie. 1 — 2. Leipzig 1907. (51 nr.) Kurskij Sbornik. Izdanije Kurskago gubernskago statisticeskago komiteta, Vypusk 4: V. J. Rezanov, Materialy po etnografii Kurskoj gubernii, cast 3 : Sborniki A. S. 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Materyaly antropologiczno-archeologiczne i etnograficzne wydawane staraniem komisyi antropologicznej Akademii umieje_tnosci w Krakowie [Anthropologisch - archäologische und ethnographische Materialien hsg. von der Anthropologischen Kommission der Akademie der Wissenschaften in Krakau] 1 ff. Krakau 1896 ff. Anhang. 597 MateryaZy i prace komisyi je_zykowej Akademii umiejetaosci w Krakowie [Materialien und Arbeiten der dialektologischen Kommission bei der Akademie der Wissenschaften in Krakau] 1 f. Krakau 1901 f. Materialy po etnografii Grodnenskoj gubernii, 1—2: Po poruceniju upravlenija Vilenskago ucebnago okruga redaktiroval E. Romanov [Materialien zur Volkskunde des Gouvernements Grodno, hsg. von E. Eomanov]. Vilna 1911—12. Materialy dlja izucenija velikorusskich govorev 8 — 9 [Materialien zur Kenntnis der großrussischen Mundarten]. Sbornik otdel. russk. jazyka i sloves. Akademii Nauk, Bd. 83 und 87, nr. 5 S. 272. Maurer (K.) — Isländische Sagen der Gegenwart. Leipzig 1860. 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Brunn 1856. — — Moravske pohadky a povesti [Mährische Märchen und Sagen]. Brunn 1862. Mercier (G.) — Le Chaouia de l'Aures. Paris 1896. — (16 Er- zählungen). Merensky (A.) — Deutsche Arbeit am Njassa. Berlin 1894. Merenyi (L) — Eredeti nepmesek [Originale Volksmärchen] 1 — 2. Pest 1861. — — Sajövölgyi eredeti nepmesek [Sajovölgyer originale Volks- märchen]. 1862. — — Dunamelleki eredeti nepmesek [Originale Volksmärchen aus der Donaugegend]. 1863. M e r k e n s (H.) — Was sich das Volk erzählt. Deutscher Volks- humor 1—3. Jena 1892—1900. Merk er (M.) — Die Masai. Berlin 1904. 598 Anhang. Meyer (G.) — Albanische Märchen 1 — 14 (Archiv für Literatur- geschichte 12, 92 — 148. 1884). — Nach Mitkos und Jarnik, mit Anm. von R. Köhler. Meyrac (A.) — Traditions, coutümes, legendes et contes des Ardennes. Charleville 1890. Michels: s. Des Michels. Michon (0.) — Contes et legendes du pays de France. Paris 1886. Mijatovics (C.) — Serbian Folk-tales ed. by W. Denton. London 1874. 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Mulden er (R.) — Nordisches Märchenbuch. Langensalza 1863. Märchen aus Süd und West. Langensalza 1865. Müllenhoff (K.) — Sagen, Märchen und Lieder der Herzogtümer Schleswig, Holstein und Lauenburg. Kiel 1845. (S. 383—504 54 Märchen und Lieder). Müller (D. H.) — Die Mehri- und Soqotri-Sprache 1 — 3. Wien 1902—1907 (Südarabische Expedition Bd. 4. 6. 7). — — Mehri- und Hadrami-Texte, gesammelt i. J. 1902 in Gischin von W. Hein, bearbeitet und hsg. Wien 1909 (Südarabische Expedition Bd. 9). Müller (Fr.) — Beiträge zur Kenntnis der Romsprache 1 — 2 (Sitzungsberichte der Wiener Akademie 61, 149. 1869 und 70, 85. 1872). Müller (Hans) — Aus Davos. Basel 1875. Müller (Max) — Sechs russische Volksmärchen übersetzt. Progr. Görlitz 1903. M ü n c h ( J. G.) — Das Märleinbuch für meine lieben Nachbarsleute. 1-2. Leipzig 1799. Mundarten, die deutschen, Bd. 1 — 6. Nördlingen 1853 — 59. — N. F. Halle 1877. Mus aus (J. K. A.) — Volksmärchen der Deutschen 1 — 5. 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Prag 1905 — 1917. — Hsg. von G. Polivka. Na sr eddin, der Hodscha. Türkische, arabische, berberische, maltesische, sizilianische, kalabrische, kroatische, serbische und griechische Märlein und Schwanke gesammelt von A. Wesselski 1-2. Berlin 1911. Nassau (R. H.) — Fetichism in West Africa. London 1904. (p. 332 acht Märchen.) Natesa Sastri. — Folk-lore in Southern India, 1 — 3. Bombay 1884—1888. — — Tales of Tennäliräma. Madras 1900. Indian folk-tales. Madras 1908. Nawuka (Michal) — Baje, bajki a basnicki serbske narodne, 1. zesiwk. Zezbjerawsi pfiprawil [Serbische Volksmärchen und Fabeln, 1. Heft. Gesammelt und bearbeitet], w Budysinie [Bautzen] 1914. N e m c o v a (B.) — Narodni bachorky a povesti [Volksmärchen und Sagen] 1—2. Prag 1880. -= Gesammelte Schriften Bd. 5—6. Prag, L. Kober. Neue Ausgabe von V. Tille, Heft 1 — 4. Prag 1904. — (27 + 39 nr.) — — Slovenske pohadky a povesti [Slowakische Märchen und Sagen] 1 — 2. Prag o. J. = Gesammelte Schriften Bd. 7 — 8. Prag, L. Kober. (29 + 30 nr.) — Hsg. von V. Tille. Prag, J. Laichter 1908—1909. NeoEÄArjvixä 'Avdtexxa TtEQioöixöjg ixdidöfieva öjiö %ov WiAo- Aoyixov HvMöyov IlaQvaooov 1. Athen 1870 — 1872. (vgl. E. Köhler 1, 365). Nerucci (G.) — Sessanta novelle popolari Montalesi. Firenze 1880. — — Cincelle da bambini. Pistoia 1880. — (13 Märchen.) Neyman (C.) — MateryaZy etnograficzne z okolic Pliskowa w pow. Lipowieckimzebraneprzez pann^Z.D. [Ethnographische Materialien aus der Umgegend von Pliskow im Bez. Lipow, Gouv. Kiew, gesammelt von Fräulein Z. D.] in: Zbiör 8, 3, 115—246. — (S. 234 — 245 einige Märchen.) Anhang. 601 Nicolaid.es (J.) — Contes licencieux de Constantinople et de l'Asie mineure. Kleinbronn-Paris 1906. Nicolaissen (0.) — Sagn og eventyr fra Nordland 1 — 2. Kristiania 1879 und 1887. Fra Nordlands Fortid. Kristiania 1889. Nicolovius (= Nils Loven) — Folklif wet i Skytts Härad i Skäne wid början af detta ärhundrade. Lund 1847. — Neue Aufl. Skäne 1868. Niederhöffer (A.) — Volkssagen Mecklenburgs 1 — 4. Leipzig 1858—62. Niedersachsen 1 — 20. Bremen 1895 — 1915. Nielsen (0.) — Garnla segner fraa Valdriis. Kristiania 1871. Nieri (J.) — Cento racconti popolari lucchesi. Livorno 1906. Nikolic (A.) — Srpske narodne pripovetke [Serbische Volksmärchen], neue Ausgabe, Belgrad 1899. — (25 nr. — Vgl. Polivka, Archiv 22, 313). de N i n o (A.) — Usi e costumi abruzzesi, vol. 3 : Fiabe. Firenze 1883. (75 nr.) — vol. 4: Sacre leggende. Fir. 1887. Nisard (Ch.) — Histoire des livres populaires, 1 — 2. Paris 1854. — 2. Aufl. 1864. Nordenskiöld (E.) — Indianerleben. Leipzig 1912. Nordlander (J.) — Svenska folksagor. Stockholm 1892. — — Smäplock, historier og mässningar, grötrim och hvarjehanda. Stockholm 1889. (= Sv. landsmälen 7, 8.) Norsk Folkekultur, folkeminne-tidskrift 1 — 3. Bisör 1915 — 17. North Indian Notes and Queries ed. by W. Crooke 1 — 5. Allahabad 1891—96. Nouri (Ali) — Nasreddin Khodjas Schwanke und Streiche. 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Pio (J.) — Contes populaires grecs. Copenhague 1879. (47 nr.) Pitre (G.) — Otto fiabe e novelle siciliane. Bologna 1873. (aus Propugnatore 6.) — — Novelline popolari siciliane. Palermo 1873. (7 nr.) — — Nuovo saggio di fiabe e novelle popolari siciliane. Imola 1873 (aus Rivista di filologia romanza 1). — — Fiabe, novelle e racconti popolari siciliane 1 — 4. Palermo 1875 (== Biblioteca delle tradizioni pop. siciliane 4 — 7). (307 nr.) Fiabe e leggende popolari siciliane. Palermo 1888 (== Biblioteca 18). — — Novelle popolari toscane. Firenze 1885. (76 nr.) — — Usi e costumi, credenze e pregiudizi del popolo siciliano 1 — 4. Palermo 1889 (= Bibl. 14—17). — — Cartelli, pasquinate , canti, leggende, usi sicil. Palermo 1913 (= Bibl. 24). — p. 354 vierzehn albanische Märchen. 604 Anhang. Pleszczynski (A.) — Bojarzy Mie,dzyrzeccy, Studium etnograficzne [Das Adelsvolk in Mie_dzyrzece, im Gouv. Siedlec]. Warschau 1893 (= BibljotekaWisJyll). — Auf S. 144— 157 Märchen und Legenden. Pleyte(E. M.) — Bataksche Vertellingen. Utrecht 1894. Plohl-Herdvigov (R. F.) — Hrvatske narodne pjesme i pripoviedke u Vrbovcu skupio [Kroatische Volkslieder und Erzählungen, in Vrbovec gesammelt]. Warasdin 1868. Podbereski (A) — Materyaly do demonologii ludu ukramskiego, z opowiadan ludowych w powiecie Czehryiiskim [Materialien zur Dämonologie des ukrainischen Volkes, aus Volkserzählungen im Bezirk Öehryn] = Zbiör 4, 3, 3 — 82. — Über mythische Wesen, Vampyre, Cholera, Werwölfe, Hexen, Alp, Teufel. Podsavniski. — Slovenske pripovedke iz Motnika, nabral in v izvirnem jeziku napisal [Slowenische Märchen aus Motnik in Krain]. 1874. Poestion (A.) — Isländische Märchen. Wien 1884. — — Lappländische Märchen Wien 1886. Pogatschnigg (V.) — Märchen aus Kärnten, in: Carinthia 55 — 56, Klagenfurt 1865—66. Pohadky a povesti naseho lidu [Märchen und Sagen unsres Volkes]. Prag 1882. (Volkskundliche Sammlungen, hsg. von dem Verein Slavia). Polaczek (St.) — Wies Rudawa; lud, jego zwyczaje, obyczaje, obrz^dy, piosnki, powiastki i zagadki [Das Dorf Rudawa bei Krakau; das Volk, seine Gebräuche, Lieder, Erzählungen und Rätsel]. Warschau 1892 = Bibljoteka Wisly 9. — Auf S. 82 bis 95 Sagen, 219—251 Märchen. Polderer (J.) — Schwanke und Bauernerzählungen aus Nieder- österreich. Wien 1908. (= Futilitates 3.) Polites (N. G.) — IlaQaööoEis 1—2. Athen 1904. Polivka (Jifi) — Povidky lidu opavskeho a hanäckeho, vydal a komentafem kriticko-bibliografickym opatfil [Volkserzählungen aus dem Troppauer Lande und Hanakei, hsg. und mit einem kritischen und bibliographischen Kommentar versehen]. Prag, Aka- demie der Wiss. 1916. Popelka (F. L.) — Povesti a bächorky (Prostonarodni besedy 3) [Sagen und Märchen : Volkstümliche Unterhaltungen nr. 3] Policka 1880. — Praha o. J. (Narodni kvety 3). — • — Pohadky a povesti [Märchen und Sagen]. Prag 1894. Popelka (Vaclav) — Pohadky z Policska [Märchen aus der Um- gebung von Polieka], Hsl. Sammlung im Archiv des cecho- slavischen Museums in Prag. Popelkovä (Anna) — Na besede. Pohadky [Plauderstunden. Märchen]. V Policce 1897. Popescu (N. D.) — Carte de basme. culegere de basme si legende populäre. 2. ed. 1—4. Bukarest 1892. Anhang. 605 Po tan in (Gr. N.) — Ocerki severo-zapadnoj Mongolii [Skizzen aus der nordwestlichen Mongolei] 1 — 4. St. Petersburg 1881 — 84. Prato (St.) — Quattro novelline popolari livornesi. Spoleto 1880. — — Una novellina popolare monferrina raccolta e illustrata. Como 1882. Preindlsb erger- Mrazovic (M.) — Bosnische Volksmärchen. Inns- bruck 1905. Preuss (K. Th.) — Die Nayarit-Expedition 1: Die Religion der Cora-Indianer. Leipzig 1912. Preuss (Th.) — Tiersagen, Märchen und Legenden in Westpreußen gesammelt. Danzig 1912. PHhoda (Vaclav). — Pohadky z Policska, zapsala Kristina Popel- kovä, vyprävel [Märchen aus der Umgebung von Policka, nieder- geschrieben von Kr. P., erzählt von V. P.] (Handschriftliche Samm- lung im Archiv des cechoslavischen ethnographischen Museums in Prag.) Pfikryl (Frant. P.) — Zähorskä Kronika. Pohadky a povesti ze Zahofi [Chronik aus dem sogen. Zahofi in Ostmähren. Märchen und Sagen aus dem sogen. Zahofi]. V Sobechlebich 1895 [Olmütz]. Prochazka (K.) — - Kolaro victi dratenici [Die Drahtbinder von Kolarowitz im Komitat Trentschin]. Prag [1905]. Pröhle (H.) — Kinder- und Volksmärchen. Leipzig 1853. (81 nr.) — — Märchen für die Jugend. Halle 1854. (64 nr.) — — Märchenstrauß, ausgewählt. Berlin 1882. (29 nr.) Prostonarodni Zabavnik [Volkstümliches Unterhaltungsblatt] 1—2. Presburg 1842—43. — 3—4. Levoc 1844—45. — 5. Stävnice 1844 — 45. (Hsl. Sammlungen slovakischer Volksüberlieferungen, im Archiv des Museums in Türe. sv. Martin). Prym (E.) und So ein (A.) — Der neuaramäische Dialekt des Tür 'Abdin, 1—2 Göttingen 1881. Kurdische Sammlungen 1—2. St. Petersburg 1887. 1890. Przibilla (F.) — Oberschlesische Sagen und Märchen. Breslau 1913. Püttmann(H.) — Nordische Elfenmärchen und Lieder. Leipzig 1844. V^vigstad (J.) og Sandberg (Gr.) — Lappiske eventyr og folke- sagn. Kristiania 1887. Kadi off (W.) — Proben der Volksliteratur der türkischen Stämme Südsibiriens 1 — 6. St. Petersburg 1866 — 86. — Die gleichzeitig erschienene russische Ausgabe ist bis zum 10. Bande (1904) fortgeführt. Bd. 10 betrifft die bessarabischen Gagausen. Radostov (J. K.) — ■ Närodni pohadky [Volksmärchen]. 3. Auflage. Prag 1883. — 82 nr. Ralston (W. R. S.) — Russian folk-tales. London 1873. — — - Tibetan tales, derived from indian sources. London 1884. — (nach Schiefner, Indische Erzählungen. 50 nr.) Ramstedt (Gr. J.) — Kalmückische Märchen — Memoires de la soc. finno-ougrienne 27, 1 — 154. 606 Anhang. Ramult (St.) — Stownik j^zyka pomorskiego czyli kaszubskiego [Wörterbuch, der kasckubischen Sprache]. Krakau, Akademie 1893. Rand (S. T.) — Legends of the Micmacs. New- York 1894. Rank (J.) — Aus dem Böhmerwalde. Leipzig 1843 und Prag 1917. Rattray (R. S.) — Some folk-lore in Chinyanja. London 1907 Raum (J.) — Grammatik der Dschaggasprache. Berlin 1909. Reinhardt (C.) — Ein arabischer Dialekt in Oman und Zanzibar. Stuttgart 1894. (S. 29 7 Texte). Reinisch (L.) — Die Nuba-Sprache. Wien 1879. Die Bilin-Sprache 1—2. Leipzig 1883—87. Die 'Afar-Sprache. Wien 1885 = Sitzungsberichte der Wiener Akademie, phil.-hist. XL 111. — — Die Xunama - Sprache in Nordost - Afrika. Wien 1889 = Sitzungsberichte 119. Die Saho-Sprache 1—2. Wien 1889—90. Die Somali-Sprache 1. Wien 1900. Reiser (X. A.) — Sagen, Gebräuche und Sprichwörter des Allgäus 1—2. Xempten 1895—1902. Rene! (Ch.) — Contes de Madagascar 1—2. Paris 1910. Resetar (M.) — Die serbokroatischen Xölonien Süditaliens. Wien 1911 (Schriften der Balkankommission, linguistische Abt. 9). Reusch (R. F.) — Sagen des preußischen Samlandes. Xönigsberg 1838. — 2. Aufl. 1863. Revista de folklöre chilenö 1 — 2. Santiago de Chile 1909 — -12. Revista lusitana 1—4. Porto 1887—95. Revue celtique 1—34. Paris 1870—1913. Revue de l'histoire des religions 1 — 68. Paris 1880 — 1913. Revue des laagues römanes 1 — 56. Montpellier 1870 — 1914. Revue des traditiöns populaires 1 — 29. Paris 1886 — 1914. Rhodökanakis (N.) — Der vulgärarabische Dialekt im Dofär 1. Wien 1908. (Südarab. Expedition 8). Rhys (J.) — Celtic folk-lore, welsh and mancx 1 — 2. Oxford 1901. Rimauski (J.) — Slovenskje pövesti [Slovakische Märchen]. Leutschau 1845. Rink (H.) — Eskimoiske eventyr og sagn. Xopenhagen 1866 — 71. — Tales and traditiöns of the Eskimos. Edinburg 1875. Ristic (X.) i Vasa Loncarski — Srpske narodne pripovetke [Ser- bische Volksmärchen]. Novi Sad 1891. Ritson (J.) — Fany tales. London 1831. Rittershaus (A.) — Die neuisländischen Volksmärchen. Halle 1902. (127 nr.) Ri viere (J.) — Recueil de contes populaires de la Xabylie du Djurdjura. Paris 1882. Rivista di letteratura popolare 1. Torino 1877 — 79. Rivista delle tradizioni popolari italiane 1 — 2. Roma 1893 — 94. Anhang. 607 Roche (D.) — Contes lirnousins. Paris 1909. Rochemonteix (M. de) — Oeuvres diverses. Paris 1894. Rochholz (E. L.) — Schweizersagen aus dem Aargau 1 — 2. Aarau 1856. Rodenberg (J.) — Ein Herbst in Wales. Hannover 1857. — (Märchen aus Croker und Keightley). Rodopski napredäk. Mesecno iljustrovano spisanije za nauka, obscestveni znanija i narodni umotvorenija [Rhodoper Fortschritt, illustrierte Monatsschrift für Wissenschaft usw.] 1 f. 1903 f. Rogasener Eamilienblatt hsg. von 0. Knoop 1--13. Rogasen 1898—1914. Rokossowska (Zofia) — Bajki ze wsi Jurkowszczyzny, powiatu Zwiahelskiego gubernii Wolynskiej [Märchen aus dem Dorfe Jurkowszczyzna, Kreis Zwiahel, Gouv. Wolhvnien] = Materialy Krakow 2, 14—118. — (89 nr.) Rolland (E.) — La faune populaire de la Erance 1 — 12. Paris 1876—1910. Flore populaire de la France 1—7. Paris 1896 — 1906. Romania 1-42. Paris 1872—1913. Romanov (E.) — Belorusskij Sbornik [Weißrussischer Sammelbandj 1—6. Kiew 1886, Vitebsk 1887. 1891. 1901. — (Im 3. Bd. 27 Tierfabeln, 95 mythische und 29 humoristische Märchen, im 4. Bd. 148 kosmogonische und Kulturmärchen. Vgl. Polivka, Archiv 29, 454.) Rom er o (S.) — Contos populäres de Brazil. Lisboa 1885. Röna-Sklarek: s. Sklarek. Rondallayre: s. Maspons. Röscher (W.) — Lexikon der griechischen und römischen Mythologie 1, 1—3, 2. Leipzig 1884—1902. Ross (H.) — Ein Soge-Bundel. Kristiania 1869. Roth (H. Ling) — The natives of Sarawak and British North Borneo. London 1896. (1, 299—358 Legends). Roumanian fairy tales and legends. London 1881. Roussey (Ch.) — Contes populaires recueillis ä Bournois. Paris 1894. Rovinskij (D.) — Russkija narodnyja kartinki [Russische Volks- bilderbogen] 1 — 5. St. Petersburg 1881 (= Sbornik otdel. russk. jazyka i slov. imp. akademii nauk 23 — 27). Rovinskij (P.) — Cernogorija v jeja proslom i nastojascem. Geografija, istorija, etnografija, archeologija, sovrem. polozenije [Montenegro einst und jetzt. Geographie, Geschichte, Volks- kunde, Altertumswissenschaft und jetzige Verhältnisse]. Bd. 2, Teil 2. St. Petersburg 1901. (Sbornik otdel. russ. jaz. i slov- imperat. akademii nauk 69, 1.) Rozdolskyj (Osyp) — Halycki narodni skazki, v Berlyni, pov. Brodskoho iz ust naroda [Galizische Volksmärchen, in Berlin, Kreis Brody aus dem Munde des Volkes] = Zbirnyk 1, 1 — 96. 7, 168. — (vgl. Polivka, Zs. f. öst. Volksk. 2, 221. 7, 93. 130.) 608 Anhang. Rozdolskyj (Osyp) — Halycki narodni noveli [Galizische Volks- novellen] = Zbirnyk 8. — (vgl. Polivka, Zs. f. öst. Volksk. 8, 143.; Rudbeck (E.): s. Salmelainen. Rudcenko (J.) — Narodnyja juznorusskija skazki [Südrussische Volksmärchen] 1—2. Kiew 1870. — (83 + 54 nr.) Rulikowski (E) — Zapiski etnograficzne z Ukrainy [Ethno- graphische Aufzeichnungen aus der Ukraine] = Zbiör 3, 3, 62— 166. Eusswurm (C.) — Eibofolke 1—2. Eeval 1855. — — Sagen aus Hapsal, der Wiek, Ösel und Bunö. Reval 1861. Rybnikov (P. N.) — Pesni [Lieder], neue Ausgabe von A. E. Gruzinskij 1—3. Moskau 1909—10. Eye (0.) — Eventyr og fortsellinger fra Sonderjylland. Aarhus 1886. Oacharov (J. P.) — Skazanija russkago naroda [Erzählungen des russischen Volkes] 3. Aufl. 1 — 2. Moskau 1841 — 49. Sachau(E.) — Skizze des Eellichi-Dialekts. Berlin 1895. (Philosoph, und histor. Abhandlungen der k. Akademie der Wiss.) Sachs (Hans) — Sämtliche Fabeln und Schwanke, hsg. von E. Goetze und K. Drescher, 1-6. HaUe 1893-1913. Sadok-Bar^cz: s. Baracz. Sadovnikov (D. N.) — Skazki i predanija Samarskago kraja [Märchen und Sagen des Samarischen Landes] = Zapiski imperat. russkago geograf. obscestva po otdeleniju etnografii [Nachrichten der kais. russ. geographischen Gesellschaft, Abt. f. Ethnographie] 12. St. Petersburg 1884. - 124 nr. Sakellarios (A.) — Kypriaka 1-3. Athen 1855-68. — 2. Aufl. 1 — 2. Athen 1891. (2, 299 16 Märchen; vgl. F. Liebrecht, Jahrbuch f. roman. Lit. 11, 345 — 386). Salmelainen (Eero = Erik Rudbeck) — Suomen kansan satuja ja tarinoita [Märchen und Sagen des finnischen Volkes] 1—4. Hel- singfors 1852—66. Samotschiner Zeitung, Beilage: Aus der Heimat für die Heimat 1-8. 1905-12. Sant' Anna Nery (F. J. de) — Folklore bresilien. Paris 1889. Sarnelli (P.) — La Posilecheata (1684) ed. V. Imbriani. Napoli 1885. Sauve (L. F.) — Le folk-lore des Hautes-Vosges. Paris 1889. Sbornik Charkovskago istoriko-filologiceskago obscestva [Sammel- bände der historisch - philologischen Gesellschaft in Charkov]. lf. Charkov 1888 f. Sbornik materialov dlja opisanija mestnostej i plemen Kavkaza, izdanie upravlenija Kavkazskago ucebnago okruga [Sammel- band von Materialien für die Beschreibung der Ortschaften und Völker des Kaukasus, hsg. von der Direktion des kaukasischen Schuldistriktes] 1-29. Tiflis 1881-1901. Sbornik za narodni umotvorenija nauka i kniznina, izdava Ministerstvoto na narodnoto prosvescenie [Sammelband für Volkskunde, Wissenschaft und Literatur, hsg. vom Ministerium Anhang. 609 für Volksauf klärung] 1—18. Sofia 1889—1901. Bd. 19-23 (1903 — 1907) hsg. von der bulgarischen Gesellschaft für Literatur. — Volkskundliches Material enthält die 3. Abteilung in Bd 1 — 15, eine eigne Beilage in Bd. 16 — 18 und in Bd. 19 — 23 die 2. Ab- teilung. Sbornik materialov po ethnografii, izdavajemyj pri Daskovskom etno- graficeskom muzeje, pod redakcijej V. Th. Millera [Sammel- band ethnographischer Materialien hsg. vom Daschkovschen ethnographischen Museum, unter der Bedaktion V. Th. Millers] 1—3. Moskau 1885-88. Sbornik slovenskych narodnich piesni, povesti, prislovi, porekadiel, hädok, hier, obycajov a povier. Vydäva Matica Slovenskä. Sammlung slowakischer Volkslieder, Sagen, Sprichwörter usw. hsg. von der Gesellschaft Matica Slovenskä] 1—2. Vo Viedni 1870. 1874. Sbornik museälnej slovenskej spolocnosti [Sammelband der slova- kischen Musealgesellschaft] 1 — 6. Türe Sv. Martin 1896 — 1906. Sachmatov (A. A.) — Mordovskij etnograficeskij sbornik [Mordwinischer ethnographischer Sammelband]. St Petersburg, Akademie 1910. S, äinenu (L.) — Basmele romäne [Rumänische Märchen]. Bukarest 1895. Schambach (G.) und Müller (W.) — Niedersächsische Sagen und Märchen. Göttingen 1855. Sapkarev (K. A.) — Sbornik ot bälgarski narodni umotvorenija, cast 2: Prostonarodna bälgarska filosofija ili bälgarski narodni prikazki, verovanija, poslovici, gatanki. igri i pr. Otdel 1 : Bälgarski prikaski i verovanija s pribavljenie na nekolko makedonovlaski i albanski [Sammelband bulgarischer Volksüberlieferungen, 2. Teil: Die volkstümliche bulgarische Philosophie oder die bulgarischen Volkserzählungen, Aberglauben, Sprichwörter, Rätsel, Spiele usw. 1. Abt.: Bulgarische Märchen und Aberglauben mit einigen hinzugefügten macedorumänischen und albanesischen] Bd. 8 — 9; Sofia 1892. — Enthält 292 nr., darunter 7 macedorumänische, 5 albanische und 2 türkische. Saselj (J.) — Bisernice iz belokranjskega narodnega blaga [Perlen- schnüre aus dem Schatze der Weißkrainer]. 1 — 2. Laibach 1906. 1909. Sejn (P. V.) — Materialy dla izucenija byta i jazyka russkago naselenija severo-zapadnago kraja, tom 2 : Skazki, anekdoty, legendy, predanije, vospominanija, poslovicy, zagadki, privetstvija, pozelanija, bozba, prokljatija, rugan, zagovory, duchovnj'je stichi i proc. [Materialien zum Studium des Lebens und der Sprache der russischen Bevölkerung des nordwestlichen Landes, Bd. 2: Märchen, Anekdoten, Legenden, Traditionen, Sprichwörter, Rätsel usw.] = Sbornik otdelenija russkago jazyka i slovesnosti imp. Akademiji nauk 57. St Petersburg. — In der 1. Abt. S. 1 — 471 stehn 244 Märchen und Sagen. Schell (O.) — Bergische Sagen. Elberfeld 1897. — Neue bergische Sagen. E. 1905. — Bergischer Volkshumor. Leipzig 1907. Grimm, Märchen- Anmerkungen III. 39 610 Anhang. Scheu(H.) und Kurschat(A.) — Pasakos apie paukscius. Zemaitische Tierfabeln, Text, Wörterverzeichnis und Übersetzung. Heidelberg 1913. - 81 nr. Schiefner (A.) — Über den Mythengehalt der finnischen Märchen (Bulletin de l'Akad. imp. de St. Petersbourg 12, 369—388. 1855). — — Ossetische Sagen und Märchen. St. Petersburg 1867. (Melanges asiatiques 5, 673). — — Awarische Texte (Memoires de l'academie de St. -Petersbourg 7. serie, t. 19, nr. 6. 1873). - Vgl. R. Köhler 1, 537. Indische Erzählungen 1— 47 (Melanges asiatiques 7 — 8. 1873—81); vgl. Ralston. — — Hürkanische Studien (Memoires de l'academie de St.-Petersbourg 7. ser. 17, nr 8). — Kürinische Studien (ebd. 7. ser. 20, nr. 2. 1873). Schiller (A.) — Schlesische Volksmärchen. Breslau 1907. Schisc hmanoff (Lydia) — Legendes religieuses bulgares. Paris 1896. Skultety (A. K.) a Dobsinsky (P.) — Slovenske povesti, kniha 1 : Povesti prastarych bäjecnych casov [Slovakische Märchen, 1. Band: Märchen der uralten mythischen Zeiten]. Rosenau 1858. — 2. und 3. Aufl. Rosenberg 1896. (65 nr.) Schleicher (A.) — Litauische Märchen, Sprichworte, Rätsel und Lieder. Weimar 1857. — — Volkstümliches aus Sonneberg. Weimar 1858. S c h 1 e i c h e r (A. W.) — Somali-Texte, hsg. von L. Reinisch. Wien 1900. Schlenker (C. F.) — A collection of Temne traditions, fables and proverbs. London 1861. Schlossar (A.) — Cultur- und Sittenbilder aus Steiermark. Graz 1885. — (Auf S. 203—219 drei Märchen). Schlossar(P.) — Der Sagenkreis derPostela. Marburg a. d. Drau 1912. Schmeller (J.) — Die Mundarten Bayerns. München 1821. Schmidt (B.) — Griechische Märchen, Sagen und Volkslieder. Leipzig 1877. Schmidt (F. W. Val.) — Märchensaal. 1817. s. Straparola. Schmidt (H.) und Kahle (P.) — Volkserzählungen aus Palästina. Göttingen 1918. Schmitz (J. 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Vre e vi 6 (Vuk vitez) — Narodne satiricno-zanimljive podrugacice, skupio ih po Boki Kotorskoj, Crnojgori, Dalmaeiji a najvise po Hercegovini [Satirische und witzige Volkserzählungen, gesammelt in den Bocche di Cattaro, in Montenegro, Dalmatien und zumeist in der Herzegowina]. Pagusa 1883. Vrucevic (M. S) — Obitateli, kultura i zizn v Jakutskoj oblasti [Die Bevölkerung, Kultur und das Leben im Jakutsker Gebiet]. St. Petersburg 1891. Zapiski Imperat. russkago geogr. obscestva po otdelen. etnografii 18, 2). Vuk: s. Wuk. Vyhlidal (J.) — Cechove v pruskem Slezsku [Die Cechen in Preußisch-Schlesienj. 3. Aufl. Kremsier 1900. — — Malüvky z Hane [Bilder von der Hanna]. Kromefiz 1908. Wald au (A.) — Böhmisches Märchenbuch. Prag 1860. Waldis (B.) — Esopus (1548) hsg. von H. Kurz 1-2. Leipzig 1862. Wallonia 1-21. Liege 1893-1913. Waltman (K. H.) — Lidmäl (Svenska landsmälen 13, 1). 1894. Ward (H. L. D.) and Herbert (J. 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Skämtsägner pä skänska bygdemäl. Stockholm 1882 (= A. Hazelius, Ur de nordiska folkens lif 2, 82—116). — — Byhistorier och skämtsägner 1 — 6. Stockholm 1909 — 1910. Wilde (F. S.) — Ancient legends of Ireland 1-2. London 1887. Wilhelm (R.) — Chinesische Volksmärchen. Jena 1914. (100 nr.) Wilson (J. L.) — Western Africa. London 1856. Winter-Hjelm (K. A.) — Aeventyrbogen. Kristiania o. J. Winther (M.) — Danske folkeeventyr, 1. samling. Kiöbenhavn 1823. Wisla, miesiecznik gieograficzno-etnograficzny [Die Weichsel, geographisch - ethnographische Monatsschrift] 1 — 19. Warschau 1887—1905. — Bd. 2—13 ist von Jan Karlowicz, 14—15 von Erazm Majewski herausgegeben. Wisser (W.) — Wat Grotmoder verteilt, ostholsteinische Volks- märchen 1. Leipzig 1904 und Jena 1909. — 2 (neue Folge) Jena 1905. — 3 (zweite Folge). Jena 1909. Plattdeutsche Volksmärchen, Ausgabe für Erwachsene. Jena 1914. (Vorher erschienen in der Kieler Monatsschrift 'Die Heimat' 1899 — 1903 vierzig Volksmärchen aus dem östlichen Holstein ; andere in der Zs. Niedersachsen 1902 — 1907, der Deutschen Zeitung, im Eutiner Kalender), de Witt (Mme) — Vieux contes de la veillee, traditions populaires. Paris 1890. Witte ( ) — Podsneznik. 1860. Witterijck-Delplace (A. J.) — Oude westvlaamsche Volksverhaien. Brügge 1892. (13 nr.) Witzschel (A.) — Kleine Beiträge zur deutschen Mythologie, Sitten- und Heimatkunde aus Thüringen 1 — 2. Wien 1866 — 78. von Wlislocki (H.) — Märchen und Sagen der transsilvanischen Zigeuner. Berlin 1886. (63 nr.) Vom wandernden Zigeunervolke. Hamburg 1890. — — Volksdichtungen der siebenbürgischen und südungarischen Zigeuner. Wien 1890. (S. 179—430 100 Märchen). — — Märchen und Sagen der Bukowinaer und Siebenbürger Armenier. Hamburg 1891. (60 nr.) Woeste (F.) — Die Volksüberlieferungen der Grafschaft Mark. Iserlohn 1848. 1880. 622 Anhang. Wöjcicki (K. W.) — Klechdy, starozytne podania i powiesci ludowe [Klechden, altertümliche Überlieferungen und Volksagen]. 3. Aufl. Warschau 1876. — — Polnische Volkssagen und Märchen, deutsch von F. H. Lewestam. Berlin 1839. Wolf (Ferd.) — Proben portugiesischer und catalanischer Volks- romanzen (Sitzungsberichte der Wiener Akademie, phil.-hist. Cl. 20, 17—168. 1856. — S. 51 neun Märchen nach Mild). — — Beiträge zur spanischen Volkspoesie aus den Werken Fernan Caballeros, (ebd. 31, 133—218. 1859.) Wolf (J.W.) — Grootmoederken, Archiven voor nederduitsche sagen 1 — 2. Gent 1842 — 1843. — Erschien mit andrer Vorrede auch unter dem Titel : Wodana, Museum voor nederduitsche oudheids- kunde. Gent 1843. — — Deutsche Märchen und Sagen. Leipzig 1845. — — Deutsche Hausmärchen. Göttingen 1851. (51 nr.) — — Hessische Sagen. Göttingen und Leipzig 1853. (278 nr.) Wo na. Jamaikanische Negerlegenden, Anancy- Erzählungen, über- setzt von J. v. Quistorp. Berlin 1907. Wossidlo (R.) — Mecklenburgische Volksüberlieferungen 1: Rätsel 2: Tiere. 3: Kinderwartung. Wismar 1897—1906. Wratislaw (A. H.) — Sixty folk tales from exclusively slavonic sources. London 1889. Wucke (C. L.) — Sagen der mittleren Werra. 2. Aufl. Eisenach 1891. Wuk (Stephanowitsch Karadschitsch). — Volksmärchen der Serben, ins Deutsche übersetzt von dessen Tochter Wilhelmine. Berlin 1854. — — Srpske narodne pripovijetke i zagonetke [Serbische Volks- märchen und Rätsel]. Belgrad 1897. (150 nr.) Wuttke (A.) - — Der deutsche Volksaberglaube der Gegenwart. Berlin 1860. 1869. - 3. Aufl. von E. H. Meyer 1900 Wyss (J. R.) — Idyllen, Volkssagen, Legenden und Erzählungen aus der Schweiz, 1 — 2. Bern 1815 — 22. Yeats (W. B.) — Fairy and folk-tales of the irish peasantry. London 1888. ■ — Deutsch von E. Jacobi, Neuwied 1894. — — Irish fairy and other folk-tales. London 1892. 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Zawilinski (R.) — Z powiesci i piesni gorali beskidowych [Aus den Erzählungen und Liedern der Gebirgsbewohner derBeskiden]. Warschau 1890 = Bibliothek der Wisla 5. — (10 nr.) Zbiör wiadomosci do antropologii krajowej wydawany staraniem komisyi antropologicznej Akademii umieje^tnosci w Krakowie [Sammlung von Berichten zur Anthropologie des Landes, hsg. von der anthropologischen Kommission der Akademie der Wissenschaften in Krakau] 1 — 18. Krakau 1877 — 95. Zbirnyk: s. Etnograficnyj Zbirnyk. Zbornik za narodni zivot i obicaje juznih Slavena. Izdaje Jugoslov. Akademia znanosti i umjetnosti [Sammelwerk zum Studium des Volkslebens und der Sitten der Südslaven]. Bd. 1 f. Agram 1896 f. Zdziarski (St.) — Pierwiastek ludowy w poezji polskiej XIX. wieku. Studja poröwnawczo-literackie [Volkstümliche Elemente in der polnischen Poesie des 19. Jh. Studien zur vergleichenden Literaturgeschichte]. 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Zeitschrift des Vereins für rheinische und westfälische Volks- kunde 1—14. Elberfeld 1904—1917. Zeliqzon (L.) — Lothringische Mundarten. Metz 1889. — ■ — et Thiriot (G.) — Textes patois recueillis en Lorraine. Metz 1912. (zu Jahrbuch der Ges. f. lothringische Geschichte Bd. 4). 624 Anhang. Zeltner (F. de) — Contes du Senegal et du Niger. Paris 1913. Zeynek (G.) — Ein Beitrag zur Sammlung des Volkstümlichen im Temescher Banat. (Neues Lausitzisches Magazin 42, 302 — 349). Zingerle (Ignaz und Joseph) — Tiroler Volksdichtungen und Volks- gebräuche 1 : Kinder- und Hausmärchen aus Tirol. Innsbruck 1852. — 2. vermehrte Auflage, Gera 1870 (53 nr.). 3. Aufl. Inns- bruck 1911. — 2: Kinder- und Hausmärchen aus Süddeutschland. Begensburg 1854. (75 nr.) Neue Aufl. 1916. Zingerle (Ignaz Vincenz) — Sitten, Bräuche und Meinungen des Tiroler Volkes. Innsbruck 1857. — — Sagen, Märchen und Gebräuche aus Tirol. Innsbruck 1859. — — Sagen aus Tirol. 2. vermehrte Auflage. Innsbruck 1891. (1022 nr.) Ziska (F.) — österreichische Volksmärchen. Wien 1822. — Neue Aufl. Leipzig 1906. Zivaja Starina, Periodiceskoje izdanije otdelenija etnografiiimperat. russkago geograf. obscestva [Lebendes Altertum, Zeitschrift der kais. russischen Geographischen Gesellschaft, Sektion für Ethno- graphie, red. von V. J. Lamanskij] 1 — 11. St. Petersburg 1890-1901. Zorzut (D) — Instoris e l'iendis furlanis, choltis sü a Cormöns sul Indri cunt-un dos chäcaris di Vencul. Gurice 1914. — — Ridiculis, ridäculis altris sflocis par furlan. Gurice 1914. (6 nr.) Zurnal ministerstva narodnago prosvescenija [Journal des Ministe- riums der Volksaufklärung] 1 ff. St. Petersburg 1834 ff. Zytje i SJovo. Vistnyk literatury, istoriji i folkloru. [Leben und Worte. Anzeiger für Literatur, Geschichte und Volkskunde]. Red. Jv. Franko. Lemberg 1—6 (1894-97). Druck der Eberhardt'schen Hof- und Ratsbuchdruckerei, "Wismar. "^mm i B^V * I I H ■ 1